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Jeff Wall (* 29. September 1946 in Vancouver, British Columbia) ist ein kanadischer Fotokünstler.
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Jeff Wall studierte von 1968 bis 1973 Kunstgeschichte und Fine Arts in London und an der University of British Columbia, an der er ab 1987 dann auch unterrichtete.
Seit 1967 stellt er Fotografien her. Ab 1978 sind es durchgehend farbige, großformatige Bilder in Form von Leuchtkästen und seit 1995 auch Schwarzweißfotografien auf Papier. Eine Besonderheit der Fotografien von Jeff Wall ist, dass sie nicht in Serien oder als Werkgruppen entstehen, sondern dass jedes Bild eine einmalige Komposition darstellt, die für sich steht. Viele Bilder von Jeff Wall sind inspiriert von Romanen, Gemälden oder Skulpturen. Manche sind, ohne dass man es ihnen ansieht, absichtsvolle Inszenierungen des Alltäglichen, hinter denen viele Stunden und manchmal mehrere Tage Arbeit eines ganzen Teams stecken, z. B. von Darstellern, die wie zufällig durchs Bild gehen.
Einige dieser Bilder sind zu Ikonen der zeitgenössischen Fotografie geworden, viele andere dagegen sind wenig bekannt.
Er lehrte auch an der European Graduate School in Saas-Fee (Schweiz).[1]
Drei seiner Werke lehnt Jeff Wall an Romane an. Eines von diesen Bildern heißt After Invisible Man, dieses Bild ist an den gleichnamigen Roman von Ralph Ellison angelehnt. Diese Bilder nennt er accidents of reading. Bei dem Bild The Destroyed Room ließ er sich von dem Bild La mort de Sardanapale von Eugène Delacroix inspirieren.
Viele seiner anderen Werke sind an andere berühmte Gemälde oder Skulpturen angelehnt. So ist seine Fotografie The Thinker/Le Penseur beispielsweise ein Zitat der gleichnamigen Skulptur von Auguste Rodin, The Storyteller an Le Déjeuner sur l'herbe von Édouard Manet angelehnt und La Liberté guidant le peuple von Eugène Delacroix das Vorbild für Walls Fotografie unter dem Titel The Stumbling Block.
Die Deutung des Werkes von Jeff Wall zerfällt in das eigentliche Bild mit seinen Inhalten und die Präsentationsform. Alle Bilder sind komponiert und selbst kleine oder hintergründige Details - die Oberleitung einer Bahnstrecke in The Storyteller oder die Ballons an der Decke in A Ventriloquist at a Birthdayparty in October, 1947 - haben ihre Rolle und Bedeutung. Besonders fallen diese Details ins Auge, wenn man die Bilder genau betrachtet, so sind in The Destroyed Room durch die Fenster der Raumkulisse die Wände des Ateliers sichtbar. Ein weiteres Indiz ist die - seit den 90er Jahren von Wall benutzte - digitale Bearbeitung und Zusammensetzung seiner Bilder. Bekanntestes Beispiel ist das Bild A Sudden Gust Of Wind (after Hokusai), bei der alle Teile (Hut, Mann, Baum, Laub) aus einzelnen Aufnahmen stammen und spurenlos zusammengefügt wurden[2].
Ziemlich früh entdeckte Jeff Wall den Leuchtkasten als die beste Form der Präsentation, nach eigenen Worten als „delivery system”[3] und bezieht sich sogar auf Dan Flavin, der mit Leuchtstoffröhren arbeitet. Verschiedene Autoren sehen darin eine Beziehung zur Leuchtreklame, die diese Darstellungsform überall in Städten verteilt und massenhaft sowie großformatig Werbung zeigt. Diese und andere Kritiker beziehen das Durchlichtverfahren, bzw. das Leuchten auf das Kino, bei dem ebenfalls Filmmaterial durchstrahlt wird, um einen Film auf großer Leinwand einem Publikum vorzuführen.
„Ich glaube, daß dies [der Leuchtkasten] eine hervorragende Art ist, ein dramatisches photographisches Bild zu machen. Der Bezug zur Werbung ist wirklich nur sehr zweitrangig für mich...“
– T.J. Clark, Claude Gintz, Serge Guildbaut und Anne Wagner,[4]
Ein weiteres Indiz für den Bezug zum Kino sind Bewegungen der Figuren oder der Szenerie im Allgemeinen, die sich zwangsläufig ergeben, sowie die Parallele zur (erzählten) Geschichte. In Milk wird der Schwall Milch zwangsläufig der Gravitation folgen, bei Sudden Gust Of Wind (after Hokusai) ist der Wind für die Bewegungen zuständig. Selbst das offensichtliche Fehlen einer Bewegung wie in Destroyed Room oder The Pine on the Corner haben filmisches, sind das Ende einer Bewegung - um einen Raum zu zerstören bedarf es sogar sehr viel Bewegung - oder können als Aufblende bzw. Kamerafahrt interpretiert werden. Beim Bild Restoration wird auf das Panorama als Vorgänger der Kinematografie Bezug genommen.
All diese Faktoren werden oft als kritische Auseinandersetzung von Wall mit der Fotografie betrachtet und viele Autoren zitieren Walter Benjamin in Aufsätzen über Jeff Wall. Der Künstler selbst bezieht sich auf das Werk von John Heartfield hinsichtlich der Montagetechniken. Die Titel seiner Bilder (...(after Hokusai), deren Inhalte (Restoration, gezeigt wird die Restauration eines Panoramas) und die gezeigten Referenzen (Destroyed Room auf Der Tod des Sardanapal) zeugen von einer starken Verbundenheit Walls mit der Vergangenheit bzw. der Geschichte an sich.
Einige seiner Fotografien, wie zum Beispiel The Storyteller (1986)[5] werden im Frankfurter Museum für Moderne Kunst und in der Pinakothek der Moderne (Eviction Struggle (1988)[6] in München ausgestellt.
Jeff Wall war Teilnehmer der documenta 7 (1982), der documenta 8 (1987), der documenta X (1997) und auch der documenta 11 im Jahr 2002 in Kassel.
Vom 24. Februar bis 17. April 1994 zeigten die Deichtorhallen Hamburg eine Ausstellung des Fotografen mit dem Titel Jeff Wall – Dead Troops Talk. Seine Ausstellung mit Fotografien im Kunstmuseum Wolfsburg im Jahre 1996 trug den Titel: Jeff Wall - Landscapes and other Pictures.
Die größte Ausstellung seiner Werke fand vom 30. April 2005 bis zum 25. September 2005 im Schaulager Basel statt. Große Teile dieser Ausstellung waren anschließend vom 21. Oktober 2005 bis zum 8. Januar 2006 in der Londoner Tate Modern zu sehen.
Bis zum 14. Mai 2007 wurde ihm für eine Ausstellung das oberste Stockwerk des Museum of Modern Art in New York gewidmet.
Vom 3. November 2007 bis zum 20. Januar 2008 waren vier neue und fünf alte, vom Künstler ausgesuchte Werke in der Deutsche Guggenheim, Berlin, zu sehen.
Vom 20. Juni bis 10. Oktober 2010 zeigte die Galerie Neue Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden im Lipsiusbau die Ausstellung Transit. Aus allen drei bedeutenden Werkgruppen waren Beispiele im Lipsiusbau vertreten: 19 Leuchtkästen, sechs Schwarz-Weiß-Fotografien und eine farbige Arbeit im C-Print-Verfahren. Sie umfassten 32 Jahre seines Schaffens, vom Doorpusher (1984) bis zur jüngsten Arbeit von 2009, Search of premises.
Ein vollständiges Verzeichnis von Einzel- und Gruppenausstellungen findet sich im Anhang zu [2].
2003 erhielt Jeff Wall den Roswitha Haftmann-Preis, 1996 den Internationalen Kunstpreis Kulturstiftung Stadtsparkasse München
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wall, Jeff |
| KURZBESCHREIBUNG | kanadischer Künstler |
| GEBURTSDATUM | 29. September 1946 |
| GEBURTSORT | Vancouver, Kanada |