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John Milton (* 9. Dezember 1608 in London; † 8. November 1674 in Bunhill bei London) war ein englischer Dichter und Staatsphilosoph. Der frühe Aufklärer war einflussreich, aber auch umstritten. Er wurde „von vielen geliebt, von manchen gehasst“, wie es in einer zeitgenössischen Biografie über ihn heißt. Bis heute ist sein Einfluss in der angelsächsischen Literatur und Kultur sichtbar. Aus seiner Feder stammt das epische Gedicht Paradise Lost (Das verlorene Paradies).
Inhaltsverzeichnis |
John Milton wurde 1608 in London geboren als Sohn des Komponisten John Milton und seiner Frau Sarah Jeffrey. Er stammte aus einer begüterten Familie, die ihren Sitz auf dem Landgut Milton bei Thame in Oxfordshire hatte. „Ich wurde schon im frühen Kindesalter von meinem Vater für das Studium der Literatur ausersehen, und mein Hunger nach Wissen war so unersättlich, dass ich vom zwölften Jahr an kaum je meine Studien unterbrach oder vor Mitternacht zu Bett ging“, erinnerte sich Milton an seine Jugend. Sein Vater war wegen seines Übertritts zum Protestantismus von dem streng katholischen Großvater enterbt worden und war in London als Notar tätig.
Seine Erziehung erhielt John Milton zunächst im elterlichen, streng puritanischen Haus, dann in der Schule von St. Paul, bis er 1624 mit 15 Jahren in das Christ's College der Universität Cambridge eintrat.
1632 erwarb er an der Universität Cambridge den Magistertitel. Zu dieser Zeit hatte er bereits ausführlich die antiken Klassiker studiert, selbst Dichtungen in englischer und lateinischer Sprache (z. B. Hymn on the nativity) verfasst, sich mit Geschichte und klassischer Literatur auseinandergesetzt.
Mit den Methoden des Unterrichts an Schulen und Universitäten war er indes nicht einverstanden, sie liefen seiner Ansicht nach lediglich auf bloße mechanische Abrichtung hinaus. Ein von seinem Vater vorgeschlagenes Theologiestudium lehnte er ab mit der Begründung, er werde sich nie zu dem Sklavendienst bereitfinden, die Artikel der bischöflichen Kirche zu unterschreiben.
Nachdem Milton 1628 Bachelor und 1632 Master of Arts geworden war, verließ er Cambridge, um zu seinem Vater zurückzukehren, der in Horton (Buckinghamshire) einen Landsitz besaß. Dort konnte er seinen Studien weiter nachgehen; er beschäftigte sich vor allem mit Shakespeare und seinen Zeitgenossen, außerdem mit Ben Jonson und schrieb daraufhin den Comus, ein allegorisches Maskenspiel, wie seit Jakob I. am englischen Hof in Mode. Im Comus wird der Sieg der Keuschheit über die Versuchung an einem jungen Mädchen dargestellt, das von den ausgelassenen Geistern der Nacht, Comus und seinem Gefolge, umschwärmt wird.
Ferner entstanden damals die Arcades, die Elegie Lycidas, eine Klage um den Tod eines Freundes, und die berühmten Gedichte L'Allegro („Der Heitere“) und Il Penseroso („Der Gedankenvolle“), beide erst 1645 in den Juvenile poems erschienen, in denen sich am deutlichsten die Gefühlswelt Miltons offenbart. Im Allegro besingt er die Schönheit der Erde, den Zauber des englischen Waldes, die Freuden der Jagd und ländlicher Feste. Diesen nichtigen Freuden aber stellt er im Penseroso das höhere Glück des Denkers gegenüber, der im Forschen die Welt vergisst, der seine Seele nährt an den großen Geisteswerken alter Zeiten und endlich die Weisheit des Propheten erlangt.
Milton war bereits berühmt, als er 1638, vom Tod seiner Mutter erschüttert, eine Reise auf den Kontinent antrat. In Paris verkehrte er mit Hugo Grotius. Anschließend hielt er sich mehrere Jahre in Italien (Florenz, Rom) auf, wo er sich mit den italienischen Epen befasste. In Genf besuchte er seinen besten Freund Charles Diodati.
Der Ausbruch des Englischen Bürgerkrieges veranlasste ihn zur Rückkehr nach London. Dort war er erfolgreich pädagogisch tätig und wandte dabei andere Methoden an, als er selbst erlebt hatte.
Seine Beteiligung an der politischen und kirchenkritischen Bewegung beginnt mit fünf publizistischen Abhandlungen (Prelatical episcopacy, Reason of church etc., 1641 und 1642), in denen Milton sich gegen die Tendenzen in der anglikanische Kirche wandte, durch Verschärfung der bischöflichen Macht sich dem Katholizismus wieder anzunähern. Die Konstantinische Schenkung, welche die weltliche Macht und den Reichtum der Papstkirche gegründet hätte, bezeichnete Milton mit Dantes Worten als „die wahre Büchse der Pandora“. Den Katholizismus beschrieb er in diesen Schriften als eine politische Partei, die unter dem Schein einer Kirche die priesterliche Tyrannei anstrebe.
Mit 35 Jahren heiratete John Milton Mary Powel, die Tochter eines Landadeligen in Oxfordshire. Der Ehe entstammten drei Kinder. Sie scheiterte jedoch bald aufgrund der unterschiedlichen Lebensentwürfe des Puritaners und seiner eher an Luxus gewöhnten Ehefrau. 1643 bis 1645 verfasste Milton vier Schriften über die Ehescheidung. Er wollte die Entscheidung über die Trennung einer Ehe nicht den Gerichten, sondern dem Gewissen des Mannes überlassen. Um dieselbe Zeit schrieb Milton, mit der Erziehung der Kinder einiger Freunde beschäftigt, ein Buch über Erziehung, in welchem er einen freien, wahrhaft klassischen Jugendunterricht forderte. Robert Graves schrieb einen Roman über diese Ehe: Wife to Mr. Milton.
Mittlerweile hatten die Presbyterianer im „langen Parlament“ die Oberhand gewonnen; sie bewiesen aber die gleiche Unduldsamkeit wie die gestürzten Bischöflichen und beschlossen 1643, dass für den Druck jeder Schrift eine Lizenz eingeholt werden müsse. Da richtete Milton an das Parlament die Areopagitica (1644), mit der er einer der Wegbereiter der Pressefreiheit wurde.
Die folgenden vier Jahre (1645 bis 1649) arbeitete Milton an einer „Geschichte Englands in der angelsächsischen Epoche“. Als die republikanische Partei an die Macht gelangt war, ernannte ihn der regierende Ausschuss des Parlaments zum Geheimschreiber des Staatsrats für die lateinischen Ausfertigungen.
In dieser wichtigen und einflussreichen Stellung, die er während der ganzen Dauer der Republik bekleidete, veröffentlichte er 1649 die schon vor dem Tode des Königs begonnene Schrift The tenure of kings and magistrates, eine bedingungslose Rechtfertigung der Hinrichtung Karls I. aufgrund des Naturrechts.
Im Gegenzug verfasste der Bischof von Exeter die Schrift Eikon basilike, das Bildnis Seiner geheiligten Majestät in seiner Einsamkeit und Qual. Das anonym erschienene Buch, das er für ein nachgelassenes Werk des Königs ausgab, war bald in 47 Auflagen im gesamten Land verbreitet und wurde sehr populär. Darauf antwortete Milton mit seiner Schrift Eikonoklastes („Bilderstürmer“), worin er den Verfassernamen enthüllte und den Eidbruch des Monarchen geißelte. Diese öffentliche Verfehlung sei wichtiger als private Tugenden.
Daraufhin schrieb der gelehrte Claudius Salmasius die Defensio regia, welche Milton 1651 mit der Defensio pro populo anglicano, einer Schrift, die vom republikanischen Staatsrat in Auftrag gegeben worden war, beantwortete. Darin verteidigt er die Freiheit als ein angeborenes Recht der Völker und spricht der Nation das Recht zu, einen verräterischen Tyrannen zu bestrafen. Dieses Buch fand als politisches Manifest der Puritaner weite Verbreitung. In Paris und Toulouse wurde das Pamphlet vom Henker verbrannt, während das republikanische Parlament den Verfasser mit 1000 Pfund Sterling entlohnte. Milton führt als Präzedenzfälle für die Hinrichtung Karl Stuarts Osiris, Saul, David und die Erhebung des Schmalkaldischen Bundes gegen Karl V. an; der Schwerpunkt seiner Beweisführung liegt aber in seiner naturrechtlichen Doktrin, wonach die Freiheit dem Menschen angeboren ist.
Sein schon früh nachlassendes Sehvermögen erlosch nun ganz.
Einige kleinere Flugschriften für eine freie Republik Upon the model of common Wealth, Ready and easy Way to establish a free common Wealth folgten.
Miltons politische Schriften dienten der Politik Cromwells, dessen Hoffnung es war, „den gesamten protestantischen Namen in brüderlicher Eintracht zusammenzuknüpfen“ und diese gesammelte Macht dem Haus Habsburg entgegenzustellen. Nach dem Fall der Republik und der Wiedereinsetzung der Stuarts war Milton seitens der Royalisten und Presbyterianer harten Verfolgungen ausgesetzt. Am 16. Juni 1660 wurde die Defensio öffentlich durch den Henker verbrannt, und nur der Fürsprache einflussreicher Freunde gelang es, den bereits verhafteten Dichter zu befreien.
Milton zog sich nun ins Privatleben zurück. Seine erste Ehefrau starb 1652. Bereits ein Jahr später heiratete er Katharine Woodcock, die wenig später auch verstarb. Die dritte Ehe, die der 50-jährige hilfsbedürftige Blinde mit drei Kindern auf das Zureden seiner Freunde einging, war ebenso unglücklich wie die erste. Dazu war sein Vermögen im Bürgerkrieg verloren und sein Haus 1666 im großen Brand von London zerstört worden.
Milton widmete sich nunmehr erneut der Dichtung und verwirklichte seinen Jugendplan, ein großes Epos zu schaffen. Für sein berühmtestes Werk Paradise Lost (Das verlorene Paradies) fand er erst zwei Jahre nach Vollendung 1667 einen Verleger. Dieses bedeutende Werk religiöser Dichtung, welches das Ringen zwischen Himmel und Hölle, Gott und Teufel zum Thema hat, übt bis in die Gegenwart erheblichen Einfluss auf Literatur und andere Kulturbereiche aus. Ein Beispiel dafür ist der Film Im Auftrag des Teufels aus dem Jahr 1997. Die Darstellung der Figur des Satans im Vergleich zur relativ blassen, nüchternen Ausarbeitung der Person Gottes gelang John Milton so gut, dass der Dichter William Blake John Milton als »Parteigänger Satans unwissenderweise« bezeichnete: »he was a true Poet and of the Devil's party without knowing it« (in: The Marriage of Heaven and Hell, 1793). Auf Milton beriefen sich die zeitgenössischen Begründer des »Satanismus«. Im 18. Jahrhundert wurden von Paradise Lost nahezu doppelt so viele Neudrucke wie von Shakespeares Dramen aufgelegt. Für den deutschen Sprachraum ist vor allem die berühmte Übersetzung Johann Jakob Bodmers (1732) von Bedeutung; Friedrich Gottlieb Klopstocks Der Messias ist nahezu undenkbar ohne das Vorbild von Paradise Lost. Im 20. Jahrhundert wird John Milton (respektive seine Dichtung) sowohl scharf angegriffen (T. S. Eliot 1936, später relativiert) als auch euphorisch verteidigt (exemplarisch C. S. Lewis 1942).
Milton hat später Paradise Regained (Das wiedergewonnene Paradies) geschrieben, das die Versuchung Christi in der Wüste zum Stoff hat, erreichte damit aber erheblich weniger Leser. Eines seiner letzten Werke ist das in griechischer Form geschriebene Trauerspiel Samson Agonistes (1671), das zur Vorlage für Händels Oratorium Samson wurde. Schließlich veröffentlichte er noch einige Prosaschriften, die aber bedeutungslos geblieben sind.
Bis zu seinem Tod arbeitete Milton mit Hilfe von Sekretären an seinem letzten, in Lateinisch verfassten Werk De Doctrina Christiana mit dem Untertitel Eine Streitschrift zur christlichen Lehre, alleinig verfasst anhand der heiligen Schriften. Im Vorwort erklärte er: „Die meisten Verfasser, die dieses Thema in Angriff nahmen … haben für die so wichtige biblische Begründung all dessen, was sie lehren, lediglich Randbemerkungen mit kurzen Hinweisen auf Kapitel und Vers angebracht. Ich habe mich hingegen bemüht, meine Seiten überreich mit zahllosen Zitaten aus allen Teilen der Schriften zu versehen.“ Und so zitiert Milton tatsächlich über 9000 Mal direkt oder indirekt aus der Bibel.
Er starb in ärmlichen Verhältnissen am 8. November 1674 in Bunhill bei London und wurde in der Kirche St. Giles begraben; 1737 setzte man ihm ein Denkmal in der Westminsterabtei.
Der irische Freidenker John Toland veröffentlichte in London 1699 die Gesamtausgabe seiner Werke, einschließlich einer Biographie, was wiederum zu Anfeindungen Anlass gab.
Sammelbände
Lyrik
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Epen
Streitschriften
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Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890. Bitte entferne diesen Hinweis nur, wenn du den Artikel so weit überarbeitet oder neu geschrieben hast, dass der Text den aktuellen Wissensstand zu diesem Thema widerspiegelt und dies mit Quellen belegt ist, wenn der Artikel heutigen sprachlichen Anforderungen genügt und wenn er keine Wertungen enthält, die den Wikipedia-Grundsatz des neutralen Standpunkts verletzen. |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Milton, John |
| KURZBESCHREIBUNG | englischer Dichter |
| GEBURTSDATUM | 9. Dezember 1608 |
| GEBURTSORT | London |
| STERBEDATUM | 8. November 1674 |
| STERBEORT | Bunhill |