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Kameradschaft hieß die von den Nationalsozialisten im Deutschen Reich angestrebte und im Laufe der Zeit zumindest teilweise auch durchgesetzte einheitliche Organisationsform von Studenten an deutschen Hochschulen.
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Der Begriff basierte ursprünglich auf antikorporativen Ideen aus der Jugendbewegung und wurde erstmals 1933 von dem damaligen NS-Führer der Deutschen Studentenschaft (DSt), Gerhard Krüger, aufgegriffen. Auch der Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund (NSDStB) unter seinem Leiter Oskar Stäbel befürwortete dieses Konzept, allerdings mit dem Ziel, in erster Linie studentische Funktionäre in diesen Häusern zu schulen.
Forciert wurde das Kameradschaftsprojekt vor allem unter Krügers Nachfolger Andreas Feickert, der im September 1934 per Erlass die Unterbringung aller Erst- und Zweitsemester in sogenannten „Wohnkameradschaften“ verfügte. Da die DSt nicht über genügend eigene Häuser verfügte, sollten die Studentenverbindungen und ihre Altherrenschaften dazu bewogen werden, ihre Verbindungshäuser in Wohnkameradschaften umzuwandeln. Der Plan stieß jedoch nicht nur bei den Verbindungen selbst auf Widerstand, die um ihren Nachwuchs und ihre Eigenständigkeit fürchteten. Er rief vor allem die NSDStB-Führung unter Albert Derichsweiler auf den Plan, der die gesamte „ideologische, politische und körperliche Ausbildung“ aller Studenten für den Studentenbund einforderte. Nachdem sich sogar Adolf Hitler selbst in den Machtkampf einschaltete und den Feickert-Erlass mit dem überraschenden Argument verwarf, dass die Studenten „überhaupt nicht zusammenleben“ sollten, da sie sonst „kein normales Gesellschaftsleben“ mehr hätten und die „Gefahr der Homosexualität zu groß“ sei, wies Reichserziehungsminister Bernhard Rust Feickert und die DSt Ende schließlich an, „die Führung und Richtungsgebung der gesamten studentischen Erziehung, insbesondere die Lösung der Kameradschaftsfrage dem NSDStB zu überlassen“.
Neben den erwähnten Wohnkameradschaften richtete der NSDStB auch eigene Kameradschaftshäuser (Stammhäuser) in den Hochschulstädten ein, in denen die Mitglieder wie in einer Kaserne wohnten. In allen Kameradschaften herrschte das Führerprinzip, das heißt, dass jede Kameradschaft einen Führer hatte, der für die bedingungslose Umsetzung der Parteibefehle verantwortlich war.
Das Alltagsleben in den Kameradschaften wurde – abgesehen vom Besuch der universitären Veranstaltungen – von nationalsozialistischen Schulungen und Wehrsportübungen bestimmt. Dazu gab es einen militärisch anmutenden Tagesplan, der mit dem Wecken und Frühsport begann, die Abende einschloss und sich auch auf die Wochenenden erstreckte.
In den Kameradschaften wohnten grundsätzlich nur männliche Studenten, obwohl Frauen nicht prinzipiell vom Studium ausgeschlossen waren. Allerdings nutzte z.B. die Arbeitsgemeinschaft Nationalsozialistischer Studentinnen im NSDStB die Kameradschaftshäuser ebenfalls für ihre Schulungen.
Die Kameradschaften betrachteten sich als die zeitgemäße Organisationsform der Studentenschaft und standen damit im Gegensatz zu den traditionellen Studentenverbindungen, die wiederum in zahlreichen Dachverbänden organisiert waren. Während auf der politischen Ebene von 1933 bis ungefähr 1936 mit den studentischen Verbänden diskutiert wurde, wie die einzelnen Verbindungen die Anweisungen der nationalsozialistischen Machthaber zum Zwecke der Gleichschaltung umzusetzen hätten, machten die Mitglieder der Kameradschaften Druck „von der Straße“. Dabei kam es nicht nur zu Rempeleien und Schlägereien, sondern teilweise zu richtigen Straßenschlachten zwischen Verbindungsstudenten und nationalsozialistischen Kameradschaftsangehörigen (wie etwa im Zuge der sogenannten Göttinger Krawalle).
Auch die traditionellen Verbindungen mussten einige Veränderungen hinnehmen. Von ihnen wurde verlangt, dass sie ihren Mitgliedern ebenfalls einen militärischen Tagesablauf vorschrieben und sie zu Schulungen und Wehrsportübungen schickten. Zwischen 1933 und 1936 nahmen die Forderungen der Machthaber so lange weiter zu, bis sich die Verbindungen nicht mehr in der Lage sahen, die Forderungen zu erfüllen, ohne alle ihre Prinzipien aufzugeben. Die Folge war, dass die Verbindungen sich zwischen 1934 und 1938 auflösten oder zwangsaufgelöst wurden.
Zwischen den traditionellen Idealen der Studentenverbindungen und der nationalsozialistischen Ideologie bestand ein großes Konfliktpotential. Wichtige Punkte der Auseinandersetzung waren:
Die Mitglieder vieler aufgelöster Verbindungen wurden in neu gegründete Kameradschaften eingegliedert, viele Verbindungshäuser besonders der schlagenden Verbindungen zu Kameradschaftshäusern gemacht. Die Mitgliedschaft in einer Kameradschaft wurde zur Pflicht. Um die materielle Basis der Kameradschaften zu sichern, wurde den Alten Herren der Verbindungen angeboten, in die NS-Studentenkampfhilfe (ab 1938: „NS-Altherrenbund“) einzutreten und die Kameradschaften zu unterstützen.
Im Jahre 1938 verkündete Reichsstudentenführer Scheel das Ende der traditionellen Studentenverbindungen.
<poem style="font-style:italic; margin-left:2em;"> Die Korporationen kehren nicht wieder Rede des Reichsstudentenführers in Bonn
Anläßlich der Zehnjahresfeier des Bestehens des NS Deutschen Studentenbundes an der Universität Bonn sprach der Reichsstudentenführer Dr. Scheel über Aufgaben und Ziele des neuen Studenten.
Heute stünden bereits 80 Prozent der ersten Semester in den Kameradschaften, und es sei nur eine Frage der Zeit, bis der letzte freie Student für immer von der Hochschule verschwunden sei.
Der Aufbau der neuen Altherrenschaften auf der Grundlage der Kameradschaften habe in die Alt-Akademiker Bewegung gebracht und einen heftigen Kampf innerhalb der Altherrenverbände hervorgerufen. Wer heute noch die Hoffnung eines Wiederauflebens der Korporationen hege, habe sich getäuscht und damit auch sich selbst gerichtet.
Deutsche Allgemeine Zeitung, 18. Januar 1938 (Auszüge) </poem>
Die Hoffnung trog jedoch nicht, denn spätestens mit Kriegsbeginn ließ die Überwachung der Universitäten durch den Parteiapparat nach. Es mussten ständig Befehle der Studentenführung ergehen, die immer wieder aufkeimenden Sitten und Gebräuche des Verbindungsstudententums endlich einzustellen. An einigen wenigen Universitäten (zum Beispiel Göttingen, Leipzig, Tübingen, Würzburg, Bonn etc.) wurde sogar heimlich das Führerprinzip wieder abgeschafft und durch das Conventsprinzip ersetzt, wieder Couleur eingeführt und es wurden gar Mensuren gefochten. Strafandrohungen seitens der Behörden konnten nicht umgesetzt werden, es fehlten konkrete Hinweise. Mindestens in Würzburg und Leipzig kam es gegen Kriegsende dann doch zu Verfahren der Gestapo wegen Hochverrats, die aber im Chaos der letzten Kriegsmonate nicht zu Ende geführt werden konnten.
Viele heutige Verbindungen sehen die Kameradschaften als „Tarnorganisationen“ an, mit deren Hilfe sie ihre Traditionen und Werte über die Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft haben retten können. Einige Verbindungen haben bei der Wiederbegründung nach Kriegsende Kameradschaftsangehörige als Alte Herren in ihren Altherrenverband aufgenommen, besonders wenn diese in Kriegszeiten trotz der strengen Verbote reguläre Mensuren gefochten hatten.