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Kasia von Szadurska (* 23. Februar 1886 in Moskau; † 3. April 1942 in Berlin) war eine deutsche Malerin und Grafikerin, die rund 25 Jahre am Bodensee (Konstanz und Meersburg) lebte und arbeitete. Ihre Werke sind zwischen dem Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit einzuordnen; in ihrer Frühzeit erschuf sie zahlreiche expressive Graphiken, später wendete sie sich vermehrt dem Porträt zu, aber auch Landschaften und Stillleben gehören zu ihren Arbeiten. Ihren künstlerischen Höhepunkt hatte Kasia von Szadurska unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg und den 1920er Jahren mit ihren Grafiken und Buchillustrationen und Gemälden, die sich mit der 2. Welle des Expressionismus oder der Neuen Sachlichkeit auseinandersetzten.
Inhaltsverzeichnis |
Geboren wurde Kasia von Szadurska am 23. Februar 1886 als Margarethe Casimirowna Schadursky in Moskau.
Im Alter von vier Jahren kam sie nach Deutschland. Vermutlich lebte sie als Adoptivkind der Familie Sternberg in oder bei Dresden. [1] Kasia allerdings ging bereits 1903 für 1½ Jahre nach Düsseldorf und erhielt Zeichenunterricht bei Willy Spatz (1861–1931), der auch an der Düsseldorfer Kunstakademie lehrte. Im Mai 1905 zog die Familie nach Hamburg . Dort erhielt Kasia Unterricht von Carl Rotte (1862–1910). Hier wendete sie sich verstärkt dem Porträt zu, aber auch die Tiere in Hagenbecks Tierpark faszinierten die angehende Künstlerin. Dennoch verließ sie am 23. September 1907 Hamburg und meldete sich in der Theresienstraße 66 in München an. Auf der Schülerinnenliste der Damenakademie des Münchner Künstlerinnenvereins ist für die Jahre 1907/08 und 1908/09 eine Margarethe von Szadurska-Sternberg belegt. Unterricht hatte sie u. a. bei dem Illustrator und Jugendstilmaler Robert Engels (1866–1926), der in dieser Zeit das Kopf- und Aktzeichnen lehrte. Bereits damals interessierte sie sich für die Porträtmalerei. Dem Aufenthalt in München schlossen sich mehrjährige Stationen in Dresden und Berlin an, in der sie sich mit der Grafik und Plakatkunst auseinandersetzte.
Bereits kurz nach ihrer Ankunft in München lernte sie den angehenden Juristen Otto Ehinger aus Meersburg kennen, am 26. April 1910 heirateten beide im böhmischen Niedergrund. Dr. Otto Ehinger, Sohn eines Brauereibesitzers in Meersburg, studierte von 1902 bis 1908 in Freiburg und München Jura; er verdiente seinen Lebensunterhalt allerdings als Publizist und Reisejournalist. Um der Wehrpflicht zu entgehen, kehrte Ehinger alleine 1914 in die heimische Brauerei und die Gaststättenbetriebe zurück. Während er bereits am Bodensee verweilte, muss Kasia von Szadurska nach Dresden gereist sein, denn ein Künstlerkollege, Conrad Felixmüller, fertigte 1915 in Dresden eine Kohlezeichnung von ihr an. Während des Ersten Weltkriegs folgte Kasia von Szadurska ihrem Ehemann, der weiterhin in Meersburg wohnte, an den See nach Konstanz. Die Konstanzer Zeitung berichtete im Dezember 1915 über Künstlerpostkarten und erste Werke, welche von der „jungen, begabten, vor kurzem am Bodensee niedergelassenen“ Künstlerin Kasia von Szadurska stammen. Mit dem Tod der Schwiegermutter 1916 übernahm Ehinger die Geschäfte des Familienunternehmens. Das Verschweigen seiner Ehefrau führte für Ehinger zum politischen Skandal: Als vermeintlich alleinstehender, junger Mann der Meersburger Oberschicht mischte er sich in die hiesige Politik ein. Seine zahlreichen Gegnern blieb nicht verborgen, dass er regelmäßig an den Wochenenden nach Konstanz fuhr – so dass er vorzeitig seine Kandidatur zum Abgeordneten bei den Badischen Landtagswahlen am 12. Januar 1919 wieder aufgab. 1922 zog Szadurska zu ihrem Ehemann nach Meersburg.
Die Ehe wurde 1935 geschieden. [2] Ob sie an der ausgebliebenen Rückkehr nach München, an dem egozentrischen Auftreten des Mannes oder an der Emanzipation der Frau scheiterte, lässt sich aufgrund der fehlenden Unterlagen nicht nachvollziehen. Die Schuld jedenfalls wurde der Künstlerin zugewiesen, weil sie ein Verhältnis mit dem Konstanzer Maler Johannes Kutscher zugab. Das Sorgerecht für die beiden Söhne wurde Ehinger zugesprochen.
Bereits ein Jahr vor der Scheidung kehrte Kasia zurück nach Konstanz und wendete sich verstärkt den Porträts zu, aber auch einige großformatige Blumensträuße und Landschaften sind entstanden. Mit der Herrschaft der Nationalsozialisten wandelte sich der Kunstgeschmack und als alleinstehende Frau war sie auf Aufträge angewiesen. Als einfühlsame Porträtistin überzeugt sie nach wie vor, auch wenn das Bodenständige oder Liebliche gelegentlich überhand nahm. Ihre Stärke in der Komposition, Detailausarbeitung und Farbgebung weisen auch ihre Spätwerke auf.
Im Zuge der Aktion „entartete Kunst“ wurden aus dem Bestand der Städtischen Wessenberg-Galerie Konstanz das Ölgemälde: Fährehafen von Meersburg von Kasia von Szadurska und die vier Bildnisstudien der Tatjana Barbakoff, beide 1929 angekauft, beschlagnahmt. Ausgerechnet die Zeichnungen dieser Tänzerin, die im Konzentrationslager starb, wurden der Galerie ein Jahr später zurückgegeben. [3] Das vergleichsweise harmlose Fähre-Ölbild war bei der Rückgabe nicht dabei.
Ab Ende 1937 verlagerten sich die Kontakte vom Bodensee nach Berlin. Immer längere Reisen unternahm sie in die Hauptstadt, so dass sie 1940 in den Verein der Berliner Künstlerinnen eintrat und an mindestens zwei Ausstellungen teilnahm. In Berlin war sie bereits eine gebrochene Frau: Die Trennung von den Kindern und ihr schlechter Gesundheitszustand - ein Attest aus dem Nachlass notiert eine Brust-Amputation - führten die Künstlerin zu Beginn des Jahres 1942 in ein Berliner Krankenhaus, in dem sie am 3. April desselben Jahres verstarb.
Am Bodensee ist die Künstlerin russischer Herkunft als Dame der Großstadt bekannt, die es durch die Heirat mit einem Meersburger Bürgersohn in die Provinz verschlug. Die Kleinstadt am Bodensee hatte in den 1920er Jahre kaum mehr als 2000 Einwohner und schien kein geeigneter Ort für eine Malerin, die zuvor in Berlin und München wirkte. Der Schriftsteller John Jöhnson beschrieb 1925 die Situation folgendermaßen: „Leichter sie sich zu denken in einer Bohème-Mansarde der Großstadt als in einer Meersburger Villa als Gattin der Stütze der Gesellschaft.“ Aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg sind kaum Werke von ihr bekannt, obwohl die Konstanzer Zeitung Ende des Jahres 1915 von einigen Werken berichtet.
In Konstanz gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern der expressionistischen Vereinigung „Breidablik“ von 1919, der ersten Malervereinigung am Bodensee. Auffallend – besonders im Gegensatz zum „Kreis“ - ist, dass nur sechs Künstler beteiligt waren: neben Hans Breinlinger, Karl Einhart, Fritz Gaum und den beiden Kunsthandwerkern Albert Schatz und Fritz Schmidt Kasia von Szadurska. Die Verkaufsausstellung fand in der späteren Wohnung Kasias, dem ehemaligen Gartenhäuschen an der Laube in Konstanz statt. Unterstützt wurde die Künstlergruppe von Fritz Leib, einem Kaufmann, der von den verkauften Kunstwerken 30% Provision erhob. Glaubt man der verschlüsselten Schlussbemerkung im Jahresbericht von 1919 im Bodenseebuch von 1921, dann soll das Verhalten dieses Kaufmanns der Grund für den kurzen, nur ein paar Monate dauernden Zusammenhalt der Gruppe sein.
Kasia von Szadurska war vor allem eine hervorragende Grafikerin, die ihre Eindrücke mit sicherem, schnellem Strich festhielt. Ihre Vorliebe für düstere Szenen und erotische Frauendarstellungen sind stilistisch dem ausklingenden Expressionismus verbunden, inhaltlich jedoch von beeindruckender Eigenständigkeit. Das ab 1914 von Norbert Jacques herausgebrachte „Bodenseebuch“ bot für Illustrationen eine Plattform, bei der Kasia von Szadurksa ihre zeichnerischen Fähigkeiten immer wieder unter Beweis stellen konnte. [4] Ferner illustrierte sie zahlreiche Publikationen für hiesige Verlage wie Reuss & Itta [5] [6] [7] oder Otto Wöhrle in Konstanz, für Bücher von Wilhelm von Scholz[8] und nahm an vielen Ausstellungen teil, die nicht zuletzt auch die Künstlervereinigung Der Kreis (Bodenseegebiet) [9] organisierte. Von dem in Meersburg im Glaserhäusle lebenden Philosophen Fritz Mauthner fertigte sie 1916 eine Portätzeichnung an. [10] Um bürgerliche Konventionen und Barrieren der Schicklichkeit sorgte sich die Künstlerin nicht – ihre 1921 in limitierter Auflage erschienene Mappe „Zehn Akte“ beispielsweise ist eine zarte Hommage an die lesbische Liebe. In ihren frühen Werken verarbeitete sie ähnliche Themen auch als Ölgemälde, in denen meist expressive Farben dominieren. Darüber hinaus nahm sie an großen Ausstellungen teil, z. B. 1925 und 1927 in Berlin und 1930 in Freiburg. Ferner existiert ein interessanter Artikel über Künstlerinnen, in dem Kasia in dem illustren Kreis von Käthe Kollwitz, Marie Laurencin und Emy Roeder vorgestellt wird.
Zeitlebens kokettierte Kasia von Szadurska mit ihrer geheimnisvollen, fremdländischen Herkunft. In Sujets wie Nachtszenen, Spelunken-, Mörder-, Gefängnisdarstellungen, Masken oder Katzen setzte sie sich mit befremdlichen und düsteren Themen auseinander, welche allerdings auch für Arbeiten vieler Künstler nach dem Ersten Weltkrieg bezeichnend sind. Zwei frühe Ölgemälde in Privatbesitz, welche eine Zirkusdarstellung und einen Seiltänzer zeigen, dokumentieren den motivisch engen Zusammenhang zwischen der Grafik und der Ölmalerei. Fein in der Darstellung und Anlage überzeugen die Motive in der farblich expressiven Umsetzung und spielen mit dem Geheimnisvollen.
Eine andere Kasia ist in den Fährebildern zu erkennen. Bisher sind elf Arbeiten - Zeichnungen, Aquarelle, Grafiken und Ölgemälde - zum Bau der Fährverbindung von Konstanz nach Meersburg überliefert, welche das Technikinteresse der Künstlerin zeigen. Allerdings haben sich nur zwei der drei bekannten Ölgemälde erhalten. Die Version, welche das Wessenberg-Haus 1929 ankaufte, hat sich nicht erhalten, weil es 1937 als entartetes Werk abgehängt wurde. Gerade die große Anzahl dieser Bilder lassen einen Blick in die Arbeitsweise der Künstlerin zu: Gelegentlich nahm sie sich die Freiheit heraus, eine Zeichnung oder ein flüchtiges Aquarell in sorgfältiger Ausführung oder gar in ein Ölbild umgesetzt zu wiederholen. So dokumentieren die zehn Fährehafenbau-Bilder nur fünf Bauzustände, wobei beim letzten Aquarell bereits eine Fähre anlegt. Wo es für ein ausgewogenes Bildmotiv nötig ist, werden Details zugunsten des Bildaufbaus verändert. So z. B. ist der große Baulastenkahn in den Ölgemälden genau entgegengesetzt dargestellt als in den Zeichnungen und Aquarellen. Gerne setzte sie das Motiv eines kleinen Segelbootes oder Dampfers dazu um die große Seefläche aufzulockern. Aber auch die Darstellung einer Fabrik oder die Zeichnung einer Autofahrt bezeugen ihr Technikinteresse, sowie manche Meersburgansicht ebenfalls recht grob vereinfacht dargestellt ist. Kraftvolle, farbig voluminöse Stillleben ergänzen diese Facette der Künstlerin. „… das Farberlebnis ist das Tiefste und Ursprünglichste in ihrer Kunst. Von der Farbe aus gestaltet sich ihr alle Form. Man vergegenwärtigt sich ihr prachtvolles Porträt einer Chinesin, oder ihr reifstes Werk, die Meersburger Fähre, und man wird nachempfinden können, wie diese Werke aus dem Wesen der Farbe und ihrer Zusammenklänge geboren worden sind…“
Wie zahlreiche Zeitgenossen wandte sich Kasia von Szadurska ab Mitte der 1920er Jahre von den expressiven Einflüssen ab und wendete sich der Neuen Sachlichkeit zu. Im Gegensatz zu ihren Künstlerkollegen des Breidabliks näherte sie sich aber nie der völligen Abstraktion an; sie begnügte sich mit der Vereinfachung der Gegenstände. Ein Spätwerk mit der entfernten Ansicht Meersburgs von Staad aus ist völlig der Neuen Sachlichkeit zuzuordnen. Diverse Dokumente eröffnen, dass sie sich nicht nur mit der Grafik und der Malerei beschäftigte, sondern auch sehr experimentierfreudig war. Mit dem Meersburger Bildschnitzer Joseph Ehinger kreierte sie Möbel und für die eigene Brauerei entwarf sie ein Werbeschild. Ferner experimentierte sie 1927 in München mit der Skulptur, erschuf ein Wandgemälde, war Mitglied im künstlerischen Beirat des Städtebundtheaters Konstanz – Winterthur – Schaffhausen und entwarf das Bühnenbild am Konstanzer Stadttheater für „Kalkutta 4. Mai. 3 Akte Kolonialgeschichte“ von Lion Feuchtwanger.
Ihre bevorzugten Sujets verbindet man gerne mit dem Mysteriösen: Ein Thema ist die Maske, hinter der man die wahre Empfindung verstecken kann, so wie ihr berühmtes Selbstporträt, welches hinter der lachenden Larve eine nachdenkliche, fast melancholische Frau zeigt. Von ihrer berühmtesten Arbeit zum Thema Masken, welche die Wessenberg-Galerie 1927 ankaufen wollte, ist der Aufbewahrungsort nicht bekannt. Nur in einer Beschreibung der Journalistin Elga Kern lebt das mysteriöse und sozialkritische Bild weiter: "‘Masken‘ nennt sie das eine: im Vordergrund ein Knäuel Masken zusammengedrängt, deren schauerlich-groteske Ekstase wie das grelle Rampenlicht einer Vorstadtschmiere irdische Schadhaftigkeit, die überhebliche Leere, die sinnlose Zerklüftung neben unerhörter Not unverklärt entblößt. Im Hintergrunde ein trostloser Trauerzug, der bleischwer dem Düster zuschleicht. Und ganz ferne läßt irgendwo ein Gott die Sonne scheinen.“ Auch ihren älteren Sohn lässt Kasia von Szadurska mit Masken spielen.
Noch viel häufiger ist die Katze im Werk der Malerin zu finden. Dies ist ein Wesen, dem über Jahrhunderte hinweg geheimnisvolle Eigenschaften zugeschrieben wurden. Sehr ausdrucksstark sind die frühen Katzenporträts. Die früheste Arbeit scheint eine Lithographie zu sein, die mit dem dominierenden Schwarz gut in die Serie der düsteren Grafiken um 1920 passt. Eine schwarze Katze in Öl mit übersteigerten Gliedmaßen vor rot-orangem Hintergrund zeigt eine expressive Darstellung aus der Breidablik-Zeit; eine graue Perserkatze ist in der Formgebung zwar realistischer, dennoch zeigt der Hintergrund expressive Anklänge. Etwa zur selben Zeit müssen auch die Porträts entstanden sein, in denen Frauengestalten eine Samtpfote in Händen halten. Ferner existieren eine Kätzchenstudie und ein Grußkarte – wiederum ein Selbstporträt mit Katze – sowie zahlreiche Fotografien, welche die Künstlerin mit einer Katze zeigen, u. a. eine Weihnachtskarte von 1914 an Otto Ehinger und ein Foto mit einer Perserkatze auf der Terrasse des Hauses Ödenstein. Aber auch ihre späteren Arbeiten, die gemäß der Kunstdoktrin des NS-Regimes ausschließlich der Realität verpflichtet sind, zeigen in der Darstellung der Katze nach wie vor die grandiosen Fähigkeiten der Künstlerin. Mögen die Kinderporträts manchmal etwas zu lieblich oder zu deutlich dem „Blut-und-Boden-Stil“ verpflichtet sein – die Darstellungen der Katze stehen den früheren Werken nur unwesentlich nach. Im Grunde nimmt sie damit ein beliebtes Thema des Impressionismus wieder auf, der die Katze als Sinnbild vertrauter Nähe und zarter Berührung zeigt. Nur die Leichtigkeit des Pinselstrichs und extrem naturalistische Darstellung weicht vor allem ab 1933 vom Stil der Impressionisten ab.
Bis Ende der 1920er Jahre entstanden zahlreiche Akte und Selbstporträts – ein weiteres beliebtes Motiv der Künstlerin. Die Abbildung des menschlichen Körpers ermöglichte der Künstlerin die innere Welt des Individuums auszudrücken: Emotionen, Gefühle, Ängste und Hoffnungen. Kaum ein anderes Motiv als der menschliche Körper eignet sich so sehr, diese abstrakten Begriffe durch die Kunst zu kommunizieren. Erst recht, wenn der Akt zugleich auch ein Selbstporträt ist. Die ausdrucksstärksten Akt-Gemälde in kräftigen Farben sind ihre Selbstporträts. Ein Bild wurde bereits bei den Masken behandelt, weitere Gemälde sind das Selbstporträt mit entblößter Brust, welches Ehinger in seinem Artikel über die Breidablik-Ausstellung beschrieb: „Und eine Seite in ihr spürt den Sehnsüchten auf dem Grund der Seelen nach. Von dort das Bild der sündhaften Frau mit der entblössten Brust.“ Weitere Werke sind ein Rückenakt, ein Akt vor Spiegel (ebenfalls ein Selbstporträt) und diverse Boudoir-Motive, die teils als Zeichnungen, teils als Aquarelle und Pastelle existieren und gelegentlich auf Grafiken z. B. aus der Mappe „10 Akte“ zurückgreifen. Bis Mitte der 1920er Jahre bestückte Kasia von Szadurska zahlreiche „Kreis“-Ausstellungen mit solchen Motiven. Alleine für die Ausstellung in Lindau vom 28. Juli bis 24. August 1926 schickte sie drei solcher Motive. Darüber hinaus haben sich einige Schwarz-Weiß-Fotos dieses Motivs im Nachlass erhalten. Eine melancholische Künstlerin ist bereits im Selbstporträt mit Maske vorgestellt worden. Das Selbstporträt mit entblößter Brust zeigt eine neugierig, vielleicht sogar kess in die Welt blickende Malerin, während die beiden anderen erwähnten Gemälde die Natürlichkeit im Umgang mit dem nackten Körper an den Tag legen, wie auch ein Foto der Künstlerin, das vermutlich im Atelier in der Laube in Konstanz während oder kurz nach der „Breidablik“-Zeit entstand. Im Hintergrund stehen Bilder ihrer Künstlerkollegen. Kurzum: diese Bilder vermitteln einen Eindruck von der Lebenslust der sogenannten Goldenen Zwanziger Jahre, welche über die zahlreichen Künstlerpersönlichkeiten auch an den Bodensee getragen wurden.
Trotz der Unabhängigkeit, die Kasia von Szadurska auch gegenüber ihrem Ehemann propagierte – zur Betreuung der Söhne stellte sie ein Kindermädchen ein - nehmen Porträts und Genreszenen der Kinder Till und Thorgrim einen breiten Raum ein. Spielende Kinder, schlafende Kinder und Porträts vorwiegend von Till, lassen vermuten, wie schwer die Künstlerin die Trennung von ihren Kindern traf, die mit der Scheidung von Dr. Ehinger einherging. Auch einige Briefe und Postkarten an die Söhne bestätigen dies. Obwohl die Eheleute Ehinger sich erst 1934 trennten und 1935 geschieden wurden, ging das Paar bereits um 1929/30 getrennte Wege. Kasia von Szadurska verließ für immer längere Zeiten die Familie, wie der Sohn Thorgrim bestätigte. Ein Dilemma, das vielleicht auch das ungewöhnliche Selbstporträt mit ihren beiden Söhnen von 1930 ausdrückt, in dem sich Kasia mit einem voluminösen Pelzmantel fast einer Schutzmantelmadonna gleich darstellt, unter dem ihre nackten Söhne Schutz suchen. Bereits in der Sommerausstellung desselben Jahres in Freiburg wurde das befremdliche Sujet und die Qualität des Bildes beschrieben: „und eigenartig Kasia von Szadurska – Meersburg. Diese malt sich mit ihren Kindern, aber es ist ein Zwiespalt in diesem virtuos gemalten Bildern, in dieser majestätischen Mutter im Pelz und in Glacéhandschuhen und den beiden nackten Kindern.“
Dies und die Tatsache, dass sie nun ausschließlich von ihrer Kunst in einer Diktatur leben musste, erklären die zahlreichen Porträts, die in den 1930er Jahren entstanden sind. In der Regel handelte es sich dabei um Auftragskunst, die nach Maßgaben der Auftraggeber entstanden ist. Im Brief vom 8. Oktober 1929 an Heinrich Beuttenmüller wird deutlich, wie sehr sie von der Porträtmalerei abhängig war und dies das Durchführen von anderen Kunstprojekten erschwerte: „Bis jetzt brachte mir die Ausstellung [im Wessenberghaus Konstanz] 6 Aufträge für Kinderporträts. [...] Ich hatte lange keine Gelegenheit – illustrativ zu arbeiten, weil ich fast immer Porträts u. ähnliches male, aber umso mehr würde mich eine solche Aufgabe wieder reizen.“ Einige großformatige Blumensträuße vervollständigen das Spätwerk. Mit einer dieser Blumenarrangements - Gladiolen – wollte die Künstlerin sich an der Ausschreibung des Jahres 1937 für das neu eingeweihte „Haus der Deutschen Kunst“ in München beteiligen, wie ein Etikett am Rahmen dieses Gemäldes aus Privatbesitz bezeugt; allerdings scheint sie nicht angenommen worden sein wie die Kataloge des Kunsthauses der Zeit 1937-1941 bezeugen. Kurz vor ihrem Tod nahm sie in Berlin an mindestens zwei Ausstellungen des „Vereins der Künstlerinnen zu Berlin“ teil; bei der ersten mit dem Ölgemälde „Spielendes Kind“ bei der zweiten mit den Werken „Bildnis eines alten Herrn“ sowie „Mutter und Kind“.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Szadurska, Kasia von |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Malerin und Grafikerin |
| GEBURTSDATUM | 23. Februar 1886 |
| GEBURTSORT | Moskau |
| STERBEDATUM | 3. April 1942 |
| STERBEORT | Berlin |