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James Marshall âJimiâ Hendrix (* 27. November 1942 in Seattle, Washington; â 18. September 1970 in London) war ein US-amerikanischer Gitarrist und SĂ€nger.
Jimi Hendrix gilt wegen seiner experimentellen und innovativen Spielweise auf der E-Gitarre als einer der bedeutendsten Gitarristen und hatte nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung der Rockmusik. Gemeinsam mit seinen Bands, unter anderem The Jimi Hendrix Experience und Gypsy Sun & Rainbows, trat er auf dem Monterey Pop Festival und dem Woodstock-Festival auf. Das Rolling Stone Magazin kĂŒrte ihn zum besten Gitarristen aller Zeiten.[1]
Inhaltsverzeichnis |
Jimi Hendrix wurde am 27. November 1942 im General County Hospital in Seattle im US-Bundesstaat Washington als Sohn von James Allen Hendrix und Lucille Jeter unter dem bĂŒrgerlichen Namen âJohn Allen Hendrixâ geboren. Sein Vater war Afroamerikaner und seine Mutter cherokee-irischer Abstammung.[2] James Allen Hendrix war zur Zeit der Geburt seines Sohnes gerade mit der US-Armee in Alabama stationiert. Nach seiner Entlassung im Jahr 1946 lieĂ er den Namen seines Sohnes in âJames Marshall Hendrixâ Ă€ndern.[3] James Allen und Lucille Hendrix bekamen 1948 noch einen weiteren gemeinsamen Sohn namens Leon, lieĂen sich aber 1950 scheiden. Jimi Hendrix wuchs fortan bei seinem Vater auf.
Hendrixâ erstes Musikinstrument war eine Mundharmonika, die er mit vier Jahren erhielt.[4] Als Jugendlicher begann er sich fĂŒr Rock ânâ Roll zu begeistern. Er besuchte unter anderem Konzerte von Elvis Presley und Little Richard. Mit 13 Jahren bekam er von seinem Vater eine einsaitige Ukulele geschenkt, die dieser beim AufrĂ€umen in einer Garage gefunden hatte.[5] Im Sommer 1957 erwarb sein Vater fĂŒr fĂŒnf Dollar eine gebrauchte akustische Gitarre, auf der Hendrix mit seiner ersten Band The Velvetones nur eine kurze Zeit spielte, denn schon bald bekam er eine elektrische Gitarre, die âSupro Ozark 1560Sâ geschenkt. Diese spielte er auch in seiner zweiten Band The Rocking Kings.
Nach dem erfolgreichen Abschluss der Mittelschule besuchte Hendrix die Garfield High School, die er jedoch 1959 wegen schlechter Noten verlassen musste. Nach einem Autodiebstahl stellte man ihn vor die Wahl, zwei Jahre im GefĂ€ngnis zu verbringen oder der Army beizutreten. Im Mai 1961 verpflichtete sich Jimi Hendrix fĂŒr drei Jahre und kam nach der Grundausbildung zur 101. US-Luftlandedivision in Fort Campbell. Hendrix fiel bei der US Army sehr schnell unangenehm auf. Vorgesetzte bemĂ€ngelten seine geringe Motivation und VerstöĂe gegen Befehle und Regeln. Hendrix könne sich nicht auf seine Pflichten konzentrieren, da er auĂerhalb des Dienstes zu viel Gitarre spiele und stĂ€ndig daran denken wĂŒrde. AuĂerdem besitze er keine guten Charaktereigenschaften. Nach 13 Monaten bei der Armee wurde Hendrix vorzeitig entlassen.[6]
Noch wĂ€hrend seines Dienstes hatte er Billy Cox kennen gelernt, der Bass in den WohltĂ€tigkeitsclubs in Nashville spielte. Gemeinsam mit Cox grĂŒndete Hendrix die Band The King Kasuals. ZusĂ€tzlich spielte er in den folgenden Jahren als Begleitmusiker unter anderem fĂŒr Little Richard, The Supremes, The Isley Brothers und Jackie Wilson.
Im Januar 1964 zog er in den New Yorker Stadtteil Harlem. Bereits im Monat darauf konnte er einen Wettbewerb des Apollo Theater gewinnen.
1965 ĂŒbernahm Hendrix die Rolle des Gitarristen bei den Isley Brothers und begleitete sie auf einer Tour durch die USA. Noch im gleichen Jahr stieg Hendrix bei der New Yorker Band Curtis Knight and the Squires ein. Curtis Knights Manager, Ed Chalpin, bot an, ihn unter Vertrag zu nehmen. Hendrix unterschrieb und bekam einen Vorschuss von einem Dollar und einen Anteil von einem Prozent an den Lizenzeinnahmen und verpflichtete sich gleichzeitig, drei Jahre lang exklusiv fĂŒr ihn zu spielen.[7] Doch auch sein Engagement in dieser Gruppe hatte nur kurzen Bestand.
Die erste Band, in der Hendrix selber als Frontmann und SĂ€nger aktiv war, war die 1965 gegrĂŒndete Formation Jimmy James and the Blue Flames. In der zweiten HĂ€lfte des Jahres 1965 und Anfang 1966 spielte Hendrix mit diesen Musikern in Clubs des Greenwich Village.
Als Hendrix gemeinsam mit seinen Begleitmusikern am 3. August 1966 im âCafe Wha?â in New Yorks KĂŒnstlerviertel Greenwich Village auftrat, war auch der ehemalige Animals-Bassist Chas Chandler anwesend, der von Hendrixâ kĂŒnstlerischer Leistung beeindruckt war. Er bot ihm einen Vertrag an, demzufolge Hendrix in London eine neue Band aufbauen sollte. FĂŒr die neue Funktion wurde das alte Pseudonym Jimmy James aufgegeben. Hendrix sollte kĂŒnftig unter eigenem Namen auftreten. Gemeinsam mit Schlagzeuger Mitch Mitchell (vorher Georgie Fameâs Blue Flames) und Bassist Noel Redding wurde so die Jimi Hendrix Experience September 1966 in London gegrĂŒndet. Chandler fungierte auch in Zukunft als Manager und Produzent fĂŒr die Gruppe. Er war fĂŒr den kĂŒnstlerischen Teil des Managements zustĂ€ndig, wĂ€hrend sich Michael Jeffery um den finanziellen Teil kĂŒmmerte. Jeffery war zuvor bereits Chandlers Manager gewesen, als Chandler bei den Animals spielte.
Ihr erster gemeinsamer Auftritt war als Vorgruppe fĂŒr Johnny Hallyday im Pariser Olympia. Die ersten Songs, Hey Joe und Stone Free, wurden im Oktober/November 1966 aufgenommen. Die Single wurde noch im Dezember 1966 veröffentlicht und platzierte sich im Februar 1967 in England auf Position vier der Hitparade. Das erste Album, Are You Experienced?, erreichte Platz zwei der UK-Charts.
Am 18. Juni 1967 trat Hendrix mit seiner Band auf dem Monterey Pop Festival auf, wodurch seine PopularitĂ€t sehr gesteigert wurde. Bekannt wurde der Auftritt auch dadurch, dass Hendrix am Ende nach dem neunten Song Wild Thing seine Gitarre verbrannte. Er selbst Ă€uĂerte sich dazu:
âThe time I burned my guitar it was like a sacrifice. You sacrifice the things you love. I love my guitar.â
âAls ich meine Gitarre verbrannte, war das wie ein Opfer. Man opfert die Dinge, die man liebt. Ich liebe meine Gitarre.â
â Jimi Hendrix[8]
Nach der Veröffentlichung von Axis: Bold as Love startete die Band im Februar 1968 eine lÀngere Tour durch die USA, wo sie unter anderem auch im Fillmore West in San Francisco auftrat. Noch im gleichen Jahr veröffentlichte sie Electric Ladyland, mit den bekannten Songs Voodoo Child (Slight Return) und All Along the Watchtower. Das Album stieg bis auf Platz eins der Billboard-Charts. Der letzte gemeinsame Auftritt der Jimi Hendrix Experience fand am 29. Juni 1969 in Denver statt.
Das Jahr 1969 war geprĂ€gt von Problemen mit der Justiz. Im Mai wurden bei einer Kontrolle am Flughafen von Toronto Heroin und Haschisch in Hendrixâ GepĂ€ck gefunden. Hendrix verteidigte sich, er habe nichts davon gewusst.
FĂŒr das Woodstock-Festival stellte Jimi Hendrix eine neue Band zusammen, Gypsy Sun & Rainbows mit Mitch Mitchell am Schlagzeug, seinem alten Armee-Freund Billy Cox am Bass, Larry Lee an der Rhythmusgitarre und zwei Perkussionisten. Weil sich der Ablauf witterungsbedingt sehr verzögert hatte, konnte Hendrix erst am frĂŒhen Montagmorgen des 18. August 1969 auftreten, als das Festival schon vorbei sein sollte. Von den 500.000 Besuchern waren zu diesem Zeitpunkt nur noch rund 25.000 anwesend.[9]
Bei diesem Konzert prÀsentierte Hendrix eine umstrittene Interpretation der US-amerikanischen Nationalhymne The Star-Spangled Banner. Durch Spieltechnik und den Einsatz von Effekten (vor allem Wah-Wah und Fuzz-Face) verfremdete er die bekannten Motive der Hymne.
âDurch Spieltechnik und den Einsatz von Effekten lieĂ er zwischen den bekannten Motiven der Hymne auch Kriegsszenen hörbar werden, darunter verblĂŒffend deutlich Maschinengewehrsalven, Fliegerangriffe und GeschosseinschlĂ€ge.â
â MDR.de
Nach dem Woodstock-Auftritt gab die Band nur zwei weitere Konzerte und löste sich dann auf. Um Ed Chalpins AnsprĂŒche aus dem 1-Dollar-Vertrag zu befriedigen, wurde ein Konzert mitgeschnitten, das Silvester 1969 im Fillmore East stattfand. DafĂŒr stellte Hendrix eine neue Band namens Band of Gypsys mit Billy Cox am Bass und Buddy Miles am Schlagzeug zusammen.
Nachdem die Band of Gypsys nur einen Monat zusammen aufgetreten war, formierte Hendrix im MĂ€rz 1970 die Jimi Hendrix Experience neu. Er ĂŒbernahm Billy Cox aus der Band of Gypsys und spielte weiter gemeinsam mit Mitch Mitchell.
1970 fanden zahlreiche, oft spontane Studioaufnahmen mit wechselnden Besetzungen statt, die in ein geplantes Album mit dem Arbeitstitel First Rays of the New Rising Sun mĂŒnden sollten. Eine Auswahl der Songs wurde 1971 als Cry Of Love veröffentlicht, als komplettes Album erschien es erst 1997. FĂŒr die Aufnahmen lieĂ Hendrix in der 8th Street in New York ein eigenes Aufnahmestudio errichten, das im August 1970 fertiggestellt wurde. Als Name wurde âElectric Lady Studiosâ gewĂ€hlt.
In diesem Jahr ging die Band auf ihre letzte US- und Europa-Tournee. Auftakt in Europa war das Isle of Wight Festival am 30. August 1970. Nach anschlieĂenden Auftritten in Stockholm, Kopenhagen und Berlin (am 4. September 1970 in der Deutschlandhalle) absolvierte Hendrix beim Love-and-Peace-Festival am 6. September 1970 auf der schleswig-holsteinischen Ostseeinsel Fehmarn seinen letzten Auftritt. SpĂ€ter wurde dort ein Gedenkstein platziert. Noch heute werden regelmĂ€Ăige Revival-Festivals durchgefĂŒhrt.[10]
Im selben Jahr wirkte Hendrix bei den Aufnahmen fĂŒr das Solo-DebĂŒtalalbum von Stephen Stills mit. Das Erscheinen des Albums im November 1970 erlebte er nicht mehr. Stills widmete das Album âJames Marshall Hendrixâ.
WĂ€hrend der vorangegangenen Jahre hatte sich Hendrixâ Drogenkonsum massiv verstĂ€rkt. Als Konsequenz hatte insbesondere sein Auftreten auf den letzten Konzerten sehr gelitten.
âEr verlor an Bodenhaftung, lieferte unter dem Einfluss von Drogen teilweise katastrophale Konzerte ab und verfiel im Anschluss daran immer hĂ€ufiger in Depressionen. [âŠ] das Konzert auf der Ostseeinsel Fehmarn geriet zum Desaster. Jimi Hendrix kehrte ausgelaugt und nervlich zerrĂŒttet nach London zurĂŒck.[11]â
Am 17. September 1970 jammte Hendrix zusammen mit Eric Burdon und War in Ronnie Scottâs Jazz Club in London. Diese Jamsession wurde von Fans auf Tonband aufgenommen und ist ein unter Insidern begehrter Mitschnitt, da es die letzte Aufnahme von Hendrix ist. Am frĂŒhen Morgen des nĂ€chsten Tages, am 18. September 1970, wurde Hendrix tot im Londoner Samarkand Hotel aufgefunden, nachdem er dort eine Nacht gemeinsam mit seiner Freundin Monika Dannemann verbracht hatte. WĂ€hrend als Todesursache zunĂ€chst hĂ€rtere Drogen vermutet worden waren, wurde spĂ€ter festgestellt, dass Hendrix Alkohol und Schlaftabletten konsumiert hatte und an seinem Erbrochenen erstickt war.[12] In seiner Lunge fand man groĂe Mengen Rotwein. Laut dem zustĂ€ndigen Krankenhausarzt habe Hendrix ein mit Rotwein getrĂ€nktes StĂŒck Stoff um den Hals getragen, einen Pullover oder ein Handtuch.[13]
Obwohl die Todesursache offiziell geklĂ€rt war (âTod durch Erstickenâ), entstanden um Hendrixâ Tod zahlreiche Spekulationen. Auch wenn sein Manager Chas Chandler mit den Worten zitiert wird, dass Hendrixâ Tod absehbar gewesen sei,[14] entstanden Verschwörungstheorien, dass es sich um Mord oder Selbstmord gehandelt habe. 1993 wurden erneut Ermittlungen aufgenommen, da eine andere ehemalige Freundin Hendrixâ klagte, dass Dannemann den Notarzt zu spĂ€t alarmiert habe. Ein Urteil gegen Dannemann wurde im Prozess nicht gesprochen.[15]
In seiner 2009 veröffentlichten Autobiografie Rock Roadie beschuldigt Hendrixâ ehemaliger Roadie James Wright den Hendrix-Manager Michael Jeffery des Mordes an Hendrix: Jeffery habe eine Lebensversicherung fĂŒr Hendrix abgeschlossen und sich selbst als BegĂŒnstigten eingetragen, um sich eine Versicherungssumme in Höhe von 1,2 Millionen Pfund auszahlen zu lassen.[16]
Jimi Hendrix wurde in Seattle neben den GrĂ€bern seiner Mutter und GroĂmutter bestattet. Nach seinem Tod wurde bekannt, dass er ein Projekt mit der Supergroup Emerson, Lake and Palmer geplant hatte.[17]
Hendrix starb im Alter von 27 Jahren und wird dadurch, wie andere einflussreiche Musiker, dem Klub 27 zugerechnet. Ebenso wie Janis Joplin und Jim Morrison wird ihm zugeschrieben, nach der Devise âLive Fast, Love Hard, Die Youngâ gelebt zu haben.
Obwohl Jimi Hendrix kein politischer Aktivist war, hatte er in den US-amerikanischen Medien einige Kommentare zu den Black Panthers abgegeben, die eine Art âgeistige Verbundenheitâ zum Ausdruck bringen sollten, wie er es nannte. In dem im Jahr 2004 veröffentlichten Dokumentarfilm Jimi Hendrix â The Last 24 Hours von Michael Parkinson wird berichtet, dass Hendrix am 28. Januar 1970 beim âWinter Festival Of Peaceâ-Benefizkonzert im Madison Square Garden des Vietnam Moratorium Committee teilnahm und Geld an die Black Panthers spendete. Auch ein Konzert fĂŒr Bobby Seale und die Chicago Seven wird erwĂ€hnt. Dadurch kam Hendrix auf den Sicherheitsindex des FBI, wie aus dem freigegebenen Teil der FBI-Akten nachweisbar ist.
Im Jahr 1992 wurde Hendrix posthum der Grammy fĂŒr sein Lebenswerk verliehen, und er wurde in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.[18] Zwei Jahre darauf bekam er einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame.
Erst 1995 erhielten Jimi Hendrixâ Vater und seine Schwester die Kontrolle ĂŒber das Erbe Hendrixâ zurĂŒck. In dieser Zeit wurde der Wert dieses VermĂ€chtnisses auf vierzig bis einhundert Millionen US-Dollar geschĂ€tzt.[19] 1998 wurde Hendrix in die NAMA Hall of Fame aufgenommen.[20] 2000 grĂŒndete Paul Allen, MitbegrĂŒnder von Microsoft, das 240 Millionen Dollar teure Experience Music Project in Seattle, in dem eine groĂe Zahl von Hendrix-Memorabilia stĂ€ndig ausgestellt wird, unter anderem Gitarren, Kleidung und Songtexte.[21] 2006 benannte Hendrixâ Heimatstadt Seattle einen Park nach ihm, obwohl sich diese zu Lebzeiten eher distanziert zu ihm verhalten hatte.[22]
Daneben wurde er von vielen Musikmagazinen als herausragender Musiker anerkannt. Vom Rolling Stone, Guitar World und anderen Zeitschriften wurde er zum besten E-Gitarristen aller Zeiten ernannt.[23] VH1 listete ihn an dritter Stelle der Best Hard Rock Artists of all time hinter Black Sabbath und Led Zeppelin und an gleicher Position der 100 Best Pop Artists of all time, nach den Rolling Stones und den Beatles, auf.
Als Teenager hatte Hendrix hauptsĂ€chlich Blues- und Rock-ânâ-Roll-Musiker wie Buddy Guy, Muddy Waters, B. B. King, Chuck Berry und Eddie Cochran als Vorbilder[24] und coverte auch deren Songs.[25] In seinen aktiven Jahren als Gitarrist imitierte er nicht nur deren Musik, sondern entwickelte den Musikstil weiter. Er prĂ€gte und verĂ€nderte insbesondere den Sound der Rock-Gitarre wesentlich. In seinen improvisierten Soli verwendete er Fuzz-EffektgerĂ€te, Ă€hnlich wie die Rolling Stones vor ihm, um den Klang zu verzerren, und er entdeckte das Wah-Wah-Pedal. Im Gegensatz zu vielen frĂŒhen Rockgitarristen, die meist nur einfachere Akkorde oder nur Powerchords verwendeten, benutzte er bei der Begleitung auch komplexere Akkorde und fĂŒr die Rockmusik ungewöhnliche Akkordfolgen, wie sie bis dahin eher im Bereich des Jazz eingesetzt wurden. Beispiele hierfĂŒr sind die Songs âBold as loveâ oder "May this be love". Mittels des exzessiven Einsatzes des Tremolohebels auf seiner Fender Stratocaster, kombiniert mit einer völligen Ăbersteuerung der VerstĂ€rker, kreierte Hendrix völlig neue, psychodelische, sphĂ€risch-klingende Sounds und Spielweisen auf der E-Gitarre - passend zu vielfach surrealen Texten. Das wohl bekannteste Beispiel fĂŒr diese ungewöhnliche ExpressivitĂ€t auf der E-Gitarre ist wohl seine Interpretation der amerikanischen Nationalhymne auf dem Woodstock-Festival. Einen weiteren Klangeffekt produzierte er einfach dadurch, dass er seine Gitarre um einen halben Ton tiefer stimmte, so dass insbesondere die von ihm heftig zur UnterstĂŒtzung des Akkordspiels und der Licks eingesetzten tiefen Basstöne eine mĂ€chtigere Farbe bekamen. Eine Besonderheit seiner Spielweise bestand auch darin, dass er mittels des Daumens der Griffhand die Akkorde vervollstĂ€ndigte oder auch als Einzeltöne die Akkorde umspielte.
Gegen Ende der 1960er begannen zahlreiche Rockmusiker, besonders die aus dem Umfeld des Progressive Rock, mit lĂ€ngeren Improvisationen zu arbeiten, die bis dahin nur im Jazz ĂŒblich waren. Neben Eric Clapton war Hendrix einer der ersten Gitarristen, die dem Solospiel eine wesentliche Rolle zuwiesen. Hendrix konnte hier seine Fingerfertigkeit und Technik unter Beweis stellen. Indem er die Sologitarre derart in den Vordergrund brachte, verĂ€nderte sich in den Folgejahren der Status der Gitarristen in den Bands: sie wurden von bloĂen Begleitmusikern zu eigenen Stars neben dem SĂ€nger. In diesem Sinne war er Vorbild fĂŒr das Hervortreten bekannter Gitarristen in den Siebzigern, wie Jeff Beck, Ritchie Blackmore, Jimmy Page, Ted Nugent oder Tony Iommi.
Zu den von ihm beeinflussten KĂŒnstlern werden heute auĂerdem Stevie Ray Vaughan, Brian May, Prince, Eddie Van Halen, Kirk Hammett, John Frusciante und Uli Jon Roth gezĂ€hlt.[26] Dutzende Bands coverten spĂ€ter Songs von Hendrix, insbesondere namhafte Gitarristen wie Eric Clapton, David Gilmour, Joe Satriani, Lenny Kravitz, Michael Schenker, Steve Vai, Slash und Yngwie Malmsteen, aber auch die Bands Pearl Jam, The Cure oder die Red Hot Chili Peppers.[27] Von den vielen Roadies, die Hendrix auf seinen Touren begleiteten, erlangten einige spĂ€ter selber BerĂŒhmtheit. Beispielsweise waren Lemmy Kilmister (grĂŒndete spĂ€ter Motörhead),[28] Ace Frehley (spĂ€ter bei Kiss)[29] und Schauspieler und Komiker Phil Hartman[30] vor ihrer Karriere im Umfeld von Jimi Hendrix aktiv.
Wenn Hendrix auf der Gitarre seinen Gesang begleitete, spielte er in aller Regel nicht nur die zugehörigen Akkorde, sondern untermalte diese durch eine Reihe von Verzierungen. Da Hendrix auf diese Weise gleichzeitig die Aufgabe des klassischen Rhythmusgitarristen und des Leadgitarristen ĂŒbernahm, entsteht der Eindruck, als wĂŒrden mehrere Gitarren gleichzeitig spielen. In einer Vielzahl von Licks und Fills, die Hendrix in seine Begleitung einbaute, zeigt sich seine kĂŒnstlerische KreativitĂ€t.
Eine Eigenart von Hendrix war es, dass er Melodien und Akkorde nicht in Form von Noten oder Tabulatur niederschrieb, sondern Farben verwendete. Als Grund dafĂŒr gilt, dass Hendrix SynĂ€sthetiker war, also Töne und Farben zusammen wahrnehmen konnte.[31] Das Zusammenspiel von Musik, Farben und Emotionen beschrieb er unter anderem mit dem Song âBold as Loveâ, in dem er darlegt, wie Farben unterschiedliche GefĂŒhle hervorrufen können.[32]
Neben dem reinen Gitarrenspiel setzte Hendrix bei Konzerten zahlreiche Showelemente ein. So spielte er beispielsweise hinter Kopf oder RĂŒcken oder mit den ZĂ€hnen. Bekannt ist auch das Verbrennen seiner Gitarre am Monterey Pop Festival. Er setzte den unerwĂŒnschten Effekt des Feedbacks, bei dem sich eine RĂŒckkopplung zwischen Gitarre und VerstĂ€rker zu einem schrillen Pfeifen aufschaukelt, neben Pete Townshend und den Beatles, als einer der ersten bewusst als Gestaltungsmittel in seinen Songs ein.[33] Besonders bekannt ist die verzerrte, von Hendrix in Woodstock gespielte Variante der amerikanischen Nationalhymne The Star-Spangled Banner. Hier reizte Hendrix auch die Möglichkeiten des Tremolos aus, das in der Zeit vor ihm fast ausschlieĂlich zur leichten Verzierung von Tönen genutzt wurde. Das folgende Beispiel zeigt die Verwendung der sogenannten Divebomb:
Der Song diente gleichermaĂen zur ĂuĂerung von Kritik an der US-Regierung und dem Vietnamkrieg, gegen den Hendrix klar Stellung bezog.
âSein Instrument jault und kreischt. âThe Star Spangled Bannerâ â jeder Ton ist eine bittere Anklage, ist trĂ€nenreiche Trauer, Protest, ein wĂŒtender Aufschrei gegen die zynische Macht des Establishments. âWir sind gegen euren verdammten Krieg im fernen Vietnam.â Die Botschaft ist unmissverstĂ€ndlich. Freiheitssehnsucht und Widerstand, alles steckt in ein paar Gitarren-LĂ€ufen.â
â www.br-online.de
Seine Kritik setzte er auch textlich innerhalb seiner Songs um. âHouse Burning Downâ (vom Album Electric Ladyland, 1968) handelt von den AufstĂ€nden der Farbigen, etwa wĂ€hrend der Watts-Unruhen, bei denen 1965 in Los Angeles einige tausend Menschen verhaftet wurden, oder wĂ€hrend der Krawalle in Newark und Detroit 1967.[34]
Hendrix spielte bevorzugt Stratocaster-Gitarren der Firma Fender, selten auch Instrumente von Gibson, wie die Flying V und SG. Weil er LinkshĂ€nder war, LinkshĂ€nder-Gitarren aber Ende der 1960er schwer erhĂ€ltlich und teuer waren, verwendete er RechtshĂ€nder-Modelle, bei denen er die Saiten in umgekehrter Reihenfolge aufzog. Deshalb befinden sich die Regler und der Vibratohebel bei Konzertaufnahmen auf der oberen, statt â wie allgemein ĂŒblich â auf der unteren Seite des Gitarrenkorpus. Er beherrschte jedoch ebenfalls die ĂŒbliche Spielweise eines RechtshĂ€nders mit normal aufgezogenen Saiten, wobei er Anschlag- und Griffhand vertauschen musste, wie bei einigen Liveauftritten in der Band von James Brown zu sehen ist.
Nach seinem Tod veröffentlichte Fender insgesamt sieben Tribute-Modelle, die jeweils auf wenige Exemplare limitiert wurden. Unter anderem wurden Kopien der Gitarren kreiert, auf denen er in Monterey und Woodstock gespielt hatte.[35] Von Hendrix gespielte Instrumente werden heute unter Fans fĂŒr hohe Summen gehandelt. Im November 2004 erzielte eine Gitarre 70.000 britische Pfund, umgerechnet etwa 129.000 US-Dollar. Bei der gleichen Auktion wurden zwei leere Zigarettenschachteln fĂŒr umgerechnet 330 US-Dollar verkauft.[36] Im September 2008 wurde die Fender Stratocaster, welche im MĂ€rz 1967 wĂ€hrend eines Konzertes in London von Hendrix in Brand gesetzt worden war, fĂŒr 280.000 britische Pfund versteigert.[37]
Als VerstĂ€rker kamen die meiste Zeit seiner Karriere 100-Watt-Marshall-VerstĂ€rker zum Einsatz. Hendrix war einer der ersten Gitarristen, die Marshall-VerstĂ€rker benutzten. Er lernte Jim Marshall persönlich kennen und war vom Klang des VerstĂ€rkers begeistert. In jĂŒngeren Jahren und im Studio bevorzugte Hendrix auch VerstĂ€rker der Firma Fender.
An EffektgerĂ€ten hatte er oft modifizierte GerĂ€te wie das âVox Clyde McCoyâ und âVox v846 Wahâ, das von Roger Mayer entwickelte âOctaviaâ (ein Fuzz-Octave-Effekt)[38], das Dallas-Arbiter Fuzz Face und das Unicord Univibe (Chorus und Vibrato) verschiedener Hersteller im Einsatz. Roger Mayer, der damals fĂŒr die britische Marine arbeitete, entwickelte und passte GerĂ€te Hendrixâ WĂŒnschen an. Zudem benutzte Hendrix oft ein Leslie-Kabinett fĂŒr sein Gitarrenspiel und den Gesang.
Ein Nachbau von Fender ist fĂŒr RechtshĂ€nder gedacht, die die Optik von Hendrix Gitarrenhaltung imitieren wollen.
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Eine vollstĂ€ndige Diskografie von Jimi Hendrix zu erstellen, gestaltet sich schwierig, da es eine groĂe Zahl mitgeschnittener Jamsessions gibt, deren AuthentizitĂ€t nicht immer erwiesen ist. AuĂerdem gibt es verschiedene Aufnahmen von Hendrix als Begleitmusiker vor seiner Solokarriere. Insgesamt sollen nach Hendrixâ Tod noch mehr als einhundert Aufnahmen veröffentlicht worden sein.[40]
Unmittelbar nach Hendrixâ Tod wurde das Material, an dem Hendrix im Electric-Ladyland-Studio gearbeitet hatte, von Kramer, Mitchell und Michael Jeffery veröffentlicht.
Die Veröffentlichungen von 1975 sind Demos, die Jahre nach Hendrixâ Tod unter der Regie von Nachlassverwalter Alan Douglas von Studiomusikern, die nie mit Hendrix zusammengearbeitet hatten, vervollstĂ€ndigt, abgewandelt und neu abgemischt wurden. âNine to the Universeâ ist praktisch ein reines Instrumentalalbum der Originalmusiker mit Jamsessioncharakter. Das Ergebnis wurde von Fans teilweise sehr stark kritisiert.
Live-Aufnahmen (Auswahl)
Studio-Aufnahmen (autorisiert von den Hendrix-Erben)
Die unmittelbar nach Hendrix Tod veröffentlichten Studioalben sind heute nicht mehr im Handel. Fast alle StĂŒcke wurden auf die nachstehenden Editionen teilweise vermischt mit bis dato unveröffentlichtem Archivmaterial verteilt. Die Liveaufnahme von Hear My Train AâCominâ von Rainbow Bridge erschien auf dem Sampler Voodoo Child: The Jimi Hendrix Collection (2001) und auf Blues (1994).
Weitere Studio- und Live-Aufnahmen (autorisiert von den Hendrix-Erben, erschienen beim Label daggerrecords.com)
Biografie
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Dieser Artikel wurde am 31. Mai 2007 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen. |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hendrix, Jimi |
| ALTERNATIVNAMEN | Hendrix, James Marshall |
| KURZBESCHREIBUNG | afroamerikanischer Gitarrist, SĂ€nger und Komponist |
| GEBURTSDATUM | 27. November 1942 |
| GEBURTSORT | Seattle, Washington (Bundesstaat) |
| STERBEDATUM | 18. September 1970 |
| STERBEORT | London, England |