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John Archibald Wheeler (* 9. Juli 1911 in Jacksonville, Florida; † 13. April 2008 in Hightstown, New Jersey) war ein US-amerikanischer theoretischer Physiker und zuletzt emeritierter Professor an der Princeton University.
Inhaltsverzeichnis |
John Archibald Wheeler wuchs in einem unitarischen Elternhaus auf, wo sein frühes Interesse an den Naturwissenschaften besonders gefördert wurde. Wheeler wurde 1933 an der Johns Hopkins University bei Karl Ferdinand Herzfeld promoviert. In einer Physical-Review-Arbeit aus dem Jahr 1937 führte er die S-Matrix in die Kernphysik ein.[1] Im Jahr 1939 untersuchte er gemeinsam mit Niels Bohr die Kernspaltung im Flüssigkeitsmodell.[2] 1938 wurde er Professor an der Princeton University, wo er bis 1976 blieb, als er eine Professur an der University of Texas at Austin annahm. Sein Büro in Princeton behielt er weiterhin. Wheeler war wohl einer der letzten, die Einstein, Niels Bohr und andere Größen der Gründungszeit der Quantenmechanik persönlich kannten. John A. Wheeler war verheiratet und hatte drei Kinder.[3]
Er widmete sich intensiv der Lehre und war darin sehr erfolgreich. So besuchte er etwa mit seinen erstsemestrigen Studenten Albert Einstein am nahen Institute for Advanced Study. Unter seinen damaligen Studenten befanden sich heutige bekannte theoretische Physiker wie etwa der Gravitationsphysiker Kip Thorne, John R. Klauder und der Nobelpreisträger Richard Feynman. Mit Feynman erarbeitete er 1941 eine Neuformulierung der klassischen Elektrodynamik.[4] Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete Wheeler im Manhattan-Projekt in Hanford, wo Plutonium-Brutreaktoren entwickelt wurden. An frühen Versuchen, die Wasserstoffbombe zu bauen, war er ebenfalls beteiligt.
Mit Kenneth Ford untersuchte er die halbklassische Näherung in der Streutheorie.[5] In den 1950er und 1960er Jahren entwickelte Wheeler die so genannte Quantengeometrodynamik. Darunter versteht er eine Weiterentwicklung der Allgemeinen Relativitätstheorie (ART), die nicht nur wie bei Einstein die Gravitation, sondern auch die anderen Wechselwirkungen wie den Elektromagnetismus durch die Geometrie gekrümmter Raum-Zeiten beschreiben will. Sie scheiterte jedoch daran, dass sie wichtige physikalische Erscheinungen wie etwa die Existenz von Fermionen nicht erklären konnte und auch nicht wie erhofft Gravitations-Singularitäten vermeiden konnte. Eine solche Geometrisierung der fundamentalen Wechselwirkungen – die heute alle durch Eichtheorien beschrieben werden – ist bis heute nicht gelungen, und um eine Quantentheorie der Gravitation wird bis heute gerungen.
Als Ansatz für die Quantentheorie der Gravitation führte er mit Bryce DeWitt die Wheeler-Dewitt-Gleichung als eine Wellenfunktion des gesamten Universums ein. Ende der 1960er und Anfang der 1970er hatte er eine wichtige Rolle in der sich damals stürmisch entwickelnden Theorie Schwarzer Löcher, denen er sogar 1967 den Namen gab. Auch der Name für das no hair theorem, im Deutschen Glatzensatz genannt, stammt von ihm (Ein schwarzes Loch hat keine Haare). Wheeler prägte auch den Begriff „Wurmlöcher“ für hantelartige Brücken in der Raum-Zeit. Im Jahr 1973 veröffentlichte er mit Misner und Thorne das umfangreiche, aber pädagogisch gut gemachte Lehrbuch „Gravitation“. Wheeler interessierte sich auch für die Interpretation der Quantenmechanik und unterstützte die Many worlds interpretation seines Schülers Hugh Everett aus dem Jahr 1955.
1983 erhielt er die Oersted Medal, 1996/97 den Wolf-Preis in Physik und 2003 den Einstein-Preis. Der Asteroid 31555 Wheeler ist nach ihm benannt.[6]
John Archibald Wheeler formulierte aus seiner unitarischen Grundhaltung heraus fünf grundlegende Fragen, die über die Physik hinausreichen[7] und die er als „wirklich große Fragen“ (really big questions) bezeichnete:
Hier gibt Wheeler seiner Bewunderung für Hermann Weyl Ausdruck:
John Archibald Wheeler, Hermann Weyl and the Unity of Knowledge. In: Wolfgang Deppert, Kurt Hübner, Arnold Oberschelp und Volker Weidemann (Hrsg.): Exact Sciences and their philosophical Foundations/Exakte Wissenschaften und ihre philosophische Grundlegung, Vorträge des Internationalen Hermann-Weyl-Kongresses. Kiel 1985, Peter Lang Verlag, Frankfurt/Main 1988, ISBN 3-8204-9328-X, S. 469-503. Zuerst in American Scientist, Juli 1986.
Seine Erinnerungen an Einstein veröffentlichte Wheeler in: Aichelburg und Sexl (Hrsg.): Albert Einstein. 1979, und in den Physikalischen Blättern aus demselben Jahr.
Wheelers erste Goldene Regel: stelle nie eine Berechnung an, deren Ergebnis du nicht kennst. Mach vor jeder Berechnung eine Abschätzung mit einfachen physikalischen Argumenten (Symmetrie, Invarianz, Erhaltungssätze), im Original: Wheelers First Moral Principle: Never make a calculation before you know the answer. Make an estimate before every calculation, try a simple physical argument (symmetry, invariance, conservation)., als Anleitung zum Abschnitt Übungsaufgaben in Taylor, Wheeler Spacetime Physics, S.60
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wheeler, John Archibald |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer theoretischer Physiker |
| GEBURTSDATUM | 9. Juli 1911 |
| GEBURTSORT | Jacksonville, Florida, USA |
| STERBEDATUM | 13. April 2008 |
| STERBEORT | Hightstown, New Jersey, USA |