|
|
Lexikon auf Ihrer Homepage |
|
Lexikon als Lesezeichen hinzufügen |
Das Konzentrationslager Buchenwald war eines der gröĂten Konzentrationslager auf deutschem Boden. Es wurde zwischen Juli 1937 und April 1945 auf dem Ettersberg bei Weimar als Arbeitslager betrieben. Insgesamt waren in diesem Zeitraum etwa 250.000 Menschen aus allen LĂ€ndern Europas im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert. Die Zahl der Todesopfer wird auf etwa 56.000 geschĂ€tzt, darunter 11.000 Juden.[1] WĂ€hrend der AnnĂ€herung der 3. US-Armee ĂŒbernahmen am 11. April 1945 die HĂ€ftlinge die Leitung des Lagers von der abziehenden SS; bereits seit dem 8. April hatten viele HĂ€ftlinge durch Boykott und Sabotage ihre âEvakuierungâ verhindert und die US-Armee per Funk um Hilfe gerufen.[2][3] Nach Abzug der US-Truppen wurden Teile des GelĂ€ndes von der sowjetischen Besatzungsmacht als Speziallager Nr. 2 genutzt. Es existierte bis 1950 und forderte 7.000 Todesopfer. Auf dem GelĂ€nde des ehemaligen Lagers lieĂ die Regierung der DDR 1958 die Nationale Mahn- und GedenkstĂ€tte Buchenwald eröffnen. Heute finden sich in der ab 1991 neugestalteten GedenkstĂ€tte Buchenwald viele Ausstellungen zur Geschichte des Konzentrationslagers.
Inhaltsverzeichnis |
Im Juli 1937 begannen HĂ€ftlinge aus den Konzentrationslagern Sachsenhausen, Sachsenburg und Lichtenburg mit der Errichtung des Konzentrationslagers Buchenwald. Bei der Namensgebung hatten die Verantwortlichen der Konzentrationslager um Inspekteur Theodor Eicke ein Problem, da es sich in unmittelbarer NĂ€he zu Schloss und Park Ettersburg auf dem Ettersberg befand. Das Schloss ist mit Goethe und damit der Weimarer Klassik verbunden. Goethe wurde von den Nationalsozialisten politisch als die Verkörperung des âDeutschen Geistesâ instrumentalisiert. Daher war die Benennung âKonzentrationslager Ettersbergâ von vornherein nicht opportun, zumal Einspruch gegen diese Namensgebung durch die Nationalsozialistische Kulturgesellschaft in Weimar erhoben wurde. Eine Zuordnung zum benachbarten Hottelstedt schied aus, weil sich dann die SS-Lagermannschaft, obwohl im Umkreis von Weimar liegend, mit einer geringeren Besoldung als ortsĂŒblich hĂ€tte zufriedengeben mĂŒssen. Der Vorschlag Eickes âK.L. Hochwald, Post Weimarâ, wurde auf Veranlassung Heinrich Himmlers in âK.L. Buchenwald, Post Weimarâ abgeĂ€ndert. Somit war einerseits der Name offiziell nicht mit dem Ort verbunden, andererseits bekam die Mannschaft ihr Gehalt nach der Ortslage von Weimar. Zum ersten Lagerkommandant wurde Karl Koch ernannt. Bis zum Jahresende war das Lager mit 2561 Gefangenen belegt. Schon 1937 forderte das Lager 48 Menschenleben.[1]
ZunĂ€chst war das Lager fĂŒr politische Gegner des Naziregimes, vorbestrafte Kriminelle und so genannte Asoziale sowie Juden, Zeugen Jehovas und Homosexuelle bestimmt. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden zunehmend Menschen aus anderen LĂ€ndern interniert. Bei der Befreiung im April 1945 waren 95 Prozent der HĂ€ftlinge keine Deutschen. Vor allem nach 1943 wurden im KZ Buchenwald und in seinen insgesamt 136 AuĂenkommandos KZ-HĂ€ftlinge rĂŒcksichtslos fĂŒr die RĂŒstungsindustrie ausgebeutet. Daher war Buchenwald kein Vernichtungslager mit industrieller Vernichtung und Verwertung wie die groĂen Konzentrationslager in Polen. Dennoch wurden viele Gefangene von der SS ermordet oder starben an den unmenschlichen Arbeits- und Lebensbedingungen. Manche HĂ€ftlingsgruppen wurden gar zur sofortigen Ermordung in der Genickschussanlage ausselektiert, wie etwa sowjetische Kriegsgefangene.
Anfang 1945 wurde das Lager zur Endstation fĂŒr Evakuierungstransporte aus Auschwitz und GroĂ-Rosen. Kurz vor der Befreiung versuchte die SS, das Lager zu rĂ€umen und schickte 28.000 HĂ€ftlinge[1] auf TodesmĂ€rsche. Etwa 21.000 HĂ€ftlinge,[1] darunter ĂŒber 900 Kinder und Jugendliche, blieben im Lager. Am 11. April 1945 erreichten Einheiten der 3. US-Armee den Ettersberg. Die SS floh, HĂ€ftlinge der geheimen Widerstandsorganisation öffneten das Lager von innen.
Nach der Befreiung mussten sich 1947 im Buchenwald-Hauptprozess 31 Personen fĂŒr die Verbrechen in Buchenwald vor einem US-MilitĂ€rtribunal verantworten, darunter auch die Witwe des ehemaligen Kommandanten, Ilse Koch. Es wurden 22 Todesurteile ausgesprochen sowie fĂŒnf lebenslĂ€ngliche und vier begrenzte Freiheitsstrafen. Von den Todesurteilen wurden bis 1951 neun vollstreckt. Der ehemalige Lagerkommandant Hermann Pister starb in der Haft. Ilse Koch blieb dort bis zu ihrem Selbstmord 1967. Alle ĂŒbrigen Verurteilten wurden bis Mitte der 1950er Jahre amnestiert.
Das Konzentrationslager Buchenwald war in drei voneinander abgesonderte Bereiche unterteilt und unterhielt bis Kriegsende auĂerdem mehr als hundert stĂ€ndige Arbeitskommandos und Nebenlager in Mittel- und Westdeutschland.[4]
Das Lager fĂŒr die so genannte Schutzhaft wurde terrassenförmig in nördlicher Hanglage des Ettersberges errichtet, um eine bessere Ăberwachung zu ermöglichen. Vom Haupttor aus gab es einen vollstĂ€ndigen Ăberblick ĂŒber das ganze Lager. Es war von einem 3 km langen und 3 m hohen Stacheldrahtzaun, einem Elektrozaun mit einer Spannung von 220/ 380 Volt und von 23 mit Maschinengewehren ausgerĂŒsteten dreistöckigen WachtĂŒrmen umgeben. Die HĂ€ftlinge waren in 34 Holzbaracken und 16 zweistöckigen Steinbaracken untergebracht. Das HĂ€ftlingslager erstreckte sich zuletzt ĂŒber eine FlĂ€che von 40 Hektar. Zum âSchutzhaftlagerâ gehörten neben einem etwa 15.000 mÂČ groĂen Appellplatz[5] mehrere GebĂ€ude und Lager. Das TorgebĂ€ude mit Arrestzellen (âBunkerâ) war eine Mord- und FolterstĂ€tte des Lagers. Der Kommandant lieĂ hier HĂ€ftlinge (aber auch SS-Soldaten) arrestieren, um sie zu bestrafen oder Informationen und GestĂ€ndnisse zu erpressen. Es wurde die KZ-Lagerordnung angewandt. Das Lagertor trĂ€gt die Inschrift âJedem das Seineâ, welche vom Appellplatz aus zu lesen ist. Diese auf den ersten Blick widersinnige Inschrift war gezielt gewĂ€hlt. Sie sollte die Inhaftierten tĂ€glich im negativen Sinne daran erinnern, dass sie nur das bekommen, was sie verdienen. Buchenwald war das einzige Konzentrationslager, das diese Inschrift trug. Sie wurde vom Bauhaus-Architekten Franz Ehrlich, der bis 1943 selbst in Buchenwald inhaftiert war, auf Befehl der Nationalsozialisten entworfen. Ehrlich wĂ€hlte hierfĂŒr eine als entartet eingestufte Schriftart des Bauhauses, was jedoch der Lagerleitung nie auffiel.[6]
Das 1940 fertiggestellte Krematorium hatte, neben dem Verbrennungsraum im Keller, einen Sezierraum und eine Pathologie zum Herausbrechen von GoldzĂ€hnen. Die ersten Verbrennungsöfen lieferte die Erfurter Firma âTopf & Söhneâ bereits im Dezember 1939. Bis zum FrĂŒhjahr 1941 wurden weitere Ăfen von der Firma angeliefert und eingebaut.[7] An im Keller des Krematoriums befindlichen Wandhaken wurden viele HĂ€ftlinge hingerichtet. Als eines der prominentesten Opfer wurde hier in der Nacht vom 17. auf den 18. August 1944 der Reichstagsabgeordnete und KPD-Vorsitzende Ernst ThĂ€lmann am Eingang zum Ofenraum auf direkten Befehl Adolf Hitlers erschossen.[8]
Das âJudenlagerâ war ein abgetrenntes Lager innerhalb des âSchutzhaftlagersâ. Es wurde nach der Masseneinlieferung im Zuge der Pogrome der âReichspogromnachtâ errichtet. Die Lebensbedingungen waren hier besonders schlecht. Ein weiteres âkleines Lagerâ wurde 1938 errichtet, um bei Ăberbelegung des Lagers genutzt zu werden. Es bestand aus fensterlosen WehrmachtspferdestĂ€llen. Es wurde vor allem fĂŒr die Unterbringung arbeitsunfĂ€higer HĂ€ftlinge und als QuarantĂ€nelager verwendet. Ab 1943 war es stĂ€ndig belegt. Die Lebensbedingungen waren katastrophal, die Sterblichkeit hoch. Die ehemaligen PferdestĂ€lle wurden fĂŒr 50 Pferde gebaut und nun mit bis zu 1.960 HĂ€ftlingen belegt.
Im HĂ€ftlingskrankenbau wurden HĂ€ftlinge von HĂ€ftlingen behandelt. Ausgebildeten Ărzten allerdings war das Praktizieren verboten. Der Krankenbau war der zentrale Ort des Mordes mit Giftspritzen durch SS-Ărzte. Er war aber auch Ort des internen Lagerwiderstandes, zu dem auch die Arbeitsstatistik gehörte. Diese war Teil der Lagerverwaltung und wurde von den HĂ€ftlingen besorgt. Hier war es fĂŒr den Widerstand möglich, die Listen fĂŒr ArbeitseinsĂ€tze und Transporte in die Vernichtungslager abzuĂ€ndern.
In der Kinobaracke konnten 1941 bis 1943 HĂ€ftlinge gegen Zahlung abgelaufene UFA-Filme sehen sowie kleinere, von der SS genehmigte Sport- oder Kulturveranstaltungen abhalten. Die SS nutzte dieses GebĂ€ude allerdings auch zur Bestrafung und Folterung von Gefangenen. Ab 1943 gab es innerhalb des âSchutzhaftlagersâ zudem ein Lagerbordell fĂŒr HĂ€ftlinge als âAntriebsmittel fĂŒr höhere Leistungenâ. Zu diesem Zweck wurden im Juli 1943 16 weibliche HĂ€ftlinge aus dem KZ RavensbrĂŒck nach Buchenwald verbracht und zur Prostitution gezwungen. DarĂŒber hinaus befanden sich auf dem GelĂ€nde Magazinbaracken, eine KĂŒche, ein Kartoffelkeller, eine WĂ€scherei, eine Effekten-, eine Bekleidungs- und eine GerĂ€tekammer, eine GĂ€rtnerei, eine HĂ€ftlingskantine und eine BĂŒcherei.
â Hauptartikel: Personal im KZ Buchenwald
Der SS-Bereich befand sich sĂŒdlich des âSchutzhaftlagersâ und bestand aus mehreren Unterbereichen. In der NĂ€he des Tores zum âSchutzhaftlagerâ befand sich die Lagerverwaltung. Dort war die Lagerkommandantur mit dem BĂŒro des Kommandanten, der Adjutantur, der Gestapo sowie Einrichtungen des Truppenstabes und der politischen Abteilung untergebracht.
SĂŒdlich davon folgte eine SS-Kaserne mit 16 GebĂ€uden. Diese waren im Halbrund angeordnete âHundertschaftsgebĂ€udeâ der SS-Totenkopfstandarte âThĂŒringenâ mit Kasinos, Waffenkammern, einem Truppenlazarett, SchieĂ- und ExerzierplĂ€tzen, GroĂgaragen und zwei Tankstellen. Es waren KapazitĂ€ten fĂŒr mehr als ein Regiment vorhanden. Dies war einer der groĂen StĂŒtzpunkte und AusbildungsstĂ€tten der Waffen-SS.
In der Mitte des SS-Bereiches war das Sonderlager âFichtenhainâ installiert. AuĂerhalb des eigentlichen eingezĂ€unten Lagers entstand 1942/43 eine Gruppe von Isolierbaracken fĂŒr prominente Insassen. Inhaftiert waren hier unter anderem Rudolf Breitscheid, Mafalda von Savoyen und Fritz Thyssen. Nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 wurden hier auch beteiligte Offiziere und Politiker sowie deren Familien eingesperrt. Ein anderer Ort fĂŒr die Arrestierung von prominenten HĂ€ftlingen war das SS-Falknerhaus. Hier waren der frĂŒhere MinisterprĂ€sident der französischen Volksfrontregierung LĂ©on Blum sowie andere Regierungsmitglieder untergebracht, darunter Ădouard Daladier und Paul Reynaud.
Auf Befehl des Lagerkommandanten Koch wurde 1940 zuerst eine Reithalle nordwestlich der Kaserne erbaut. Dort hatten Koch und seine Frau Ilse das alleinige Nutzungsrecht. GegenĂŒber der Reithalle entstand ein 55 m langer Pferdestall. Auf Kommissarbefehl des Wehrmacht-Oberkommandos wurde er nach dem Eintreffen der ersten sowjetischen Gefangenen 1941 umgebaut und mit einer Genickschussanlage versehen. Unter dem Vorwand einer medizinischen Untersuchung wurden hier zwischen 1941 und 1945 zahlreiche HĂ€ftlinge und ĂŒber 8.000 der insgesamt 8.483[9] ermordeten sowjetischen Kriegsgefangenen durch das berĂŒchtigte âKommando 99â hingerichtet.[10]
Zur Unterhaltung der SS und deren Familien wurde unweit des Zaunes des âSchutzhaftlagersâ der SS-Zoo errichtet. 1940 wurden innerhalb des SS-Lagers ein Falkenhof und ein Wildgehege eröffnet, die auch der Bevölkerung offen standen. Im Jahr 1944 richtete die SS ein Bordell fĂŒr âfremdvölkischeâ WachmĂ€nner ein. Den im KZ Buchenwald zum Wachdienst eingesetzten ukrainischen SS-MĂ€nnern war der Umgang mit deutschen Frauen verboten. Die SS selektierte fĂŒr dieses Bordell polnische Frauen aus dem KZ RavensbrĂŒck und zwang sie zur Prostitution.[11]
Drei Kilometer östlich des KL entstand eine Wohnsiedlung mit EinfamilienhĂ€usern fĂŒr Angehörige der SS (die heutige Ettersbergsiedlung).
Westlich der SS-Kaserne war ein Steinbruch angelegt. Die Arbeit dort galt als die hĂ€rteste und wurde meist von Strafkompanien ausgefĂŒhrt. HĂ€ufig wurden hier HĂ€ftlinge von der SS âauf der Flucht erschossenâ. Der RĂŒstungsbetrieb Gustloff-Werk II des Weimarer âFritz-Sauckel-Werksâ wurde 1943 eröffnet und war ArbeitsstĂ€tte fĂŒr etwa 4.500 HĂ€ftlinge. Sie wurden von der SS-Lagerleitung an den Betrieb vermietet. Nach dem alliierten Bombenangriff am 24. August 1944 wurde der Betrieb fast völlig zerstört.
Die Deutschen AusrĂŒstungswerke (DAW) waren eine 1940 gegrĂŒndete, innerhalb des âSchutzhaftlagersâ befindliche ProduktionsstĂ€tte fĂŒr bis 1.400 HĂ€ftlinge. Hier wurde fĂŒr den Kriegsbedarf der Waffen-SS produziert und, bevor der âPferdestallâ zu diesen Zwecken umgebaut worden war, eine Vielzahl sowjetischer Kriegsgefangener exekutiert.
Bis zum Kriegsende unterhielt das KZ Buchenwald bis zu 136 AuĂenlager und AuĂenkommandos. Diese wurden hauptsĂ€chlich zur RĂŒstungsproduktion und anderen Fabrikationen genutzt. Sie gelten daher mehr als Arbeits- denn als Vernichtungslager. Auch in den AuĂenlagern wurden Menschen hingerichtet oder starben an den vorherrschenden Bedingungen. Einige AuĂenlager wurden im Verlauf des Krieges zu Konzentrationslagern umfunktioniert, beispielsweise das KZ Dora-Mittelbau bei Nordhausen.
â Liste der AuĂenlager des KZ Buchenwald
Nach der Errichtung des Lagers am 15. Juli 1937[12] wurde ab Februar 1938 der âBunkerâ (Zellenbau des TorgebĂ€udes) belegt. Er war die Folter- und MordstĂ€tte des Lagers unter SS-Aufseher Martin Sommer. Im April erfolgte eine Massenverhaftung und Einweisung so genannter âArbeitsscheuerâ. Die erste öffentliche Hinrichtung eines HĂ€ftlings durch den Strang fand im Juni 1938 statt. Ebenfalls im Juni 1938 wurde fĂŒr die Angehörigen der SS der Zoo eingerichtet.
Im Sommer 1938 begann auch der Ausbau der ZufahrtsstraĂe zum Konzentrationslager. Die schmale Waldchaussee wurde zu einer acht Meter breiten BetonstraĂe ausgebaut. 200 HĂ€ftlinge waren direkt an dem StraĂenbau tĂ€tig. Weitere hunderte HĂ€ftlinge schlugen und transportierten in und aus den umliegenden SteinbrĂŒchen des Lagers das Baumaterial. Der Ausbau endete im November 1939. Die StraĂe bekam den Namen âBlutstraĂeâ.
Ab September 1938 kamen zahlreiche HĂ€ftlinge aus dem Gebiet Ăsterreichs in das Konzentrationslager. Ăsterreich war im MĂ€rz an das Reich angeschlossen worden. Nach den Pogromen der âReichspogromnachtâ, im November 1938, wurden 9.845 Juden inhaftiert,[1] um deren Ausreise zu erpressen. Bis Jahresende zĂ€hlte das Lager 11.028 HĂ€ftlinge. Es starben bereits 771 Menschen.[1] Im Februar 1939 brach wegen schlechtester hygienischer Bedingungen im Lager Typhus aus. Das Lager wurde daraufhin unter QuarantĂ€ne gestellt. Im April nahm das Sonderstandesamt âWeimar IIâ im Lager seine Arbeit auf. Es hatte fast ausschlieĂlich die Aufgabe der Registrierung der Toten. Zu Hitlers 50. Geburtstag kam es zu Lagerentlassungen durch eine âGnadenaktionâ. Im September 1939 wurden die Lebensmittelrationen fĂŒr Juden drastisch herabgesetzt und ein âSonderlagerâ auf dem Appellplatz errichtet.
Nach Kriegsbeginn wurden im Oktober 1939 8.500 MĂ€nner aus der Tschechoslowakei, Polen und Ăsterreich ins Lager eingewiesen.[1] Im November musste das Lager erneut unter QuarantĂ€ne gestellt werden, da die Ruhr ausgebrochen war. Am Ende des Jahres waren 11.807 Menschen inhaftiert und weitere 1.235 HĂ€ftlinge gestorben.[1] Zu Beginn des Jahres 1940 wurde das Krematorium errichtet, da das stĂ€dtische Krematorium die groĂe Anzahl an Toten nicht bewĂ€ltigen konnte. Im Februar wurde das âSonderlagerâ auf dem Appellplatz aufgelöst, fast die HĂ€lfte der Insassen war gestorben. Zum Jahresende war das Lager mit 7.440 Gefangenen belegt. 1.772 Tote wurden in diesem Jahr registriert.[1]
Nach dem Ăberfall auf die Sowjetunion 1941 wurden tausende sowjetische Kriegsgefangene eingewiesen und in den folgenden Jahren durch einen Genickschuss gezielt getötet. SchĂ€tzungsweise 8.000 Insassen fielen dem zum Opfer.[1] Am Jahresende 1941 zĂ€hlte das Lager 9.814 HĂ€ftlinge. 1.522 Menschen starben 1941 im Konzentrationslager.[1] Der Lagerkommandant Koch wurde wegen KorruptionsvorwĂŒrfen nach Lublin versetzt. Sein Nachfolger wurde im Januar 1942 Hermann Pister.
Unter dem neuen Lagerkommandanten Pister wurden die ersten medizinischen Versuche an HĂ€ftlingen durchgefĂŒhrt. An den Folgen starben die meisten qualvoll, beispielsweise wurden sie mit Fleckfieber infiziert, um Impfstoffe zu testen (Salzwasserversuche). Das gleiche geschah mit TBC-Erregern. AuĂerdem wurden HĂ€ftlingen Brandbombenverletzungen zugefĂŒgt. Da die HĂ€ftlinge auf engstem Raum zusammenlebten, breiteten sich Krankheiten schnell aus, und es kam zu Epidemien, die jedoch nicht behandelt wurden. Die meisten Versuche wurden in den Blöcken 46 und 8 durchgefĂŒhrt.
Im Februar 1942 entstand in den Weimarer Gustloff-Werken das erste AuĂenkommando des Konzentrationslagers Buchenwald. Im Juli wurde auĂerdem mit dem Bau einer Gewehrfabrik der âWilhelm-Gustloff-Werkeâ neben dem Lager begonnen. AuĂerdem entstanden 1942 ein DesinfektionsgebĂ€ude und das âkleine Lagerâ, das als QuarantĂ€nelager genutzt wurde. Ende des Jahres 1942 war Buchenwald mit 9.517 HĂ€ftlingen belegt. 2.898 Tote wurden in diesem Jahr vermerkt.[1]
Im MĂ€rz 1943 wurde das âGustloff-Werk IIâ fertiggestellt. AuĂerdem begann man mit dem Bau einer Bahnstrecke nach Weimar. Die 14,5 Kilometer lange âBuchenwaldbahnâ wurde in knapp drei Monaten von den HĂ€ftlingen ohne schweres GerĂ€t provisorisch fertiggestellt. Die Strecke diente erst der Versorgung der RĂŒstungsbetriebe. UngefĂ€hr seit Jahresbeginn 1944 vollzog sich ĂŒber diese Schienen auch der HĂ€ftlingsan- und abtransport. Vor der Fertigstellung mussten die HĂ€ftlinge ĂŒber die so genannte âBlutstraĂeâ in und aus dem Lager marschieren.
Im August 1943 entstand bei Nordhausen das AuĂenlager âDoraâ fĂŒr die Raketenproduktion. Dort starben in den ersten sechs Monaten 2900 HĂ€ftlinge.[1] Zum Jahresende war Buchenwald durch Masseneinweisungen aus den von der Wehrmacht besetzten Gebieten mit 37.319 HĂ€ftlingen völlig ĂŒberbelegt. 3.516 Tote wurden in diesem Jahr registriert.[1]
Im MĂ€rz 1944 erhöhte sich die Anzahl der AuĂenlager auf 22. 81 % der HĂ€ftlinge des Hauptlagers waren unterernĂ€hrt, jeder zehnte litt an Tuberkulose.[1] Am 24. August 1944 griffen Bomber der Alliierten die RĂŒstungsbetriebe beim Stammlager an und zerstörten diese zu groĂen Teilen. Auch HĂ€ftlinge wurden verletzt und getötet. Ende des Jahres 1944 war das Lager samt seinen AuĂenlagern mit 87.000 HĂ€ftlingen[1] belegt. Diese Zahl wurde hauptsĂ€chlich durch die âEvakuierungâ der inzwischen frontnahen Konzentrationslager im Osten erreicht. Auf TodesmĂ€rschen kamen tausende HĂ€ftlinge nach Buchenwald. In diesem Jahr starben offiziell 8.644 HĂ€ftlinge.[1] Im Januar 1945 trafen weitere EvakuierungsmĂ€rsche, vor allem aus den Vernichtungslagern in Polen, ein. Im Februar war Buchenwald das gröĂte noch bestehende KZ. Es waren in Haupt- und AuĂenlagern 112.000 HĂ€ftlinge interniert.[1]
Vor der Befreiung am 11. April 1945 wurde das KZ Buchenwald StĂŒck fĂŒr StĂŒck unkontrollierbar. Die interne Widerstandsbewegung, die sich organisiert hatte, versuchte, die SS in die Irre zu fĂŒhren und Chaos zu stiften. Sie versteckte verfolgte HĂ€ftlinge, Befehlen widersetzte man sich offen. Sie rief die HĂ€ftlinge zur Geschlossenheit auf. Bereits wĂ€hrend des Bombenangriffs auf das KZ im August 1944 war es dem illegalen Lagerkomitee gelungen, an Waffen aus einem der SS-Lager zu kommen. Diese wurden in den Blocks versteckt, vergraben oder eingemauert.[13]
Als sich Anfang April 1945 die 3. US-Army dem Lager nĂ€herte, versuchte die SS auf Weisung Himmlers, das Lager zu evakuieren. Etwa 47.500 Menschen waren am 6. April 1945 im Konzentrationslager inhaftiert, 22.900 davon im Hauptlager, 18.000 in den PferdestĂ€llen des Kleinen Lagers. 6.600 Juden waren schon am 5. April auf dem GelĂ€nde der Deutschen AusrĂŒstungswerke zusammengetrieben worden.[1] Vom 7. bis 10. April 1945 verlieĂen auf etwa 60 Routen 28.000 Menschen des Stammlagers und mindestens 10.000 HĂ€ftlinge der AuĂenlager das Konzentrationslager Buchenwald in Richtung der KZ Dachau, KZ FlossenbĂŒrg und Theresienstadt. Auf diesen TodesmĂ€rschen und EvakuierungszĂŒgen starben zwischen 12.000 und 15.000 Menschen.[1]
Die Widerstandsgruppe bemĂŒhte sich, die Evakuierung zu verzögern, um möglichst vielen HĂ€ftlingen die Befreiung durch die Amerikaner zu ermöglichen. Man verfĂŒgte zwar ĂŒber die von der SS entwendeten Waffen, an deren Einsatz war jedoch erst beim Herannahen der Amerikaner zu denken, da sie nichts gegen die Ăbermacht der Wachmannschaften hĂ€tten ausrichten können. Die illegale Lagerleitung setzte am 8. April 1945 ĂŒber einen heimlich installierten Sender einen Hilferuf an die herannahenden amerikanischen Truppen ab. Die Amerikaner rieten zur Ruhe bis zur Befreiung. Am 11. April 1945 kam es zu FrontkĂ€mpfen in unmittelbarer NĂ€he des Lagers.
Gegen 11 Uhr begann die Ausgabe der Waffen an ausgewĂ€hlte WiderstĂ€ndler, die sich auf eine bewaffnete Auseinandersetzung einrichteten. Um 12 Uhr begannen die noch verbliebenen Wachmannschaften, den Lagerbereich zu verlassen und Stellung im SS-Bereich oder im umgebenden Wald zu beziehen. Um etwa 14.30 Uhr erreichte eine Vortruppe der 6. Panzerdivision der 3. US-Armee den SS-Bereich des Konzentrationslagers. Die HĂ€ftlinge begannen daraufhin den Kampf am TorgebĂ€ude und den benachbarten WachtĂŒrmen, wobei es ihnen gelang, einige nicht geflĂŒchtete Angehörige des SS-Wachpersonals zu entwaffnen und das Lagertor zu öffnen. Um 16 Uhr waren das Lager und mit ihm etwa 21.000 HĂ€ftlinge befreit. Ein amerikanischer Lagerkommandant wurde am 13. April berufen.[14] Die Selbstbefreiung, die nur unter der Deckung der US-Panzer stattfinden konnte, wurde spĂ€ter stark heroisiert, wie im Roman Nackt unter Wölfen. Die Anzahl der heimlich im Lager befindlichen Waffen war mit etwa 70[13] erbeuteten Waffen zu gering und die physische Verfassung der HĂ€ftlinge viel zu angegriffen, als dass ein effektiver Widerstand gegen das SS-Wachpersonal ohne Hilfe der amerikanischen Truppen möglich gewesen wĂ€re.[13] Die Vorstellung von einer komplett selbststĂ€ndigen Befreiung des Lagers durch die HĂ€ftlinge wurde durch die DDR-Regierung forciert, da sie gut in den sozialistisch-antifaschistischen GrĂŒndungsmythos passte und eine UnterstĂŒtzung durch den US-amerikanischen Klassenfeind als nicht opportun galt. Deshalb blieben die WiderstĂ€ndler unter den nichtkommunistischen HĂ€ftlingen unerwĂ€hnt. Nach der Befreiung konfrontierten die Amerikaner etwa 1.000 Einwohner der Stadt Weimar mit den Leichenbergen im KZ.[1] Die Mehrheit dieser BĂŒrger behauptete, nichts oder zumindest nichts NĂ€heres von den VorgĂ€ngen im Lager gewusst zu haben.
Der amerikanische Senator Alben W. Barkley besichtigt das KZ Buchenwald (24. April 1945)
Margaret Bourke-White vor Leichen im KZ Buchenwald; Foto von Lieutenant Colonel Parke O. Yingst (April 1945)
â Hauptartikel: Speziallager Nr. 2 Buchenwald
Nach der Befreiung des Konzentrationslagers ĂŒbernahm die Sowjetische MilitĂ€radministration das Lager und nutzte es von 1945 bis 1950 unter dem Namen âSpeziallager Nr. 2â als Internierungslager. In diesem Zeitraum starben ĂŒber 7.000 Menschen.
â Hauptartikel: Widerstand im KZ Buchenwald
In den Konzentrationslagern ĂŒbertrug die SS die interne Organisation so genannten FunktionshĂ€ftlingen. Nach der Errichtung des Lagers wurden diese Aufgaben zunĂ€chst âkriminellen HĂ€ftlingenâ zugewiesen (vgl. Kapo). Bereits ab 1939 gelang es den âpolitischen HĂ€ftlingenâ schrittweise, die von der SS bis dahin bevorzugten âKriminellenâ aus diesen Funktionen zu verdrĂ€ngen. Bis zur Befreiung ĂŒbernahmen politische HĂ€ftlinge wichtige Posten unter den FunktionshĂ€ftlingen. Sie konnten innerhalb der engen Grenzen des Lageralltags manches fĂŒr einzelne MithĂ€ftlinge bewirken. In der zentralen Arbeitsstatistik wurde von der SS der Arbeitseinsatz der HĂ€ftlinge geplant. Dort erstellten dann HĂ€ftlinge in deren Auftrag Listen, welche HĂ€ftlinge in welches AuĂenlager kommen sollten. So konnten dort zum Beispiel gezielt zuverlĂ€ssige WiderstĂ€ndler in das berĂŒchtigtste AuĂenlager Dora-Mittelbau eingeschleust werden. SchlieĂlich schafften es HĂ€ftlinge, dort eine Widerstandsorganisation aufzubauen, die gezielte Sabotage an den V2-Raketen verĂŒbte.[15] Etwa 19 Prozent der fertiggestellten Raketen hatten diesbezĂŒglich MĂ€ngel.[16]
Im HĂ€ftlingskrankenbau konnten HĂ€ftlinge kurzfristig vor der SS versteckt werden. Das Internationale Lagerkomitee Buchenwald war ein konspiratives Organ von HĂ€ftlingen des Konzentrationslagers Buchenwald. Unter ihrer Leitung wurde auch eine Internationale MilitĂ€rorganisation (IMO) gebildet. Im Konzentrationslager Buchenwald bauten Antifaschisten eine parteiĂŒbergreifende Einheitsfront auf. 1944 gelang es, ein illegales deutsches Volksfrontkomitee zu schaffen. Die illegale KPD im KZ zĂ€hlte bei der Befreiung 1945 629 Mitglieder in 22 BezirksverbĂ€nden. Hinzu kamen 111 Kandidaten und 59 HĂ€ftlinge, bei denen die Mitgliedschaft wegen NichterfĂŒllung der Parteipflichten nicht anerkannt wurde.
Nach der Befreiung des KZ am 11. April 1945 wurden von verschiedenen Gefangenengruppen Resolutionen und ErklÀrungen erarbeitet:
Zur Trauerkundgebung des Internationalen Lagerkomitees legten 21.000 Ăberlebende fĂŒr die Toten von Buchenwald am 19. April 1945 den Schwur von Buchenwald ab. DarĂŒber hinaus wurden unter anderem mit dem Entwurf von schulpolitischen SofortmaĂnahmen Planungen fĂŒr ein Nachkriegsdeutschland schon wĂ€hrend der Naziherrschaft getroffen.
â Hauptartikel: Buchenwald-Hauptprozess
Nach der Befreiung des Lagers wurde das Kommandanturpersonal des Lagers verhaftet. Unter ihnen war der Kommandant Pister, der Lagerarzt Hans Eisele sowie Ilse Koch. Auch FunktionshĂ€ftlinge wie der Kapo Hans Wolf wurden verhaftet. Die US-amerikanische Armee vernahm danach etwa 450 Zeugen zu den Geschehnissen im Lager und ihren Verantwortlichen. Beim Truppenabzug am 1. Juli 1945 wurden etwa 3 Tonnen angefertigte Unterlagen mitgenommen. Nach Sichtung der Lagerunterlagen wurde den Sowjets ein Angebot ĂŒbermittelt, dass diese die weiteren Untersuchungen vornehmen und den Buchenwaldprozess leiten sollten. Die Sowjets lieĂen dieses Angebot ungenutzt, da sie selbst befĂŒrchten mussten, dass gegen sie ein Prozess angestrengt wĂŒrde, da sie das Lager nach der Ăbernahme selbst als Speziallager Nr.2 weiter unterhielten.[17]
Die in Buchenwald begangenen Verbrechen wurden nun durch ein US-amerikanisches MilitĂ€rgericht im Buchenwald-Hauptprozess und seinen Nebenprozessen gerichtlich verfolgt. Die an den medizinischen Versuchen beteiligten Ărzte wurden im NĂŒrnberger Ărzteprozess (1946/1947) angeklagt. Angeklagte waren unter anderem der Abteilungsleiter fĂŒr Tropenmedizin am Robert-Koch-Institut in Berlin, Gerhard Rose, fĂŒr die Fleckfieberversuche an Sinti und Roma in Buchenwald und der SS-HauptsturmfĂŒhrer Waldemar Hoven, Standortarzt des KZ Buchenwald. Bekanntheit erlangte auch der Lagerarzt Hans Eisele, der in den Dachauer Prozessen verurteilt wurde.
Dokumentiert sind die Experimente in Buchenwald im Stationstagebuch von SS-HauptsturmfĂŒhrer Erwin Ding-Schuler, in Aussagen von europĂ€ischen Medizinern, die im Konzentrationslager inhaftiert waren, sowie durch Berichte von ehemaligen HĂ€ftlingen wie dem österreichischen Soziologen und Philosophen Eugen Kogon, der 1946 unter dem Titel Der SS-Staat ĂŒber das Leben in Buchenwald berichtete.
Im Juli 1949 empfahl die Informationsabteilung der Sowjetischen MilitÀradministration der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN), im Lager Buchenwald ein Nationalmuseum einzurichten.
Die VVN entwarf ein âWiderstandsmuseum groĂen AusmaĂesâ. Die ehemaligen Baracken sollten dabei von verschiedenen Nationen fĂŒr eigene Ausstellungen genutzt werden. Der Entwurf scheiterte aber an den PlĂ€nen des SED-PolitbĂŒros. Der Plan sah eine ThĂ€lmann-GedenkstĂ€tte vor. DarĂŒber hinaus heiĂt es in einem Beschluss des ZK der SED vom 9. Oktober 1950, dass das gesamte Lager mit all seinen Baracken abgerissen werden soll. Nur das Krematorium â als Todesort von Ernst ThĂ€lmann â, das TorgebĂ€ude und der West- und Ostturm sollten erhalten werden. SpĂ€ter wurde auĂerdem die Aufforstung des GelĂ€ndes beschlossen. Der vorgesehene Abriss des Lagers folgte einem bestimmten Interpretationskonzept der Geschichte des KZ Buchenwald. Robert Siewert rechtfertigte 1952 den Abriss: âDas Wesen des Konzentrationslagers Buchenwald verkörpert sich nicht in den Baracken oder den massiven Blocks [âŠ] Das Wesen war die tiefe Kameradschaft, die gegenseitige Hilfe, verbunden und gestĂ€hlt durch den Kampf gegen den faschistischen Terror, der organisierte Widerstand und der tiefe Glaube an den Sieg unserer gerechten Sache!â[18] Die endgĂŒltige Gestaltung des erhaltenen Teils des HĂ€ftlingslagergelĂ€ndes folgte dem Leitmotiv âdurch Sterben und KĂ€mpfen zum Siegâ. Der Aufforstungsbeschluss wurde aufgegeben. Mehr als die HĂ€lfte des GelĂ€ndes wurde aber der Natur ĂŒberlassen. An den Standorten einiger ehemaliger Blocks wurden Bruchsteinfelder angelegt, welche die Umrisse markieren. Die Teilung des Areals âsollte einerseits der Eindruck menschenfeindlicher Ăde und Unwirtlichkeit hervorgerufen, wie andererseits âbewusste[s] Zerschlagen des faschistischen Grauensâ unter FĂŒhrung der GefolgsmĂ€nner Ernst ThĂ€lmanns zum Ausdruck gebracht werdenâ.[19]
In den 1950er Jahren wurden auf dem GelĂ€nde viele Informationstafeln angebracht. Auf diesen wurde die Geschichte des KZ Buchenwald auf die Darstellung des kommunistischen Widerstandes und der internationalen SolidaritĂ€t unter FĂŒhrung der KPD-Mitglieder reduziert.
Am 14. September 1958 wurde die Nationale Mahn- und GedenkstĂ€tte Buchenwald eingeweiht. Mit dieser sollte der Selbstbefreiung der HĂ€ftlinge und der DDR als befreiten Teil Deutschlands gedacht werden. âDer Identifikation mit der DDR und dem Ostblock sollte die Ablehnung Westdeutschlands und der westlichen Allianz als potentiellen Nachfolgern des SS-Staates entsprechen. Gedenken bedeutete weniger Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit als vielmehr Selbstverpflichtung auf den SED-Staat.â[19]
Mitte der 1980er Jahre wurde festgestellt, dass die GedenkstĂ€tte immer weniger Jugendliche erreichte. Daraufhin wurden eine JugendbegegnungsstĂ€tte, eine Geschichtswerkstatt und eine Jugendherberge in einer der SS-Kasernen eingerichtet. In der Vorbereitung zu einer Neufassung der Ausstellung wurden neue Themen, wie das Schicksal jĂŒdischer HĂ€ftlinge, Homosexueller oder Sinti und Roma, angesprochen. Diese Neubewertung fand aber nur in FachgesprĂ€chen statt und wurde kaum umgesetzt. Auch die Geschichte des sowjetischen Speziallagers Nr. 2 wurde nicht thematisiert. Die zu Tode gekommenen HĂ€ftlinge des Speziallagers und deren GrĂ€ber in unmittelbarer NĂ€he der GedenkstĂ€tte wurden verschwiegen.
Andererseits begannen christliche und kirchliche Gruppen das GedenkstĂ€ttenareal fĂŒr sozial- bzw. friedenspĂ€dagogische Arbeit zu nutzen. Die Arbeitsgruppe ThĂŒringen der Christlichen Friedenskonferenz (CFK) lud seit 1982, z.T. zusammen mit der Evangelischen Martinigemeinde Erfurt zu einem sogenannten "Kreuzweg fĂŒr den Frieden" ein, bei dem die Teilnehmer an einzelne Opfergruppen des Lagers erinnerten und das Gedenken an sie in den Kontext gegenwĂ€rtiger Suche nach Frieden und VölkerverstĂ€ndigung einordneten. Dabei gehörten auch der Gedenkstein an die "Aktionsjuden" von 1938 neben anderen ErinnerungsstĂ€tten fĂŒr HĂ€ftlinge verschiedener Nationen zu den Haltepunkten. Im "Bunker" wurde an das Schicksal der Pfarrer Paul Schneider und Otto Neururer erinnert und am Krematorium an die dort ermordeten HĂ€ftlinge einschlieĂlich des KPD-Vorsitzenden Ernst ThĂ€lmann. Diese Kreuzwege fanden teilweise mehrmals jĂ€hrlich eineinhalb Jahrzehnte hindurch statt. Auch die Evangelisch-lutherische Kirchgemeinde Weimar, dazu spĂ€ter die Landeskirche luden zu Gedenkgottesdiensten fĂŒr den christlichen MĂ€rtyrer Paul Schneider ein.
Nach der Wende wurden im September 1991 von einer durch das ThĂŒringer Wissenschaftsministerium eingesetzten Historiker-Kommission Leitlinien fĂŒr eine Neukonzeption der GedenkstĂ€tte vorgelegt. Diese beinhalteten unter anderem das Gedenken und die Erinnerung an das Konzentrationslager und an das sowjetische Speziallager Nr. 2, wobei der Schwerpunkt auf dem Konzentrationslager liegen sollte. Die ErinnerungsstĂ€tten sollten dabei rĂ€umlich getrennt sein. Die Dauerausstellung sollte nach neuem Forschungsstand konzipiert und gestaltet werden. DarĂŒber hinaus empfahl die Kommission die Geschichte der Nationalen Mahn- und GedenkstĂ€tte Buchenwald in der DDR in einer Dokumentation zu veranschaulichen und den Namen in GedenkstĂ€tte Buchenwald zu Ă€ndern. Am 5. Juni 2009 wurde Buchenwald vom US-PrĂ€sidenten Barack Obama zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem Ăberlebenden der Shoa und FriedensnobelpreistrĂ€ger Elie Wiesel besucht.
Im Rahmen der Gestaltung der GedenkstĂ€tte Buchenwald wurde 1995 die Dauerausstellung âKonzentrationslager Buchenwald 1937-1945â im gröĂten GebĂ€ude des âSchutzhaftlagersâ, der Effektenkammer, eröffnet. Die Effektenkammer diente zur Aufbewahrung aller beweglichen Dinge und erfĂŒllte somit die Funktion eines Magazins. Diese Tatsache floss bei der Gestaltung der Ausstellung mit ein. In stĂ€hlernen SchrĂ€nken und Regalen werden FundstĂŒcke, Bilder, Dokumente und Biografien von Opfern und TĂ€tern ausgestellt.
GegenĂŒber dem GrĂ€berfeld des Speziallagers wurde ein neues GebĂ€ude errichtet. Dort öffnete 1997 die Ausstellung âSowjetisches Speziallager Nr.2 1945â1950â und zeigt Fotos, Erinnerungsberichte und FundstĂŒcke zum Thema. Die Ausstellungskonzeption hatte sich von Beginn an mit der Problematik zu beschĂ€ftigen, dass "sich unter den Insassen des Speziallager Nr. 2 zahlreiche NS-Aktivisten befanden".[20]
1998 wurde die Kunstausstellung âĂberlebensmittel â Zeugnis â Kunstwerk â BildgedĂ€chtnisâ im ehemaligen DesinfektionsgebĂ€ude eröffnet. Hier werden kĂŒnstlerische Arbeiten ausgestellt, die von ehemaligen HĂ€ftlingen bis 1945 oder von Ăberlebenden angefertigt wurden.
Die historische Entwicklung der GedenkstĂ€tte und die Erinnerungsbildung nach 1945 ist Thema der 1999 eröffneten Ausstellung âGeschichte der GedenkstĂ€tte Buchenwaldâ innerhalb eines GebĂ€udes in der NĂ€he des Mahnmals.
Neben diesen stĂ€ndigen Ausstellungen werden regelmĂ€Ăig unterschiedliche Wanderausstellungen gezeigt.
Neben der Kritik an der Ausstellung zum Speziallager Nr.2 gibt es zudem kritische Betrachtungen zu HĂ€ftlingsbordellen im Konzentrationslager. Dabei wird kritisiert, dass bis heute keine offiziellen Hinweise auf LagerplĂ€nen oder in Ausstellungen fĂŒr die Existenz solcher Bordelle gegeben werden.[21]
Das Mahnmal wurde in der Zeit von 1954 bis 1958 gebaut. Der Konzeption liegt das Motto âDurch Sterben und KĂ€mpfen zum Siegâ zu Grunde. Der Besucher soll dabei weg vom Tod ins Leben gewiesen werden. Die gesamte monumentale Anlage ist in der Form dem Sozialistischen Realismus zuzuordnen. Vom Eingangstor fĂŒhrt eine Treppe hangabwĂ€rts. Die Treppe wird von sieben Stelen flankiert, die symbolisch fĂŒr die sieben Existenzjahre des Konzentrationslager stehen. Die Stelen wurden von den Bildhauern RenĂ© Graetz, Waldemar Grzimek und Hans Kies entworfen und erstellt. Auf der RĂŒckseite der Stelen stehen Texte von Johannes R. Becher. Am Ende der Treppe befinden sich Grabtrichter. In diesen Erdsenken lieĂ die SS kurz vor der Befreiung des Konzentrationslagers 1945 etwa 3000 Tote verscharren. Von den Grabtrichtern wurden drei in Form von RinggrĂ€bern zum Bestandteil der GedenkstĂ€tte.
Die RinggrĂ€ber sind durch Die StraĂe der Nationen verbunden. Die StraĂe der Nationen ist von gemauerten Pylonen mit den Namen von 18 Nationen flankiert. Eine breite gepflasterte Treppe fĂŒhrt zum Glockenturm Turm der Freiheit. Im Inneren des Turmes befindet sich eine Bronzeplatte, unter der Erde und Asche aus anderen Konzentrationslagern liegen. Die Glocke im Turmaufsatz stammt von Waldemar Grzimek. Vor dem Glockenturm steht eine von Fritz Cremer entworfene Figurengruppe zu Ehren des Widerstandskampfes im Lager. Sie wurde 1957â1958 in der KunstgieĂerei Lauchhammer in Bronze gegossen[22] und 2002â2005 restauriert.
Buchenwald-Denkmal von Fritz Cremer
Neben den Ausstellungen und dem Mahnmal mit Glockenturm gibt es im ehemaligen Konzentrationslager weitere Denkmale, Gedenksteine und ErinnerungsstÀtten.
Bei der ersten Gedenkfeier am 19. April 1945, wenige Tage nach der Befreiung am 11. April 1945 errichteten einige Ăberlebende auf dem Appellplatz einen Obelisken aus Holz mit einer hölzernen symbolischen Feuerschale darauf. In dieses Denkmal ritzten sie die Zeichen K.L.B, die Zahl 51.000 und einen Kranz ein.[18] Der Obelisk sollte an die Geschehnisse erinnern, die den HĂ€ftlingen widerfahren sind. Der Obelisk existiert heute nicht mehr. (1995 wurde das DENKMAL AN EIN DENKMAL von den KĂŒnstlern Horst Hoheisel und Andreas Knitz erstellt). Es ist eine Metallplatte, in die im Mittelteil in alphabetischer Reihenfolge die Namen von ĂŒber 50 Nationen eingraviert sind. Die gesamte Platte ist das ganze Jahr ĂŒber auf 37 °C beheizt und strahlt WĂ€rme an diesem Ort der menschlichen KĂ€lte aus. [23]
Dort, wo der jĂŒdische Block 22 stand, wurde am 9. November 1993 das JĂŒdische Mahnmal geweiht. Es ist aus Steinen des Buchenwalder Steinbruchs erbaut und trĂ€gt den Psalm 78,6 EU in deutscher, englischer und hebrĂ€ischer Ăbersetzung als Inschrift.âAuf daĂ erkenne das kĂŒnftige Geschlecht, die Kinder, die geboren werden, daĂ sie aufstehen und erzĂ€hlen ihren Kindern.â
Ein Teil der alten Bahnstrecke wurde seit 2007 durch den Gedenkweg Buchenwaldbahn wieder sichtbar. Dieser beginnt kurz nach der âBlutstraĂeâ und endet an der Verladerampe des Konzentrationslagers, neben den ehemaligen Gustloff-Werken. Er hat eine LĂ€nge von 3,3 Kilometern.
Die WiderstandskĂ€mpfer Dietrich Bonhoeffer, Friedrich von Rabenau und Ludwig Gehre wurden in einem SS-Arrestkeller in der NĂ€he des Steinbruchs von Anfang 1945 gefangengehalten und anschlieĂend in FlossenbĂŒrg ermordet. 1999 entstand deshalb im freigelegten Keller die ErinnerungsstĂ€tte fĂŒr Dietrich Bonhoeffer, Friedrich von Rabenau und Ludwig Gehre.
Im Bereich des kleinen Lagers wurde mit Spenden aus den USA und Deutschland das Denkmal âKleines Lagerâ errichtet, Es entstand zwischen 2001 und 2002. Der Entwurf geht auf den New Yorker Architekten Stephen Jacobs zurĂŒck, der als Kind mit seinem Vater und Bruder zu Beginn des Jahres 1945 von Auschwitz nach Buchenwald ins kleine Lager verlegt wurde.
Der Gedenkstein erinnert an das jĂŒdische Sonderlager, das sich in den Jahren 1938 und 1939 auf dem Appellplatz befand. Nach den Pogromen im November 1938 wurden 10.000 Juden durch die SS nach Buchenwald gebracht und in Holzbaracken im westlichen Teil des Appellplatzes untergebracht, wo sie misshandelt wurden.
Von November 1944 bis MĂ€rz 1945 wurden zahlreiche verurteilte Kriegsdienstverweigerer und Deserteure der Wehrmacht in das Konzentrationslager ĂŒberfĂŒhrt. Am ehemaligen Block 45 erinnert der Gedenkstein an die Kriegsdienstverweigerer und Deserteure der Wehrmacht an diese Menschen.
2002 entstand der Gedenkstein zur Erinnerung an die Zeugen Jehovas ebenfalls am ehemaligen Block 45 zur Erinnerung an die inhaftierten Zeugen Jehovas, die im Konzentrationslager Buchenwald Opfer wurden. Ebenfalls am ehemaligen Block 45 erinnert der Gedenkstein fĂŒr die âRosa-Winkel-HĂ€ftlingeâ an die 650 inhaftierten âRosa-Winkel-HĂ€ftlingeâ, von denen jeder dritte ums Leben kam.
Mit dem Gedenkstein zur Erinnerung an Frauen und MĂ€dchen am ehemaligen Block 5 soll an die ĂŒber 26.000 Frauen und MĂ€dchen erinnert werden, die fĂŒr die deutsche RĂŒstungsindustrie in den AuĂenlagern arbeiten mussten. Der Gedenkstein wurde 2003 eingeweiht und enthĂ€lt einen Text der polnischen Schriftstellerin Danuta Brzosko-Medryk. Das Rudolf-Breitscheid-Denkmal erinnert an den SPD-Politiker Rudolf Breitscheid. Breitscheid war im Sonderlager Fichtenhain interniert und starb bei einem Luftangriff der Alliierten im August 1944.
Die Gedenktafel an die Ermordung Ernst ThĂ€lmanns befindet sich an dem ehemaligen Krematorium des Lagers, angebracht an der AuĂenwand, die zum Hof des GebĂ€udes zeigt. An dieser Stelle wurde ThĂ€lmann von SS-MĂ€nnern erschossen. Die Tafel wurde zu Zeiten der DDR, 1953, als erste Gedenktafel im Lagerbereich angebracht.
Zur Unterhaltung der SS war es in den Konzentrationslagern ĂŒblich, dass HĂ€ftlinge volkstĂŒmliche Lieder oder Marschlieder singen mussten. In Buchenwald wurde bei der SS das Lied âSteht ein Dörflein mitten im Waldeâ nach dem Gedicht âSo einer war auch erâ von Arno Holz beliebt und war Bestandteil des tĂ€glichen Appellablaufes.
Der âSchutzhaftlagerâ-FĂŒhrer Arthur Rödl forderte Ende 1938 HĂ€ftlinge auf, fĂŒr das Lager in Buchenwald ein Lied zu schreiben. In kĂŒrzester Zeit schrieben und komponierten die österreichischen HĂ€ftlinge Fritz Löhner-Beda und Hermann Leopoldi das Buchenwaldlied. Es bestand aus drei Strophen. Zufrieden mit dem Ergebnis lieĂ Rödl das Lied mit Nachdruck einĂŒben. Es wurde Standard beim Appell und anderen Gelegenheiten. So wurde es auch als Marschlied gespielt, wenn die Arbeitskolonnen ein- und auszogen. Weil der Massengesang nicht immer sofort funktionierte, bekam Rödl regelmĂ€Ăig WutanfĂ€lle und exerzierte Massen- oder Einzelbestrafungen. Die HĂ€ftlinge organisierten es deshalb so, dass die in der NĂ€he von Rödl stehenden Blocks mit doppelter StĂ€rke sangen und die weiter entfernten HĂ€ftlinge nur die Lippen bewegten.[24]
Ab 1942 gehörte das Lied nicht mehr zum offiziellen Programm, da im Konzentrationslager Buchenwald immer mehr auslĂ€ndische HĂ€ftlinge interniert wurden. âUmso mehr Bedeutung erlangte es aber fĂŒr einzelne HĂ€ftlingsgruppen, die es zu ihrer Selbstvergewisserung immer wieder sangen. Besonders der letzte Vers des Refrains â⊠denn einmal kommt der Tag: Dann sind wir frei!â gab ihnen die Vision eines Lebens in Freiheit, fĂŒr die es sich lohnt, allen Mut und alle Kraft einzusetzen.â[25] Heute ist das Buchenwaldlied fester Bestandteil von Gedenkfeiern zur Befreiung.
SchĂ€tzungsweise 250.000 HĂ€ftlinge waren in Buchenwald inhaftiert. Darunter auch viele öffentlich bekannte Personen, wie Politiker, Schriftsteller oder Geistliche. Des Weiteren wurden alliierte Soldaten nach ihrer Gefangennahme im Konzentrationslager interniert. Unter diesen waren auch 26 Soldaten der kanadischen Luftwaffe und 142 britische, amerikanische, australische und neuseelĂ€ndische Luftwaffenpiloten, die an den Fronten abgeschossen wurden. Sie nahmen Kontakt mit dem französischen Widerstand auf und verkleideten sich als Zivilisten, wurden aber aus den Reihen der WiderstandskĂ€mpfer verraten und nach Buchenwald transportiert. Indem sie dort als Spione behandelt wurden, konnten die Genfer Konventionen umgangen werden.[26] â Hauptartikel: HĂ€ftlinge im Konzentrationslager Buchenwald
Der erste Lagerkommandant war von Juli 1937 bis November 1941 SS-StandartenfĂŒhrer Karl Otto Koch. Er wurde wegen Unterschlagungen im groĂen Stile und wegen Schwarzmarkthandel zuerst nach Lublin versetzt, wo er die Errichtung des KZ Majdanek leitete. Dann wurde er jedoch von Heinrich Himmler fallen gelassen und exemplarisch fĂŒr alle anderen korrupten KZ-Kommandanten wegen Mordes an drei HĂ€ftlingen und Korruption angeklagt. Er wurde zum Tode verurteilt und am 5. April 1945 im KZ Buchenwald hingerichtet. Seine Ehefrau Ilse Koch, spĂ€ter auch als âHexe von Buchenwaldâ bezeichnet, war von den HĂ€ftlingen aufgrund ihrer Meldungen gefĂŒrchtet. Nach dem Krieg wurde sie deswegen im Buchenwald-Hauptprozess angeklagt und zu lebenslĂ€nglicher Haft verurteilt. Kochs Nachfolger wurde SS-OberfĂŒhrer Hermann Pister. Er leitete das Lager von Dezember 1941 bis zum April 1945 und baute es zu einem funktionierenden KZ-Wirtschaftsbetrieb um. Unter seiner Kommandantur erfolgte die Errichtung einer Waffenfabrik der Wilhelm-Gustloff-Stiftung beim Konzentrationslager. Nach Kriegsende wurde er verhaftet und von einem US-MilitĂ€rgericht im Buchenwald-Hauptprozess zum Tode verurteilt. Er starb Ende September 1948 in der Justizvollzugsanstalt Landsberg am Lech an einer HerzmuskellĂ€hmung.[27]
Im Konzentrationslager Buchenwald starben schĂ€tzungsweise 56.000 Menschen. Darunter etwa 15.000 SowjetbĂŒrger, 7.000 Polen, 6.000 Ungarn, 3.000 Franzosen und weitere 5.000 Menschen aus 26 Nationen.[17] Etwa 11.000 Todesopfer waren Juden. 9.000 Todesopfer waren Deutsche (politisch oder religiös Verfolgte, Homosexuelle und andere). Davon konnten bislang 36.000 Menschen namentlich zugeordnet werden.[28]
Am 9. April 2010 wurde das digitale Totenbuch KZ Buchenwald mit ĂŒber 38.000 Namen online veröffentlicht.[29] Das Totenbuch ist den Opfern des Konzentrationslagers Buchenwald und ihren Angehörigen gewidmet. Es trĂ€gt den Titel
Es enthĂ€lt auch eine Statistik ĂŒber die offiziell registrierten Toten und geschĂ€tzte Zahlen weiterer namentlich unbekannter Opfer und ĂŒber die "LagerstĂ€rke" in diesen Jahren.
Willy Schmidt, Christoph Leclaire, Andrea Meschede, Ulrich Schneider: Buchenwald â Ein Konzentrationslager. Hrsg. von der Lagergemeinschaft Buchenwald-Dora. Pahl-Rugenstein, Bonn 2002. ISBN 3-89144-335-8. (Print: siehe Literatur âLagergemeinschaftâ)
| |
Dieser Artikel wurde am 14. April 2008 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen. |