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Der Kalte Markt im ostwürttembergischen Ellwangen ist ein traditioneller Pferdemarkt, der möglicherweise seit über 1000 Jahren stattfindet.
Inhaltsverzeichnis |
Im Jahre 764 gründeten die beiden Brüder Hariolf und Erlolf im Tal der Jagst das Kloster Ellwangen und brachten die Reliquien der kappadokischen Pferdezüchter und Heiligen Speusippus, Eleusippus und Meleusippus nach Ellwangen. Diese wurden in der Bevölkerung als Pferdeheilige verehrt. Aus dieser Verehrung heraus entwickelte sich Ellwangen zum Treffpunkt für Pferdehändler und Kaufinteressenten. Im Ellwanger Lehensbuch A von 1370 wird ein Kalter Meßtag erwähnt, der am 17. Januar abgehalten wurde. Der 17. Januar war der Gedenktag der heiligen Drillinge, zudem war er Gedenktag des heiligen Antonius, weshalb der Markt auch als Antoniusmarkt bezeichnet wurde.[1] Im 17. Jahrhundert wurde der Kalte Markt auf den Montag nach dem Dreikönigstag verlegt. Der Name Kalter Markt rührt von den im Januar meist herrschenden Temperaturen. Bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde am Kalten Markt mit Pferden gehandelt.
Laut einer Oberamtsbeschreibung aus dem späten 19. Jahrhundert waren die Bauern aus der Umgebung von Ellwangen bekannt für die Nachzucht „von vorzüglich leistungsfähigen harten Führochsen“, aber auch von Mastochsen. Pferde verkauften die Ellwanger Bauern im Alter von einem bis drei Jahren, sie behielten nur einige Stutfohlen für die Weiterzucht. Auf dem Kalten Markt wurden 1626 rund 300 Pferde zum Verkauf angeboten, 1628 waren es 190 und 1630 nur noch 119. Zwischen 1789 und 1798 konnten durchschnittlich 486 Pferde und 92 Ochsen verkauft werden. Im Jahre 1798 trieb man 956 Pferde zum Markt, von denen 409 einen Käufer fanden.[2]
1881 wurden 1073 Pferde, 680 Ochsen, 401 Stiere, 431 Kühe und 419 Kälber auf dem Kalten Markt angeboten. Für den Abtransport der verkauften Tiere waren 58 Eisenbahnwaggons notwendig.[3]
Die Viehmärkte wurden in der Langen Straße (heute Marienstraße) und der Spitalstraße abgehalten. Dort standen Ochsen und Kühe in zwei Reihen, mit den Köpfen zur Straßenmitte. Die beiden Straßen waren während des Marktes für Fahrzeuge unpassierbar, die Fenster der Häuser konnten wegen des Gestanks nicht geöffnet werden. Der Schweinemarkt befand sich in der Gasse hinter dem „Schwarzen Adler“, der Hunde- und Geflügelmarkt auf dem heutigen Karl-Wöhr-Platz.[3]
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Kalte Markt erst 1921 wieder abgehalten und durch die Prämierung von Fohlen und Gespannen sowie eine Ausstellung von landwirtschaftlichen Geräten neu belebt. Den Viehmarkt verlegte man 1935/1936 auf den Oberen Brühl, von 1961 an fand er auf dem Schießwasen statt.[2]
Am Sonntag nach Dreikönig beginnt der Kalte Markt mit einer festlichen Reitermesse in der Basilika St. Vitus. Am darauffolgenden Montag findet mit der Pferdeprämierung und dem nachfolgenden Festumzug durch die Stadt eines der zentralen Elemente des Marktes statt. Prämiert werden allerdings nur drei- und vierjährige Jungstuten sowie trächtige Stuten, die zwischen fünf und zehn Jahre alt sein dürfen. Damit unterscheidet diese Zuchtorientierung den Markt wesentlich von anderen Pferdemärkten. Es sind aber alle Rassen, Warmblüter, Kaltblüter und Kleinpferde zur Prämierung zugelassen. Bereichert wird die Prämierung noch durch Gespanne und eine Verkaufsmesse, hauptsächlich mit Artikeln und Gerätschaften, die in der Landwirtschaft und von Pferdebesitzern benötigt werden. Bis zu 400 Pferde und Gespanne werden so prämiert.
Am Dienstag finden mit einer Bauernkundgebung und einer kleinen Viehauktion zwei Veranstaltungen mit Bezug zum ursprünglichen Markt ihren Platz. Abgeschlossen wird das Fest am Mittwoch mit einem Jahrmarkt in der gesamten Innenstadt von Ellwangen. Traditionell werden in den Gasthäusern zum Kalten Markt Saure Kutteln serviert.