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| Jiddisch (יידיש) | ||
|---|---|---|
| Sprecher | Geschätzte 1 bis 1,5 Millionen | |
| Linguistische Klassifikation |
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| Offizieller Status | ||
| Amtssprache von | Anerkannte Minderheitensprache in Bosnien-Herzegowina, Moldawien, den Niederlanden, Polen, Rumänien, Schweden, (Ukraine) | |
| Sprachcodes | ||
| ISO 639-1: |
yi | |
| ISO 639-2: |
yid | |
| ISO 639-3: |
yid (Makrosprache) Enthaltene Einzelsprachen:
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Jiddisch (יידיש oder אידיש, wörtlich jüdisch) ist die rund tausend Jahre alte Sprache, die von den aschkenasischen Juden in Mittel- und Osteuropa gesprochen und geschrieben wurde. Es ist nach allgemeiner Meinung eine aus dem Mittelhochdeutschen hervorgegangene westgermanische, mit hebräischen, aramäischen, slawischen und weiteren Sprachelementen angereicherte Sprache, die sich ab dem 11. Jahrhundert als Folge der Flucht der Juden vor den christlichen Massakern im deutschsprachigen Bereich nach Osteuropa verbreitete.[1] Jiddisch diente als Alltagssprache, während Hebräisch und Aramäisch die Sprachen von Liturgie und Gelehrsamkeit waren. Auch Jiddisch wird mit hebräischen Schriftzeichen geschrieben.
Die jiddische Sprache teilt sich in West- und Ostjiddisch, letzteres besteht aus den Dialekten Mittel-, Süd- und Nordostjiddisch. Als Standard Ostjiddisch gilt das Nordostjiddisch, Litwisch genannt, der litauischen Juden. Während das Westjiddisch ab dem 18. Jahrhundert in weiten Teilen des deutschsprachigen Gebietes verschwand, blieb das Ostjiddisch in Osteuropa die Alltagssprache der Mehrheit der Juden bis zu ihrer Vernichtung durch die Nazis.
Mit den Auswanderungswellen von Millionen osteuropäischer Juden im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert breitete sich das Jiddische auch in den neuen jüdischen Zentren besonders in Amerika, Frankreich und Großbritannien aus. Heute wird Jiddisch als Muttersprache noch von wenigen aus Osteuropa stammenden betagten Juden und von ultraorthodoxen Juden gesprochen. Ihre Zahl wird auf weit über eine Million geschätzt.
Inhaltsverzeichnis |
In der mittelhochdeutschen Periode entwickelten sich im deutschen Sprachgebiet spezifisch jüdische Ausprägungen des Deutschen, die von Juden untereinander gesprochen und in der Regel mit einem dafür angepassten hebräischen Alphabet geschrieben wurden. Charakteristisch sind eine Vielzahl von Entlehnungen aus dem meist nachbiblischen Hebräischen und dem Aramäischen sowie in geringem Maße auch einige Entlehnungen aus dem Romanischen (Französisch, Italienisch und Spanisch).
Bedingt durch die Judenverfolgungen ab dem 11. Jahrhundert und besonders nach der großen Pest von 1348 kam es zur massenhaften Migration von Juden aus dem deutschen Sprachgebiet nach Osteuropa, besonders ins Königreich Polen und ins Großfürstentum Litauen, und in der Folge zu einer sprachlich getrennten Entwicklung: Das Jiddische im Westen entwickelte sich im Kontakt mit dem Deutschen weiter und glich sich ihm besonders im Zuge der Säkularisierung und Assimilation deutscher Juden seit dem 18. Jahrhundert weitgehend an, während das Jiddische im Osten den mittelalterlichen Stand des jüdischen Deutschen stärker bewahrte und sich hauptsächlich im Kontakt mit slawischen Sprachen durch Entlehnungen und durch Übernahme morphologischer und syntaktischer Elemente aus dem Slawischen weiterentwickelte. Man unterteilt das Jiddische deshalb in Westjiddisch und Ostjiddisch.
Bis ins frühe 18. Jahrhundert war es das Westjiddische, das für den jiddischen Buchdruck maßgeblich war. Im späten 18. Jahrhundert hatten jedoch die ostmitteleuropäischen Druckorte die westmitteleuropäischen abgelöst, und infolge dessen sowie wegen der fortgeschrittenen Assimilation der Juden Deutschlands setzte sich das Ostjiddische als neuer Standard der jiddischen Sprache durch. Im 19. Jahrhundert werden auch nicht-religiöse Publikationen immer häufiger, und es folgt eine bis zum Zweiten Weltkrieg andauernde Epoche, die oft als goldenes Zeitalter der jiddischen Literatur gewertet wird. Diese Periode trifft mit der Wiederbelebung des Hebräischen als gesprochene Sprache und der Wiedergeburt der hebräischen Literatur zusammen.
Mit der Massenauswanderung nach Nordamerika und England im späten 19. Jahrhundert expandierte das Jiddische verstärkt in den englischen Sprachraum und wurde dementsprechend zunehmend durch Englisch als Kontaktsprache beeinflusst. Infolge der großen Anzahl jiddischsprachiger Einwanderer haben zahlreiche jiddische Wörter Eingang in den umgangssprachlichen Wortschatz des US-amerikanischen Englisch gefunden.
Jiddisch war eine der offiziellen Sprachen in der unabhängigen Volksrepublik Ukraine zwischen 1917–1920. In den 1920ern und 1930ern war Jiddisch einige Jahre lang neben dem Russischen, Weißrussischen und Polnischen Staatssprache im sowjetischen Weißrussland. Einerseits betrieb die Sowjetunion zu Stalins Zeiten eine aktiv judenfeindliche Politik und verfolgte die jüdische Religion, das Bibelstudium, die zionistische Bewegung und die hebräische Sprache. Andererseits wurden jiddische Sprache und Literatur zumindest bis zum Zweiten Weltkrieg offiziell gefördert. Zwischen 1918 und 1923 wurden unter der Führung des Kriegsveteranen Simon Dimantstein innerhalb der KPdSU jüdische Sektionen („Jewsekzija“) errichtet. Ihre Aufgabe war der Aufbau einer „jüdischen proletarischen Kultur“, die nach den Worten von Stalin „national in der Form und sozialistisch im Inhalt“ sein sollte. Es gab drei bedeutende jiddische Zeitungen: Emes („Wahrheit“, 1920–39 in Moskau), Shtern (1925–41 in der Ukraine) und Oktjabr („Oktober“, 1925–1941 in Weißrussland). Auch der Aufbau eines jiddischen Schulsystems wurde gefördert. 1932 besuchten 160.000 jüdische Kinder in der Sowjetunion eine jiddischsprachige Schule. Doch wegen des Mangels an höheren Ausbildungsmöglichkeiten in Jiddisch und des allgemein tiefen Ausbildungsniveaus wurden in den folgenden Jahren im ganzen Land diese Schulen geschlossen, meistens mit ihrem Einverständnis. Siehe dazu Geschichte der Juden in der Sowjetunion.
1925 wurde im damals polnischen Wilno das YIVO, der jidischer wißnschaftlecher inßtitut als akademische Einrichtung zum Studium jiddischer und ostjüdischer Kultur gegründet. Seit 1940 ist der Hauptsitz in New York City; 1941 plünderten die Nazis den Sitz in Wilna.
1928 wurde die Jüdische Autonome Oblast (Birobidschan) in der östlichen Sowjetunion gegründet. Hier sollte Jiddisch als Amtssprache eingeführt werden, jedoch erreichte die jiddischsprachige Bevölkerung nie die Mehrheit. Seit dem Zerfall der Sowjetunion sind die meisten Juden der jüdischen autonomen Oblast nach Israel, Deutschland und in die USA ausgewandert. Jiddisch wird nur noch von einem Bruchteil der Einwohner gesprochen.
Heute gibt es in einigen traditionellen, ultraorthodoxen jüdischen Gemeinden wie zum Beispiel in New York, Montreal, London, Antwerpen und Jerusalem (etwa im Stadtteil Me'a Sche'arim) größere Sprechergruppen, die Jiddisch als Alltagssprache verwenden und an die nächste Generation weitergeben. Neben diesen Sprechern gibt es auch eine kleine säkulare Sprechergemeinschaft, die das Jiddische weiter pflegt.
Jiddischsprecher bezeichnen das Jiddische als mamme loschn (מאַמע לשון, deutsch Muttersprache). Das deutsche Wort Jiddisch ist ein verhältnismäßig neues Kunstwort. Es ist eine Entlehnung aus dem englischen Yiddish, das seinerseits auf das von ostjüdischen Emigranten nach England mitgebrachte jiddische Wort jidisch zurückgeht. Jidisch (oder idisch) bedeutet im Jiddischen sowohl „jüdisch“ als auch „jiddisch“. Ältere Bezeichnungen, die oft abwertend verwendet wurden, sind Judendeutsch, Jüdisch-Deutsch und Jargon.
Im Englischen ist das Wort Yiddish seit 1886 belegt, so zuerst in dem Roman Children of Gibeon von Walter Besant mit der Erklärung, dass es sich um eine aus Polnisch, Deutsch und Hebräisch gemischte Sprache handele, bald darauf dann aber auch durch gelegentliche Verwendung in sprachwissenschaftlichen Publikationen wie Alexander Harkavys Dictionary of the Yiddish Language (New York 1898) und Leo Wieners History of Yiddish Literature in the Nineteenth Century (London & New York 1899), wobei auch in solchen Fachpublikationen bis ins 20. Jahrhundert ältere Bezeichnungen wie Judaeo-German zunächst noch vorherrschend blieben.
Bei der Anglisierung des jiddischen Wortes jidisch wurde der Konsonant „d“ verdoppelt um den Monophthong -i- zu erhalten und der sonst im Englischen naheliegenden Aussprache -ei- vorzubeugen. Mit kurzer erster Silbe und Doppelkonsonant wurde das Wort dann aus dem Englischen in der Form „jiddisch“ auch ins Deutsche übernommen, wo es zuerst in Gustav Karpeles' Geschichte der jüdischen Literatur (Berlin 1909, dort neben „jüdisch-deutsch“) und dann in Solomon Birnbaums Aufsatz Jiddische Dichtung (1913) erscheint. Dabei stand der Anglizismus jiddisch in Konkurrenz nicht nur zu den älteren Bezeichnungen, sondern auch zu der zuweilen aus dem Ostjiddischen direkt ins Hochdeutsche übernommenen Bezeichnung jidisch, wie sie z. B. im Untertitel „Übertragungen jidischer Volksdichtung“ zu der Sammlung Ostjüdische Liebeslieder (Berlin 1920) von Ludwig Strauß erscheint.
Es ist maßgeblich der Initiative Birnbaums und dem Einfluss seiner Praktischen Grammatik der Jiddischen Sprache (1918) sowie seiner zahlreichen Fachpublikationen und Lexikonartikel zuzuschreiben, dass sich Jiddisch (und auch im Englischen Yiddish) in der Folgezeit als fachsprachlicher Terminus etablierte, als Bezeichnung zunächst vorwiegend für das neuostjiddische, und dann umfassend für sämtliche Sprachperioden (urjiddisch, altjiddisch, mitteljiddisch, neujiddisch) unter Einbeziehung auch des westlichen Jiddisch.
Zur Schreibung des Jiddischen wird das – dafür angepasste – hebräische Alphabet benutzt (Aljamiado-Schreibweise). Viele Lehnwörter kommen aus dem Hebräischen. Es gibt außerdem auch eine weitere auf dem lateinischen Alphabet basierende, vom YIVO in New York genehmigte Orthographie. Sie basiert auf der englischen Schreibweise und bedient sich keiner Umlaute und sonstiger Akzentzeichen. Sie wird als Standardschreibweise im Internet genutzt und überall dort, wo es Schwierigkeiten bereiten würde, mit hebräischen Lettern zu schreiben.
| Zeichen | Transkription nach YIVO | Name |
|---|---|---|
| א | shtumer alef | |
| אַ | a | pasekh alef |
| אָ | o | komets alef |
| ב | b | beys |
| בֿ | v | veys |
| ג | g | giml |
| ד | d | daled |
| ה | h | hey |
| ו | u | vov |
| וּ | u | melupm vov |
| ז | z | zayen |
| ח | kh | khes |
| ט | t | tes |
| י | y, i | yud |
| יִ | i | khirek yud |
| כּ | k | kof |
| כ ך | kh | khof, langer khof |
| ל | l | lamed |
| מ ם | m | mem, shlos mem |
| נ ן | n | nun, langer nun |
| ס | s | samekh |
| ע | e | ayin |
| פּ | p | pey |
| פֿ ף | f | fey, langer fey |
| צ ץ | ts | tsadek, langer tsadek |
| ק | k | kuf |
| ר | r | reysh |
| ש | sh | shin |
| שׂ | s | sin |
| תּ | t | tof |
| ת | s | sof |
| Zeichen | Transkription nach YIVO | Name |
|---|---|---|
| װ | v | tsvey vovn |
| זש | zh | zayen-shin |
| טש | tsh | tes-shin |
| ױ | oy | vov yud |
| ײ | ey | tsvey yudn |
| ײַ | ay | pasekh tsvey yudn |
</div>
Die Schreibmaschinke (Yiddish Typewriter, hebräisch די ייִדישע שרײַבמאַשינקע = 'di jidische schrajbmaschinke') ist ein Internet-Angebot, das verschiedene weitverbreitete Kodierungen des Jiddischen ineinander wandelt. Insbesondere ist die Überführung zwischen lateinischer Transliteration und hebräischem Text in beide Richtungen möglich.
Dieses und ein weiteres Werkzeug zur Umwandlung von Jiddisch in eine deutsche Transkription findet sich in den Weblinks.
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Jiddisch hat mit vielen ober- und besonders mitteldeutschen Dialekten zahlreiche Lautveränderungen gemeinsam: Entrundung der Hochzungenvokale mhd. ö > e, ü > i (bspw. mhd. jüde > jidd. jid), die Diphthongierung von mhd. bzw. regional-frühnhd. langem ê > ej, ô > ou bzw. im Ostjiddischen weiter > /oi/, œ (> ê) > ej (bspw. mhd. gên > jidd. gejn, mhd. brôt > jidd. brojt, mhd. schœne > jidd. schejn) oder die Verdumpfung des langen Zentralvokals mhd. â > ô/û (bspw. mhd. schlâfen > nordostjidd. schlofn, südjidd. schlufn).[2]
Die jiddische Grammatik ist grundsätzlich deutschbasiert (wobei sie in der Regel näher bei den deutschen Mundarten als bei der deutschen Standardsprache liegt), weist aber auch zahlreiche Eigenentwicklungen auf und zeigt verschiedene slawische und gewisse hebräische Einflüsse.
Die Flexion der Substantiva weicht von derjenigen der deutschen Standardsprache stark ab. So sind Beugung mittels Umlautung sowie mittels {-n} viel verbreiteter als im Standarddeutschen (ersteres entspricht aber teilweise den Verhältnisse in den deutschen Mundarten); umgekehrt ist die deutsche Endung {-e} im Jiddischen unbekannt. Sodann kennt Jiddisch mit den Endungen {-ß} bzw. {-eß} und {-im} Morpheme, die dem Hebräischen entlehnt sind. {-im} kommt fast nur bei hebräischstämmigen Substantiven vor, erstere beide sowohl bei hebräisch- wie auch bei deutsch- und slawischstämmigen Wörtern. Die Schreibung von {-(e)ß} erfolgt bei hebräischstämmigen Wörtern nach der hebräischen, bei deutsch- und slawischstämmigen Wörtern nach der phonologischen Orthographie. Die Pluralbildung mittels {-im} ist sodann in der Regel mit Vokaländerung, manchmal mit konsonantischer Veränderung sowie oft mit Betonungsverschiebung von der ersten auf die mittlere Silbe verbunden.
Beispiele, die das oben Gesagte sowie die Unterschiede zwischer deutscher und jiddischer Flexion demonstrieren (Singular – Plural):
Hier wird im Singular {-l} hebräisch ־ל angehängt; der Plural wird mit {-lech} hebräisch ־לעך gebildet: jidd. bet (dt. Bett) – Dim. I betl, Plural betlech hebräisch בעט בעטל בעטלעך. Wenn möglich, ist Diminuierung mit Umlautung verbunden: hant (dt. Hand) – Dim. I hentl.
Der Diminutiv II ist eine affektivere Variante des Diminutivs I. Im Singular wird {-ele} hebräisch ־עלע angehängt; der Plural mit {-elech} hebräisch ־עלעך gebildet: jidd. bet (dt. Bett) – Dim. II betele, Plural betelech hebräisch בעט בעטעלע בעטעלעך. Wenn möglich, ist Diminuierung mit Umlautung verbunden: hant (dt. Hand) – Dim. II hentele.
Der bestimmte Artikel wird nach Genus, Kasus und Numerus flektiert, wobei im Vergleich mit dem Deutschen ein starker Synkretismus stattgefunden hat, vgl.:
maskulin
der = dt. der (Nom.), z. B. der man der Mann
dem = dt. des (Gen.), dem (Dat.), den (Akk.), z. B. dem manß des Mannes, dem man dem Mann, den Mann
feminin
di = dt. die (Nom. und Akk.), z. B. di froj die Frau
der = dt. der (Gen. und Dat.), z. B. der froj der Frau
neutrum (im Nordostjiddischen unbekannt)
doß = dt. das (Nom. und Akk.), z. B. doß kind das Kind
dem = dt. des (Gen.), dem (Dat.), z. B. dem kindß des Kindes, dem kind dem Kind
di für alle Genera und alle Kasus, z. B. di mener/frojen/kinder singen die Männer/Frauen/Kinder singen, ich gib doß buch di mener/frojen/kinder ich gebe das Buch den Männern/Frauen/Kindern
Der unbestimmte Artikel, der nur im Singular vorkommt, lautet vor Konsonanten a, vor Vokalen an und wird nicht flektiert: a man, a froj, a kind (dt. ein/einem/einen Mann, eine/einer Frau, ein/einem Kind)
Die Flexion der Adjektiva unterscheidet sich von den deutschen Regeln grundlegend, indem sie (mit ganz wenigen Ausnahmen) nicht zwischen starker und schwacher Flexion unterscheidet.
Es existieren drei Genera (m, f, n) und 4 Kasus (Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ), ferner im Neutrum teilweise je nach unbestimmten bzw. bestimmten Artikel Unterscheidung zwischen starker und schwacher Flexion. Im Gegensatz zum Deutschen hat überdies ein relativ weitgehender Zusammenfall der verschiedenen Kasusendungen stattgefunden, so dass die Anzahl verschiedener Endungen bedeutend geringer ist. In den Dialekten kommen im Bereich Genus und Kasus sodann bedeutende Abweichungen von der standardjiddischen Regelung vor.
Beispiel:
Das Jiddische verfügt wie das Deutsche über eine große Zahl unflektierter Adverbia.
Das Jiddische kennt wie das Deutsche starke und schwache sowie eine kleine Zahl ganz unregelmäßiger Verben. Dazu tritt bei hebräischstämmigen Verben eine periphrastische Konjugation, die dem Deutschen unbekannt ist. Anders als das Deutsche kennt das Jiddische weder ein Präteritum noch einen Konjunktiv.
Beispiele (Infinitiv – 3. Person Singular Präsens – Partizip Perfekt):
schrajbn (dt. schreiben) – schrajbt – geschribn
singen (dt. singen) – singt – gesungen
schlofn (dt. schlafen) – schloft – geschlofn
machn (dt. machen) – macht – gemacht
redn (dt. reden) – redt – geredt
ßtraschen (dt. drohen) – ßtraschet – geßtraschet
hobn (dt. haben) – hot – gehat
weln (dt. wollen) – wil (Vollverb) / wel (Hilfsverb) – gewolt
mojde sajn (dt. zugeben) – is mojde – mojde gewen
Sehr ausgeprägt ist im Jiddischen sodann ein slawisch inspiriertes System von Aktionsarten. Diese Unterscheidungen sind vor allem im Jiddischen, das in slawischer Umgebung gesprochen wird, lebendig; im amerikanischen Jiddisch geht sie rasch verloren.
Beispiele:
Das Perfekt wird standardjiddisch mit sajn (dt. sein) oder hobn (dt. haben) gebildet: er is gegangen, er hot gemacht, wobei die Verteilung der Hilfsverben vom (Nord- und Ost-)Deutschen abweichen kann: er is geschtanen, si is geschlofn (dt.: er hat gestanden, sie hat geschlafen). Das Nordostjiddische (ursprünglich Litauen und Weißrussland) kennt nur hobn als Hilfsverb.
Der jiddische Konditional wird mit wolt (ursprünglich zu weln, dt. wollen gehörig) plus Partizip Perfekt gebildet: er wolt geholfn (dt. er würde helfen / er hülfe).
Hier seien zunächst die Zahlen lateinisch (nach Ronald Lötzsch 1992) transkribiert dargestellt:
ab 13 drajzn läuft es analog zum Deutschen -zn; beachte aber: 14 ferzn; 15 fufzn
Ab 20 zwanzik kommt -unzwanzik
Nach 30 drajßik kommt -zik; beachte aber: 40 ferzik; 50 fufzik; 70 sibezik
100 hundert; 1000 tojsnt; 1000000 miljon
928.834 najn hundert acht un zwanzik tojsnt acht hundert fir un drajßik
Es gibt im Jiddischen nur eine sehr überschaubare Anzahl an Konjunktionen, die wie im Deutschen beiordnend oder unterordnend sein können. Hiervon sind einige slawischen oder hebräischen Ursprungs. Die Konjunktionen sind unveränderlich und haben keinen Einfluss auf den Modus des Verbs.
| Deutsch | Transkription | Jiddisch |
|---|---|---|
| und | un | אוּן |
| oder | oder | אָדער |
| aber | ober | אָבער |
| denn | wajl | װײַל |
| Deutsch | Transkription | Jiddisch |
|---|---|---|
| obwohl | hagam (hebr.)/chotsch (sl.) | הגם / כאָטש |
| dass | as | אַז |
| ob | ojb | אָויב |
| damit | bechdej (hebr.) | בכדי |
| sowohl … als auch | hen … hen (hebr.) | הן … הן |
| entweder … oder | oder … oder | אָדער … אָדער |
Weltweit gibt es rund 100 jiddischsprachige Zeitungen, Zeitschriften und Radioprogramme. Zu den Publikationen gehören beispielsweise „Dos Jidisze Wort“ (Polen), „Forverts“ (USA), „Algemeiner Journal“ (USA), „Der Yid“ (USA), „Der Blat“ (USA), „Lebnsfragn“ (Israel) oder der „Birobidshaner Schtern“ (Russland).
Aus dem jiddischen Theater entwickelte sich in Europa und den USA der jiddische Film. Seine Blütezeit erlebte er in den 20er- und 1930er Jahren in Europa und anschließend in den USA bis etwa in die 1950er-Jahre. Insgesamt entstanden so etwa 100 bis 200 Spielfilme. Zu den bekanntesten Regisseuren jiddischer Filme zählen Sidney M. Goldin und Joseph Seiden. Die Darsteller kamen häufig von bekannten jiddischen Theatergruppen. Mitunter waren auch Filmschaffende am jiddischen Film beteiligt, die auch in der regulären Filmindustrie Hollywoods bekannt waren. So etwa die Schauspielerin Molly Picon und der Regisseur Edgar G. Ulmer.
Bekannte jiddische Filme sind, nebst anderen:
Der einzige in Deutschland produzierte Film in jiddischer Sprache ist Herbert B. Fredersdorfs von Holocaust-Überlebenden handelnder Spielfilm Lang ist der Weg (1948). In Wien existierte in den 1920er Jahren eine unabhängige jiddische Filmszene. Die Internet Movie Database Inc. nennt Anfang 2006 174 internationale Filme mit jiddischem Dialog (siehe Weblinks).
Jiddische Lieder gibt es auf vielen Tonträgern. Ihre Texte sind in der Regel Lyrik. Inhalte wie Volks-, Hochzeits-, Beerdigungs- und Klagelieder. Zu den Liedarten und bekannten Interpreten siehe unter Klezmer.
In den letzten Jahrzehnten erlebte Klezmer-Musik und andere traditionelle jüdische oder jiddische Musik eine Renaissance. Der Klezmer erlangte, beeinflusst von Jazz und anderen Musikrichtungen mit Bands wie The Klezmatics eine moderne Spielart und Bekanntheit. Der spielerische Umgang mit dem umfangreichen Erbe jüdischer (und jiddischer) Musik- und Gesangstradition brachte mitunter auch kuriose Ergebnisse hervor, wie etwa die Veröffentlichungen des kanadischen Produzenten und DJs socalled zeigen, der unter anderem Hip Hop-Versionen traditioneller Lieder mit bekannten jüdischen Musikern der Gegenwart, darunter der Sänger Theodore Bikel, neu eingespielt hat.
Institutionen:
Jiddische Sprachkurse finden an vielen Universitäten und sonstigen Schulen statt, so in New York, London, Paris, Vilnius (früher Oxford) oder Tel Aviv.
New York: Das Uriel Weinreich Program in Yiddish Language, Literature und Culture hat die längste Tradition. Es findet jeden Sommer statt, ist ein Gemeinschaftsprojekt von YIVO und Bard College (ursprünglich YIVO und Columbia University) und dauert sechs Wochen.[5]
Vilnius: Im Rahmen des Summer Program in Yiddish Language and Literature des Vilnius Yiddish Institute an der Universität Vilnius finden alljährlich vierwöchige Jiddisch-Kurse statt, wobei mit Gesangs-, Musik-, Tanz- oder Literaturkursen die jüdische Kultur nahe gebracht wird.[6] Daneben gibt es Exkursionen über die jüdische Geschichte der Stadt.[7]
Tel Aviv: Das International Yiddish Summer Program findet jeden Juli am "The Goldreich Family Institute for Yiddish Language, Literature, and Culture" statt und dauert ebenfalls vier Wochen.[8]
Warschau: Das vom Jiddischen Kulturzentrum jeweils im Juli durchgeführte International Summer Seminar in Yiddish Language and Culture dauert drei Wochen und legt ein besonderes Gewicht auf Geschichte und Gegenwart des polnischen Judentums.[9]
Das nachfolgende Beispiel ist der Beginn des ersten Buches Moses, Griechisch „Genesis“ (deutsch Schöpfung), hebräisch nach dem ersten Wort „Bereschit“, jiddisch „Bereyschis“ (deutsch am Anfang) genannt:
| moderne jiddische Übersetzung[10] | moderne jiddische Übersetzung in YIVO-Transkription | deutsche Einheitsübersetzung[11] |
|---|---|---|
| אין אָנהײב האָט גאָט באַשאַפֿן דעם הימל און די ערד 1 און די ערד איז געװען װיסט און לײדיק, און פֿינצטערניש איז 2
געװען אױפֿן געזיכט פֿון תּהום, און דער גײַסט פֿון גאָט האָט |
1 In onheyb hot got bashafn dem himl un di erd. 2 Un di erd iz geven vist un leydik, un fintsternish iz geven oyfn gezikht fun tehom, un der gayst fun got hot geshwebt oyfn gezikht fun di vasern. 3 Hot got gezogt: zol vern likht. Un es iz gevorn likht. 4 Un got hot gezen dos likht az es iz gut; un got hot fanandergesheydt tsvishn dem likht un tsvishn der fintsternis. 5 Un got hot gerufn dos likht tog, un di fintsternish hot er gerufn nakht. Un es iz geven ovnt, un es iz geven frimorgn, eyn tog. |
1 Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde; 2 die Erde aber war wüst und wirr, Finsternis lag über der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser. 3 Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht. 4 Gott sah, dass das Licht gut war. Gott schied das Licht von der Finsternis 5 und Gott nannte das Licht Tag und die Finsternis nannte er Nacht. Es wurde Abend und es wurde Morgen: erster Tag. |
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