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Jeanne dâArc ([ÊanËdaÊk]); (* am 6. Januar 1412 in DomrĂ©my, Lothringen; â 30. Mai 1431 in Rouen), im deutschsprachigen Raum auch Johanna von OrlĂ©ans oder die Jungfrau von OrlĂ©ans genannt, ist eine französische Nationalheldin und Heilige der katholischen und der anglikanischen Kirche.
WĂ€hrend des HundertjĂ€hrigen Krieges fĂŒhrte sie die Franzosen gegen die EnglĂ€nder und die Burgunder. Durch Verrat wurde sie von den Burgundern gefangen genommen und an die mit ihnen verbĂŒndeten EnglĂ€nder verkauft. Ein Kirchenprozess sollte sie diskreditieren. Unter dem Vorsitz des Bischofs von Beauvais, Pierre Cauchons, der den EnglĂ€ndern nahestand, wurde sie wegen einiger VerstöĂe gegen die Gesetze der Kirche verurteilt und auf Befehl des Herzogs von Bedford auf dem Marktplatz von Rouen auf einem Scheiterhaufen verbrannt. 24 Jahre spĂ€ter strengte die Kurie einen Revisionsprozess an, hob das Urteil im Jahre 1456 auf und erklĂ€rte sie zur MĂ€rtyrerin.
Im Jahre 1909 wurde sie von Papst Pius X. selig- und elf Jahre spÀter 1920 von Papst Benedikt XV. heiliggesprochen. Ihr Gedenktag ist der 30. Mai.
Inhaltsverzeichnis |
Weder fĂŒr Jeanne dâArcs genauen Tag der Geburt noch fĂŒr das Geburtsjahr gibt es eine zuverlĂ€ssige Quelle. Sie wurde wĂ€hrend der zweiten HĂ€lfte des HundertjĂ€hrigen Krieges zwischen dem König von Frankreich und dem König von England in DomrĂ©my um 1412 als Tochter von Jacques Darc (oder Jacques Tarc, Tare, Dart, Day, Daix) und Isabelle RomĂ©e in eine wohlhabende Bauernfamilie geboren. Die ĂŒblich gewordene Schreibweise âd'Arcâ taucht erst seit dem 16. Jahrhundert auf, um die Nobilitierung der Familie anzudeuten.[1]
Im HundertjĂ€hrigen Krieg versuchte England aufgrund erbrechtlicher ZusammenhĂ€nge seine AnsprĂŒche auf den französischen Thron durchzusetzen. Vorausgegangen war der Tod des französischen Königs Karl IV. Der seit 1328 in England herrschende König Edward III. erhob als Sohn von Isabelle, der Tochter Philipps IV. âdes Schönenâ, Anspruch auf den Thron. Französische Rechtsgelehrte akzeptierten diesen Anspruch jedoch nicht, da Frauen und deren Erben von der Thronfolge grundsĂ€tzlich ausgeschlossen waren. SchlieĂlich wurde Philipp VI. als Nachfahre der Kapetinger aus der Nebenlinie der Valois am 28. Mai 1328 in Reims zum König gekrönt. Nach der Konfiszierung des englischen Herzogtums Guyenne 1337 durch Philipp VI. landete Edward III. mit 4.000 Rittern und 10.000 BogenschĂŒtzen in der Normandie.
1415 besiegte der englische König Heinrich V. die Franzosen in der Schlacht von Azincourt und erhob erneut Anspruch auf den französischen Thron. Englische Truppen hatten den Norden des Landes bis zur Loire besetzt. OrlĂ©ans, der SchlĂŒssel zur Ăberquerung des Flusses, war von John of Lancaster, einem Bruder Heinrichs V., eingekesselt (â Belagerung von OrlĂ©ans).
Mit 13 Jahren hatte Jeanne dâArc laut Gerichtsprotokoll ihre ersten Visionen. In diesen erschien ihr die heilige Katharina, spĂ€ter kamen der Erzengel Michael und die heilige Margareta hinzu. Von ihnen erhielt sie den Befehl, Frankreich von den EnglĂ€ndern zu befreien und den Dauphin zum Thron zu fĂŒhren. Die Erscheinungen wiederholten sich. Am 25. Dezember 1428 verlieĂ Jeanne ihr Elternhaus.
Am 1. Januar 1429, im Alter von 17 Jahren, versuchte sie zum ersten Mal, beim Stadtkommandanten der Festung Vaucouleurs, Robert de Baudricourt, vorzusprechen. Beim dritten Versuch bekam sie eine Audienz. Nachdem sie ihn nach einer erfolgreichen PrĂŒfung ihres Glaubens ĂŒberzeugen konnte, gab er ihr am 22. Februar 1429 eine Eskorte (Jean de Metz, Bertrand de Poulengey; AnhĂ€nger des Dauphin) mit, die sie zu Karl VII. nach Chinon begleiten sollte, das sie am 5. MĂ€rz 1429 nach elf Tagen durch Feindesland erreichte. Ein Empfehlungsschreiben Baudricourts kĂŒndigte ihren Empfang am französischen Hof an. Sie wurde vom Dauphin empfangen. Jeanne ĂŒberzeugte ihn, dass sie im Namen des Himmels gekommen sei, um Frankreich aus der misslichen Lage zu retten, und sicherte ihm zu, dass er in Reims zum König von Frankreich gekrönt wĂŒrde. Niemand weiĂ genau, wie Jeanne den Dauphin ĂŒberzeugte; es ist nur bekannt, dass sie sich mit ihm in ein Zimmer zurĂŒckzog und ihn angeblich an einer ihrer Visionen teilhaben lieĂ.
In Poitiers lieĂ der Dauphin Jeanne drei Wochen lang von Geistlichen und hochgestellten Persönlichkeiten auf ihre GlaubwĂŒrdigkeit prĂŒfen und ihre JungfrĂ€ulichkeit von Hofdamen untersuchen. Nach erfolgreichem Bestehen beider PrĂŒfungen beschloss der Kronrat, ihr eine RĂŒstung anfertigen zu lassen, und stellte ihr eine kleine militĂ€rische Einheit zur Seite. Sie machte aus einfachen RĂ€ubern Soldaten, wie z. B. aus Ătienne de Vignolles, besser bekannt als La Hire (âder Wildeâ). Ihr erster Auftrag war es, einen Proviantzug nach OrlĂ©ans durchzubringen. Am 29. April kam ihr Zug in der eingeschlossenen Stadt an. Die Truppen in OrlĂ©ans wurden von dem Erfolg motiviert und lieĂen sich ĂŒberzeugen, einen Ausfall zu wagen. Am 7. Mai ritt Jeanne dâArc vorneweg. Von einem Pfeil getroffen und vom Pferd geworfen blieb sie dennoch auf dem Feld. Das beeindruckte ihre MitkĂ€mpfer und steigerte die Kampfbereitschaft des Heeres. Einen Tag spĂ€ter zogen die EnglĂ€nder von der aussichtslos gewordenen Stellung ab. Bis Juni 1429 waren die EnglĂ€nder unter der Mitwirkung Jeanne dâArcs aus den Burgen sĂŒdlich der Loire vertrieben.
Am 17. Juli 1429 konnte der Dauphin, wie von Johanna von OrlĂ©ans prophezeit, in der Kathedrale von Reims als Karl VII. gekrönt werden; Jeanne nahm, mit der Siegesfahne neben dem Altar stehend, an der Feier teil. Der Ruhm Jeanne dâArcs war auf dem Höhepunkt. Ihr Vater erhielt vom König als Zeichen der Dankbarkeit die Steuerfreiheit. Die königlichen Ratgeber unterminierten den Einfluss Jeanne dâArcs. Immer wieder bat sie den König, nach Paris vorstoĂen zu dĂŒrfen â erst nach etlichen strategischen Fehlentscheidungen gab er im September 1429 ihrem DrĂ€ngen nach. Der Versuch am 8. September 1429 misslang jedoch und Karl VII. wandte sich von ihr ab. Er wollte nun lieber Frieden schlieĂen, entlieĂ Teile der Armee und versagte ihr die UnterstĂŒtzung in ihrem BemĂŒhen, die EnglĂ€nder restlos vom Festland zu vertreiben; die von Jeanne dâArc betriebene Befreiung von Paris war nicht erfolgreich, sie wurde am 23. Mai 1430 bei CompiĂšgne von Johann von Luxemburg festgenommen und den Burgundern[2] ausgeliefert.
Der Herzog von Burgund verkaufte Jeanne nach zwei Fluchtversuchen am 18. Juni/19. Juni und sieben Monaten in Gefangenschaft fĂŒr 10.000 Franken an den Herzog von Bedford.
Er ĂŒbergab sie der katholischen Gerichtsbarkeit in Rouen, aber behielt sie in der Burg Bouvreuil, Sitz der englischen Macht in Frankreich, und sie wurde fĂŒnf Monate lang in einem Turm eingesperrt. Sie wurde dort âwegen ihres Aberglaubens, ihrer Irrlehren und anderer Verbrechen gegen die göttliche MajestĂ€tâ von der UniversitĂ€t gerichtet. Drei Monate dauerte der Prozess unter dem Vorsitz des Bischofs von Beauvais, Pierre Cauchon, den Jeanne gegen die dialektisch und rhetorisch geschulten Kleriker ohne Beistand fĂŒhrte. (Beispiel: Auf die Fangfrage âJohanna, seid ihr gewiss, im Stande der Gnade zu sein?â antwortet sie: âWenn ich es nicht bin, möge mich Gott dahin bringen, wenn ich es bin, möge mich Gott darin erhalten!â HĂ€tte sie behauptet im Stande der Gnade zu sein, wĂ€re ihr das als ketzerische AnmaĂung ausgelegt worden, hĂ€tte sie es geleugnet, so hĂ€tte sie ihre Schuld zugegeben.)
Obgleich sie eine fĂŒr ihren niederen Stand untypisch gute Rhetorik besaĂ, befand man sie am 19. Mai 1431 in zwölf von 67 Anklagepunkten fĂŒr schuldig. Die ursprĂŒnglichen Anklagepunkte beschuldigten sie unter anderem des Feenzaubers, des Gebrauchs der Alraunenwurzel, der HĂ€resie, der DĂ€monenanbetung (abgeleitet von den von ihr geschilderten Heiligenvisionen, vor denen sie niederkniete) und des Mordes (da Jeanne nicht als Soldat anerkannt wurde, waren alle MĂ€nner, die sie in Schlachten besiegte, als Mordopfer zu betrachten). GefĂ€hrlich wurden Jeannes gerichtliche Aussagen zudem, weil sie sich dem Urteil der Kirche zunĂ€chst nicht unterwerfen, sondern nur ein direkt von Gott stammendes Urteil anerkennen wollte.
Als man ihr nach der UrteilsverkĂŒndung eröffnete, der Scheiterhaufen erwarte sie, wenn sie ihren Irrglauben nicht einrĂ€ume, schwor Jeanne ihren Ăberzeugungen ab. Vermutlich geschah dies aus spontaner Furcht vor dem Feuertod, wie sie auch in ihrem spĂ€teren Widerruf des GestĂ€ndnisses selbst erklĂ€rte. Am 24. Mai 1431 wurde auf dem Friedhof von St-Ouen die Exkommunizierung Jeanne dâArcs vollzogen, die sich in einem öffentlichen GestĂ€ndnis in allen Anklagepunkten fĂŒr schuldig befand. Nach ihrem Abschwören verurteilte man sie als Ketzerin zur lebenslangen Haft, was unter normalen UmstĂ€nden bedeutete, dass die Schuldige nun in ein kirchliches GefĂ€ngnis ĂŒberstellt werden musste.
Aus politischen GrĂŒnden war dieses Urteil fĂŒr die AnhĂ€nger des englischen Königshauses unbefriedigend â war der Prozess doch in Gang gebracht worden, um den Feind (Karl VII.) zu beseitigen und ihn beim geistlichen und weltlichen Adel als BefĂŒrworter einer Ketzerin zu denunzieren und schlieĂlich politisch zu entmachten. Zudem bestand die Gefahr, dass die Dauphinisten sie aus einem kirchlichen GefĂ€ngnis in Frankreich befreien könnten, um einen erneuten Schlag gegen die englischen Truppen anzufĂŒhren.
Der einzige Ausweg bestand darin, Jeanne dâArc erneut einen Prozess zu machen, der sie als unbelehrbare Ketzerin ausweisen musste. So wurde ihr nachgewiesen, dass sie in ihrer GefĂ€ngniszelle erneut MĂ€nnerkleidung angelegt hatte. 1450 Ă€uĂerte sich Jean Massieu dazu zurĂŒckhaltend, möglicherweise aufgrund seiner frĂŒheren Stellung als Gerichtsdiener. Jeanne habe ihm erzĂ€hlt, dass man ihr die Frauenkleider weggenommen und MĂ€nnerkleidung hingeworfen habe, worauf es mit den Bewachern zu einem lĂ€nger andauernden Streit gekommen und ihr nichts anderes ĂŒbrig geblieben sei, als die MĂ€nnerkleidung anzuziehen, da man ihr keine anderen mehr gegeben habe. Von den schweren sichtbaren Misshandlungen nach ihrem Widerruf, die ein Augustiner bezeugte, erwĂ€hnte er nichts. Ladvenu, einem Bettelmönch, dem ihr wohl am nĂ€chsten Stehenden, vertraute sie an, furchtbar gequĂ€lt und misshandelt worden zu sein, und ein Edelmann habe versucht, ihr Gewalt anzutun, was sie auch öffentlich so angab. Zum Schutz ihrer Tugend habe sie die MĂ€nnerkleidung wieder angelegt. Zudem widerrief sie das GestĂ€ndnis, das sie wenige Tage zuvor auf dem Friedhof bekundet hatte.
Vier Tage spĂ€ter wurde Jeanne erneut der Prozess gemacht und das endgĂŒltige Urteil unter der Regentschaft von John Lancaster gefĂ€llt: Verbrennung als ânotorisch rĂŒckfĂ€llige Ketzerinâ auf einem Scheiterhaufen auf dem Marktplatz von Rouen. Am nĂ€chsten Morgen, dem 30. Mai 1431, wurde Jeanne verbrannt und ihre Asche in die Seine gestreut, um ihrem AnhĂ€nger keine Möglichkeiten zu geben, mit ihren Ăberresten Reliquienkult zu betreiben. Dadurch sollte einer MĂ€rtyrerlegende Einhalt geboten werden. Dennoch tauchten gegen Ende des 19. Jahrhunderts angebliche Reliquien in Tours auf. Ein Rippenknochen und ein Kleidungsrest wurden 1867 von einem Apotheker an das Erzbistum ĂŒbergeben. Bei einer Untersuchung in den Jahren 2006 bis 2007 stellte sich jedoch heraus[3], dass es sich bei dem Rippenknochen um einen Teil einer Ă€gyptischen Mumie aus vorchristlicher Zeit handelt. Ebenso fanden sich HolzstĂŒcke und der Oberschenkelknochen einer Katze. Der Kleidungsrest stammt zwar aus dem 15. Jahrhundert, weist jedoch keinerlei Brandspuren auf.
Jeannes Mutter bemĂŒhte sich darum, den Prozess neu aufzurollen. 24 Jahre spĂ€ter, am 7. November 1455, eröffnete Karl VII. vor dem Hintergrund verĂ€nderter politischer VerhĂ€ltnisse in der Kathedrale Notre-Dame de Paris einen Rehabilitationsprozess. Karl wollte, nachdem der HundertjĂ€hrige Krieg weitgehend zugunsten Frankreichs ausgegangen war, seine Position stĂ€rken und der anhaltenden Kritik wegen des Todesurteils gegen die immer noch populĂ€re Jeanne dâArc ein Ende setzen. Am 7. Juli 1456 wurde das Urteil verkĂŒndet: die vollstĂ€ndige Rehabilitierung â allerdings ohne diejenigen zur Verantwortung zu ziehen, die ihren Tod verursacht hatten.
Am 18. April 1909 wurde Jeanne dâArc von Pius X. selig-[4] und am 16. Mai 1920 von Benedikt XV. heiliggesprochen.
Im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon[5] heiĂt es: âDie Jungfrau von OrlĂ©ans war, wenngleich zu einem viel zu frĂŒhen Tod verdammt, angefĂŒllt mit einem unbedingten Glauben an Gott und dem Bewusstsein der Göttlichkeit ihrer Sendung, ihr Leben war selbstlos und heroisch. Ihr Wesen erwies sich als groĂherzig und schlagfertig.â
Die heilige Johanna ist Schutzpatronin von Frankreich, Rouen und OrlĂ©ans, fĂŒr die Telegrafie und den Rundfunk.
Im 19. Jahrhundert wurde die Gestalt des heldenhaften BauernmĂ€dchens zu einem Nationalmythos der Franzosen verklĂ€rt. Sie wurde zum Stoff von Romanen, TheaterstĂŒcken und GesĂ€ngen, die teilweise in die Weltliteratur eingingen. Da Jeanne sich selbst âla Pucelleâ (âdie Jungfrauâ) nannte, nahm ihr Heimatort diese Bezeichnung in seinen Namen auf und nannte sich DomrĂ©my-la-Pucelle. Ihr Geburtshaus ist erhalten, daneben ist ihr ein Museum gewidmet. An ihrer HinrichtungsstĂ€tte in Rouen steht heute ein Denkmal, daneben eine 1979 eingeweihte und nach ihr benannte Kirche. Auch viele HistoriengemĂ€lde verklĂ€rten sie, zum Beispiel von Dominique Ingres (1780â1867), Paul Delaroche (1797â1856) oder Jules EugĂšne Lenepveu (1818â1898), der ihr im Pantheon einen ganzen Zyklus von WandgemĂ€lden widmete.
Die Beliebtheit des Mythos erklĂ€rt sich daher, dass Jeanne von beiden Richtungen des stark zerstrittenen politischen Spektrums instrumentalisiert werden konnte: WĂ€hrend die katholischen Monarchisten ihre tiefe Frömmigkeit betonten und Parallelen zur Jungfrau Maria zogen, verwiesen die antiklerikalen liberalen Republikaner auf ihren Mut gegenĂŒber der Obrigkeit, ihren Patriotismus und ihre Herkunft aus der Unterschicht.[6] WĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges figurierte sie als Symbolfigur des Widerstandes gegen die deutsche Besatzung, aber auch das Vichy-Regime und der Nationalsozialismus beriefen sich auf sie.
Seit 1945 wird Jeanne dâArc wegen ihres Widerstands gegen die fremden Besatzer besonders von der extremen Rechten als Ikone verwendet; so begeht der Front National jĂ€hrlich am 1. Mai in Paris einen eigenen Gedenktag fĂŒr die Nationalheilige. In der ĂŒbrigen französischen Bevölkerung genieĂt sie zwar weiterhin eine gewisse Beliebtheit, ihr politischer Mythos ist aber weitgehend verblasst.
Die Gestalt der Jeanne dâArc hat Schriftsteller durch die Jahre hinweg immer wieder fasziniert. Wichtige Darstellungen, die eine vielfĂ€ltige Interpretation ihres Lebens darstellen, wurden von William Shakespeare (Heinrich VI.), Friedrich Schiller (Die Jungfrau von Orleans) und George Bernard Shaw (Die heilige Johanna) geschrieben. Jean Anouilh (LâAlouette, dt. Jeanne oder Die Lerche) stellt Jeanne als das MĂ€dchen aus dem Volk dar, dessen Begeisterung die MĂ€chtigen zum nationalen Widerstand zwingt.
Bertolt Brecht ĂŒbertrĂ€gt in seinem Drama Die heilige Johanna der Schlachthöfe Jeannes Schicksal in die Gegenwart. Hier erscheint sie als Aktivistin der Heilsarmee, die lernen muss, dass religiös motiviertes Mitleid nicht genĂŒgt, das Los der Arbeiter zum Besseren zu wenden. In Die Geschichte der Simone Machard versucht ein MĂ€dchen, ihre Umgebung zum Widerstand gegen die deutschen Besatzer zu bewegen, genau wie Jeanne zum Kampf gegen die EnglĂ€nder aufrief.
Kritisch setzt sich Felix Mitterer 2002 in Johanna oder die Erfindung der Nation mit ihrer Person auseinander. Ein Schicksal: Erhöht und erniedrigt, hoch gehoben, tief fallengelassen, eine, die ganz allein steht und doch unbeirrbar bleibt, ihr Leben als ein Psychodrama.[7]
Voltaire benutzte den Stoff, um in seinem Komischen Epos Die Jungfrau von 1739 die Kirche zu verhöhnen.
Mark Twain (Samuel Langhorne Clemens) schrieb eine fiktive Autobiografie von Jeanne dâArc â Persönliche Erinnerungen an Jeanne dâArc (The Personal Recollections of Joan of Arc,) 1896 â unter dem Pseudonym Sieur Louis de Conte.
Felicitas Hoppe wendet sich in ihrem postmodernen Roman Johanna (2006) gegen herrschende Adaptionen des Mythos Johanna. ISBN 978-3-596-16743-2.
Anna Seghers verfasste zwischen 1933 und 1936 im Pariser Exil das Hörspiel Der Prozess der Jeanne dâArc zu Rouen 1431. Das Spiel stĂŒtzt sich auf die Prozessakten, die 1431 in lateinischer Sprache tĂ€glich fĂŒr den Bischof von Beauvais protokolliert wurden, und weicht kaum vom Wortlaut der protokollierten Aussagen ab.
Die Geschichte Jeanne dâArcs wurde schon zur Zeit der ersten Spielfilme verfilmt. Allein mit Ingrid Bergman gibt es zwei Versionen. 1928 entstand der Stummfilm Die Passion der Jungfrau von OrlĂ©ans des dĂ€nischen Regisseurs Carl Theodor Dreyer mit Maria Falconetti in der Hauptrolle. Eine Version wurde 1999 von Ed Gernon und Christian Duguay (Regie) unter dem Namen Jeanne dâArc â Die Frau des Jahrtausends verfilmt. In den Hauptrollen spielen Leelee Sobieski als Jeanne dâArc, Peter OâToole als Bischof Cauchon und Maximilian Schell als Le'Maitre.
1999 inszenierte Luc Besson mit Johanna von Orleans eine eigenwillige Neuverfilmung (Milla Jovovich spielte die Hauptrolle, John Malkovich war Karl VII.). In dieser Neuverfilmung wird Jeanne als mit menschlichen Fehlern und Zweifeln beladene Frau dargestellt, die am Ende auch um ihren eigenen Glauben kĂ€mpfen muss. Das Publikum des deutschen Privatsenders VOX wĂ€hlte 2000 Jeanne dâArc zur Frau des Jahrtausends.
Verfilmungen:
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Jeanne dâArc |
| ALTERNATIVNAMEN | Johanna von Orleans |
| KURZBESCHREIBUNG | französische Nationalheldin und Heilige der Katholischen Kirche |
| GEBURTSDATUM | um 6. Januar 1412 |
| GEBURTSORT | Domrémy-la-Pucelle |
| STERBEDATUM | 30. Mai 1431 |
| STERBEORT | Rouen |