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Karl Dönitz (* 16. September 1891 in GrĂŒnau bei Berlin; â 24. Dezember 1980 in AumĂŒhle bei Hamburg) war ein deutscher Marineoffizier (seit 1943 GroĂadmiral) und von 1943 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs Oberbefehlshaber der deutschen Kriegsmarine. Von Hitler testamentarisch dazu ernannt, agierte er bis zur Verhaftung und Absetzung seiner Regierung durch alliierte Truppen am 23. Mai 1945 als Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches und Oberbefehlshaber der Wehrmacht.
Dönitz gehörte zu den 24 im NĂŒrnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen MilitĂ€rgerichtshof angeklagten Personen und wurde am 1. Oktober 1946 wegen FĂŒhrens von Angriffskriegen und wegen Kriegsverbrechen schuldig gesprochen und zu zehn Jahren Haft verurteilt.
Inhaltsverzeichnis |
Am 1. April 1910 trat Dönitz als Seekadett in die Kaiserliche Marine ein. Zu diesem Ausbildungsjahrgang, der so genannten âCrew 10â, gehörte auch Martin Niemöller. Im Anschluss an die Infanterieausbildung in der Marineschule MĂŒrwik trat Seekadett Dönitz am 12. Mai die Bordausbildung auf dem GroĂen Kreuzer SMS Hertha an. Am 1. April des folgenden Jahres kehrte er zurĂŒck an die Marineschule, um seine Offiziersausbildung zu beginnen. Am 15. April 1911 wurde Dönitz zum FĂ€hnrich zur See befördert. Im Sommer 1912 absolvierte er seinen Infanterielehrgang beim II. Seebataillon und einen Torpedolehrgang auf der Panzerkorvette SMS WĂŒrttemberg. Mit dem Absolvieren eines Artillerielehrgangs an der Schiffsartillerieschule in Kiel beendete FĂ€hnrich z. S. Dönitz seine Ausbildung als Seekadett[1] und wurde am 1. Oktober 1912 als Wachoffizier und Adjutant auf den Kleinen Kreuzer SMS Breslau kommandiert. Zu dieser Zeit war die Breslau der modernste Kleine Kreuzer der deutschen Flotte. AnlĂ€sslich des Ersten Balkankriegs hielt die FlottenfĂŒhrung die PrĂ€senz deutscher Kriegsschiffe im Mittelmeer fĂŒr erforderlich.[2] Gemeinsam mit dem Schlachtkreuzer SMS Goeben wurde die Breslau ins Mittelmeer kommandiert und der verbĂŒndeten tĂŒrkischen Marine unterstellt. Zum Abschluss der FĂ€hnrichszeit Dönitzâ notierte der Kommandant der Breslau, FregattenkapitĂ€n von Klitzing, in seiner Beurteilung anlĂ€sslich der bevorstehenden Beförderung:
âEr hat es verstanden, seine Leute sehr gut auszubilden und richtig zu behandeln; gegen Vorgesetzte war er stets taktvoll und bescheiden [âŠ] besitzt vorzĂŒgliche Charaktereigenschaften und FĂ€higkeiten, Frische gepaart mit sittlichem Ernst und groĂe gesellschaftliche Gewandtheit. Seinen Kameraden gegenĂŒber war er stets hilfsbereit.â[3]
Am 27. September 1913 wurde Dönitz zum Leutnant zur See befördert.
Zu Beginn des Ersten Weltkrieges gelang es dem kleinen Geschwader, bestehend aus SMS Breslau und SMS Goeben unter der FĂŒhrung von Konteradmiral Wilhelm Souchon, den französischen und britischen SeestreitkrĂ€ften auszuweichen und nach Konstantinopel zu entkommen, wo die Schiffe der tĂŒrkischen Marine unterstellt wurden. Die Breslau nahm fortan unter dem Namen Midilli an Gefechten gegen Einheiten der Kaiserlich russischen Marine im Schwarzen Meer teil. Leutnant z. S. Dönitz wurde im Kriegsjahr 1914 mehrfach ausgezeichnet. Am 7. September erhielt er das Eiserne Kreuz II. Klasse. Das Osmanische Reich verlieh ihm zudem am 7. November die TĂŒrkische Medaille mit Schwertern und den Eisernen Halbmond.[1]
Im August 1915 lag die Midilli zu Reparaturarbeiten in der Werft von Stenia bei Konstantinopel (heute İstinye, Stadtteil von Istanbul). Leutnant zur See Dönitz wurde in dieser Zeit als Flugplatzleiter einer Fliegerabteilung an die Dardanellen-Front und nach San Stefano versetzt, wo er auch als Beobachtungsoffizier eingesetzt wurde und sich als Flieger ausbilden lieĂ. Im Januar 1916 erhielt er das Friedrich-Kreuz und wurde am 22. MĂ€rz 1916 zum Oberleutnant zur See befördert. Im Mai desselben Jahres erhielt er das Eiserne Kreuz I. Klasse.[1] Im September verlieĂ Dönitz die Breslau. Sein Kommandant, KorvettenkapitĂ€n von Knorr, vermerkte in der abschlieĂenden Beurteilung:
âEr hat [âŠ] bei ĂŒberdurchschnittlicher Begabung, besonders guter Berufsveranlagung, gröĂerem Berufsinteresse und ĂŒber sein Lebensalter und seine Dienstzeit hinausgehende Urteilskraft sich die Anerkennung der Vorgesetzten, die Achtung des Offizierskorps und die Zuneigung der Kameraden in hohem MaĂe erworben.â
KapitĂ€n z. S. von Knorr empfahl in dieser Beurteilung des Weiteren die Verwendung Dönitzâ bei der U-Boot-Waffe. Der Geschwaderchef, Vizeadmiral Wilhelm Souchon, fĂŒgte handschriftlich hinzu: âEinverstanden. Vortrefflicher Offizierâ.[3]
Oberleutnant z. S. Dönitz meldete sich freiwillig zu der neuen Waffengattung der U-Boote und wurde am 15. September der U-Abteilung der Reichsmarine zugeteilt. Die U-Ausbildung begann fĂŒr ihn mit einem weiteren Torpedolehrgang, diesmal speziell auf die Erfordernisse des modernen Waffensystems Unterseeboot zugeschnitten. Dieser Lehrgang brachte ihn im Oktober zurĂŒck an Bord der WĂŒrttemberg. Den Jahreswechsel verbrachte Dönitz an der U-Schule. Am 17. Januar wurde er als Wachoffizier auf U 39 kommandiert. Im MĂ€rz wurde ihm in Anerkennung seiner geleisteten Dienste im Mittelmeer der Mecidiye-Orden IV. Klasse verliehen.[1] Auf U 39 nahm Dönitz unter den Kommandanten Walther Forstmann und Heinrich Metzger insgesamt an fĂŒnf Feindfahrten teil, bis er im Dezember 1917 von Bord ging, um sich auf ein eigenes Kommando vorzubereiten. Kommandant Forstmann beurteilte seinen scheidenden Wachoffizier als dazu befĂ€higt. Zudem sei Dönitz ein âFrischer, energischer Offizier, der an jeden Dienst mit FleiĂ und Begeisterung herantritt. Sehr guter Schriftoffizier, beliebter Kamerad, taktvolles Messemitglied.â[3]
Am 1. MĂ€rz 1918 erhielt Dönitz das Kommando auf UC 25. Mit diesem Boot unternahm er zwei Feindfahrten. Am 10. Juni wurde er mit dem Ritterkreuz des Königlichen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern ausgezeichnet. Im September desselben Jahres erhielt er das Kommando auf UB 68/II. Dieses Boot wurde bei einem Einsatz im Mittelmeer von britischen Marineeinheiten am 4. Oktober 1918 versenkt. Seiner Ansicht nach[2] sei hauptsĂ€chlich ein Konstruktionsfehler des Boottyps ursĂ€chlich gewesen. Dönitz und seine Mannschaft kamen â bis auf einen â in britische Kriegsgefangenschaft. FĂŒr seine dritte Feindfahrt wurde ihm das U-Boot-Kriegsabzeichen verliehen.[1]
WĂ€hrend seiner Zeit als Wachoffizier beziehungsweise Kommandant von U-Booten erkannte er, dass der deutsche U-Boot-Krieg gegen die britische Seemacht am Geleitzugsystem gescheitert war. Er beschĂ€ftigte sich nach seiner Entlassung aus britischer Gefangenschaft (12. Juli 1919)[1] daher theoretisch mit den militĂ€rischen Möglichkeiten von U-Booten. Als Quintessenz seiner Erfahrungen im U-Boot-Krieg betrachtete er die Erkenntnis, dass U-Boote unter taktischer FĂŒhrung gemeinsam kĂ€mpfen sollten. Seine praktischen Erfahrungen als Offizier, sowohl ĂŒber als auch unter Wasser,[2] mĂŒndeten also in die theoretischen ErwĂ€gungen, die ihm die Entwicklung der im Zweiten Weltkrieg angewandten âRudeltaktikâ ermöglichten.
Die Abschaffung der Monarchie sowie die Erfahrungen aus dem Kieler Matrosenaufstand und die damit verbundene Neuausrichtung der Marine hielt viele der Offiziere des Weltkrieges davon ab, der Marine der Weimarer Republik beizutreten. Auch Dönitz setzte sich mit diesen GedankengĂ€ngen auseinander, kam aber zu dem Schluss: âAls Soldat hast du deinem Volk zu dienen. Die Entscheidung darĂŒber, welche Staatsform sich deine Volksgenossen geben, treffen sie selbst.â[2]
Dönitz wurde in die Reichsmarine der Weimarer Zeit ĂŒbernommen und im Juli 1919 zum Stab der Marinestation der Ostsee kommandiert, wo er Hilfsarbeiten unter anderem als Referent fĂŒr Offizierspersonalien verrichtete. Seit MĂ€rz 1920 war er dann Kommandant von verschiedenen Torpedobooten, namentlich V-5, T-57 und G-8. WĂ€hrend dieser Zeit wurde Dönitz am 1. Januar 1921 zum KapitĂ€nleutnant befördert und war der I. Torpedobootshalbflottille unterstellt. Der Flottillenchef, KapitĂ€nleutnant Densch urteilte in einem Qualifikationsbericht vom 1. August 1921: âein Offizier von den denkbar besten militĂ€rischen Eigenschaften, von vorbildlicher Dienstauffassung und vollster Hingabe an seinen Dienstâ, mahnt an, âbei Fahren im Verbande und in der AufklĂ€rung bedarf er noch der Schulungâ und erwĂ€hnt Dönitzâ â[âŠ] durch den langjĂ€hrigen Kriegsdienst etwas angegriffene[-n] Gesundheit [âŠ]â.[3]
Ab FrĂŒhjahr 1923 war er Referent und Adjutant der Inspektion des Torpedo- und Minenwesens. In dieser Zeit erhielt er eine Admiralstabsoffizierausbildung durch den damaligen Inspekteur des Bildungswesens der Marine Konteradmiral Erich Raeder. Mit dem 3. November 1924 wurde KapitĂ€nleutnant Dönitz Referent in der Marinewehrabteilung; in dieser Stellung verblieb er etwas mehr als zwei Jahre. AnschlieĂend war er als Navigationsoffizier auf dem Kreuzer Nymphe eingesetzt. In dieser Zeit nahm er an einer Navigationsschulungsfahrt auf dem Vermessungsschiff Meteor teil und absolvierte einen Kurs fĂŒr Wetterkunde am Observatorium der Marine in Wilhelmshaven.
Am 24. September 1928 wurde Dönitz Chef der 4. Torpedobootshalbflottille, und am 1. November 1928 wurde er zum KorvettenkapitÀn befördert. Zwei Jahre spÀter wurde er 1. Admiralstabsoffizier der Marinestation der Nordsee.
In der Funktion des 1. Admiralstabsoffizier der Marinestation der Nordsee wurde er am 1. Oktober 1933 zum FregattenkapitĂ€n ernannt. Als Kommandant des Kreuzers Emden, seit Ende September 1934, machte Dönitz im Jahr 1935 eine mehrmonatige Auslandsreise nach SĂŒdostasien. Nach der RĂŒckkehr von dieser Reise wurde Dönitz von dem damaligen Generaladmiral Erich Raeder mit dem Aufbau der neuen deutschen U-Boot-Waffe beauftragt. Der Bau deutscher U-Boote war möglich geworden, nachdem sich Adolf Hitler im selben Jahr mit dem Deutsch-britischen Flottenabkommen ĂŒber den Versailler Vertrag hinweggesetzt hatte, indem er einseitig die deutsche Wehrhoheit erklĂ€rte.
Die Kommandierung zur U-Boot-Waffe hielt Dönitz â nach eigenen Angaben â fĂŒr ein âNebengleisâ.[2] In der allgemeinen Strategie der deutschen Marine, dem Unterbrechen der Seewege des Gegners (der damaligen MilitĂ€rdoktrin zufolge insbesondere GroĂbritanniens), war fĂŒr das Waffensystem U-Boot keine maĂgebliche Rolle vorgesehen. Am 22. September 1935 wurde FregattenkapitĂ€n Dönitz Chef der U-Boot-Flottille Weddigen und am 1. Oktober 1935 zum KapitĂ€n zur See befördert. Im Januar des Jahres erhielt er das Ehrenkreuz fĂŒr FrontkĂ€mpfer. Bereits am 1. Januar 1936 wurde Dönitzâ Posten aufgewertet und in FĂŒhrer der Unterseeboote (F. d. U.) umbenannt. Am 28. Januar 1939 erfolgte die Ernennung zum Kommodore.
Einen Monat nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges am 1. Oktober 1939 wurde Dönitz zum Konteradmiral ernannt, was auch im Wehrmachtbericht vermerkt wurde. Am 19. September 1939 wurde sein Dienstposten in Befehlshaber der Unterseeboote (BdU) umbenannt.
Im Bewusstsein der politischen Krisen in den Jahren 1935 bis 1938 musste Dönitz die Möglichkeit einer Gegnerschaft Englands bei der strategischen Ausrichtung der U-Boot-Waffe berĂŒcksichtigen. Ein effektiver Handelskrieg setzte laut Dönitz eine SollstĂ€rke der U-Boot-Waffe von rund 300 Booten voraus. GemÀà der Doktrin der âDrittelparitĂ€tâ sollten sich ein Drittel der Boote im Fronteinsatz befinden, ein weiteres Drittel im An- bzw. Abmarsch und das letzte Drittel zu Ăberholung in den HeimathĂ€fen. Im Z-Plan vom 1. MĂ€rz 1939 wurde der Bau von 249 U-Booten beschlossen.
Dönitz lieĂ die U-Boot-Besatzungen dazu ausbilden, gegen GeleitzĂŒge zu kĂ€mpfen. Dönitz wollte einer Massierung an Schiffen eine Massierung an U-Booten entgegensetzen, die so genannte Rudeltaktik.
So begann der Seekrieg im Atlantik zwar mit einer geringen Zahl an U-Booten (57 U-Boote, davon nur 37 fĂŒr den Atlantik geeignet), aber dennoch mit Erfolgen fĂŒr die deutsche Seite. Aufgrund dieser Erfolge wurde Dönitz am 1. September 1940 zum Vizeadmiral und am 14. MĂ€rz 1942 zum Admiral befördert.
Am 31. Januar 1943 wurde Dönitz unter Auslassung des Dienstgrades Generaladmiral GroĂadmiral und Nachfolger von GroĂadmiral Erich Raeder als Oberbefehlshaber der deutschen Kriegsmarine. Hitler hatte Raeders Strategie der SeekriegsfĂŒhrung (Schlachtschiff Bismarck im Mai 1941, Unternehmen Rösselsprung im Juni 1942 und Unternehmen Regenbogen im Dezember 1942) kritisiert und dessen RĂŒcktrittsangebot am 6. Januar 1943 zugestimmt.
Als Oberbefehlshaber der Kriegsmarine gab Dönitz den Posten als Befehlshaber der Unterseeboote nicht auf. Nachdem die Atlantikschlacht im FrĂŒhjahr 1943 aufgrund technologischer Unterlegenheit der veralteten U-Boot-Typen gescheitert war, versuchte er, durch eine Massenfertigung neuer U-Boote und rĂŒcksichtslose Durchhalteappelle an die U-Boot-Besatzungen, die sachlich durch nichts mehr gerechtfertigt waren, eine strategische Offensivoption zurĂŒckzuerlangen: â[âŠ] vor Flugzeugen nicht tauchen, schieĂen und abwehren. Vor Zerstörern möglichst ĂŒber Wasser ablaufen. Hart sein, nach vorne kommen und angreifen. Ich glaube an Euch.â[4] Dies bedeutete jedoch: âJeder U-Boot-Kommandant, der den Befehl von Dönitz befolgen wĂŒrde, auf der WasseroberflĂ€che zu kĂ€mpfen, unterschrieb sein eigenes Todesurteil.â[5]
Bei der Invasion in der Normandie (1944) lieĂ er jedes verfĂŒgbare Boot auslaufen.
âJedes feindliche Fahrzeug, das der Landung dient, auch wenn es etwa nur ein halbes Hundert Soldaten oder einen Panzer an Land bringt, ist ein Ziel. Es ist anzugreifen, auch unter Gefahr des eigenen Verlustes. [âŠ] Das Boot, das dem Feinde bei der Landung Verluste beibringt, hat seine höchste Aufgabe erfĂŒllt und sein Dasein gerechtfertigt, auch wenn es dabei bleibt.â[6]
Das war ein klassischer Kamikaze-Befehl. Der Architekt der U-Boot-Waffe, bei seinen MĂ€nnern immer noch als âOnkel Karlâ bekannt, trieb seine MĂ€nner an, sich selbst zu opfern.[7] Solche Befehle und Parolen wie âSieg um jeden Preisâ oder âWer die bessere Moral hat, wird gewinnenâ wurden, wie die Unterlagen der MilitĂ€rgerichte zeigen, von U-BootmĂ€nnern als âDönitz-ScheiĂeâ abgetan.[8]
Obwohl die Zahl der versenkten U-Boote in der Folgezeit immer weiter stieg, wurde die Möglichkeit, dass die Alliierten die deutsche Enigma-Maschine endgĂŒltig entschlĂŒsselt haben könnten, weiterhin ausgeschlossen. Stattdessen wurde vermutet, dass U-Boote und damit auch Enigma-Maschinen und SchlĂŒsselunterlagen in alliierte HĂ€nde gefallen seien. Dönitz verbot in seinem Regenbogen-Befehl die Ăbergabe von U-Booten in Feindeshand â auch wenn ein Boot durch alliierte Schiffe aufgebracht wurde, sollte es unbedingt von der Besatzung selbst versenkt werden.
Trotz der einerseits erdrĂŒckenden eigenen Verluste und der gleichzeitig sehr stark abgefallenen Versenkungserfolge konnte sich Dönitz, von einer kurzen Phase Mitte 1943 abgesehen, zu keinem Zeitpunkt dazu entschlieĂen, die Konsequenzen zu ziehen und den U-Boot-Krieg abzubrechen. Er begrĂŒndete dies mit strategischen Ăberlegungen. Seiner Auffassung nach hĂ€tte ein Abbruch der Atlantikschlacht den Alliierten ermöglicht, groĂe Mengen von Menschen und Material freizumachen, die dann an anderer Stelle gegen Deutschland zum Einsatz gebracht worden wĂ€ren.
Das Ergebnis dieser Haltung lĂ€sst sich auch an den Verlustzahlen ablesen: Von den rund 41.000 deutschen U-Boot-Fahrern des Zweiten Weltkrieges sind bis Kriegsende fast 27.000 im Einsatz umgekommen. Unter den Toten war auch Dönitzâ jĂŒngerer Sohn Peter. Der andere Sohn Klaus wurde auf dem Schnellboot S 141 bei einem Angriff auf Selsey an der englischen KĂŒste getötet.
In dem 68 Monate dauernden Kampf gingen 781 deutsche U-Boote verloren. Von den 632 nachgewiesen von den Alliierten versenkten U-Booten wurden 500 von den britischen oder deren verbĂŒndeten StreitkrĂ€ften versenkt. Eine solche Verlustquote hatte keine andere Waffengattung zu verzeichnen, weder auf deutscher noch auf alliierter Seite.
Befehligt wurden die U-Boote zuerst von Wilhelmshaven aus (1939/40), dann vom Schloss KernĂ©vel bei Lorient (1940â42), wo der BdU mit nur sechs Stabsoffizieren die EinsĂ€tze dirigierte, schlieĂlich vom Hauptquartier Koralle in Bernau bei Berlin (1943â45). Die geringe Zahl auf deutscher Seite stand in einem eklatanten MissverhĂ€ltnis zu den Hunderten von Stabsoffizieren, mit denen die britische U-Boot-Abwehr von London und Liverpool aus ihre GegenmaĂnahmen strategisch und taktisch koordinierte und technisch revolutionierte.
Stationen wÀhrend des Zweiten Weltkriegs:
Im Zweiten Weltkrieg wurde Dönitz unter anderem mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes (21. April 1940) mit Eichenlaub (6. April 1943; 223. Verleihung), dem U-Boot-Kriegsabzeichen (27. Februar 1940), der Spange zum Eisernen Kreuz II. und I. Klasse (18. September 1939 bzw. 20. Dezember 1939) ausgezeichnet und zweimal im Wehrmachtbericht genannt (14. MĂ€rz 1942 und 5. Mai 1945). AuĂerdem erhielt er am 20. Dezember 1939 die Medaille zur Erinnerung an den 1. Oktober 1938.
Mit dem Deutschen Reich verbĂŒndete Staaten ehrten ihn mit dem MilitĂ€rorden von Savoyen (Komturkreuz) (7. November 1941), mit dem rumĂ€nischen MilitĂ€rorden Michael der Tapfere III. und II. Klasse (7. April 1943) sowie mit dem Orden der Aufgehenden Sonne I. Klasse des japanischen Kaiserreiches (11. September 1943). Spanien verlieh ihm am 10. Juli 1940 das Spanische Marineverdienstkreuz in WeiĂ.[1]
1944 erhielt er auĂerdem das Goldene Parteiabzeichen der NSDAP. Albert Speer zitiert Dönitz in seinen Erinnerungen angesichts der bei einer Lagebesprechung Anfang Februar 1945 auf Karten offensichtlich gewordenen Lage mit unzĂ€hligen DurchbrĂŒchen und Kesselbildungen:
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âIch habe hier nur die Marine zu vertreten. Alles andere ist nicht meine Sache. Der FĂŒhrer wird wissen, was er tut.â
Diese völlig unkritische Haltung gegenĂŒber Hitler hatte sich schon angebahnt, seit er im Januar 1943 als Nachfolger von Raeder immer mehr in den Dunstkreis der Entourage des Diktators geraten war. Im Februar 1944 trat Dönitz als Mitglied Nummer 9.664.999 in die NSDAP ein. Die Teilnahme an Hitlers Lagebeurteilungen hatte ihm gezeigt, âwie unbedeutend wir alle im Vergleich mit dem FĂŒhrer sind.â[9] JĂŒrgen Oesten erlebte Hitlers Einfluss auf Dönitz:
âAls ich in seinem Stab war, flogen wir einmal zu einem GesprĂ€ch mit Hitler nach Berlin. Ich war bis eine Viertelstunde vor dem GesprĂ€ch bei ihm und traf ihn direkt danach wieder. Es gab eine Reihe von Punkten, die er bei dem Treffen diskutieren wollte, einige davon waren eher negative Themen, bei denen er erwartete, dass etwas geschehen musste. Nach dem Treffen fragte ich ihn, ob er Erfolg gehabt hĂ€tte. âNein, alles ist ganz anders, wissen Sie. Es ist nicht so, wie wir dachten. Nein, ich sah in seine Augen und wusste, dass alles in Ordnung gehen wĂŒrde.â Dönitz war voll von dieser GefĂŒhlsduselei, er schwamm geradezu in einer GefĂŒhls-SoĂe, und Tatsachen waren ziemlich uninteressant.â[9]
In einem Geheimbefehl vom 19. April 1945 ĂŒber die Beförderung âverantwortungsfreudiger Persönlichkeitenâ begrĂŒĂte Dönitz, dass ein Oberfeldwebel als LagerĂ€ltester in einem Gefangenenlager des Hilfskreuzers Kormoran in Australien die unter der Lagerbesatzung sich bemerkbar machenden Kommunisten âplanvoll und von der Bewachung unauffĂ€llig umlegen lieĂâ. Diesem Unteroffizier gebĂŒhre fĂŒr seinen Entschluss und seine DurchfĂŒhrung Anerkennung: âIch werde ihn nach seiner RĂŒckkehr mit allen Mitteln fördern, da er bewiesen hat, daĂ er zum FĂŒhrer geeignet ist.â[10][11]
Hitler ernannte Dönitz testamentarisch zu seinem Nachfolger als ReichsprÀsident, ein verfassungsrechtlich zweifelhafter Vorgang, da laut der nie gÀnzlich aufgehobenen Reichsverfassung dieses Amt nicht durch Ernennung, sondern durch Volkswahl vergeben wurde. Zum Zeitpunkt von Hitlers Suizid am 30. April 1945 befand sich Dönitz in Plön, wo ihn Hitlers Ernennungstelegramm erreichte. Sein Amt als (letzter) ReichsprÀsident trat er am 1. Mai mit einer Rundfunkansprache (Auszug) an:
âIm Bewusstsein der Verantwortung ĂŒbernehme ich die FĂŒhrung des deutschen Volkes in dieser schicksalsschweren Stunde. Meine erste Aufgabe ist es, deutsche Menschen vor der Vernichtung durch den vordrĂ€ngenden bolschewistischen Feind zu retten. Nur fĂŒr dieses Ziel geht der militĂ€rische Kampf weiter.â[12]
Dönitz bezeichnete sich hier als âNachfolger des FĂŒhrersâ. Er verwendete nie den Titel ReichsprĂ€sident, sondern unterzeichnete als GroĂadmiral.
Aufgrund der vorrĂŒckenden britischen Truppen begab sich Dönitz am 2. Mai nach Flensburg, wo er in den frĂŒhen Morgenstunden des 3. Mai eintraf.
Entsprechend strebten er und die geschĂ€ftsfĂŒhrende Reichsregierung einen Separatfrieden mit den Westalliierten an, um die Rote Armee aus Deutschland zurĂŒckzudrĂ€ngen. Nachdem bereits auf der alliierten Konferenz von Casablanca im Jahr 1943 die Forderung des amerikanischen PrĂ€sidenten Roosevelt nach bedingungsloser Kapitulation der Kriegsgegner verabschiedet worden war und Churchill einen Konflikt mit dem russischen Alliierten befĂŒrchtete, lehnten die westlichen Alliierten jedoch jede Teilkapitulation ab. Nach dem Krieg begrĂŒndete Dönitz die Fortsetzung des Krieges auch damit, dass möglichst viele deutsche Soldaten in westalliierte Gefangenschaft gebracht werden sollten, um sie so vor sowjetischer Gefangenschaft zu bewahren. Diese Darstellung wird jedoch von jĂŒngerer historischer Forschung zum Teil in Frage gestellt und als beschönigend dargestellt, da Dönitz erst zwei Tage vor der Kapitulation befahl, die gesamten verfĂŒgbaren Schiffe zur Rettung von FlĂŒchtlingen einzusetzen (vgl. z. B. die Arbeiten von Heinrich Schwendemann im Literaturverzeichnis). Weiterhin fĂ€llten Marinekriegsgerichte im noch von deutschen Truppen kontrollierten Gebiet unter Berufung auf Dönitzâ Durchhaltebefehle bis in die Tage nach der Gesamtkapitulation hinein zahlreiche Todesurteile wegen Fahnenflucht und âWehrkraftzersetzungâ. Dönitz persönlich bestand darauf, den HitlergruĂ als Ehrenbezeugung beizubehalten und alle Hitlerbilder an ihrem Platz zu belassen.[13]
Nachdem am 1. Mai 1945 um 21:25 Uhr der Reichssender Hamburg erstmals den Tod Hitlers bekannt gegeben hatte, erklĂ€rte Dönitz am 2. Mai 1945 ĂŒber den Sender Flensburg, dass die Regierung Dönitz die Nachfolge Hitlers angetreten hat. Am selben Tag befahl in Berlin General Weidling die Einstellung aller Kampfhandlungen in der Reichshauptstadt. Dönitz bereitete umgehend eine Teilkapitulation gegenĂŒber den Westalliierten vor, um möglichst viele Deutsche dem sowjetischen Einfluss zu entziehen. Generaladmiral von Friedeburg traf am 3. Mai 11:30 Uhr im britischen Hauptquartier von Feldmarschall Montgomery in Wendisch Evern bei LĂŒneburg ein, um eine Teilkapitulation in Nordwestdeutschland, den Niederlanden und DĂ€nemark vorzubereiten. Sie wurde am 4. Mai 18:30 Uhr unterzeichnet und trat am 5. Mai 8:00 Uhr (dt. Sommerzeit) in Kraft.[14] Am 5./6. Mai trafen Generaladmiral von Friedeburg und am 6. Mai Generaloberst Alfred Jodl im Hauptquartier von General Dwight D. Eisenhower wegen einer weiteren Teilkapitulation gegenĂŒber den Westalliierten ein. Eisenhower bestand jedoch auf einer Gesamtkapitulation, aber mit dem ZugestĂ€ndnis, dass nach der Unterzeichnung 48 Stunden zur Umsetzung verbleiben könnten.[15] Damit hatte die Regierung Dönitz ihr Ziel erreicht, groĂe Teile der Wehrmacht in Mittel- und SĂŒddeutschland vor sowjetischer Gefangennahme zu bewahren und sie hinter die westalliierten Linien fliehen zu lassen.
Am 7. Mai um 2:41 Uhr morgens unterzeichnete im Auftrag von Dönitz im operativen Hauptquartier der SHAEF (Supreme Headquarters Allied Expeditionary Force) im französischen Reims Generaloberst Jodl die bedingungslose Gesamtkapitulation aller deutschen StreitkrÀfte. Die Einstellung aller Kampfhandlungen musste also spÀtestens bis 9. Mai 0:01 Uhr erfolgt sein. Da keine hochrangigen sowjetischen Offiziere in Reims teilgenommen hatten, musste auf Wunsch Stalins die Unterzeichnung im sowjetischen Hauptquartier wiederholt werden.[16] Der Kapitulationsakt wurde einen Tag spÀter durch das Oberkommando der Wehrmacht sowie die Oberbefehlshaber von Heer, Luftwaffe und Marine ratifiziert. Daher unterzeichneten, diesmal im sowjetischen Hauptquartier in Berlin-Karlshorst, am 8. Mai um 23:30 Uhr (dt. Sommerzeit) der von Dönitz dazu bevollmÀchtigte Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel, Generaladmiral von Friedeburg sowie Generaloberst Stumpff eine weitere Kapitulationsurkunde.
Die Regierung Dönitz blieb aber noch einige Tage ĂŒber die Kapitulation hinaus im Amt. Am 10. Mai stimmte Dönitz der Ăbernahme von SS-Angehörigen in die Kriegsmarine zu, obwohl er Himmler wegen der Verbrechen der SS am 6. Mai entlassen hatte. Aus Dönitzâ Sicht hatten Wehrmacht und Marine sich bewĂ€hrt. Sie hatten sich â im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg â nicht gegen die Regierung gewandt. Meuterei und Revolution waren ausgeblieben. Die pluralistische Regierungsform der westlichen Gesellschaften lehnte Dönitz ab.
âDie wahre Volksgemeinschaft, die der Nationalsozialismus geschaffen hat, muĂ erhalten werden; der Wahnsinn der Parteien wie vor 1933 darf nicht wieder Platz greifen.â[17][18][19]
schrieb er eine Woche nach der Kapitulation. Er lehnte eine Verantwortung der NS-FĂŒhrung fĂŒr die VorgĂ€nge in den Konzentrationslagern ab. Dass dies keine Staatsverbrechen seien, sondern normale juristische FĂ€lle, die EinzeltĂ€tern anzulasten seien, ist seinem Tagesbefehl an die Wehrmacht vom 18. Mai zu entnehmen. Dönitz versuchte noch, ĂŒber Dwight D. Eisenhower eine Verordnung in Kraft zu setzen, die das Reichsgericht fĂŒr die Verbrechen in den Konzentrationslagern zustĂ€ndig gemacht hĂ€tte.[18] Dönitz legte Eisenhower auch nahe, sein Vorgehen gegen den Nationalsozialismus einzuschrĂ€nken, weil sonst eine Bolschewisierung Deutschlands drohe. Als er dabei seine eigene Bedeutung wegen seines Einflusses auf die Wehrmacht hervorhob, rieten Eisenhowers politische Berater, die AktivitĂ€ten der Regierung Dönitz zu beenden. Am 23. Mai 1945 wurden Dönitz sowie die Mitglieder der GeschĂ€ftsfĂŒhrenden Reichsregierung und des Oberkommandos der Wehrmacht im so genannten Sonderbereich MĂŒrwik/Flensburg auf der Patria verhaftet, das zur Britischen Besatzungszone gehörte.[1] Am 5. Juni 1945 verkĂŒndeten die Alliierten in der Berliner ErklĂ€rung ihre Ăbernahme der obersten Regierungsgewalt ĂŒber Deutschland.
Dönitz wurde zusammen mit anderen hohen Wehrmachtsangehörigen und Vertretern der NSDAP-Hierarchie im Kriegsgefangenenlager Nr. 32 (Camp Ashcan) im luxemburgischen Bad Mondorf interniert. Im Oktober 1945 wurde er dem Internationalen MilitĂ€rgerichtshof in NĂŒrnberg ĂŒberstellt und angeklagt.
Von Dönitz stammte der Laconia-Befehl vom 17. September 1942, der es untersagte, Angehörige versenkter Schiffe zu bergen oder ihnen Nahrungsmittel oder Wasser zu geben, wenn sie sich in Rettungsbooten befanden. Dönitz hatte diesen Befehl gegeben, nachdem ein amerikanischer Bomber U-156 bombardiert hatte, das gerade mit anderen deutschen U-Booten Rettungsboote mit Ăberlebenden des zuvor versenkten britischen Truppentransporters âLaconiaâ im Schlepp hatte.
In NĂŒrnberg meldeten sich zwei Offiziere der Kriegsmarine, Karl-Heinz Moehle (Chef der 5. Schulflottille) und Leutnant Peter Josef Heisig, ein am 27. Dezember 1944 gefangener Wachoffizier von U 877. Beide vermittelten unter Eid den falschen Eindruck, Dönitz habe U-Boot-Kommandanten insgeheim aufgefordert, schiffbrĂŒchige Besatzungen zu ermorden, um die Bemannung weiterer Schiffe zu verhindern.[20]
Im Operationsbefehl Atlantik Nr. 56 vom 7. Oktober 1943 stand ein neuer Absatz fĂŒr die frisch ausgelaufenen U-Boote im Atlantik, der nach Ansicht einiger Historiker Hitlers Absicht bestĂ€tigte, die Besatzungen der alliierten Handelsmarine möglichst zu vernichten:
âRescueships
Zu jedem Geleitzug gehört im Allgemeinen ein sogenanntes rescue ship, ein Spezialschiff bis zu 3 000 BRT, das zur Aufnahme der SchiffbrĂŒchigen nach U-Bootangriffen bestimmt ist. Diese Schiffe sind meist mit Bordflugzeug und groĂen Motorbooten ausgerĂŒstet, stark bestĂŒckt (Wabowerfer) und sehr wendig, so dass sie hĂ€ufig vom Kommandanten als U-Bootfallen angesprochen werden. Ihre Versenkung ist im Hinblick auf die erwĂŒnschte Vernichtung der Dampferbesatzungen von groĂem Wert.â[21]
TatsĂ€chlich waren Rettungsschiffe weder schwer bewaffnet noch hatten sie Flugzeuge an Bord und dienten nicht als U-Boot-Fallen, wie es Dönitz im Prozess erklĂ€rte. Dönitz war unbekannt, dass sie wĂ€hrend des Krieges mit Huff-Duff-GerĂ€ten ausgerĂŒstet und an der Ortung der FĂŒhlungshalter-U-Boote beteiligt waren. Allein aus diesem Grund waren sie legitime Angriffsziele.[22]
US-amerikanische Nachrichtendienst-Offiziere, die die acht ĂŒberlebenden Besatzungsmitglieder des am 19. MĂ€rz 1944 versenkten Torpedoversorgers U 1059 einschlieĂlich seines gegen die Nationalsozialisten eingestellten Kommandanten Leupold verhörten, schrieben:
âVor dem Auslaufen von U 1059 hatte Leupold ein GesprĂ€ch mit KorvettenkapitĂ€n Karl-Heinz Moehle, dem Chef der 5. U-Boot-Flottille. Im Verlauf der Befehlsausgabe fĂŒr die Feindfahrt ĂŒbermittelte Moehle Leupold besondere mĂŒndliche Anweisungen des den Befehl ĂŒber die U-Boote fĂŒhrenden Admirals (Eberhard Godt), dass bei Schiffsversenkungen alle Ăberlebenden vernichtet werden sollten. Als der Kommandant von U 1059 wegen eines solchen Befehls ĂŒberrascht und empört war, sagte ihm Moehle, dies sei ein ausdrĂŒcklicher Befehl vom Oberbefehlshaber (Dönitz) und Teil des totalen Krieges, der jetzt gefĂŒhrt werden mĂŒsse. Vor seiner Abfahrt hatte Leupold Gelegenheit, diesen Befehl mit anderen U-Boot-Kommandanten zu erörtern. Alle diese Kommandanten erklĂ€rten ihm, Befehl hin oder her, dass sie nicht vorhĂ€tten, dieser Anweisung Folge zu leisten. Aus nicht bekannten GrĂŒnden prĂ€sentierten die Alliierten Leupolds Behauptungen weder beim Kriegsverbrecherprozess gegen den Kommandanten von U 852, Eck, noch beim Prozess gegen Dönitz.â(Druckfehler korrigiert, im Original B-Boot statt U-Boot)[23]
In den Unterlagen der Kriegsmarine wurde trotz umfangreicher Suche kein Beweis hierfĂŒr gefunden. Zudem wurde die GlaubwĂŒrdigkeit der Dönitz belastenden Zeugen Karl-Heinz Moehle und Peter Josef Heising beim Prozess erschĂŒttert. Moehle hatte sich möglicherweise selbst vom Vorwurf entlasten wollen, den Laconia-Befehl ausgegeben zu haben und diesen zudem völlig missverstanden. Heising hatte möglicherweise seinen im Eck-Prozess angeklagten Freund Hoffmann vor dem ErschieĂungskommando retten wollen. 67 U-Boot-Kommandanten gaben eidesstattliche Aussagen ab, der Laconia-Befehl sei nicht als Aufforderung angesehen worden, SchiffbrĂŒchige zu töten. Auch der im Eck-Prozess angeklagte Kommandant von U 852 erklĂ€rte, nur im Sinne seines eigenen Interesses gehandelt zu haben.[24]
Der Verteidiger von Dönitz, Otto KranzbĂŒhler erreichte, dass der schwerwiegende Vorwurf des âVersenkens von feindlichen Handelsschiffen ohne Warnungâ gegen ihn und GroĂadmiral Raeder fallengelassen wurde, was die beiden Admirale vor der Todesstrafe bewahrte. Nach dem Londoner U-Boot-Protokoll von 1936 war dies nicht erlaubt. Dazu beigetragen hat insbesondere die schriftliche Zeugenaussage des Oberbefehlshabers der US-Pazifikflotte, Admiral Chester W. Nimitz, in der dieser erklĂ€rte, dass amerikanische U-Boote im Seekrieg gegen Japan Handelsschiffe ohne Warnung versenkt hatten, wenn es sich nicht erkennbar um Lazarettschiffe handelte. Feindliche Ăberlebende seien von der US Navy nicht gerettet worden, wenn es eine zusĂ€tzliche Gefahr fĂŒr das eigene U-Boot bedeutet hĂ€tte. TatsĂ€chlich war es sogar vorgekommen, dass amerikanische U-Boot-Besatzungen japanische Ăberlebende in Rettungsbooten oder im Wasser schwimmend ermordet hatten.[25]
Dönitz war ein BefĂŒrworter des NS-Regimes und verurteilte in seiner Aussage vor dem Gerichtshof alle, die sich gegen Hitler gewandt hatten, besonders aber den âPutsch des 20. Juliâ. Im Prozess wurde Dönitz von der Anklage zu seiner Rundfunkrede zum Heldengedenktag am 12. MĂ€rz 1944 befragt:
âWas wĂ€re unsere Heimat heute, wenn der FĂŒhrer uns nicht im Nationalsozialismus geeint hĂ€tte? Zerrissen in Parteien, durchsetzt von dem auflösenden Gift des Judentums und diesem zugĂ€nglich, da die Abwehr unserer jetzigen kompromiĂlosen Weltanschauung fehlte, wĂ€ren wir lĂ€ngst der Belastung des Krieges erlegen und der erbarmungslosen Vernichtung unserer Gegner ausgeliefert worden.â[26]
Auf Nachfrage, was er mit dem âauflösenden Gift des Judentumsâ meine, bekrĂ€ftigte Dönitz ausdrĂŒcklich, dass er mit der Vertreibung der Juden aus Deutschland einverstanden war. Weitere Themen des Prozesses waren 12.000 KZ-HĂ€ftlinge, die in DĂ€nemark zum Bau und zur Reparatur von Schiffen eingesetzt wurden, und die ErschieĂung von britischen Kommandos in Norwegen 1943 auf der Grundlage des Kommandobefehls.
Am 1. Oktober 1946 sprach der Gerichtshof Dönitz vom Vorwurf der Verschwörung zur FĂŒhrung eines Angriffskriegs frei, weil er bei den Planungen nicht einbezogen worden war. Dönitz wurde aber wegen der DurchfĂŒhrung von Angriffskriegen verurteilt. Wegen dieser âVerbrechen gegen den Friedenâ und wegen Kriegsverbrechen wurde er zu zehn Jahren GefĂ€ngnis in Spandau verurteilt. Seine MithĂ€ftlinge dort waren Rudolf HeĂ, Erich Raeder, Walther Funk, Albert Speer, Baldur von Schirach und Konstantin von Neurath.
Bei der Wahl des deutschen BundesprĂ€sidenten am 17. Juli 1954 wurde fĂŒr Dönitz, obgleich er nicht nominiert und noch in Haft war, eine Stimme abgegeben, was in der Bundesversammlung zu Pfui-Rufen fĂŒhrte.[27]
Nach der vollstĂ€ndigen VerbĂŒĂung seiner Strafe am 1. Oktober 1956 lebte er in AumĂŒhle bei Hamburg. Seine Frau Ingeborg verstarb 1962.[28] Seine beiden Söhne waren gefallen: Lt.z.S. Peter Dönitz am 19. Mai 1943 als Wachoffizier auf U 954, OLt.z.S. Klaus Dönitz am 13. Mai 1944 auf dem Schnellboot S 141.
Dönitz propagierte nun das Bild des âunpolitischen Soldatenâ, der fĂŒr die Untaten des NS-Regimes keine Verantwortung zu tragen habe.[29] Dementsprechend leugnete er in seinen 1958 unter dem Titel Zehn Jahre und zwanzig Tage veröffentlichten Erinnerungen 1935â1945 seine Rolle als aktiver Nationalsozialist und glĂŒhender AnhĂ€nger Hitlers ebenso wie in seinen Memoiren Mein wechselvolles Leben von 1968. Das glaubte ihm die demokratische Ăffentlichkeit nicht mehr. Die Bundeswehr distanzierte sich 1958 von ihm: "[âŠ] der einstige GroĂadmiral Dönitz ist nicht Vorbild der Bundeswehr."[30]
Einen Eklat verursachte Dönitzâ Auftritt am 22. Januar 1963 im Otto-Hahn-Gymnasium (Geesthacht). Der SchĂŒlersprecher Uwe Barschel hatte Dönitz auf Anregung seines Geschichtslehrers Heinrich Kock eingeladen, vor SchĂŒlern der Klasse 9 bis 13 ĂŒber das Dritte Reich zu referieren. Die SchĂŒler wurden von ihren Lehrern auf den Auftritt nicht vorbereitet. Daher gab es keine kritischen Nachfragen der SchĂŒler und auch keine von den Lehrern. Nachdem die Bergedorfer Zeitung einen begeisterten Bericht ĂŒber diesen Geschichtsunterricht in höchster Vollendung veröffentlicht hatte, griffen ĂŒberörtliche und auslĂ€ndische Medien den Fall auf. Die Kieler Landesregierung wurde auf einer Pressekonferenz mit starker Kritik an dem Vorgang konfrontiert. Nachdem ein Regierungsrat aus dem Kultusministerium die Schule am 8. Februar 1963 aufgesucht und mehrere Stunden mit dem Schulleiter gesprochen hatte, ertrĂ€nkte sich dieser noch am selben Abend in der Elbe. Seine Leiche konnte erst am 25. April 1963 geborgen werden.[30][31]
Als letzter der 28 GeneralfeldmarschĂ€lle des Dritten Reichs starb Dönitz 1980 im Alter von 89 Jahren und wurde auf dem Waldfriedhof von AumĂŒhle-Wohltorf neben seiner Frau beerdigt.[32] An seinem Grab fanden wiederholt Ehrungen und Gedenkveranstaltungen rechtsextremer Organisationen statt, die NPD legte regelmĂ€Ăig KrĂ€nze ab.[33] 1975 verlieh ihm die Landsmannschaft OstpreuĂen die Auszeichnung PreuĂenschild. Dönitz habe 1945 allen verfĂŒgbaren Schiffsraum eingesetzt, um zwei bis drei Millionen Menschen die Flucht in den Westen zu ermöglichen.[34]
Postum lieĂ er, wie Hans Neusel in einem am 2. Juni 2005 in der Frankfurter Allgemeinen veröffentlichten Leserbrief[35] mitteilte, durch einen âAnwalt eine Art Testament an den damaligen BundesprĂ€sidenten Carstensâ ĂŒbermitteln. Angeblich 1975 â auf den Tag dreiĂig Jahre ânach dem Inkrafttreten der Kapitulation der Deutschen Wehrmachtâ â verfasst, hieĂ es darin: âIm Bewusstsein nicht endender Verantwortung, gegenĂŒber dem Deutschen Volk, ĂŒbertrage ich Inhalt und Aufgabe meines Amtes als letztes Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches auf den BundesprĂ€sidenten der Bundesrepublik Deutschland.â[36]
Paul von Hindenburg | Adolf Hitler | Karl Dönitz
GeneralfeldmarschÀlle
Werner von Blomberg |
Hermann Göring |
Walther von Brauchitsch |
Albert Kesselring |
Wilhelm Keitel |
GĂŒnther von Kluge |
Wilhelm Ritter von Leeb |
Fedor von Bock |
Wilhelm List |
Erwin von Witzleben |
Walter von Reichenau |
Erhard Milch |
Hugo Sperrle |
Gerd von Rundstedt |
Erwin Rommel |
Georg von KĂŒchler |
Erich von Manstein |
Friedrich Paulus |
Ewald von Kleist |
Maximilian von Weichs |
Ernst Busch |
Wolfram Freiherr von Richthofen |
Walter Model |
Ferdinand Schörner |
Robert Ritter von Greim |
Eduard Freiherr von Böhm-Ermolli (ehrenhalber)
GroĂadmirale
Erich Raeder |
Karl Dönitz
Graf Schwerin von Krosigk (Leitender Minister, parteilos) | Wilhelm Stuckart (NSDAP) | Albert Speer (NSDAP) | Franz Seldte (NSDAP) | Otto Georg Thierack (NSDAP) | GroĂadmiral Dönitz (parteilos) (In seiner Eigenschaft als Reichskriegsminister) | Julius Heinrich DorpmĂŒller (NSDAP) | Herbert Backe (NSDAP)
Göring | HeĂ | Bormann (Verbleib damals unbekannt) | v. Ribbentrop | Ley (Suizid vor Prozessbeginn) | v. Papen | Keitel | Jodl | Raeder | Dönitz | Kaltenbrunner | Speer | Sauckel | Schacht | Funk | Krupp v. Bohlen und Halbach (prozessunfĂ€hig) | Frank | SeyĂ-Inquart | Rosenberg | v. Neurath | Frick | Streicher | Fritzsche | v. Schirach
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Dönitz, Karl |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher GroĂadmiral und Oberbefehlshaber der deutschen Kriegsmarine im Zweiten Weltkrieg; letzter deutscher ReichsprĂ€sident |
| GEBURTSDATUM | 16. September 1891 |
| GEBURTSORT | Berlin-GrĂŒnau |
| STERBEDATUM | 24. Dezember 1980 |
| STERBEORT | AumĂŒhle |