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Ein Kegelschnitt (lateinisch sectio conica, englisch conic section, cone-plane intersection) ist eine Kurve, die entsteht, wenn man die Oberfläche eines Kreiskegels bzw. Doppelkreiskegels mit einer Ebene schneidet. Ein Kegelschnitt ist der zweidimensionale Sonderfall einer Quadrik.
Andere Definition:
Ein Kegelschnitt KS ist die Menge aller Punkte, deren Entfernung vom Brennpunkt F1 gleich dem Abstand vom Leitkreis LK ist. Dessen Mittelpunkt ist der Brennpunkt F2.
Beim Kreis fallen F1 und F2 zusammen, bei der Ellipse liegt F1 innerhalb und bei der Hyperbel außerhalb des Leitkreises.
Die Parabel ist eine entartete Ellipse und gleichzeitig eine entartete Hyperbel: der Leitkreis ist eine Gerade, der Mittelpunkt liegt im Unendlichen rechts und gleichzeitig auch links.
Der Fall "F1 liegt auf der Peripherie des Leitkreises" ist mit der Parabel verwandt: f/2a=0. (f ist der Abstand von F1 zum Kegelschnitt oder die Brennweite, 2a ist der Radius des Leitkreises.)
Inhaltsverzeichnis |
Wenn die Schnittebene die Kegelspitze nicht enthält, können folgende Figuren entstehen:
Wenn die Schnittebene durch die Kegelspitze geht, entstehen die ausgearteten (auch: "entarteten") Kegelschnitte:
Ein rotationssymmetrischer Doppelkegel mit Spitze im Ursprung und der z-Achse als Kegelachse lässt sich durch die implizite Gleichung
beschreiben. Jetzt betrachten wir eine Ebene, die wir durch zwei linear unabhängige Vektoren <math>\vec{s}</math> und <math>\vec{t}</math>, die in der Ebene liegen, sowie einem Aufpunkt <math>\vec{d}</math> beschreiben. Dann lässt sich jeder Punkt <math>\vec{r}</math> in der Ebene ausdrücken mit einem Koordinatentupel <math>(u,v)</math>
Setzen wir diese Parametrisierung <math>(x,y,z) = (r_x,r_y,r_z)</math> in die Kegelgleichung ein, erhalten wir
Der Term auf der linken Seite enthält sowohl quadratische Summanden in <math>u</math> und <math>v</math>, sowie Mischterme. Wenn wir <math>u</math> und <math>v</math> als <math>x</math> und <math>y</math> bezeichnen, kommen wir zur üblichen Form der allgemeinen Kegelschnittgleichung. Im ebenen kartesischen Koordinatensystem ist der Graph einer quadratischen Gleichung (mit den Variablen <math>x</math> und <math>y</math>), falls er nicht leer ist, immer ein Kegelschnitt. Umgekehrt können alle Kegelschnitte durch solche Gleichungen beschrieben werden. Die allgemeine Gleichung für Kegelschnitte lautet also
wobei der Faktor 2 bei den Koeffizienten <math>b</math>, <math>d</math> und <math>e</math> aus Gründen der Zweckmäßigkeit verwendet wird.
Der Typ des Kegelschnitts ergibt sich aus den im Folgenden definierten Determinanten <math>\Delta</math> und <math>\delta</math> sowie der Summe <math>S</math>:
Soweit es sich um eine Ellipse, Hyperbel oder Parabel handelt, bedeutet die Bedingung <math>b = 0</math>, dass die Achsen parallel zu den Koordinatenachsen verlaufen. Im allgemeinen Fall lässt sich der Drehwinkel gegenüber der achsenparallelen Lage durch
berechnen.
Folgerungen aus der allgemeinen Kegelschnittsgleichung:
Besonders elegant wird die Kegelschnittgleichung unter Verwendung homogener Koordinaten: Alle Punkte <math> X </math>, die auf dem Kegelschnitt mit der Matrix <math> C </math> liegen, erfüllen die homogene Kegelschnitt-Gleichung:
\begin{pmatrix}
x \\
y \\
w
\end{pmatrix}</math>
Die Matrix <math>C</math> definiert hierbei den Kegelschnitt vollständig und wird daher oft selbst auch als Conic bezeichnet. Für alle <math>X</math>, die die obige Gleichung nicht erfüllen, gibt das Vorzeichen des Ergebnisses darüber Aufschluss, ob der Punkt innerhalb/außerhalb (bzw. auf welcher Seite) des Conics liegt. Wie viele andere Objekte der projektiven Geometrie auch, ändert eine Skalierung der Matrix nichts an den Objekteigenschaften, die Multiplikation mit einem negativen Wert ändert allerdings die Interpretation von innen und außen.
Die oben beschriebenen Kegelschnitte sind sogenannte Punkt-Conics, d. h., alle Punkte, die auf der Kurve liegen, erfüllen die Gleichung. Invertiert man nun die Matrix <math>C</math>, gelangt man zum dualen Conic (oder Linien-Conic)
Alle Geraden <math>G</math> (in homogener Darstellung), die Tangenten an den Punkt-Conic sind, erfüllen die Gleichung
Die Conic-Matrix ist eine implizite Form der Kurve oder der Menge von Tangenten. Man kann sehr leicht prüfen, ob ein Punkt <math>X</math> auf dem Kegelschnitt liegt oder nicht, aber die Form liefert keine Parametrisierung zum „Entlanglaufen“. Ohne eine Parametrisierung ist es nicht direkt möglich, die Menge aller Punkte zu finden, die auf dem Objekt liegen, bzw. das Objekt selbst darstellen. Man kann jedoch alle Kegelschnitte durch algebraische Umformungen in eine explizite Form überführen und erhält damit geeignete Parametrisierungen.
Eine Anwendung finden die Kegelschnitte in der Astronomie, da die Bahnen der Himmelskörper genäherte Kegelschnitte sind.
Auch in der Optik werden sie verwendet - als Rotationsellipsoid für Autoscheinwerfer, als Paraboloid oder Hyperboloid für Spiegelteleskope usw.
Der griechische Mathematiker Menaichmos untersuchte an Platons Akademie die Kegelschnitte mit Hilfe eines Kegelmodells. Er fand dabei heraus, dass sich das delische Problem auf die Bestimmung des Schnittpunkts zweier Kegelschnitte zurückführen lässt. Euklid schrieb vier Bücher über Kegelschnitte, die uns aber nicht erhalten sind. Die gesamten Kenntnisse der antiken Mathematiker über die Kegelschnitte fasste Apollonios von Perge in seinem achtbändigen Werk Konika zusammen. Die Beschreibung von Kegelschnitten durch Koordinatengleichungen wurde von Fermat und Descartes eingeführt.
Kegelstumpf, Korbbogen, Kurve, Himmelsmechanik, Zweikörperproblem, projektive Geometrie, Drehquadrik.