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Die Jungsteinzeit, auch Neolithikum (vom altgriech. ΜÎÎżÏ neos ,neu, jungâ und Î»ÎŻÎžÎżÏ lithos ,Steinâ), ist eine Epoche der Menschheitsgeschichte, deren Beginn mit dem Ăbergang von JĂ€ger- und Sammlerkulturen zu sesshaften Bauern mit domestizierten Tieren und Pflanzen definiert ist.
Der Ăbergang zur neolithischen Wirtschaftsweise wird als Neolithische Revolution bezeichnet, die Verbreitung wird Neolithisierung genannt und vollzog sich weltweit unterschiedlich. Nomadische Lebensweise wurde im Zuge von Ackerbau und Viehhaltung gegen Sesshaftigkeit in Dorfgemeinschaften eingetauscht. Der Ackerbau schuf die Grundlage zu einer arbeitsteiligen Gesellschaft. Nahrungsproduktion und Vorratshaltung fĂŒhrten zu einer gröĂeren UnabhĂ€ngigkeit von der natĂŒrlichen Umwelt und bilden die Basis fĂŒr Bevölkerungswachstum. Dieser Prozess vollzog sich vor etwa 12.000 Jahren erstmals im Gebiet des Fruchtbaren Halbmonds, vor allem an den SĂŒdrĂ€ndern von Taurus- und Zagrosgebirge. Noch bevor der dörfliche Hausbau aus Holz oder Stein archĂ€ologisch belegt ist, gab es in dieser Region bereits monumentale Tempelanlagen, wie auf dem Göbekli Tepe oder in Nevalı Ăori (SĂŒdosttĂŒrkei).[1][2]
Das Ende der Jungsteinzeit wurde mit der regional einsetzenden Verarbeitung von Kupfer eingeleitet (Kupfersteinzeit), aber erst durch die Bronzezeit abgelöst. In Afrika folgt auf die Jungsteinzeit direkt die Eisenzeit.
Inhaltsverzeichnis |
Der britische Anthropologe Sir John Lubbock teilte in seinem 1865 erschienenen Werk Prehistoric Times die Steinzeit in die âPeriode des geschlagenen Steinsâ (Old Stone Age ,Altsteinzeitâ) sowie die âPeriode des geschliffenen Steinsâ, die er New Stone Age ,Jungsteinzeitâ nannte.[3] Heute wird der Beginn der Jungsteinzeit mit dem Ăbergang von der aneignenden (JĂ€ger und Sammler) zur produzierenden Wirtschaftsweise (Ackerbau, Viehzucht) in Verbindung gebracht. Da dies im archĂ€ologischen Kontext weitere Merkmale mit sich bringt, werden diese auch als Neolithisches BĂŒndel (engl.: Neolithic package) bezeichnet:
Das Auftreten des Neolithischen BĂŒndels innerhalb von etwa zwei Jahrhunderten gilt nur fĂŒr die frĂŒhesten neolithischen Kulturen Mitteleuropas. Daher wird der von Gordon Childe postulierte Begriff Neolithische Revolution[4] im Allgemeinen heute kritisch gesehen. Nach neuen Ergebnissen der PalĂ€ogenetik verdrĂ€ngten die Bauern aus dem Karpatenbecken die Mesolithiker Mitteleuropas im Laufe des 6. vorchristlichen Jahrtausends jedoch nicht nur kulturell, sondern auch genetisch.[5]
In PalĂ€stina entstanden einige dauerhafte Siedlungen bereits vor der Entwicklung der Landwirtschaft. Die Umgebung dieser Siedlungen bot den Bewohnern aber nur zeitweise genĂŒgend Ressourcen (Fisch, Fleisch oder Pflanzen). Der Kultivierung und dem Anbau von Getreide ging eine jahrtausendelange Nutzung entsprechender Wildvorkommen voraus; in der Levante seit 21.000 v. Chr. nachweisbar (Ohalo II). Diese Vorstufe zur produzierenden Landwirtschaft wird als proto-neolithisch bezeichnet.
Die Entstehung der Landwirtschaft, beginnt etwa 10.000 v. Chr. mit dem Ende der letzten Eiszeit, gleichzeitig Beginn der jetzigen Zwischeneiszeit, dem HolozĂ€n. Die genauen Ursachen sind noch strittig, doch steht der bisher allgemein akzeptierten MĂ€ngelhypothese, die einen Mangel an zur VerfĂŒgung stehenden jagbaren Wildtieren in Verbindung mit der KlimaĂ€nderung durch das HolozĂ€n favorisiert inzwischen auch eine vor allem von Josef H. Reichholf (in: Warum die Menschen sesshaft wurden. 2. Aufl. S. Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 2008, ISBN 978-3-10-062943-2) favorisierte Ăberflusshypothese gegenĂŒber, die nicht von einem Mangel an jagbarem Wild ausgeht und unter anderem auch einen mehrtausendjĂ€hrigen Gebrauch von Getreide als Grundlage alhoholischer GetrĂ€nke (vor allem Bier) postuliert, bevor es zur dessen eigentlicher Nutzung fĂŒr die Herstellung von Brot kam und die dabei auch einen einheitlichen Ursprung der Getreidenutzung bei den uralaltaischen Völkern Zentralasiens annimmt. Ein durch Ăberjagung entstandener Mangel ist danach archĂ€ologisch nicht nachweisbar. Auch bedurfte die Nutzung von Pflanzen, vor allem der wegen der gröĂeren Samen einzig nutzbaren einjĂ€hrigen KörnerfrĂŒchte, danach und schon wegen der aus den Wildformen nur mĂŒhsam zu gewinnenden zunĂ€chst sehr geringen Mengen einen sehr langen Vorlauf bei der Domestizierung. Lange Zeit genĂŒgten diese Mengen schon rein rechnerisch auch nicht annĂ€hernd, eine vorwiegend auf dieser Basis beruhende kalorisch ausreichende ErnĂ€hrung zu gewĂ€hrleisten.[6] Nicht zuletzt standen auch in den ersten Jahrtausenden der Jungsteinzeit offenbar keine hinreichend sicheren Lagermöglichkeiten zur VerfĂŒgung, die Korn und Mehl vor Tierfrass, Pilzbefall etc. sicher schĂŒtzten.[7] Die archĂ€ologisch gefundenen Keramiken waren zu diesem Zweck viel zu klein und deuten nach Reichholf viel eher auf die Erzeugung von Alkoholika hin, wie sie schon in frĂŒhen sumerischen Darstellungen bezeugt sind (Reichholf, S. 262).
Der Ăbergang zur bĂ€uerlichen Lebensweise, also dem Wandel hin zur Kultivierung geeigneter Arten, vollzog sich nach der herrschenden Meinung allerdings eher entsprechend der MĂ€ngelhypothese und unabhĂ€ngig voneinander aber nicht gleichzeitig an mindestens drei, wahrscheinlich sogar an fĂŒnf oder mehr Orten:
Funde aus Ohalo II. am See Genezareth in Israel zeigen, dass bereits vor 20.000 bis 22.000 Jahren JĂ€ger und Sammler groĂe Mengen unterschiedlichster GrĂ€ser, darunter wilder Weizen und wilde Gerste, als Nahrung nutzten. Darunter waren auch sehr kleinsamige GrĂ€ser, die vermutlich mit Schwingkörben geerntet wurden.
Der Ăbergang zur Landwirtschaft war â zumindest in der Levante â weniger eine âfreiwilligeâ Entwicklung als vielmehr eine aus der VerĂ€nderung der Umwelt resultierende Notwendigkeit zum Ăberleben. Die GroĂtierfauna (insbesondere die Gazelle) hatte diese Region schon sehr frĂŒh verlassen, weshalb in der Region zwischen oberem Euphrat und Mittelmeer vermehrt Wildgetreide auf Reibsteinen (HandmĂŒhlen) verarbeitet wurde. Die bislang Ă€ltesten Spuren von möglicherweise domestiziertem Getreide (in diesem Fall Roggen) fand man in Tell Abu Hureyra am syrischen Euphrat; sie werden auf ein Alter von 13.000 Jahren geschĂ€tzt. In dieser Zeit, dem JĂŒngeren-Dryas-Stadial, lieĂ eine langanhaltende DĂŒrre einen GroĂteil der wilden Getreidearten abwandern, weshalb die Menschen gezielt die dĂŒrreresistentesten zĂŒchteten. Zu den wichtigsten in dieser Gegend domestizierten Getreidearten gehört Gerste und vor allem Weizen.
In den trockeneren Gebieten von JudĂ€a und im Sinai ging man nach dem Verschwinden der Gazellen dazu ĂŒber, Wildziegen und Wildschafe in Herden zu halten. Eine Domestikation der Tiere lĂ€sst sich in Beidha bereits um 11.000 v. Chr. ableiten und ab 8300 v. Chr. belegen, da zu diesem Zeitpunkt Caproviden und Boviden aber auch Cervinalen (Damtiere) mit den Menschen nach Zypern gelangten. Sie muss daher weitaus frĂŒher erfolgt sein. Anfangs wurden Schafe und Ziegen ausschlieĂlich als Fleisch- und Felllieferanten gehalten; um 7500 v. Chr. lĂ€sst sich die Nutzung des SekundĂ€rproduktes Milch, spĂ€ter auch Wolle archĂ€ologisch belegen. Genetisch (Untersuchung Peltonen) weist der Beginn des Abbaus der Laktoseintoleranz, die bei allen Menschen zunĂ€chst bei 100 %t lag, auf einen frĂŒhen Genuss von Tiermilch. Dieser Erbfortschritt, Milchzucker (Laktose) verdauen zu können (Laktosetoleranz), wurde dabei, anders als die Fortschritte im Landbau, nicht im Nahen Osten, sondern einmal (etwa 3500 v. Chr.) sĂŒdlich von DĂ€nemark und spĂ€ter noch dreimal in Ostafrika gemacht (Massai) und ist noch heute nur in der einheimischen Bevölkerung von Nordeuropa allgemein vorhanden. Der Einsatz von Rindern als Zugtier vor dem Pflug ermöglichte schlieĂlich den Ăbergang vom jungsteinzeitlichen Hackbau zu einer höheren Ackerbaukultur. Siehe dazu auch Geschichte des Transportwesens im Altertum.
Im Seengebiet am Mittellauf des Jangtsekiang wurde in etwa zur gleichen Zeit wie in der Levante dazu ĂŒbergegangen, den bisher nur gesammelten wilden Reis nach und nach zu kultivieren. Weiter flussabwĂ€rts wird in einem Gebiet mit damals feuchtwarmem subtropischem Klima von der chinesischen Forschung das Zentrum der Nassreis-Kultivierung gesehen. Im deutlich kĂŒhleren und trockeneren Norden Chinas, nördlich und sĂŒdlich des Gelben Flusses, wurde einige Jahrtausende spĂ€ter (wahrscheinlich zwischen 5500 und 5300 v. Chr.) erstmals Hirse, vermutlich Kolbenhirse, domestiziert.
Zur Fleischgewinnung wurden in China Schweine, Hunde und BankivahĂŒhner domestiziert. Wo der WasserbĂŒffel domestiziert wurde, ist unklar. Vermutlich fand dies aber ebenfalls in SĂŒdchina um 4000 v. Chr. statt. Ebenso wie der Auerochse im Nahen Osten sollte er besonders als Zugtier Bedeutung erlangen.
Der Beginn der Landwirtschaft in Mittelamerika hatte (anders als in der Levante und in China) praktische GrĂŒnde. So zĂŒchteten die Bewohner des Oaxacatals im SĂŒden Mexikos bereits um 8000 v. Chr. GartenkĂŒrbisse, um darin Wasser von den FlusslĂ€ufen zu ihren bewohnten Höhlen in den Bergen zu transportieren. Ihre Nahrung beschafften sie sich dagegen weiterhin als JĂ€ger und Sammler. Erst um 5100 v. Chr. begann im nahegelegenen Grijalvadelta die Kultivierung einer als Nahrungsmittel bestimmten Nutzpflanze: die Teosinte, die wilde Form des Maises. Knapp tausend Jahre spĂ€ter, 4200 v. Chr., wurde die kultivierte Teosinte auch im Oaxacatal angebaut. Im Laufe der Zeit kamen Paprika, Sonnenblumen und Gartenbohnen hinzu.
Da es in der amerikanischen Fauna an Wildtieren fehlte, die eine biologische Disposition zur Domestikation hatten, wurden auĂer Lama, Hund und Truthahn keine Tiere als Fleischlieferanten oder Arbeitstiere domestiziert.
Anderswo wurde der Ackerbau aus einer der Ursprungsregionen importiert. In erster Linie liegt das am Fehlen geeigneter Wildpflanzen- und Tierarten in diesen Regionen. So kamen die Wildformen von heute weltweit verbreiteten Nutzpflanzen wie Weizen und Gerste ursprĂŒnglich nur in Kleinasien und Syrien vor, weshalb sie nur dort domestiziert und von dort verbreitet wurden.
Die Ackerbauern der Levante hatten sich um 8000 v. Chr. etwa im Gebiet des sĂŒdlichen Kleinasien (inklusive Zypern) bis zur persischen GolfkĂŒste ausgebreitet. Es begann eine konzentrische Expansion der Landwirtschaft, und zwar vermutlich durch Migration der Bauern mit den von ihnen domestizierten Pflanzen und Tieren aus der Levante sowie dem Wissen um deren Pflege, Aufzucht und Vermehrung im GepĂ€ck. So zeigen Vergleiche der mitochondrialen DNA (mtDNA), dass die frĂŒhen indischen Bauern nĂ€her mit den Bauern der Levante verwandt waren als mit den JĂ€gern und Sammlern in ihrer Nachbarschaft. Ăhnliches gilt fĂŒr Europa, welches die Ackerbauern vor etwa 9000 Jahren ĂŒber die noch existierende LandbrĂŒcke am Bosporus kultivierten. Von SĂŒdosteuropa verbreiteten sie sich zunĂ€chst entlang der MittelmeerkĂŒste sowie entlang der groĂen FlusslĂ€ufe nach Ost- und Mitteleuropa. Neuere genetische Analysen von Y-Chromosomen europĂ€ischer MĂ€nner und mtDNA aus neolithischen Skeletten zeigen keine Verwandtschaft der heutigen MitteleuropĂ€ischen Bevölkerung mit den neolithischen Bauern.
Auf Zypern zĂŒchtete man Katzen und in Sumer und Ăgypten Esel zu Haustieren und fĂŒgte die Erdmandel und die Maulbeer-Feige zu den Anbaupflanzen hinzu. Die Bewohner des Indus-Tals domestizierten Sesam, die OsteuropĂ€er dagegen Hafer und die WesteuropĂ€er Schlafmohn. Auf der arabischen Halbinsel wurde das Dromedar und in Kasachstan das Pferd domestiziert.
Afrika ist ein Sonderfall, in dem sich das Neolithikum wesentlich langsamer und anders entwickelte. Teilweise liegen zwischen den einzelnen Merkmalen mehrere Jahrtausende, zum Beispiel zwischen der Domestizierung des Rindes und den ersten Kulturpflanzen. Der ProzeĂ der Neolithisierung verlief hier ĂŒber mehrere tausend Jahre, so dass er als Epochengrenze âNeolithikumâ seine GĂŒltigkeit verliert. Aus diesem Grund wird der Begriff des âNeolithikumsâ im Zusammenhang mit Afrika eher vermieden. Im Gegensatz zu Mitteleuropa, in dem das gesamte âBĂŒndelâ vor etwa 7500 Jahren komplett in Erscheinung trat und deswegen als Neolithische Revolution bezeichnet wurde.
In Afrika gab es bereits um 4900 v. Chr. pastoral lebende Gemeinschaften, die zunĂ€chst mit Schafen/Ziegen und spĂ€ter Rindern weitgehend nomadisch lebten. Im Afrika sĂŒdlich der Sahara tauchen erst zu Beginn des zweiten vorchristlichen Jahrtausends Kulturpflanzen in Form von Perlhirse und Augenbohne auf. Es gibt Hinweise, dass die Neolithisierung Afrikas vielfach eigene Wege gegangen ist und zumindest teilweise autochthon stattfand. Die Keramik ist beispielsweise Ă€lter als im Vorderen Orient.
Inwieweit bei den domestizierten Tieren afrikanische Vorfahren beteiligt waren, ist nicht vollkommen geklĂ€rt. Nach molekularbiologischen Untersuchungen ist auch die indigene Domestikation zumindest einiger Haustiere nicht auszuschlieĂen. Dies gilt jedoch nicht fĂŒr die Ziege, die vom vorderen Orient eingefĂŒhrt wurde. Im sĂŒdlichen Afrika datieren die Ă€ltesten Schafe und Ziegen nicht vor die Jahrtausendwende. Dies und vorwiegend linguistische Argumente sind die Grundlage fĂŒr die Annahme einer âBantu-Wanderungâ. DafĂŒr fehlen bisher aber archĂ€ologische Belege.
In Ăthiopien wurden (möglicherweise sogar vor dem Eintreffen der vorderasiatischen Kulturpflanzen) Teff und Kaffee domestiziert.
Mit der um ebenfalls 3000 v. Chr. einsetzenden austronesischen Expansion verbreitete sich die Landwirtschaft mit den in SĂŒdchina kultivierten Pflanzen in SĂŒdostasien und dem pazifischen Raum. Da ein weiteres Domestikationszentrum zwischen Indien und SĂŒdchina von der Forschung als unwahrscheinlich erachtet wird, ist China demnach auch Ursprungsort des indischen Reis. In Neuguinea dagegen waren unter UmstĂ€nden bereits vor dem Eintreffen der sĂŒdchinesischen Kulturpflanzen die einheimischen JĂ€ger und Sammler dazu ĂŒbergegangen, Bananen und Zuckerrohr zu nutzen. Von Nordchina aus, wo Reis ab 3000 v. Chr. angebaut wurde, verbreitete sich die Landwirtschaft binnen eintausend Jahren nach Korea und schlieĂlich sehr spĂ€t nach Japan.
Der mesoamerikanische Ackerbau breitete sich nordwĂ€rts aus, wo er jedoch in den WĂŒstengebieten des heutigen Texas ein Hindernis fand. Womöglich fand die Domestizierung von Sonnenblumen, GĂ€nsefĂŒĂen, Maygrass und Topinambur im Osten der heutigen Vereinigten Staaten daher unbeeinflusst statt. Der KĂŒrbis, so bewiesen Gentests, wurde in insgesamt sechs verschiedenen Regionen domestiziert. Ebenso wurden zahlreiche andere Pflanzenarten mehrfach in unterschiedlichen Regionen kultiviert. In den peruanischen Anden und dem angrenzenden Amazonasbecken wurden daher vermutlich eigenstĂ€ndig Maniok und Kartoffeln domestiziert und erst spĂ€ter durch Mais ergĂ€nzt.
Ebenso wie in Mittelamerika mangelte es in SĂŒdamerika an geeigneten groĂen SĂ€ugetieren zur Domestikation. Einzig das Lama wurde fĂŒr den Lastentransport genutzt. Zur Fleischversorgung diente Charque, getrocknetes, in Streifen geschnittenes Lamafleisch, und es wurden Meerschweinchen gehalten.
In einigen Regionen der Erde hielt die Landwirtschaft â und damit die Jungsteinzeit â nie (d. h. mindestens bis zur europĂ€ischen Kolonialzeit) Einzug. Zum einen sind dies WĂŒsten- und Polar-Regionen, die sich grundsĂ€tzlich nicht zur landwirtschaftlichen Nutzung eignen. Zum anderen sind es Regionen, die erstens keine zur Domestikation geeigneten Arten in ihrer Flora und Fauna boten sowie zweitens durch WĂŒsten oder Ă€hnliche unwegsame Gebiete von den Entwicklungszentren der Landwirtschaft getrennt waren und daher nicht in Besitz geeigneter kultivierter Pflanzen und Tiere kamen (wie Australien). Heute stehen nur noch wenige Naturvölker auf einer Entwicklungsstufe vor der Jungsteinzeit.
Die meisten Werkzeuge aus Holz, Tierknochen oder Feuerstein waren denen aus der Alt- und Mittelsteinzeit sehr Ă€hnlich. Neu waren Beile und Ăxte, die durch SĂ€gen und Schleifen geschĂ€rft und zur SchĂ€ftung durchbohrt wurden. Ebenfalls neu war das Auftreten gebrannter TongefĂ€Ăe. In den meisten Regionen traten diese meist zur Bevorratung gebrauchten GefĂ€Ăe mit oder unmittelbar nach dem Entwicklung des Ackerbaus auf, in Japan dagegen aber schon weit vorher.
Mit der beginnenden Sesshaftigkeit entwickelte sich auch der Hausbau weiter. Im Gebiet der Alpen baute man HĂŒtten auf meterhohen StĂŒtzen (Pfahlbauten) an den Ufergebieten der Seen; eine Bauweise, die den periodischen Ăberflutungen der Seeufer angepasst war. Um die Dörfer baute man riesengroĂe ZĂ€une (Palisaden) zum Schutz vor Wölfen oder anderen Feinden. Auch im Seengebiet des Jangtsekiang und am Jangtsekiang-Delta wurde auf diese Weise gebaut.
In ĂatalhöyĂŒk wurden meist rechteckige HĂ€user aus Lehmziegeln und einem Holzgerippe gebaut. FĂŒr eine sesshafte Kultur war Grundbesitz und dessen Verteidigung von groĂer Bedeutung; OasenstĂ€dte wie Jericho wurden von meterhohen Mauern umgeben.
Die Entwicklung der Landwirtschaft und die daraus resultierende bessere Versorgungslage fĂŒhrte zu einem Anstieg der Bevölkerungszahl. Gleichzeitig spezialisierten sich Teile der Gruppe auf bestimmte TĂ€tigkeiten. Es bildete sich eine geistige und politische FĂŒhrungsschicht (Priester, StammesoberhĂ€upter, FĂŒrsten).
WĂ€hrend der Jungsteinzeit wurde auch die Metallbearbeitung entwickelt. Sie beschrĂ€nkte sich aber auf gediegen (elementar) vorkommende Metalle wie Gold, Silber und Kupfer. Die Ă€ltesten Kupferfunde stammen aus Kleinasien und dem Iran und sind ĂŒber 9000 Jahre alt. Aufgrund der Metallverarbeitung wird der letzte Abschnitt der Jungsteinzeit regional begrenzt als Kupfersteinzeit bezeichnet.
Innerhalb der Jungsteinzeit lassen sich (deutlicher als in der Altsteinzeit) archĂ€ologisch âtypischeâ Kulturen erkennen, die jeweils nach mehrhundertjĂ€hriger Dauer einander ablösten, beziehungsweise in eine neue Phase eintraten. Die archĂ€ologischen Funde und Fundsituationen weisen innerhalb von zeitlich und regional bestimmbaren Regionen Ăhnlichkeiten auf und deuten die Grenzen der einheitlichen KulturrĂ€ume an.
WĂ€hrend die Menschen der Levante nach neuesten Erkenntnissen bereits vor 13.000 Jahren Ackerbau betrieben, schlieĂt Mitteleuropa etwa 5000 (La-Hoguette-Kultur beziehungsweise Linearbandkeramik) bis 9000 Jahre spĂ€ter auf. Entlang den MittelmeerkĂŒsten wird SĂŒdeuropa und SĂŒdwesteuropa von der Impresso-Kultur, die auch Cardial-Kultur genannt wird, neolithisch. Die Trichterbecherkultur erreichte SĂŒdschweden und das Skagerrak.
Wichtige archÀologische StÀtten der Mittel- und Endphase der Jungsteinzeit (vor 6500 bis 4800 Jahren) und Nachfolger der Tempel auf dem Göbekli Tepe (Anatolien vor 11.000 Jahren) sind die Megalithanlagen und Menhire in Carnac (Frankreich), in Skara Brae (Schottland), die Tempel auf Malta sowie Newgrange und Knowth in Irland.
Der wichtigste Skelett-Fund aus der Endphase der Jungsteinzeit in Europa ist der als Ătzi bekannte âMann vom Hauslabjochâ, der vor ĂŒber 5000 Jahren gelebt hatte. Seine Leiche blieb als gefriergetrocknete Mumie im Eis des Similaungletschers erhalten. Er hatte typische GerĂ€tschaften der Jungsteinzeit wie Pfeil und Bogen bei sich und trug bereits ein Kupferbeil.
Ohne direkte Traditionslinien stehen die neolithischen Funde auf der Kykladeninsel Saliagos. Weder lassen sich VorlÀufer (z. B. in Anatolien) noch direkte Nachfolger in der bronzezeitlichen Kykladenkultur nachweisen.
Im mittleren Donauraum setzte das Neolithikum mit der StarÄevo-Kultur, in Griechenland mit der Sesklo-Kultur ein. Das Mittelneolithikum prĂ€gten auch die Alföld-Linearkeramik beziehungsweise die BĂŒkker Kultur in Nordungarn und der Slowakei. Das Endneolithikum war in Serbien und im Banat durch die VinÄa-Kultur, in Ungarn durch die TheiĂ-Kultur bestimmt. Am Ăbergang zum Mittelneolithikum bricht auf dem Balkan und im danubischen Raum die KontinuitĂ€t der Tell-Siedlungen ab.
Hier breitet sich das Neolithikum ab 5600/5500 v. Chr. vom Donauraum her mit der gut erforschten Bandkeramischen Kultur nach Norden bis an die Lössgrenze aus. Sie reichte schlieĂlich von Moldawien bis in das Pariser Becken. Parallel dĂŒrften sich in Enklaven, besonders aber an der Peripherie, mesolithische JĂ€ger- und Sammler gehalten haben. Der Bandkeramik folgte im westlichen Verbreitungsgebiet (etwa heutiges Deutschland) die Rössener Kultur, im Osten die Stichbandkeramik, die Oberlauterbacher Gruppe und die MĂŒnchshöfener Kultur.
Siehe auch: FrĂŒhneolithikum, Mittelneolithikum, Jungneolithikum, SpĂ€tneolithikum, Endneolithikum
Im Norden breitet sich das Neolithikum erst zwischen 4200 und 4000 v. Chr. mit der Trichterbecherkultur aus. Sie wird in ihrer Endphase im Osten von der Kugelamphoren-Kultur ĂŒberlagert. Es folgen ab 2800 v. Chr. von Westen die Glockenbecherkultur, von Osten die Schnurkeramische Kultur. Mit ihnen endet das Neolithikum in diesem Bereich. Die Trichterbecherkultur entwickelt Stufen, die durch den DĂ€nen C. J. Becker definiert, jedoch inzwischen wissenschaftlich differenziert wurde (siehe Grafik).
In Afrika steht die archĂ€ologische Erforschung der Jungsteinzeit noch am Anfang. Dadurch sind bis heute nur wenige detailliert beschriebene Komplexe bekannt, die die Bezeichnung archĂ€ologische Kultur verdienen, meist beschrĂ€nken sich die Kenntnisse auf gröĂere Regionen. Folgende Fundkompexe entsprechen am ehesten den Kriterien der europĂ€ischen Jungsteinzeit, sind jedoch jĂŒnger:
Durch die Entwicklung von Pflanzenbau und Tierzucht kam der Idee der Fruchtbarkeit in der Vorstellung des Menschen eine noch gröĂere Bedeutung zu. Analog zum SĂ€enâReifenâErnten wurde die Abfolge GeburtâLebenâTod in der Glaubenswelt bedeutend. Die Stellung der Frau als im frĂŒhen Ackerbau wesentliche Kraft stieg, analog der Rolle weiblicher Fruchtbarkeitsgottheiten in der Religion. Wie in den vorausgehenden Naturreligionen, den steinzeitliche Religionen, wurden KrĂ€fte in der umgebenden Tierwelt vermutet. Menschen-, tier- oder mischgestaltige ChimĂ€ren wurden Objekte der Verehrung.
Die vielfĂ€ltige und abwechslungsreiche Formung und Ornamentierung von Töpferware (Keramik) lĂ€sst ArchĂ€ologen einzelne GefĂ€Ăe (und damit FundplĂ€tze) einer bestimmten Kulturgruppe zuordnen. Als oft einziges verlĂ€ssliches Indiz fĂŒr eine Kulturstufe wird die Form oder Ornamentierung ihrer Keramik als typochronologische Leitform vielfach zur Bezeichnung fĂŒr die Kultur selbst herangezogen, zum Beispiel Trichterbecherkultur, Glockenbecherkultur, Bandkeramische Kultur, GrĂŒbchenkeramische Kultur oder Schnurkeramik.
Die Religionen der Jungsteinzeit, des nomadischen oder frĂŒhbĂ€uerlichen Neolithikums orientieren sich an den jahreszeitlichen Rhythmen der Natur. Man war auf die Erde als ErnĂ€hrerin fokussiert,[8] begann von kultivierten Pflanzen zu leben und erfuhr dabei den Himmel als die Ordnung gebende Kraft.[8] Die lebensweltlichen Erfahrungen aus dem Umgang mit der Erde und ihren Vegetationszyklen lieĂen religiöse Vorstellungen entstehen,[8] die einem ganz anderen Muster folgten, als unsere modernen monotheistischen oder Zivil-Religionen. Sie sind auf eine von schöpferischen KrĂ€ften durchwirkte Natur voller Geistwesen und Magie bezogen und stellen noch nicht, wie die spĂ€teren Hochreligionen, den Menschen in den Mittelpunkt. Die schriftlosen, mythischen Religionen der Jungsteinzeit gehen nicht von einmaliger Schöpfung aus, kennen keinen allmĂ€chtigen Schöpfergott und kein endzeitliches Gericht, das den Einzelnen zur Rechenschaft zieht.
Die jungsteinzeitlichen Religionen sind von Erfahrungen der Wiederkehr geprĂ€gt. Leben kehrt zu seinem Anfang zurĂŒck.[8] Dabei binden sich Tod und Leben zu einem Kreis zusammen, dessen HĂ€lften wie Tag und Nacht oder Sommer und Winter ein Ganzes bilden. Im bĂ€uerlichen Erfahrungshorizont wĂ€chst und reift die Vegetation im Herbst auf das Sterben zu â das Lebendige altert auf den Tod hin. Dann tritt es aus dem Tod wieder hervor, sprieĂt im FrĂŒhjahr aus der Dunkelheit der Erde, in die es gesunken war. Leben hat im Rahmen zyklischer Vorstellungen keinen Anfang und kein Ende, sondern folgt einem stĂ€ndigen Gestaltwandel. Leben und Tod erscheinen als zwei Seinsformen, die einander bedingen und sich hervorrufen. Der Vegetationskreislauf, der die Erfahrungen bĂ€uerlich lebender Menschen bis heute prĂ€gt, ist an die Sonne gekoppelt. Und so konnten im Neolithikum die Sonne, oder wie in den Anden die Sterne, manchmal auch der Mond, der gleichnishaft in stĂ€ndigem Gestaltwandel sich rhythmisch aus sich selber erneuert, das heiĂt es konnte der Himmel als symbolische GröĂe in neolithischen Kulturen als göttlich-schöpferische Manifestationen neben der Erde erscheinen.[8]