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Kinderzeichnung

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Kinderzeichnungen sind Produkte von Kindern beim Malen, Zeichnen und Hantieren mit flÀchig aufzutragenden Substanzen.

Kinderzeichnungen können Aufschluss ĂŒber die kindliche Entwicklung und zu psychologischen Fragestellungen geben.

Inhaltsverzeichnis

Entwicklung der Kinderzeichnung

Kritzelphase (22 Monate)
KopffĂŒĂŸler
Nach der KopffĂŒĂŸlerphase
MĂ€dchen und Junge werden fotografiert (3 Jahre, 11 Monate)
Darstellung des Cannstatter Volksfests (ca. 3 Jahre?)
Die typische angeschnittene Sonne
Perspektivischer Versuch

Die Malentwicklung von Kindern verlĂ€uft in etwa nach dem folgenden Schema (die Altersangaben sind keine absoluten und fĂŒr jedes Kind gĂŒltigen Werte, da manche Kinder in der Entwicklung ihrer bildnerischen Äußerungen einzelne Teilphasen ĂŒberspringen oder zeitweilig auf eine frĂŒhere zurĂŒckgehen):

Spurschmieren

Bis zu einem Alter von etwa 18 Monaten „bearbeiten“ Kinder gerne flĂŒssige oder breiartige Substanzen, ohne sich um die Ergebnisse zu kĂŒmmern.

Kritzeln

Sobald Kinder einen Stift o. Ă€. fassen und fĂŒhren können, also ungefĂ€hr ab einem Lebensalter von einem Jahr, beginnt die Kritzelphase. ZunĂ€chst geht die Bewegung noch hauptsĂ€chlich vom Schultergelenk aus (sogenanntes Hiebkritzeln; ca. 12-16 Monate), was einzelne, wahllose Striche auf dem bekritzelten Untergrund hinterlĂ€sst, dann vom Ellenbogengelenk (Schwingkritzeln; ca. 16-22 Monate), was zu dichten Strichlagen fĂŒhrt, die in beide Richtungen verlaufen (also etwa von links unten nach rechts oben und wieder zurĂŒck), dann vom Handgelenk. Damit ist das Kreiskritzeln möglich, das knĂ€uelartige Spuren hinterlĂ€sst. Diese Phase ist mit ca. 21 - 23 Monaten erreicht. Die Kinder sind jetzt auch in der Lage, den Stift anzuheben und dann wieder neu aufzusetzen, also voneinander getrennte Gebilde auf dem Untergrund zu hinterlassen. Etwa um das dritte Lebensjahr herum, wenn ein geschlossenes Kreisgebilde oder gerade Linien gezogen werden können, endet die Kritzelphase. Die Kinder beginnen jetzt mit ungefĂ€hr zweieinhalb Jahren, ihre Zeichnungen zu kommentieren und zu benennen. Erste Darstellungsabsichten lassen sich erkennen. Ab dem dritten Lebensjahr kommen auch noch die Zickzackkritzel und isolierte Kreiskritzel hinzu.

KopffĂŒĂŸler

Die ersten Gebilde auf Kinderzeichnungen, die fĂŒr Erwachsene etwas Erkennbares darstellen, sind die sogenannten „KopffĂŒĂŸler“. Sie bestehen zunĂ€chst aus einem Kreis mit fĂŒhler- oder tentakelartigen Gebilden, die nach allen Richtungen abstehen - dem sogenannten Tastkörper. Er hat zwar Ähnlichkeit mit Sonnendarstellungen auf spĂ€teren Kinderbildern, wird aber eher als Ausdruck der momentanen Entwicklungssituation des Kindes selbst, das nach allen Seiten hin Erfahrungen macht und seinen Horizont ausdehnt, angesehen. SpĂ€ter beschrĂ€nkt sich die Anzahl an angehĂ€ngten Gliedmaßen auf zwei bis vier und in den Kreis wird ein schematisches Gesicht eingefĂŒgt. Warum bei diesen frĂŒhen Menschendarstellungen regelmĂ€ĂŸig der Rumpf fehlt, obwohl schon sehr viel jĂŒngere Kinder wissen, dass es einen Bauch gibt, und diesen an sich selbst und anderen auch zeigen können, ist umstritten. Gegen Ende der KopffĂŒĂŸlerphase, wenn sich auch die StrichmĂ€nnchen entwickeln, werden auch andere Formen, etwa Rechtecke, in das Repertoire aufgenommen, so dass nun auch andere Bildinhalte als nur die „Urlebewesen“ dargestellt werden können.

Vorschemaphase

Ab einem Alter von etwa vier Jahren beginnen Kinder, ihre Bilder stÀrker zu komponieren. Sie arbeiten nun mit Koordinatenlinien wie z. B. einem Strich oder Balken, der den Himmel, und einem anderen, der den Boden darstellt, achten auf Differenzierung und Details wie z. B. VorhÀnge oder Augenwimpern und setzen zahlreiche GegenstÀnde im Bild zueinander in Bezug. Auch die Farbwahl wird jetzt bewusst vorgenommen.

Werkreife

Nach den Aufbaustadien, der Kritzelphase und der Vorschemaphase sind etwa zwischen dem fĂŒnften und siebten Lebensjahr die grundlegenden grafischen Merkmale der Personen und GegenstĂ€nde erarbeitet. In dieser Zeit wird die Kinderzeichnung zwar noch reicher an Details und VerknĂŒpfungen, aber es treten keine grundsĂ€tzlich neuen Ereignisse mehr auf.

Um diese Erscheinungsformen der Kinderzeichnung zu beschreiben, hat BĂŒhler den Begriff der „Werkreife“ eingesetzt. Die Grenzzone der Werkreife markiert den Beginn von Darstellungs- und Ausdruckstendenzen, die sich im weiteren Verlauf der Entwicklung fortsetzen. Die Individualisierung und PrĂ€zisierung des Bildkonzeptes zeigt sich dadurch, dass die Kinderzeichnung um den Schuleintritt herum an Unverwechselbarkeit gewinnt und jedes Kind seine ganz spezifischen, auf seinen eigenen Erfahrungen beruhende Formvarianten und Bildkonzepte als Ergebnisse individueller Erarbeitung bildet. Als Folge der Individualisierung des bildnerischen Tuns gewinnt die Kinderzeichnung an Ausdruck und Mitteilungsgehalt. Das Kind entdeckt zunehmend die Möglichkeiten der Darstellungsmittel, den Gegenstand grafisch prĂ€gnant zu bezeichnen, und passt Motive und Organisationsstruktur seines Bildes je nach emotionaler und motivationaler Aussage an.

Ein nĂ€chstes Charakteristikum ist die Verdeutlichung des Mitteilungsgehaltes. Das Kind selbst wird sich der Kommunikationskraft seiner Zeichnungen bewusst und registriert Verstehensabsicht und Bereitschaft des Beobachters. Wenn es sich in seiner Mitteilung nicht verstanden fĂŒhlt, kann es zu einer Umorganisation der Bildmotive kommen. In dieser Zeit bilden sich die QualitĂ€ten der Kinderzeichnung heraus, welche die Verfassung des PhĂ€nomens ausmachen.

Schemaphase I

Typisch fĂŒr die nun folgende Schemaphase I, die ungefĂ€hr bei FĂŒnf- bis AchtjĂ€hrigen zu verzeichnen ist, sind die „Röntgenbilder“, die mehrere Schichten des Gegenstandes abbilden, obwohl dieser eigentlich undurchsichtig wĂ€re. So sieht man auf diesen Bildern z. B. ein Haus zugleich von außen und von innen oder den Körperumriss unter den Kleidern. Die GrĂ¶ĂŸenverhĂ€ltnisse der GegenstĂ€nde sind oft noch nicht realistisch erfasst, sondern richten sich nach dem Stellenwert des Dargestellten fĂŒr das Kind.

Schemaphase II

Ab einem Alter von etwa acht Jahren bis zum Abschluss der Entwicklung mit etwa zwölf Jahren beginnen die Kinder sich um realistische GrĂ¶ĂŸenverhĂ€ltnisse und die Darstellung des dreidimensionalen Raums zu bemĂŒhen. Typisch fĂŒr diesen Entwicklungsschritt sind sogenannte Steil- oder Horizontbilder, auf denen weiter entfernte Objekte kleiner und weiter oben im Bild zu sehen sind als GegenstĂ€nde, die sich im Vordergrund befinden sollen. An perspektivischen Zeichnungen etwa von MöbelstĂŒcken versuchen sich ungefĂ€hr ZehnjĂ€hrige; noch spĂ€ter wird gelegentlich auch die Vogelperspektive gewĂ€hlt, so dass auch Grundrisse u. Ă€. gezeichnet werden können. Oft neigen Kinder gegen Ende dieser Phase dazu, zu karikieren und zu ironisieren - vielleicht aus Unzufriedenheit mit ihren Versuchen, Dinge wirklich realistisch abzubilden.

Diagnostische Aspekte

Darstellung von guten und schlechten Beziehungen auf Kinderzeichnungen

Kinder im Grundschulalter stellen Beziehungen zu Personen, die sie mögen, anders dar als Beziehungen zu Personen, die sie nicht mögen. Dies konnte S. Gramel (2008) in einer Untersuchung mit ĂŒber 500 Kindern im Grundschulalter feststellen. Die Kinder zeichnen positive Beziehungspersonen nĂ€her an der eigenen Person als negative. Positive Beziehungspersonen lĂ€cheln auf den Bildern hĂ€ufiger. Die Kinder stellen Personen, die sie mögen, auch komplexer dar gegenĂŒber Personen, die sie nicht mögen. Die Sonne kommt auf positiven Bildern hĂ€ufiger vor. Die Kinder verwenden auf den positiven Beziehungsbildern auch hĂ€ufiger ihre Lieblingsfarben. Die Bilder unterscheiden sich jedoch nicht in ihrer Farbfreudigkeit an sich. Eine Linie, die das Bild in unterschiedliche Teile aufteilt, kommt vorwiegend auf negativen Bildern vor. Aggressive AktivitĂ€ten werden ausschließlich auf negativen Bildern gezeichnet, körperlich aggressive Handlungen vorwiegend von Jungen. Unterschiedliche BeziehungsqualitĂ€ten lassen sich also auf Kinderbildern anhand der dargestellten Kriterien gut unterscheiden.

Familie in Tieren

Die Familie in Tieren (nach Luitgard Brem-GrĂ€ser (1957)) ist eine projektive Untersuchungsmethode, bei der das Kind seine Familienmitglieder als Tiere zeichnerisch darstellen soll. Kinder können auf diese Weise Konflikte im familiĂ€ren Zusammenhang darstellen, ohne sich dabei der Sprache bedienen zu mĂŒssen.

Literatur

  • Christa Seidel: Leitlinien zur Interpretation der Kinderzeichnung. Praxisorientierte Anwendung in Diagnostik, Beratung, Förderung und Therapie Journal Verlag, A-9900 Lienz/Osttirol, ISBN 978-3-902128-30-0
Knabe mit Zeichnung von Giovanni Francesco Caroto, um 1520
  • K. Eid, M. Langer, H. Ruprecht: Grundlagen des Kunstunterrichts. Eine EinfĂŒhrung in die kunstdidaktische Theorie und Praxis.
  • R. Fleck-Banbgert: Kinder setzen Zeichen. Kinderbilder sehen und verstehen.
  • Ralph Giordano: Kinderzeichnungen aus dem KZ Theresienstadt. In: Ich bin angenagelt an dieses Land. Reden und AufsĂ€tze ĂŒber die deutsche Vergangenheit und Gegenwart. Knaur-TB 80024, Droemer Knaur, MĂŒnchen 1994, ISBN 3-426-80024-1, S. 181 – 189.
  • Sabine Gramel: Die Darstellung von guten und schlechten Beziehungen auf Kinderzeichnungen - Zeichnerische Differenzierung unterschiedlicher BeziehungsqualitĂ€ten. Verlag Dr.Kovac, 2008, ISBN 978-3-8300-3777-4.
  • A.-M. Lebeus: Wenn Kinder malen. Bildersprache und Ich-Entwicklung.
  • W. Reiss: Kinderzeichnungen. Wege zum Kind durch seine Zeichnung.
  • H.-G. Richter: Die Kinderzeichnung. Entwicklung - Interpretation - Ästhetik.
  • Martin Schuster: Kinderzeichnungen. Wie sie entstehen, was sie bedeuten.
  • D. Widlöcher: Was eine Kinderzeichnung verrĂ€t. Methode und Beispiele psychoanalytischer Deutung

Weblinks

 Commons: Child art â€“ Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
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