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Johannes der TĂ€ufer

Johannes (ganz rechts) mit Benedikt von Nursia, Laurentius von Rom und Gregor dem Großen auf einem Bild von Andrea Mantegna (1459)
Johannes der TĂ€ufer (lat.: Io[h]annes Baptista, hebr.: â€Ś™Ś•ÖčŚ—ÖžŚ ÖžŚŸ Ś”Ö·ŚžÖ·ÖŒŚ˜Ö°Ś‘ÖŽÖŒŚ™Śœâ€Ž, oder â€Ś™Ś•Ś—Ś ŚŸ Ś‘ŚŸÖŸŚ–Ś›ŚšŚ™Ś”â€Ž Jochanan ben Sacharja) ist eine der zentralen Figuren des Christentums, des MandĂ€ismus und des Islams. Von vielen Kirchen wird er als Heiliger verehrt.

Die Religionsgemeinschaft der MandÀer sieht in Johannes ihren wichtigsten Reformator. Lange Zeit wurden sie daher als Johannes-Christen bezeichnet.

Der Einfluss Johannes' erstreckte sich ĂŒber das frĂŒhe Christentum hinaus. Er hatte jĂŒdische AnhĂ€nger, in Israel sowie in der jĂŒdischen Diaspora. Auch im Koran wird er erwĂ€hnt, und Flavius Josephus berichtet von ihm.[1]

Inhaltsverzeichnis

Quellen zur Biografie

Mosaik in der Hagia Sophia in Istanbul (12. Jh.)

Als Quellen, die Aufschluss ĂŒber die historische Gestalt Johannes des TĂ€ufers geben können, stehen neben den neutestamentlichen Evangelien und der Apostelgeschichte noch ein Absatz des jĂŒdisch-römischen Geschichtsschreibers Flavius Josephus zur VerfĂŒgung (Ant XVIII 5, 2).

Bei dem Versuch einer Rekonstruktion der geschichtlichen Person und Ereignisse muss beachtet werden, dass diese Quellen jeweils eigenen Tendenzen folgen:

  • in der Darstellung des Markusevangeliums erscheint Johannes als VorlĂ€ufer und Wegbereiter Jesu (Mk 1,2–15 EU),
  • in der Logienquelle Q (Q 3, 7–9) ĂŒberwiegen wort- und bildgewaltige Drohpredigten, die das nahe Gottesgericht verkĂŒnden (Mt 3,7–10 EU) par (Lk 3,7–9 EU) sowie (Mt 3,11 f. EU) par (Lk 3,16 f. EU), Johannes ist hier vor allem Bußprediger,
  • im Lukasevangelium stellt die Kindheitsgeschichte (Lk 1,5–2, 29 EU) eine durchgehende Parallele zwischen Johannes- und Jesusbegebenheiten dar; die Jesusbegebenheiten ĂŒberbieten jedoch jeweils die Johannesbegebenheiten,[2] sowie
  • im Johannesevangelium hat der TĂ€ufer hauptsĂ€chlich die Funktion des Zeugen fĂŒr Jesus, so schon im Prolog Joh 1,7-18 EU und Joh 1,19-36 EU.[3]

Geburt und Kindheit

Johannes der TÀufer tauft Jesus im Jordan. Farbradierung «Die Taufe» von Adi Holzer 1997.

Von geringem historischen Gewicht dĂŒrften die ErzĂ€hlungen ĂŒber die Geburt und Kindheit des TĂ€ufers in (Lk 1–2 EU) sein. Hier vermuten manche Theologen Personallegenden aus dem Kreis der TĂ€uferverehrer, die die spĂ€tere Bedeutung des TĂ€ufers schon auf die Ereignisse um die Geburt und Kindheit des Johannes ĂŒbertragen und mithilfe alttestamentlicher Motive ausmalend veranschaulichen wollen.[4] Doch sind auch diese Texte fĂŒr eine historische Rekonstruktion keineswegs unergiebig. Wahrscheinlich stammt Johannes aus priesterlichem Geschlecht: Nach Darstellung des Lukasevangeliums war Johannes der Sohn des Priesters Zacharias aus der Priesterklasse Abija und der Elisabet aus dem Geschlecht Aarons (Lk 1,5 EU). Da die Priesterklasse Abija nicht gerade die bedeutendste der 24 Priesterklassen war, könnte es sich durchaus um eine zuverlĂ€ssige Angabe handeln. Geboren wurde Johannes nach (Lk 1,5 EU) „zur Zeit des Herodes, des Königs von JudĂ€a“; dieser regierte von 38 v. Chr. bis 5 v. Chr. In (Lk 1,39 EU) erfĂ€hrt der Leser als Wohnort der Elisabet: „eine Stadt im Bergland von JudĂ€a“. Schon diese unprĂ€zise gehaltenen Angaben weisen auf das geringe historische Interesse des Verfassers hin, dem wesentlich an einer Aussage auf der theologischen Bedeutungsebene gelegen ist.[5] Von Lk 1,80 ausgehende Spekulationen ĂŒber einen Qumran-Aufenthalt des jungen Johannes lassen sich historisch nicht verifizieren; auch bei dieser Angabe[6] dĂŒrften den TĂ€ufer kennzeichnende Motive wie das VerkĂŒndigungsgebiet des TĂ€ufers in der WĂŒste auf seine Kindheit zurĂŒckdatiert worden sein.[7]

Zeit und Ort des Auftretens

JudÀa, Samaria, GalilÀa zur Zeit des Herodes

Nach Angaben in Lk beginnt das Auftreten des Johannes „im fĂŒnfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius“ (Lk 3,1 EU), was auf die Jahre 27–29 n. Chr. verweist. Die UnschĂ€rfe der Datierung ergibt sich aus der Unsicherheit, ob der Autor das Jahr nach der im Orient gebrĂ€uchliche seleukidischen oder der römischen Zeitrechnung beginnen ließ.[8]

Die biblischen Ortsangaben geben einen widersprĂŒchlichen Befund ĂŒber den Ort des Auftretens des TĂ€ufers: in der WĂŒste am Jordan (Mk 1,3–5 EU), in der WĂŒste von JudĂ€a (Mt 3,1 EU), Betanien, jenseits des Jordans (Joh 1,28;10,40 EU) oder in Änon bei Salim (Joh 3,23 EU). Reisegruppen wird in heutiger Zeit sowohl auf der israelischen als auch auf der jordanischen Seite des Jordans die „authentische“ Taufstelle prĂ€sentiert. Die besseren Argumente dĂŒrfte aber die jordanische Ostseite fĂŒr sich beanspruchen. Nur dort, im PerĂ€a der Bibel, hatte Herodes Antipas das Recht, den TĂ€ufer gefangen zu setzen (Mk 6,17–29 EU); Jos Ant XVIII 5,2); auch atl. Traditionen scheinen bei der Ortswahl fĂŒr Johannes eine Rolle gespielt zu haben (Jos 3 und 4 EU); (2 Kön 2,1–18 EU). Erst in spĂ€teren Jahrhunderten wurde die Taufstelle vor allem aus praktischen GrĂŒnden am westlichen Jordanufer lokalisiert; frĂŒhstes Zeugnis fĂŒr diese Tradition ist das berĂŒhmte Mosaik von Madaba (6. Jh.), die Ă€lteste erhaltene Karte PalĂ€stinas.[9]

Öffentliches Wirken und Hinrichtung

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Eckskulptur von Johannes auf der Brotstraße in Trier aus dem Jahre 1758, dargestellt mit Muschel und Lamm (Agnus Dei) (Bildhauer: Joseph Amlinger)

Das öffentliche Wirken

Etwa um das Jahr 29/30 n. Chr. begann Johannes der TĂ€ufer[10] sein öffentliches Wirken.[11] Sein Hauptwirkungsgebiet war im damaligen PerĂ€a auf der anderen Seite des Jordans gegenĂŒber von Jericho. Er fĂŒhrte ein betont asketisches Leben â€“ laut (Mk 1,6 EU) soll er sich von Heuschrecken und wildem Honig ernĂ€hrt haben, laut (Mt 11,18 EU) aß und trank er gar nichts â€“, predigte im Stil der alten Propheten und taufte. Johannes rief zur Umkehr auf und kĂŒndigte das unmittelbare Kommen Gottes oder des Messias zum endzeitlichen Gericht an (Mt 3,7.10.12 EU); (Lk 3,7. 9. 17 EU). Damit gilt er im Christentum als Wegbereiter der unmittelbar bevorstehenden Ankunft des Messias und wird mit Elija in Verbindung gebracht. Die AnhĂ€ngerschaft von Johannes war zahlreich, darunter zeitweise auch Jesus von Nazareth, der sich durch ihn taufen ließ.[12] DarĂŒber hinaus scheinen Jesus selbst oder seine JĂŒnger mit Billigung des Johannes am Jordan getauft zu haben (Joh 3,22 EU);(Joh 4,1–2 EU). Viele Menschen hielten Johannes fĂŒr einen Propheten. In der spĂ€teren Geschichte findet man sie unter dem Namen MandĂ€er wieder, die den Lehren des Johannes treu blieben. Ein anderer Teil der AnhĂ€ngerschaft des Johannes schloss sich nach dessen Tode dem Jesus von Nazareth an z. B. (Apg 19,1–7 EU).

Auf die Frage von im Dienste der Herodesdynastie stehenden jĂŒdischen Soldaten: Was sollen wir tun? antwortete Johannes: Tut niemandem Gewalt an, erpresst niemanden und begnĂŒgt euch mit eurem Solde (Lk 3,14 EU). Viele dieser Soldaten wurden AnhĂ€nger des Johannes.

Herodes Antipas und Aretas

Herodes Antipas war mit der Tochter Aretas, des Königs der NabatĂ€er, verheiratet. SpĂ€ter vermĂ€hlte er sich noch mit Herodias, der Frau seines Halbbruders Philippus. Dies fĂŒhrte zu Spannungen mit seiner ersten Frau. Diese verlegte daraufhin ihren Wohnsitz nach Machaerus, einer Grenzfestung von Antipas am Toten Meer. Von dort floh sie zu ihrem Vater (35 n. Chr.).[13]

Die Beziehung zwischen Herodes Antipas und Aretas war bereits wegen Landstreitigkeiten belastet, die Heirat mit Herodias krÀnkte Aretas zusÀtzlich. Ein Waffengang schien unausweichlich.

Gefangennahme

Im FrĂŒhjahr 35 n. Chr.[13] inhaftierte Herodes Antipas Johannes den TĂ€ufer. Er hielt ihn auf der Festung Machaerus am Toten Meer gefangen. Wahrscheinlich war ihm die AnhĂ€ngerschaft des Johannes zu bedrohlich geworden, als es zum Zwist mit König Aretas kam. Nach Flavius Josephus war dies der Hauptgrund fĂŒr die Gefangennahme Johannes des TĂ€ufers. Zudem hatte Johannes Herodes Antipas wegen seiner Heiratspolitik kritisiert (Mt 14,4 EU); (Lk 3,19 EU).

Hinrichtung

Die Enthauptung Johannes’ des TĂ€ufers, GemĂ€lde von Michelangelo Caravaggio, entstanden 1608

(Mk 6,17–29 EU) Der biblischen ErzĂ€hlung nach soll Salome, die Tochter von Herodes’ Frau Herodias, den Kopf Johannes des TĂ€ufers als Belohnung fĂŒr einen Tanz gefordert haben, wozu sie von Herodias angestiftet worden sei. Diese Geschichte wird in den Evangelien des Markus und MatthĂ€us geschildert, wobei nur von der Tochter der Herodias die Rede ist, der Name Salome wird nicht genannt.

Historisch gilt die Darstellung des Flavius Josephus als wahrscheinlicher:

Die Tochter Aretas’ war inzwischen zu ihrem Vater geflohen. Dieser drohte Antipas mit Krieg. Um nicht in einen Zweifrontenkrieg verwickelt zu werden, ließ Antipas Johannes den TĂ€ufer vor Kriegsbeginn hinrichten. Er befĂŒrchtete einen Aufstand der AnhĂ€nger des Johannes wĂ€hrend seines Feldzugs gegen Aretas.[14]

Die Hinrichtung erfolgte nach urchristlichen Quellen in Tiberias in GalilĂ€a, wahrscheinlich vor dem Jahr 30. Flavius Josephus hingegen berichtet von ihrer Vollstreckung auf der Festung Machaerus am Toten Meer. Machaerus sicherte die Grenze zwischen dem Territorium von Antipas und jenem von Aretas. Die Hinrichtung erfolgte wahrscheinlich im SpĂ€tsommer des Jahres 35 n. Chr.[13] und damit laut Geschichtsschreiber Josephus erst nach dem Tode Jesu, entgegen den biblischen Evangelien. Noch lange Zeit danach wurde der Todestag des Johannes in jener Jahreszeit â€“ Ende August â€“ begangen; so ist auch heute noch der 29. August unter der Bezeichnung „Enthauptung des heiligen Johannes des TĂ€ufers“ ein kirchlicher Gedenktag.[15] Auch die Evangelien berichten ĂŒber diese Hinrichtung, bei der die Obersten des Heeres anwesend waren (Mk 6,17–28 EU). Der Krieg gegen Aretas stand bevor.

Krieg gegen Aretas

Im Winter 35/36 n. Chr.[13] kam es zum Krieg. Die vorangegangene Exekution von Johannes dem TĂ€ufer hatte zur Folge, dass ein Teil der jĂŒdischen Soldaten – nĂ€mlich die AnhĂ€nger von Johannes â€“ Antipas die UnterstĂŒtzung im Krieg gegen Aretas versagte.[1] Herodes Antipas verlor den Krieg. Mit Hilfe der Römer konnte er sich jedoch an der Macht behaupten. Er musste aber als Kompensation die Stadt und Region Damaskus an Aretas abgeben (von 37 bis 39 n. Chr.)[16]

Urteil des Volkes

Das jĂŒdische Volk interpretierte die Niederlage von Herodes Antipas gegen Aretas als Strafe Gottes dafĂŒr, dass er zuvor Johannes den TĂ€ufer hatte hinrichten lassen.[1]

Johannes der TĂ€ufer im Koran

Schrein Johannes des TĂ€ufers in der Omayadden-Moschee in Damaskus

Auch der Koran erwĂ€hnt Johannes den TĂ€ufer. Wie die MandĂ€er nennen auch die Muslime Johannes Yahya. Auch der Koran schildert, dass Zacharias Nachricht ĂŒber die Geburt eines Sohnes von Engeln bekam. Er bat Allah um ein Zeichen, woraufhin Zacharias drei Tage lang (anders in der biblischen Version) nicht zu den Menschen (Al-Imran 3:38–41, Maryam 19:10) sprach. Der Koran gibt zwar keine Details zum Leben Johannes’, sagt aber, dass er „Weisheit“ hatte, „als er noch ein Kind war“ (Maryam 19:13).

Der Koran sagt in der Sure 19 (Maryam), in den Versen 7 und 13-15 folgendes ĂŒber Johannes:[17] <poem>

  7 "O ZakariyyĂĄ, Wir verkĂŒnden dir einen Jungen, dessen Name YahyĂĄ ist, wie Wir zuvor noch niemanden Kennzeichen gleich den seinen gegeben haben."
 12 "O YahyĂĄ, nimm die Schrift mit (aller) Kraft." Und Wir gaben ihm schon als Kind die Urteilskraft
 13 und MitgefĂŒhl von Uns aus und Lauterkeit. Er war gottesfĂŒrchtig
 14 und gĂŒtig gegen seine Eltern, und er war weder gewalttĂ€tig noch widerspenstig.
 15 Und Friede sei auf ihm am Tag, da er geboren wurde, und am Tag, da er stirbt, und am Tag, da er wieder zum Leben auferweckt wird.

</poem> Es wird berichtet, dass Johannes mit wilden Tieren aß, da er den Kontakt mit anderen Menschen fĂŒrchtete. Überdies weinte Johannes sehr oft. Dies begrĂŒndete er damit, dass die BrĂŒcke zwischen Hölle und Paradies nur mit TrĂ€nen ĂŒberschritten werden könne.

Die AnhĂ€nger Johannes des TĂ€ufers werden im Koran vermutlich als SabĂ€er bezeichnet. Sie genießen, da sie AnhĂ€nger einer Buchreligion sind, im islamischen Staat besonderen Schutz, wenn sie die Jizyah (eine Steuer fĂŒr Christen, Juden und SabĂ€er) leisten.

Verehrung in der Kirche

Johannes der TĂ€ufer (WĂŒstenengel) mit dem im Kelch liegenden Christuskind (russische Ikone von 1620

Gedenktage

Johannes der TĂ€ufer ist einer der bedeutendsten Heiligen der orthodoxen, der katholischen und auch der evangelischen Kirchen. Er gilt als letzter und grĂ¶ĂŸter der Propheten, als adventlicher Wegbereiter Jesu und als Vorbild des Asketen.

Der Gedenktag seiner Geburt ist der 24. Juni, der Johannistag, der in fast allen christlichen Kirchen begangen wird – in der katholischen Kirche als Hochfest – und um den sich zahlreiche BrĂ€uche ranken. Das Datum leitet sich daher ab, dass Johannes nach dem Lukasevangelium sechs Monate Ă€lter als Jesus war; so wurde der Johannistag auf sechs Monate vor Weihnachten gelegt. Auch sein Todestag ist ein Gedenktag (29. August, Enthauptung Johannes des TĂ€ufers), der jedoch wesentlich geringere Bedeutung hat als das Geburtsfest.

Die orthodoxe Kirche, die die liturgischen Feste nach dem Julianischen Kalender zur Zeit 13 Tage spĂ€ter begeht, kennt darĂŒber hinaus noch die Gedenktage 7. Januar (Ă€ltestes Johannesgedenken am Tag nach dem Erscheinungsfest, das auch die Taufe Jesu umfasst); 24. Februar (erste und zweite Auffindung des Hauptes Johannes des TĂ€ufers); 25. Mai (dritte Auffindung des Hauptes Johannes des TĂ€ufers); 23. September (EmpfĂ€ngnis Johannes des TĂ€ufers).

Attribute

Leonardo da Vinci: Darstellung Johannes des TĂ€ufers mit deutendem Zeigefinger, Fellgewand und Kreuzstab
JohannisschĂŒssel aus dem Braith-Mali-Museum in Biberach/Riß
JohannisschĂŒssel in St. Johann in Rot an der Rot
Igor Mitoraj: St. Johannes der TĂ€ufer (2006) in Santa Maria degli Angeli e dei Martiri in Rom

Seine Attribute in der Ikonographie sind das Fellgewand, der Kreuzstab oder ein Lamm sowie der Zeigegestus auf Jesus, oft verbunden mit dem Spruchband „Ecce Agnus Dei” („Seht das Lamm Gottes“). Meist wird der Heilige mager, mit langen Haaren und teils mit FlĂŒgeln dargestellt, um seine asketische und engelsgleiche Lebensweise zu betonen. Als Johannesknabe erscheint er hĂ€ufig zusammen mit dem etwa gleichaltrigen Jesusknaben und Maria.

Johannes der TÀufer erscheint auf der Ikonostase in orthodoxen Kirchen in der Regel an zentraler Stelle als Teil der Deësis, oder direkt rechts neben der zentralen Christus-Ikone, die Gottesmutter links von Christus. Einige orthodoxe Kirchen stellen statt Johannes den heiligen Nikolaus an dieser Stelle dar.

Taufkapellen sind hÀufig Johannes dem TÀufer geweiht.

Als JohannisschĂŒssel werden seit dem Mittelalter verbreitete Darstellungen mit dem Haupt des heiligen Johannes des TĂ€ufers auf einer SchĂŒssel bezeichnet. Sie wurden vom Volk verehrt und besonders bei Kopfleiden in HospitĂ€lern zur Schmerzlinderung herumgereicht.

In Irland wurde er auch unter dem Namen Searbhain („der BitterzĂŒngige“) verehrt, eine Bezeichnung, die eigentlich dem Unruhestifter Bricriu aus der vorchristlichen Mythologie zukam. Cill Searbhain ist eine Kirche auf dem Friedhof von Kilsharvan.

Johannes ist Schutzheiliger des Johanniter- bzw. Malteserritterordens.

Reliquien

Kopfreliquie in Amiens

Es gibt mehrere Orte, die beanspruchen, das Haupt des Heiligen als Reliquie zu besitzen. Zum einen die Kirche San Silvestro in Capite in Rom, daneben auch die Kathedrale von Amiens. Der dortigen Überlieferung zufolge brachte der Domherr von Picquigny Wallon de Sarton 1204 die Kopfreliquie als Kriegsbeute vom Vierten Kreuzzug aus Konstantinopel mit und ĂŒbergab sie seinem Onkel, dem Bischof Richard de Gerberoy in Amiens[18] Aber auch die Omayadden-Moschee (in vorislamischer Zeit die Johanniskathedrale) in Damaskus beansprucht, das Haupt des TĂ€ufers zu verwahren.

2010 wurde bei Ausgrabungen auf der Schwarzmeerinsel Sweti Iwan im Kirchenaltar des ehemaligen kaiserlichen Johannes der TĂ€ufer Klosters ein Reliquiar mit der Inschrift Johannes der TĂ€ufer gefunden. In der Urne wurden Zahn, Hand-, Fuß- und Kieferknochen entdeckt. Bulgarische ArchĂ€ologen wollen die Reliquien, die im 4. Jahrhundert n. Chr. von Konstantinopel nach Sosopol gelangten, Johannes dem TĂ€ufer zuordnen.[19]

Rezeption

Literatur und Drama

Johannes der TĂ€ufer und die mit ihm in Verbindung stehenden Figuren und Stoffe, namentlich Herodes, Herodias und Salome waren von großem Einfluss in der Literatur, Dramatik und Musik, so z. B. fĂŒr das Drama Oscar Wildes „Salome” und die darauf aufbauende Oper gleichen Namens von Richard Strauss, sowie die ErzĂ€hlung „Herodias” von Gustave Flaubert, auf der das Libretto fĂŒr Jules Massenets „Herodiade” beruht.

Bildende Kunst

Salome mit dem Kopf Johannes’ des TĂ€ufers, GemĂ€lde von Michelangelo Caravaggio, entstanden 1607

In Richard Wagners Oper Die Meistersinger von NĂŒrnberg, die am Johannistag (24. Juni) sowie am Vorabend dieses Festtags spielt, wird in zahlreichen allegorischen Anspielungen auf religiöse und biblische Figuren und Ereignisse verwiesen. So erweist sich die Hauptperson der Handlung, der NĂŒrnberger Dichter Hans Sachs, als Personifikation des biblischen Propheten Johannes des TĂ€ufers. Andere Figuren illustrieren Begebenheiten aus dem Alten Testament (Adam und Eva und der SĂŒndenfall), insbesondere auch Hans Sachs' Lehrling David: der biblische König David als Stammvater und â€“ wie Johannes der TĂ€ufer â€“ VorlĂ€ufer Christi und vieles mehr. Sowohl Michelangelo Merisi da Caravaggio (1609) als auch Bartolomeo Veneto (16. Jahrhundert) malten ein GemĂ€lde von Salome mit dem Kopf von Johannes dem TĂ€ufer auf einem Tablett.

Freimaurertum

Der Gedenktag von Johannes dem TĂ€ufer, der Johannistag, ist zugleich das Bundesfest der weltweiten Johannislogen der Freimaurer, die an seinem Geburtstag in den sogenannten „Blauen” Logen, Fm-Grad 1–3 (so benannt aufgrund der dort vorherrschenden Gewandfarbgebung; im Gegensatz zu den „Roten” Logen, die höhere Geheimgrade, bis zum 33. Grad, in den „Andreas-Logen” den so genannten „Schottischen Ritus” reprĂ€sentieren), hĂ€ufig außerdem ein besonders festliches Ritual durchfĂŒhren. Johannes der TĂ€ufer war und ist heute noch der Schutzpatron der BauhĂŒtten, speziell der Steinmetze.

Gedenken und Namensgebung

Siehe auch

Literatur

  • Hans Bernd Altinger: Johannes der TĂ€ufer. Sein wahres Leben und Wirken â€“ Seine Wiederkehr. ISBN 978-3-926087-20-1
  • Knut Backhaus: Die „JĂŒngerkreise“ des TĂ€ufers Johannes. Eine Studie zu den religionsgeschichtlichen UrsprĂŒngen des Christentums. Paderborner theologische Studien 19. Schöningh, Paderborn u. a. 1991, ISBN 3-506-76269-9
  • Martin Ebner: Jesus von Nazaret, Was wir von ihm wissen können, Katholisches Bibelwerk, Stuttgart, 2007, ISBN 978-3-460-33178-5. S. 73–85
  • Josef Ernst: Johannes der TĂ€ufer â€“ der Lehrer Jesu?. Biblische BĂŒcher 2. Herder, Freiburg i. Br. u. a. 1994, ISBN 3-451-23479-3.
  • Michael Hartmann: Der Tod Johannes' des TĂ€ufers. Eine exegetische und rezeptionsgeschichtliche Studie auf dem Hintergrund narrativer, intertextueller und kulturanthropologischer ZugĂ€nge. Stuttgarter biblische BeitrĂ€ge 45. Verl. Kath. Bibelwerk, Stuttgart 2001, ISBN 3-460-00451-7
  • Flavius Josephus. The New Complete Works of Josephus. Translated by William Whiston. 1999. Kregel Publications, Grand Rapids, Michigan, ISBN 0-8254-2948-X (Paperback)
  • James A. Kelhoffer: The Diet of John the Baptist: „Locusts and Wild Honey“ in Synoptic and Patristic Interpretation. WUNT 176. Mohr Siebeck, TĂŒbingen 2005, ISBN 3-16-148460-6
  • Friedrich-August von Metzsch: Johannes der TĂ€ufer. Seine Botschaft und deren Darstellung in der Kunst. HĂ€nssler-Bildband. HĂ€nssler, Holzgerlingen 2001, ISBN 3-7751-3719-X (kunstgeschichtlich)
  • Ulrich B. MĂŒller: Johannes der TĂ€ufer. JĂŒdischer Prophet und Wegbereiter Jesu. Biblische Gestalten 6. Evang. Verlagsanstalt, Leipzig 2002, ISBN 3-374-01993-5 (wiss. fundierte und verstĂ€ndliche EinfĂŒhrung)
  • Torsten Reiprich: Johannes der TĂ€ufer. Rufer und Prophet. In: Praxis GemeindepĂ€dagogik. 4/2008, S. 51–53
  • Hartmut Stegemann: Die Essener, Qumran, Johannes der TĂ€ufer und Jesus. Ein Sachbuch. Herder Spektrum 4128. Herder, Freiburg i. Br. u. a. 8. Aufl., 1999, ISBN 3-451-04128-6
  • Joan E. Taylor: John the Baptist within Second Temple Judaism. SPCK, London 1997, ISBN 0-281-05126-7
  • Gerd Theißen: Gerichtsverzögerung und HeilsverkĂŒndigung bei Johannes dem TĂ€ufer und Jesus. In: ders., Annette Merz (Hg.): Jesus als historische Gestalt. BeitrĂ€ge zur Jesusforschung. FRLANT 202. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2003, ISBN 3-525-53886-3. S. 229-253
Zur Figur des TĂ€ufers in den Evangelien

Weblinks

 Commons: Johannes der TĂ€ufer â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ a b c Josephus. JĂŒd. AltertĂŒmer XVIII, 5. 2
  2. ↑ Heinz SchĂŒrmann: Das Lukasevangelium, Herders theologischer Kommentar zum Neuen Testament III 1, Herder, Freiburg 1969, S. 25
  3. ↑ Überblick ĂŒber die verschiedenen TĂ€uferbilder bei Josef Ernst: Johannes der TĂ€ufer. Der Lehrer Jesu?.
  4. ↑ Vgl.: MĂŒller 2002, Johannes 13.
  5. ↑ Zum reichen Aussagegehalt der theologischen Bedeutungsebene vergleiche: Willibald Bösen: In Betlehem geboren. Die Kindheitsgeschichten der Evangelien.
  6. ↑ „Das Kind wuchs heran und sein Geist wurde stark. Und Johannes lebte in der WĂŒste bis zu dem Tag, an dem er den Auftrag erhielt, in Israel aufzutreten.“
  7. ↑ Vgl.: Josef Ernst: Johannes der TĂ€ufer. In: Lexikon fĂŒr Theologie und Kirche. Bd. 5, S. 871
  8. ↑ AusfĂŒhrlicher zur Datierung in (Lk 3,1 f. EU). Vgl.: bei Josef Ernst: Das Evangelium nach Lukas. S. 106 f.
  9. ↑ Zur Lokalisierung der Taufstelle vgl.: Hartmut Stegemann: Die Essener, Qumran, Johannes der TĂ€ufer und Jesus. 294 ff.
  10. ↑ Der griech. Begriff fĂŒr taufen wird besser mit eintauchen ĂŒbersetzt.
  11. ↑ Das Evangelium nach Lukas beschreibt den Zeitpunkt des Auftretens von Johannes dem TĂ€ufer wie folgt: „Aber im fĂŒnfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius, als Pontius Pilatus Statthalter von JudĂ€a war und Herodes [Antipas] VierfĂŒrst von GalilĂ€a und sein Bruder Philippus VierfĂŒrst von IturĂ€a und der Landschaft Trachonitis und Lysanias VierfĂŒrst von Abilene; unter dem Hohepriester Hannas und Kaiphas [
]. (Lk 3,1–2 EU). Das 15. Regierungsjahr von Tiberius war im Jahre 29/30 n. Chr.
  12. ↑ Walter Kasper: Jesus der Christus, Mainz 1974, ISBN 3-7867-0464-3, S. 77 unter Verweis auf Rudolf Bultmann: Geschichte der synoptischen Tradition, Göttingen 1921, S. 261ff; Martin Dibelius: Die Formgeschichte des Evangeliums, TĂŒbingen 1919, S. 270ff; Fritzleo Lentzen-Deis, Die Taufe Jesu nach den Synoptikern, Frankfurt a.,M. 1970
  13. ↑ a b c d Die Jahresangaben leiten sich von geschichtlichen Ereignissen ab, so zum Beispiel:
    • Herodes Philippos war nicht mehr prĂ€sent wĂ€hrend des öffentlichen Wirkens Jesu (siehe Evangelien!). Philippos verstarb im Jahre 33/34 n. Chr. Das Herrschaftsgebiet des Philippos â€“ JudĂ€a jenseits des Jordan genannt â€“ fiel unter römische Verwaltung (Provinz Syria). Dieser Herrschaftswechsel war wahrscheinlich ein wichtiger Auslöser fĂŒr das öffentliche Auftreten von Jesus dem NazorĂ€er. Er war ein Nachkomme der David-Dynastie. Er war ĂŒberzeugt, dass jetzt die Zeit gekommen war, um das ideale jĂŒdische Königreich zu errichten. Das Todesjahr Jesu wird nach diesem Ansatz auf das FrĂŒhjahr 36 n. Chr. datiert.
    • Die Zeitangabe von 46 Jahren Bauzeit nach (Joh 2,20 EU) kann fĂŒr die Datierung nicht herangezogen werden. Denn die Bauzeit in Joh. 2, 20 bezieht sich ausdrĂŒcklich auf das Heiligtum des Tempels (griech.: Μαός naos [m.] = „Tempel“, „Kirche“, „Kathedrale“) und nicht auf die Tempelanlage (griech.: ÎčΔρός hieros = „heilig“, „sakral“). Laut Josephus dauerten die Renovationsarbeiten am Heiligtum (naos) unter Herodes dem Großen rund 18 Monate. Diese Arbeiten wurden gleich am Anfang des Renovationsprojektes ausgefĂŒhrt mit Start um 20 v. Chr. Sie waren somit schon frĂŒh vor der Zeitenwende abgeschlossen. Quelle: Flavius Josephus J. Ant. XV 11, 5–6. Bei der Angabe 46 Jahre handelt es sich vielmehr um eine symbolische Zeitangabe. Die Zahl setzt sich wahrscheinlich zusammen aus den Summanden 40 und 6 (zur Bedeutung siehe Biblische Zahlensymbolik). Die Zahl 40 reflektiert die wiederholten Renovationen am Heiligtum des zweiten Tempels seit seiner Errichtung im Jahre 515 v. Chr. Die Zahl 6 bezeugt, dass dieses Heiligtum von Menschen geplant und erbaut worden ist. Dies im Gegensatz zur StiftshĂŒtte, die nach den Vorgaben Gottes erbaut worden ist (Ex 2,8–9 EU); (Hebr 8,5 EU).
  14. ↑ Josephus, JĂŒd. AltertĂŒmer XVIII, 5. 1–2
  15. ↑ Gebotener Gedenktag im Allgemeinen Römischen Kalender; vgl. Eintrag ĂŒber Gedenktag der Enthauptung im Ökumenischen Heiligenlexikon
  16. ↑ Als Paulus aus Damaskus flĂŒchtete, gehörte die Stadt zum Herrschaftsgebiet von Aretas. In (2 Kor 11,32 EU) schreibt Paulus: „In Damaskus bewachte der Statthalter des Königs Aretas die Stadt der Damaszener, um mich gefangen zu nehmen.“
  17. ↑ Der Koran. Aus dem Arabischen ĂŒbertragen von Max Henning, Reclam, Stuttgart 1960, ISBN 3-15-004206-2
  18. ↑ Xavier Bailly: Die Kathedrale von Amiens. ISBN 978-2-7373-4639-2
  19. ↑ Vgl.: Teile von Johannes dem TĂ€ufer sollen aufgetaucht sein; Fundsache, Nr. 875Körperteile von Johannes dem TĂ€ufer; Bulgaria Looks to John the Baptist to Resurrect Flagging Economy, The Wall Street Journal
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