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Kaliumcyanid

Strukturformel
K+-Ion Cyanid-Ion
Allgemeines
Name Kaliumcyanid
Andere Namen
  • Zyankali
  • Cyankalium
  • Blausaures Kalium
Summenformel KCN
CAS-Nummer 151-50-8
PubChem 9032
Kurzbeschreibung

farblose Kristalle mit Geruch nach Bittermandeln[1]

Eigenschaften
Molare Masse 65,12 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

1,55 g·cm−3[1]

Schmelzpunkt

634,5 °C[1]

Siedepunkt

1625 °C[1]

Löslichkeit

leicht löslich in Wasser (716 g·l−1 bei 25 Â°C)[1]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
06 – Giftig oder sehr giftig 09 – UmweltgefĂ€hrlich

Gefahr

H- und P-SĂ€tze H: 300+310+330-410
EUH: 032
P: 273-​280-​302+352-​304+340-​309+310 [1]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung aus RL 67/548/EWG, Anh. I [2]
Sehr giftig UmweltgefÀhrlich
Sehr giftig Umwelt-
gefÀhrlich
(T+) (N)
R- und S-SĂ€tze R: 26/27/28-32-50/53
S: (1/2)-7-28-29-45-60-61
MAK

5 mg·m−3 [1]

LD50
  • 2,857 mg·kg−1 (Mensch, LDLo, oral)[3]
  • 8,5 mg·kg−1 (Maus, oral)[3][4]
  • 6,5 mg·kg−1 (Maus, subcutan)[3][5]
  • 5 mg·kg−1 (Ratte, oral)[3][6]
  • 8 mg·kg−1 (Ratte, intramuskulĂ€r)[3][7]
Soweit möglich und gebrÀuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
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Kaliumcyanid (Zyankali, englisch potassium cyanide, Summenformel KCN) ist das Kaliumsalz der BlausÀure (HCN).

Inhaltsverzeichnis

Eigenschaften

Tödliche Dosis Kaliumcyanid

Kaliumcyanid bildet farblose Kristalle, die bittermandelartig riechen, einen Schmelzpunkt von 634 Â°C haben, sich gut in Wasser, aber nur schlecht in Alkohol lösen. Nur etwa 20–50 % der Menschen sind â€“ genetisch bedingt â€“ in der Lage, den auf die GefĂ€hrlichkeit hinweisenden Bittermandelgeruch wahrzunehmen.

Auch mit schwachen SÀuren (wie der KohlensÀure) wird aus Kaliumcyanid BlausÀure freigesetzt, bei lÀngerem Lagern bildet sich durch Aufnahme von Kohlendioxid aus der Luft Kaliumcarbonat.

Toxische Wirkung

Beim Menschen

Bei einem erwachsenen Menschen betrĂ€gt die tödliche Dosis etwa 140 mg Cyanid (CN−), dabei ist auch Hautresorption möglich. Die niedrigste berichtete letale Dosis LDLo beim Menschen betrug bei oraler Aufnahme 2,857 mg/kg Körpergewicht.[8][3] Hellrote Schleimhautblutungen weisen beim Leichnam auf Zyankali hin.

Der Cyanid-Wirkstoff wird meistens als Zyankali (Zyankali-Kapseln) oder als ein anderes Salz der BlausĂ€ure (z. B. Natriumcyanid) verwendet. Beim Zerbeißen und Verschlucken einer solchen Kapsel entfaltet sich die toxische Wirkung beim Auflösen des Zyankalis und Freisetzung der Cyanid-Ionen (analog BlausĂ€ure – toxische Wirkung der BlausĂ€ure).

Das Cyanid-Ion blockiert die Sauerstoffbindungsstelle der Cytochrom-c-Oxidase (Komplex IV der Atmungskette), was zur inneren Erstickung fĂŒhrt. Cyanid-Ionen werden durch das Enzym Rhodanase zu Thiocyanat-Ionen umgesetzt. Diese werden ĂŒber die Niere ausgeschieden.

Nach Vergiftung mit kleineren Mengen, falls sie nicht tödlich verlaufen, kann es zu neurologischen SpĂ€tschĂ€den kommen. Solche Vergiftungen behandelt man u. a. mit Natriumthiosulfat zur UnterstĂŒtzung der hepatischen Metabolisierung, 4-Dimethylaminophenol und Hydroxycobalamin.

Bei Tieren

Fische sterben bei einer Cyanidkonzentration im Wasser von 1–5 ”g/l. FĂŒr kleinere SĂ€ugetiere wie MĂ€use oder Ratten liegt die letale Dosis LD50 bei oraler, subkutaner oder intramuskulĂ€rer Aufnahme bei 5–8,5 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht.[3][4][5][7]

Herstellung

Die technische Herstellung erfolgt aus BlausÀure und Kalilauge (Neutralisation und nachfolgendes Eindampfen).

<math>\mathrm{HCN + KOH \longrightarrow KCN + H_2O}</math>

In frĂŒherer Zeit wurde Kaliumcyanid durch Einwirken von Kohlenstoffmonoxid und Ammoniak auf Kaliumcarbonat (Pottasche) bei hohen Temperaturen hergestellt. Bei dieser von Eisen katalysierten Reaktion entstehen neben Kaliumcyanid auch Wasser, Wasserstoff und Kohlenstoffdioxid:

<math>\mathrm{3 \ CO + 2 \ NH_3 + K_2CO_3 \longrightarrow 2 \ KCN + 2 \ H_2O + H_2 + 2 \ CO_2}</math>

Im Labor wird es durch Erhitzen von Blutlaugensalzen wie Kaliumhexacyanidoferrat(III) und SchwefelsÀure hergestellt. Die entstandene BlausÀure wird dann mit Kalilauge neutralisiert und das Kaliumcyanid kann z.B. mit Ethanol ausgefÀllt werden.

Auch die Herstellung durch die Reduktion von Kaliumcyanat bei höheren Temperaturen ist möglich:

<math>\mathrm{ \ KOCN + C \longrightarrow \ KCN + CO}</math>

Verwendung

Kaliumcyanid wird hauptsÀchlich zur Goldgewinnung (Cyanidlaugerei) und in galvanischen BÀdern, aber auch in der organischen Synthesechemie verwendet (besonders zur Darstellung von Nitrilen).

In Form von so genannten BlausĂ€urekapseln ist Kaliumcyanid als Mittel zur DurchfĂŒhrung des Suizid bekannt geworden.

Sicherheitshinweise

Es ist unbedingt zu vermeiden, dass StĂ€ube und DĂ€mpfe von Kaliumcyanid eingeatmet werden. Deswegen muss bei der Handhabung eine Schutzmaske getragen werden. Kaliumcyanid ist hautresorptiv. Um BerĂŒhrungen mit der Haut abzuwenden, sind Gummihandschuhe und entsprechende Laborkleidung zu tragen.

Bei der Lagerung von Kaliumcyanid mĂŒssen die entsprechenden BehĂ€lter dicht geschlossen sein. Die Lagerung hat kĂŒhl und trocken und unter Verschluss zu erfolgen (Lagerklasse: 6.1BS, Nicht brennbare giftige Stoffe, fest).

Nachweis

Das klassische Analyseverfahren von Kaliumcyanid besteht im Nachweis der Cyanid-Ionen (CN−): Zur alkalischen Probelösung wird im Unterschuss Eisen(II)-sulfat-Lösung zugegeben. Sind Cyanid-Ionen vorhanden, bildet sich nach der Zugabe von Eisen(III)-Salzen Berliner Blau.

Einzelnachweise

  1. ↑ a b c d e f g h Eintrag zu Kaliumcyanid in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 3. Februar 2008 (JavaScript erforderlich).
  2. ↑ Nicht explizit in RL 67/548/EWG, Anh. I gelistet, fĂ€llt aber dort mit der angegebenen Kennzeichnung unter den Sammelbegriff „BlausĂ€uresalze“; Eintrag in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 30. MĂ€rz 2009 (JavaScript erforderlich)
  3. ↑ a b c d e f g Kaliumcyanid bei ChemIDplus.
  4. ↑ a b Journal of Pharmacology and Experimental Therapeutics. Vol. 161, 1968, S. 163.
  5. ↑ a b Nippon Yakurigaku Zasshi. (Japanese Journal of Pharmacology.) Vol. 54, 1958, S. 1057.
  6. ↑ Archives of Toxicology. Vol. 54, 1983, S. 275.
  7. ↑ a b C.D. Barnes, L.G. Eltherington: Drug Dosages in Laboratory Animals - A Handbook. Berkeley, Univ. of California Press, 1973, S. 209.
  8. ↑ W. B. Deichmann: Toxicology of Drugs and Chemicals. Academic Press, New York 1969, S. 191.

Literatur

  • Römpp Chemielexikon (Hrsg. Falbe/Regitz) 9. Aufl., S. 2127 (G. Thieme, Stgt. 1995)

Weblinks

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