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Morgenavisen Jyllands-Posten (deutsch: Morgenzeitung Jütlands-Post) mit Sitz in Aarhus-Viby ist die größte dänische Tageszeitung mit einer durchschnittlichen Auflage von 120.000 Exemplaren pro Tag (1. Halbjahr 2009[2]). Allerdings nahm wegen der Konkurrenz von Gratiszeitungen und Nachrichtenportalen im Internet die Auflage seit Ende der 1990er Jahren im Gleichzug mit anderen dänischen Tageszeitungen kontinuierlich ab.[3] So lag im Juli 2011 die Auflage in Höhe von lediglich 99.032 Exemplaren erstmals unterhalb der Hunderttausend-Grenze.[1] Seit 2003 wird das Blatt von der Aktiengesellschaft JP/Politikens Hus herausgegeben, die auch die Tageszeitungen Politiken und Ekstra Bladet publiziert. Im Vergleich zu Politiken hat die Zeitung einen großen Wirtschaftsteil und einen kleineren Kulturteil.
Inhaltsverzeichnis |
Sie gilt als konservativ-wirtschaftsliberales Organ, wenngleich Flemming Rose, Herausgeber des Kulturteils, in einer Pressekonferenz zum Karikaturenstreit dieser Darstellung vehement widersprach und Jyllands-Posten als ein liberales Blatt beschrieb (liberal in the European sense of the word).[4]
Die Zeitung unterstützte zeitweise die Konservative Volkspartei Dänemarks;[5] einer ihrer Autoren in dieser Zeit war der dänische Pastor, Autor und Widerstandskämpfer Kaj Munk. Ein liberaler Rechtsschwenk erfolgte in den 1990er-Jahren. Medial lieferte Jyllands-Posten dem in der Mitte der 1990er-Jahre aufkommenden Rechtspopulismus um Pia Kjaersgaard und seit 2001 den einwanderungsfeindlichen Positionen des rechtsliberalen Anders Fogh Rasmussen "Begleitschutz".[6]
Die Zeitung ist insofern auch ein Sprachrohr für die anderen Regionen Dänemarks, die im zentralistischen dänischen Staat im ständigen Konflikt mit Kopenhagen, der Hauptstadt Dänemarks, stehen. Dies wird auch bei den Leserbriefen deutlich; Jyllands-Posten erhält oftmals Briefe von Lesern, die Einwanderung und der Europäischen Union gegenüber sehr kritisch eingestellt sind, und diese Leserbriefe werden, auch wenn sie sehr scharf formuliert sind, regelmäßig unkommentiert veröffentlicht. Die Position der Zeitungsredakteure gegenüber der EU liegt dagegen mehr auf der politischen Linie der derzeitigen Regierungsparteien als auf der der Linie der EU-skeptischen und radikal einwanderungsfeindlichen,[6] nationalkonservativen Dansk Folkeparti, so dass die Zeitung zur europäischen Integration kritisch, aber positiv zum EU-Verfassungsvertrag und zum Vertrag von Lissabon eingestellt ist.
Das Blatt stellt sich vor allem gegen die traditionell tolerante Haltung "Kopenhagens" in gesellschaftspolitischen Fragen und dessen Haltung zur 68er-Bewegung und ihren Folgen, versteht sich also als wertkonservativ. So lehnte sie z.B. 2003 ab, Jesuskarikaturen abzudrucken, da diese die Leserschaft beleidigen würden.[7] Beispielhaft für die Ausrichtung ist die Auseinandersetzung um das alternative Wohnprojekt Christiania, das von linksliberaler Seite Kopenhagens lange Zeit hingenommen wurde, während das Blatt und rechtspopulistische und konservative Politiker gegen dieses Projekt protestieren und polemisieren.[6]
Jyllands-Posten wurde am 2. Oktober 1871 als Zeitung mit bürgerlicher Prägung gegründet, die den gesamten jütischen Markt bedienen sollte. In ihrer Ausrichtung verhielt sie sich kritisch gegenüber der liberalen Partei Venstre und wandte sich gegen politische und kulturelle Københavneri,[8] das heißt gegen das Kopenhagen-favorisierende Gehabe (der Hauptstädter) auf Kosten des restlichen Landes.[9] Das Blatt tendierte ab 1877 zu einer konservativen Linie und begann unter Søren Wittrup Nielsens als Chefredakteur (1895-1927) eine ablehnende Haltung gegenüber dem Sozialliberalismus einzunehmen.[8]
Während des Ersten Weltkriegs entfaltete sich der subjektive Blickwinkel in antideutschen Tendenzen und es wurde eine dänische Wiedervereinigung mit dem gesamten Landesteil Schleswigs propagiert.[8] Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs nahm Jyllands-Posten Abstand zu Nazideutschland, indem es sich für eine Stärkung der dänischen Verteidigung aussprach, während die dänische Gesinnung in Südschleswig unterstützt wurde. Die Sowjetunion und ein Weltkommunismus wurden in dieser Zeit stark kritisiert,[10] die Gefahren eines deutschen Eroberungskrieges hingegen nicht in seinen Ausmaßen erkannt.[8] Im Gegensatz zu den führenden Zeitungen der Hauptstadt wandte sich Jyllands-Posten gegen den 1939 unterzeichneten Nichtangriffspakt zwischen der Regierung Dänemarks und dem Deutschen Reich.[10]
Auch wenn sich Jyllands-Posten 1938 zur unabhängigen, bürgerlichen Zeitung erklärte und sich von den dänischen Konservativen löste,[10] blieb sie Vorsprecher für einen politischen und wirtschaftlichen Liberalismus. Gleichzeitig vertrat das seit 1932 größte Provinzblatt Dänemarks jütländische Interessen, die auch die spätere Umgestaltung zur landesweiten Zeitung überdauerten, wenn auch in geringerem Maße.[8]
Ab den 1960er Jahren expandierte das Unternehmen, das Ende des Jahrzehnts auch den Markt in der Hauptstadtregion eroberte. Durch eine Namensänderung in Morgenavisen Jyllands-Posten 1969 und die Ausweitung der Redaktionen auf etliche Regionen des Landes wurde die Expansion manifestiert.[8] Zur gleichen Zeit erfolgte ein Zeitungskrieg im heimatlichen Århus gegen die konkurrierende Århus Stiftstidende, indem Jyllands-Posten Lokalausgaben für einzelne Stadtbezirke herausgab. Erst 1976 endete der Konflikt, indem ein Vergleich geschlossen wurde und sich Jyllands-Posten gegenüber der letzten verbliebenen Lokalzeitung der Stadt zurückzog.[11]
Die Einführung moderner Druckverfahren mittels Fotosatz führten ab 1973 zu einzelnen Arbeitsniederlegungen und gipfelten 1977 in einem dreiwöchigen Streik. Die Auseinandersetzung war einerseits ein Solidaritätsstreik für die Typografen der Kopenhagener Berlingske; auf der anderen Seite befürchtete das technische Personal, selbst Entlassungen hinnehmen zu müssen. Zwischen den Konfliktparteien wurden schließlich einzelne Abkommen ausgehandelt, von dem eines vorsah, dass sich die Jyllands-Posten aus dem dänischen Arbeitgeberverband (Dansk Arbejdsgiverforening) abmeldete.[12]
Zu den auflagenstärksten, seriösen Zeitungen Dänemarks, Berlingske und Politiken, schloss Jyllands-Posten Ende der 1980er Jahre auf und überholte sie im Kampf um Marktanteile Anfang der 1990er Jahre. 1995–1996 wurden auch die Boulevardblätter B.T. und Ekstra Bladet eingeholt und Jyllands-Posten nahm seither eine Spitzenposition auf dem dänischen Zeitungsmarkt ein.[8]
Im September 2005 veröffentlichte das Blatt zwölf Karikaturen unter dem Titel Das Gesicht Mohammeds (dänisch: Muhammeds ansigt). Diese stellten Mohammed unter anderem als Terroristen dar. Da die Abbildung von Mohammed im Islam nicht erlaubt ist, wurde gegen diese Karikaturen demonstriert und von den Demonstranten teils eine Bestrafung der Zeitung und der Karikaturisten gefordert. Dies wurde unter anderem von der Regierung mit der Begründung der geltenden Presse- und Meinungsfreiheit abgelehnt. Später wurde jedoch bekannt, dass die gleiche Zeitung Jesus-Karikaturen abgelehnt hatte, weil diese die religiösen Gefühle der Leser verletzen würden[13]. Durch weitere Veröffentlichungen der Karikaturen in europäischen Zeitungen entwickelte sich daraus eine internationale diplomatische Krise zwischen der EU und einer Reihe von Staaten, in denen die Bevölkerungsmehrheit muslimisch ist, insbesondere arabischen Ländern und dem Iran. U.a. wurde in einigen Ländern der Boykott dänischer Produkte gefordert, bei Demonstrationen dänische Flaggen verbrannt und Botschaften gestürmt. 2008 veröffentlichte die Zeitung erneut Mohammed-Karikaturen. Der verantwortliche Feuilletonchef der Zeitung Flemming Rose sieht die Aktion im Rahmen eines „täglichen globalen Kampfes für die freie Meinungsäußerung”.[14]
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