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Kleine und mittlere Unternehmen (KMU), in Belgien und Österreich Klein- und Mittelbetriebe (KMB), ist die Sammelbezeichnung für Unternehmen, die definierte Grenzen hinsichtlich Beschäftigtenzahl, Umsatzerlös oder Bilanzsumme nicht überschreiten. Die Einordnung erfolgt in der Regel unabhängig von der gewählten Rechtsform oder der Eigentümerstruktur. Unternehmen, die die Grenzen überschreiten, werden Großunternehmen genannt.
International sind die englischen Bezeichnungen Small and Medium-sized Businesses (SMB) oder Small and Medium-sized Enterprises (SME) gebräuchlich.
Inhaltsverzeichnis |
Die Kommission der Europäischen Union sieht folgende Definition:[1]
| Typ | Anzahl Beschäftigte | Umsatzerlös in Mio € | Bilanzsumme in Mio € | ||
|---|---|---|---|---|---|
| Kleinstunternehmen | < 10 | und | ≤ 2 | oder | ≤ 2 |
| Kleine Unternehmen | < 50 | und | ≤ 10 | oder | ≤ 10 |
| Mittlere Unternehmen | < 250 | und | ≤ 50 | oder | ≤ 43 |
Für die Anerkennung als kleines und mittleres Unternehmen durch die EU ist es weiterhin nötig, dass maximal 25 % des Unternehmens im Besitz von Firmen sein darf, die dieser Definition nicht entsprechen.[2]
Das IfM Bonn zieht die folgenden Größenmerkmale zur Definition von kleinen und mittleren Unternehmen heran:
| Typ | Beschäftigte | Umsatzerlös (Mio €) | |
|---|---|---|---|
| Kleine Unternehmen | < 10 | und | ≤ 1 |
| Mittlere Unternehmen | < 500 | und | ≤ 50 |
Das deutsche Handelsgesetzbuch (HGB) unterscheidet nach § 267 kleine Kapitalgesellschaften, mittelgroße Kapitalgesellschaften und große Kapitalgesellschaften. Demnach gilt eine Kapitalgesellschaft als „Kleine Kapitalgesellschaft“, sofern sie mindestens zwei der drei nachstehenden Merkmale an den Abschlussstichtagen von zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren nicht überschreitet:
„Mittelgroße Kapitalgesellschaften“ sind solche, die an den Abschlussstichtagen von zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren mindestens zwei der drei oben genannten Merkmale überschreiten und jeweils mindestens zwei der drei nachstehenden Merkmale nicht überschreiten:
Dabei werden die zu ihrer Berufsausbildung beschäftigten Mitarbeiter nicht berücksichtigt.
Eine Kapitalgesellschaft gilt als „Große Kapitalgesellschaft“, sofern sie mindestens zwei der drei letztgenannten Merkmale überschreitet oder wenn sie einen organisierten Markt durch von ihr ausgegebene Wertpapiere in Anspruch nimmt oder die Zulassung zum Handel an einem organisierten Markt beantragt worden ist.
| Typ | Beschäftigte | Umsatzerlös (Mio €) |
Bilanzsumme (Mio €) | ||
|---|---|---|---|---|---|
| GroĂźe Kapitalgesellschaft | > 250 | oder | > 38,5 | oder | > 19,25 |
| MittelgroĂźe Kapitalgesellschaft | <= 250 | oder | <= 38,5 | oder | <= 19,25 |
| Kleine Kapitalgesellschaft | < 50 | oder | < 9,68 | oder | < 4,84 |
Zwei der drei möglichen Kriterien müssen erfüllt werden.
Die Statistik Austria unterscheidet für die ÖNACE 2003/2008 folgende Beschäftigtengrößenklassen innerhalb der KMBs:
| Beschäftigte |
|---|
| 0–4 |
| 5–19 |
| 20–99 |
| 100–199 |
| 200 u. mehr |
Zu beachten ist hierbei, dass Beschäftigungsverhältnisse, und nicht Beschäftigte erhoben sind. Gegliedert werden die KMB wie auch die Großbetriebe in Ein- und Mehrarbeitsstättenbetriebe:[3]
Wobei die erste Form fĂĽr KMB die weitaus vorherrschende ist.
Trotz des zahlenmäßigen Überwiegens der Klein- und Mittelunternehmen in der Gesamtwirtschaft lag ihre Bedeutung in der Betriebswirtschaftslehre meist hinter denjenigen von Großunternehmen und Konzernen zurück, namentlich in Bezug auf Management-, Marketing-, Marktforschungs- und Personalfragen. „Was in Großorganisationen vor sich geht, schien interessanter und analytischen Prozessen leichter zugänglich zu sein als die wenig formalisierte Welt der Klein- und Mittelbetriebe.“[4] Seit den 1980er Jahren finden betriebswirtschaftliche Probleme der KMU jedoch zunehmend wissenschaftliches Interesse, im deutschsprachigen Raum vor allem in den 1948 von Alfred Gutersohn gegründeten Forschergesprächen Rencontres de St. Gall, im Schweizerischen Institut für Klein- und Mittelunternehmen an der Universität St. Gallen (vormals Schweizerisches Institut für gewerbliche Wirtschaft an der Handelshochschule St. Gallen) und am Deutschen Institut für kleine und mittlere Unternehmen, Berlin. Speziell von Seiten der Handelsbetriebslehre wurde das Instrumentarium des Handelsmarketings der Situation von KMU im Handel angepasst.[5][6]
KMU sind die sozial und wirtschaftlich vorherrschende Unternehmensgröße. In der Europäischen Union (EU) stellen sie ca. 99 % aller Unternehmen und bieten ca. 65 Millionen Menschen einen Arbeitsplatz. Auf europäischer Ebene werden sie unter anderem von Vereinigungen wie der UEAPME (Union Européenne de l’Artisanat et des Petites et Moyennes Entreprises) und der CEA-PME vertreten.
Die KMU sind einer der entscheidenden Kerne für Innovation. Aufgrund dieser Situation und einem häufig begrenzten Zugang zu frischem Kapital werden KMU besonders vom Staat und der EU gefördert. Die Versorgung mit Kapital ist eines der entscheidenden Hemmnisse für die Entwicklung von KMU. Die Regelungen durch Basel II setzen die KMU zusätzlich unter Druck, insbesondere in Richtung auf eine Erhöhung ihres Eigenkapitals.
Die kleinen und mittleren Unternehmen umfassen in der Bundesrepublik Deutschland
Umfangreiches Datenmaterial enthalten die vom Institut für Mittelstandsforschung Bonn herausgegebenen Schlüsselzahlen zum Mittelstand, die jährlich neu berechnet und auf den Internetseiten des Instituts veröffentlicht werden.
Beispielhaft belegt eine Studie aus dem Jahr 2000, dass knapp 81 Prozent aller Umsätze der deutschen Musik- und Spielwarenindustrie sowie 70 Prozent der Umsätze der Druck-, Holz-, Stahl- und Leichtmetallbauindustrie in KMU generiert werden.[8]
Die Ă–sterreichische Wirtschaft ist traditionell klein strukturiert. Von den gesamt 294.099 Unternehmen (Stand 2007)[9] hatten:
Somit sind 99,6 % aller Betriebe in Österreich Klein- oder Mittelbetriebe. In diesen arbeiteten zwei Drittel der etwa 2,6 Mio. Beschäftigten. Sie erwirtschafteten 60 % der Umsatzerlöse (gesamt 2007: 613 Mrd. €), und 58 % der Bruttowertschöpfung (gesamt 163 Mrd. €). Bei ähnlichen Betriebs-/Arbeitnehmerverhältnissen wie in Deutschland also den im Vergleich doppelten Anteil an der Wirtschaftskraft.
90% der Unternehmen (Stand 2004) bestanden aus nur einer einzigen Arbeitsstätte, in diesen arbeiteten 50 % aller Beschäftigten – im Vergleich: nur 1% der Unternehmen hatten mehr als 4 Arbeitsstätten, Gesamtbeschäftigtenanteil: 27,1%. Von den Arbeitsstätten hatten 90 % weniger als 20 Arbeitnehmer, 70% weniger als 5 Arbeitnehmer, im Vergleich zu 0,4 % – absolut 1.610 – der Arbeitsstätten mit mehr als 200 Arbeitnehmern. Das zeigt, dass auch in den Großbetrieben die Arbeitsstätten selbst KMB-artig strukturiert sind. In den Arbeitsstätten unter 20 betrug der Arbeitnehmeranteil aber nur 35,9 %, während in den 0,4 % Arbeitsstätten > 200 über ein Viertel aller Arbeitnehmer beschäftigt war. Hier zeigt sich, das sich das unternehmerische und investitive Potential Österreichs in den Klein- und Mittelbetrieben äussert: Die Zuwächse 1999–2004 bei den KMB lagen je nach Bundesland zwischen 20 und 30 %, mit Zuwächsen an Beschäftigten und Wirtschaftskraft in derselben Größenordnung, während die der Großbetriebe österreichweit um etwa 30 % abnahm. Am Arbeitsmarkt haben die Großbetriebe aber einen bedeutenden Anteil.[10] Die Daten für den Zeitraum seit 2004 dürften vergleichbar sein.
In der Schweiz verteilten sich bei der Betriebszählung 2008 die total 373'729 privaten marktwirtschaftlichen Unternehmungen aller drei Wirtschaftssektoren wie folgt auf die einzelnen Grössenklassen:[11]
Sämtliche für KMU relevante arbeitsrechtliche Vorschriften orientieren sich an der Anzahl der Beschäftigten. Die Methode zur Ermittlung der Beschäftigtenzahl (z. B. Einbeziehen und Gewichten von Teilzeitbeschäftigten) ist uneinheitlich bzw. abhängig vom jeweils betrachteten Gesetz.[12]