|
|
Lexikon auf Ihrer Homepage |
|
Lexikon als Lesezeichen hinzufügen |
| Kleinwalsertal | ||
|---|---|---|
|
Das Kleinwalsertal vom Gipfel des Widdersteins aus gesehen | ||
| Lage | Vorarlberg, Österreich | |
| Gebirge | Allgäuer Alpen | |
| Geographische Lage | 47° 20′ 34″ N, 10° 10′ 3″ O47.34277810.16751215Koordinaten: 47° 20′ 34″ N, 10° 10′ 3″ O | |
|
| ||
| Höhe | 1.086 m bis 1.215 m ü. A. | |
| Gewässer | Breitach | |
Das Kleinwalsertal (auch: Kleines Walsertal) ist ein Tal im österreichischen Bundesland Vorarlberg. Es umfasst die Gemeinde Mittelberg und ist Teil des Bezirks Bregenz. Aufgrund der geographischen Lage in den Allgäuer Alpen mit seiner alpinen Geländestruktur hat das Kleinwalsertal keine direkte Straßenverbindung zum übrigen Vorarlberger Land. Das Tal ist per PKW nur auf einer Straße über die Nachbargemeinde Oberstdorf in Bayern zu erreichen. Es handelt sich damit für Deutschland um eine sogenannte funktionale Enklave oder auch Pene-Enklave (vgl. auch Jungholz).
Der Name des Tals kommt von den Walsern, die im 13. Jahrhundert aus dem Wallis hierher zogen (siehe auch Großwalsertal).
Inhaltsverzeichnis |
Das Kleinwalsertal ist ein hochgelegenes V-Tal (Kerbtal) in den Allgäuer Alpen und befindet sich im Osten von Vorarlberg. Die Breitach zieht sich durch das gesamte Tal und wird von einigen Seitenbächen gespeist, die aus den Seitentälern des Kleinwalsertals stammen.
Das Kleinwalsertal wird fast vollständig von hohen Bergen umschlossen. Diese gehören zu den Allgäuer Alpen, die ein Teil der nördlichen Ostalpen sind. Deren höchste Erhebung ist der Große Widderstein (2.536 m). Von ihnen wird das Kleinwalsertal gegenüber dem übrigen Staatsgebiet Österreichs abgeschnitten. Eine Verkehrsverbindung besteht lediglich zum auf bayerischer Seite liegenden Oberstdorf (Enklave). Aus dieser geographischen Sonderstellung ergaben und ergeben sich eine Reihe von Besonderheiten, siehe Geschichte und Wirtschaft.
Weitere Berge sind der Hohe Ifen (2.230 m), die Kanzelwand (2.058 m), das Fellhorn (2.038 m) und das Walmendinger Horn (1.990 m).
Im Kleinwalsertal befinden sich die drei Ortschaften Mittelberg (mit dem Ortsteil Baad), Hirschegg und Riezlern, die zu einer Gemeinde zusammengefasst sind. Der amtliche Name dieser Gesamtgemeinde lautet Mittelberg nach dem zuerst besiedelten Ort. Auf einer Fläche von 96,82 Quadratkilometern leben 5034 Einwohner, das ergibt eine Bevölkerungsdichte von knapp 52 Einwohnern je Quadratkilometer (Stand: 30. Juni 2010).
Das Tal ist geprägt durch seine alpine Lage und den hohen Stellenwert des Tourismus.
| Seitental | Seitenbach | Länge des Baches in km | Ortschaft |
|---|---|---|---|
| Turatal | Turabach | 3,1 | Baad |
| Derratal | Derrabach | 2,7 | Baad |
| Bärgunttal | Bärguntbach | 1,5 | Baad |
| Lüchlebach | - | Baad | |
| Gemsteltal | Gemstelbach | - | Mittelberg |
| Wildental | Wildenbach | 1,9 | Mittelberg |
| Zwerenbach | 2,0 | Riezlern | |
| Schwarzwassertal | Schwarzwasserbach | 6,2 | Hirschegg |
| Schmiedebach | 2,3 | Riezlern | |
| Gatterbach | Riezlern | ||
| Hörnlebach | Riezlern | ||
| Buchenbach | Riezlern |
Das Kleinwalsertal wurde im Jahre 1270 von den Walsern besiedelt, einer Volksgruppe, die aus der Schweiz zuwanderte. Diese alemannische Herkunft unterscheidet die Bewohner sprachlich noch heute von den Bewohnern der umliegenden Gemeinden. Ihr Dialekt wird dem höchstalemannischen zugeordnet, während man im Allgäu einen niederalemannischen Dialekt und im restlichen Vorarlberg einen hochalemannischen Dialekt (Vorarlbergerisch) spricht.
Das Kleinwalsertal wurde schon in der Steinzeit bewohnt. Davon zeugen von Detlef Willand geführte Ausgrabungen am Gottesacker, bei denen unter anderem Schaber, Pfeilspitzen und Feuerstellen aus der Jungsteinzeit zu Tage kamen. Teile dieser Funde können in der Bergschau im Veranstaltungszentrum Walserhaus in Hirschegg besichtigt werden.
Am Widderstein und am Bärenkopf wurden zudem nach den umfangreichen Prospektionsarbeiten des Geoarchäologen Alexander Binsteiner Radiolaritabbaustellen entdeckt. Vermutlich wurde in diesen steinzeitlichen Bergwerken mit Hirschgeweihhacken oder faustgroßen Hämmern das wertvolle Gestein abgetragen. Es wird noch untersucht, inwieweit die Steine weit über die Grenzen des Kleinwalsertals gehandelt wurden.[1]
Das Tal ist heute Österreichs drittgrößtes Tourismusziel.[3] Der jahrhundertelang bedeutendste Wirtschaftszweig war die Landwirtschaft, die aktuell nur mehr eine marginale Bedeutung hat. Schon 1960 erreichte die Nächtigungszahl erstmals eine Million. Im Tourismusjahr 2001/2002 gab es insgesamt 1.678.180 Übernachtungen bei einer Bettenkapazität von 12.000.
Der Wander- und Ausflugstourismus – vor allem auch von Familien mit kleineren Kindern und Senioren – ist sehr ausgeprägt. Die Auswahl an einfachen Spazierwegen und mäßig schwierige Wanderpfade ist entsprechend breit und gut ausgeschildert. Mit dem eng getaktet fahrenden Walserbus, der den Kurtaxe zahlenden Touristen als Inhabern der Walsercard kostenlos zur Verfügung steht, ist die Mobilität im Tal ohne PKW gewährleistet.
Zur starken Ausprägung des Tourismus verhalf auch die gute Verkehrsanbindung nach Norden. So benötigt man für die Strecke Stuttgart-Kleinwalsertal nur etwa zweieinhalb Stunden.
Im Jahr 2003 gab es am Ort 243 Gewerbebetriebe mit 1.573 Beschäftigten und 144 Lehrlingen; lohnsteuerpflichtige Erwerbstätige waren 2.518 Personen.
Der Tourismus ist der wichtigste Wirtschaftsfaktor im Tal, wobei der Sommertourismus nicht so ausgeprägt ist, wie der im Winter. So betrugen die Übernachtungszahlen im Winter 2008/2009 802.538[4] gegenüber 770.800[5] in der Sommersaison 2008. Das Skifahren ist gewissermaßen das Standbein des Wintertourismus im Kleinwalsertal, daneben haben aber auch Skibergsteigen und einfache Winterwanderungen Bedeutung.
Im Sommer reisen die Gäste meist zum Wandern und Bergwandern an. Im benachbarten Gemeindegebiet von Oberstdorf gibt es zudem zwei sehr beliebte Klettersteige (Mindelheimer Klettersteig und Zwei Länder Klettersteig), die wegen des kürzeren Zustieges meist vom Kleinwalsertal aus besucht werden und somit für den dortigen Tourismus von Bedeutung sind.
Die Sportklettermöglichkeiten am Hohen Ifen und am Bärenköpfle zählen zu den besten der Alpen. Dennoch wird das damit verbundene Potential für einen sanften Tourismus im Gegensatz zum nahe gelegenen Tirol[6] nicht genutzt, da das Sportklettern aus jagdlichen Gründen stark eingeschränkt oder ganz verboten ist.[7] Diese Einschränkungen wurden besonders angesichts der umfangreichen Erschließungen der näheren Umgebung von Bergsteigerverbänden als unangebracht und fachlich nicht fundiert kritisiert. So schrieb die Zeitschrift Alpin: […] sich ein solches Sperrgebiet gut ins Gesamtkonzept des Kleinwalsertales einfügt: Harter und lauter Tourismus mit großem wirtschaftlichen Nutzen dort und eine Ruhezone hier, wo eben nichts zu holen ist.[8] Von Seiten der Jagdaufsicht wird hingegen die Notwendigkeit einer Ruhezone für das Wild in dem ganzjährig stark touristisch genutzten Tal betont.
Der große Stellenwert des Tourismus schlägt sich auch in der Wintersportinfrastruktur nieder. Das Tal bietet Urlaubern die Möglichkeit, 30 Schlepplifte, 6 Sessellifte und 2 Kabinenbahnen zu benutzen. Die erste Bergbahn des Tales, die Kanzelwandbahn, wurde 1955 in Riezlern fertiggestellt. Die 1989 erneuerte Bahn (6ZUB) befördert Wintersportler auf 1.957 m ü. A. Das Skigebiet „Kanzelwand/Fellhorn“ umfasst 13, zum Teil hochmoderne Anlagen:
Das gesamte Skigebiet bietet über 25 präparierte Pistenkilometer. Zudem werden ein Funpark und ein Boarderpark angeboten.
Die im Jahre 1966 erbaute Walmendingerhornbahn in Mittelberg endet auf 1.951 m ü. A. Sie befördert Wintersportler in das aus zwei Sesselliften (ein Zweisitzer und ein Viersitzer) bestehende Skigebiet. Das circa zehn Kilometer große Skigebiet richtet sich dabei eher an geübte Wintersportler. Das Skigebiet Hoher Ifen umfasst zwei Sessellifte und ein Schlepplift ab der Mittelstation. Es liegt im Schwarzwassertal in der Nähe des Gottesackers und bietet 20 Pistenkilometer.
Des Weiteren gibt es etliche kleine Liftbetriebe im Tal, die durch den Walser-Skigleitweg zum größten Teil miteinander verbunden sind. Somit stehen im Kleinwalsertal insgesamt über 56 präparierte Pistenkilometer zur Verfügung, zusammen mit den Pisten auf der deutschen Seite 76 km. Hinzu kommen 42 km Langlauf-Loipen zwischen 1050 und 1.260 m ü. A. zur Verfügung sowie mehr als 50 km geräumte oder gespurte Winterwanderwege.
Seit 1891 ist das Kleinwalsertal Zollausschlussgebiet und somit deutsches Wirtschaftsgebiet. Das ermöglichte der Walser Bevölkerung zollfrei mit den benachbarten bayerischen Regionen zu handeln. Das erleichterte den Warenaustausch sehr, da damit zollfreier Handel nicht mehr nur zu Fuß über Berge und Pässe möglich war. Nach dem Beitritt Österreichs zur Europäischen Union 1995 verlor der Sonderstatus des Kleinwalsertal seine Bedeutung, da nun Österreich und Deutschland dem gleichen Wirtschaftsraum angehören. Folgende Sonderregelungen machten und machen das Zollausschlussgebiet einzigartig:
Trotzdem gibt und gab es einige Besonderheiten, die manchen als Kuriositäten vorkommen mögen. Bis zum EU-Beitritt mussten Güter aus Österreich in Deutschland verzollt oder die Einfuhrumsatzsteuer bezahlt werden, während deutsche Güter abgabenfrei bezogen werden konnten. Die Steuern musste man bis zur Einführung des Euro an das österreichische Finanzamt in D-Mark bezahlen. Ferner galt bei der Post ein Sondertarif. Für Sendungen nach Österreich galten die Inlands-Porti der österreichischen Post, für Sendungen nach Deutschland die Inlands-Porti der bundesdeutschen Post. Alle Postämter führen zwei Stempel, einen mit österreichischer Postleitzahl und einen zweiten mit deutscher Postleitzahl. Eigentlich sollten die deutschen Postleitzahlen zum 31. Dezember 2006 abgeschafft werden, wurden jedoch nach Protesten beibehalten.[10] Die deutsche Telefonvorwahl hingegen wurde abgeschafft.[11]
Noch heute dürfen festgenommene deutsche Staatsangehörige von der Polizei nicht über Deutschland nach Vorarlberg zu Gericht gebracht, sondern müssen mit dem Polizeihubschrauber "Libelle" des Innenministeriums (BMI) ausgeflogen werden. Andere Nationalitäten können allerdings auf herkömmliche Weise mit dem Streifenwagen auf dem Landweg über Deutschland befördert werden.
Nachdem es im Tal kurze Zeit keine Tankstelle gab, hat die Gemeinde Mittelberg eine Tankstelle gekauft, die Touristen sowie Bürger mit Treibstoff versorgen soll. Neben dieser neuen Tankstelle hat die Energieversorgung Kleinwalsertal (EVK) in Riezlern neben dem Stern-Areal eine Strom-Tankstelle für Elektroautos eröffnet.
Bei einer Lieferung ins Kleinwalsertal aus Deutschland oder aus der Europäischen Union ohne Österreich (gleichgültig ob deutsche oder österreichische Postleitzahlen verwendet werden) handelt es sich immer um eine innergemeinschaftliche Warenlieferung und ist somit von der Mehrwertsteuer befreit, sofern ein Unternehmer an einen Unternehmer liefert. Als Bestätigung hierfür ist eine gültige UID-Nummer ausreichend. Der gültige Satz für die volle Mehrwertsteuer beträgt wie in Jungholz 19 % (restliches Österreich 20 %) und orientiert sich damit an dem im Deutschland gültigen Satz.
Seit Dezember 1995 hat das Kleinwalsertal eine eigene Rettungswache mit einem Rettungswagen im Ortsteil Hirschegg. Ab Frühjahr 2011 zieht die Walser Rettung nach Riezlern um und bezieht eine neue Wache. Die Rettung besitzt mittlerweile sogar einen Bereitschafts-RTW um eine schnellstmögliche Versorgung zu gewährleisten. Der Rettungsdienst wird vom Bayerischen Roten Kreuz, Kreisverband Oberallgäu, betrieben. Grundlage für diese Zuständigkeit ist ein mit dem Österreichischen Roten Kreuz abgeschlossener Kooperationsvertrag.
Im Kleinwalsertal gibt es vier Allgemeinärzte, die auch als Notärzte fungieren. Kann kein Arzt alarmiert werden, da er z. B. schon bei einem anderen Einsatz ist, wird ein Notarzt aus dem benachbarten Oberstdorf angefordert. Jeder Ort hat eine eigene Freiwillige Feuerwehr, die alle dem Landesfeuerwehrverband Vorarlberg angehören. Die Gebietsstelle Kleinwalsertal des Österreichischen Bergrettungsdienstes gliedert sich in die zwei Ortsstellen Mittelberg-Hirschegg und Riezlern. Muss ein Hubschrauber angefordert werden, z. B. zur Bergung eines Schwerverletzten, wird grundsätzlich der C8 aus Nenzing, der Gallus 1 der Firma Wucher aus Zürs oder die Libelle aus Hohenems alarmiert. Des Weiteren gibt es in Hirschegg eine Polizeiinspektion, die PI Kleinwalsertal, die dem Bundesministerium für Inneres unterstellt ist. Die Alarmierung aller Rettungsorganisationen und der Notärzte erfolgt über die Vorarlberger Rettungs- und Feuerwehrleitstelle in Feldkirch.