Suche im Lexikon
Lexikon auf Ihrer Homepage Lexikon als Lesezeichen hinzufügen

KartÀuser

Dieser Artikel erlÀutert den katholischen Orden; zu anderen Bedeutungen siehe KartÀuser (BegriffsklÀrung).
Wappen des KartÀuserordens

Die KartĂ€user (lat. Ordo Cartusiensis, OrdenskĂŒrzel: OCart) sind ein römisch-katholischer Orden, der die eremitische mit der zönobitischen Lebensweise verbindet und der auf den Heiligen Bruno von Köln zurĂŒckgeht. Ihr Wahlspruch ist: Stat crux dum volvitur orbis (Das Kreuz steht fest, wĂ€hrend die Welt sich dreht).

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

La Grande Chartreuse, das Mutterkloster des KartÀuserordens
Haupteingang der Großen Kartause
Die Kartause Marienau in Deutschland

GrĂŒndung

1084 zog sich der Heilige Bruno, der BegrĂŒnder des KartĂ€userordens, mit sechs GefĂ€hrten nach La Chartreuse, eine einsame Gebirgsgegend bei Grenoble in Frankreich, zurĂŒck. Das Land wurde ihnen vom Heiligen Hugo, dem damaligen Bischof von Grenoble, aufgrund einer Vision zur VerfĂŒgung gestellt. Er hatte im Traum gesehen, wie sich in La Chartreuse sieben Sterne niederließen. Bruno und seine GefĂ€hrten bauten sich kleine Eremitagen sowie die fĂŒr ein Kloster notwendigen GemeinschaftsrĂ€ume und eine Kirche. Alle RĂ€ume wurden durch einen Kreuzgang verbunden. Bald schlossen sich ihnen weitere MĂ€nner an, die Gemeinschaft wuchs und La Grande Chartreuse, die Große Kartause, das Mutterkloster des KartĂ€userordens, entstand und gab dem Orden seinen Namen. Bruno selbst schrieb keine Ordensregel. Die Lebensweise der ersten Einsiedler sollte einfach von allen zukĂŒnftigen ĂŒbernommen werden. Erst nachdem sich auch in anderen LĂ€ndern MĂ€nner der Lebensweise des Heiligen Bruno anschlossen, mussten die Lebensgewohnheiten der KartĂ€user schriftlich niedergelegt werden. So verfasste 1127 der Heilige Guigo de Chastel, der von 1109 bis 1136 als fĂŒnfter Prior die Große Kartause leitete, die Consuetudines Cartusiae, die Lebensgewohnheiten der KartĂ€user. 1133 wurde die Regel von Papst Innozenz II. approbiert. 1170 wurde die Gemeinschaft von Papst Alexander III. als Orden anerkannt. Weitere VerĂ€nderungen wurden in den Jahren 1259 (statuta antiqua), 1367 (statuta nova), 1509 (tertia compilatio statutorum) und 1581 (nova collectia statutorum ordinis cartusiensis) vorgenommen.

1145 schlossen sich erstmals Frauen zusammen, die die Lebensweise der KartĂ€user ĂŒbernahmen, und grĂŒndeten damit den weiblichen Zweig des Ordens. Im 18. Jahrhundert bestanden fĂŒnf KartĂ€userinnenklöster. Trotz der strengen Lebensweise breitete sich der Orden nach einigen anfĂ€nglichen Schwierigkeiten ab etwa 1200 rasch aus. So gab es 1137 vier Kartausen, 1151 waren es 14 und 1258 schließlich 56 OrdenshĂ€user, im 14. Jahrhundert 175 und im 15. Jahrhundert 220. Seine BlĂŒtezeit hatte der Orden im SpĂ€tmittelalter zur Zeit der Mystik (GrĂŒndungswelle um 1480). Einen besonderen Einfluss auf die Entwicklung des Ordens hatte die Bewegung der Devotio moderna, in deren Zuge das PhĂ€nomen der Stadtkartausen aufkam. Kartausen wurden bis zu jener Zeit in abgelegenen Gegenden gegrĂŒndet, nun aber kam es zu NeugrĂŒndungen in StĂ€dten, beispielsweise in London und Köln. Stadtkartausen wurden zu Zentren des Humanismus. Der Orden war zwischen 1378 und 1415 wĂ€hrend des Großen abendlĂ€ndischen Schismas in einen römischen und einen avignonesischen Zweig geteilt. Nach dem Ende des Schismas traten auch die beiden konkurrierenden Generaloberen zurĂŒck, und Johannes von Grazienburg trat an die Spitze des Ordens. 1508 bestimmte der Papst, dass immer der Prior der Chartreuse die KartĂ€user leiten sollte.

Reformation

Ehemalige Kartause Aggsbach, Pfarrkirche seit 1784

Die Reformation fĂŒhrte im 16. Jahrhundert zu einem starken RĂŒckgang des Ordens in den protestantischen Gebieten. Seither stagnierte die Zahl der KartĂ€usermönche und -nonnen bzw. fiel kontinuierlich. In England wurden die KartĂ€user unter König Heinrich VIII. verfolgt, da sie sich weigerten, ihn als Oberhaupt der Kirche Englands anzuerkennen. Insbesondere gegen die Mönche der Londoner Kartause ging der König brutal vor. Im Zuge der AufklĂ€rung wurde der Nutzen der kontemplativen KartĂ€user in Frage gestellt und viele Kartausen aufgehoben, beispielsweise 1782 unter Kaiser Joseph II. Durch AufklĂ€rung, Josephinismus, Französische Revolution und den Reichsdeputationshauptschluss sank die Zahl der Kartausen noch einmal stark ab (wĂ€hrend sie um 1700 noch 168 betragen hatte).

Gegenwart

In Deutschland wurden mit der SĂ€kularisation alle Kartausen aufgehoben. 1869 wurde in Unterrath bei DĂŒsseldorf die Kartause Maria Hain als neue Kartause auf deutschem Boden gegrĂŒndet. In der Großen Kartause konnten sich WiderstandskĂ€mpfer zur Zeit des Nationalsozialismus verstecken.

Heute sind die KartĂ€user - neben den Zisterziensern strengerer Observanz - der einzige MĂ€nnerorden, der sich das hochmittelalterliche Ideal eines strikt kontemplativen Lebens erhalten hat. Andere ursprĂŒnglich kontemplative Orden, wie Benediktiner und Zisterzienser, haben sich im Laufe ihrer Geschichte der Welt geöffnet und Aufgaben vor allem in den Bereichen Seelsorge und Lehre ĂŒbernommen.

2004 zĂ€hlten die KartĂ€user 18 Mönchs- und vier Nonnenklöster, in denen 335 BrĂŒder (darunter 170 Priestermönche) und 48 Nonnen lebten. [1] In den letzten 50 Jahren hat der Orden etwa 50% der Mitglieder verloren. Niederlassungen bestehen in Europa, Amerika und Asien. Im deutschsprachigen Raum gibt es ein MĂ€nnerkloster der KartĂ€user, die Kartause Marienau, in Bad Wurzach, Baden-WĂŒrttemberg. GegrĂŒndet wurde sie 1964 als Ersatz der 1869 errichteten Kartause Maria Hain bei DĂŒsseldorf, da sich die KartĂ€user wegen des Baus des Flughafens dort zurĂŒckziehen mussten.

Mönche

KartÀusermönch Odo von Novara, Fresco 1629

„Unser BemĂŒhen und unsere Berufung bestehen vornehmlich darin, im Schweigen und in der Einsamkeit Gott zu finden.“ (Statuten 12,1). Die Suche nach Gott in Schweigen und Einsamkeit ist allen KartĂ€usern gemein. Je nach Eignung und persönlicher MentalitĂ€t lebt der einzelne KartĂ€user seine Berufung. Die KartĂ€user unterscheiden daher drei Arten von Mönchen:

  • Priestermönche (lat. Patres), auch Chormönche oder wegen der um den Großen Kreuzgang angeordneten Zellen, die sie bewohnen, auch Kreuzgang- bzw. Zellenmönche genannt,
  • BrĂŒdermönche (lat. Fratres conversi), auch LaienbrĂŒder oder Konversen genannt, und
  • Donaten.

Chormönche

Die Chormönche leben in um den großen Kreuzgang herum gebauten kleinen HĂ€uschen mit Garten. Diese HĂ€uschen bestehen aus vier RĂ€umen: Beim Betreten der Zelle gelangt der Mönch zunĂ€chst in einen Vorraum, der das HĂ€uschen mit dem Kreuzgang verbindet. Dieser Raum heißt Ave Maria, ein Raum mit einem Marienaltar, in dem der Mönch beim Betreten und Verlassen des HĂ€uschens ein Ave Maria betet. Der Hauptraum ist das Cubiculum mit einem Arbeitstisch, einem Tisch zum Essen, einem kleinen Oratorium, einem Kleiderschrank, einem Bett und einem Ofen. Die Mönche schlafen auf einem Strohbett. Traditionell gibt es zum Waschen nur kaltes Wasser. Auch ein Handwerksraum gehört zum HĂ€uschen, in dem der Mönch das Holz fĂŒr seinen Ofen hackt und seiner Handarbeit nachgeht. Die HĂ€uschen sind traditionell zweigeschossig, werden aber bei modernen GrĂŒndungen auch eingeschossig gebaut.

Tagesablauf

Der Tagesablauf eines Chormönchs beginnt um 23:30 Uhr. Nach etwa vierstĂŒndigem Schlaf steht er das erste Mal auf und beginnt mit den anderen Mönchen in der Kirche das Stundengebet, das bei den KartĂ€usern noch aus acht Gebetszeiten (Matutin, Laudes, Prim, Terz, Sext, Non, Vesper und Komplet) besteht, nach dem Psalmwort: „Siebenmal am Tag singe ich dein Lob und nachts stehe ich auf, um dich zu preisen.“ (Ps 119,2 EU). Ist das Nachtoffizium, das aus Matutin und Laudes besteht und von allen gemeinsam in der Kirche gebetet wird, beendet (die Dauer betrĂ€gt zwei bis drei Stunden), legt sich der Mönch zu einem zweiten, etwa vierstĂŒndigen Schlaf ins Bett. Um 06:30 Uhr steht er zum zweiten Mal zum Offizium und zur Betrachtungszeit auf. Um 7 Uhr versammeln sich alle Patres in der Kirche zur fĂŒnfzehnminĂŒtigen eucharistischen Anbetung und zur anschließenden Konventmesse. Danach feiern die Patres, jeder fĂŒr sich, in kleinen Kapellen Stillmessen, ggf. mit einem Novizen als Ministrant. Im weiteren Verlauf des Tages wechseln sich Gebet (insgesamt etwa acht Stunden), Studium und Handarbeit ab. Nachtruhe ist spĂ€testens um 19:30 Uhr. Die Chormönche essen außer am Sonntag, an dem das Mittagessen gemeinsam im Refektorium stattfindet, allein. Ein FrĂŒhstĂŒck gibt es fĂŒr die Chormönche traditionell nicht. Im Winterhalbjahr, von Kreuzerhöhung bis Karsamstag, gibt es nur mittags eine warme Mahlzeit und abends etwas Brot und ein GetrĂ€nk. Eine gemeinsame Rekreation gibt es nur sonntags. Wöchentlich findet ein gemeinsamer etwa vierstĂŒndiger Spaziergang (spatiamentum) der Patres statt.

Ausbildung

Plan der Kartause von Clermont, 1856

Die Ausbildung zum Chormönch dauert mindestens sieben Jahre. Wer Chormönch werden will, muss mindestens 20 Jahre alt sein und einen Schulabschluss haben, der zum Hochschulstudium berechtigt. Daneben muss er Kenntnisse in Latein haben und singen können. Beides kann er sich aber auch noch nach seinem Eintritt in den Orden aneignen. Neben diesen Ă€ußerlichen Voraussetzungen halten die KartĂ€user vor allem die innere Einstellung eines Kandidaten fĂŒr wichtig. Wer in den Orden eintreten möchte, muss sich mit dessen SpiritualitĂ€t identifizieren können. Ein Interessent verbringt zunĂ€chst eine Probezeit (Postulat) von drei bis zwölf Monaten in der Kartause. In dieser Zeit soll er die Lebensweise der Mönche kennenlernen und prĂŒfen, ob er dafĂŒr geeignet ist. Umgekehrt prĂŒft auch der Orden in dieser Zeit, ob der Kandidat sich fĂŒr das KartĂ€userleben eignet. Ist das Postulat beendet und entscheidet sich der Kandidat zu bleiben, so wird von den Chormönchen (traditionell mit schwarzen und weißen Bohnen) abgestimmt, ob der Kandidat bleiben darf. Stimmen die Patres fĂŒr den Kandidaten, so folgt seine Aufnahme ins Noviziat und seine Einkleidung mit dem Ordenshabit, bestehend aus einer ungebleichten Tunika und einem Skapulier mit Kapuze. FĂŒr die Dauer des Noviziats trĂ€gt der Novize außerhalb seiner Zelle einen schwarzen Mantel ĂŒber dem Habit.

Das Noviziat dauert zwei Jahre, wobei der Novize ab dem zweiten Noviziatsjahr mit dem ordensinternen Studium der Theologie beginnt. Nach Beendigung des Noviziats muss sich der Kandidat wieder entscheiden, ob er den Weg im Orden weiter gehen will, und die Chormönche stimmen erneut ĂŒber sein Bleiben ab. Bleibt der Novize im Orden, so legt er nun die zeitliche Profess ab und bindet sich damit fĂŒr drei Jahre an den Orden. Diese GelĂŒbde werden dann fĂŒr weitere zwei Jahre erneuert. Wenn sich danach Orden und Mönch fĂŒr einander entscheiden, legt der Mönch die feierliche Profess ab und bindet sich damit lebenslang an den Orden. Traditionell werden bei den KartĂ€usern alle Chormönche zu Priestern geweiht. „Der Zellenmönch wird nach dem Vorbild Christi Priester und Opfer zugleich, Gott zum lieblichen Wohlgeruch, und durch die Gemeinschaft mit dem Opfer des Herrn erhĂ€lt er Anteil an den unergrĂŒndlichen ReichtĂŒmern seines Herzens.“ (Statuten 3,8) Wenn nach der Entscheidung des Priors die Zeit gekommen ist, dass der Mönch die Weihen empfĂ€ngt, wird ihm die Diakonenweihe und frĂŒhestens sechs Monate danach die Priesterweihe gespendet.

BrĂŒdermönche

Ordenshabit der KartÀuser, 1904

Neben den Patres leben in den Kartausen auch BrĂŒdermönche. „Die BrĂŒder haben eine eigene Form des einsamen Lebens. Sie sorgen durch ihre Arbeit fĂŒr die BedĂŒrfnisse des Hauses, die ihnen in besonderer Weise anvertraut sind. Dank der Hilfe der BrĂŒder können sich die Zellenmönche freier dem Schweigen der Zelle hingeben“ (Statuten 11,5). WĂ€hrend die Chormönche sich vornehmlich dem Gebet widmen, ist bei den BrĂŒdern die Handarbeit stĂ€rker betont. Chor- und BrĂŒdermönche ergĂ€nzen sich in ihren Lebensweisen gegenseitig. Die Chormönche könnten nicht ohne die BrĂŒder auskommen, die sie versorgen, und die BrĂŒder könnten nicht ohne die Patres auskommen, die ihnen die Sakramente spenden und sie seelsorgerisch betreuen.

Die BrĂŒdermönche leben getrennt von den Chormönchen in einem eigenen GebĂ€ude. Traditionell haben die BrĂŒder kein eigenes Haus, sondern nur eine Zelle, die dem Cubiculum der Patres entspricht. TagsĂŒber verlassen die BrĂŒder ihre Zelle, um in ihren WerkstĂ€tten (Oboedienzen) oder sonstigen TĂ€tigkeitsbereichen (Pforte, Klosterverwaltung, Sakristei) zu arbeiten. Damit die BrĂŒder ihre Aufgaben erfĂŒllen können, gelten fĂŒr sie weniger strenge Regeln. So ist das tĂ€gliche Offizium nicht so umfangreich wie das der Patres. Auch gelten fĂŒr sie weniger strenge Fastenregeln. So gibt es fĂŒr die BrĂŒder auch FrĂŒhstĂŒck. Außerdem sind die Klausurvorschriften fĂŒr sie weniger streng. Vornehmlich die BrĂŒder erledigen alles Nötige in den umliegenden StĂ€dten.

HauptsĂ€chlich sorgen die BrĂŒder durch ihre handwerklichen TĂ€tigkeiten fĂŒr den Unterhalt der Kartausen. BerĂŒhmt sind die KartĂ€user fĂŒr ihre Tier- und Pflanzenzucht; die KartĂ€userpferde, KartĂ€userrosen und die KartĂ€usernelken. Die KartĂ€userkatze heißt nur wegen ihrer grauen Fellfarbe so, hat aber nichts mit dem Orden zu tun. Haupteinnahmequelle des Ordens ist der bekannte KartĂ€userlikör Chartreuse, der in einer eigenen Fabrik in Voiron (nahe der Großen Kartause) aus einer Mischung von 130 KrĂ€utern hergestellt und von dort in alle Welt verkauft wird.

Wer als Bruder in eine Kartause eintreten möchte, muss mindestens 20 Jahre alt sein und eine abgeschlossene Berufsausbildung, vorzugsweise eine handwerkliche, haben. Der Ausbildungsweg ist Ă€hnlich dem der Chormönche. Nach dem Postulat, das drei bis zwölf Monate dauert, erfolgt die Einkleidung und die Aufnahme ins Noviziat, das zwei Jahre dauert. Danach legt der Bruder seine erste Profess fĂŒr drei Jahre und daran anschließend eine weitere Profess auf zwei Jahre ab. Entschließt er sich nach dieser Zeit zu bleiben, bindet er sich in der ewigen Profess fĂŒr immer an den Orden.

Donaten

Die Donaten haben den gleichen Aufgabenbereich wie die BrĂŒder. Sie unterscheiden sich von ihnen dadurch, dass sie sich nicht mit GelĂŒbden an den Orden binden, sondern mit ihm einen Donationsvertrag abschließen. Donaten haben den gleichen Ausbildungsweg wie die BrĂŒder. Nach dem ersten Noviziatsjahr kann sich ein Brudernovize entschließen, Donate zu werden. Statt der zeitlichen Profess auf zunĂ€chst drei und dann noch einmal zwei Jahre, legt der Donate eine zeitliche Donation auf drei und dann zwei Jahre ab. Daran schließt sich die ewige Donation an, wenn der Donate im Orden bleiben möchte.

Im Kloster selbst leben die Donaten in persönlicher Armut, jedoch können sie außerhalb des Klosters eigenen Besitz haben und frei ĂŒber diesen verfĂŒgen. In der Gestaltung ihres Tagesablaufes sind sie freier als die BrĂŒder und können auch sonst Erleichterungen gewĂ€hrt bekommen.

Nonnen

KartĂ€usernonne Beatrix d’Ornacieux, Fresco 1629

Seit 1145 gibt es auch KartĂ€userinnen. ZunĂ€chst unterschied sich ihre Lebensform noch von der der Mönche. Hinsichtlich Einsamkeit und Fasten war das Leben der Schwestern nicht so streng wie das der Mönche. So lebten die Nonnen nicht in eigenen HĂ€uschen, sondern in abgetrennten Zimmern. Das Essen nahmen sie tĂ€glich gemeinsam ein und eine gemeinsame Rekreation gab es nicht nur einmal in der Woche, sondern tĂ€glich. Nun kam bei den KartĂ€userinnen der Wunsch auf, das Ordensideal authentischer zu leben. So kam es in den 1970er Jahren zur GrĂŒndung zweier Frauenkonvente, die ein den Mönchen weitgehend angepasstes Leben fĂŒhren wollten. 1971 wurde die Kartause Beauregard (bei Voiron nahe der Großen Kartause) von Schwestern bezogen. 1977 kamen KartĂ€userinnen in die Kartause Vedana (Italien), die bisher von KartĂ€usermönchen bewohnt wurde, von ihnen aber wegen Nachwuchsmangels aufgegeben werden musste. 1978 siedelte die in der Zwischenzeit gewachsene Gemeinschaft von Beauregard in die neu gebaute Kartause Reillanne in der Haute-Provence ĂŒber. Heute hat der Orden insgesamt fĂŒnf Frauenkonvente, davon je zwei in Frankreich und Italien sowie einen in Spanien. In SĂŒdkorea, wo 2004 eine Kartause von Mönchen bezogen wurde, ist auch ein Frauenkonvent in Planung.

Auch bei den Nonnen gibt es drei Arten von Konventsmitgliedern: Chorschwestern, Konversschwestern und Donatinnen. Die Aufgabenverteilung ist prinzipiell die gleiche wie bei den Mönchen. Auf Wunsch wird den Schwestern kurze Zeit nach der feierlichen Profess die Jungfrauenweihe gespendet. Bei der Jungfrauenweihe erhalten die KartĂ€userinnen vom Bischof neben den traditionellen Insignien auch die Stola und dĂŒrfen in der Matutin das Evangelium verkĂŒnden[2]. Das ist eine Besonderheit im Eigenrecht der KartĂ€user. Die Chorschwestern verrichten in ihren Zellen als Handarbeit vornehmlich NĂ€harbeiten oder Paramentenstickerei. Geleitet werden die Nonnenklöster von einer Priorin. Der Habit ist wie der der Mönche naturfarben. Dazu tragen die Professen einen schwarzen Schleier, die Novizinnen einen weißen. In den Kartausen der Schwestern wohnen außerdem in einem eigenen GebĂ€udetrakt etwas abseits von den Nonnen noch drei KartĂ€usermönche, zwei Patres und ein Bruder. Die Patres, die im Frauenkonvent die Stellung eines Vikars und eines Koadjutors einnehmen, sind fĂŒr die Seelsorge und Sakramentenspendung im Kloster zustĂ€ndig. Der Bruder hilft den Konversschwestern bei den anfallenden Arbeiten.

Beim Bau der Kartause Reillanne wurde die in der letzten Zeit im Orden laut gewordene Überlegung, auch den BrĂŒdern bzw. Konversschwestern HĂ€uschen mit Garten zu bauen, die der Förderung der Einsamkeit zutrĂ€glicher sind als einfache Zellen, umgesetzt. Die Erfahrungen mit dieser Neuerung sind gut, und so könnte sie bald zum ordensweiten Standard werden.

Organisation

Oberstes Organ des KartĂ€userordens ist das Generalkapitel, das alle zwei Jahre in der Großen Kartause abgehalten wird und aus den Prioren der einzelnen HĂ€user besteht. Dies ist gewissermaßen die Legislative des Ordens. Von ihr wird ein Gremium, das sog. Definitorium, gewĂ€hlt, das aus acht Mönchen besteht und gewissermaßen die Exekutive darstellt. WĂ€hrend des Generalkapitels sollen alle wichtigen Angelegenheiten des Ordens geregelt werden. In der Zeit zwischen zwei Generalkapiteln wird der Orden vom Prior der Großen Kartause, dem Reverendus Pater, geleitet, der, obwohl er dem ganzen Orden vorsteht, nur von den Mönchen der Großen Kartause gewĂ€hlt wird. Als Oberer eines Einsiedlerordens verlĂ€sst er wĂ€hrend seiner Amtszeit die Große Kartause nie. So ist es fĂŒr ihn unmöglich, beispielsweise zum Heiligen Stuhl nach Rom zu reisen und den Orden dort zu vertreten. Dies ĂŒbernimmt stattdessen ein dazu beauftragter Pater.

Die einzelnen Kartausen werden von einem Prior geleitet, der von den Mönchen des jeweiligen Hauses auf zwei Jahre gewĂ€hlt wird. Der Stellvertreter des Priors ist der Vikar. Ein Prokurator ist fĂŒr die Finanzen zustĂ€ndig. Der Novizenmeister (Magister) ist fĂŒr die Ausbildung der Paternovizen zustĂ€ndig. Die Ausbildung der BrĂŒder- und Donatennovizen ĂŒbernimmt normalerweise der Vikar.

Zur Erhaltung der klösterlichen Disziplin wird jede Kartause alle zwei Jahre von zwei Prioren anderer Kartausen visitiert.

Der bekannte Spruch Papst Innozenz' XI. „Cartusia numquam reformata, quia numquam deformata“ â€“ „Die Kartause wurde nie reformiert, da sie nie deformiert wurde“ â€“ weist auf die Treue der KartĂ€user zu ihren UrsprĂŒngen hin. Jedoch hat auch der KartĂ€userorden im Laufe der Zeit VerĂ€nderungen in seinen Regeln erfahren. So musste beispielsweise 1917 die bis dahin vorgeschriebene Beichte beim Prior in Angleichung an das Kirchenrecht abgeschafft werden. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurden zu Beginn der 1970er Jahre die „Erneuerten Statuten des KartĂ€userordens“ abgefasst. Diese wurden zuletzt 1983, wiederum in Angleichung an das Kirchenrecht, und nochmals 1987 geĂ€ndert.

SpiritualitÀt

Grundlage der SpiritualitĂ€t der KartĂ€user ist ein Leben in der Erwartung der Wiederkunft Christi (Parusie). ZurĂŒckgezogen in der Einsamkeit sorgen sie sich, nur Christus zu gefallen und ein Leben nach dem Evangelium in der Nachfolge Christi zu fĂŒhren. Ihre SpiritualitĂ€t lĂ€sst sich in dem Satz zusammenfassen: „Zum Lob der Herrlichkeit Gottes hat Christus, das Wort des Vaters, durch den Heiligen Geist von Anfang an Menschen auserwĂ€hlt, um sie in die Einsamkeit zu fĂŒhren und in inniger Liebe mit sich zu vereinigen.“ (Statuten 1,1). Einen besonderen Stellenwert in der SpiritualitĂ€t der KartĂ€user nimmt das Jesusgebet ein.

Charakteristisch fĂŒr die KartĂ€user ist ihr Schweigen, ihre Einsamkeit und ihr Gebet. Die Einsamkeit der KartĂ€user bedeutet Trennung von der Welt, die sich insbesondere dadurch auszeichnet, dass sie auf jedes Apostolat verzichten. Sie haben keinen direkten Zugang zu Massenmedien. Nur der Prior liest tĂ€glich die Zeitung und informiert die Mönche ĂŒber wichtige Ereignisse. Besucher sind nicht zugelassen, außer Ordensinteressenten und den Angehörigen der KommunitĂ€tsmitglieder, die jĂ€hrlich fĂŒr zwei Tage in die Kartause zu Besuch kommen dĂŒrfen. Das Leben der KartĂ€user ist hauptsĂ€chlich dem Gebet gewidmet. Entsprechend ihrer Lebensweise haben sie eine eigene Liturgie, die ihrer Lebensart angepasst ist. Es entspricht der zurĂŒckgezogenen Daseinsweise des Ordens, dass die KartĂ€user nur einen Bischof (nĂ€mlich den GrĂŒnder Bruno, der aber auf das Bistum Reggio verzichtete) hervorgebracht haben und nur sehr wenige Heilige kanonisiert wurden. Drei Heilige und fĂŒnfzehn Selige, die 1535–1540 wĂ€hrend der Reformation in England hingerichtet wurden, weil sie den Eid auf König Heinrich VIII. verweigerten, werden als MĂ€rtyrer verehrt.[3] Unter den „MĂ€rtyrern von Roermond“ waren auch zwölf KartĂ€usermönche.[4]

Die KartĂ€user sind Vegetarier. Strikte Fastenzeiten bestimmen ihr Leben, so wird beispielsweise jeden Freitag bei Wasser und Brot gefastet. FrĂŒhstĂŒck gibt es traditionell bei den KartĂ€usern nicht, bei den KartĂ€userinnen ist es jedoch ĂŒblich, morgens nach der Messe eine kleine StĂ€rkung, normalerweise etwas Brot und ein GetrĂ€nk, zu sich zu nehmen. Die erste Mahlzeit des Tages ist das Mittagessen. Im Sommerhalbjahr, von Ostern bis Kreuzerhöhung, gibt es außerdem ein warmes Abendessen. Im Winterhalbjahr hingegen begnĂŒgen sich die KartĂ€user abends mit etwas Brot und einem GetrĂ€nk.

Alle Kartausen sind – bis auf wenige, historisch bedingte Ausnahmen – Maria, der Mater Singularis Cartusensium, der einzigartigen Mutter der KartĂ€user, geweiht. Sie ist die oberste Patronin des Ordens und nimmt einen besonderen Platz in der SpiritualitĂ€t der KartĂ€user ein. Ihr zur Ehren wird tĂ€glich eine Votivmesse gefeiert und neben dem kirchlichen Stundengebet auch das Marienbrevier gebetet. Zweiter Ordenspatron ist der Heilige Johannes der TĂ€ufer.

Durch ihre Lebensart wollen die KartĂ€user der Welt ein Zeugnis geben; ihren konsequent gelebten Glauben betrachten sie als die beste Predigt, die es gibt. Sie sehen ihr Leben auch als stellvertretenden Gottesdienst fĂŒr diejenigen an, die nicht beten wollen oder können und möchten stellvertretend Buße fĂŒr all jene leisten, die sich ihrer SĂŒnden nicht bewusst sind.

KartÀuser im Film

Im Jahr 2005 hat Philip Gröning den bisher einzigen Dokumentarfilm Die große Stille (frz.: Le grand silence) fertig gestellt, der in der Großen Kartause bei Grenoble gedreht wurde und starke Beachtung fand. Er erhielt 2005 den bayerischen Filmpreis (Bester Dokumentarfilm) und wurde mit dem europĂ€ischen Filmpreis 2006 ausgezeichnet.

Um einen KartÀusermönch dreht sich auch der Spielfilm Broken Silence (1995).

Bestehende und ehemalige Kartausen

Eine internationale Liste der bestehenden Kartausen bietet der Artikel Kartause, eine Liste der bestehenden und aufgelösten Kartausen findet man in der Liste der KartÀuserklöster.

Literatur

Zur Ordensgeschichte

  • Bernard Andenmatten: Les chartreux en Suisse. (= Helvetia Sacra; Band III/4). Schwabe, Basel 2006, ISBN 3-7965-2228-9 (Gesamtdarstellung ĂŒber die Schweizer Kartausen)
  • Karl S. Frank: Geschichte des christlichen Mönchtums. Primus-Verlag, Darmstadt 1996, ISBN 3-89678-500-1.
  • David Knowles: Geschichte des christlichen Mönchtums. Benediktiner, Zisterzienser, KartĂ€user. Kindler, MĂŒnchen 1969.
  • Mönche der Kartause Marienau (Hrsg.): Kartause Marienau. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 2004, ISBN 3-89870-184-0.
  • Hellmut Zschoch: Die Christenheit im Hoch- und SpĂ€tmittelalter. Von der Kirchenreform des 11. Jahrhunderts zu den Reformbestrebungen des 15. Jahrhunderts. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2004, ISBN 3-8252-2520-8.

Über den Heiligen Bruno

  • Gerardo Posada: Der heilige Bruno, Vater der KartĂ€user. Ein Sohn der Stadt Köln. Wienand, Köln 1987, ISBN 3-87909-157-9.

Zur OrdensspiritualitÀt

  • Unter den KarthĂ€usern : eine Beschreibung der Karthause Hain bei DĂŒsseldorf und des Lebens ihrer Bewohner. Riffarth, Mönchengladbach 1892. (Digitalisierte Ausgabe der UniversitĂ€ts- und Landesbibliothek DĂŒsseldorf)
  • Martin Beer: Dionysius' des KartĂ€users Lehre vom desiderium naturale des Menschen nach der Gottesschau. Hueber, MĂŒnchen 1963.
  • Willibald Bösen: Auf einsamer Straße zu Gott. Das Geheimnis der KartĂ€user. Herder, Freiburg i. Br. 1987, ISBN 3-451-20997-7.
  • Norbert Brox u.a. (Hrsg.): FrĂŒhe KartĂ€userbriefe. 3. Auflage. Herder, Freiburg i. Br. 2002, ISBN 3-451-22220-5
  • Gabriel DiLorenzi (Hrsg.): Gott schauen. Echter, WĂŒrzburg 1996, ISBN 3-429-01758-0
  • Augustin Guillerand: Im Angesicht Gottes. Gebetserfahrungen eines KartĂ€usermönchs. Echter, WĂŒrzburg 1989, ISBN 3-429-01231-7.
  • Rudi Holzberger: KartĂ€user. Die Alternativen von Marienau. In: GEO 3/1987, S. 36-54
  • Robin B. Lockhart: Botschaft des Schweigens. Das verborgene Leben der KartĂ€user. Echter, WĂŒrzburg 1992, ISBN 3-429-01087-X.
  • S. Eva Singletary (Hrsg.): Wo die WĂŒste erblĂŒht. Aus dem Erfahrungsschatz eines Einsiedlermönches. Neue Stadt, MĂŒnchen 2004, ISBN 3-87996-632-X.
  • Wolfgang Riehle (Hrsg.): Das Buch von der mystischen Kontemplation, genannt: Die Wolke des Nichtwissen. Worin die Seele sich mit Gott vereint. 7. Auflage. Herder, Freiburg i. Br. 2004, ISBN 3-89411-292-1.
  • Robert Serrou: KartĂ€user. Vom Leben in der WĂŒste. Echter, WĂŒrzburg 2002, ISBN 3-429-01944-3.
  • Nancy Klein Maguire: In der Stille vieler kleiner Stunden. Goldmann, MĂŒnchen 2007, ISBN 3-442-33776-3.

Einzelnachweise

  1. ↑ Stand vom 24. Dezember 2004 laut Annuario Pontificio 2006.
  2. ↑ Winfried Haunerland (Hrsg.): Manifestatio ecclesiae – Studien zu Pontifikale und bischöflicher Liturgie. Pustet 2004
  3. ↑ Ökumenisches Heiligenlexikon, Flor. Mart. Rom. 22. Juni
  4. ↑ Ben Hartmann: De Martelaren van Roermond. Uitgeverij Colomba, Oegstgeest 2009. ISBN 9789073810860

Siehe auch

Weblinks

 Commons: KartĂ€user â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: KartĂ€userklöster â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: KartĂ€user â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Impressum AGB Datenschutz KundenserviceMediadatenfreenet AGJobsSitemap
gekennzeichnet mit
JUSPROG e.V. - Jugendschutz
freenet ist Mitglied im JUSPROG e.V.