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Der Begriff Kinderlied wurde ursprünglich mit Kinderreim gleichgesetzt: ein leicht fasslicher kindlicher Text, verbunden mit einer einfachen oft pentatonischen Melodie.
Das von Erwachsenen getextete und komponierte Kinderlied ist oft ein Strophenlied. Mehrere Strophen bilden, hintereinander gesungen, eine logische Einheit. In der Kunst (Literatur und Musik) steht der Begriff „Kinderlied“ auch für eine schlichte (einfache, gut verständliche, volkstümliche) Kunstform.
Es lassen sich zwei Arten des Kinderliedes unterscheiden: das von Kindern meist improvisiert erfundene Kinderlied, das aber durchaus auch über Jahre als Kinderfolklore von älteren an jüngere Kinder weitergegeben werden kann, und das von Erwachsenen für Kinder erfundene Kinderlied.
Aus dem Lallen des Säuglings wird in den ersten Lebensjahren der Singsang des Kleinkindes, der immer mehr mit Lauten und Worten der Erwachsenen angereichert wird. Parallel dazu wird das musikalische Verhalten des Kindes (auch bereits im Mutterleib) von seinem jeweiligen kulturellen Umfeld geprägt.
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Fast alle der allgemein in Deutschland bekannten Kinderlieder stammen aus dem 19. Jahrhundert. Allein Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798–1874) schrieb die Texte zu ca. 500 Kinderliedern. Auch Ernst Anschütz (Fuchs du hast die Gans gestohlen von 1824) oder der Pädagoge Friedrich Fröbel (Häschen in der Grube von 1840) sind unter den Textgestaltern zu nennen.
Von den sehr alten Kinderliedern sind noch einige in Carl Orffs Musik für Kinder (Orff-Schulwerk) und in alten Liederbüchern (Deutsches Volksliedarchiv oder Des Knaben Wunderhorn von Ludwig Achim von Arnim und Clemens Brentano) zu finden. In den 50er und 60er Jahren widmete der Komponist Hans Poser einen großen Teil seines Schaffens dem Kinderlied und komponierte zahlreiche bekannte Lieder wie beispielsweise „Ein Ele-Zwele-Trelefant“ und Märchenlieder. In den 1970er-Jahren kamen neue Lieder zum Beispiel von Günther Kretzschmar (Der Seeschlangensong), Heinz Lemmermann (Trat ich heute vor die Türe) und Margarete Jehn & Wolfgang Jehn (Die alte Moorhexe) dazu. Danach kamen die Liedermacher: Fredrik Vahle (Die Rübe), Dieter Süverkrüp (Baggerführer Willibald), Rolf Zuckowski (Die Vogelhochzeit) und Volker Rosin (Das singende Känguruh) oder in der Schweiz Gerda Bächli (Traumschiffli) und Roland Zoss (Xenegugeli). In der DDR: Gerhard Schöne (Jule wäscht sich nie) und Reinhard Lakomy (Traumzauberbaum). Im Zuge der Globalisierung sind auch viele Kinderlieder aus aller Welt in Deutschland dazugekommen.
In der Zeit von 1968 bis 1984 etwa liefen mehrere Richtungen zum Thema Musik für Kinder nebeneinander her:
Den Begriff Kinderliedermacher kannte man noch nicht.
Seit Beginn der 1990er-Jahre trennten sich viele Verlage von ihren bewährten Autoren und stellten ihr Programm ein. Gleichzeitig wurden ganze Kindermusikreihen wie zum Beispiel Der Kinderchor, Hrg. Günther Kretzschmar bei Hänssler, an andere Verlage verkauft und verschwanden. An ihre Stelle traten die neuen Kinderliedermacher mit ihren Produktionen.
Die Hörfunksender bauten nach und nach ihre Kinderprogramme um. Der Schulfunk verschwand bei einigen Sendern ganz aus dem Programm, der Kinderfunk wurde reduziert. Damit gingen auch die großen Kinderhörspiele zurück. Stattdessen verbreiten Radiosender ihre verbliebenen Bildungssendungen heute auch als Podcast.
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Auch heute noch schreiben Autoren Lieder für singende Kinder. Die großen Schulbuchverlage setzen in ihren Ausgaben wieder vermehrt auf die Verbindung von traditionellen und neuen Kinderliedern. Dazu kommen immer mehr Kinderlieder aus aller Welt. In der Schweiz sind Kinder-Openairs ein regelrechter Boom.
Auf Veranstaltungen in Kindergärten, Grundschulen oder Vereinen spielen Kinderlieder selten eine tragende Rolle. Die im 20. Jahrhundert noch üblichen Auftritte von Liedermachern sind für viele dieser Institutionen nicht mehr finanzierbar und durch das Abspielen von CDs ersetzt worden. Musik wird nicht mehr aktiv gemacht, sondern überwiegend passiv konsumiert. Kinderlieder werden damit zu einem Produkt, das industriell hergestellt und vertrieben wird – wie die meiste Musik für Erwachsene auch. Es gibt aber immer noch Lehrer und Chorleiter, die mit ihren Kindern traditionelle, aber auch neue musikalische Wege gehen. Auch gibt es Eltern, die wieder mit ihren Kindern vermehrt singen, sowie Musikschulen, Musikgärten und viele private Initiativen zur Förderung der Musikalität bei Kindern neben Gruppierungen und Einzelpersonen, die sich für „gute Musik für Kinder“ einsetzen.
Einige Rundfunkanstalten pflegen das Kinderlied ausdrücklich. Im Hörfunk und als Podcast werden Version mit Gesang sowie instrumental zum mitsingen angeboten.[3]
„Singen, Spielen und Tanzen helfen uns in unserer Kindheit, uns selbst und die Welt um uns zu verstehen und kennenzulernen. Beinah von selbst öffnen sich in dieser Phase Türen zum inneren und äußeren Leben, an denen später, in einer anderen Entwicklungsphase, vielleicht lange und mühsam gerüttelt werden muss – wenn sie sich überhaupt noch aufmachen lassen“ (M. Jehn).