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KohÀrentes Radar

Als kohÀrentes Radar wird ein Impulsradarsystem bezeichnet, welches mit stabilem Phasenbezug zwischen den einzelnen Sendeimpulsen arbeitet. Dieser stabile Phasenbezug ist nötig, um vergleichende Analysen zwischen den einzelnen Impulsfolgen herstellen zu können. Diese Vergleiche sind wiederum notwendig, um mit Hilfe der Dopplerfrequenz störende Echos von Festzielen wie GelÀndeerhebungen, Vegetation und Bebauung von den Echos von bewegten Zielen (Schiffe oder Flugzeuge) unterscheiden zu können.

Es gibt drei verschiedene RadargerÀtekonzepte:

  • nicht kohĂ€rentes Radar
  • voll kohĂ€rentes Radar
  • pseudokohĂ€rentes Radar.

Inhaltsverzeichnis

Nicht kohÀrentes Radar

Nicht kohÀrente Sendeimpulse: Jeder Sendeimpuls beginnt mit einer zufÀlligen Phasenlage.

Selbstschwingende Senderoszillatoren haben eine von Impuls zu Impuls zufÀllige Phasenlage und sind deshalb nicht kohÀrent. Jeder Sendeimpuls eines nicht kohÀrenten RadargerÀtes beginnt mit einer anderen Phasenlage. Nicht kohÀrente RadargerÀte werden heute noch als Schiffsradar eingesetzt. Die bewegte WasseroberflÀche (sea clutter) erschwert eine Bewegtzielerkennung. Bewegtziele werden bei SchiffsradargerÀten im Zielextraktor durch digitale Filter erkannt. Hierzu werden statistische Verfahren und Verfahren der nichtlinearen Dynamik eingesetzt.

FĂŒr RadargerĂ€te die bewegte Landfahrzeuge oder Luftfahrzeuge erkennen sollen, erfolgt die Bewegtzielerkennung durch Vergleich der Phasenlage von mindestens zwei Echosignalen (Puls-pair processing). Das Echo eines unbewegten Objektes hat immer die gleiche Phasenlage zum aktuellen Sendeimpuls. Bewegte Ziele, welche sich mit einer Radialgeschwindigkeit zur Radaranlage bewegen, liefern unterschiedliche Phasenlagen bei aufeinanderfolgenden Messungen. Ein nicht kohĂ€rentes Radar kann diese Phasenlage nicht sinnvoll miteinander vergleichen und somit bewegte Ziele nicht von Festzielen unterscheiden.


Voll kohÀrentes Radar

KohÀrenz: Jeder Sendeimpuls hat einen festen Phasenbezug zu einer Dauerstrichfrequenz

Waveform-Generatoren kleiner Leistung mit anschließender HochleistungsverstĂ€rkung bewirken eine konstante Phasenlage zwischen den Sendeimpulsen, also eine KohĂ€renz! Die Sendefrequenz wird aus einem stabil und andauernd schwingenden Muttergenerator erzeugt. Die Modulation der Leistungsendstufe des Senders beeintrĂ€chtigt nicht die Phasenlage des Sendeimpulses. Wenn angenommen wird, dass auch die Impulsfolgefrequenz (PRF) aus der Frequenz des Muttergenerators abgeleitet wird (und das ist in den meisten GerĂ€ten der Fall), dann startet wirklich jeder Sendeimpuls mit der gleichen Phasenlage. RadargerĂ€te, bei denen die Phasenlage so stabil ist, werden voll kohĂ€rent genannt. FĂŒr manche Anwendungen ist diese starre Phasenlage eigentlich nicht notwendig, Bedingung ist nur, dass ein KohĂ€renzoszillator eine phasenstabile Dauerschwingung liefert und jeder Sendeimpuls eine Phasenlage synchron zu der Schwingung des KohĂ€renzoszillators hat.


PseudokohÀrentes Radar

PseudokohĂ€rente RadargerĂ€te werden manchmal auch „kohĂ€rent auf dem Empfangsweg (coherent-on-receive radar)“ genannt. Bei einem pseudo-kohĂ€renten Radar schwingt zwar der Sender ebenso wie ein nichtkohĂ€rentes Radar mit zufĂ€lliger Phasenlage. Mit dem Sendeimpuls wird ein freischwingender, aber sehr stabiler KohĂ€rentoszillator synchronisiert, der dann wĂ€hrend der Empfangszeit mit der aktuellen Phasenlage des Senders weiterschwingt, bis der nĂ€chste Sendeimpuls ihn auf eine neue Phasenlage zwingt.

Da bei einer Modulation und der Demodulation die Phasenlage erhaltenbleibt, braucht der KohĂ€rentoszillator nicht auf der Sendefrequenz zu arbeiten, sondern er kann auf einer geringeren Zwischenfrequenz, die ja bei einem ÜberlagerungsempfĂ€nger ohnehin verwendet wird, schwingen. Dieser KohĂ€rentoszillator wird durch die Phasenlage des Sendesignals zwangssynchronisiert und liefert so die Referenzphase fĂŒr den Phasendiskriminator. Somit wird fĂŒr die Dauer der Empfangszeit die Phasenlage des letzten Sendeimpulses erhalten.

Eine zweite Möglichkeit der Speicherung der Phasenlage des Senders ist, den Sendeimpuls auf eine Verzögerungsleitung (Verzögerungszeit ist gleich der Impulsdauer des Sendeimpulses) zu schicken und durch RĂŒckkopplung somit eine Dauerschwingung auf der Sendefrequenz zu erzeugen. Auch dieses Signal hat, weil es ja vom Sendeimpuls direkt abstammt, die gleiche Phasenlage wie der Sendeimpuls. Dieses Verfahren wird noch in vielen Ă€lteren RadargerĂ€ten, die mit einem selbstschwingenden Hochleistungsoszillator arbeiten, angewendet.


Blockschaltbild pseudo.png
Blockschaltbild eines pseudokohÀrenten Radars

Arbeitsweise

Der Synchronisator liefert die Zeitreferenz fĂŒr die Entfernungsmessung. Alle zeitkritisch arbeitenden Baugruppen erhalten Synchronisationsimpulse. Der Modulator stellt fĂŒr die Sendezeit die Hochspannung fĂŒr die Senderöhre, meist ein Magnetron, bereit. Der Duplexer schaltet fĂŒr die Sendezeit die Antenne an den Sender und in der Empfangszeit an den EmpfĂ€nger.

Zwischen dem Sender und dem Duplexer wird ein kleiner Teil der Sendeenergie ausgekoppelt, um die Automatische Frequenzkontrolle (AFC) zu steuern und um die Phaseninformation fĂŒr den KohĂ€rentoszillator zu erhalten. Dieser HF-Anteil wird wie im EmpfĂ€nger auf die Zwischenfrequenz heruntergemischt. Bei der Mischung bleibt die Phaseninformation erhalten.

Der KohĂ€rentoszillator schwingt hochstabil auf der Zwischenfrequenz, wird aber zur Zeit des Sendeimpulses durch diesen zwangssynchronisiert. WĂ€hrend der Empfangszeit schwingt der KohĂ€rentoszillator mit der Phasenlage des letzten Sendeimpulses weiter und stellt fĂŒr die Phasendetektor eine Referenzfrequenz und die Referenzphase zur VerfĂŒgung.

Nachteile

Die Nachteile des pseudokohĂ€renten Radarverfahrens können folgendermaßen zusammengefasst werden:

  • Der Synchronisationsvorgang des KohĂ€rentoszillators kann nicht so genau wie bei einem vollkohĂ€renten RadargerĂ€t sein. Das reduziert die Erkennbarkeit langsam fliegender Flugzeuge.
  • Mit dieser Technologie können kaum Frequenzwechsel durchgefĂŒhrt werden. Ein Frequenzwechsel mit einem Magnetron erfordert mechanische Änderungen der Resonatoren.
  • Dieses System ist unflexibel und kann kaum grĂ¶ĂŸere Änderungen der PRF, der Sendeimpulsdauer oder anderer Parameter realisieren. Solche Änderungsmöglichkeiten bleiben dem voll kohĂ€renten RadargerĂ€t vorbehalten, welches diese Änderungen schon in Baugruppen mit geringem Leistungsaufkommen vornimmt. Eine Frequenzmodulation des Sendesignals (wie bei dem Pulskompressionsverfahren) ist ebenfalls unmöglich.
  • Überreichweiten von Festzielen haben noch den Phasenbezug des vorletzten Sendesignals. Da der KohĂ€rentoszillator aber schon mit der nĂ€chsten (zufĂ€lligen) Phasenlage arbeitet, können sie nicht mehr als Festziele erkannt werden. Sie sind deshalb bei dem pseudokohĂ€renten Radarverfahren immer als Störung auf dem SichtgerĂ€t sichtbar.

Literatur

  • Renato Croci, „Coherent-on-Receive Systems“, a brief overview, 28. Dezember 2003
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