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| Strukturformel | ||||||||||||||||||||
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| Allgemeines | ||||||||||||||||||||
| Name | Coffein | |||||||||||||||||||
| Andere Namen | ||||||||||||||||||||
| Summenformel | C8H10N4O2 | |||||||||||||||||||
| CAS-Nummer | 58-08-2 | |||||||||||||||||||
| PubChem | 2519 | |||||||||||||||||||
| ATC-Code | ||||||||||||||||||||
| Kurzbeschreibung |
farb- und geruchsloser Feststoff[1] | |||||||||||||||||||
| Eigenschaften | ||||||||||||||||||||
| Molare Masse | 194,19 g·molâ1 | |||||||||||||||||||
| Aggregatzustand |
fest | |||||||||||||||||||
| Dichte |
1,23 g·cmâ3[1] | |||||||||||||||||||
| Schmelzpunkt | ||||||||||||||||||||
| Siedepunkt |
Zersetzung[1] | |||||||||||||||||||
| Dampfdruck | ||||||||||||||||||||
| Löslichkeit |
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| Sicherheitshinweise | ||||||||||||||||||||
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| LD50 | ||||||||||||||||||||
| Soweit möglich und gebrÀuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen. | ||||||||||||||||||||
Coffein (auch Koffein, Tein oder Thein) ist ein Alkaloid aus der Stoffgruppe der Xanthine und gehört zu den psychoaktiven Drogen aus der Gruppe der Stimulantien. Coffein ist der anregend wirkende Bestandteil von Genussmitteln wie Kaffee, Tee, Cola, Mate, GuaranĂĄ, Energy-Drinks und (in geringeren Mengen) von Kakao. In reiner Form tritt es als weiĂes, geruchloses, kristallines Pulver mit bitterem Geschmack auf.
Coffein ist weltweit die am hÀufigsten konsumierte pharmakologisch aktive Substanz.[3]
Inhaltsverzeichnis |
Auf Anregung Goethes untersuchte der Apotheker und Chemiker Friedlieb Ferdinand Runge Kaffeebohnen mit dem Ziel, die wirksame Substanz im Kaffee zu finden. 1820 gelang es Runge erstmals, aus den Kaffeebohnen reines Coffein zu isolieren. Er kann somit als Entdecker des Coffeins angesehen werden. UnabhÀngig von Runge gelang im Jahre 1821 den französischen Apothekern Pierre Joseph Pelletier, Joseph Bienaimé Caventou und Pierre Robiquet gemeinsam ebenfalls die Isolation des Coffeins. 1832 konnten Christoph Heinrich Pfaff und Justus von Liebig mit Hilfe von Verbrennungsdaten die Summenformel C8H10N4O2 bestimmen. Die chemische Struktur wurde 1875 von Ludwig Medicus als 1,3,7-Trimethylxanthin angenommen. Die vorerst nur angenommene Struktur konnte Hermann Emil Fischer 1895 durch die erste Synthese des Coffeins bestÀtigen. Der Wirkungsmechanismus wurde erst im 20. Jahrhundert erfolgreich erforscht.
Der in GrĂŒntee und Schwarztee enthaltene Wirkstoff, in der Umgangssprache oft als âTeinâ, âTheinâ oder âTeeinâ bezeichnet, ist ebenfalls Coffein. Diese frĂŒher ĂŒbliche Unterscheidung zwischen Coffein aus Kaffee und Tein aus Tee beruht auf der unterschiedlichen Freisetzung des Alkaloids: Coffein aus Kaffee ist an einen ChlorogensĂ€ure-Kalium-Komplex gebunden, der nach der Röstung und Kontakt mit der MagensĂ€ure sofort Coffein freisetzt und damit schnell wirkt. Coffein aus Tee hingegen ist an Polyphenole gebunden, wobei das Alkaloid erst im Darm freigesetzt wird. Die Wirkung tritt dann spĂ€ter ein und hĂ€lt lĂ€nger an.[13]
Coffein ist der Hauptwirkstoff des Kaffees. AuĂer in den Samen des Kaffeestrauchs kommt es auch in ĂŒber 60 anderen Pflanzen vor, wie zum Beispiel dem Teestrauch, GuaranĂĄ, dem Matebaum und der Kolanuss. Die chemisch mit Coffein eng verwandten Wirkstoffe Theophyllin und Theobromin finden sich ebenso in zahlreichen Pflanzenspezies. Ungeröstete Kaffeebohnen enthalten je nach Sorte etwa 0,9â2,6 % Coffein; nach der Röstung verbleiben 1,3â2,0 %. Dabei enthalten die Coffea-arabica-Sorten weniger Alkaloid als die Coffea-robusta-Typen.[13] Fermentierte und getrocknete TeeblĂ€tter, sogenannter Schwarzer Tee, enthalten â ebenso wie unfermentierter GrĂŒner Tee[14] â etwa 3â3,5 % Coffein.[15]
In den Pflanzen (insbesondere in ungeschĂŒtzten Keimlingen) wirkt es als Insektizid, indem es bestimmte Insekten betĂ€ubt oder tötet.[16]
Coffein kann mittels Extraktion aus TeeblĂ€ttern oder Kaffeebohnen, zum Beispiel mit einem Soxhlet-Aufsatz, gewonnen werden. Es fĂ€llt in groĂen Mengen bei der industriellen Entkoffeinierung von Kaffee an, wobei als Extraktionsmittel entweder Dichlormethan, EssigsĂ€ureethylester oder ĂŒberkritisches Kohlenstoffdioxid verwendet wird. Daneben wird Coffein hauptsĂ€chlich mittels Traube-Synthese industriell hergestellt.
Coffein ist ein Trivialname, der der Substanz wegen des Vorkommens in Kaffee gegeben wurde, der aber nichts ĂŒber die chemische Zusammensetzung aussagt. Nach der systematischen IUPAC-Nomenklatur lautet die vollstĂ€ndige Bezeichnung 1,3,7-Trimethyl-2,6-purindion, eine Kurzform 1,3,7-Trimethylxanthin â nach der chemischen Ableitung des Coffeins vom Xanthin. Es gehört zur Gruppe der natĂŒrlich vorkommenden Purine (Purinalkaloide), genauso wie die strukturĂ€hnlichen Dimethylxanthine Theophyllin und Theobromin.
Die Struktur des Coffeins besteht aus einem Doppelring, an dem sich auĂen mehrere Substituenten befinden. Dieser Doppelring im Kern entspricht der Grundstruktur des Purins. Er besteht aus zwei Ringen, einem 6er- und einem 5er-Ring, die jeweils zwei Stickstoff-Atome enthalten. AuĂen findet man an C-2 und C-6 jeweils ein doppelt gebundenes Sauerstoff-Atom. Beim Coffein befindet sich an N-1, N-3 und N-7 noch jeweils eine Methylgruppe (-CH3). Daneben gibt es noch das Isocoffein, bei dem eine der Methylgruppen nicht am N-7, sondern am N-9 hĂ€ngt. Dem Theophyllin fehlt von den drei Methylgruppen die an N-7, dem Theobromin fehlt die an N-1.
Reines Coffein ist unter normalen Bedingungen ein weiĂes, geruchloses, kristallines Pulver mit bitterem Geschmack. Coffein tritt in zwei enantiotrop polymorphen Kristallformen auf. Die bei Raumtemperatur stabile ÎČ-Form (Tieftemperaturform) wandelt sich bei 141 °C in die α-Form (Hochtemperaturform) um.[17] Diese schmilzt bei 236 °C.[2] Die RĂŒckumwandlung von α- zur ÎČ-Form ist kinetisch gehemmt, so dass die α-Form ĂŒber Wochen bei Raumtemperatur metastabil sein kann. Die Verbindung ist leicht sublimierbar (ab 178 °C). Die Löslichkeit ist zum Teil stark temperaturabhĂ€ngig:
| Wasser bei Normaltemperatur | 21,74 g/l |
| Wasser bei 80 °C | 181,82 g/l |
| Ethanol bei Normaltemperatur | 15,15 g/l |
| Ethanol bei 60 °C | 45,45 g/l |
| Aceton | 20,00 g/l |
| Chloroform | 181,82 g/l |
Coffein bildet bei Kristallisation aus Wasser ein kristallines Hydrat in Form langer Nadeln. Stöchiometrisch enthÀlt das Hydrat im Kristallgitter 0,8 mol Wasser pro Mol Coffein.[18]
Xanthinderivate wie das Coffein werden als schwache Basen bezeichnet, da sie Protonen ĂŒber ihre Stickstoffatome aufnehmen können. Dennoch sind Lösungen von Xanthinderivaten nicht alkalisch. Xanthinderivate werden zu den Alkaloiden gezĂ€hlt. Als Alkaloide werden generell alle physiologisch wirksamen, niedermolekularen stickstoffhaltigen Verbindungen, insbesondere pflanzlicher Natur, bezeichnet.
Das neben der Coffeinbase pharmazeutisch ebenfalls verwendete Coffeincitrat, ein Coffein-CitronensĂ€ure-Gemisch (ASK, Nomenklatur nach IUPAC: 1,3,7-Trimethyl-3,7-dihydro-2H-purin-2,6-dion + 2-Hydroxypropan-1,2,3-tricarbonsĂ€ure) hat die Summenformel C14H18N4O9, eine molare Masse von 386,31 g·molâ1 und die CAS-Nummer 69-22-7. Es ist ein weiĂes kristallines Pulver, löslich 1:4 in heiĂem Wasser (Dissoziation), 1:25 in Ethanol 96 %.[19]
Die wesentlichen Wirkungen des Coffeins sind:[20][21]
Coffein hat zwar ein relativ breites Wirkungsspektrum, doch ist es in geringen Dosen in erster Linie ein Stimulans. Darunter versteht man im Allgemeinen eine Substanz mit anregender Wirkung auf die Psyche, die Antrieb sowie Konzentration steigert und MĂŒdigkeitserscheinungen beseitigt. Es wird eine anregende von einer erregenden Wirkung des Coffeins unterschieden, wobei fĂŒr letztere eine höhere Dosis erforderlich ist. Bei niedriger Dosierung tritt fast ausschlieĂlich die zentral anregende Wirkung des Coffeins hervor, es werden also vor allem psychische Grundfunktionen wie Antrieb und Stimmung beeinflusst. Durch eine höhere Dosis kommt es auch zu einer Anregung von Atemzentrum und Kreislauf.
WĂ€hrend höhere Coffeinkonzentrationen auch die motorischen Gehirnzentren beeinflussen, wirkt das Coffein in geringeren Konzentrationen hauptsĂ€chlich auf die sensorischen Teile der Hirnrinde. Es kommt zu einer Erhöhung des Gehirntonus, d. h. der Spannung der HirngefĂ€Ăe. Aufmerksamkeit und Konzentrationsvermögen werden dadurch erhöht; die Steigerung von SpeicherkapazitĂ€t und Fixierung (mnestische Funktionen) erleichtert den Lernprozess. Mit der Beseitigung von ErmĂŒdungserscheinungen verringert sich das SchlafbedĂŒrfnis. Die Erhöhung des Blutdrucks ist gering und verschwindet bei lĂ€ngerfristiger Einnahme; ein Effekt kann erst wieder beobachtet werden, nachdem die Coffeineinnahme mindestens 24 h abgesetzt wurde.[23] Verursacht wird die milde Blutdruckerhöhung durch die zentralnervöse Stimulierung (Erregung des vasomotorischen Zentrums); dem wirkt eine gleichzeitige Senkung durch die Herabsetzung des peripheren Widerstandes kompensatorisch entgegen.[20] Die Stimmung kann sich bis zu leichter Euphorie steigern. In Folge von Assoziationsbahnung verkĂŒrzen sich die Reaktionszeiten, was zu einer Beschleunigung des psychischen Tempos fĂŒhrt. Gleichzeitig kommt es zu einer â nur minimalen â Verschlechterung der Geschicklichkeit, speziell bei Aufgaben, die exaktes Timing oder komplizierte visuomotorische Koordination erfordern. Das breite Wirkungsspektrum verdankt Coffein mehreren Wirkungskomponenten, die auf molekularer Ebene in bestimmte ZellvorgĂ€nge eingreifen. Coffein kann die Blut-Hirn-Schranke fast ungehindert passieren und entfaltet seine anregende Wirkung hauptsĂ€chlich im Zentralnervensystem.
Coffein in Genussmitteln, wie z. B. in Schwarztee oder Schokolade, kann insbesondere fĂŒr Kinder problematisch sein: so enthalten z. B. drei Dosen Cola und drei Schokoriegel etwa soviel Coffein wie zwei Tassen Kaffee (etwa 200 mg Coffein). Ein dreiĂig Kilogramm schweres Kind kommt somit auf eine Konzentration von 7 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht; eine Dosis, die ausreicht, NervositĂ€t und Schlafstörungen zu verursachen.
Coffein stand auf der Dopingliste des Internationalen Olympischen Komitees, allerdings waren die Grenzwerte so hoch, dass Sportler durchaus Kaffee zum FrĂŒhstĂŒck trinken konnten. Dennoch wurde am 25. Juli 2000 der spanische Radprofi Ăscar Sevilla (Team Kelme) âpositivâ auf Coffein getestet und daraufhin von seinem Verband von der StraĂen-Weltmeisterschaft ausgeschlossen. Die World Anti-Doping Agency hat mit Wirkung zum 1. Januar 2004 das Stimulans Coffein von der Liste der verbotenen Substanzen gestrichen.
Die orale LD50 fĂŒr eine Ratte liegt bei 381 Milligramm pro Kilogramm. Bei Menschen liegt die letale Dosis bei ungefĂ€hr 10 Gramm Coffein (5â30 g), was etwa 100 Tassen Kaffee entspricht.[26]
Die Wirkung des Coffeins begrĂŒndet sich auf zellulĂ€rer Ebene wie folgt: Im Wachzustand tauschen Nervenzellen Botenstoffe aus und verbrauchen Energie. Dabei entsteht Adenosin als Nebenprodukt. Eine der Aufgaben des Adenosins besteht darin, das Gehirn vor âĂberanstrengungâ zu schĂŒtzen. Es setzt sich an bestimmte Rezeptoren auf den Nervenbahnen (die Adenosinrezeptoren vom Subtyp A2a). Ist Adenosin gebunden, ist das ein Signal fĂŒr die Zelle, etwas weniger zu arbeiten. Das ist ein RĂŒckkopplungseffekt: je aktiver die Nervenzellen, desto mehr Adenosin wird gebildet und desto mehr Rezeptoren werden besetzt. Die Nervenzellen arbeiten langsamer und das Gehirn ist vor âĂberanstrengungâ geschĂŒtzt. Das Coffein ist dem Adenosin in seiner chemischen Struktur Ă€hnlich und besetzt dieselben Rezeptoren, aktiviert sie jedoch nicht. Adenosin kann nicht mehr andocken, und die Nervenbahnen bekommen kein Signal â deshalb arbeiten sie auch bei steigender Adenosinkonzentration weiter. Die Adenosinrezeptoren werden kompetetiv durch Koffein gehemmt. Analgetische, also schmerzhemmende Effekte des Coffeins werden diskutiert. Als Mechanismus werden auch hier die antagonistischen Effekte an den Adenosinrezeptoren und die damit verminderte Wirkung des Adenosins auf das ZNS angenommen. Adenosin wirkt an den sensorischen Nervenendungen schmerzerzeugend, indem es direkt auf spezifische A2-Rezeptoren einwirkt und eine Hyperalgesie verursacht.[27]
In höheren Dosen verhindert Coffein den enzymatischen Abbau von cAMP (cyclischem Adenosin-3â,5â-monophosphat). Dieses spielt im menschlichen Organismus als second Messenger eine wichtige Rolle in der Regulation zellulĂ€rer VorgĂ€nge. Coffein hemmt jene Enzyme, spezifische Phosphodiesterasen, die fĂŒr den Abbau von cyclischem zu acyclischem AMP verantwortlich sind. So kommt es durch den gehemmten Abbau zu einem Anstieg der cAMP-Konzentration in den Zellen.
Wenn ein Mensch ĂŒber lĂ€ngere Zeit hohe Dosen Coffein zu sich nimmt, verĂ€ndern sich die Nervenzellen. Sie reagieren auf das fehlende Adenosin-Signal und bilden mehr Rezeptoren aus, so dass wieder Adenosin-MolekĂŒle an Rezeptoren binden können. Die Nervenzellen arbeiten langsamer. Die anregende Wirkung des Coffeins ist also stark eingeschrĂ€nkt. Bereits nach 6 bis 15 Tagen starken Coffeinkonsums entwickelt sich eine derartige Toleranz.
Wird der Coffeinkonsum stark verringert, können Entzugserscheinungen wie Kopfschmerzen, Ăbelkeit usw. auftreten, die aber meistens nur von kurzer Dauer sind. Coffein ist preisgĂŒnstig und legal verfĂŒgbar und das weltweit am hĂ€ufigsten konsumierte Stimulans. Aus der wissenschaftlichen Literatur geht nicht klar hervor, ob Coffein als Suchtmittel anzusehen ist, es hat jedenfalls einige Gemeinsamkeiten mit typischen Suchtmitteln. Zu den wichtigsten gehören die Entwicklung von Toleranz sowie psychischer und körperlicher AbhĂ€ngigkeit mit Entzugserscheinungen. Toleranz tritt bei nicht unbedingt ĂŒbermĂ€Ăigem, aber bei regelmĂ€Ăigem Coffeingenuss auf.
Als Entzugsymptome wurden in einer empirischen Studie beobachtet:[28] Kopfschmerzen, Erschöpfung, Energieverlust, verminderte Wachsamkeit, SchlĂ€frigkeit, herabgesetzte Zufriedenheit, depressive Stimmung, Konzentrationsstörungen, Reizbarkeit und das GefĂŒhl, keine klaren Gedanken fassen zu können. In einigen FĂ€llen kamen auch grippe-Ă€hnliche Symptome hinzu. Die Symptome setzen zwölf bis 24 Stunden nach dem letzten Coffein-Konsum ein, erreichen nach 20 bis 51 Stunden das Symptommaximum und dauern etwa zwei bis neun Tage. Bereits eine geringe Menge Coffein fĂŒhrt zur RĂŒckfĂ€lligkeit.
Zu den Symptomen des Entzugs gehören auch VerÀnderungen der Theta-Wellen im Gehirn.[29]
Bei Ăberdosierung (Dosen ĂŒber 1 g) treten Erregungserscheinungen, stark beschleunigter Puls und Extrasystolen auf[30]; als Gegenmittel können Kohletabletten, Verapamil und Diazepam gegeben werden.
In sehr hoher Konzentration (ab etwa 10 mM im ZellauĂenraum) setzt Coffein Calcium2+-Ionen aus dem endoplasmatischen Retikulum frei. Das geschieht durch seine spezifische Bindung an Ryanodin-Rezeptoren. Aufgrund dieser Eigenschaft wird Coffein in der physiologischen Forschung verwendet. Die benötigte Dosis ĂŒbersteigt die letale Dosis von SĂ€ugetieren bei weitem, deshalb wird Coffein nur bei in vitro-Experimenten eingesetzt.
Coffein verstÀrkt die herzfrequenzsteigernde Wirkung von Sympathomimetika. Es wirkt beruhigenden Wirkstoffen wie Antihistaminika, Barbituraten entgegen. 50 mg Coffein können eine relative analgetische WirkungsstÀrke von 1,3 bis 1,7 bei gleichzeitiger Einnahme von AcetylsalicylsÀure oder Paracetamol (mögliche Einsparung von Schmerzmitteln) aufweisen. Disulfiram und Cimetidin reduzieren den Coffeinabbau im Körper. Rauchen sowie Barbiturate beschleunigen den Coffeinabbau im Körper. Die Ausscheidung von Theophyllin wird durch Coffein verringert. Bei gleichzeitiger Einnahme von Antibiotika der Gruppe Gyrasehemmer (Chinolone) ist eine mögliche Verzögerung der Ausscheidung von Coffein und seinem Abbauprodukt Paraxanthin gegeben. Coffein kann eine mögliche AbhÀngigkeit von Substanzen vom Typ Ephedrin erhöhen.
Personen mit Leberzirrhose (mögliche Coffein-Anreicherung), Personen mit Herzarrhythmien, wie Sinustachykardien/Extrasystolen (mögliche VerstÀrkung), Personen mit Hyperthyreose (mögliche VerstÀrkung der Nebenwirkungen von Coffein) und Personen mit Angstsyndrom (mögliche VerstÀrkung) sollten Coffein nur in geringen Dosen (etwa 100 mg/Tag) einnehmen.
Von regelmĂ€Ăiger Einnahme von hohen Dosen wird wegen des möglichen Auftretens von Coffeinismus abgeraten. In der Schwangerschaft sollte auf Coffein verzichtet werden.[31]
Zur Pharmakoepidemiologie des Coffeins liegen Untersuchungen zum Einfluss des Coffeins auf den Blut-Lipidstatus aus nationalen Untersuchungs-Surveys in der Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland vor. Unter anderem konnte eine Erhöhung der Triglyceride im Blutserum bei Probanden mit einem Gebrauch coffeinhaltiger Arzneimittel nachgewiesen werden.[32] Auch zum Coffein-Einfluss auf den Glucose- und Magnesium-Gehalt des Serums wurden Ergebnisse veröffentlicht. Danach wurden höhere Glucosespiegel und erniedrigte Magnesiumspiegel in Seren von Probanden gemessen, die coffeinhaltige Arzneimittel verwendeten[33]
Auf Bakterien, Pilze und Algen kann Coffein mutagen wirken; dies wird vermutlich durch Hemmung von Reparaturmechanismen der DNA bei diesen Lebewesen verursacht. Bei höheren Tieren oder dem Menschen konnte eine solche Wirkung bisher nicht nachgewiesen werden.[23]
Der Metabolismus von Coffein ist Spezies-spezifisch. Bei Menschen wird etwa 80 % des aufgenommenen Coffeins durch das Enzym Cytochrom P450 1A2 zu Paraxanthin demethyliert und weitere etwa 16 % werden in der Leber zu Theobromin und Theophyllin umgesetzt. Durch weitere partielle Demethylierung und Oxidation entstehen Urate- und Uracil-Derivate. Aus dem Urin können etwa ein Dutzend unterschiedlicher Coffein-Metaboliten extrahiert werden, aber weniger als 3 % des ursprĂŒnglich aufgenommenen Coffeins. Die Hauptausscheidungsprodukte im Urin sind Di- und Monomethylxanthin sowie Mono-, Di- und TrimethylharnsĂ€ure.
Die Pharmakokinetik von Coffein hĂ€ngt von vielen inneren und Ă€uĂeren Faktoren ab. Die Resorption von Coffein ĂŒber den Magen-Darm-Trakt in die Blutbahn erfolgt sehr rasch und nahezu vollstĂ€ndig: etwa 45 Minuten nach der Aufnahme ist praktisch das gesamte Coffein aufgenommen und steht dem Stoffwechsel zur VerfĂŒgung (BioverfĂŒgbarkeit: 90â100 %). Mit kohlensĂ€urehaltigen GetrĂ€nken wird Coffein sogar noch rascher aufgenommen. Die maximale Plasmakonzentration wird 15 bis 20 Minuten nach der Aufnahme des Coffeins erreicht. Die Verabreichung von 5â8 mg Coffein/kg Körpergewicht resultiert in einer Plasma-Coffeinkonzentration von 8â10 mg/l. Die biologische Halbwertszeit von Coffein im Plasma betrĂ€gt zwischen 2,5 und 4,5 Stunden (andere Quellen sprechen von 3â5 h) bei gesunden Erwachsenen. Dagegen erhöht sich die Halbwertszeit auf im Mittel 80 Stunden (36â144 h) bei Neugeborenen und auf weit ĂŒber 100 Stunden bei FrĂŒhgeburten. Bei Rauchern reduziert sich die Coffein-Halbwertszeit um 30â50 %, wĂ€hrend sie sich bei Frauen, die orale VerhĂŒtungsmittel einnehmen, verdoppelt. Bei Frauen, die sich im letzten Trimenon der Schwangerschaft befinden, steigt sie auf 15 Stunden an. Ferner ist bekannt, dass das Trinken von Grapefruitsaft vor der Coffeinzufuhr die Halbwertszeit des Coffeins verlĂ€ngert, da der Bitterstoff der Grapefruit die Metabolisierung des Coffeins in der Leber hemmt.
Zur Analytik des Coffeins werden chromatographische Verfahren bevorzugt. Insbesondere die Gaschromatographie, die HPLC und Kopplungen dieser Trenntechniken mit der Massenspektrometrie sind in der Lage, die geforderte SpezifitĂ€t und SensitivitĂ€t bei der Analytik komplexer Matrices in der physiologischen Forschung und in der lebensmittelchemischen Analytik zu gewĂ€hrleisten. In der pharmazeutischen Analytik wird auch die DĂŒnnschichtchromatographie zur qualitativen und quantitativen Bestimmung von Coffein eingesetzt. Auch Enzymimmunoassays (EIA) fĂŒr die Routineanalytik von Serum- oder Harnproben stehen zur VerfĂŒgung[34]. Die damit erzielten Ergebnisse können in ZweifelsfĂ€llen durch GC-MS- oder HPLC-MS-Verfahren ĂŒberprĂŒft werden.
Isoliertes natĂŒrliches oder synthetisches Coffein wird wegen seiner anregenden Wirkung manchen ErfrischungsgetrĂ€nken (Cola-GetrĂ€nke), Energy-Drinks und SĂŒĂwaren zugesetzt.
â siehe dazu auch: Gehalte in Lebens- und Genussmitteln sowie Medikamenten
Coffein erhöht die analgetische WirkstÀrke von AcetylsalicylsÀure oder Paracetamol um den Faktor 1,3 bis 1,7, so dass deren Dosis in Kombinationsarzneimitteln entsprechend reduziert werden kann. Solche coffeinhaltigen Kombinationsschmerzmittel sind besonders auch in der Behandlung MigrÀnekopfschmerzes angezeigt.
In Kombination mit dem Mutterkornalkaloid Ergotamin wird Coffein ebenfalls zur Behandlung des MigrÀneanfalls verwendet.
Coffeincitrat (Handelsname Nymusa) ist ein Arzneistoff, der zur Behandlung der primĂ€ren Apnoe (Atemstillstand ohne offensichtliche Ursache) bei FrĂŒhgeborenen angewendet wird.[35] Apnoe bei FrĂŒhgeborenen bezeichnet ein Aussetzen der Atmung ĂŒber mehr als 20 Sekunden. Da es nur wenige Patienten mit primĂ€rer Apnoe gibt â 32.000 Betroffene in der EU â gilt die Krankheit als selten, und Coffeincitrat (Nymusa) wurde am 17. Februar 2003 als Arzneimittel fĂŒr seltene Leiden (âOrphan-Arzneimittelâ) ausgewiesen. Coffeincitrat wird als Infusionslösung (20 mg/ml) verabreicht. Die Lösung kann auch eingenommen werden und ist auf Ă€rztliche Verschreibung erhĂ€ltlich.[36]
Coffein ist in Dosen von 50 â 200 mg zur kurzfristigen Beseitigung von ErmĂŒdungserscheinungen angezeigt.
Coffein-Natriumsalicylat, ein Salz des Coffeins, das im menschlichen Körper besser resorbiert wird als Coffein, wurde frĂŒher als Kreislauf- und Atemstimulans und Diuretikum verwendet. Heute ist diese Anwendung obsolet.
Coffein soll den Haarwuchs fördern, wie an der Friedrich-Schiller-UniversitÀt Jena entdeckt wurde,[37] was eine Verwendung bei Haarausfall denkbar macht. Die heute auf dem Markt erhÀltlichen Koffein-Shampoos und Tinkturen stehen allerdings im Ruf, voreilige und wissenschaftlich nicht gerechtfertigte Versprechungen zu ihrer Wirksamkeit abzugeben.[38]
Coffeinhaltige Hautcremes werden zur Hautstraffung und -glÀttung, z. B. bei Cellulite, beworben.
Produkte mit natĂŒrlichem Coffeingehalt:
Den folgenden Produkten wird ĂŒblicherweise synthetisch erzeugtes Coffein beigemischt. Teilweise wird aber auch natĂŒrliches Coffein, gewonnen bei der Kaffee-Entkoffeinierung, verwendet. Besonders sogenannten Wellness-Produkten wird hĂ€ufig natĂŒrliches Coffein als GuaranĂĄ-Extrakt zugesetzt.
Im Jahre 1997 erklÀrten Wissenschaftler in einem Appell an die Food and Drug Administration, dass es bedeutend sei, die Deklaration des Coffein-Gehalts in Lebensmitteln zur Pflicht zu machen.[41]
SicherheitsdatenblĂ€tter verschiedener Hersteller fĂŒr Koffein in alphabetischer Reihenfolge:
Coffein | IBMX | Paraxanthin | Theobromin | Theophyllin | Xanthin
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