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Die Königspfalz Frankfurt, historisch inkorrekt oft auch Kaiserpfalz Frankfurt, war ein wichtiger Stützpunkt der karolingischen und ottonischen Könige und Kaiser. Sie entstand Anfang des 9. Jahrhunderts wahrscheinlich unter Ludwig dem Frommen, dem Sohn von Karl dem Großen, und ersetzte die profanen Gebäude der Merowinger des 7. Jahrhunderts, die die Gegend um Frankfurt am Main ihrerseits von den Alamannen erobert hatten. In den folgenden zwei Jahrhunderten kam es wiederholt zu Umbauten und Erweiterungen der Anlage, dabei entstanden auch die Vorgängerbauten des heutigen Doms.
Ab dem 11., spätestens jedoch im 12. Jahrhundert verlor die Pfalz durch Brand, Wiederaufbau und Abbruch ihre Bedeutung als Niederlassung deutscher Herrscher. Ihre Reste verschwanden für fast tausend Jahre unter der nachfolgenden bürgerlichen Bebauung des Mittelalters, die Pfalzkirche ersetzte schrittweise der gotische Dom.
Die Staufer errichteten in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts eine neue Königsburg am Main, den noch heute teilweise erhaltenen Saalhof. In der frühen Neuzeit setzte die Suche nach der Pfalz ein, die Gelehrte und Wissenschaftler mangels sichtbarer baulicher Reste der karolingisch-ottonischen Anlage über Jahrhunderte mit dem Saalhof gleichsetzten.
Erst nach der Zerstörung der Frankfurter Altstadt im Zweiten Weltkrieg konnten archäologischen Ausgrabungen die Pfalz an ihrem tatsächlichen Standort aufdecken. Ihre Reste werden seit Anfang der 1970er Jahre im Archäologischen Garten präsentiert. Im Zuge der Rekonstruktion eines kleinen Teils des ehemaligen Altstadt ist auch geplant, diesen ab 2012/13 bei Erhalt der Funde zu überbauen.
Inhaltsverzeichnis |
Frankfurt am Main liegt in der Untermainebene, einem Teil der hessischen Senke, die von der oberrheinischen Tiefebene den mitteleuropäischen Graben nach Norden fortsetzt. Im Pleistozän, also zwischen 2,5 Millionen und 10.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung, bildeten sich dort drei wesentlich zu unterscheidende Geländeebenen aus, die als Haupt-, Mittel- und Niederterrasse bezeichnet werden. Die Niederterrasse in Flussnähe ist durch Ablagerungen von Schotter und Sanden geprägt.
Die Ebene der Hauptterasse bildet das Plateau des Berger Rückens, die in einer geologischen Scholle als Kalksteinbarriere bis zum Sachsenhäuser Berg reichte. Die Scholle zerschnitt der Main zwischen dem Röderberg im Norden und dem Mühlberg im Süden, was eine über lange Zeit von Überschwemmungen, Sümpfen und Flussläufen geprägte Talenge begründete, welche jedoch zugleich die beste Zugangsmöglichkeit zum Fluss eröffnete.[1]
Im Holozän setzten sich einzelne Flüsse innerhalb der Niederterrasse ab und schnitten dann allmählich in den abgelagerten Schotter, was zur Ausbildung einzelner hochwasserfreier Anhöhen führte. In der gleichen Epoche lagerte sich ausgeschwemmter Auenlehm im gesamten heutigen Stadtgebiet ab, der heute den geologischen Untergrund sämtlicher darüber befindlicher Kulturschichten darstellt.[2]
Der Domhügel, auf dem Königspfalz und der namensgebende Dom später errichtet wurden, war eine solche hochwasserfreie Anhöhe der Niederterrasse von etwa 325 Metern Länge und 125 Metern Breite. Im Norden schützte das Gelände ein vermoorter Altarm des Main, die Braubach, im ungefähren Zuge der heutigen Straße; im Osten, jenseits der heutigen Fahrgasse, das sumpfige Fischerfeld. Südlich begrenzte der etwa 100 Meter nördlich des heutigen Ufers verlaufende Main, und im Westen begann ungefähr am heutigen Römerberg abermals eine moorige Senke.
Nur auf Höhe des Römerberges führte ein schmaler Landsteg vom etwas weiter westlich gelegenen, ebenfalls hochwasserfreien Karmeliterhügel an der Stelle des jetzigen Klosters gefahrlos in das daher auch als Dominsel bezeichnete Gebiet.[3] Südwestlich des Landstegs lag die von Kalkfelsen gebildete Furt etwa am heutigen Fahrtor, der Frankfurt nicht nur den Namen, sondern überhaupt seine Existenz verdankt. Sie verschwand erst im 19. Jahrhundert bei der Ausbaggerung des Mains zugunsten des zunehmenden Schiffsverkehrs.[4]
Bodenfunde zeigen eine regelmäßige Besiedelung des Domhügels seit der Jungsteinzeit,[3] eine Siedlungskontinuität bestand spätestens seit der Spätantike.[5] Nach der weitgehenden Zerstörung der römischen Niederlassung auf dem Domhügel im Zuge des Limesfalls ließen sich dort Anfang des 3. Jahrhunderts Alamannen nieder. Kurz nach 531 wurden diese von Franken, geführt vom Herrschergeschlecht der Merowinger, vertrieben.[6]
Die Könige des nun anbrechenden Mittelalters hatten keinen festen Herrschaftssitz, sondern reisten mit ihrem großen Gefolge durch das Reichsgebiet, in dem sie eine größere Zahl von Landgütern besaßen. Dies war Folge eines Mangels an Verwaltungseinrichtungen, einer mündlichen Regierungsweise sowie der Tatsache, dass die Bewirtschaftung des gesamten Hofstabes einer Region immer nur für eine bestimmte Zeit zuzumuten war. Nur wirtschaftlich besonders leistungsfähige und zu Land und Wasser gut erschlossene Landgüter wurden durch Baulichkeiten in die Lage versetzt, auch über längere Zeiträume den königlichen Hof aufzunehmen.[7]
Eine Frankfurter Anlage aus merowingischer Zeit respektive dem 7. Jahrhundert wird als Haupthof eines solchen Reichsgutes angesehen. Schriftliche Nachweise über die Existenz finden sich zwar erst im frühen 9. Jahrhundert, die Anfänge dürften aber mindestens im 8. Jahrhundert anzusiedeln sein. Der Frankfurter Reichsgutbezirk erstreckte sich über ein grob fassbares Gebiet von etwa 20 x 22 km zwischen Kelsterbach und Bürgel mit Teilen des Reichsforstes Dreieich; der Kernbezirk war zwischen Main und Nidda, Nied bis Bischofsheim mit einer nördlichen Ausdehnung bis etwa Hausen und Seckbach abzugrenzen. Nebenhöfe lagen in Griesheim, Vilbel, Seckbach und Kelsterbach.[8]
Nach archäologischer Kenntnis – Schriftzeugnisse liegen für diese Zeit nicht vor – handelte es sich bei den Gebäuden des Hofes auf dem Domhügel um eine rund 11,5 Meter lange und 7 Meter breite Marienkirche im südlichen Bereich des heutigen Domturmes, in der Forschung auch als Apsidenbau bezeichnet.[9] Nordöstlich davon stand ein etwa 10 Meter langes und rund 4,5 Meter breites, mit nachrömischer Fußbodenheizung ausgestattetes Gebäude, der sogenannte Bau I. Seine Funktion ist von der Forschung nicht völlig geklärt, zur Darstellung siehe Die Domgrabungen 1991–93 in der Kritik.
In dem nach Befund schon bald wieder verfallenden Bau I wurde Ende des 7. Jahrhunderts ein hochadeliges Mädchen mit reichen Grabbeigaben bestattet, dessen ungestörtes Grab man erst 1992 wieder entdeckte. Das Mädchen stammte wahrscheinlich aus einem Seitenzweig der Agilolfinger respektive der Familie des 823 in Frankfurt urkundlich genannten Fiskusverwalters Nantcharius, die in der Region schon seit dem frühen 7. Jahrhundert bezeugt ist.[10][11]
Von einem westlich der sakralen Gebäude gelegenen, profanen Hof des Königs oder eines Statthalters sind dagegen nur sehr wenige Spuren erhalten. Auch deswegen kann er nur grob in das 7. oder 8. Jahrhundert datiert werden. Die jüngere Forschung geht dennoch von einer Gesamtanlage in merowingischer Zeit aus, die sich insgesamt über fast 100 Meter Breite auf dem Domhügel erstreckte.[12]
Es liegt nahe, die Königspfalz Frankfurt mit dem legendären Gründer der Stadt, Karl dem Großen, in Zusammenhang zu bringen, anlässlich dessen Reise von Würzburg nach der „villa Franconovurd“ die Stadt in den letzten Tagen des Jahres 793 zum ersten Mal namentlich erwähnt wurde. Wichtigste Ereignisse während seines anschließenden neunmonatigen Aufenthalts waren die Feier des Osterfestes, die im Juni abgehaltene Synode von Frankfurt, und der Tod seiner Frau Fastrada am 10. August 794.[13] Nach seiner Abreise kehrte er, soweit bekannt, zeitlebens nicht in die Stadt zurück.
Ob der Bau einer Königspfalz in dieser Zeit tatsächlich erfolgt war bzw. erfolgte, oder erst unter seinem Sohn, Ludwig dem Frommen, ist aufgrund der archäologischen Befunde und erhaltenen Schriftzeugnisse nicht restlos zu klären.[14] In der Forschung überwiegt in den letzten Jahrzehnten jedoch die Meinung, dass erst Ludwig der Fromme als Bauherr tätig wurde; zur Darstellung siehe Diskurs um den Bauherren der Königspfalz. Die Synode 794 wird, der mehrheitlichen Auffassung folgend, in den archäologisch nur in geringem Umfang belegten Gebäuden der merowingischen Epoche stattgefunden haben.[15] Holzbauten auf dem Domhügel, Zeltlager sowie eine Unterbringung in den übrigen königlichen Höfen des Fiskus kommen ebenfalls zur Unterbringung in Frage, können aber naturgemäß nicht mehr nachgewiesen werden.[16]
Der Großteil der Mauern im heutigen Archäologischen Garten sind demnach die Reste der wohl 815 vom Sohn Karls des Großen in Auftrag gegebenen und spätestens bei seinem nächsten Besuch 822 fertiggestellten Pfalz. Für die Ansprüche bei der Ausführung spricht nicht nur die Tatsache, dass man dabei große Teile der merowingischen Vorgängerbauten selbst im Erdreich beseitigte, sondern auch, dass fast die kompletten Umfassungsmauern trotz der massiven Eingriffe der späteren mittelalterlichen Bebauung, bis heute überdauert haben.
Die Fundamente bestehen aus hammerrechten Kalk- und Basaltlavastücken; das aufgehende Mauerwerk setzt sich, unregelmäßig, teilweise aus Sandsteinquadern, teilweise aus Basalt-, Kalk- und Sandbruchsteinen zusammen. An der besonders gut erhaltenen Nordostecke ist eine Eckquaderung aus sorgfältig bearbeiteten Sandsteinen zu beobachten. Im Zusammenhang mit der Uneinheitlichkeit des übrigen Mauerwerks deutet dies darauf hin, dass der Bau einst weitgehend verputzt und nur die Eckquaderung steinsichtig belassen war. Der weißliche und kiesreiche Kalkmörtel wurde bereits in den Fundamenten gußartig eingeschüttet und weist noch heute eine betonähnliche Härte auf.
Den Hauptbau, die aula regia, also Königshalle, stellte ein 26,5 Meter langer und 12,6 Meter breites Gebäude dar. Aufgrund der Mächtigkeit der Mauern von rund 0,9 Metern und der Tatsache zumindest eines ergrabenen Innenpfeilers gilt eine ursprüngliche Zweistöckigkeit als gesichert. Der Sitz des Herrschers war im Obergeschoss anzunehmen. An der Westseite des Gebäudes schlossen gleichartige, quadratische Anbauten im Norden und Süden an. An der Westwand war ein weiterer, archäologisch nur schwach belegter Baukörper angebaut, der wohl als Vorhalle und Treppenhaus zu den Obergeschossen diente.
Etwa drei Meter östlich der Königshalle war eine Torhalle errichtet worden, deren zeitgenössische Funktion von der Forschung nicht eindeutig geklärt ist. Auffällig ist ihr leichter Versatz nach Norden gegenüber dem Pfalzgebäude, wodurch die Bauflucht des Apsidenbaus bewusst respektiert wurde. Wahrscheinlich handelte es sich um den Auftakt zu einer Kirchenanlage mit Atrium, die in der Regierungszeit Ludwigs des Frommen, vielleicht wegen der Streitigkeiten mit seinen Söhnen, nicht mehr realisiert werden konnte.[17] Im Juli 832 hielt er sich zum sechsten und letzten Mal in seinem Leben in der Frankfurter Pfalz auf und hatte diese im Gegensatz zu seinem Vater im Durchschnitt auch alle zwei bis drei Jahre aufgesucht.[18]
Den Wunsch des Vaters, Frankfurt am Main mit einem angemessenen Sakralbau auszustatten, erfüllte erst der dritte Sohn von Ludwig dem Frommen, Ludwig der Deutsche, der die Stadt neben Regensburg zu seiner Hauptpfalz, dem „principalis sedes orientalis regni“,[Übersetzung 1] ausbaute.[19][20] Im Bereich des Langhauses des heutigen Kaiserdomes entstand die 852 geweihte Salvatorkirche, in der Forschung (vor dem Hintergrund des bis vor kurzem angenommenen Bau II an etwa gleicher Stelle, siehe Die Domgrabungen 1991–93 in der Kritik) auch als Bau III bezeichnet.[21][10]
Durch die Weihenachricht handelt es sich bei der Salvatorkirche um das älteste Gebäude auf dem Frankfurter Domhügel überhaupt, das sowohl genau zu datieren als auch eindeutig einem Bauherren zuzuordnen ist. Auch ist es archäologisch durch zahlreiche Grabungskampagnen seit dem 19. Jahrhundert hervorragend dokumentiert und zu rekonstruieren.[22]
Typologisch handelte es sich beim dem Bauwerk demnach um eine dreischiffige Basilika mit direkt an das Querschiff angesetzter halbrunder Ostapsis. Das Querschiff war in Anlehnung an antike Vorbilder „durchgeschoben“ gestaltet, es wies also die gleiche Höhe wie das Mittelschiff auf. Der Beweis dafür ist die Tatsache, dass die Vierung in der Verlängerung der Mittelschiffsmauern bei diesem Bautyp nicht ausgeschieden war, wofür archäologisch keine Mauervorlagen nachgewiesen werden konnten.[23]
Die Innenmaße der Kirche betrugen 29,80 Meter Länge bei 22,20 Metern Breite.[24] Die Ostapsis wies mit 7,20 Metern exakt dieselbe Breite wie das Mittelschiff auf,[25] die Seitenschiffe dürften etwa 4,20 bis 4,30 Meter breit gewesen sein. Eine Trennung von Mittel- und Seitenschiffen durch Pfeilerreihen gilt durch als gesichert, über ihre Anzahl und Ausformung kann jedoch nur spekuliert werden, da hierzu bisher keine archäologischen Funde gemacht werden konnten.[26]
An die unter Ludwig dem Frommen noch unvollendeten Torhalle östlich der Königshalle wurde zeitgleich ein Gang angesetzt, der dem Herrscher den überdachten Weg zum neuen Kirchbau ermöglichte. Zeitgleich zum Bau der Basilika wurde ein Kanonikerstift begründet, das später zu den einflussreichsten im Heiligen Römischen Reich zählen sollte. Auffällig ist, dass die Mittellinie der neuen Basilika genau mit dem Grab des merowingischen Mädchens fluchtete, das dort vor mittlerweile fast 300 Jahren bestattet worden war. Wohl bewusst blieben sowohl das Grab als auch die Reste des bereits im 7. Jahrhundert wieder verfallenen Bau I unversehrt im Boden erhalten.
Die Pfalz erfuhr im Laufe der Jahrhunderte mehrfache Erneuerungen und Vergrößerungen. Spätestens um das Jahr 1000 wurde Pfalzanlage und die darum anzunehmende kleine Stadt unter den ottonischen Herrschern mit einer Mauer umgeben. Der Zentralbezug der Mauer auf die Pfalz als auch der urkundlich bezeugte regelmäßige Besuch des sächsischen Herrschergeschlechts lässt die gegenüber den Karolingern ungebrochene Bedeutung von Frankfurt erkennen. Insgesamt 40 Aufenthalte machten die hiesige Anlage zusammen mit der in Ingelheim zur bedeutendsten ihrer Zeit im Rhein-Main-Gebiet. In die gleiche Epoche fallen auch größere Umbauten an der Salvatorkirche.
Die alte Apsis im Osten wurde durch ein Presbyteriumsjoch mit gestelzter, halbrunder Apsis ersetzt. Im Westen erhielt das Gebäude ein Westwerk mit Empore, wobei auch das Merowingergrab unter Pfeilerfundamenten verschwand. Es liegt nahe ein, dass das sächsische Adelshaus im Gegensatz zum fränkischen Adelsgeschlecht dazu keinen Bezug mehr herstellen konnte. Dem Westwerk vorgesetzt waren direkt nebeneinander stehende Zwillingstürme, die vermutlich die Empore erschlossen und auch als Glockentürme dienten. Der Abstand zur merowingischen Marienkirche wurde damit weiter reduziert, ein Abbruch kann trotz seiner ungeklärten Bestandsdauer zumindest im Zusammenhang mit dem ottonischen Ausbau der Salvatorkirche jedoch ausgeschlossen werden.
Unter der Dynastie der Salier verlor Frankfurt am Main – gemessen an den Königsbesuchen – rapide an Bedeutung. Die Synode von 1027 unter dem gerade gekrönten Kaiser Konrad II. stellte das letzte große Ereignis des 11. Jahrhunderts dar, bis zum ersten Besuch eines staufischen Herrschers im Jahr 1140, also in über 100 Jahren, sind nur noch fünf weitere Königsaufenthalte nachzuweisen. Die Gründe für diese Veränderung sind unbekannt, in der Forschung ist der Zeitpunkt, an dem sich eine archäologisch belegbare Brandkatastrophe ereignete ebenso umstritten wie der des endgültigen Abbruches und der Überbauung der Pfalz; zur Darstellung siehe Diskurs um den Niedergang der Königspfalz.
Unabhängig vom Zeitpunkt stellte das Fernbleiben der Salier den Anfang vom Ende der Königspfalz dar. Die Staufer, die Frankfurt ab Mitte des 12. Jahrhunderts wieder als kaiserliche Residenz und Ort von Reichstagen förderten, errichteten ihre Königsburg in den folgenden Jahrzehnten südwestlich des Domhügels am Main. Teile dieses Baus bestehen als Saalhof noch heute, hier befindet sich das Historische Museum Frankfurt. In den Kellern von Bürgerhäusern der nun rasch wachsenden mittelalterlichen Stadt blieben die Reste der Pfalz konserviert; an der Westmauer der Königshalle sind noch Kragsteine erhalten, auf denen die Balkendecken mehrgeschossiger Keller am Markt und im Tuchgaden aufbauten.
Im Spätmittelalter verschwanden mit dem sukzessiven gotischen Neubau des Domes auch die sakralen Bauten der einstigen Königspfalz aus dem Stadtbild. Während die karolingische Salvatorkirche wohl spätestens im Laufe des 14. Jahrhunderts weichen musste, blieb die merowingische Marienkirche vielleicht noch bis 1415 erhalten – in jenem Jahr erfolgte an ihrer Stelle die Grundsteinlegung des Domturms. Dessen Fundamente setzen nach archäologischem Befund direkt auf den vorgefundenen Reste der Kirche auf.
Im Zuge des Humanismus erwachte zu Beginn der frühen Neuzeit auch in Frankfurt am Main allmählich ein Interesse am Ursprung der Stadt und die Suche nach der urkundlich erwähnten Pfalz, beginnend mit dem Stiftsdekan und Historiker Johannes Latomus im Jahr 1562.[27] Das seinerzeit einzige, besonders altertümlich wirkende und frei stehende Bauwerk im Zentrum der Altstadt war jedoch offenbar der Saalhof, den er folglich mit dem Bau Ludwigs des Frommen gleichsetzte.[28]
Anfang des 18. Jahrhunderts folgte der Chronist Achilles Augustus von Lersner,[29] führte aber zusätzlich eine „Zwei-Pfalzen-Theorie“ mit der Vermutung ein, eine eigenständige, von Karl dem Großen erbaute Pfalz an der Stelle der Leonhardskirche zu lokalisieren.[30] Zur Grundlage seiner Annahme machte er die Urkunde von 1219, mit der der staufische Herrscher Friedrich II. den Boden, auf dem die Kirche entstehen sollte, der Bürgerschaft schenkte.[31] In der Urkunde ist die Rede von „area seu curtis“.[Übersetzung 2] Auszuschließen ist ein Vorgängerbau bisher tatsächlich nicht, da an der ältesten stehenden Kirche der Altstadt seit 2011 zum ersten Mal überhaupt archäologische Untersuchungen durchgeführt werden.[32]
Im 19. Jahrhundert verfestigte sich die Theorie zweier Pfalzen weiter, Vertreter waren unter anderem Johann Georg Battonn, Anton Kirchner und Georg Ludwig Kriegk.[27] Anlässlich des Abrisses von Teilen des Saalhofes 1842/1843 zugunsten des noch heute erhaltenen, frühistoristischen Burnitzbaus untersuchte der Autodidakt Georg Heinrich Krieg von Hochfelden diesen ausführlich. Große Teile sah er als romanisch an, hielt aber weiter den Kern für karolingisch, und lieferte auch ansonsten ungenaue, teils spekulative Angaben.[33]
Dennoch prägten seine Zeichnungen und Vermutungen für fast ein Jahrhundert Forschung und Literatur. Selbst der dritte, 1902–14 erschienene, und mit Rudolf Jung vom damaligen Leiter des Stadtarchivs mitverfasste Band des bis heute maßgeblichen Standardwerkes Die Baudenkmäler in Frankfurt am Main übernahm sie nahezu unverändert.[34] Trotz manch in Details kritischer Arbeit kam es vor allem mangels weiterer tatsächlicher Untersuchungen der Bausubstanz bis in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg zu keiner stichhaltigen Argumentation gegen die Gleichsetzung des Gebäudes mit der Königspfalz.[35]
Erst in den 1920er Jahren kehrte man zur Grundidee von Latomus zurück, konnte sich aber noch nicht vom Saalhof lösen, 1932 vermutete Karl Nahrgang das Gebäude gar in Sachsenhausen.[27] 1936 kam Heinrich Bingemer durch das über das Frühmittelalter hinausgehende Quellenstudium zu dem Schluss, dass die Pfalz unter dem Domhügel liegen müsse. Dies folgerte er aus einem historischen Bericht, nach dem ein überdachter Gang von der Salvatorkirche, also dem Vorgängerbau des heutigen Domes, in die Pfalz geführt habe.[36]
Nicht nur im Umkehrschluss, sondern auch im Zuge einer kurzen Grabung konnte er zudem den Saalhof erstmals korrekt als rein romanisches Gebäude datieren. Da Bingemer seine Erkenntnisse nicht veröffentlichte, und diese nur in Vorträgen, mit Verweis darauf, dass der Standort der Königspfalz auf dem Domhügel durch die Archäologie bestätigt werden müsse, vertrat, wurden sie in Forschung und Literatur zunächst nicht rezipiert.[37] Handlungsspielraum für Archäologen war durch die äußerst dichte Bebauung des in Frage kommenden Areals jedoch nicht vorhanden.
Im März 1944 zerstörten alliierte Bombardements die gesamte Frankfurter Altstadt und ermöglichten damit die größte und bedeutendste Altstadtgrabung, die es in Deutschland bis heute gegeben hat.[38] Allerdings war die Stadtarchäologie durch die Kriegsereignisse rund sieben Jahre gelähmt, so dass in vielen Teilen der Stadt, insbesondere jedoch im Ostteil des Domhügels, eine Wiederbebauung ohne vorherige Untersuchung des Kulturbodens stattfand. Erst 1952 erhielt Hans Jürgen Hundt den Auftrag zum Wiederaufbau des Museums für Früh- und Vorgeschichte – seit 2002 Archäologisches Museum Frankfurt – so dass im Folgejahr Grabungen auf dem Dom-Römer-Areal, also dem Westen des Domhügels, anlaufen konnten.
Bereits im selben Jahr stießen die Archäologen, darunter Hundt, Dietwulf Baatz, Walter Sage und Otto Stamm, im Keller des einstigen Hauses Goldene Waage auf die Nordostecke der Königshalle. Im weiteren Verlauf der „klassischen Periode“ der Altstadtforschung auf dem Domhügel, die bis 1957 andauerte, konnten die Pfalz und ihre Anbauten in ihren Dimensionen nahezu vollständig dokumentiert werden.[39] Die von Stamm bereits 1955 in der Zeitschrift Germania als Vorabbericht publizierten Ergebnisse im Kontext der historischen Quellen zur Königspfalz sind bis heute das Schlüsselwerk der modernen Pfalzforschung.
Anschließende Grabungen am Saalhof unter der Leitung von Stamm konnten auch Bingemer bestätigen und damit endgültig beweisen, dass die staufisch-romanische Königsburg am Main nicht mit dem Aufenthalt Karls des Großen oder der Königspfalz in Zusammenhang stand.[40] Bereits im Frühjahr 1955 waren unter Stamm auch die Reste einer merowingerzeitlichen Kirche – der sogenannte Apsidenbau – unter dem Domturm aufgedeckt worden, der jedoch bis 2007 in keinem veröffentlichten Plan der Altstadtgrabungen eingetragen und somit selbst der Forschung weitgehend unbekannt war.[41]
Die für die Archäologen in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg endete 1969, als der rasante Wiederaufbau der Stadt auch den Westen des Domhügels erfasste: Binnen kürzester Zeit wurden die stellenweise fast vier Meter hohen Kulturschichten für den Bau des U-Bahnhof Dom/Römer, den Neubau des Historischen Museums, einer Tiefgarage sowie schließlich des Technischen Rathauses bis auf den geologischen Untergrund abgebaggert. Damit gingen erhebliche Teile des nicht vollständig untersuchten ältesten Frankfurter Siedlungsbodens für immer verloren. Für die Forschung stellt dies insbesondere in Anbetracht der Vernichtung großer Teile auch der schriftlichen Überlieferung bei der Zerstörung des Frankfurter Stadtarchivs einen erheblichen Lückenschlag dar.
Als Zugeständnis an die Archäologie wird das Areal der einstigen Königspfalz mit den Ausgrabungsresten seit 1973 im Archäologischen Garten präsentiert.[42] Da das umgebende Gelände durch den Bau der Tiefgarage künstlich über das tatsächlich bis 1944 vorhandene Niveau angehoben wurde, ergibt sich dabei, gerade nach Norden und Westen hin, der Eindruck einer tiefen Grube, obwohl das Niveau zwischen Pfalzboden und letzter historischer Oberfläche nur etwa zwei Meter betrug.[43] Des Weiteren liegt das Fußbodenniveau zwischen heutigem umd historischem Pfalzboden um 50 bis 80 cm tiefer, so dass nicht nur die Mauern, sondern auch die Fundamente der Königshalle zu erkennen sind. Auch sind einige Befunde sichtbar nicht mehr in situ erhalten, sondern wurden aus Gründen der Didaktik modern aufgemauert.[44]
Otto Stamm war in seinem Vorabbericht von 1955 deutlich für Ludwig den Frommen als Bauherren der Königspfalz und damit eine Bauzeit von etwa 815 bis 822 eingetreten. Mangels der genauen Datierbarkeit der archäologischen Funde begründete er dies im Wesentlichen dadurch, dass trotz der zahlreichen Schriftzeugnisse zu den Geschehnissen des Jahres 794 in Frankfurt am Main kein einziges für die Bauforschung verwertbar ist, wohl aber die ab 815.[45]
Marianne Schalles-Fischer trat dem 1969 in der ersten großen wissenschaftlichen Arbeit zur Frankfurter Pfalz im 20. Jahrhundert entgegen, und setzte sich für bereits 794 vorhandene, im Auftrag Karls des Großen errichtete Pfalzgebäude ein. Kritik an der Deutung durch Schalles-Fischer regte sich schnell,[46] vollständig widerlegt wurde sie aber erst durch die 1985 bis 1996 von Elsbet Ort, Michael Gockel und Fred Schwind in der Reihe Die Deutschen Königspfalzen publizierten Arbeit zur Frankfurter Pfalz. Letztere muss trotz in Teilen bereits wieder von der jüngsten Forschung überholter Passagen insbesondere in Hinblick auf die vollständige Aufführung und Regestierung aller Quellen zur Frankfurter Pfalz vom Früh- bis in das Spätmittelalter als grundlegendes Standardwerk gelten.[47]
Schalles-Fischer sah in Frankfurt u. a. die „planvolle Neugründung einer königlichen Pfalzanlage durch Karl den Großen“, die dieser durch Anlage der Wormser Straße erschlossen habe.[48] Für diese Annahme konnte sie allerdings keine Belege liefern. Argumente auf urkundlichem Wege suchte sie des Weiteren in frühen Attributierungen von Frankfurt mit „palatium“, die zunächst tatsächlich bereits für 794 überliefert sind.[49]
Anlässlich der Synode überwiegt in den Schriftquellen die Bezeichnung als „villa“, was auf den noch vorhandenen merowingischen Königshof hindeutet.[50] Zwei ebenfalls 794 in Frankfurt mit dem Zusatz „palatio“ ausgefertigte Urkunden – von Schalles-Fischer angeführt – sind jedoch nicht mehr im Original, sondern nur in drei späteren, untereinander abweichenden Abschriften (eine sogar ohne „palatio“) überliefert, was ihre Beweiskraft zumindest im Kontext der Bauforschung erheblich schmälert.[51]
Eine dritte Erwähnung, ebenfalls von Schalles-Fischer verwandte Nennung der Gebäude während der Synode mit „in palatio retinendum“ ist kontextbezogen weniger mit „an der Pfalz Frankfurt zurückbehalten“ als eher mit „am Hof“ zu übersetzen.[52][53] Einzige im lokalen Sinn gebrauchte zeitgenöossische Erwähnung bleibt somit ein Bericht italienischer Bischöfe, die Synode habe „in aula sacri palatii“ stattgefunden. Auch hier ist jedoch zu berücksichtigen, dass bereits die Anwesenheit des Königs eine solche Bezeichnung rechtfertigte, die Versammlung kann also auch in der so bezeichneten aula der domus regalis des Wirtschaftshofes oder in der Kirche zusammengetreten sein.[54]
Abstrakt spricht gegen eine Bautätigkeit unter Karl dem Großen auch, dass eine solche im Gegensatz zu Aachen, Ingelheim, Paderborn, Nimwegen, dem Main-Donau-Kanal oder der Errichtung der Rheinbrücke bei Mainz nicht explizit festgehalten wurde, obwohl die Überlieferung zu den genannten Projekten zeigt, dass das Interesse daran bestand, diese zu dokumentieren.[50] Dies wird noch dadurch unterstrichen, dass, soweit überliefert, sein Aufenthalt in Frankfurt der einzige seines Lebens geblieben ist.
Offen bleibt, wieso Karl der Große die Stadt aufsuchte, die damals zum ersten Mal namentlich aus dem Dunkel der Geschichte trat, sie zum Ort einer bedeutenden Synode machte, und sich dort insgesamt acht Monate aufhielt. Spekuliert wird über eine kurzfristige Entscheidung vor dem Hintergrund der für das Jahr 793 überlieferten Missernten, die demnach vor allem den Westen und Süden des Reiches schwer getroffen hatten. Somit empfahl sich vielleicht der bis dato unbekannte Königshof im Osten des Reiches, der von den Missernten weniger betroffen war, als Ort für die Unterbringung und Verpflegung nicht nur des Hofstabes, sondern auch der anschließenden Synode.[55]
Gegen Karl den Großen und für seinen Sohn, Ludwig den Frommen, als Bauherren sprechen auch die Schriftzeugnisse, die dessen Aufenthalte in Frankfurt am Main überliefern. Ein Jahr nach dem Tod des Vaters besuchte Ludwig die Stadt das erste Mal.[56] Als er 822 zurückkehrte, konnte er sich in „eodem loco constructis ad hoc opere novo aedificiis, sicut dispositum habuerat“ aufhalten. Noch deutlicher werden die Quellen 823, als sein Sohn, Karl der Kahle, „in palatio novo“ geboren wurde.[57]
Schalles-Fischer wertete die erstmalige explizit als Baunachrichten zu verstehende Überlieferung im Lichte ihrer These eines Pfalzbaus bereits zu Zeiten Karls des Großen lediglich als Zeugnisse für eine von Ludwig dem Frommen angeordnete Bautätigkeit.[58] Ihre Übersetzung von „opere novo“ mit „in neuer Bauweise“ erklärt jedoch nicht die Aussage des Verbs, das den Bauvorgang, die Tätigkeit der Errichtung mit „contructis [...] opere novo aedificiis“ charakterisiert.[50]
Weiter fällt vor dem Hintergrund der seltenen, und wenn überhaupt wie beschrieben fragwürdigen Konnotation von Frankfurt als Pfalzort 794 auf, dass sich diese Attributierungen ab 823 häufen respektive gebräuchlicher Bestandteil der dort ausgefertigten Kaiserurkunden werden.[59] Bereits Stamm führte darüber hinaus an, dass eine unter Karl dem Großen errichtete Pfalz kaum bereits nach 28 Jahren einen Neubau nötig gemacht hätte, sondern eher weit ältere königliche Gebäude, worin am ehesten die dem 7. Jahrhundert zuzurechnenden merowingischen Bauten zu erkennen sind.[60]
Auf einer zeitlich weit breiteren Skala als der um den Bauzeitpunkt der Königspfalz stellen sich die Auseinandersetzungen in der Forschung um den Niedergang der Anlage dar. Der archäologische Befund zeigte nach Otto Stamm am Verbindungsgang zur Salvatorkirche, in und vor den Außenmauern der Torhalle sowie innerhalb der Königshalle eine Brandschicht von 8 bis 25 cm Dicke aus grauen und schwarzen Holzkohlebändern. Ferner waren an den aufgehenden Wänden jener Räume Verglühungsschäden festzustellen, an den westlichen Anbauten konnten entsprechende Befunde nicht gemacht werden.[61]
Über der Brandschicht, aber noch unter der folgenden Abbruchschicht der Pfalz breitete sich eine Steinstickung aus, die sicher als Unterbau eines Fußbodens diente. Somit ist davon auszugehen, dass zumindest Teile der Pfalz nach dem Brand nochmals aufgebaut wurden.[62] Die nun folgende starke graugelbe bis braune Abbruchschicht von 25 bis 100 cm Stärke bestand größtenteils aus Bauschutt, dem für die Pfalzbauten typischen kieshaltigen hellen Mörtel und karolingischen Steinquadern. Zahlreiche Ausbruchgruben zeigten, dass das hervorragende Steinmaterial für Neubauten reiche Zweitverwendung fand.[63]
In der Brandschicht fand sich an Keramik sowohl Glimmerware, die ab der Mitte des 9. Jahrhunderts hergestellt wurde, als auch echte Pingsdorfer Ware, die zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert vorkommt. Der Brand kann also nicht vor dem 10. Jahrhundert stattgefunden haben. Die Datierung des Wiederaufbaus ist mangels Keramik nicht möglich respektive genauso unsicher wie die der Brandschicht. Die Abbruchschicht enthielt an Keramik sowohl Glimmerware als auch echte Pingsdorfer Ware, als Besonderheit jedoch eine Variante mit Engobemalung, die nach neuesten Forschungserkenntnissen sicher in das 12. Jahrhundert zu datieren ist.[62]
Die Einordnung des archäologischen Befundes in den Kontext der geschichtlichen Entwicklung und der historischen Quellen gestaltet sich schwierig. Der Befund erlaubt keine genaue Datierung des Brandes, als terminus post quem ist aufgrund der Keramik nur das 10. Jahrhundert zu benennen. Der wie auch immer geartete Wiederaufbau oder der Zeitpunkt der Aufgabe der Anlage ist dagegen unsicher. Die jüngeren Erkenntnisse zur Keramik aus der Abbruchschicht deuten für letzteres Ereignis auf das 12. Jahrhundert. Die Zeiträume, die zwischen den drei Ereignissen liegen, lassen sich nicht bestimmen.
Aus Sicht der klassischen Geschichtsschreibung gibt es im Gegensatz zur Entstehung der Pfalz keinerlei Überlieferung. Zeitgenössische Geschichtsschreiber haben offenbar keine Notiz von den drei Ereignissen genommen, womit diese nur im Lichte der ansonsten überlieferten Stadtentwicklung betrachtet werden können. Der rapide Bedeutungsverlust von Frankfurt am Main in der Salierzeit wird gerne mit dem Niedergang des profanen Teils der Anlage in Zusammenhang gebracht. Dem folgend wäre dieser vor dem Hintergrund der Königsaufenthalte eher früh anzusetzen.
Marianne Schalles-Fischer wies als terminus post quem auf das Jahr 1012 hin, in dem noch zu Lebzeiten des letzten Ottonen, Heinrich II., urkundlich das letzte Mal von „regio palacio“ die Rede ist,[64] wobei allerdings zu beachten bleibt, dass das nachfolgend nun überwiegend verwendete „actum F.“ bereits in den vorhergehenden Jahren zahlreich Verwendung findet.[65] Häufiger erscheint als Ansatz daher der letzte Aufenthalt von Heinrich II. in den Jahren 1017/18, da die Synode von 1027 nicht zwangsläufig in Pfalzgebäuden stattfand; als terminus ante quem der Besuch von Heinrich III. 1045, da dieser nur krankheitsbedingt war, und die Überlieferung keine besonderen Räumlichkeiten erwähnt.[63][66][67] Die Einordnung anhand von Königsaufenthalten bleibt jedoch stets mit der Unsicherheit behaftet, nicht zwischen dem Brand und dem Abbruch differenzieren zu können.
Allerdings suchten die Salier auch andere alte Königsorte vergleichsweise selten auf und verlagerten ihre Aufenthalte zunehmend in Bischofssitze. Somit ist es ebenso möglich, dass erst die ausbleibenden Besuche zur einer Vernachlässigung der Anlage und ihrem Verfall führten. Gegen eine frühe Aufgabe spricht auch die nach archäologischem Befund keinesfalls vollständige Zerstörung durch den Brand und die Hinweise auf einen Wiederaufbau. Schließlich ist die seltene Anwesenheit von Herrschern kein direktes Argument für eine Zerstörung der Gebäude, vielmehr müssen sogar entsprechende Räumlichkeiten vorhanden gewesen sein, damit es überhaupt zu einem Herrscheraufenthalt kam.[68]
Auch die jüngere Forschung entfernt sich zunehmend von einem quantitativ in der Literatur noch überwiegenden Aufgabezeitpunkt der Pfalz um die Mitte des 11. Jahrhunderts. Stamm trat entgegen seinen früheren Veröffentlichungen bereits 1980 in einer posthum veröffentlichten, jedoch nicht mehr fertig gestellten Arbeit dafür ein, dass die Pfalz erst in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts aufgegeben wurde. Seine These konnte er nicht mehr, wie angekündigt, durch die Datierung von Keramik aus der Zerstörungsschicht absichern.[69] Die Keramikforschung der letzten Jahrzehnte hat ihm durch die Erhärtung der Datierung der Funde aus der Abbruchschicht Recht gegeben.[62]
Auch die Erkenntnisse zur neuen Königsburg am Main, dem Saalhof, welcher die Pfalz funktional beerbte, unterstützen diese Tendenz der jüngeren Forschung. Seine exakte Erbauungszeit ist bis heute umstritten. Archäologisch lässt sich seit den Grabungen Stamms beweisen, dass Turm und Palas des Gebäudes zuerst entstanden, und erst dann der heute noch als einziges Teil fast unverändert erhaltene Kapellenbau daran angesetzt wurde.[70] Jedoch kann nur letzterer durch Holzfunde in seinem Fundament dendrochronologisch relativ exakt auf das Frühjahr 1200 datiert werden.[71]
Der Hauptteil der Anlage entstand demnach vor 1200, wieviel früher, lässt sich jedoch nicht feststellen, obgleich die sehr ähnliche Mauerwerkstechnik eine gewisse zeitliche Nähe suggeriert.[70] Die Staufer suchten Frankfurt, beginnend mit Konrad III., ab dem Jahr 1140 wieder auf, wofür sie ein angemessenes Quartier benötigten. Damit besteht eine Diskrepanz zwischen archäologischer und historischer Überlieferung, die nach gegenwärtigem Kenntnisstand nur dahingehend befriedigend gelöst werden kann, dass die Aufenthalte in den alten Pfalzgebäude stattfanden, die doch noch funktionsfähig oder wieder aufgebaut worden waren.[72]
Dem folgend hätte ab Mitte des 12. Jahrhunderts ein zeitlich nahezu nahtloser Wechsel zwischen alten und neuen königlichen Herrschaftsgebäuden stattgefunden. Die geringe Zahl an Königsbesuchen in der Salierzeit wäre damit nicht vom Zustand der Anlage abhängig gewesen. Magnus Wintergerst trat neuerdings sogar dafür ein, dass die Königshalle „bis ins 13., vielleicht sogar bis ins 14. Jahrhundert in einer gewissen Höhe – eventuell als Ruine“ – gestanden habe. Als Grund nannte er die Übernahme der Baufluchten durch die mittelalterlichen Bürgerhäuser und die Integration in ihre Keller.[73]
Elsbet Orth wies allerdings wiederholt darauf hin, dass sich sowohl ein Nebeneinander von alter und neuer Königshaltung als auch das Fortbestehen der karolingischen Anlage über die Stauferzeit hinaus in topographischen Bezeichnungen hätte niederschlagen müssen, die sich größtenteils in dieser Zeit manifestieren. Im Gegensatz etwa zur Saalgasse, in der der Name des Saalhofes bis heute lebendig geblieben ist, findet sich ein Hinweis auf ein Fortbestehen der karolingischen Anlage jedoch in keiner Urkunde des 12., 13. oder gar 14. Jahrhunderts.[36][74]
Ausgrabungen im Dom in den Jahren von 1991 bis 1993 unter Leitung von Andrea Hampel erbrachten neue Erkenntnisse vor allem zu den sakralen Teilen der Pfalz respektive den Vorgängerbauten des Domes. Die Ergebnisse publizierte Hampel bereits 1994: in dem in der Grabungskampagne erstmals aufgedeckten Bau I, in dem man 1992 das unberührte merowingische Mädchengrab aufdeckte, sah sie den ersten Kirchenbau an der Stelle des heutigen Domes – daher auch die Bezeichnung – was jedoch schon sehr bald in der Forschung auf Kritik stieß.[75][76]
Im Inneren des Baues fand sich kein Altarfundament, keine Rest von Chorschranken oder sonstige Ausstattungsteile eines Sakralraums, einzig der darum befindliche Friedhof könnte als Hinweis gewertet werden. Wichtigstes Argument gegen eine Kirchennutzung ist jedoch die Hypokaustenheizung, für die es in keiner anderen frühmittelalterlichen Kirche ein Beispiel gibt. Schließlich sprechen auch Vergleiche mit zeitgleichen kirchlichen und nichtkirchlichen Gebäuden in Europa überwiegend gegen die von Hampel vertretene Ansicht.
Somit sollte das Gebäude nach jüngster Forschungsauffassung, vertreten in seiner 2007 veröffentlichten Bearbeitung aller archäologischen Befunde zur Pfalz durch Magnus Wintergerst, nur als funktional in Zusammenhang mit der nahen Kirche stehend betrachtet werden, nicht jedoch als selbstständige Kirche.[77] Der zwar schon länger archäologisch dokumentierte, jedoch nicht publizierte und damit Hampel wohl auch unbekannte Apsidenbau hatte nach Wintergerst den Stellenwert, den Hampel für Bau I postulierte: in der merowingischen Marienkirche des 7. Jahrhunderts im Bereich des Domturmes sieht er den ersten nachweisbare Vorgängerbau des Doms.
Auch die bisher bestehende Unsicherheit, ob Bau I vor oder zeitgleich mit dem Grab errichtet wurde, konnte Wintergerst zugunsten der erstgenannten Variante ausräumen.[78] Weitere wichtige Erkenntnisse seiner Bearbeitung der Ausgrabungen sind, dass es einen Bau II wohl nie gegeben hat, in dem Hampel einen zugunsten der Synode von 794 erfolgten Ausbau von Bau I sah. Damit war Hampel indirekt zu den älteren Theorien zurückgekehrt, wonach Karl der Große doch als Bauherr auftrat.
Im Lichte ihrer Betrachtung von Bau I als Kirchenbau, und seiner Lage innerhalb der späteren Salvatorkirche, aus dem sich der heutige Dom entwickelte, hätte ein solcher Bau II hervorragend in die Entwicklungsreihe gepasst. Jedoch zeigt die Analyse von Hampels Befunden durch Wintergerst klar auf, dass sie Bau II im Wesentlichen nur aus den Fundamenten der Ostwand rekonstruierte, was bei einem rechteckigen Gebäude spekulativen Charakter hat. Darüber hinaus spricht auch die qualitative Analyse ihrer Bau II zugeordneten Befunde, dass es sich dabei wohl um Streifenfundamente der 852 geweihten Salvatorkirche handelte.
Wintergerst vertritt weiterhin die Auffassung, dass die von Hampel noch als Bau IIIa („Die nachkarolingische Westfassade“), Bau IIIb („Die Umbauten zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert“), Bau IV („Die frühgotische Hallenkirche“) und Bau IVa („Der frühgotische Chorbau von 1239“) bezeichneten nachkarolingischen Umbauten der Salvatorkirche stilkritisch nicht dem 10. bis 13. Jahrhundert, sondern einem planmäßigen ottonischen Ausbau um 1000 zuzuschreiben sind.
Hierfür sprächen Vergleiche mit erhaltenen ottonischen Bauwerken ebenso wie die der Bedeutung von Stift und Kirche im 13. Jahrhundert unangemessene Altertümlichkeit der Architektur, wäre der Ausbau in den beschriebenen Formen, insbesondere mit gesteltzten Presbyteriumsjoch, tatsächlich in dieser Zeit erfolgt. Auch die 41 ottonischen Königsbesuche in der Stadt legen Wintergerst folgend nahe, dass das sächsische Adelshaus in großem Umfang Umbauten in Auftrag gab.
Im November 2006 stellten die Technische Universität Darmstadt und die Architectura Virtualis GmbH eine dreidimensionale Computer-Rekonstruktion der Frankfurter Königspfalz vor, die auf den Daten Wintergersts basierte. Die rekonstruierten Baustufen vom 7. bis zum 11. Jahrhundert erlauben ein besseres Verständnis der im Archäologischen Garten präsentierten Ruinen, als es durch das dort vorhandene Informationsmaterial möglich ist. Dieses ist in Teilen veraltet, da es noch auf den Forschungsstand von 1994 zurückgeht.
In den kommenden Jahren soll das Dom-Römer-Areal nach Abbruch des Technischen Rathauses in Anlehnung an den Zustand der direkten Vorkriegszeit neu bebaut werden; die Grundsteinlegung erfolgte im Januar 2012. Aufgrund des Wiederaufbaus auch der Südseite der ehemaligen Altstadtgasse Markt, deren Keller einst teilweise die Substanz der Pfalz mit einbezogen, ist daher beabsichtigt, etwa an der Stelle der ehemaligen Königshalle einen Neubau von ihren ungefähren historischen Dimensionen zu errichten. Die Architektur des als Stadthaus bezeichneten Neubaus ist dabei ebenso noch umstritten wie die Nutzung und die Art und Weise, auf die die von ihr überbauten Reste der Königspfalz künftig präsentiert werden könnten.
50.11055555568.68444444444Koordinaten: 50° 6′ 38″ N, 8° 41′ 4″ O