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Kinderkrippen sind Einrichtungen oder Gruppen der Kindertagesbetreuung bzw. familienergĂ€nzende Kinderbetreuungen fĂŒr Kleinkinder. Als Kurzform wird auch das Wort Krippe gebraucht.
Aufmerksamkeit und Zuwendung durch die Betreuer sind in der Kinderkrippe besonders wichtig. ZusĂ€tzlich erhalten Klein- und Kleinstkinder in modernen Krippen altersgerechte Mahlzeiten, sie nehmen, je nach Altersstufe, an Spielen und pĂ€dagogischen AktivitĂ€ten zur FrĂŒhförderung teil, spielen je nach Wetterbedingungen im Freien und schlafen zu Zeiten, die an ihre eigenen, altersabhĂ€ngigen BedĂŒrfnisse angepasst werden. Kleinstkinder können im Allgemeinen in der Krippe von der Mutter gestillt werden oder trinken abgepumpte Muttermilch oder aus Pulver zubereiteten Muttermilchersatz.
Die KleinkindpĂ€dagogik legt besonderen Wert auf eine allmĂ€hliche Eingewöhnung in die Kinderkrippe. Dies wirke sich auch viele Monate spĂ€ter positiv aus, beispielsweise auf das Verhalten und die sozialen Interaktionen der Kinder und auf den Umgang der MĂŒtter mit den Betreuern.[1] Die Eingewöhnungszeit hĂ€ngt sehr vom Alter des Kindes ab, da das Kind verschiedene Entwicklungsphasen durchlĂ€uft und auf unbekannte Situationen verschieden reagiert. Eine Eingewöhnung nach der Phase des Fremdelns, insbesondere etwa nach dem 12. Lebensmonat, braucht Untersuchungen zufolge mehr Zeit und ist oft schwieriger als eine Eingewöhnung, die entweder deutlich frĂŒher oder deutlich spĂ€ter (ab ungefĂ€hr dem 18. oder 24. Lebensmonat) stattfindet.[2] Eine Eingewöhnung findet in der Regel allmĂ€hlich statt und wird in Anpassung an die Reaktionen des Kindes gestaltet, um einen Aufbau der Beziehung des Kindes zu einer Bezugsperson zu ermöglichen.[3]
Das Kind entwickelt in den ersten Monaten eine Beziehung zu jenen Personen, die sich regelmĂ€Ăig und konstant mit dem Kind beschĂ€ftigen. Ab dem sechsten oder siebten Monat ist diese Beziehung deutlich daran zu erkennen, dass sie in ihrem Explorationsverhalten auf die Personen gerichtet sind, zu denen eine Bindung aufgebaut wurde. Die Eingewöhnungszeit in die Krippe ist fĂŒr die Beziehung zwischen Kind und Bezugsperson sehr wichtig.
Kritisiert wurde in der Vergangenheit die QualitĂ€t vieler Kinderkrippen in Deutschland. Z.B. sagte der Psychologe und Berater des BMFSFJ Wassilios Fthenakis 2007: "Es gibt einzelne Orte in Deutschland, wo die Krippen gut sind, aber bisher sind das GlĂŒcksfĂ€lle." Der Aufbau eines qualitativ hochwertigen Krippensystems sei in (West-)Deutschland bislang "strĂ€flich vernachlĂ€ssigt" worden. Gute Krippen könnten eine Bereicherung fĂŒr Kinder sein: "Man kann aber das Aufwachsen des Kindes bereichern, wenn es in eine Einrichtung von hoher QualitĂ€t geht. Wenn ein Kind mit der Mutter allein ist, bekommt es nur ein Drittel der fĂŒr seine Entwicklung nötigen Ressourcen. Das zweite Drittel ist die Beziehung zum Vater und das dritte sind die QualitĂ€t der Partnerschaft und die sozialen Beziehungen mit anderen, etwa in der Kita oder der Verwandtschaft." [4]
Der BetreuungsschlĂŒssel (im Sinne der Anzahl von betreuenden Personen pro Kind), der unter dem Aspekt der QualitĂ€t von hoher Bedeutung ist, wird in Bezug auf Mindeststandards und geförderte Standards in den BundeslĂ€ndern sehr unterschiedlich gehandhabt [5].
Als ein Aspekt von hoher QualitĂ€t in der Fremdbetreuung mag etwa ein BetreuungsschlĂŒssel 1:3 fĂŒr Kinder zwischen 0 und 12 Monaten, 1:5 fĂŒr Kinder zwischen 12 und 36 Monaten gelten.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft warnte 2007, dass fĂŒr den in Deutschland vorgesehenen Ausbau der KrippenplĂ€tze rund 100.000 neue Erzieher/-innen gebraucht wĂŒrden und dass entsprechend ausgebildete Erzieher/-innen fehlen könnten, wenn ihre Arbeitsbedingungen und Bezahlung nicht verbessert wĂŒrden. Das Arbeitsentgelt in dieser Berufsgruppe sei mit der Umstellung auf das neue Tarifvertragssystem aber noch weiter verschlechtert worden.[6]
Vor möglichen langfristigen SchĂ€den aufgrund mangelnder QualitĂ€t in den Krippen warnten ĂŒber 100 Experten im englischen Daily Telegraph. Durch nicht adĂ€quate Betreuung in Kinderkrippen könnten die Kinder in der Entwicklung beeintrĂ€chtigt werden und dadurch langfristige VerhaltensauffĂ€lligkeiten entwickeln.[7]
Die erste Kinderkrippe in Europa wurde von dem Jurist Firmin Marbeau initiiert und am 14. November 1844 eröffnet.[8] In Frankreich sollen sieben Jahre spĂ€ter bereits 400 Kinderkrippen entstanden sein. 1849 wurde in Wien eine Kinderkrippe gegrĂŒndet, durch den Arzt Carl Helm. Es folgten weitere Krippen in Wien, dann 1851 in Dresden und Hamburg, 1853 in Frankfurt am Main, 1855 in MĂŒnchen und 1857 in NĂŒrnberg.[9]
Kinderkrippen sah die Mehrheit der Bevölkerung zu diesem Zeitpunkt als eine Notlösung an, die der Mutter eine BerufstĂ€tigkeit ermöglichen sollte und das Kind vor einer als weniger gut angesehenen Betreuung in einer Pflegefamilie oder einem SĂ€uglings- und Kinderheim bewahren sollte.[10] PĂ€dagogische BeweggrĂŒnde dafĂŒr, ein Kind in einer Kinderkrippe betreuen zu lassen, gab es damals kaum. Dies stand im Gegensatz zu der sich entwickelnden KindergartenpĂ€dagogik.[10] Als entscheidend fĂŒr eine Kinderkrippe galt eine Verringerung der SĂ€uglingssterblichkeit und der KrankheitshĂ€ufigkeit.[10] Bis in die Zeit der Weimarer Republik galten Kinderkrippen vor allem als Einrichtung der FĂŒrsorge fĂŒr SĂ€uglinge, deren MĂŒtter mittellos oder aber erziehungsunfĂ€hig waren.[10] Nach dem Zweiten Weltkrieg blieben Kinderkrippen in Westdeutschland ein RandphĂ€nomen, wĂ€hrend in der DDR ein sehr groĂer Anteil der Kinder eine Krippe besuchte.
Einer Studie aus den USA zufolge (NICHD-Studie von 2003) wirke eine hohe QualitĂ€t der Kinderbetreuung positiv auf die kognitive Entwicklung, die Sprachentwicklung und vorschulische FĂ€higkeiten, und der Besuch einer qualitativ hochwertigen KindertagesstĂ€tte oder Krippe sei besonders förderlich. FĂŒr Kinder, die lĂ€nger als 30 Stunden pro Woche in der Krippe waren, sei allerdings Problemverhalten beobachtet worden, das jedoch auch mit dem sozioökonomischen Status der Familie und der SensitivitĂ€t der Mutter in Beziehung stehe und das durch sehr hohe QualitĂ€t kompensiert werde [11].
Eine NICHD-Studie von 2007 kommt zu dem Ergebnis, dass Kinder, die lĂ€nger als zwei Jahre regelmĂ€Ăig "childcare"-Einrichtungen (KindertagesstĂ€tten bis zum fĂŒnften Lebensjahr) besuchten, ein "wenig mehr Verhaltensprobleme im Kindergarten im Verlauf des sechsten Jahrgangs zeigen als andere" [12]. Diese Probleme sind, zur Ăberraschung der Forscher, nicht allein abhĂ€ngig von der QualitĂ€t der Institution, liegen nach Angaben der Forscher jedoch noch im "normalen Bereich" kindlichen Verhaltens [13][14]. Ăber die Ursachen gibt die Studie selbst keine Auskunft, eine der Koautorinnen, Margaret Burchinal, verweist jedoch auf mögliche GrĂŒnde wie etwa die verstĂ€rkte Akademisierung der frĂŒhkindlichen Erziehung, die die Freizeit limitiere und die KonzentrationsfĂ€higkeit der Kinder ĂŒberfordere, oder die schlechte Bezahlung und den hĂ€ufigen Wechsel der Erzieher/-innen [12]. Der Studie zufolge hatten jene Kinder im Schnitt am wenigsten VerhaltensauffĂ€lligkeiten, die zuhause erzogen wurden, jedoch unabhĂ€ngig davon, ob dies durch die eigenen Eltern oder z.B. durch TagesmĂŒtter oder Kinderfrauen geschah.[13] Den gröĂten Einfluss auf die Entwicklung des Kindes habe jedoch, unabhĂ€ngig von der Betreuungssituation, die elterliche Erziehung (Die Welt)[13] bzw. die Eltern-Kind-Beziehung (Burchinal): "das MaĂ, in dem Eltern SpaĂ daran haben, mit ihren Kindern zusammen zu sein, aufmerksam und sensibel zu Kindern sind, mit ihnen sprechen und ihnen Ideen vermitteln"[12].
Ergebnisse einer 2008 veröffentlichten Studie[15], die im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung durchgefĂŒhrt wurde, sagen aus, dass Kinder, die eine Kinderkrippe besucht haben, gröĂere Chancen hĂ€tten, spĂ€ter das Gymnasium zu besuchen. Besonders Kinder mit Migrationshintergrund oder geringer Bildung der Eltern wĂŒrden vom Besuch einer Kinderkrippe profitieren.[16] In der Studie wurde nicht nach dem Alter der Kinder beim Eintritt in die Krippe oder nach der Zahl der Stunden des Krippenbesuchs differenziert; auch wurden, nach Aussage eines Artikels in Die Zeit keine Aussagen ĂŒber Ursachen getroffen und wenig ĂŒber QualitĂ€t der Krippenbetreuung oder die frĂŒhkindlichen Bildungsangebote ausgesagt.[17] Auch weitere Einflussfaktoren, die eine Rolle spielen könnten, wie Stadt-/ Landherkunft der Kinder oder lĂ€nderspezifische Beschulungstraditionen, blieben unberĂŒcksichtigt. Aus der Korrelation zwischen Krippen- und Gymnasialbesuch lasse sich daher, so Kritiker[18][17][19], aufgrund der unberĂŒcksichtigt gebliebenen Faktoren keineswegs auf einen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang schlieĂen. Es wird auch daraufhingewiesen, dass Krippenbesuch in den neuen BundeslĂ€ndern weit hĂ€ufiger sei als in den alten, die Pisa-Ergebnisse als Gradmesser des Bildungsniveaus (Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften) aber keinesfalls besser seien.[19] Bei der Sozialkompetenz schnitten die SchĂŒler aus den neuen BundeslĂ€ndern sogar durchweg wesentlich schlechter ab als die aus den alten.[20]
ZdenÄk MatÄjÄek hat anhand eigener Vergleichsstudien und solchen aus dem damaligen Ostblock sowie internationaler Ergebnisse der Deprivationsforschung die Ursachen geistig-seelischen Mangelerlebens des Kindes in verschiedenen Lebenssituationen (Heime, Krippen, Horte, Familie) sowie diesbezĂŒgliche Schutzfaktoren beschrieben.[21] Er unterschied das GefĂ€hrdungspotential fĂŒr eine psychische Deprivation nach folgenden drei Dimensionen: nach dem AusmaĂ, wie einzelne Einrichtungen die Erziehung der Familie ergĂ€nzen (Tageskrippen, Horte, Ganztagesschulen) oder ersetzen (Heime, Wochenkrippen), nach der Altersabstufung (SĂ€uglinge, Kleinkinder, Kindergarten- und Schulkinder) und nach dem Erziehungskonzept und den Persönlichkeitsfaktoren der Erzieher (GroĂgruppen, Kleingruppen, TagesmĂŒtter).
WĂ€hrend bei der vollstĂ€ndigen Kollektivbetreuung (Heime, Wocheneinrichtungen) der Einfluss der Familie gering ist, wurde bei der partiellen Gemeinschaftserziehung (Tageseinrichtungen) die Rolle der Familie als besonders wichtig erkannt. Je nach Einstellung und Persönlichkeit der Eltern zum Kind können die Krippen zu einem âHeimâ werden oder zu einer StĂ€tte fruchtbarer erzieherischer Zusammenarbeit mit einem Entwicklungsstimulus werden. Als komplizierende Faktoren, die elterlicherseits etwa als Reaktion auf die Trennung vom Kind in Erscheinung treten, wurden zum Beispiel ĂŒbertriebene Angst, SchuldgefĂŒhle, eine Kompensation der Trennung durch vorbehaltlose Nachgiebigkeit sowie ein Drang nach stetiger Sicherung der Liebe des Kindes festgestellt. Die teilweise Gemeinschaftserziehung (Tageskrippe) kann dort einen positiven Einfluss ausĂŒben, wo die Erziehung in der Familie vernachlĂ€ssigt wird oder emotional unausgeglichen ist. Dem tĂ€glichen Kontakt der Eltern mit dem Fachpersonal einer Kinderkrippe kommt volksbildende Bedeutung zu, wobei gezielte Beratung auĂerhalb der Krippen als wirksamer und dauerhafter angesehen wurde. Vergleiche von Krippenkindern mit Kindern, die nur in der Familien lebten, zeigten teilweise eine ungenĂŒgende GefĂŒhlsstimulation sowie eine gewisse ReifeverspĂ€tung in sozialer und emotionaler Hinsicht auf der Seite der Krippenkinder, die vorwiegend von der Persönlichkeit und GefĂŒhlssituation der Erzieher/-innen abhing.
Als wichtigster Gesichtspunkt beim Vergleich verschiedener Betreuungsformen ist das Alter des betreuten Kindes zu berĂŒcksichtigen. Vom SĂ€uglingsalter bis im Alter von drei Jahren ist das Kind stark von der Person des erwachsenen Erziehers abhĂ€ngig. FĂŒr MatÄjÄek haben Krippen fĂŒr Kleinkinder im Wesentlichen eine âBehelfsfunktionâ, wobei vor allem zwei Probleme bei Krippenkindern festgestellt wurden: Anpassungsschwierigkeiten und eine zwei- bis dreimal höhere KrankheitsanfĂ€lligkeit verglichen mit Familienkindern. Insgesamt zeigen die Untersuchungen, dass das GefĂ€hrdungspotential fĂŒr psychische Deprivation bei einer Dauerbetreuung von Kindern unter drei Jahren in Heimen als âgefĂ€hrlichâ angesehen werden muss, wĂ€hrend ihre Situation in Tageskrippen höchstens âbelastendâ ist. Bei Tageskrippenkindern bleibt die GefĂŒhlsbindung zur Mutter und zum Daheim bestehen, doch unterliegt sie einer gewissen Belastung; sie wird durch zusĂ€tzliche unbestĂ€ndige Beziehungen ergĂ€nzt. Unter optimalen VerhĂ€ltnissen konnten keine wesentlichen Unterschiede bei der somatischen und seelischen Entwicklung von Tageskrippenkindern und Familienkindern festgestellt werden.
Englische Kinderexperten machten darauf aufmerksam, dass durch die Fokussierung auf die intellektuelle Entwicklung die Gefahr besteht, dass das psychische Befinden von Kleinkindern ĂŒbersehen wird. Ihre Studien zeigen, dass SĂ€uglinge oder Kleinkinder unter drei Jahren in einer Kinderkrippe eine dauerhafte Beziehung zu einer zweiten Beziehungsperson (neben der Mutter) entwickeln mĂŒssen, um eine positive emotionale Entwicklung wĂ€hrend der empfindlichsten Periode der Hirnentwicklung nicht zu gefĂ€hrden. Fehlt die Sicherheit einer solchen Beziehung, können die wiederholten Trennungen durch den Krippenbesuch zu einem Stresslevel fĂŒhren, der mit dem Verlorengehen an einem Strand vergleichbar ist. Selbst wenn dieser Stress beim Kind nur subtile VerhaltensĂ€nderungen zeigt, die von den Eltern und Erziehern meist nicht mit der Kinderkrippensituation in Verbindung gebracht werden, könne er zu einem signifikanten Risikofaktor werden, der die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass ein Kind in der Zukunft psychische Probleme entwickelt. [22] Analysen zeigten, dass im Vergleich innerhalb einer Versuchsgruppe von 3- bis 8-jĂ€hrigen Kindern diejenigen Kinder geringere Niveaus von Kortisol aufwiesen, die bis zum Alter von vier Jahren vergleichsweise weniger Zeit in Kindertagesbetreuung verbracht hatten oder die im Zimmer der Eltern geschlafen hatten.[23]
FĂŒr die Bindungsforscherin Karin Grossmann mĂŒssen zahlreiche Bedingungen erfĂŒllt werden, damit fĂŒr Kleinkinder der Krippenaufenthalt eine positiver Entwicklungsmöglichkeit bietet und nicht zum Risiko wird: Wenn eine Krippe so gestaltet wird, daĂ die Kinder dort individuelle WertschĂ€tzung erfahren und gut behĂŒtet werden, dann kann dies fĂŒr Kinder aus Familien mit hinreichender liebevoller Zuwendung als gĂŒnstige Erweiterung ihrer Erfahrungen gesehen werden. [24]
Ăber die Frage der QualitĂ€tssicherung hinaus gibt es Kritiker und BefĂŒrworter der Kinderkrippe.
Der Göttinger Hirnforscher Gerald HĂŒther hat Kinderkrippen verteidigt. «Erfahrungen und Studien aus anderen LĂ€ndern zeigen, dass sich Kinder dort gut entwickeln», sagte der Professor 2007 der «Neuen OsnabrĂŒcker Zeitung». Das gelte allerdings nur bei einem hochwertigen Krippenangebot. «Ein Kind entwickelt sich zu Hause gut, wenn die Mutter sich ĂŒber das Kind freut und gern mit ihm zusammen ist», sagte der Experte. FĂŒr MĂŒtter, die eigentlich lieber berufstĂ€tig wĂ€ren oder die arbeiten mĂŒssten, weil die Gesellschaft sie als Mutter nicht bezahle, sei es sinnvoll, ein Betreuungsangebot zur VerfĂŒgung zur stellen.[25]
Lieselotte Ahnert, Professorin fĂŒr Entwicklungsforschung der UniversitĂ€t Köln dagegen betonte, dass das National Institute of Child Health in Washington seit 1991 an 1000 Kleinkindern untersuche, inwiefern sich Fremdbetreuung auf die Mutter-Kind-Beziehung auswirke: Dabei gĂ€be es keinen negativen Einfluss auf das VerhĂ€ltnis zwischen Mutter und Kind, solange die Beziehung zwischen Mutter und Kind intakt sei.[26][11]
Michael Schulte-Markwort, Professor und Direktor der Klinik fĂŒr Kinder- und Jugendpsychosomatik am UniversitĂ€tsklinikum Eppendorf spricht sich gegen Fremdbetreuung als Regelfall aus und betont, dass in der aktuellen Diskussion um Krippen die BedĂŒrfnisse der Kinder auf der Strecke blieben. [27]
Dr. Rainer Böhm, Leiter des SozialpĂ€diatrischen Zentrums Bielefeld, fasste in einem August 2011 veröffentlichten sozialpĂ€diatrischen Fachbeitrag ("Auswirkungen FrĂŒhkindlicher Gruppenbetreuung auf Entwicklung und Gesundheit") [28] den aktuellen Stand der Forschung im Hinblick von Chancen und Risiken der Krippen so zusammen, dass Kinder vor dem vollendeten zweiten Lebensjahr prinzipiell nicht in Tagesgruppensettings betreut werden sollten.
Kinderkrippen sind in Deutschland Einrichtungen fĂŒr Kinder bis zum vollendeten dritten Lebensjahr oder Gruppen fĂŒr Kinder dieser Altersgruppe in KindertagesstĂ€tten. Zuweilen werden Krippen noch entsprechend dem Alter der Kinder unterteilt in Liege-, Krabbel- und Laufkrippen. Regionalspezifisch gibt es eine Reihe weiterer Bezeichnungen, wie z.B. Krabbelgruppe. In der Regel ab dem dritten Lebensjahr erfolgt der Ăbergang in die KindergĂ€rten. Reine Kinderkrippen findet man inzwischen selten; vielmehr werden Kinder dieser Altersgruppe in altersgemischten Gruppen oder in KindertagesstĂ€tten mit verschiedenen Altersgruppen betreut.
Kinderkrippen gehören zur Kindertagesbetreuung und somit zur Kinder- und Jugendhilfe. Mit dem Tagesbetreuungsausbaugesetz (TAG) vom 27. Dezember 2004 (s. SGB VIII) wird der Ausbau von KindertagesstĂ€tten- und KindertagespflegeplĂ€tzen in allen BundeslĂ€ndern auch zu einem politischen Ziel und die Erziehung, Bildung und Betreuung von Kleinkindern erhĂ€lt rechtlich, politisch und finanziell eine neue Aufmerksamkeit. Als pĂ€dagogisches Personal werden ĂŒberwiegend Erzieher, aber auch Kinderkrankenpfleger und Kinderpfleger beschĂ€ftigt.
Eine andere Form der Tagesbetreuung ist die Betreuung als Kindertagespflege durch Tagespflegepersonen (zumeist eine Tagesmutter). Daneben gibt es andere Kleinkindgruppen, die weniger die Aufgabe haben, eine BerufstĂ€tigkeit der Eltern zu ermöglichen, sondern besondere Angebote machen und als Treffpunkt fĂŒr Eltern und Kinder dienen. Solche Angebote haben regional- oder konzeptspezifisch verschiedene Bezeichnungen; gebrĂ€uchlich sind z.B. Spielkreis, Krabbelgruppe oder PEKiP-Gruppe.
Eine Sonderrolle fĂŒr die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nehmen Betriebskinderkrippen ein, die MĂŒttern das Stillen in der NĂ€he des Arbeitsplatzes ermöglichen und den Wiedereinstieg in den Beruf erleichtern.
WĂ€hrend es in der DDR ein dichtes Netz an staatlichen Kinderkrippen gab (1988 zĂ€hlte man 7.770 Kinderkrippen und Dauerheime fĂŒr SĂ€uglinge/Kleinkinder mit 355.089 PlĂ€tzen[29]), hat sich vorwiegend der Bedarf in Westdeutschland an einer Notsituation bzw. Fehlen der elterlichen Erziehung orientiert. Ausnahme war Westberlin: dort war Ende der 1980er fĂŒr jedes vierte Kind unter drei Jahren ein Krippenplatz verfĂŒgbar.[30] Seit der Wiedervereinigung ist auch in den westlichen LĂ€ndern die Anzahl der PlĂ€tze fĂŒr Kinder im Krippenalter gestiegen. Eine flĂ€chendeckende Versorgung fĂŒr alle Kinder, wie sie das Tagesbetreuungsausbaugesetz (s.o.) als Ziel vorgibt, wird in allen BundeslĂ€ndern sukzessive realisiert. Streitig ist die Frage nach dem tatsĂ€chlichen Bedarf. Zum Teil ist die Nachfrage nach staatlich subventionierten KrippenplĂ€tzen so groĂ, dass es in vielen Gemeinden schon fĂŒr ungeborene Kinder Wartelisten gibt. Andererseits zahlen einzelne BundeslĂ€nder einen Betreuungsbonus an das Jugendamt fĂŒr den möglichst zĂŒgigen Ausbau. Die GebĂŒhren liegen nach einer Ăbersicht der AOK zwischen 70 und 425 Euro pro Monat, abhĂ€ngig nach Wohnort und Einkommen der Eltern [31]. Die Höhe des tatsĂ€chlichen Bedarfs ist umstritten. Nach einer Auswertung des Deutschen Jugendinstitutes (DIJ) Ende 2010 liegt der Wunsch der Eltern jedoch offenbar weitaus höher als von Bund und LĂ€nder eingeschĂ€tzt. [32]
Einen Ăberblick ĂŒber die in den deutschen BundeslĂ€ndern unterschiedlichen Versorgungsgrade (Anzahl der PlĂ€tze zur Anzahl der Kinder der Altersgruppe) geben der Beitrag zum Kindergarten, die Bundesjugendstatistik, der Zahlenspiegel des Deutschen Jugendinstituts oder die LĂ€nderĂŒbersichten des Jugendministeriums Brandenburg. In Sachsen-Anhalt gibt es einen allgemeinen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz fĂŒr unter DreijĂ€hrige; in Brandenburg gibt es einen bedingten Rechtsanspruch (bei Erforderlichkeit). Die Tatsache, dass in diesen BundeslĂ€ndern der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz fĂŒr ein Kind an die ErwerbstĂ€tigkeit der Eltern anknĂŒpft, halten Kritiker im Hinblick auf den zweiten Leitsatz des berĂŒhmten Familienurteils des Bundesverfassungsgerichts fĂŒr verfassungswidrig (vgl. BVerfG, 2 BvR 1057/91 vom 10. November 1998).
Der Mangel an staatlich subventionierter Kleinkindbetreuung wird hĂ€ufig als eine wesentliche Ursache fĂŒr die niedrige Geburtenrate in Deutschland angefĂŒhrt. Letzteres bestreiten FamilienverbĂ€nde wie beispielsweise das Familiennetzwerk und der Familienbund der Katholiken. Sie verweisen beispielsweise darauf, dass die BundeslĂ€nder, in denen die öffentliche Kleinkinderbetreuung besonders gut ausgebaut sei, auch eine besonders niedrige Geburtenrate hĂ€tten. So habe zum Beispiel ausgerechnet Sachsen-Anhalt, das ja neben einer vergleichsweise gut ausgebauten öffentlichen Kleinkindbetreuung auch einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz fĂŒr jedes Kind erwerbstĂ€tiger Eltern in seiner Verfassung verankert habe, mit 1,2 Geburten pro Frau (2005) die niedrigste Geburtenrate von allen BundeslĂ€ndern. Nach Meinung dieser FamilienverbĂ€nde ist unter anderem die Benachteiligung von Familien im Steuer- und Sozialversicherungsrecht ein viel entscheidenderer Faktor fĂŒr den Mangel an Geburten in Deutschland. Auch andere Kritiker warnen davor, andere mögliche Ursachen zu vernachlĂ€ssigen[33][34].
In der Vergangenheit stand man der Kleinkindbetreuung in Kinderkrippen in West-Deutschland ĂŒberwiegend kritisch gegenĂŒber. Dabei wurde darauf verwiesen, dass in diesem Alter Kinder die Bindung an eine Bindungsperson brauchen. Konservative Stimmen wie die Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Christa Meves artikulierten auch die Ansicht, dass als primĂ€re Bindungsperson aufgrund der geschlechtsspezifischen Biologie vorwiegend die Mutter geeignet sei.
DemgegenĂŒber hat sich die Debatte in der Ăffentlichkeit in den vergangenen 20 Jahren verschoben. Nach BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen[35] , der Linkspartei [36], der FDP und den Sozialdemokraten[37] formulierte auch die CDU-Familienministerin Ursula von der Leyen und mit ihr die CDU-Parteispitze[38] unter Bundeskanzlerin Angela Merkel die Forderung nach Ausbau von Kinderkrippenangeboten. Von der Leyens PlĂ€ne, die Zahl der BetreuungsplĂ€tze fĂŒr Kinder unter drei Jahren bis 2013 auf 750.000 zu verdreifachen,[39] [40] trafen zunĂ€chst auf Widerstand innerhalb der Koalition.[41] Am 5. September 2007 beschloss das Bundeskabinett die Förderung des Ausbaus auf 750.000 BetreuungsplĂ€tze fĂŒr ein- bis dreijĂ€hrige Kinder bis 2013 und die EinfĂŒhrung eines fĂŒr 2008 geplanten Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz ab dem zweiten Lebensjahr.[42]
WĂ€hrend der weitere massive Ausbau von Kinderkrippen in Deutschland von allen Parteien im Bundestag in der Zielsetzung gefordert wird, besteht Uneinigkeit unter und innerhalb der Parteien, wie die Finanzierung dieses Ausbaus sichergestellt werden soll. Nach Berechnungen der SPD sind 6,36 Milliarden Euro fĂŒr den Ausbau von KinderbetreuungsplĂ€tzen notwendig. Der Deutsche StĂ€dte- und Gemeindebund kommt bei Kostenfreiheit auf rund 9,5 Milliarden fĂŒr circa 897.000 KrippenplĂ€tze (40 Prozent der Kinder unter 3 ). [43] Die SPD hat zur Finanzierung des Krippenausbaus unter anderem ein Einfrieren des Kindergeldes und eine KĂŒrzung der KinderfreibetrĂ€ge vorgeschlagen[44]. Dies wird von CDU, CSU, dem Familiennetzwerk Deutschland und dem Familienbund der Katholiken strikt abgelehnt. Zur Debatte stehen auch ein Abschmelzen der Vorteile des Ehegattensplittings und ein Wegfall der kostenlosen Mitversicherung des Ehegatten in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung fĂŒr Ehepaare, die keine Kinder versorgen oder in der Vergangenheit versorgt haben.
Neben der umstrittenen Finanzierung von Kinderkrippen, wird darĂŒber hinaus kontrovers diskutiert, inwiefern ein Rechtsanspruch auf einen Kinderkrippenplatz den Eltern gewĂ€hrt werden soll. [45] Ende August einigten sich Bund und LĂ€nder auf einen Rechtsanspruch ab 2013;[46] [47] der Bundeskabinettsbeschluss vom September 2007 sieht einen Rechtsanspruch ab dem zweiten Lebensjahr fĂŒr 2008 vor.[42]
Die politischen Akteure sind sich uneinig, wie hoch die derzeitigen Kosten tatsĂ€chlich sind. Kosten-Wirksamkeits-Analysen (im Sinne von Kosten-Nutzen-Analysen in Bezug auf Projekte, deren Nutzen nicht oder nicht vollstĂ€ndig monetĂ€r gemessen werden kann) zum Thema Kindertagesbetreuung mĂŒssen zahlreiche schwer zu bewertende Komponenten und verschiedene regionale Bedingungen berĂŒcksichtigen. Insbesondere geht eine Beurteilung der Wirkung des Besuchs von Kinderkrippen in die Berechnung ein. Trotz dieser Schwierigkeiten stimmen laut Bildungsökonomin C. Katharina SpieĂ verschiedene Analysen darin ĂŒberein, dass eine gute Betreuung in Kindertageseinrichtungen tatsĂ€chlich rentabel sei [48].
Aus Kosten-Nutzen-Analyse Studien ĂŒber frĂŒhkindliche Kindertagesbetreuung im internationalen Bereich sowie in Deutschland wurde in der Stellungnahme des DIW von 2004 fĂŒr den Ausschuss fĂŒr Familie, Senioren, Frauen und Jugend als Fazit festgehalten, dass der volkswirtschaftliche Nutzen der öffentlichen Ausgaben fĂŒr Kindertageseinrichtungen gröĂer sei als ihre Kosten [49]. Dieser Stellungnahme liegt unter anderem eine ZĂŒrcher Studie zugrunde, die feststellte, dass sich KindertagesstĂ€tten auszahlen [50] [51]; diese Studie wurde allerdings von anderer Seite insofern kritisiert, als dass sie eine Kosten-Nutzen Relation aller bestehenden KrippenplĂ€tze untersuchte und nicht die marginalen Kosten, das heiĂt, nicht die Kosten-Nutzen Relation zusĂ€tzlicher KrippenplĂ€tze [52]. Zudem ist der Verdacht ausgesprochen worden, von Regierungen in Auftrag gegebene Studien seien als Rechtfertigung bestehender Ămter oder Politiken anzusehen [52].
Eine neuere Studie des Forschungsinstituts fĂŒr Bildungs- und Sozialökonomie bestĂ€tigte, dass die Kosten zusĂ€tzlicher KrippenplĂ€tze durch geringere Ausgaben an Kindergeld, die durch geringere Kinderzahlen in der relevanten Altersgruppe frei wĂŒrden und Mehreinnahmen in der Einkommenssteuer und Sozialversicherung zu einem beachtlichen Anteil gegenfinanziert wĂŒrden, dass dafĂŒr allerdings ein Ausgleich zwischen Bund, LĂ€ndern und Kommunen notwendig wĂ€re [53].
Laut Berechnungen einer von der Bertelsmann-Stiftung in Auftrag gegebenen Studie wĂŒrden sich, angesichts einer in der Studie festgestellten gröĂeren Chance von Kinderkrippenkindern auf einen Ăbergang zum Gymnasium und der durchschnittlichen Differenz zwischen den erwarteten Lebenseinkommen von Personen mit und ohne Abitur, durch den Besuch von Kindern in Kinderkrippen erhebliche langfristige volkswirtschaftliche Nutzeneffekte ergeben.[16]
Die PlĂ€ne von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen zum Ausbau der Krippenbetreuung aus öffentlichen Mitteln hat 2006 und 2007 zu einer heftigen Debatte um die Verteilung von Steuergeldern zwischen Kinderlosen, alleinverdienenden und doppelt berufstĂ€tigen Eltern gefĂŒhrt. Unter dem Aspekt der Wahlfreiheit[54] werden mehrere Modelle oder deren Mischformen diskutiert[55], so etwa der Ausbau von KrippenplĂ€tzen, die Förderung von TagesmĂŒttern oder Betriebskinderkrippen, die EinfĂŒhrung von Betreuungsgutscheinen oder von Direktzahlungen. Bei der Argumentation zu den verschiedenen Modellen werden nicht nur die Kosten, sondern auch die QualitĂ€t, die Möglichkeiten der Einflussnahme auf die QualitĂ€tssicherung und die FlexibilitĂ€t der Betreuung als wichtige Gesichtspunkte angefĂŒhrt [56] [57][58][55][59]. Einige marktliberale Wirtschaftswissenschaftler lehnen grundsĂ€tzlich staatliche Investitionen in Kinderbetreuungseinrichtungen ab, da sie darin einen unzulĂ€ssigen Eingriff des Staates in einen privaten Markt sehen.[60] Modelle fĂŒr Direktzahlungen, Ă€hnlich wie zum Beispiel in Kanada, Frankreich, Norwegen, Finnland [61] [62], standen bereits unter dem Konzept des Erziehungsgehaltes in der politischen Diskussion.
Eine alleinige Förderung der Infrastruktur in Form von KrippenplÀtzen wird verschiedentlich als Benachteiligung von Eltern, die ihre Kinder selbst oder anders betreuen wollen, aufgefasst. [63][64][65][66][67] [68].
Die Kosten fĂŒr einen staatlichen Krippenplatz[69] werden teilweise aus dem allgemeinen Steueraufkommen finanziert, da die ElternbeitrĂ€ge die Kosten nicht decken. Eine solche Betrachtung der Kosten kann allerdings gegenlĂ€ufige Faktoren auĂer Acht lassen, etwa einen möglichen monetĂ€ren Effekt durch zusĂ€tzliche Aufkommen an Steuern und SozialversicherungsbeitrĂ€gen durch berufstĂ€tige Eltern und durch die höhere Zahl von Angestellten in Kinderbetreuungseinrichtungen [70]. Eine AbwĂ€gung von Kosten und Nutzen/Wirksamkeit gestaltet sich allerdings schwierig.
Ob und wie in diesem Zusammenhang auch das Ehegattensplitting und die kostenlose Mitversicherung in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung zur Debatte stehen können oder sollen, ist umstritten.[71][72].
Die EU-Kommission ist der Meinung, dass Familien durch fehlende Kinderbetreuung in Deutschland benachteiligt wĂŒrden. Dass der Stundenlohn von Frauen in Deutschland im Durchschnitt 22 Prozent unter dem ihrer mĂ€nnlichen Kollegen liege, wĂŒrde mit dem geringen Angebot an KrippenplĂ€tzen und deren unzureichenden Ăffnungszeiten zusammenhĂ€ngen, ebenso wie die geringere BeschĂ€ftigungsquote von Frauen mit Kindern im Vergleich zu anderen EU-LĂ€ndern.[73]
Der Begriff der Kinderkrippe wird in der Schweiz uneinheitlich definiert. Meist umfasst die Definition besonders das Altersspektrum von der Geburt bis zum Eintritt in den Kindergarten mit fĂŒnf oder sechs Jahren, oft wird der Begriff aber synonym zu KindertagesstĂ€tten ganz allgemein verwendet, also auch in der Bedeutung des Schulhorts.
Der Begriff wird gegenwĂ€rtig zu Gunsten des Begriffs KindertagesstĂ€tte (regional auch zu Gunsten des Begriffs Tagesheim) stark zurĂŒckgedrĂ€ngt (Stand 2007). So hat zum Beispiel der frĂŒhere Schweizerische Krippenverband im MĂ€rz 2007 eine Umbenennung in Verband KindertagesstĂ€tten der Schweiz durchgefĂŒhrt.
Der politische Diskurs wird gegenwĂ€rtig deutlich weniger kontrovers gefĂŒhrt als in Deutschland. Kinderkrippen werden von drei der vier groĂen Parteien (SP, CVP und FDP) propagiert, aus jeweils unterschiedlichen Motivationen heraus, z. B. Gleichstellungspolitik, Wirtschaftsförderung, Integration fremdsprachiger Kinder. Von den vier groĂen Parteien ist einzig die SVP mehrheitlich gegen einen Ausbau des Krippenwesens[74]. Ein Impulsprogramm des Bundes fördert die GrĂŒndung neuer Kinderkrippen[75] und auch einzelne Kantone wie z. B. Basel-Landschaft verfĂŒgen oder verfĂŒgten ĂŒber solche Programme[76].
Schweden fördert Alternativen zur Fremdbetreuung in Kinderkrippen. Eltern, die ihre Kinder bis zum dritten Lebensjahr zu Hause betreuen, werden mit monatlich 300,- Euro unterstĂŒtzt. FĂŒr berufstĂ€tige Eltern besteht ein Anspruch auf TeilzeitarbeitsplĂ€tze. Bis zu 120 Tage können sich Eltern zur Betreuung kranker Kinder vom Arbeitsplatz freistellen lassen. [77]
In GroĂbritannien wurde der Ausbau von Betreuungseinrichtungen fĂŒr Kleinstkinder forciert. Die Zahl der BetreuungsplĂ€tze stieg von 425.000 (2002) auf 725.000 (2006).[78] Die Kosten blieben auf hohem Niveau, im Raum London und den umliegenden Grafschaften lagen sie laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens Laing & Buisson 2006 durchschnittlich bei 168 britischen Pfund pro Woche.[79]
2006 wurden fast ein Viertel der PlĂ€tze nicht genutzt, trotz der höchsten Geburtenrate in GroĂbritannien (1.79) seit 1992. Dies entspricht einer ĂberkapazitĂ€t von ungefĂ€hr 160 000 KrippenplĂ€tzen. Die Times sieht darin ein Anzeichen fĂŒr einen Trend weg von einer "Alleswoller"-Frauengeneration hin zu Frauen (sic!), die ihre Kinder verstĂ€rkt selbst betreuen möchten. Auch gebe es mittlerweile nicht mehr die ausschlieĂliche Alternative von Vollzeit-BerufstĂ€tigkeit oder Vollzeit-HausfrauentĂ€tigkeit: Mindestens eine Million Eltern hĂ€tten bereits das 2003 eingefĂŒhrte Recht auf Teilzeitarbeit genutzt, anstatt nach der Geburt sofort wieder in Vollzeit zu arbeiten. Es wird erwartet, dass sich der Trend durch das neu eingefĂŒhrt Recht auf einen einjĂ€hrigen Mutterschaftsurlaub verstĂ€rken wird. Auch seien die Arbeitgeber inzwischen bereit, jungen MĂŒttern flexiblere Arbeitszeiten und -bedingungen (z. B. Telearbeit) einzurĂ€umen.[79]
In Frankreich können Kinder in die Ăcole maternelle gehen, sobald sie keine Windel mehr tragen. Davor können sie in folgenden Einrichtungen betreut werden:[80]
Man kann unterscheiden [81]
TatsÀchlich werden in Frankreich aber 70% der Kinder zu Hause von ihren Eltern oder Verwandten betreut. Nur 10% der Kinder bis drei Jahre besuchen eine Krippe.[77]
In den Vereinigten Staaten stehen fĂŒr die Betreuung von Kindern im Alter von 3 Monaten bis zu 5 Jahren Child Day Care Centers zur VerfĂŒgung, das sind privatwirtschaftliche (meist: Non-Profit-) Einrichtungen, die den Kindern anspruchsvolle akademische FrĂŒhförderungsprogramme bieten und sich darum einerseits als Schulen verstehen, andererseits aber auch stark serviceorientiert sind und, den individuellen BedĂŒrfnissen der Familien entsprechend, Ganztagsbetreuung ebenso ermöglichen wie Teilzeitprogramme. Die GebĂŒhren liegen, vor allem bei guten Einrichtungen, deutlich ĂŒber denen deutscher Kinderkrippen. In guten Einrichtungen haben die Lehrer eine Collegeausbildung im Fach Early Childhood Education absolviert, in anderen sind sie angelernt. Eine preiswertere Alternative zu Day Care Centers ist der Family Day Care, den viele TagesmĂŒtter in ihrem Zuhause anbieten. Viele amerikanische Familien beschĂ€ftigen fĂŒr die ganztĂ€gige Betreuung ihrer Kinder auch eine Kinderfrau oder einen Babysitter.