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Die Katholische Pfadfinderschaft Europas (KPE) ist ein deutscher katholischer Pfadfinderbund, der laut ARD-Monitor im Jahr 2004 etwa 2.500 Mitglieder[1] hatte. Sie ist Mitglied der Union Internationale des Guides et Scouts d’Europe (UIGSE). Innerhalb dieses Dachverbandes existiert auch ein österreichischer Verband, der den Namen Katholische Pfadfinderschaft Europas - Österreich (KPE-Ö) führt und in seiner Arbeit der deutschen Organisation nahesteht.
Eng mit der KPE verbunden ist der päpstlich anerkannte und zur Jugendseelsorge beauftragte Orden Diener Jesu und Mariens (Servi Jesu et Mariae – SJM), der im nordrhein-westfälischen Lippetal ein Internat betreibt. Die KPE war Mitglied im Vereinten Apostolat im Geist Mariens. Sie wirkt im Forum Deutscher Katholiken mit[2] und ist mit Martin Hafner[3] und Johanna Gräfin von Westphalen[4] in dessen Organisationsteam und Kuratorium vertreten.
Sowohl innerhalb der deutschen katholischen Kirche als auch in der deutschen Pfadfinderbewegung gibt es zahlreiche Kritiker der KPE, die sich unter anderem auf die Glaubensvermittlung innerhalb der KPE, die Einbindung in katholisch-fundamentalistische Netzwerke und die Abkapselung gegenüber anderen Gruppen beziehen. Sie rechnen die KPE dem katholischen Fundamentalismus zu.
Inhaltsverzeichnis |
Die KPE beschreibt auf ihrer Homepage ihr Ziel folgendermaßen:
„Unser Ziel: Verantwortungsvolle christliche Persönlichkeiten
Der Mensch will seinem Leben einen Sinn geben! Nicht einen unsicheren mittelmäßigen, fälschlichen, sondern wahren Sinn, der ihn ausfüllt und über sich hinauswachsen läßt. Diesen Sinn findet er in Jesus Christus. In seiner Nachfolge übernimmt er freudig Verantwortung im Dienst an Gott und den Mitmenschen.“– Website der KPE [5]
Außenstehende Beobachter beschreiben die KPE sowohl in ihrer Pfadfinderarbeit als auch im Glaubensleben als papsttreu oder konservativ. Großer Wert werde auf regelmäßige Beichte (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche 1458) und den regelmäßigen Besuch der Heiligen Messe (vgl. Katechismus der katholischen Kirche 1389) gelegt. Diese werde in einigen Gruppen auch nach dem traditionellen tridentinischen Ritus gefeiert.
Die KPE wurde am 15. Februar 1976 gegründet. Ihre Gründer kamen aus der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG), hatten diese aber verlassen, da dort ihrer Meinung nach sowohl Pfadfinderarbeit als auch Glaubensleben wegen der Reformen der 1960er und 1970er Jahre vernachlässigt wurden; vergleichbare Kritik wurde auch am Bund der Deutschen Katholischen Jugend geübt.[6] Maßgeblich an der Gründung beteiligt waren Andreas Hönisch, bis zu seinem Tod am 25. Januar 2008 Superior der SJM, und Günther Walter, die lange Zeit Führungspositionen in der KPE innehatten.
1977 nahm die Fédération du Scoutisme Européen (FSE), der Vorgänger der UIGSE, die KPE als Vollmitglied auf.
Von 1977 bis 1996 war die KPE Mitglied im Deutschen Pfadfinderring, in dem außerdem der Deutsche Pfadfinderverband und die Christliche Pfadfinderschaft Deutschlands vertreten waren.
Als 1986 einige Gruppen die KPE wegen zu starrer Strukturen verließen, gründeten sie einen eigenen Pfadfinderbund, die Europapfadfinder Sankt Michael.[7]
Im Bistum Augsburg wurde die KPE 1992 als kirchliche Jugendgemeinschaft anerkannt.[8] Dem Dachverband UIGSE wurde 1984 der Beraterstatus beim Europarat zuerkannt, 2003 wurde die UIGSE auch vom Vatikan als Laienorganisation bestätigt.
Speziell die KPE wurde außerdem von Joseph Kardinal Ratzinger, dem heutigen Papst Benedikt XVI., „ausdrücklich gelobt und alle Unterstützung empfohlen“: „Die Jugendarbeit in der KPE ist im Ganzen durchaus positiv einzuschätzen und gibt vielen jungen Menschen eine solide Grundlage für ihren Weg im Leben.“
1994 sendete der Südwestfunk erstmals den Spielfilm „Himmel und Hölle“, der auf Vorgängen in der KPE basieren soll.[9] Die Authentizität des Filmes ist allerdings fraglich, da ein strafbewehrtes Urteil des Landgerichts Stuttgart (Az. 17 O 190/96) gegen den Filmproduzenten ausgesprochen wurde und der Bezug zwischen dem Film und der KPE seither nicht mehr hergestellt werden darf. Trotzdem wurde die KPE in Folge des Filmes massiv in der Presse angegriffen.
Im Jahr 2003 wurde in der KPE-Zeitschrift „Pfadfinder Mariens“ ein im Tübinger Hohenrain-Verlag erschienenes Buch des Rechtsextremisten Rolf Kosiek („Die Frankfurter Schule und ihre zersetzenden Auswirkungen“) empfohlen. Ebenfalls in „Pfadfinder Mariens“ hatte Engelwerk-Mitglied Thomas Niggl OSB, ehemals Abt des Klosters Weltenburg, sich Thesen der in Leonberg ansässigen Deutschen Studiengemeinschaft, die vom Baden-Württemberger Landesamt für Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft wird, zu eigen gemacht.[10]
Als im Sommer 2004 Presseberichte über eine mögliche Verbindung zwischen der KPE, den SJM und den Vorfällen im Priesterseminar von Sankt Pölten veröffentlicht wurden (siehe Kurt Krenn), distanzierte sich die Deutsche Bischofskonferenz nach einer Anfrage der ARD-Sendung Monitor offiziell von der KPE. Die Redaktion erhielt die Antwort, dass die KPE kein „offiziell anerkannter Jugendverband“ sei.[1]
Ende 2004 verließen zwei Gruppen und drei Mitglieder der bisherigen Bundesführung die KPE-Ö, da ihrer Meinung nach der deutsche Verband – insbesondere Andreas Hönisch – versuchte, größeren Einfluss in der österreichischen Organisation zu gewinnen.[11]
Die Kritik an der KPE betrifft im Wesentlichen drei Punkte:
Franz Gruber von der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz, Kurt Remele von der Karl-Franzens-Universität Graz und Klaus Kienzler von der Ludwig-Maximilians-Universität München ordnen die KPE in ihrer Gesamtheit als fundamentalistisch ein.[12][13][14] Nach Hans-Gerd Jaschke von der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege Berlin wird die KPE von Bibelfundamentalismus, Antisemitismus und völkischem Nationalismus geprägt.[15]
Die Vermittlung von Glaubensinhalten betreffend, wird der KPE vorgeworfen, dass sie auf ihre Mitglieder Zwang ausübe, sich an religiösen Übungen zu beteiligen. Dies betreffe insbesondere die Aufforderung zum regelmäßigen Besuch von Beichte und heiliger Messe.[16] Teilweise würden außerdem jüngeren Pfadfindern Schreckensbilder der Hölle geschildert;[1] die Ökumenische Beratungsstelle Religiöse Sondergruppen und Sekten ordnet die KPE deshalb bei den katholischen Gemeinschaften mit apokalyptischen Vorstellungen ein.[17] Auch die sehr intensive Verehrung der Gottesmutter Maria wird kritisiert. Durch die Bundesführung angeregte Mahnwachen vor Abtreibungskliniken und Sühneprozessionen gegen aus ihrer Sicht blasphemische Filme runden für die Kritiker das Bild ab.
Als Beleg für die Einbindung in einen katholisch-fundamentalistischen Zusammenhang werden vor allem die SJM genannt,[1] die mit konservativen katholischen Gruppen, unter anderem der Priesterbruderschaft St. Petrus[18], der Aktion Leben und Una Voce[19], zusammenarbeiten. Ihnen werden Kontakte zu Lefebvre-Anhängern und dem Engelwerk nachgesagt.[16][20][21] Heinrich von Soden-Fraunhofen, Weihbischof im Erzbistum München und Freising, erklärte 1995, dass sich „in der apokalyptische Deutung des Weltgeschehens (…) die Gedankenwelt der KPE mit der des Engelwerks“ verbinde.[22]
Insbesondere aus der deutschen Pfadfinderbewegung wird die starke Abschottung der KPE gegenüber anderen Gruppen kritisiert. Bis zum Jahr 2000 nahm die KPE noch an verschiedenen gemeinsamen Veranstaltungen teil oder führte sie selbst durch. Seitdem hat sich die KPE als Verband nahezu vollständig aus gemeinsamen Veranstaltungen der deutschen Pfadfinderbewegung zurückgezogen [23], nur wenige KPE-Gruppen halten noch Kontakt zu der KPE nahestehenden Pfadfindern, wie den Europapfadfindern Sankt Michael und der Evangelischen Pfadfinderschaft Europas.
In einer Auseinandersetzung zwischen lokalen DPSG- und KPE-Gruppen wendete sich die CDU-Politikerin und Gründerin der Christdemokraten für das Leben, Johanna Gräfin von Westphalen, 2011 gegen die an der KPE geübten Kritik; nach ihrer Ansicht werde in der KPE „ganz im Sinne des Pfadfindergründers Baden Powells echte unverfälschte Pfadfinderarbeit geleistet“.[24]