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Klimaschutz ist der Sammelbegriff für Maßnahmen, die einer durch den Menschen verursachten globalen Erwärmung entgegen wirken und mögliche Folgen abmildern (Mitigation) oder sogar verhindern sollen[1]. Weil die Erderwärmung aus Sicht vieler Forscher bereits nicht mehr völlig zu stoppen, sondern nur noch abzumildern und zu begrenzen sei, wären neben der Verringerung des Verbrauchs fossiler Brennstoffe und Geo-Engineering Maßnahmen zur Anpassung an den unvermeidlichen Klimawandel nötig (Adaption), z. B. Deichbau und Katastrophenvorsorge.
Hauptansätze des Klimaschutzes sind zum einen die Verringerung des Ausstoßes von Treibhausgasen, die durch industrielle und landwirtschaftliche Produktion, durch Energieverbrauch im Verkehr, in Privathaushalten und im öffentlichen Raum freigesetzt werden. Zum anderen geht es um die Erhaltung und um die gezielte Förderung solcher Naturbestandteile, die das mengenmäßig bedeutsamste Treibhausgas Kohlenstoffdioxid aufnehmen (so genannte CO2-Senken). Dabei handelt es sich – neben den Ozeanen – zum einen um große Waldareale, namentlich tropische Regenwälder und boreale Wälder, aber auch um Feuchtgebiete wie Moore, Sümpfe und Flussauen.[2][3]
Zum Klimaschutz gehören neben großtechnischen Maßnahmen und makroökonomischen Ausrichtungen sowie der staatlichen und internationalen Klimaschutzpolitik auch Aufklärung und Verhaltensänderung der Individuen vor allem in Industriestaaten mit einem vergleichsweise hohen Energiekonsum und entsprechenden Verursacheranteilen an den weltweiten Treibhausgas-Emissionen.
Inhaltsverzeichnis
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Inzwischen haben die meisten Länder die völkerrechtlich verbindliche Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen von 1992 unterzeichnet, mit deren Hilfe eine gefährliche Störung des Klimasystems verhindert werden soll. In ihrer Folge wurde und wird vor allem über Reduktionsziele von Treibhausgasemissionen verhandelt, die im Kyoto-Protokoll verzeichnet sind. Dieses trat offiziell am 16. Februar 2005 in Kraft und enthält Regelungen bis zum Jahr 2012. Im Post-Kyoto-Prozess wird unterdessen über ein Nachfolgeregime für den anschließenden Zeitraum verhandelt.
Auf technischer Ebene existiert eine Vielzahl von Optionen zur Verminderung von Treibhausgasemissionen. So ließe sich auch mit heutigen Mitteln ein effektiver Klimaschutz realisieren.[4] Die Kosten einer solchen Vermeidungsstrategie sind allerdings nicht eindeutig abschätzbar; noch deutlich größere Unsicherheiten treten bei der Bezifferung der Folgekosten eines ungebremsten Klimawandels auf und hemmen die notwendigen Investitionen. Gleichwohl schätzt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung, dass ein effektiver Klimaschutz bis zum Jahr 2050 etwa 200 Billionen US-Dollar an Folgeschäden vermeidbar machte.[5][6]
Die Nutzung fossiler Brennstoffe zur Energieerzeugung leistet einen wesentlichen Beitrag zur Anreicherung von CO2 in der Atmosphäre. Daher wird aus Gründen des Klimaschutzes ein Umstieg auf CO2-arme oder -freie Energieträger angestrebt. Am ehesten bieten sich hierfür die erneuerbaren Energien, (erdgasbetriebene) Blockheizkraftwerke und Kernkraftwerke an[7]. Auch diese Energiequellen sind nicht völlig CO2-frei (Rohstoffgewinnung, Bau und Wartung der Kraftwerke, ggf. Gewinnung der organischen Brennstoffe), bieten jedoch teilweise eine deutliche Reduktion der spezifischen CO2-Freisetzung. Eine andere Möglichkeit liegt in der Erhöhung der Energieeffizienz von bestehenden Kraftwerken, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden, besonders in Ländern mit großen Ineffizienzen wie beispielsweise China. Dort werden Kraftwerke genutzt, deren Effizienz ca. 20 % unter dem Stand der Technik liegt.
Eine vollständig regenerative und damit auch kohlendioxidfreie Energieversorgung wird weltweit bis zum Jahr 2050 als technisch realisierbar angesehen[8] . In Deutschland wäre eine klimaverträgliche Energieversorgung sogar noch vor 2050 zu erreichen[9] . Hierzu muss aber das Tempo beim Ausbau der erneuerbaren Energien deutlich erhöht werden. Anderenfalls besteht das Risiko, dass durch vollständigen Verbrauch der fossilen Brennstoffe aller darin gebundene Kohlenstoff als CO2 freigesetzt sein wird. Unterdessen wird aber die Landfläche, die zur längerfristigen Akkumulation von CO2 in Biomasse, speziell in Wäldern und Mooren, geeignet ist, weltweit immer geringer. Alternative, technische Möglichkeiten zur Bindung von CO2 fehlen bisher bzw. sind energieintensiv, etwa die CO2-Sequestrierung.
Der als Beitrag zum Klimaschutz diskutierte Einsatz der Kernenergie ist unter Wissenschaftlern sowie in der Bevölkerung umstritten. Neben dem mit der Gewinnung, der Anreicherung und dem Transport des Urans verbundenen Ausstoßes von Kohlendioxid werden die Risiken eines Störfalls, bei dem Radioaktivität freigesetzt wird und die langfristige Lagerung des radioaktiven Abfalls als Kritikpunkte genannt. In Deutschland liegt der Anteil der Kernkraftwerke an der Stromerzeugung bei rund 26 % und der Gegenwert an vermiedenen Kohlendioxid-Emissionen bei jährlich 100-150 Millionen Tonnen [10]. Nach Ansicht einiger Experten und Politiker sind dabei die mit der Uranbereitstellung verbundenen Treibhausgasemissionen jedoch unberücksichtigt, was von den Betreibern der Kernkraftwerke bestritten wird [11]. Im Gegensatz zu Kernkraftwerken, die Strom aus Kernspaltung erzeugen, sollen Kernfusionsreaktoren die Kernfusion nutzen, werden aber voraussichtlich nicht vor 2050 marktreif sein, so dass sie für den Klimaschutz bis dahin keine Rolle spielen. Mit dem Forschungsreaktor ITER soll nachgewiesen werden, dass die Kernfusion auf diese Weise Energie liefern kann; ITER soll in etwa so viel thermische Energie erzeugen, wie er selber verbraucht, jedoch keinen Strom erzeugen. Außerdem dient er zur Entwicklung und Erprobung eines Verfahrens zur geplanten Erbrütung des als Brennstoff benötigten Tritiums sowie der Suche nach Materialien für den Reaktionsbehälter, der starker Neutronenstrahlung ausgesetzt sein würde.
Eine der so genannten großtechnischen Lösungen ist die Trans-Mediterranean Renewable Energy Cooperation (TREC), eine Initiative des Club of Rome und des Hamburger Klimaschutz-Fonds. Diese setzt sich für die Umsetzung einer kooperativen interkontinentalen Nutzung der Sonnenenergie ein. In Nord-Afrika und im Nahen Osten soll mittels thermischer Solarkraftwerke Strom erzeugt und durch Hochspannungs-Gleichstromleitungen (HVDC) nach Europa geleitet werden. Satellitengestützte Studien des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) bestätigen das überreichliche Angebot an Solarenergie sowie die Notwendigkeit, die Realisierbarkeit und den Nutzen einer möglichst baldigen Umsetzung der von TREC geforderten Maßnahmen. Mit weniger als 0,3 Prozent der verfügbaren Wüstengebiete in Nordafrika und im Nahen Osten kann genügend Energie und Trinkwasser für den steigenden Bedarf aller beteiligten Staaten erzeugt werden. Dies ermöglicht einen Stopp des Ausbaus von Kohle-, Gas- und Ölkraftwerken in allen beteiligten Staaten.
Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen werden von ihren Befürwortern auch mit anderen Initiativen zum Umweltschutz in Zusammenhang gebracht, so mit positiven Nebeneffekten für die Luftreinerhaltung (etwa in Städten). Die Verfechter von Präventivmaßnahmen führen auch ins Feld, dass die ökonomisch tragfähigen Produktionsraten der fossilen Energieträger ohnehin in kurzen (Öl: möglicherweise schon im laufenden Jahrzehnt, siehe Globales Ölfördermaximum) bis mittleren (Gas: max. 60 Jahre, Kohle: siehe Kohlefördermaximum) Zeiträumen an ihre Grenzen geraten, was zufolge von Gutachten wie dem Hirsch Report eine frühzeitige Umstellung auf alternative Energiequellen oder Kernkraftwerke notwendig mache[12].
Der als klimaschutztechnischer Idealfall vorzustellende weltweite Verzicht auf fossile Brennstoffe führt nach gängiger Lehrmeinung wegen der Trägheit des Abbaus von Treibhausgasen zu einer wenigstens für weitere 25 Jahre ungebremsten Erwärmung. Ein sofortiger, vollständiger Umstieg auf erneuerbare Energiesysteme gilt als nicht möglich, so dass Ersatztechnologien mit Hilfe fossiler Brennstoffe noch vor deren Ende entwickelt und gebaut werden müssen.
Auch die Reduktion von tierischen Produkten (wie beim Veganismus) kann zum Klimaschutz beitragen. Bei der Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch würden 6,5 Gramm Kohlenstoffdioxid (CO2) freigesetzt, bei einem Kilogramm Gemüse jedoch nur 0,15 Gramm CO2. Vegane Ernährung trägt dazu bei, den weltweiten Kohlendioxidausstoß zu reduzieren und fördert dadurch den Klimaschutz.
Um die Ziele des Kyoto-Protokoll zu erreichen, müssen der Primärenergieverbrauch im Energiemix gesenkt oder fossile Energieträger durch CO2-ärmere gezielt ersetzt werden.
2005 betrug der Primärenergieverbrauch in Deutschland 14 238 PJ. Dies entspricht einer mittleren Leistungsaufnahme von 451 Gigawatt bzw. 5473 Watt/Kopf bei einer Bevölkerung von 82,4 Mio. Menschen. Der Verbrauch gliedert sich in etwa wie folgt:
Im Bereich der Energieeinsparung, Erhöhung der Energieeffizienz und der Nutzung der erneuerbaren Energien in Haushalt, Gewerbe und Verkehr gibt es mittlerweile eine Vielzahl von technischen Lösungen:
Gute Isolation der Gebäudehülle (Dach, Fassaden, Fenster, Kellerdecke) und Einsatz von energieeffizienten Brennwertgeräten oder Wärmepumpen führt zum Niedrigenergiehaus oder zum KfW-geförderten Passivhaus. Zum Beispiel könnte die Stadt Freiburg im Breisgau durch gute Isolation der Wohngebäude 58 Prozent der CO2-Emissionen vermeiden [13].
Die Nutzung von Erneuerbaren Energien ist im Idealfall CO2-neutral.
Reduzierung des Transportbedarfs, die Verkehrsmittel selbst und ihrer Antriebe können hier einen Beitrag leisten.
Die öffentliche Hand kann hier durch eine kleinteilige Stadt- und Raumplanung Wegezwänge verringern. Mit dem Angebot von öffentlichen Fahrrädern versuchen mehrere Städte, das Fahrrad für kurze Entfernungen attraktiver zu machen. Ein attraktiver Öffentlicher Verkehr kann den Zwang zum Kraftfahrzeug reduzieren. Energiesparende Fahrzeuge können gefördert werden.
Organisationen wie KlimaINVEST [14], atmosfair [15] oder myclimate [16] ermöglichen Ausgleichszahlungen für vermeintliche Klimaschädigungen z. B. durch Flugreisen. Mit den freiwilligen Abgaben werden Klimaschutzprojekte gefördert.
Im Verkehr werden zudem nicht unumstrittene alternative Treibstoffe wie Biodiesel, Pflanzenöl, Bioethanol oder in der Entwicklung befindliche Biomass to Liquids eingesetzt.
Wichtig ist auch, dass die Effektivität des Energieeinsatzes erhöht wird. Erst mit deutlicher Steigerung der Energieeffizienz wird ein effektiver Klimaschutz möglich. Passivhäuser ermöglichen bereits heute eine Reduktion des Energieverbrauchs in Haushalten um bis zu 80 %, und für Fabrikgebäude sind ähnliche Konzepte verfügbar (vgl. BINE). Im Bereich Warmwasser, kann durch moderne Duschbrausen der Warmwasserverbrauch um bis zu 50 % gesenkt werden, ohne Komfortverlust. Die Forcierung der Energieeffizienz kommt damit dem Umbau zu einem klimafreundlichen Energiesystem sozusagen auf halber Strecke entgegen.
Siehe auch: Top-Runner-Programm
Unabhängig von der internationalen Klimaschutzpolitik, die bisher nur langsam vorankommt, kann jede/r Einzelne im persönlichen Rahmen und im sozialen Umfeld zur Vermeidung unnötiger Emissionen von Treibhausgasen beitragen. Allein durch persönliche Energieeinsparung kann der Durchschnittsverbrauch – und damit auch der CO2-Ausstoß – um 20-50 Prozent im Haushalt gesenkt werden. Auch Zurückhaltung beim Konsum von tierischen Produkten insbesondere aus der Rinderhaltung wird als individueller Beitrag zum Klimaschutz neuerdings deutlich unterstrichen.[17] Denn die für Milchwirtschaft, Butter- und Käseproduktion benötigten Rinder setzen in großen Mengen Methan frei, das erheblich zum anthropogenen Treibhauseffekt beiträgt. Ein einschlägiger Vergleich zeigt: Bei der Produktion von einem Kilo Rindfleisch werden 6,5 Kilogramm Kohlendioxid freigesetzt, bei einem Kilo Gemüse nur 0,15 Kilogramm CO2.
Sparsame Elektrogeräte verbrauchen zwischen einem und zwei Dritteln weniger Energie im Vergleich zu ineffizienten Geräten. Bei der Neuanschaffung energieeffizienterer Haushaltsgeräte, Heizungen und Fahrzeuge im Sinne des Klimaschutzes ist dabei zu prüfen, ob eine Weiterbenutzung ohne Neuanschaffung oder eine Second-Hand-Lösung über die Lebenszeit des Produkts betrachtet nicht die effizientere Alternative darstellt. Denn sowohl die Produktion neuer Geräte als auch die Entsorgung der Altgeräte sind meist sehr energieintensiv. Bei einem Neukauf kann der Markt nach Niedrigenergieprodukten abgesucht werden. Die Energieeffizienzklasse der EU gibt außerdem Auskunft über die Verbrauchswerte von Geräten, und für große Haushaltsgeräte gibt das Niedrig-Energie-Institut regelmäßig die Liste „Besonders sparsame Haushaltsgeräte“ heraus.[18]
Da der motorisierte Straßenverkehr einen sehr großen Anteil am Kohlendioxidausstoß hat, besteht hier ein großes Potential für persönliche Einsparungen. Hier bestehen je nach Anlass der Fahrt die Möglichkeiten, ganz auf eine Fahrt zu verzichten, sie durch Kombination mit anderen Zwecken zu verkürzen (Wegeketten), sie mit umweltfreundlicheren Verkehrsmitteln zurück zu legen oder sich ein sparsames Niedrigenergiefahrzeug zuzulegen. Durch Teilnahme am Carsharing kann der Energieverbrauch bei der Herstellung und Entsorgung eins Fahrzeuges auf viele Benutzer verteilt werden.
Zu den persönlichen Klimaschutzvorkehrungen, die Privatpersonen in ihrem jeweiligen Handlungsbereich treffen können, zählen in den Bereichen der Energieeffizienzsteigerung und des Energiesparens:
Mit ihrer Nachfrage, ihrem Kauf- und Mobilitätsverhalten können die Verbraucher individuell ebenfalls im Sinne des Klimaschutzes wirken, indem sie klimafreundlichere Produkte und Dienstleistungen verwenden:
Das Copenhagen Consensus Center an der Copenhagen Business School empfiehlt Geo-Engineering als effizientere Alternative zu Emissionsreduktionen.[22]