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Joachim Hoffmann (SS-Mitglied)

Joachim Hoffmann (* 28. Mai 1905 in Stettin[1]; † 30. Juni 1934 ebenda)[2] war ein deutscher SS-Führer und Gestapo-Mitarbeiter. Er wurde vor allem als Kommandant des Konzentrationslagers in Stettin-Bredow (1933–34) und als einer der Getöteten des sogenannten Röhm-Putsches bekannt.

Leben und Wirken

Hoffmann schloss sich während des Besuchs der höheren Schule in Breslau 1919 der Marinebrigade Ehrhardt an. Ab 1924 studierte er an den Universitäten Tübingen und Greifswald Rechtswissenschaften. In den Semesterferien arbeitete Hoffmann als Reiter beim Zirkus und als Warenhausportier. Außerdem war er Mitinhaber einer kunstgewerblichen Werkstatt in Berlin. Während seines Studiums, das er 1930 mit der Promotion zum Dr. jur. abschloss, wurde er in Greifswald ein Anhänger der NSDAP.

1931 trat Hoffmann zum ersten Mal für die NSDAP als Gauredner auf. Bald darauf musste er wegen „Umtrieben gegen die Republik“ aus Deutschland fliehen. Als Tellerwäscher und Steward auf einem Schiff schlug er sich bis nach Mittelamerika durch. Dort betätigte er sich als Händler in Honduras, als Fleischtransporteur in Guatemala, als Treckerfahrer auf einer Zuckerrohrplantage und als Aufseher auf einer Kaffeeplantage.

1932 kehrte er nach Deutschland zurück, setzte seine Agitation für die NSDAP fort und trat in die Schutzstaffel (SS) ein. Seinen Lebensunterhalt verdiente er nun als Syndikus einer Berliner Fleischgroßhandlung und als Funktionär beim Stab der SS-Gruppe Ost in Berlin. Nach der „Machtergreifung“ im Frühjahr 1933 wurde Hoffmann in den Polizeidienst übernommen. Im selben Jahr wurde er im Rang eines SS-Sturmbannführers nach Stettin zur dortigen Gestapostelle kommandiert, wo er mit der Bearbeitung von „Schutzhaftangelegenheiten“ betraut war. Zeitweise übernahm er die Leitung der Gestapo in Stettin.[3]

Unter Hoffmanns Ägide entstand auf dem Abbruchgelände der Stettiner Vulkan-Werft in Bredow das „wilde“ KZ Stettin-Bredow. Als De-facto-Kommandant des Lagers zeichnete er sich durch die Grausamkeit aus, mit welcher er die in seiner Obhut befindlichen Häftlinge foltern und misshandeln ließ („vulkanisieren“). Hoffmann entließ gegen hohe „Geldspenden“ Häftlinge in die Freiheit.[1]

Ende März 1934 wurden Hoffmann und einige andere mit dem KZ Stettin-Bredow betraute Kriminalbeamte verhaftet und wegen Gefangenenmisshandlung angeklagt. Die Strafkammer des Landgerichts in Stettin verurteilte Hoffmann am 6. April 1934 („Bredow-Prozess“) zu einer dreizehnjährigen Zuchthausstrafe unter Verwirkung der bürgerlichen Ehrenrechte auf fünf Jahre.[4]

Nach seiner Verurteilung ging Hoffmann in Berufung und wurde bis auf weiteres zur Verwahrung ins Gefängnis Berlin-Moabit gebracht. Am 26. Juni 1934 kursierte zeitweilig das unzutreffende Gerücht, er und seine Mitverurteilten seien vorzeitig aus der Haft entlassen worden.

Am 30. Juni 1934 wurden Hoffmann sowie seine ehemaligen Untergebenen, die SS-Männer Gustav Fink und Fritz Pleines, aus dem Gefängnis beziehungsweise Zuchthaus geholt und von SS-Männern erschossen. Die Hinrichtungen erfolgten im Rahmen der unter der Propagandabezeichnung „Röhm-Putsch“ bekanntgewordenen politischen Säuberungsaktion der Nationalsozialisten im Frühsommer 1934. Da das Mordgeschehen des Röhm-Putsches in erster Linie darauf angelegt war, die Macht der Sturmabteilung (SA) zu brechen, und die Organisation und Durchführung der Aktion von Angehörigen der SS besorgt wurde, waren nur sehr wenige SS-Mitglieder unter den Getöteten. Neben dem SS-Offizier Anton von Hohberg und Buchwald waren Hoffmann, Fink und Pleines die einzigen SS-Angehörigen im engeren Sinne, die in den Tagen um den 30. Juni ermordet wurden. Die Tötung von Fink, Hoffmann und Pleines wurde offiziell mit den von ihnen begangenen „Gefangenenmisshandlung“ gerechtfertigt.

Der Polizeibeamte Haacke, der 1934 an der Verhaftung Hoffmanns beteiligt war, beschrieb diesen später als einen fanatischen, sadistischen Intellektuellen mit einer Gefühlskälte, wie sie ihm niemals zuvor begegnet sei.[5]

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ a b Otto Gritscheder: „Der Führer hat Sie zum Tode verurteilt…“ Hitlers „Röhm-Putsch“-Morde vor Gericht. Verlag C.H.Beck, München 1993, ISBN 3-406-37651-7, S. 134.
  2. ↑ Johannes Tuchel: Konzentrationslager. Organisationsgeschichte und Funktion der "Inspektion der ..., S. 177 gibt an, Hoffmann sei in Stettin in der Strafanstalt Gollnow erschossen worden.
  3. ↑ Heinz Höhne: Mordsache Röhm. (pdf) In: Der Spiegel 26/84, S. 122.
  4. ↑ Lothar Gruchmann: Justiz im Dritten Reich 1933-1940, 2001, S. 352.
  5. ↑ Heinz Höhne: The Order of the Death's Head. The Story of Hitler's S.S., 1969, S. 188. Bei Höhne lautet es Englisch: "A fanatical, sadistic intellectual with an absence of feeling such as I had never experienced before." (Die deutsche Originalformulierung: "Hofmann war einen Menschenschinder nach Himmlers Herzen. Haacke sagte von ihm: „Ich habe Obersturmführer Dr. Hofmann mehrfach viele Stunden vernommen. Der Typ interessierte mich, wie eben auch ein besonders ekelerregendes Reptil ein von Neugier und Grauen gemischtes Interesse erregen kann. Dr. Hofmann war keine Korporalsnatur, sondern ein fanatischer, sadistischer Intellektueller von einer mir bis dahin nicht vorgekommenen Kälte des Gefühls. Ich habe nur einen Menschen kennengelernt, der mich im Wesen, ja sogar in seinen Bewegungen und Gesten vom ersten Augenblick an ihn erinnerte: Heydrich."“ Rudolf Diels: Lucifer Ante Portas ... Es spricht der erste Chef der Gestapo, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1950, S. 396.).
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