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Julius Adler (Rechtsanwalt)

Julius Adler (* 29. September 1882 in W├╝rzburg; ÔÇá 1. Juli 1934 im KZ Dachau) war ein deutscher Rechtsanwalt und Opfer des R├Âhm-Putsches.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Leben vor 1933

Adler war das vierte Kind des j├╝dischen Getreideh├Ąndlers Salomon Adler aus W├╝rzburg und seiner Ehefrau Jeanette, geborene Oberndorfer. Nach dem Schulbesuch studierte er Rechtswissenschaften an den Universit├Ąten W├╝rzburg, M├╝nchen und Berlin. 1909 promovierte er zum Dr. jur. 1910 wurde er beim Landgericht Augsburg und 1911 beim Landgericht W├╝rzburg als Anwalt zugelassen.

Von 1915 bis 1918 nahm Adler am Ersten Weltkrieg teil. Einige Quellen geben an, er sei Vizewachtmeister gewesen, andere sprechen von der Verwendung in einer Luftabwehrbatterie. Nach dem Krieg kehrte Adler in seinen alten Beruf als Rechtsanwalt zur├╝ck.

Verhaftung und Ermordung

Am 11. Juni 1934 wurde Adler wegen der angeblichen Nichtbefolgung bau- und feuerpolizeilicher Auflagen in Schutzhaft genommen. Tats├Ąchlicher Grund der Verhaftung war wahrscheinlich, dass Adler seinen Vetter Willy Adler, der sich der ├ťbernahme seines Betriebs, einer Malzfabrik, widersetzte, als Rechtsanwalt vertrat. Daneben d├╝rfte er wegen seiner j├╝dischen Abstammung grunds├Ątzlich unliebsam gewesen sein. Im Schutzhaftbefehl der Polizeidirektion W├╝rzburg vom 13. Juni 1934 hie├č es:

ÔÇ×Adler kommt den ihm seit Dezember 1933 vom Stadtrat W├╝rzburg gemachten bau- und feuerpolizeilichen Auflagen nicht nach, er ist au├čerdem Masochist und verstand es schon seit Jahren, zwei elternlose Frauenpersonen unter Ausn├╝tzung ihrer Notlage sich geschlechtsh├Ârig und seiner anomalen geschlechtlichen Veranlagung gef├╝gig zu machen. Der NSBO machte er in einer Denkschrift den Vorwurf verbrecherischer Handlungen in der seinem Vetter Willi Adler geh├Ârigen MohrÔÇÖschen Malzfabrik in W├╝rzburg. Er steht ferner im dringenden Verdacht, diesem Vetter, der durch falsche Bilanzierung seinen Gl├Ąubigern 2-3 Millionen Mark Kredite herausschwindelte, zur Flucht verholfen zu haben. Sein Verhalten ist nicht nur ganz im staatsabtr├Ąglichen Sinne gelegen, sondern bedeutet eine fortgesetzte Gefahr f├╝r die ├Âffentliche Ordnung und Sicherheit. Adler ist aber schon aus Gr├╝nden seiner pers├Ânlichen Sicherheit in Verwahrung zu nehmen, da bereits in weiten Volkskreisen eine stark Missstimmung gegen ihn besteht, die im Falle seiner Belassung auf freiem Fusse das Schlimmste bef├╝rchten l├Ąsst. Schutzhaft war daher anzuordnen.ÔÇť[1]

Am 20. Juni 1934 wurde Adler von W├╝rzburg ins KZ Dachau ├╝berf├╝hrt. Dort wurde er in der Nacht vom 30. Juni zum 1. Juli im Zuge der als R├Âhm-Putsch bekannt gewordenen politischen S├Ąuberungswelle der Nationalsozialisten vom Fr├╝hsommer 1934 von Angeh├Ârigen der SS-Lagerwache zusammen mit vier weiteren Schutzh├Ąftlingen (Erich Gans, Walter H├Ąbich, Adam Hereth und Paul R├Âhrbein) erschossen. Offiziell wurde die Erschie├čung damit begr├╝ndet, dass die Schutzh├Ąftlinge sich mit den angeblich an diesem Tag putschenden SA-F├╝hrern ÔÇ×solidarisch erkl├ĄrtÔÇť h├Ątten.[2] Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die Lagerleitung um KZ-Kommandant Theodor Eicke die g├╝nstige Gelegenheit der politischen S├Ąuberungswelle ausnutzte, um einige besonders unliebsame H├Ąftlinge im ÔÇ×WindschattenÔÇť der Aktion zu beseitigen.

Adlers Angeh├Ârige wurden erst im Oktober 1934 von seinem Tod unterrichtet. Als das Reichsministerium des Innern aufgrund einer Petition der Reichsvertretung der Deutschen Juden vom 22. November 1934, in der unter anderem die Todesf├Ąlle Adler und Gans hinterfragt wurden, bei der Bayerischen Politischen Polizei die Gr├╝nde f├╝r die Erschie├čung der beiden erfragte, wurden die Exekutionen vom Politischen Polizeikommandeur Bayerns in einem Brief vom 7. Mai 1935 damit begr├╝ndet, dass Adler und Erich Gans am 30. Juni versucht h├Ątten, ÔÇ×eine Revolte anzuzettelnÔÇť, und deswegen ÔÇ×standrechtlich erschossenÔÇť worden seien. [3]

Schriften

  • Einwirkung der Wechselbegebung auf das Kausale Schuldverh├Ąltnis, 1909. (Dissertation)

Archivalien

  • Bayerisches Hauptstaatsarchiv: MJu 20263.
  • Staatsarchiv W├╝rzburg: Gestapo 2.

Literatur

  • Reiner Str├Ątz: Das Biographische Handbuch W├╝rzburger Juden 1900-1945, Bd. 2.
  • Reinhard Weber: Das Schicksal der j├╝dischen Rechtsanw├Ąlte in Bayern nach 1933, 2006, S. 55 und 211.

Einzelnachweise

  1. ÔćĹ Reinhold Weber: Das Schicksals j├╝discher Rechtsanw├Ąlte, 2006, S. 55.
  2. ÔćĹ Lothar Gruchmann: Justiz im Dritten Reich, S. 440.
  3. ÔćĹ Klaus Drobisch/G├╝nther Wieland: System der NS-Konzentrationslager, 1933ÔÇô1939, 1993, S. 237.
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