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Die Juraföderation (fr.: Fédération jurassienne) war die wichtigste antiautoritäre und anarchistische Sektion der Ersten Internationale. Ihr Zentrum befand sich im Schweizer Jura.
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Der Aufruf zum Zusammenschluss aller Arbeiter, der 1864 in London gegründeten Ersten Internationale, führte im Berner und Neuenburger Jura 1866 zur Bildung von Sektionen der Internationale. Besonders aktive Sektionen wurden in Le Locle von James Guillaume und in Sonvilier von Adhémar Schwitzguébel mitbegründet. Die Mitglieder der jurassischen Sektionen hatten vorwiegend Berufe in der Uhrenbranche und waren Uhrmacher, Graveure und Guillocheure, Uhrenschalen- und Federmacher. Dazu kamen viele politische Flüchtlinge, verbannte Anhänger der Pariser Kommune und russische Revolutionäre, wie Michail Bakunin.
Die Mitglieder der jurassischen Sektionen vertraten einen revolutionären Kollektivismus, bei dem die Produktionsmittel in kollektiven Besitz übergehen sollten und die Produktion auf föderalistischer Basis zur wirtschaftlichen und politischen Gleichheit führen würde. Sie lehnten die Wahlpolitik ab und kamen dadurch in Konflikt mit den anderen Westschweizer Sektionen in Genf. Dies führte schliesslich zur Spaltung der Sektionen in der Schweiz.
Am 12. November 1871 wurde als Folge der Spaltung in Sonvilier die Juraföderation – auch Jurassischer Bund und Jura-Bund genannt– gegründet. In der Juraföderation vereinigte sich die Mehrheit der Westschweizer Sektionen, die kollektivistische, antistaatliche und föderalistische Thesen vertraten und sich gegen die Beschlüsse der Londoner Konferenz von 1871 auflehnten. Die Juraföderation forderte im Zirkular von Sonvilier die Reorganisation der diktatorischen Londoner Internationale auf föderalistischer Basis und die Umwandlung des Generalrates in ein Korrespondenzbüro. Die Juraföderation und die anderen anarchistischen Sektionen wurden am Haager Kongress von 1872 ausgeschlossen.
Anarchisten der Juraföderation, wie James Guillaume, spielten eine Schlüsselrolle bei Peter Kropotkins Wandel zum Anarchismus. In den Memoiren eines Revolutionärs schrieb Kropotkin über seinen Aufenthalt im Jura im Jahre 1872:
«Die Art wie jeder jeden als Gleichen sah und behandelte, die ich in den jurassischen Bergen fand, die Unabhängigkeit im Denken und im Ausdruck, wie ich sie sich unter den dortigen Arbeitern entwickeln sah, und ihre grenzenlose Hingabe an die gemeinsame Sache sprachen meine Gefühle noch viel mehr an; und als ich die Berge nach einer guten Woche Aufenthalt bei den Uhrmachern wieder hinter mir ließ, standen meine sozialistischen Ansichten fest: Ich war ein Anarchist.»
– Peter A. Kropotkin: Memoiren eines Revolutionärs[1]
Die ausgeschlossene Minderheit der Ersten Internationale gründete 1872 in St-Imier die Antiautoritäre Internationale, die ihr Zentrum fortan im Jura hatte. Die Landesföderationen von Belgien, England, Holland, Italien und Spanien schlossen sich der Juraföderation an. Während ihres fünfjährigen Bestehens wurden vier Generalversammlungen abgehalten: 1873 in Genf, 1874 in Brüssel, 1876 in Bern und 1877 in Verviers (Belgien). Ihr Organ, das Bulletin de la Fédération jurassienne de l'Association internationale des travailleurs (1872–1878) zählte etwa 600 Abonnenten in rund zehn Ländern. In den Jahren 1873/74 gehörten der Juraföderation 300 bis 400 Aktivisten an, die sich in der Westschweiz auf rund zwanzig Sektionen verteilten.
Radikalisierung, die Restrukturierung der Uhrenindustrie und James Guillaumes Emigration nach Paris (1878) beschleunigten den Untergang der Juraföderation, die 1880 ihren letzten Kongress durchführte.