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Karl LĂ€mmermann

Friedrich Karl LĂ€mmermann (* 20. MĂ€rz 1914 in Buenos Aires; † 1. Juli 1934 in Plauen) war ein deutscher HJ-FĂŒhrer.

Friedrich Karl LĂ€mmermann (um 1932)

Inhaltsverzeichnis

Leben

LĂ€mmermann wuchs bei seiner Mutter in der sĂ€chsischen Kleinstadt Plauen auf. Der Vater war im Ersten Weltkrieg ums Leben gekommen. In den 1920er Jahren engagierte LĂ€mmermann sich in der zur BĂŒndischen Jugend gehörenden SĂ€chsischen Freischar. Von dieser wechselte er um 1930 zur Hitlerjugend. In dieser ĂŒbernahm er die FĂŒhrung des HJ-Bannes 133 in Plauen. In der sĂ€chsischen HJ geriet er als Vertreter der bĂŒndischen Jugend 1933 in Gegensatz zu Hannes Melchior, dem lokalen HJ-OberbannfĂŒhrer. Er beschuldigte Melchior der Veruntreuung von Geldmitteln der HJ und der DurchfĂŒhrung von Intrigen gegen einen Vorgesetzten, dessen Stellung er fĂŒr sich selbst anstrebte.

Melchior, der LĂ€mmermanns Verhalten als Verrat und als Bedrohung fĂŒr seine Position ansah, versuchte daraufhin diesen zu marginalisieren, indem er ihm vorwarf, er habe die Absicht, die HJ mit anderen ehemaligen BĂŒndischen unterwandern und das Gedankengut der nationalsozialistischen Jugendorganisation zu verfĂ€lschen. Im September 1933 erklĂ€rten verschiedene UnterfĂŒhrer LĂ€mmermanns den RĂŒcktritt von ihren Posten, was Melchior als eine von LĂ€mmermann angezettelte Meuterei zur ErschĂŒtterung seiner Stellung auffasste.

Im ersten Halbjahr 1934 intensivierten sich die Spannungen zwischen LĂ€mmermann und Melchior weiter. Melchior nutzte seine Stellung als V-Mann beim Sicherheitsdienst des ReichsfĂŒhrers-SS, um diesem negative Meldungen ĂŒber LĂ€mmermann zu erstatten und ihn weiter zu kompromittieren.

Am 30. Juni 1934 ging im Zuge der als Röhm-Putsch bekannt gewordenen politischen SĂ€uberungswelle der Nationalsozialisten vom FrĂŒhsommer 1934 bei der SS in Plauen der Befehl ein, LĂ€mmermann als Beteiligten am angeblichen Hochverrat des SA-Stabschefs Ernst Röhm zu erschießen. LĂ€mmermann wurde daraufhin von der Plauener Polizei vorgeladen und in den Morgenstunden des 1. Juli von Angehörigen der SS erschossen.

Die spĂ€teren Untersuchungen durch das Parteigericht der NSDAP verliefen uneindeutig: Es ließ sich nicht klĂ€ren, ob der SD aus eigener Initiative die Erschießung LĂ€mmermanns anordnete, nachdem man die Kritik Melchiors an LĂ€mmermann in seinen Berichten ĂŒberbewertet hatte, ohne dass eine Erschießung LĂ€mmermanns in der Absicht Melchiors gelegen hatte, oder ob Melchior am 30. Juni gezielt darauf hinarbeitete, LĂ€mmermann exekutieren zu lassen, um die gĂŒnstige Gelegenheit des Tages zur Bereinigung seiner Privatfehde zu nutzen. Welche Rolle der sĂ€chsische Gauleiter Mutschmann, ein ehemaliger Plauener und Freund Melchiors, bei der Ermordung LĂ€mmermanns spielte, ist ungeklĂ€rt. Er wurde jedenfalls von seiner Schwester, deren Tochter mit LĂ€mmermann befreundet war, beschuldigt, seine Finger mit im Spiel gehabt zu haben.

Die Polizei vertuschte die Tat zunĂ€chst und die Landesjustizbehörden unterbanden eine genauere Untersuchung. Wohl in der Absicht, die Tat zu rechtfertigen und eine Verbindung LĂ€mmermanns zu Röhm und seinen AnhĂ€ngern zu knĂŒpfen, wurde außerdem das GerĂŒcht in die Welt gesetzt, LĂ€mmermann habe frĂŒher Kurierdienste fĂŒr Röhm geleistet und von diesem ein Motorrad geschenkt bekommen.

Nach wenigen Wochen wurde der Fall jedoch aufgrund der allgemeinen Unruhe in der Bevölkerung Plauens neu aufgerollt: Melchior und seine beiden UnterfĂŒhrer Schmidt und SĂŒĂŸ wurden verhaftet und bis zum Dezember 1934 im KZ Lichtenburg festgehalten. Ein Parteigerichtsverfahren kam 1935, entlastete sie jedoch weitgehend und kam zu dem Schluss, dass die Konsequenz einer Tötung LĂ€mmermanns nicht in ihrer Absicht bei ihrem Vorgehen gegenĂŒber diesem gelegen habe. Ein vorĂŒbergehend vollzogener Parteiausschluss wurde zurĂŒckgenommen.

LĂ€mmermanns Mutter gelang es, eine weitgehende Rehabilitierung des Toten zu erreichen. An seinem BegrĂ€bnis nahmen ein Ehrenzug der HJ sowie örtliche NSDAP-FunktionĂ€re teil und es wurden zahlreiche KrĂ€nze von Parteistellen niedergelegt, darunter einer von Hitler. Außerdem durfte eine Todesanzeige mit dem Wortlaut „Er starb schuldlos und aufrecht“ fĂŒr ihn in die örtliche Zeitung gesetzt werden.

Verschiedene Versuche von LĂ€mmermanns Mutter und einem engen Freund in den Jahren 1935 bis 1938, Melchior, SĂŒĂŸ und Schmidt fĂŒr die Ermordung LĂ€mmermanns in strengerer Weise als geschehen zur Rechenschaft zu ziehen, wurden von den entsprechenden Partei- und Staatsstellen abgelehnt, um erneutes Aufsehen in der Sache zu vermeiden.

Eine Neuverhandlung des Mordfalls LĂ€mmermann vor dem Landgericht Kiel in den 1960er Jahren endete ergebnislos.

Archivalien

  • Unterlagen des Obersten Parteigerichts der NSDAP zum Fall LĂ€mmermann (Bundesarchiv: Bestand OPG)

Literatur

  • Wolfgang Eckert: SĂ€chsische Morde. KriminalfĂ€lle. Das Neue Berlin, Berlin 2003, ISBN 3-360-01225-9.
  • Wolfgang Hess: Der Mord an Karl LĂ€mmermann am 1. Juli 1934 in Plauen. Eine Dokumentation. Vogtland-Verlag, Plauen 1993, ISBN 3-928828-11-8.
  • Fritz Schmidt: Mord droht den MĂ€nnern auf der andern Seite. Fallstudien zur Bedrohung und Ermordung jugendbewegter Menschen im Dritten Reich. Karl LĂ€mmermann und GĂŒnther Wolff im Zusammenhang mit dem 30. Juni 1934. Achims Verlag, EdermĂŒnde 2003, ISBN 3-932435-12-5.

TV-Dokumentationen

  • Ernst-Michael Brandt: Mordsache LĂ€mmermann, MDR, 2002.
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