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Jeanne d’Arc

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Jeanne d’Arc (BegriffsklĂ€rung) aufgefĂŒhrt.
Jeanne d’Arc (Anonyme Miniaturmalerei, zweite HĂ€lfte des 15. Jahrhunderts; ein zu Lebzeiten entstandenes Bild ist nicht ĂŒberliefert.)
Jeanne d’Arc (Miniaturmalerei, 15. Jahrhundert)
Standbild der Jeanne d’Arc auf dem Place du Parvis, Reims
Jeanne d’Arc (Basilika Bois-Chenu, DomrĂ©my)
Maison de Jeanne d’Arc in OrlĂ©ans mit Ausstellungen ĂŒber Jeanne d’Arc (2008)
Jeanne d'Arcs Signatur

Jeanne d’Arc ([ʒanˈdaʁk]); (* am 6. Januar 1412 in DomrĂ©my, Lothringen; † 30. Mai 1431 in Rouen), im deutschsprachigen Raum auch Johanna von OrlĂ©ans oder die Jungfrau von OrlĂ©ans genannt, ist eine französische Nationalheldin und Heilige der katholischen und der anglikanischen Kirche.

WĂ€hrend des HundertjĂ€hrigen Krieges fĂŒhrte sie die Franzosen gegen die EnglĂ€nder und die Burgunder. Durch Verrat wurde sie von den Burgundern gefangen genommen und an die mit ihnen verbĂŒndeten EnglĂ€nder verkauft. Ein Kirchenprozess sollte sie diskreditieren. Unter dem Vorsitz des Bischofs von Beauvais, Pierre Cauchons, der den EnglĂ€ndern nahestand, wurde sie wegen einiger VerstĂ¶ĂŸe gegen die Gesetze der Kirche verurteilt und auf Befehl des Herzogs von Bedford auf dem Marktplatz von Rouen auf einem Scheiterhaufen verbrannt. 24 Jahre spĂ€ter strengte die Kurie einen Revisionsprozess an, hob das Urteil im Jahre 1456 auf und erklĂ€rte sie zur MĂ€rtyrerin.

Im Jahre 1909 wurde sie von Papst Pius X. selig- und elf Jahre spÀter 1920 von Papst Benedikt XV. heiliggesprochen. Ihr Gedenktag ist der 30. Mai.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Kindheit und Jugend

Geburtshaus von Jeanne d’Arc in DomrĂ©my (Fotografie um 1870)
Geburtshaus von Jeanne d’Arc in DomrĂ©my-la-Pucelle

Weder fĂŒr Jeanne d’Arcs genauen Tag der Geburt noch fĂŒr das Geburtsjahr gibt es eine zuverlĂ€ssige Quelle. Sie wurde wĂ€hrend der zweiten HĂ€lfte des HundertjĂ€hrigen Krieges zwischen dem König von Frankreich und dem König von England in DomrĂ©my um 1412 als Tochter von Jacques Darc (oder Jacques Tarc, Tare, Dart, Day, Daix) und Isabelle RomĂ©e in eine wohlhabende Bauernfamilie geboren. Die ĂŒblich gewordene Schreibweise „d'Arc“ taucht erst seit dem 16. Jahrhundert auf, um die Nobilitierung der Familie anzudeuten.[1]

Im HundertjĂ€hrigen Krieg versuchte England aufgrund erbrechtlicher ZusammenhĂ€nge seine AnsprĂŒche auf den französischen Thron durchzusetzen. Vorausgegangen war der Tod des französischen Königs Karl IV. Der seit 1328 in England herrschende König Edward III. erhob als Sohn von Isabelle, der Tochter Philipps IV. „des Schönen“, Anspruch auf den Thron. Französische Rechtsgelehrte akzeptierten diesen Anspruch jedoch nicht, da Frauen und deren Erben von der Thronfolge grundsĂ€tzlich ausgeschlossen waren. Schließlich wurde Philipp VI. als Nachfahre der Kapetinger aus der Nebenlinie der Valois am 28. Mai 1328 in Reims zum König gekrönt. Nach der Konfiszierung des englischen Herzogtums Guyenne 1337 durch Philipp VI. landete Edward III. mit 4.000 Rittern und 10.000 BogenschĂŒtzen in der Normandie.

1415 besiegte der englische König Heinrich V. die Franzosen in der Schlacht von Azincourt und erhob erneut Anspruch auf den französischen Thron. Englische Truppen hatten den Norden des Landes bis zur Loire besetzt. OrlĂ©ans, der SchlĂŒssel zur Überquerung des Flusses, war von John of Lancaster, einem Bruder Heinrichs V., eingekesselt (→ Belagerung von OrlĂ©ans).

Mit 13 Jahren hatte Jeanne d’Arc laut Gerichtsprotokoll ihre ersten Visionen. In diesen erschien ihr die heilige Katharina, spĂ€ter kamen der Erzengel Michael und die heilige Margareta hinzu. Von ihnen erhielt sie den Befehl, Frankreich von den EnglĂ€ndern zu befreien und den Dauphin zum Thron zu fĂŒhren. Die Erscheinungen wiederholten sich. Am 25. Dezember 1428 verließ Jeanne ihr Elternhaus.

Am 1. Januar 1429, im Alter von 17 Jahren, versuchte sie zum ersten Mal, beim Stadtkommandanten der Festung Vaucouleurs, Robert de Baudricourt, vorzusprechen. Beim dritten Versuch bekam sie eine Audienz. Nachdem sie ihn nach einer erfolgreichen PrĂŒfung ihres Glaubens ĂŒberzeugen konnte, gab er ihr am 22. Februar 1429 eine Eskorte (Jean de Metz, Bertrand de Poulengey; AnhĂ€nger des Dauphin) mit, die sie zu Karl VII. nach Chinon begleiten sollte, das sie am 5. MĂ€rz 1429 nach elf Tagen durch Feindesland erreichte. Ein Empfehlungsschreiben Baudricourts kĂŒndigte ihren Empfang am französischen Hof an. Sie wurde vom Dauphin empfangen. Jeanne ĂŒberzeugte ihn, dass sie im Namen des Himmels gekommen sei, um Frankreich aus der misslichen Lage zu retten, und sicherte ihm zu, dass er in Reims zum König von Frankreich gekrönt wĂŒrde. Niemand weiß genau, wie Jeanne den Dauphin ĂŒberzeugte; es ist nur bekannt, dass sie sich mit ihm in ein Zimmer zurĂŒckzog und ihn angeblich an einer ihrer Visionen teilhaben ließ.

In Poitiers ließ der Dauphin Jeanne drei Wochen lang von Geistlichen und hochgestellten Persönlichkeiten auf ihre GlaubwĂŒrdigkeit prĂŒfen und ihre JungfrĂ€ulichkeit von Hofdamen untersuchen. Nach erfolgreichem Bestehen beider PrĂŒfungen beschloss der Kronrat, ihr eine RĂŒstung anfertigen zu lassen, und stellte ihr eine kleine militĂ€rische Einheit zur Seite. Sie machte aus einfachen RĂ€ubern Soldaten, wie z. B. aus Étienne de Vignolles, besser bekannt als La Hire („der Wilde“). Ihr erster Auftrag war es, einen Proviantzug nach OrlĂ©ans durchzubringen. Am 29. April kam ihr Zug in der eingeschlossenen Stadt an. Die Truppen in OrlĂ©ans wurden von dem Erfolg motiviert und ließen sich ĂŒberzeugen, einen Ausfall zu wagen. Am 7. Mai ritt Jeanne d’Arc vorneweg. Von einem Pfeil getroffen und vom Pferd geworfen blieb sie dennoch auf dem Feld. Das beeindruckte ihre MitkĂ€mpfer und steigerte die Kampfbereitschaft des Heeres. Einen Tag spĂ€ter zogen die EnglĂ€nder von der aussichtslos gewordenen Stellung ab. Bis Juni 1429 waren die EnglĂ€nder unter der Mitwirkung Jeanne d’Arcs aus den Burgen sĂŒdlich der Loire vertrieben.

Festnahme und Inquisitionsprozess

Königliches Adelspatent 1429: Charles VII. erhebt Jeanne d’Arc samt Familie in den Adelsstand und verleiht ihnen ein Wappen.

Am 17. Juli 1429 konnte der Dauphin, wie von Johanna von OrlĂ©ans prophezeit, in der Kathedrale von Reims als Karl VII. gekrönt werden; Jeanne nahm, mit der Siegesfahne neben dem Altar stehend, an der Feier teil. Der Ruhm Jeanne d’Arcs war auf dem Höhepunkt. Ihr Vater erhielt vom König als Zeichen der Dankbarkeit die Steuerfreiheit. Die königlichen Ratgeber unterminierten den Einfluss Jeanne d’Arcs. Immer wieder bat sie den König, nach Paris vorstoßen zu dĂŒrfen – erst nach etlichen strategischen Fehlentscheidungen gab er im September 1429 ihrem DrĂ€ngen nach. Der Versuch am 8. September 1429 misslang jedoch und Karl VII. wandte sich von ihr ab. Er wollte nun lieber Frieden schließen, entließ Teile der Armee und versagte ihr die UnterstĂŒtzung in ihrem BemĂŒhen, die EnglĂ€nder restlos vom Festland zu vertreiben; die von Jeanne d’Arc betriebene Befreiung von Paris war nicht erfolgreich, sie wurde am 23. Mai 1430 bei CompiĂšgne von Johann von Luxemburg festgenommen und den Burgundern[2] ausgeliefert.

Der Herzog von Burgund verkaufte Jeanne nach zwei Fluchtversuchen am 18. Juni/19. Juni und sieben Monaten in Gefangenschaft fĂŒr 10.000 Franken an den Herzog von Bedford.

Er ĂŒbergab sie der katholischen Gerichtsbarkeit in Rouen, aber behielt sie in der Burg Bouvreuil, Sitz der englischen Macht in Frankreich, und sie wurde fĂŒnf Monate lang in einem Turm eingesperrt. Sie wurde dort „wegen ihres Aberglaubens, ihrer Irrlehren und anderer Verbrechen gegen die göttliche MajestĂ€t“ von der UniversitĂ€t gerichtet. Drei Monate dauerte der Prozess unter dem Vorsitz des Bischofs von Beauvais, Pierre Cauchon, den Jeanne gegen die dialektisch und rhetorisch geschulten Kleriker ohne Beistand fĂŒhrte. (Beispiel: Auf die Fangfrage „Johanna, seid ihr gewiss, im Stande der Gnade zu sein?“ antwortet sie: „Wenn ich es nicht bin, möge mich Gott dahin bringen, wenn ich es bin, möge mich Gott darin erhalten!“ HĂ€tte sie behauptet im Stande der Gnade zu sein, wĂ€re ihr das als ketzerische Anmaßung ausgelegt worden, hĂ€tte sie es geleugnet, so hĂ€tte sie ihre Schuld zugegeben.)

Obgleich sie eine fĂŒr ihren niederen Stand untypisch gute Rhetorik besaß, befand man sie am 19. Mai 1431 in zwölf von 67 Anklagepunkten fĂŒr schuldig. Die ursprĂŒnglichen Anklagepunkte beschuldigten sie unter anderem des Feenzaubers, des Gebrauchs der Alraunenwurzel, der HĂ€resie, der DĂ€monenanbetung (abgeleitet von den von ihr geschilderten Heiligenvisionen, vor denen sie niederkniete) und des Mordes (da Jeanne nicht als Soldat anerkannt wurde, waren alle MĂ€nner, die sie in Schlachten besiegte, als Mordopfer zu betrachten). GefĂ€hrlich wurden Jeannes gerichtliche Aussagen zudem, weil sie sich dem Urteil der Kirche zunĂ€chst nicht unterwerfen, sondern nur ein direkt von Gott stammendes Urteil anerkennen wollte.

Tod

Als man ihr nach der UrteilsverkĂŒndung eröffnete, der Scheiterhaufen erwarte sie, wenn sie ihren Irrglauben nicht einrĂ€ume, schwor Jeanne ihren Überzeugungen ab. Vermutlich geschah dies aus spontaner Furcht vor dem Feuertod, wie sie auch in ihrem spĂ€teren Widerruf des GestĂ€ndnisses selbst erklĂ€rte. Am 24. Mai 1431 wurde auf dem Friedhof von St-Ouen die Exkommunizierung Jeanne d’Arcs vollzogen, die sich in einem öffentlichen GestĂ€ndnis in allen Anklagepunkten fĂŒr schuldig befand. Nach ihrem Abschwören verurteilte man sie als Ketzerin zur lebenslangen Haft, was unter normalen UmstĂ€nden bedeutete, dass die Schuldige nun in ein kirchliches GefĂ€ngnis ĂŒberstellt werden musste.

Aus politischen GrĂŒnden war dieses Urteil fĂŒr die AnhĂ€nger des englischen Königshauses unbefriedigend – war der Prozess doch in Gang gebracht worden, um den Feind (Karl VII.) zu beseitigen und ihn beim geistlichen und weltlichen Adel als BefĂŒrworter einer Ketzerin zu denunzieren und schließlich politisch zu entmachten. Zudem bestand die Gefahr, dass die Dauphinisten sie aus einem kirchlichen GefĂ€ngnis in Frankreich befreien könnten, um einen erneuten Schlag gegen die englischen Truppen anzufĂŒhren.

Der einzige Ausweg bestand darin, Jeanne d’Arc erneut einen Prozess zu machen, der sie als unbelehrbare Ketzerin ausweisen musste. So wurde ihr nachgewiesen, dass sie in ihrer GefĂ€ngniszelle erneut MĂ€nnerkleidung angelegt hatte. 1450 Ă€ußerte sich Jean Massieu dazu zurĂŒckhaltend, möglicherweise aufgrund seiner frĂŒheren Stellung als Gerichtsdiener. Jeanne habe ihm erzĂ€hlt, dass man ihr die Frauenkleider weggenommen und MĂ€nnerkleidung hingeworfen habe, worauf es mit den Bewachern zu einem lĂ€nger andauernden Streit gekommen und ihr nichts anderes ĂŒbrig geblieben sei, als die MĂ€nnerkleidung anzuziehen, da man ihr keine anderen mehr gegeben habe. Von den schweren sichtbaren Misshandlungen nach ihrem Widerruf, die ein Augustiner bezeugte, erwĂ€hnte er nichts. Ladvenu, einem Bettelmönch, dem ihr wohl am nĂ€chsten Stehenden, vertraute sie an, furchtbar gequĂ€lt und misshandelt worden zu sein, und ein Edelmann habe versucht, ihr Gewalt anzutun, was sie auch öffentlich so angab. Zum Schutz ihrer Tugend habe sie die MĂ€nnerkleidung wieder angelegt. Zudem widerrief sie das GestĂ€ndnis, das sie wenige Tage zuvor auf dem Friedhof bekundet hatte.

Vier Tage spĂ€ter wurde Jeanne erneut der Prozess gemacht und das endgĂŒltige Urteil unter der Regentschaft von John Lancaster gefĂ€llt: Verbrennung als „notorisch rĂŒckfĂ€llige Ketzerin“ auf einem Scheiterhaufen auf dem Marktplatz von Rouen. Am nĂ€chsten Morgen, dem 30. Mai 1431, wurde Jeanne verbrannt und ihre Asche in die Seine gestreut, um ihrem AnhĂ€nger keine Möglichkeiten zu geben, mit ihren Überresten Reliquienkult zu betreiben. Dadurch sollte einer MĂ€rtyrerlegende Einhalt geboten werden. Dennoch tauchten gegen Ende des 19. Jahrhunderts angebliche Reliquien in Tours auf. Ein Rippenknochen und ein Kleidungsrest wurden 1867 von einem Apotheker an das Erzbistum ĂŒbergeben. Bei einer Untersuchung in den Jahren 2006 bis 2007 stellte sich jedoch heraus[3], dass es sich bei dem Rippenknochen um einen Teil einer Ă€gyptischen Mumie aus vorchristlicher Zeit handelt. Ebenso fanden sich HolzstĂŒcke und der Oberschenkelknochen einer Katze. Der Kleidungsrest stammt zwar aus dem 15. Jahrhundert, weist jedoch keinerlei Brandspuren auf.

Rehabilitierung

Jeannes Mutter bemĂŒhte sich darum, den Prozess neu aufzurollen. 24 Jahre spĂ€ter, am 7. November 1455, eröffnete Karl VII. vor dem Hintergrund verĂ€nderter politischer VerhĂ€ltnisse in der Kathedrale Notre-Dame de Paris einen Rehabilitationsprozess. Karl wollte, nachdem der HundertjĂ€hrige Krieg weitgehend zugunsten Frankreichs ausgegangen war, seine Position stĂ€rken und der anhaltenden Kritik wegen des Todesurteils gegen die immer noch populĂ€re Jeanne d’Arc ein Ende setzen. Am 7. Juli 1456 wurde das Urteil verkĂŒndet: die vollstĂ€ndige Rehabilitierung – allerdings ohne diejenigen zur Verantwortung zu ziehen, die ihren Tod verursacht hatten.

Heiligsprechung

Am 18. April 1909 wurde Jeanne d’Arc von Pius X. selig-[4] und am 16. Mai 1920 von Benedikt XV. heiliggesprochen.

Im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon[5] heißt es: „Die Jungfrau von OrlĂ©ans war, wenngleich zu einem viel zu frĂŒhen Tod verdammt, angefĂŒllt mit einem unbedingten Glauben an Gott und dem Bewusstsein der Göttlichkeit ihrer Sendung, ihr Leben war selbstlos und heroisch. Ihr Wesen erwies sich als großherzig und schlagfertig.“

Die heilige Johanna ist Schutzpatronin von Frankreich, Rouen und OrlĂ©ans, fĂŒr die Telegrafie und den Rundfunk.

Rezeption

Jeanne d’Arc als nationaler Mythos

Jeanne d’Arc bei der Krönung Karls VII (HistoriengemĂ€lde von Dominique Ingres, 1854)

Im 19. Jahrhundert wurde die Gestalt des heldenhaften BauernmĂ€dchens zu einem Nationalmythos der Franzosen verklĂ€rt. Sie wurde zum Stoff von Romanen, TheaterstĂŒcken und GesĂ€ngen, die teilweise in die Weltliteratur eingingen. Da Jeanne sich selbst „la Pucelle“ („die Jungfrau“) nannte, nahm ihr Heimatort diese Bezeichnung in seinen Namen auf und nannte sich DomrĂ©my-la-Pucelle. Ihr Geburtshaus ist erhalten, daneben ist ihr ein Museum gewidmet. An ihrer HinrichtungsstĂ€tte in Rouen steht heute ein Denkmal, daneben eine 1979 eingeweihte und nach ihr benannte Kirche. Auch viele HistoriengemĂ€lde verklĂ€rten sie, zum Beispiel von Dominique Ingres (1780–1867), Paul Delaroche (1797–1856) oder Jules EugĂšne Lenepveu (1818–1898), der ihr im Pantheon einen ganzen Zyklus von WandgemĂ€lden widmete.

Jeanne d’Arc auf dem Scheiterhaufen (WandgemĂ€lde im PanthĂ©on von Jules Lenepveu, um 1890)

Die Beliebtheit des Mythos erklĂ€rt sich daher, dass Jeanne von beiden Richtungen des stark zerstrittenen politischen Spektrums instrumentalisiert werden konnte: WĂ€hrend die katholischen Monarchisten ihre tiefe Frömmigkeit betonten und Parallelen zur Jungfrau Maria zogen, verwiesen die antiklerikalen liberalen Republikaner auf ihren Mut gegenĂŒber der Obrigkeit, ihren Patriotismus und ihre Herkunft aus der Unterschicht.[6] WĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges figurierte sie als Symbolfigur des Widerstandes gegen die deutsche Besatzung, aber auch das Vichy-Regime und der Nationalsozialismus beriefen sich auf sie.

Seit 1945 wird Jeanne d’Arc wegen ihres Widerstands gegen die fremden Besatzer besonders von der extremen Rechten als Ikone verwendet; so begeht der Front National jĂ€hrlich am 1. Mai in Paris einen eigenen Gedenktag fĂŒr die Nationalheilige. In der ĂŒbrigen französischen Bevölkerung genießt sie zwar weiterhin eine gewisse Beliebtheit, ihr politischer Mythos ist aber weitgehend verblasst.

Literatur

Dramen

Die Gestalt der Jeanne d’Arc hat Schriftsteller durch die Jahre hinweg immer wieder fasziniert. Wichtige Darstellungen, die eine vielfĂ€ltige Interpretation ihres Lebens darstellen, wurden von William Shakespeare (Heinrich VI.), Friedrich Schiller (Die Jungfrau von Orleans) und George Bernard Shaw (Die heilige Johanna) geschrieben. Jean Anouilh (L’Alouette, dt. Jeanne oder Die Lerche) stellt Jeanne als das MĂ€dchen aus dem Volk dar, dessen Begeisterung die MĂ€chtigen zum nationalen Widerstand zwingt.

Bertolt Brecht ĂŒbertrĂ€gt in seinem Drama Die heilige Johanna der Schlachthöfe Jeannes Schicksal in die Gegenwart. Hier erscheint sie als Aktivistin der Heilsarmee, die lernen muss, dass religiös motiviertes Mitleid nicht genĂŒgt, das Los der Arbeiter zum Besseren zu wenden. In Die Geschichte der Simone Machard versucht ein MĂ€dchen, ihre Umgebung zum Widerstand gegen die deutschen Besatzer zu bewegen, genau wie Jeanne zum Kampf gegen die EnglĂ€nder aufrief.

Kritisch setzt sich Felix Mitterer 2002 in Johanna oder die Erfindung der Nation mit ihrer Person auseinander. Ein Schicksal: Erhöht und erniedrigt, hoch gehoben, tief fallengelassen, eine, die ganz allein steht und doch unbeirrbar bleibt, ihr Leben als ein Psychodrama.[7]

ErzÀhltexte

Voltaire benutzte den Stoff, um in seinem Komischen Epos Die Jungfrau von 1739 die Kirche zu verhöhnen.

Mark Twain (Samuel Langhorne Clemens) schrieb eine fiktive Autobiografie von Jeanne d’Arc – Persönliche Erinnerungen an Jeanne d’Arc (The Personal Recollections of Joan of Arc,) 1896 – unter dem Pseudonym Sieur Louis de Conte.

Felicitas Hoppe wendet sich in ihrem postmodernen Roman Johanna (2006) gegen herrschende Adaptionen des Mythos Johanna. ISBN 978-3-596-16743-2.

Hörspiel

Anna Seghers verfasste zwischen 1933 und 1936 im Pariser Exil das Hörspiel Der Prozess der Jeanne d’Arc zu Rouen 1431. Das Spiel stĂŒtzt sich auf die Prozessakten, die 1431 in lateinischer Sprache tĂ€glich fĂŒr den Bischof von Beauvais protokolliert wurden, und weicht kaum vom Wortlaut der protokollierten Aussagen ab.

Musik

Reiterstandbild der Jeanne d’Arc auf der Place des Pyramides (Emmanuel FrĂ©miet, 1874/1889)
  • Schillers Tragödie Die Jungfrau von Orleans wurde von Giuseppe Verdi als Giovanna d’Arco (1845) vertont. Pjotr Iljitsch Tschaikowskis Oper Orleanskaja dewa (1881) beruht auf einer sehr freien, von Tschaikowsky selbst vorgenommenen Bearbeitung von Schillers Tragödie. Anders als Schiller, bei dem Jeanne auf dem Schlachtfeld als MĂ€rtyrerin fĂ€llt, hĂ€lt sich Tschaikowsky am Schluss der Handlung an die Historie: Jeanne wird auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
  • Arthur Honegger bearbeitete den Stoff in seinem Oratorium Jeanne d’Arc au bĂ»cher (deutsch Johanna auf dem Scheiterhaufen) von 1938.
  • Walter Braunfels schrieb in der Inneren Emigration wĂ€hrend der Zeit seines von den Nationalsozialisten verhĂ€ngten Berufsverbotes ab 1938 die zeitkritisch interpretierbare Oper Szenen aus dem Leben der Heiligen Johanna - Berufung, Triumph und Leiden op. 57
  • Georges Brassens vertonte die Ballade des dames du temps jadis von François Villon, wo sie als Jeanne la bonne Lorraine vorkommt.
  • Zum Film Die Passion der Jungfrau von OrlĂ©ans (D, 1928) (Regie: Carl Theodor Dreyer) komponiert Richard Einhorn in den 1980er-Jahren einen Soundtrack, der sich musikalisch an mittelalterlicher Vokalmusik und Carl Orffs Carmina Burana anlehnt und Textfragmente verschiedener Autoren, z. B. von Hildegard von Bingen, oder auch Jeanne d’Arc selbst vertont.
  • Orchestral Manoeuvres in the Dark (OMD) behandeln in zwei Liedern das Leben der Hl. Jungfrau, in Joan Of Arc (VÖ als Single in England 9. Oktober 1981, höchste Hitparadenplazierung 5) und Maid Of Orleans (The Waltz Joan of Arc) (VÖ als Single in England 15. Januar 1982, höchste Hitparadenplazierung 4). Obwohl OMD-MitgrĂŒnder Andy McCluskey den Titel Maid of Orleans zuerst geschrieben hat, wurde die Veröffentlichung als Single zurĂŒckgestellt, da die Band die Marktchancen des mit einem fĂŒr Popmusik ungewöhnlich langen aus IndustriegerĂ€uschen und instrumentalen Einspielungen bestehenden Intro und im weiteren Verlauf als Walzer aufgebauten Maid of Orleans geringer einschĂ€tzte. Entgegen dieser Annahme erreichte Maid of Orleans hohe Hitparadenplatzierungen und wurde zur weltweit meistverkauften Single des Jahres 1982.
  • Die deutsche Progressive-Rockband Eloy (Band) veröffentlichen 1992 das Album Destination, das mit dem Track „Jeanne d'Arc“ endet.
  • Kate Bush besingt sie in dem Lied Joanni (Aerial, 2005).
  • Die italienische Metal Band Thy Majestie veröffentlichten 2005 ein Konzeptalbum mit dem Titel Jeanne D’Arc.
  • Leonard Cohen bearbeitet die Geschichte von Jeanne d’Arc in seinem Lied Joan Of Arc.
  • David Guetta veröffentlichte auf seinem Album Pop Life (2007) einen Titel mit dem Namen Joan of Arc.
  • Cradle of Filth veröffentlichten 2008 das Album Godspeed on the Devil's Thunder, das das Leben von Gilles de Rais, dem KampfgefĂ€hrten von Jeanne d'Arc, thematisiert. Die Single The Death of Love beschreibt Leben und Tod von Jeanne d'Arc.
  • Gypsy & The Cat veröffentlichten 2011 eine Single mit dem Titel „Jona Vark“. Der Songtitel ist ein kleines Wortspiel - ausgesprochen klingt der Name nĂ€mlich wie „Joan Of Arc“, also „Johanna von Orleans“.

Film und Fernsehen

Die Geschichte Jeanne d’Arcs wurde schon zur Zeit der ersten Spielfilme verfilmt. Allein mit Ingrid Bergman gibt es zwei Versionen. 1928 entstand der Stummfilm Die Passion der Jungfrau von OrlĂ©ans des dĂ€nischen Regisseurs Carl Theodor Dreyer mit Maria Falconetti in der Hauptrolle. Eine Version wurde 1999 von Ed Gernon und Christian Duguay (Regie) unter dem Namen Jeanne d’Arc – Die Frau des Jahrtausends verfilmt. In den Hauptrollen spielen Leelee Sobieski als Jeanne d’Arc, Peter O’Toole als Bischof Cauchon und Maximilian Schell als Le'Maitre.

1999 inszenierte Luc Besson mit Johanna von Orleans eine eigenwillige Neuverfilmung (Milla Jovovich spielte die Hauptrolle, John Malkovich war Karl VII.). In dieser Neuverfilmung wird Jeanne als mit menschlichen Fehlern und Zweifeln beladene Frau dargestellt, die am Ende auch um ihren eigenen Glauben kĂ€mpfen muss. Das Publikum des deutschen Privatsenders VOX wĂ€hlte 2000 Jeanne d’Arc zur Frau des Jahrtausends.

Verfilmungen:

(Computer-)Spiele

  • In Age of Kings (Age of Empires 2) schlĂŒpft der Spieler in einer der fĂŒnf Kampagnen in die Rolle des französischen Heeres zur Zeit von Jeanne d'Arc und begleitet ihren historischen Werdegang von den ersten Etappen bis zum Ende des HundertjĂ€hrigen Krieges.
  • Beim Spiel „Jeanne d' Arc“ von Chip-Software, erschienen 1989 fĂŒr MS-DOS, Amiga und Atari ST, handelt es sich um eine Mischung aus Action- und Rollenspiel bei dem es darum geht, Frankreich Schritt fĂŒr Schritt zurĂŒckzuerobern.

Literatur

  • Colette Beaune: Jeanne d’Arc. Perrin, Paris 2004, ISBN 978-2-262-01705-7 (französisch).
  • Colette Beaune Jeanne d’Arc. VĂ©ritĂ©s et lĂ©gendes. Perrin, Paris 2008, ISBN 978-2-262-02951-7 (französisch).
  • Georges und AndrĂ©e Duby: Die Prozesse der Jeanne d’Arc. (Originaltitel: Les procĂšs de Jeanne d’Arc, ĂŒbersetzt von Eva Moldenhauer). Wagenbachs TaschenbĂŒcherei 350, Berlin 1999, ISBN 3-8031-2350-X.
  • Gerd Krumeich: Jeanne d’Arc. Die Geschichte der Jungfrau von Orleans. In: Beck’sche Reihe Band 2396 C. H. Beck Wissen, MĂŒnchen 2006, ISBN 978-3-406-53596-3 (Rezension)
  • Gerd Krumeich: Jeanne d’Arc in der Geschichte. Historiographie - Politik - Kultur. Thorbecke, Sigmaringen 1986, ISBN 3-7995-7319-4.
  • Edward Lucie-Smith: Johanna von Orleans. Eine Biographie (Originaltitel: Joan of Arc ĂŒbersetzt von Hansheinz Werner), Claassen, DĂŒsseldorf 1977, ISBN 3-546-46209-2.
  • Philippe Martin, Jeanne d’Arc- Les mĂ©tamorphoses d'une hĂ©roĂŻne. Place Stanislas, Nancy 2009, ISBN 978-2-35578-035-6 (französisch).
  • Pierre Moinot: Jeanne d’Arc. Die Macht und die Unschuld (Originaltitel: Jeanne d'Arc, ĂŒbersetzt von Eva Rapsilber). SocietĂ€ts-Verlag, Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-7973-0472-2.
  • Wolfgang MĂŒller: Der Prozeß Jeanne d'Arc, in: Juristische Schulung 1987, S. 433-441
  • Herbert Nette: Jeanne d’Arc in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. In: Rowohlts Monographien Band 253, rororo 50253, Reinbek bei Hamburg 1977ff, ISBN 3-499-50253-4.
  • RĂ©gine Pernoud, Marie-VĂ©ronique Clin: Johanna von OrlĂ©ans. Der Mensch und die Legende. LĂŒbbe, Bergisch Gladbach 1991, ISBN 3-404-61210-8.
  • Ruth Schirmer-Imhoff (Hrsg.): Der Prozeß Jeanne d’Arc. Akten und Protokolle 1431–1456. dtv 30202, MĂŒnchen 2001, ISBN 3-423-30202-X.
  • Hartmut Steinbach: Jeanne d’Arc. Wirklichkeit und Legende. Musterschmidt, Göttingen 1973, ISBN 3-7881-0078-8.
  • Heinz Thomas: Jeanne d’Arc. Jungfrau und Tochter Gottes. Fest, Berlin 2000, ISBN 3-8286-0065-4.

Weblinks

 Commons: Jeanne d'Arc â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Wolfgang MĂŒller (siehe oben unter Literatur), S. 435
  2. ↑ "Burgunder" bezeichnet hier kein Volk, sondern eine politische Partei. Zum Beispiel waren Paris und Rouen (die grĂ¶ĂŸten StĂ€dte des Königreichs) beides "burgundische" StĂ€dte, wo die meisten Einwohner den König Karl VII. und Jeanne d'Arc nicht unterstĂŒtzten.
  3. ↑ D. Butler: Joan of Arc’s relics exposed as forgery. In: nature. 446 (2007) S. 593, doi:10.1038/446593a.
  4. ↑ Faksimile einer Zeitungsmeldung zur Seligsprechung, New York Times, 19. April 1909
  5. ↑ Michael TillyJeanne d’Arc. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 2, Hamm 1990, ISBN 3-88309-032-8, Sp. 1595–1600.
  6. ↑ Mythen der Nationen: Eine Ausstellung des Deutschen Historischen Museums, Berlin 1998
  7. ↑ Leseprobe unter [1] Im Anhang des Drucks ĂŒberblickt Sylvia Tschörner die verschiedenen dramatischen Bearbeitungen des Jeanne-Motivs
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