|
|
Lexikon auf Ihrer Homepage |
|
Lexikon als Lesezeichen hinzufügen |
| Gemeinde Kalavryta Δήμος Καλαβρύτων | ||
|---|---|---|
| | ||
| Basisdaten | ||
| Staat: | Griechenland | |
| Region: | Westgriechenland | |
| Regionalbezirk: | Achaia | |
| Geographische Koordinaten: | 38° 2′ N, 22° 7′ O38.030833333322.1086111111Koordinaten: 38° 2′ N, 22° 7′ O | |
| Fläche: | 1.065,5 km² | |
| Einwohner: | 13.912 (2010[1]) | |
| Bevölkerungsdichte: | 13,1 Ew./km² | |
| Sitz: | Kalavryta | |
| LAU-1-Code-Nr.: | ||
| Gemeindebezirke: | 4 Gemeindebezirke | |
| Ortschaften: | 67 Ortschaften | |
| Website: | www.kalavrita.gr | |
| Lage in der Region Westgriechenland | ||
Kalavryta (griechisch Καλάβρυτα (n. pl.), auch Kalavrita) ist eine Kleinstadt mit rund 2.000 Einwohnern im Präfekturbezirk Achaia im Norden der Halbinsel Peloponnes. Gleichzeitig ist Kalavryta eine Gemeinde in der Region Westgriechenland, die durch Eingemeindungen vor allem in den Jahren 1997 und 2010 auf knapp 14.000 Einwohner angewachsen ist.
Kalavryta erlangte als legendärer Ort des Beginns der Griechischen Revolution und aufgrund eines Massakers der deutschen Wehrmacht vom 13. Dezember 1943 Bekanntheit.
Inhaltsverzeichnis |
Der Ort liegt im fruchtbaren Hochtal des zum Golf von Korinth entwässernden Flusses Vouraikos am südlichen Hang in etwa 740 m Höhe, westlich flankiert vom Gebirgsmassiv des Erymanthos, 2221 m. Östlich dominiert, in großer Nähe, das Gebirgsmassiv des Aroania, 2338 m.
In dieser Gebirgslandschaft kommt es zwischen Dezember und April zu reichlichen Niederschlägen. Der Fluss führt daher das ganze Jahr über Wasser, obwohl diese Landschaft, wie fast der ganze Peloponnes, durch Karstphänomene und sehr regenarme Sommer geprägt ist.
Nach Klima, Gebirgslage und Verkehrsanbindungen gehört Kalavryta wie der Großteil des inneren Peloponnes zu den durch Strukturschwächen und Landflucht geprägten Städten und Dörfern. In der Region wurde daher der Tourismus, heute auch Agro-Tourismus, gefördert. Die wichtigste Straßenanbindung nach Diakopto an der Nordküste (ca. 40 km) gehört auch nach den 2005 erfolgten Ausbaumaßnahmen zur Kategorie der kurvenreichen „Landstraßen mit lokaler Bedeutung“. Die weiteren Verbindungen nach Nordwesten (Patras, 75 km) und Südosten (Tripolis, 90 km) bleiben ebenfalls kurvenreiche Trassen durch Gebirgslandschaft. Die Bahnstrecke Diakopto–Kalavryta, eine 1885 gebaute Schmalspur- und Zahnradbahn mit der Spurweite 750 mm, hat Bedeutung für den touristischen Verkehr und ist durch die Beschaffung neuer Triebfahrzeuge im Bestand gesichert.
Der Ort ist ein Häuser- und Straßenensemble mit einer baumbestandenen Platia, mehreren Hotels, einem Museum und einer nationalen Gedenkstätte. Wirtschaftliche Einnahmequelle ist der überwiegend innergriechische Tourismus. Wanderung sind durch das Vouraikos-Hochtal und durch die Schlucht entlang der Bahntrasse möglich.
Der Ort ist von Athen über Straßen oder per Bahn erreichbar. Seit Eröffnung der Bahnverbindung vom Flughafen Athen nach Korinth im Jahr 2005 mit Direktanschluss an die meterspurige Schmalspurbahn Korinth-Diakopto-Patras ist Kalavryta per Bahn schneller als per Straße zu erreichen.
Der Ort Kalavryta ist besonders durch zwei geschichtliche Ereignisse bekannt.
Am 25. März 1821 segnete der Metropolit (Bischof) Germanos von Patras im nahegelegenen Kloster Agia Lavra die Fahne der Befreiungskämpfer. Seitdem ist das Kloster ein Nationalheiligtum und der 25. März inzwischen Nationalfeiertag.
Während der deutschen Besetzung Griechenlands im Zweiten Weltkrieg kam es Mitte Oktober 1943 zur Gefangennahme von rund 80 deutschen Soldaten durch Partisanen der Griechischen Volksbefreiungsarmee ELAS. Die Partisanen hatten im Raum Kalavryta eine starke Position, obwohl die überwiegend konservativ eingestellte Bevölkerung ihnen gegenüber als distanziert galt. Es ist aus den zahlreich vorhandenen Dokumenten der Wehrmacht nicht feststellbar, ob die Forderung der Partisanen nach Austausch der gefangenen Soldaten gegen in deutscher Hand befindliche griechische Geiseln ernsthaft erwogen wurde. Ende November war der Befehl für das „Unternehmen Kalavrita“ (Vernichtung der „Banden“ (Banden=Partisanen) und eine Vergeltungsaktion) schon ergangen. Die folgenden vermehrten Truppenbewegungen in das Gebiet von Kalavryta konnten den Partisanen nicht entgangen sein. Am 7. Dezember, rund zwei Monate nach der Festnahme, wurden die deutschen Soldaten getötet und am 8. Dezember von den Besatzern tot aufgefunden.
Daraufhin erging der Befehl zur „schärfsten Form der Sühnemaßnahmen“. Die unter dem Kommando des Generalmajors Karl von Le Suire stehende 117. Jägerdivision begann am folgenden Tag, dem 9. Dezember, mit der Zerstörung von Kalavryta und 25 Dörfern. Auch das oben genannte Nationalheiligtum Kloster Agía Lávra wurde völlig zerstört (was die Empörung der Griechen noch steigerte und bis heute nachwirkt). Am 13. Dezember wurden alle Dorfbewohner zur Schule befohlen. Dort blieben die Frauen und Kinder zurück. Alle Männer wurden oberhalb des Ortes geführt und dort mit Maschinengewehrfeuer hingerichtet. 13 Männer überlebten das Massaker, weil sie von den Deutschen für tot gehalten wurden. Der Ort wurde in Schutt und Asche gelegt.
Zitate aus der unten genannten in allen Einzelheiten vor Ort und wissenschaftlich recherchierten Publikation von E. Rondholz:
Der mit der Wehrmacht kollaborierende griechische Ministerpräsident Ioannis Rallis schrieb in einem im Ton devoten Brief an den Militärbefehlshaber Griechenland, General Wilhelm Speidel, sechs Tage nach dem Massaker:
Oberhalb des Ortes wurde eine Gedenkstätte errichtet. In hohe Betonwände sind die Namen aller Ermordeten eingegossen. Ein großes weißes Kreuz ist von jeder Position des Tals und des Ortes aus sichtbar. In der Mitte der Anlage befindet sich eine Betonskulptur, die eine trauernde Mutter zeigt. Auf dem Gelände sind mit großen weißen Steinlettern die Inschriften „OXI ΠIA ΠOΛEMOI“ (Nie wieder Krieg) und „ΕΙΡΗΝΗ“ (Frieden) gelegt. Am 1. April 2000 besuchte der deutsche Bundespräsident Johannes Rau Kalavryta und legte am Mahnmal einen Kranz nieder.
Der Völkerrechtler Norman Paech schrieb 2000 in Der juristische Schatten...:
In Griechenland waren Klagen von Angehörigen der Opfer auf Wiedergutmachung von Gerichten mit der Begründung abgewiesen worden, die Bundesrepublik Deutschland genieße als souveräner Staat Immunität (d.h. ein Staat - die Bundesrepublik - kann nicht vor einem Gericht eines anderen Staates - Griechenlands - verklagt werden[2]). Am 15. Februar 2007 wies auch der Europäische Gerichtshof in Luxemburg Schadensersatzansprüche an Deutschland wegen dieses Massakers der Wehrmacht ab. Die Kläger hatten versucht, ihre Ansprüche juristisch auf ein EU-internes Übereinkommen über die Zuständigkeit und Vollstreckung gerichtlicher Entscheidungen aus dem Jahre 1968 zu stützen, das der Gerichtshof aber in seinem Urteil für diesen Fall als nicht anwendbar ansah.[3]
Agrinio | Aktio-Vonitsa | Amfilochia | Andritsena-Krestena | Archea Olymbia | Dytiki Achaia | Egialia | Erymanthos | Ilida | Kalavryta | Kyllini | Mesolongi | Nafpaktia | Patras | Pinios | Pyrgos | Thermo | Xiromero | Zacharo