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Jean Raphaël Marie Noël Cayrol (* 6. Juni 1911 in Bordeaux, Frankreich; † 10. Februar 2005 ebenda) war ein französischer Schriftsteller, der zwei Jahre in einem deutschen Konzentrationslager verbringen musste. Seine Lyrik und Prosa wurde mehrfach ausgezeichnet.
Inhaltsverzeichnis |
Der Sohn eines Arztes studiert in Bordeaux Jura und Literaturwissenschaft. Von 1936 bis 1942 ist er als Bibliothekar in der Handelskammer seiner Geburtsstadt tätig. In dieser Zeit tritt er vor allem mit Lyrik in Erscheinung.
Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wird er Mitarbeiter des Französischen Geheimdienstes, was er ab 1941 in der Résistance fortsetzt. 1942 gefangen genommen, wird Cayrol ins KZ Mauthausen-Gusen deportiert, wo er ab 1943 im Zwillingslager Gusen I Zwangsarbeit im Steinbruch, beim Straßenbau und bei der Schienenverlegung zu verrichten hat. Cayrol war zum Tode verurteilt, aber begnadigt worden. Später arbeitet er im Kommando Georgenmühle in Gusen, wo er für die Steyr-Daimler-Puch AG an Bauteilen für Gewehre arbeiten muss. Cayrol schreibt dort eine Anzahl von Gedichten, die er 1997 in seinem Buch Alerte aux ombres 1944-1945 veröffentlicht. Weiter verfaßt er gemeinsam mit Remy Gillis den Chant d´Espoir des Bagnards de Mauthausen. In Poèmes de la nuit et du brouillard schließlich – auf deutsch unter dem Titel Nacht und Nebel erschienen – verarbeitet er sowohl seine Zeit in der Résistance wie im KZ. Auf ihrer Grundlage dreht Alain Resnais 1955 einen vielbeachteten Dokumentarfilm.
Nach dem Zweiten Weltkrieg veröffentlicht Cayron noch zahlreiche Gedichtbände und Romane. Für den Roman Je vivrai l'amour des autres erhält er 1947 den Prix Renaudot; für sein Gesamtwerk 1968 den Grand Prix littéraire de Monaco, 1969 den Prix international du Souvenir. Als Berater der Éditions du Seuil entdeckt und fördert er außerdem andere Autoren wie Philippe Sollers oder Denis Roche. Von 1973 bis 1995 ist er Mitglied der renommierten Académie Goncourt.
Als Romancier macht es Cayrol seinen Lesern nicht einfach. Für Jürgen Engler[1] trägt er in „stark gleichnishaftem Stil“ „religiös akzentuierte Seelenkämpfe“ aus; seine „Helden“ seien von gesellschaftlichen, beruflichen und materiellen Sorgen unbeschwerte „verabsolutierte moralische Prinzipien“. Mit seinen letzten Werken tendiere er zum „philosophischen Märchen“. Für Kindlers Neues Literatur Lexikon[2] kreist Cayrols Prosa um die Empfindung des Fremdseins und die Unmöglichkeit der Bindung zu anderen Menschen; es betont ihre Selbstbezüglichkeit und bescheinigt ihr einen „ausgesprochen lyrischen“ Zug „ins traumhaft Groteske“. Der Spiegel findet in Cayrols Roman Im Bereich der Nacht (1954) sowohl „poetische Schönheiten“ als auch „verschwimmende Konturen“.[3] Christin Zenker meint aus Anlaß der Neuauflage dieses Buches 2011, die Lektüre sei sicherlich anstrengend, gleichwohl lohnend.[4]
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Cayrol, Jean |
| ALTERNATIVNAMEN | Cayrol, Jean Raphaël Marie Noël (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Autor und Verleger |
| GEBURTSDATUM | 6. Juni 1911 |
| GEBURTSORT | Bordeaux |
| STERBEDATUM | 10. Februar 2005 |
| STERBEORT | Bordeaux |