Kanton Bern
Bern (französisch Berne, italienisch Berna, rätoromanisch Berna, berndeutsch Bärn [ˈpæ̞rn]) ist ein Kanton im Westen der Schweiz. Der Hauptort ist Bern. Der Kanton Bern ist flächenmässig (nach Graubünden) und bevölkerungsmässig (nach Zürich) jeweils der zweitgrösste Kanton der Schweiz. Die bernischen Landes- und Amtssprachen sind Deutsch (Bevölkerungsanteil: 84 Prozent) und Französisch (7,6 Prozent). Französisch wird nur im Berner Jura und in der Agglomeration Biel gesprochen, wobei in der Agglomeration Biel aufgrund des Status der Zweisprachigkeit Deutsch und Französisch gleichberechtigt sind.
Geographie
Der Kanton Bern hat die grösste Nord-Süd-Ausdehnung aller Kantone. Er erstreckt sich vom Jura über das Mittelland bis in die Alpen. Im Norden grenzt er an die Kantone Jura, Solothurn und Aargau, im Westen an die Kantone Neuenburg, Waadt und Freiburg, im Osten an die Kantone Luzern, Nidwalden, Obwalden und Uri und im Süden an den Kanton Wallis. Auf Karten mit kleinem Massstab entsteht der Eindruck, dass der Kanton Bern bei La Ferrière an Frankreich grenzt und somit ein Grenzkanton ist. Detaillierte Karten zeigen jedoch, dass Gemeinde- und Landesgrenze einige hundert Meter voneinander entfernt sind. Bern ist somit seit dem Verlust des Laufentals 1994 ein Binnenkanton. Der französischsprachige Berner Jura gehört zum Faltenjura, die Hauptstadt ist Moutier. Südlich davon erstreckt sich zwischen dem Bielersee, Murtensee und der Stadt Bern im Aaretal das Berner Seeland, das durch die Juragewässerkorrektion von Sumpfland zum Gemüsegarten der Schweiz wurde. Im Nordosten der Stadt Bern liegt die Region Oberaargau (die nicht zum Kanton Aargau gehört). Östlich der Stadt Bern liegt das zu den Voralpen gehörende Emmental, aus dem der berühmte Emmentaler kommt, das im Osten vom Bergland des Napf abgeschlossen wird. Im Süden des Kantons liegt das Berner Oberland, im Osten mit dem Haslital, Brienzersee, Thunersee und dem Jungfraugebiet, im Westen mit den Regionen Saanenland, Simmental, Frutigland (Adelboden) und Lötschberg. BevölkerungSprachen
Religionen – Konfessionen
(Die Zahlen stammen aus der Volkszählung im Jahr 2000.)[4] Daneben gibt es im Kanton Bern vergleichsweise viele Mitglieder protestantischer Freikirchen, besonders im Emmental und im Berner Oberland, wo sich trotz intensiver staatlicher Verfolgung noch mennonitische Gemeinden halten konnten. Nach der Reformation des Kantons Bern im Jahr 1528 fasste ab 1799 auch die katholische Kirche wieder Fuss im Kanton. VerfassungBerner Rathaus mit Kirche St. Peter und Paul Die geltende Kantonsverfassung datiert von 1993.[5] LegislativeDer 160-köpfige Grosse Rat ist das Parlament des Kantons. Zwölf Sitze sind für den Berner Jura garantiert und drei Sitze für die französischsprachige Minderheit des zweisprachigen Amtsbezirks Biel/Bienne. Er wird vom Volk für eine Amtsdauer von jeweils vier Jahren gewählt. Das Volk nimmt auch über Volksabstimmungen auch direkt Anteil an der Gesezgebung: obligatorisches Referendum bei Verfassungsänderungen, fakultatives Referendum bei Gesetzesänderungen mit der Möglichkeit eines Volksvorschlags (wenn von mindestens 10'000 Stimmberechtigten verlangt), ausserdem Schweiz (von mindestens 15'000 Stimmberechtigten unterstützt). Mindestens 30'000 Stimmberechtigen können verlangen, dass darüber abgestimmt wird, ob der Grossen Rat vor Ablauf der ordentlichen Amtsdauer abberufen werden soll. Die Parteienzusammensetzung ist:
1 Sozialdemokraten, die sich für eine Vereinigung des Berner Juras mit dem Kanton Jura aussprechen. Die PSA ist Teil der SP Kanton Jura.[6] 2 Wahlbündnis von Christdemokraten und Liberalen, die sich für eine Vereinigung des Berner Juras mit dem Kanton Jura aussprechen. Der 2006 gewählte Grossrat Christian Vaquin gehörte der CVP an.[7] Der Berner Grosse Rat trifft sich nicht wöchentlich, wie bei einigen anderen Kantonsparlamenten üblich, sondern fünfmal pro Jahr zu einer zweiwöchigen Session. ExekutiveDie Exekutive ist der siebenköpfige Regierungsrat (3 SP/JUSO, 1 SVP, 1 FDP, 1 BDP, 1 Grüne), der vom Volk ebenfalls auf vier Jahre gewählt wird. Mindestens 30'000 Stimmberechtigte können dessen Abberufung schon vor Ablauf dieser Periode beantragen, worüber dann eine Volksabstimmung anzuordnen ist (Art. 57 KV). Das Regierungspräsidium wechselt wie auf Bundesebene und in den anderen Kantonen üblich jährlich im Turnus. Dem französischsprachigen Berner Jura ist ein Sitz in der Regierung garantiert (Art. 84 KV). Seit dem 1. Juni 2010 gehören der Regierung folgende Personen an (Wahlen vom 28. März 2010):
Staatsschreiber ist Kurt Nuspliger, SP (Staatskanzlei, Stabschef mit beratender Stimme) JudikativeOberstes kantonales Gericht ist das Obergericht; ihm untergeordnet sind die Regionalgerichte, die Schlichtungsbehörden, die Jugendgerichte, das Wirtschaftsstrafgericht und die Zwangsmassnahmengerichte. Im Bereich des Verwaltungs- und Staatsrechts ist das Verwaltungsgericht die oberste kantonale richterliche Behörde. ParteiensystemDer Kanton Bern ist ein traditionell bürgerlicher Kanton, wobei die SVP eine dominierende Rolle spielt. Dennoch wurde 2006 eine linke Mehrheit in den Regierungsrat gewählt und 2010 bestätigt. Im Juni 2008 hat sich der liberale SVP-Flügel der ehemaligen Bürger- und Gewerbepartei zur BDP abgespaltet. Die evangelischen Parteien EVP (Mitte) und EDU (rechts) sind im reformiert geprägten Bern sehr stark, während die (als katholisch wahrgenommene) Bundesratspartei CVP im Kanton Bern eine Kleinpartei ist. Der Kanton Bern hat eines der fragmentiertesten Parteiensysteme der Schweiz. WirtschaftWirtschaftsstandort und -strukturDer Kanton Bern erstreckt sich vom Jura bis zu den Alpen. Aufgrund seiner Grösse und landschaftlichen Vielfalt hat er eine vielfältige Branchenstruktur. Im Vergleich zum Schweizer Durchschnitt stark vertretene Branchen sind die öffentliche Verwaltung, die Landwirtschaft, die Nachrichtenübermittlung (Post, Telekomm, Fernmeldewesen), der Tourismus sowie das Gesundheits- und Sozialwesen. Letzteres war 2008 mit 71'100 Beschäftigten der bedeutendste Wirtschaftszweig. Der Kanton Bern ist ein wichtiger Wirtschaftsstandort und mit seiner Zweisprachigkeit zudem ein Brückenkanton zwischen der deutsch- und der französischsprachigen Schweiz. Im Kanton Bern gibt es zahlreiche, international tätige und starke Unternehmen, vor allem aus der Präzisionsindustrie und der Uhrenindustrie sowie der Medizinaltechnik. Industriemaschinen und Uhren machen 44,9 Prozent der Warenexporte des Kantons Bern aus. Hauptexportdestinationen sind mit 54,4 Prozent die EU-Länder. (Zahlen 2010) Über 15'000 Arbeitslätze in der Energie- und Umwelttechnik machen den Kanton Bern zu einem aufstrebenden Cleantech-Standort. Mit der Wirtschaftsstrategie 2025 will die Politik Cleantech gezielt fördern und ausbauen.[8] ClusterorganisationenMit seiner Clusterpolitik ermöglicht der Kanton Bern die bessere Vernetzung von Unternehmen untereinander und fördert damit den Wissens- und Technologietransfer. Cluster spielen als Kompetenznetzwerke eine Schlüsselrolle in der wirtschaftlichen Entwicklung. Sie wachsen durchschnittlich stärker als die Gesamtwirtschaft des Kantons Bern. In den Clustern arbeiteten 32,8 Prozent der Beschäftigten des Kantons Bern (2008). Unternehmen treffen sich regelmässig in folgenden Kompetenznetzwerken:
Bildung und ForschungSiehe auch: Volksschulgesetz (Kanton Bern)
Das breite Bildungsangebot des Kantons Bern umfasst Volksschule, Mittelschule, Berufsbildung und Hochschulen. Wer im Kanton Bern studieren will, kann zwischen vier Hochschulen wählen: der Universität, der Berner Fachhochschule, der Pädagogischen Hochschule PHBern und HEPBejune (französisch). Die internationale Schule Bern ist eine von CIS (Council of International Schools) und NEASC (New England Association of Schools and Colleges) anerkannte Tagesschule, an der Kinder und Jugendliche in Englisch nach einem internationalen Lehrplan unterrichtet werden. Die Universität Bern fördert mittels Forschung die wissenschaftlichen Erkenntnisse ihrer Absolventinnen und Absolventen. In den Fachhochschulen entsteht Wissen in angewandter Forschung und Entwicklung. Der Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft wird auch auf politischer Ebene gefördert und von der Wirtschaftsförderung aktiv unterstützt TourismusDer Kanton Bern ist einer der drei grossen Tourismuskantone der Schweiz. Sechs grosse Regionen prägen den Kanton Bern: das Berner Oberland mit seiner imposanten Berg- und Seenlandschaft, das hügelige Emmental mit den stattlichen, blumengeschmückten Bauernhöfen, der Oberaargau mit seinen Feldern und Wäldern, die Region Bern-Mittelland mit dem UNESCO Welterbe – der Altstadt von Bern, die Seen und Gemüsefelder des Seelands und der französischsprachige Berner Jura mit dem Regionalpark Chasseral. Bekannte Tourismusdestinationen sind: Bern – UNESCO Weltkulturerbe, Jungfrau Aletsch-Bietschorn -UNESCO Naturerbe, Gstaad, Grindelwald, Interlaken, Adelboden. Im Berner Oberland ist der Tourismus der wichtigste Wirtschaftszweig. Seit Juni 2011 sind zudem die Pfahlbauten am Bielersee Teil des UNESCO-Welterbes. VerkehrDer Kanton Bern liegt an den Bahnverkehrsachsen Zürich–Freiburg–Lausanne–Genf (Ost/West) und Basel–Lötschberg–Simplon–Italien (Nord/Süd), die sich in der Stadt Bern kreuzen. Seit Dezember 2007 verbindet der neue Lötschberg-Basistunnel das Wallis und Italien mit dem Kanton Bern. Die Fahrzeit verringert sich durchschnittlich um eine Stunde. Im Norden quert die Jurafusslinie (Zürich–Biel/Bienne–Neuenburg–Lausanne) das Kantonsgebiet. Im Südosten verläuft die Schmalspurbahn Luzern–Brünigpass–Interlaken der Zentralbahn, die BLS betreibt die Normalspurstrecke zwischen Thun, Interlaken, Spiez und Zweisimmen. In Zweisimmen beginnt die Schmalspurbahn der MOB nach der Lenk, Gstaad und Montreux. Die drei Strecken Luzern-Interlaken-Zweisimmen-Montreux werden zusammen als Golden Pass in Konkurrenz zum Glacier-Express vermarktet. Weitere Täler sind durch diverse Schmalspurbahnen erschlossen: Berner Oberland-Bahnen, Wengernalpbahn, Jungfraubahn, Meiringen-Innertkirchen-Bahn. Bekannte Bergbahnen im Kanton sind u. a. die Brienz-Rothorn-Bahn, Bergbahn Lauterbrunnen-Mürren und die Schynige Platte-Bahn. Neben der Bahn spielt das Postauto eine grosse Rolle, einmal bei der Erschliessung der Seitentäler, dann aber auch für die berühmten touristischen Linien über Grimselpass, Sustenpass oder Grosse Scheidegg. Die steilste Postauto-Strecke Europas führt von Reichenbach im Kandertal nach der Griesalp. Die A1 St. Gallen–Genf führt durch das Mittelland und die Stadt Bern. In nord-südlicher Richtung führt die Autobahn A6 bis nach Meiringen östlich des Brienzersees. Von dort starten die Passrouten Brünig (nach Luzern), Susten (nach Uri) und Grimsel (nach dem Wallis, Graubünden und dem Tessin). Bei Spiez zweigt die Lötschbergroute ab, die mittels Autoverlad durch den Lötschbergtunnel mit dem Wallis und via Simplonpass mit Italien verbindet. GeschichteBern verbündete sich 1353 mit den Waldstätten Uri, Schwyz und Unterwalden. Dieses und andere ältere Bündnisse führten im 15. Jahrhundert zu der Eidgenossenschaft. Bern gehörte damit zu den Acht Alten Orten. Städte und OrteGemeinden mit mehr als 10'000 Einwohnern per 31. Dezember 2010:
Verwaltungsregionen und -kreiseDer Kanton Bern ist seit 1. Januar 2010 in zehn Verwaltungskreise und fünf Verwaltungsregionen gegliedert.
Siehe auch: Verwaltungskreise des Kantons Bern Frühere EinteilungenSeine erste Einteilung erfuhr der Kanton Bern während der französischen Besetzung. Damals wurde der Kanton in 30 Amtsbezirke eingeteilt. 1979 schlossen sich die Bezirke Delémont, Porrentruy und Franches-Montagnes zum neuen Kanton Jura zusammen. Infolgedessen schloss sich der nicht mehr an den restlichen Kanton Bern angrenzende Bezirk Laufen 1994 dem Kanton Basel-Landschaft an. Fortan bestand der Kanton aus 26 Amtsbezirken. Am 24. September 2006 hat das Stimmvolk die «Reform der dezentralen kantonalen Verwaltung» angenommen, die die 26 Amtsbezirke auf den 1. Januar 2010 durch fünf Verwaltungsregionen und zehn Verwaltungskreise ersetzt:
Siehe auch
Einzelnachweise
Weblinks
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