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| RepĂșblica de Colombia Republik Kolumbien | |||||
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| Wahlspruch: âLibertad y Ordenâ span., âFreiheit und Ordnungâ | |||||
| Amtssprache | Spanisch | ||||
| Hauptstadt | BogotĂĄ, D.C. | ||||
| Staatsform | PrÀsidialrepublik | ||||
| Staatsoberhaupt und Regierungschef | PrÀsident Juan Manuel Santos | ||||
| FlĂ€che | 1.138.748 kmÂČ | ||||
| Einwohnerzahl | 46.413.791 (MÀrz 2012 gemÀà staatlichem Statistikamt DANE [1]) | ||||
| Bevölkerungsdichte | 36,8 Einwohner pro kmÂČ | ||||
| Bruttoinlandsprodukt nominal (2007)[2] | 171.607 Mio. US$ (41.) | ||||
| Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner | 4089 US$ (94.) | ||||
| Human Development Index | 0.710 (87.) | ||||
| WĂ€hrung | Peso (COP) | ||||
| UnabhÀngigkeit | von Spanien, 20. Juli 1810 erklÀrt, 7. August 1819 anerkannt | ||||
| Nationalhymne | Himno Nacional de la RepĂșblica de Colombia | ||||
| Zeitzone | UTC-5 Colombia Time (COT) | ||||
| Kfz-Kennzeichen | CO | ||||
| Internet-TLD | .co | ||||
| Telefonvorwahl | +57 | ||||
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Kolumbien (amtlich RepĂșblica de Colombia
[reËpuÎČÌlika ðÌe koËlombja], deutsch Republik Kolumbien; Kurzform auf Spanisch Colombia) ist eine Republik im nördlichen Teil von SĂŒdamerika. Es grenzt sowohl an den Pazifischen Ozean als auch an das Karibische Meer und auf dem Festland an Panama, Venezuela, Brasilien, Peru und Ecuador. Der Landesname ist von Christoph Kolumbus abgeleitet. BogotĂĄ ist Hauptstadt und wirtschaftliches und kulturelles Zentrum Kolumbiens.
Kolumbien liegt im Nordwesten SĂŒdamerikas und grenzt sowohl an den atlantischen (1.626 km KĂŒstenlinie), als auch an den pazifischen Ozean (1.448 km). Im SĂŒdwesten grenzt Kolumbien an die Nachbarstaaten Ecuador (590 km Grenzlinie) und Peru (1.626 km), im SĂŒdosten an Brasilien (1.645 km), im Nordosten an Venezuela (2.050 km) und im Nordwesten an das seit 1903 von Kolumbien abgetrennte Panama (225 km).
Die GesamtlÀnge der kolumbianischen Landesgrenze betrÀgt 6.136 Kilometer.
Kolumbien gliedert sich in sechs unterschiedliche GroĂrĂ€ume.
Die westliche HĂ€lfte Kolumbiens wird von den Anden dominiert, die in drei groĂe Bergketten geteilt sind: die westliche, die zentrale und die östliche Kordillere. Zwischen den Bergketten flieĂen die groĂen, teilweise befahrbaren FlĂŒsse Cauca und Magdalena ins Karibische Meer. Der Westen Kolumbiens entwĂ€ssert ĂŒber den Atrato in die Karibik, sowie ĂŒber die FlĂŒsse San Juan und BaudĂł in den Pazifik. Die Hochgebirge beherbergen die zum Teil aktiven Vulkane Galeras, Nevado del Huila (5.750 m), Nevado del Ruiz (5.400 m), PuracĂ©, Nevado del Tolima (5.215 m) und Nevado de Santa Isabel (4.965 m)
Im Norden Kolumbiens, an der KaribikkĂŒste gelegen, erhebt sich die 5.775 m hohe Sierra Nevada de Santa Marta, das höchste KĂŒstengebirge der Erde und gleichzeitig die höchste Erhebung Kolumbiens. Die höchsten Gipfel des isolierten pyramidenförmigen Gebirgsmassivs sind der Pico CristĂłbal ColĂłn sowie der Pico SimĂłn BolĂvar, beide jeweils 5.775 m hoch
Klimatisch weist der andine Raum die typische, von Alexander von Humboldt beschriebene Höhenstufung tropischer Hochgebirge auf.
Das karibische KĂŒstentiefland Kolumbiens ist weitgehend eben und, vom KĂŒstenstreifen abgesehen, relativ dĂŒnn besiedelt. Weite Teile des Tieflandes sind von groĂflĂ€chigen Sumpfgebieten geprĂ€gt, die eine VerkehrserschlieĂung erschweren. Kolumbien hat KĂŒsten sowohl am atlantischen wie am pazifischen Ozean. Die bekanntesten Inseln im Atlantik sind der Archipel von San AndrĂ©s und Providencia (770 km nordwestlich von Kolumbien), mit den Inseln San AndrĂ©s, Providencia, Santa Catalina, Roncador, Quita Sueño, Serrana und Serranilla. Die teils unbewohnten Inseln Roncador, Quita Sueño, Serrana zĂ€hlten bis in den 1980er Jahren zu den AuĂenbesitzungen der USA, da eine 1972 unterzeichnete RĂŒckgabevereinbarung durch den US-Senat nicht ratifiziert wurde.[3] Der karibischen KĂŒste vorgelagert sind die Insel Fuerte und die Archipele von San Bernardo und del Rosario.
Das pazifische KĂŒstentiefland ist, von wenigen HafenstĂ€dten abgesehen, weitgehend unbesiedelt, was insbesondere auf seine immerfeucht-heiĂen Klimabedingungen zurĂŒckzufĂŒhren ist. Pro Jahr können bis zu 10.000 mm Niederschlag fallen. Die Region ist weitgehend mit tropischem Regenwald bedeckt und von einer starken Vielfalt von Flora und Fauna geprĂ€gt, was eine ErschlieĂung zusĂ€tzlich erschwert. Als einzige Verkehrswege dienen praktisch die natĂŒrlichen WasserstraĂen, vor allem der Atrato, der in Richtung Karibik entwĂ€ssert. Im Pazifik liegen die Inseln Malpelo, westlich von Buenaventura, Gorgona, eine alte GefĂ€ngniskolonie und Gorgonilla
Die östliche LandeshĂ€lfte Kolumbiens ist durch dicht bewaldetes Flachland charakterisiert, durch das die FlĂŒsse Putumayo, Yapura, Meta und Guaviare flieĂen, die entweder im Orinoco oder im Amazonas mĂŒnden, und lĂ€sst sich in zwei GroĂrĂ€ume unterteilen, deren Unterscheidungsmerkmal in erster Linie die FlieĂrichtung der FlĂŒsse ist. Der Raum mit den Richtung Orinoco entwĂ€ssernden FlĂŒssen wird als Orinokien bezeichnet. Er ist in Kolumbien auch unter dem Namen Llanos Orientales bekannt. Das Gebiet ist weitgehend eben und weist als einziges Gebirge die SerranĂa de la Macarena auf, die zwar naturrĂ€umlich dem andinen Raum zugerechnet werden kann, jedoch wesentlich Ă€lter als die Andenkordilleren ist, was durch ihre nordwest-sĂŒdöstliche Orientierung dokumentiert wird. Die Llanos Orientales sind von einer Feuchtsavanne bedeckt, wobei die heftigen NiederschlĂ€ge der Regenzeit die wenigen StraĂen der Region oft unpassierbar machen. Vom OstfuĂ der Anden abgesehen, ist das kolumbianische Orinokien weitgehend unbesiedelt.
Das sĂŒdöstliche Viertel Kolumbiens umfasst den kolumbianischen Teil Amazoniens. Diese Region ist nahezu vollstĂ€ndig von dichtem Regenwald bedeckt, einer extrem hohen BiodiversitĂ€t geprĂ€gt und mit Ausnahme einer Anzahl indigener Bevölkerungsgruppen kaum besiedelt.
Die groĂen Seen Kolumbiens erstrecken sich auf die Anden. Einige sind: Laguna de Guatavita, Laguna de Tota, Laguna de Iguaque und die Laguna de La Cocha
Da der Ăquator durch Kolumbien lĂ€uft, liegt das Land in der tropischen Klimazone. Der Norden, also die KaribikkĂŒste, ist deutlich trockener als der Rest des Landes. Je nach Meereshöhe unterscheidet man vier Klimaregionen. In den FlachlĂ€ndern (Llanos) herrscht tropisches Klima ĂŒber 24 °C, zwischen 1.000 und 2.000 m gemĂ€Ăigtes Tropenklima (17â24 °C), zwischen 2.000 und 3.000 m kalttropisches (12â17 °C) und in den Bergregionen (PĂĄramos) ab 3.000 m Höhe hochalpines Gletscherklima (unter 12 °C).
Die Hauptstadt BogotĂĄ liegt in einer Höhe von 2.600 m ĂŒber dem Meeresspiegel und hat ein Jahresmittel von 14 °C. JĂ€hrlich gibt es zwei Regenzeiten (April und Oktober) und zwei Trockenzeiten, die aber nicht extrem ausfallen.
Am Westrand der Anden fĂ€llt die gröĂte Menge an Niederschlag. Im sĂŒdlichen Teil des Landes werden ca. 3.000 mm Niederschlag pro Jahr gemessen, im Norden bis zu 10.000 mm. Einige Orte mit einem Niederschlagsvolumen von bis zu 16.000 mm im Jahr gehören zu den regenreichsten Gebieten der Erde
In den östlichen Landesteilen regnet es weniger stark. Die Niederschlagsmenge in den HochtĂ€lern und Hochbecken betrĂ€gt aufgrund der Regenschattenseite etwa 1.000 mm. Teile der KaribikkĂŒste sind aufgrund des Passatwindes sehr regenarm (unter 400 mm Niederschlagsmenge pro Jahr und mÂČ).
Die ersten Monate der Trocken- bzw. der Regenzeit sind Dezember und Januar bzw. Mai bis Juli. Die Touristenorte werden allerdings zu dieser Jahreszeit auch von den Kolumbianern rege besucht. Gegen Ende der Trockenzeit ist das Land verdorrt und am Ende der Regenzeit toben die TropenstĂŒrme. Ăberschwemmungen sind keine Seltenheit. Im Hochland kann es nachts kalt werden.
Kolumbiens gröĂte StĂ€dte sind die Hauptstadt BogotĂĄ, MedellĂn, Cali, Cartagena de Indias, Barranquilla, IbaguĂ©, Manizales, Pasto, CĂșcuta und Bucaramanga.
Hinsichtlich der Artenvielfalt pro FlÀcheneinheit belegt Kolumbien weltweit den zweiten Platz. 10 % der weltweit vorhandenen Arten sind auf kolumbianischem Boden vertreten.
53,2 Mio. ha der FlĂ€che Kolumbiens sind mit natĂŒrlichen WĂ€ldern bedeckt; 21,6 Mio. ha mit anderen Vegetationstypen der Savannen-, Trocken- und Feuchtgebiete; 1,1 Mio. mit GewĂ€ssern, schneebedeckten Gebirgen, urbanen Siedlungen, wenigstens 38,4 Mio. ha der FlĂ€che Kolumbiens werden landwirtschaftlich bewirtschaftet bzw. erschlossen. Die wichtigsten Ăkosysteme Kolumbiens sind die feuchten TropenwĂ€lder (378.000 kmÂČ), die Savannenebenen (105.000 kmÂČ), Auen und TorfwĂ€lder (95.000 kmÂČ), der Andenwald (45.000 kmÂČ) sowie die Nieder- und AmazonaswĂ€lder (36.000 kmÂČ).
Der gröĂte natĂŒrliche Reichtum des Landes ist seine Flora, insgesamt kommen in Kolumbien zwischen 45.000 und 55.000 Pflanzenarten vor, davon allein 3.500 Orchideenarten, also 15 % aller auf der Welt existierenden Orchideenarten. Auch das Tierreich ist mit insgesamt 2890 Landwirbeltierarten sehr vielfĂ€ltig: mit 1721 Vogelarten sind 20 % aller weltweit vorkommenden Arten und mit 358 SĂ€ugetierarten 7 % der weltweit vorkommenden Arten vertreten. Zudem gibt es in Kolumbien 10 % aller Reptilienarten 6 % davon sind Amphibien.
Kolumbien verfĂŒgt jĂ€hrlich ĂŒber 2,1 Mrd. mÂł Wasserressourcen, die aus Feuchtgebieten, SĂŒmpfen, Lagunen, FlĂŒssen und anderen flieĂenden GewĂ€ssern stammen und das Grundwasser speisen.
Heterogene Bodenbedingungen, unterschiedliche Höhenstufen und Klimazonen, die den Ăbergang und Kontakt zwischen Amazonas und Anden einschlieĂen, bedingen eine groĂe BiodiversitĂ€t mit einer hohen Anzahl endemischer Arten. Kolumbien ist eines der LĂ€nder mit der gröĂten Artenvielfalt pro Gebietseinheit weltweit: Mit nur 0,7 % Anteil an der weltweiten Festlandsmasse vereinigt das Land 10 % aller Tier- und Pflanzenarten des Planeten auf seinem Staatsgebiet. Obwohl Kolumbien den Schutz seiner natĂŒrlichen Ressourcen bereits seit den 1970er Jahren vorantreibt, haben neben natĂŒrlichen Umweltkatastrophen (hĂ€ufig entweder bedingt durch extreme Trocken- oder Regenzeiten) vor allem das dynamische soziale und wirtschaftliche Wachstum und die militĂ€rischen Auseinandersetzungen in den letzten Jahrzehnten erhebliche UmweltschĂ€den mit sich gebracht.
Mit der Verfassung von 1991 hat sich das Land explizit einer nachhaltigen Entwicklung verschrieben; etwa 60 Verfassungsartikel beziehen sich direkt oder indirekt auf die Umwelt. Den normativen Rahmen fĂŒr die Ausgestaltung dieser Vorgaben bildet das Gesetz 99 von 1993, durch das ein Umweltministerium als Bestandteil des Nationalen Umweltsystems (Sistema Nacional Ambiental, kurz SINA) geschaffen wurde. Zum SINA gehören neben dem Ministerium unter anderem die Regionalentwicklungsbehörden, die mit dem Management der natĂŒrlichen Ressourcen und ihrer nachhaltigen Entwicklung beauftragt sind, stĂ€dtische Umweltplanungsbehörden und -systeme wie das DAMA in BogotĂĄ und der Ecofondo, der Zusammenschluss aller Umwelt-NGOs. Staatliche UmweltplĂ€ne sollen zur Erreichung der ehrgeizigen Ziele beitragen. Allerdings werden den Regionalentwicklungsbehörden unter anderem ĂŒberhöhte Betriebskosten, fehlende Investitionen in Umweltprogramme und die Aufgabe wieder aufgeforsteter Gebiete vorgeworfen. Diese und andere MĂ€ngel sollen deshalb mittels einer weitgreifenden Umweltsektorreform beseitigt werden. Dazu wurde bereits im MĂ€rz 2003 ein Gesetzesvorschlag vorgelegt; darĂŒber hinaus wurde das Umweltministerium im April 2003 zum Ministerio de Ambiente, Vivienda y Desarollo Territorial fusioniert. Derzeit gibt es Bestrebungen, die bereits seit Jahrzehnten bestehende Nationalparkverwaltung (UAESPNN â Unidad Administrativa Especial del Sistema de Parques) umzustrukturieren
Insgesamt wird die bisherige Umweltpolitik von PrĂ€sident Uribe oft als RĂŒckschritt bezeichnet, insbesondere, da die Umwelt- und Naturzerstörung als Folge des bewaffneten Konflikts von Jahr zu Jahr steigt.
Die UNESCO erklĂ€rte insgesamt fĂŒnf Gebiete in Kolumbien zu BiosphĂ€renreservaten.
Mit 46,4 Mio. Einwohnern ist Kolumbien nach Brasilien der bevölkerungsreichste Staat SĂŒdamerikas und hat auf Grund seiner Geschichte eine sehr diversifizierte Bevölkerungsstruktur. 74 % der Gesamtbevölkerung leben in den Ballungsgebieten und StĂ€dten, hauptsĂ€chlich in den TĂ€lern des RĂo Magdalena und des RĂo Cauca sowie an der KaribikkĂŒste. Allein in BogotĂĄ, der Hauptstadt und dem Zentrum der Industrie, lebt etwa 1/6 der Bevölkerung. Auf jedem Quadratkilometer leben durchschnittlich 36 Einwohner. 48,6 % sind MĂ€nner und 51,4 % Frauen.
Kolumbien ist durch eine sehr ungleiche Bevölkerungsverteilung charakterisiert. 39 Millionen Einwohnern im Andenraum sowie dem karibischen Tiefland steht nur eine Million in Amazonien, Orinokien und dem ChocĂł gegenĂŒber, d.h. rund die HĂ€lfte der LandesflĂ€che ist weitestgehend unbesiedelt. Mehr als zwei Drittel aller Kolumbianer leben in StĂ€dten. Im Gegensatz zu vielen anderen Staaten Lateinamerikas ist Kolumbien durch ein dezentrales StĂ€dtesystem charakterisiert. Neben BogotĂĄ haben sich mit MedellĂn, Cali und Barranquilla weitere MillionenstĂ€dte entwickelt. DarĂŒber hinaus gibt es eine groĂe Anzahl regionaler Zentren mit 200.000â600.000 Einwohnern, wie etwa Cartagena und Santa Marta an der KaribikkĂŒste, Bucaramanga und CĂșcuta im Nordosten des Landes, Pereira, Manizales und IbaguĂ© in der Mitte sowie Neiva, PopayĂĄn und Pasto im SĂŒden. Diese StĂ€dte erleben ein sehr dynamisches Wachstum.
Nur 0,3 % der kolumbianischen Bevölkerung sind AuslÀnder, aber 3 % der Kolumbianer leben im Ausland, davon 35,3 % in den USA, 23,4 % in Spanien und 18,5 % in Venezuela.[4]
Die Lebenserwartung eines Kolumbianers betrĂ€gt bei der Geburt 70,4 Jahre. 78 % der Bevölkerung sind jĂŒnger als 45 Jahre.
Die Bevölkerung setzte sich zur Kolonialzeit aus drei unterschiedlichen Gruppen zusammen: der indigenen Bevölkerung, den europĂ€ischen, zumeist aus Spanien stammenden Kolonisten und den importierten Sklaven afrikanischer Herkunft. Verbindungen zwischen diesen Gruppen waren und sind sehr weit verbreitet, so dass die heutige Bevölkerung des Landes aus einer Mischung dieser Gruppen besteht. Den gröĂten Anteil an der Bevölkerung stellen mit 48 % die Mestizen, deren Vorfahren EuropĂ€er und Indigene waren.
WĂ€hrend der Kolonialzeit wurde Kolumbien durch Einwanderer aus allen Regionen Spaniens besiedelt. Im frĂŒhen 18. und 19. Jahrhundert kamen Franzosen, Italiener, EnglĂ€nder und Iren hinzu. Weitere Einwanderer kamen aus Deutschland, Libanon, PalĂ€stina bzw. dem Nahen Osten.
Zur hellhĂ€utigen Bevölkerung gehören die WeiĂen, Nachfahren der europĂ€ischen Kolonisten, mit 30 % der Bevölkerung. Daneben sind mit 14 % die Mulatten und die Kreolen in der kolumbianischen Gesellschaft vertreten, Nachkommen von EuropĂ€ern und afrikanischen Sklaven.
Rein afrikanische Vorfahren haben 4 % der Bevölkerung, 3 % zĂ€hlen zu den Zambos, die von afrikanischen Sklaven und Indigenen abstammen. Im Dorf Palenque de San Basilio existiert die einzige spanischbasierte Kreolsprache in Lateinamerika. Die Menschen dort sind zum gröĂten Teil Nachfahren entlaufener Sklaven und sprechen Palenquero. Kolumbianer von teilweise oder vollstĂ€ndig afrikanischer Abstammung werden zusammenfassend als Afrokolumbianer bezeichnet. Die afrokolumbianische Bevölkerung lebt gröĂtenteils in den karibischen und pazifischen KĂŒstenrĂ€umen sowie deren Hinterland.
Der Anteil der Indigenen an der Gesamtbevölkerung betrĂ€gt 3,2 %. Sie verteilen sich auf 102 Volksgruppen. 6000 Menschen, die diesen Gruppen angehören, sind von der Ausrottung bedroht.[5] Die indigene Bevölkerung ist in erster Linie in den HochlĂ€ndern der Kordilleren, besonders im SĂŒdwesten des Landes, sowie in den Urwaldgebieten Amazoniens und des Pazifiktieflandes zu finden.
Die Wanderungsbewegungen vom Land in die Stadt sind massiv und werden dadurch verstĂ€rkt, dass ein GroĂteil der intern Vertriebenen vor dem bewaffneten Konflikt und Menschenrechtsverletzungen in die GroĂstĂ€dte flieht. Viele lassen sich an den StadtrĂ€ndern sichererer Regionen nieder und werden von der Polizei immer wieder gewaltsam vertrieben. Nach Angaben der internationalen Nichtregierungsorganisation CODHES wurden allein im Jahr 2010 in Kolumbien 280.000 Menschen vertrieben. Damit summierte sich die Gesamtanzahl der Binnenvertriebenen im Land auf 5.200.000. Die Regierung beziffert die Anzahl der Vertriebenen deutlich niedriger mit 109.358 neu Vertriebenen im Jahr 2010 und 3.600.000 insgesamt. Der groĂe Unterschied zwischen den Angaben der Nichtregierungsorganisation CODHES und denen der Regierung ist dem Umstand geschuldet, dass ein betrĂ€chtlicher Teil der Vertriebenen nicht im staatlichen Register der Vertriebenen (RUPD) erfasst ist. Nach Angaben der ComisiĂłn de Seguimiento de la Sociedad Civil (CSSC) sind 34,3 % der Vertriebenen nicht registriert. Von diesen hatten sich 72,8 % nicht bei den zustĂ€ndigen Behörden als Vertriebene gemeldet und 26,2 % von ihnen waren nicht im Register eingetragen, obwohl sie sich bei den zustĂ€ndigen Behörden gemeldet hatten. Die Tageszeitung junge Welt berichtete, dass allein im ersten Halbjahr 2008 in Kolumbien pro Tag durchschnittlich 1500 Menschen aus ihrem Dorf oder Wohnviertel vertrieben wurden. Vor dem Hintergrund des seit Jahrhunderten verbissen gefĂŒhrten Kampfes um Land richtet sich, forciert durch nationale und internationale kommerzielle Interessen, die Mehrzahl der Vertreibungen gezielt gegen Kleinbauern und lĂ€ndliche Gemeinden.[6][7][8] Ăber 30% (1,3 Millionen) der intern Vertriebenen sind Afrokolumbianer und 15% (600.000) Indigene. 96% der Afrokolumbianer, die als interne Vertriebene gemeldet sind, leben unter der Armutsgrenze.[9]
Die RechtsanwĂ€ltin Yenly Mendez vom kolumbianischen Anwaltskollektiv »Humanidad Vigente« (Wirksame Menschlichkeit) berichtete, dass die Menschenrechtsverletzungen in der Amtszeit der Uribe-Regierung zugenommen haben. In den ersten sechs Jahren der Uribe-Regierung habe es 1122 willkĂŒrliche ErschieĂungen durch staatliche SicherheitskrĂ€fte gegeben. GroĂprojekte zur Rohstoffnutzung wĂŒrden gnadenlos durchgezogen und störende Bewohner vertrieben. Als Beispiele nannte die RechtsanwĂ€ltin ein Goldbergwerk am Mittellauf des Magdalenaflusses, das mit Kapital aus SĂŒdafrika betrieben wird, StaudĂ€mme fĂŒr den Betrieb von Kraftwerken, sowie groĂe LĂ€ndereien, auf denen Pflanzen fĂŒr Agrotreibstoffe angebaut werden.[10] Oppositionelle wĂŒrden mit Drohbriefen und Morden eingeschĂŒchtert. Menschenrechtsorganisationen wĂŒrden von der Regierung als VerbĂŒndete der Guerilla gebrandmarkt, was die paramilitĂ€rischen Banden zu weiteren Gewalttaten ermutige. Versuche, eine Diskussion ĂŒber die gravierenden sozialen Probleme zu fĂŒhren, wĂŒrden von der Regierung mit dem Terrorismus in Verbindung gebracht. Verantwortlich fĂŒr die Vertreibungen seien die einst von GroĂgrundbesitzern gegrĂŒndeten paramilitĂ€rischen Gruppen, staatliche SicherheitskrĂ€fte und die Regierung. Einer der wichtigsten FĂŒhrer der ParamilitĂ€rs, Salvatore Mancuso, habe zugegeben, dass seine Truppen sogar vom VizeprĂ€sidenten und vom Verteidigungsminister unterstĂŒtzt werden. Dass gegen die Politiker ein Verfahren eröffnet werde, habe PrĂ€sident Uribe bisher durch Druck auf den Obersten Gerichtshof verhindert.[8]
Vertreter der Nationalen Indigenenvereinigung Kolumbiens (ONIC) beklagen die systematische Missachtung der Landrechte der Ureinwohner durch die StaatsfĂŒhrung. In der Amtszeit Uribes habe es mindestens 1200 Ermordete und 52.000 Vertriebene unter den Ureinwohnern gegeben. 18 Volksgruppen seien von der Ausrottung bedroht.[11][12] Diese Angaben aus dem Jahre 2008 werden in einem Bericht des UNHCR vom August 2010 noch getoppt. Darin wird gewarnt, dass mindestens 34 indigene Völker in Kolumbien aufgrund der anhaltenden Gewalt auf ihrem Land in ihrer Existenz bedroht sind. Die Zahl der Morde an kolumbianischen Indigenen sei von 2008 auf 2009 um 63 Prozent angestiegen. Der Anteil der Indigenen an Kolumbiens vier Millionen BinnenflĂŒchtlingen betrĂ€gt 15 Prozent, bei einem Bevölkerungsanteil von nur 2 Prozent.[13]
Der Anteil der stĂ€dtischen Bevölkerung ist von 57 % der Gesamtbevölkerung im Jahre 1951 auf 74 % 1994 gestiegen. DreiĂig StĂ€dte haben mehr als 100.000 Einwohner. Die östlichen Llanos Kolumbiens, die aus 9 Departamentos bestehen und 54 % der FlĂ€che ausmachen, beherbergen nur 3 % der Bevölkerung und haben damit eine Dichte von einer Person pro Quadratkilometer.
In Kolumbien wird die Religionsfreiheit als Grundrecht garantiert. Dominant ist die römisch-katholische Glaubensrichtung, der etwa 90 % der Bevölkerung angehören, jedoch verzeichnen evangelikale Gruppen in den letzten Jahren Ă€hnlich wie in anderen Staaten Lateinamerikas einen groĂen Zulauf. Die protestantische Minderheit setzt sich aus verschiedenen Traditionen zusammen; viele davon kommen aus den USA, aber auch aus England, Deutschland und Holland. Neben den Gemeinden, die aus den Missionsarbeiten von Neuapostolischen (ca. 6.000 Kirchenmitglieder)[14], Lutheranern, Calvinisten, Evangelikalen, Siebenten-Tags-Adventisten, Assemblies of God, Zeugen Jehovas (130.000)[15], Mormonen, Mennoniten, und charismatischen Strömungen entstanden, besteht in Kolumbien auch ein Bistum der Episkopalkirche der Vereinigten Staaten von Amerika. Weniger vertreten sind Judentum und Islam. Etwa 1 % der Bevölkerung gehört indigenen Religionen an.
Seit der Kolonialzeit wird Spanisch in Kolumbien als alleinige Amtssprache verwendet. Daneben existiert eine Reihe von bedeutenden Minderheitensprachen, die von der indianischen Bevölkerung gesprochen werden. Englisch wird gesprochen auf den Inseln San Andrés und Providencia.
Das kolumbianische Spanisch unterscheidet sich durch regionale Besonderheiten, indem beispielsweise anstatt des Personalpronomens tĂș fĂŒr die 2. Person Singular vos (voseo) verwendet wird (Valle del Cauca, Antioquia, Caldas, QuindĂo und Risaralda). Weiterhin wird die 2. Person Plural vosotros auch in informeller Sprache durch die 3. Person Plural ustedes ersetzt, die im europĂ€ischen Spanisch nur als Höflichkeitsform verwendet wird. Die Verben werden dabei anders konjugiert (im PrĂ€sens immer endbetont und mit abweichenden Imperativformen). DarĂŒber hinaus gibt es eine Reihe lexikalischer Abweichungen.
In Kolumbien leben 25,8 % der BĂŒrger unter dem vom Staat bestimmten Mindeststandard. Das sind 10 Prozentpunkte weniger als noch 1993. Den Daten der Weltbank zufolge lebten im Jahre 2006 mehr als 49 % der Kolumbianer in Armut. Davon galten 7 % als absolut arm, das heiĂt mit einem tĂ€glichen Einkommen von unter einem US-Dollar ausgestattet. Hinsichtlich der realen Kaufkraft, dem Grad der sozialen Ungleichheit sowie der subjektiv gefĂŒhlten Armut sagen diese Daten freilich wenig aus. Im Vergleich zu vormals erhobenen Daten der Weltbank zeigen sie jedoch, dass zumindest in relativen Zahlen eine leichte Verbesserung der Armutssituation eingetreten ist (2002: 58 %).[17] Den Daten der CEPAL (ComisiĂłn EconĂłmica para AmĂ©rica Latina) zufolge ist insbesondere keine Abnahme der sozialen Ungleichheit zu beobachten. Wenngleich die Zahl der absolut Armen seit mehreren Jahren kontinuierlich sinkt, hat sich am innergesellschaftlichen UngleichheitsverhĂ€ltnis in den letzten 50 Jahren kaum etwas geĂ€ndert. Nach dem Entstehen einer zahlenmĂ€Ăig geringen Mittelschicht wĂ€hrend der 1940er, 50er und 60er Jahre stagnierte die ungleiche Einkommensverteilung weiterhin auf hohem Niveau. So liegt der von der CEPAL fĂŒr den Zeitraum 2003/05 errechnete Gini-Koeffizient gegenwĂ€rtig bei 0,584 und hat sich damit im Vergleich zu 1998/99 (0,572) weiter verschlechtert.[18] Nach einer im Jahr 2009 veröffentlichten Untersuchung der Nationalen UniversitĂ€t in BogotĂĄ betrĂ€gt er 0,59. Der Leiter der Studie, Ricardo Bonilla, betonte, dass Kolumbien damit den schlechtesten Wert âdieser entehrenden Kategorieâ in ganz Lateinamerika aufweise. Gerade die Bevölkerungsteile mit niedrigen und mittleren Einkommen seien in den letzten Jahren in prekĂ€re BeschĂ€ftigungsverhĂ€ltnisse gedrĂŒckt worden, ihre Einkommen sind gesunken. Nur ein Drittel der BeschĂ€ftigten des Landes verfĂŒge ĂŒber Sozial- und Krankenversicherungen. Die reichen 20 Prozent der Bevölkerung verfĂŒgten ĂŒber 62 Prozent des gesamten Einkommens und seien damit verantwortlich fĂŒr den wesentlichen Teil des landesweiten Konsums. Den Anteil der sehr Armen an der Bevölkerung gibt die Studie mit 18 % an.[19] GrundsĂ€tzlich lebt man in der Stadt besser als auf dem Land, wobei das Leben in der Hauptstadt mit 19 % unter dem Standard im Vergleich zu allen anderen Ballungsgebieten am schlechtesten abschneidet. GroĂe Fortschritte wurden im Bereich der Schulbildung erreicht, da nur 2,4 % der Kinder nicht regelmĂ€Ăig die Schule besuchten, im Vergleich zu 8 % 1993. Auch die Anzahl an Familienmitgliedern, die zu dritt oder mehr in einem Zimmer schlafen, ist von 15,4 % auf 11 % gesunken, wobei aber die Familien, die in unsachgemĂ€Ăen UnterkĂŒnften leben, nur von 11,6 % auf 10,4 % gesunken ist.[20]
Bereits lange vor der Ankunft der Spanier lebten im Gebiet des heutigen Kolumbiens indianische Hochkulturen, die miteinander Handel trieben und insbesondere die Goldschmiedekunst auf höchstem Niveau beherrschten und die von ca. 4000 v. Chr. bis etwa ins Jahr 1600 Ton zu Figuren und GegenstĂ€nden verarbeiteten. Aufgrund der âchaotischenâ Landesnatur entwickelte sich im vorkolonialen Kolumbien jedoch nie ein einheitliches Staatsgebilde, wie dies das Reich der Inka in Peru darstellte. Unter den zahlreichen Indianervölkern, die Kolumbien besiedelten, sind besonders hervorzuheben: die Muisca, die auf den Hochebenen der Ostkordillere lebten; die Tayrona, die mit der so genannten Ciudad Perdida in der Sierra Nevada de Santa Marta eine der frĂŒhesten StĂ€dte auf dem sĂŒdamerikanischen Kontinent bauten; die SinĂș, die das Gebiet entlang des gleichnamigen Flusses bevölkerten; die Quimbaya im Gebiet der heutigen Kaffeezone an der Westabdachung der Zentralkordillere; und nicht zuletzt die geheimnisvollen Kulturen von San AgustĂn mit ihren Steinskulpturen und Tierradentro mit ihren bemalten Grabkammern, die bereits lange vor Ankunft der Spanier ihre Hochphasen erreichten.
âEntdecktâ wurde Kolumbien 1499 von Alonso de Ojeda und Amerigo Vespucci und nicht, wie oft angenommen wird, von Christoph Kolumbus, obwohl zu dessen Ehren das Land âKolumbienâ benannt wurde. Die beiden ersten Entdecker Kolumbiens gelangten zunĂ€chst zur Halbinsel âLa Guajiraâ, der sie im Glauben, es handle sich um eine Insel, zunĂ€chst den Namen âIsla de Coquivacoaâ gaben. Weitere Landesteile wurden dann spĂ€ter u.a. von Rodrigo de Bastidas oder auch Juan de la Cosa entdeckt, erforscht und oft auch geplĂŒndert. Kolumbus setzte nie einen FuĂ auf kolumbianischen Boden. Dies taten umso mehr die Conquistadoren, die angelockt von Gold und Smaragden in rascher Folge das Land besetzten, so z. B. Gonzalo JimĂ©nez de Quesada, der 1538 BogotĂĄ grĂŒndete, und SebastiĂĄn de BelalcĂĄzar, der vom heutigen Ecuador aus StĂ€dtegrĂŒndungen in Kolumbien vorantrieb. Aufgrund seiner zentralen Bedeutung fĂŒr die spanischen Besitzungen im nördlichen SĂŒdamerika wurde BogotĂĄ zum Sitz des âVizekönigreichs von Neu-Granadaâ erhoben. Cartagena de Indias entwickelte sich wĂ€hrend der Kolonialzeit zu einem der wichtigsten â und bestgeschĂŒtzten â HĂ€fen der neuen Welt.
Nach der Entdeckung Mittelamerikas durch spanische Seefahrer entstanden mit Santa Marta (gegr. 1525) und Cartagena de Indias (gegr. 1533) die ersten kolonialen StĂŒtzpunkte an der kolumbianischen KaribikkĂŒste.
Als im Jahr 1537 die ersten spanischen Entdecker unter Gonzalo JimĂ©nez de Quesada in das Andengebiet vordrangen, wurden die Chibcha unterjocht. Von SĂŒden aus Ecuador kommend, eroberte SebastiĂĄn de BelalcĂĄzar (1495â1551) den SĂŒden Kolumbiens. Von Westen kommend erreichte der Ulmer Kaufmann Nikolaus Federmann (1506â1542) im Jahre 1539 BogotĂĄ, um im Auftrag der Welser die Kolonisation des Landes voranzubringen. Die Spanier erbauten einige Siedlungen, welche die ehemaligen indianischen Handelszentren ersetzten, so zum Beispiel Santa FĂ© de BogotĂĄ (gegr. 1538) und Tunja (gegr. 1539). Wenig spĂ€ter erfolgte die GrĂŒndung einer Provinz, aus der sich das Vizekönigreich Neugranada entwickelte. Der Reichtum des Landes fĂŒhrte in den Jahren 1544, 1560 und 1586 zu Angriffen der Piraten unter Sir Francis Drake auf die zur Festung ausgebaute reiche Hafenstadt Cartagena. 80 Prozent der weltweiten Goldproduktion des 17. Jahrhunderts kam damals aus Kolumbien. In den Goldminen arbeiteten Indianer, von denen viele an SchwĂ€che und den Krankheiten verstarben, die die EuropĂ€er eingeschleppt hatten. Danach ĂŒbernahmen meist afrikanische Sklaven die Arbeit, die im Hafen von Cartagena zu kaufen waren. Die Stadt wurde im Jahre 1741 von einer englischen Armada mit 186 Kriegsschiffen angegriffen und von den spanischen Truppen unter Don Blas de Lezo verteidigt.
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Der Konflikt, der zur UnabhĂ€ngigkeit von Spanien fĂŒhrte, fand in Kolumbien zwischen 1810 und 1819 statt. Am Anfang stand eine Auseinandersetzung zwischen einer Gruppe von amerikanischen Patrioten und dem Spanier JosĂ© GonzĂĄlez Llorente in Bogota. Dieser hatte sich geweigert, der Gruppe der Patrioten eine Blumenvase zu ĂŒberlassen, um die sie ihn gebeten hatten. Die Art und Weise dieser Weigerung wurde von amerikanischer Seite als beleidigend empfunden; daraufhin begannen sie eine Revolte, die sich schlieĂlich zum âUnabhĂ€ngigkeitsschreiâ ausweitete.
Die zunehmende Herausbildung einer selbstbewussten Oberschicht in den Kolonien, gepaart mit der SchwĂ€chung Spaniens zur Zeit Napoleons, fĂŒhrte zur UnabhĂ€ngigkeitsbewegung. AngefĂŒhrt von SimĂłn BolĂvar, erklĂ€rte ein Land nach dem anderen seine UnabhĂ€ngigkeit. Nach zahlreichen Schlachten (u.a. Pantano de Vargas, Puente de BoyacĂĄ) gelang es Kolumbien, seine UnabhĂ€ngigkeit zu erringen. Der Traum BolĂvars von einem âGroĂ-Kolumbienâ, das Kolumbien, Venezuela, Ecuador und Panama vereinte, wĂ€hrte jedoch weniger als zehn Jahre. Das Gebilde zerfiel 1830 in seine Einzelteile und der Befreier verstarb verbittert in Santa Marta.
Zum PrĂ€sidenten wurde 1821 BolĂvar gewĂ€hlt. BolĂvar versuchte erfolglos die allgemeine Abschaffung der Sklaverei in Kolumbien zu erreichen. Die GroĂgrundbesitzer hatten eine zu groĂe Macht in der Gesellschaft, als dass nur durch das Gesetz die Sklaverei abgeschafft werden konnte. Erst in den 1850ern erlaubten die Landbesitzer die Abschaffung der Sklaverei. Das Motiv war allerdings, dass eine "freie" Arbeitskraft zu einem sehr niedrigen Lohn fĂŒr die Landbesitzer noch billiger war.[21]
1830, nach BolĂvars Tod, zerfiel die Föderation auch weil BolĂvars Versuche gescheitert waren, Peru und Bolivien zu gewinnen. Ecuador und Venezuela erklĂ€rten sich fĂŒr unabhĂ€ngig. Panama und Kolumbien bildeten Neugranada. Einem BĂŒrgerkrieg Ă€hnlich waren die Zeiten des Konfliktes zwischen Liberalen und Konservativen. Die Liberalen wollten einen Bundesstaat und rekrutierten sich aus dem BĂŒrgertum der HandelsstĂ€dte. Die Konservativen wollten einen starken Zentralstaat und kamen aus der Schicht der GroĂgrundbesitzer. 1863 setzten die Liberalen eine Verfassung durch und nannten den föderalen Staat Vereinigte Staaten von Kolumbien. 1886 erlieĂen die Konservativen eine Verfassung, in der Kolumbien wieder einen Zentralstaat, die heutige âRepublik Kolumbienâ, bildete. Kolumbien war die erste Demokratie Lateinamerikas und die zweite in Amerika nach den USA.
Kolumbien ist einer der Staaten, die durch den Zerfall GroĂkolumbiens im Jahr 1830 entstanden (die anderen sind Ecuador, Panama und Venezuela). Bis 1861 wurde es weiterhin als Neugranada bezeichnet, dann wurde es zu Ehren von Christoph Kolumbus in Kolumbien umbenannt. Bis zum Jahre 1903 gehörte auch das heutige Panama zu Kolumbien.
Erst 1886 gelang es, Kolumbien in einer zentralistisch gefĂŒhrten Republik zu einigen. Diese Republik wurde bereits 1898 erneut auf eine Probe gestellt, als sich die anhaltenden internen Konflikte im âKrieg der Tausend Tageâ entluden. Zwischen 1899 und 1902 kĂ€mpften die oppositionellen Liberalen gegen die konservative Zentralregierung, ohne dass eine der beiden Seiten einen klaren Sieg erringen konnte. Der verheerende Konflikt (ĂŒber 100.000 Tote) wurde schlieĂlich durch einen Friedensvertrag entschĂ€rft, der den Liberalen eine zukĂŒnftige Regierungsbeteiligung sichern sollte. Nichtsdestoweniger blieb die âkonservative Hegemonieâ (seit 1886) noch bis 1930 erhalten. Wesentlich schwerwiegender als die materiellen VerwĂŒstungen des Krieges war jedoch dessen auĂenpolitisches Nachspiel. So nutzten die USA im Jahre 1903 die SchwĂ€che Kolumbiens aus, um ihre geostrategischen Interessen in Panama durchzusetzen. FĂŒr den US-PrĂ€sidenten Theodore Roosevelt (1901â1908) war der Bau eines Schleusenkanals ĂŒber die Landenge von Panama ein militĂ€risches Gebot. Eine Abspaltung begĂŒnstigend war auch, dass der Isthmus nur schlecht in den kolumbianischen Zentralstaat integriert war und die dort ansĂ€ssige Handelsoligarchie sich von BogotĂĄ bevormundet und ĂŒbergangen fĂŒhlte. Zuvor hatte der kolumbianische Senat den von den USA forcierten Bau des Panamakanal unter Verweis auf einen drohenden SouverĂ€nitĂ€tsverlust abgelehnt, woraufhin die Vereinigten Staaten in Abstimmung mit der panamaischen Separationsbewegung die UnabhĂ€ngigkeit des Isthmusdepartements erzwangen. Kolumbien war derart geschwĂ€cht aus dem âKrieg der Tausend Tageâ hervorgegangen, dass es die von den USA militĂ€risch abgeschirmte MachtĂŒbernahme in Panama-Stadt widerwillig akzeptierte.[22]
In der ersten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts erlebte Kolumbien eine wirtschaftliche BlĂŒtezeit. In den 1920er Jahren machte Kaffee bis zu 90 % der kolumbianischen Exporte aus und ermöglichte es dem Land, in den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur zu investieren und die staatlichen Institutionen zu stĂ€rken. Die Schattenseite dieses Booms waren zunehmende soziale Spannungen zwischen einer reicher werdenden Oligarchie und einer verarmenden Landbevölkerung. Bis 1929 gedieh die Wirtschaft mit bis dahin unerhörten jĂ€hrlichen Wachstumsraten. Nach dem âschwarzen Freitagâ 1929 kam es zur Krise und 1930 zum Regierungswechsel. Die Liberalen brachten dem Land eine Bodenreform und die Industrialisierung. Die Ermordung des linkspopulistischen PrĂ€sidentschaftskandidaten Jorge EliĂ©cer GaitĂĄn am 9. April 1948 in BogotĂĄ war der Funke, der das Pulverfass zur Explosion brachte. Der bereits seit 1946 in lĂ€ndlichen Gebieten zwischen Liberalen und Konservativen tobende BĂŒrgerkrieg (La Violencia) wurde nun auch in die StĂ€dte getragen.
Zwischen 1948 und 1953 trat die so genannte Violencia (wörtlich âdie Gewaltâ) in ihre hĂ€rteste Phase ein. WĂ€hrend der konservative PrĂ€sident Mariano Ospina PĂ©rez (1946â50) eine Regierungsbeteiligung der Liberalen anstrebte und auf MĂ€Ăigung setzte, schlug sein ebenfalls konservativer Nachfolger Laureano GĂłmez ab 1950 einen radikalen Kurs ein. Obwohl er wegen seiner schlechten Gesundheit zeitweilig von Roberto Urdaneta ersetzt werden musste, blieb GĂłmez bis 1953 der bestimmende Mann im Hintergrund. WĂ€hrend seiner knapp dreijĂ€hrigen Regierung kamen etwa 80.000 Menschen in dem politischen Konflikt ums Leben. Die Violencia, die sich noch bis etwa 1963 hinzog, verursachte insgesamt mehr als 200.000 zivile Todesopfer. Nach Bildung der so genannten âNationalen Frontâ (1958), kehrte trotz einer umfassenden Amnestie unter PrĂ€sident Alberto Lleras Camargo (1958â62) noch kein Frieden ein. Der eliteninterne Pakt zwischen den FĂŒhrern der Konservativen (Kreis um Laureano GĂłmez) und der Liberalen (Fraktion um Alberto Lleras) hatte ein paritĂ€tisches Regierungssystem zur Folge, bei dem sich beide Traditionsparteien im Wechsel von vier Jahren an der Macht ablösten; dabei wurden sĂ€mtliche Ămter in der Staatsverwaltung ebenfalls paritĂ€tisch nach Parteizugehörigkeit besetzt. Das System, das formal bis 1974 bestand, dessen Wirkung jedoch noch bis in die 80er Jahre spĂŒrbar war, verstĂ€rkte den bereits bestehenden politischen Exklusivismus. Vor allem linksgerichtete Akteure (FARC, ELN, M-19, QuintĂn Lame, EPL etc.) sahen sich daher geradezu herausgefordert, mit Gewalt am politischen Prozess teilzunehmen. Von den wĂ€hrend der 60er und 70er Jahre entstandenen Guerillagruppen hatten jedoch nur die aus den liberalen bĂ€uerlichen Selbstverteidigungsgruppen (repĂșblicas independientes) hervorgegangenen FARC direkte Wurzeln in der Zeit der Violencia.
Nach dem kurzen â und fĂŒr Kolumbien untypischen â Intermezzo einer MilitĂ€rdiktatur unter dem von einem Teil der politischen Eliten gestĂŒtzten Gustavo Rojas Pinilla (1953â1957) setzte sich die traditionelle âdemokratische Herrschaftâ fort, wobei umfassende soziale Reformen weiterhin ausblieben. Bestimmte Strukturmerkmale des politischen Systems, wie zum Beispiel das starke Ăbergewicht der Exekutive oder der Ausschluss âradikalerâ Parteien verfestigten sich so mit der Zeit. Die formal Ă€lteste Demokratie SĂŒdamerikas nahm so den Charakter einer kartellhaften Konkordanzdemokratie an.[23]
Nach den liberalen Wahlsiegen von Alfonso LĂłpez Michelsen (1974â1978) und CĂ©sar Turbay Ayala (1978â1982) nahmen Korruption und Misswirtschaft zu. Die unterdrĂŒckte Opposition und die politische AbhĂ€ngigkeit von Polizei und Justiz fĂŒhrten zu Aushöhlung des Rechtsstaates. ParamilitĂ€rische VerbĂ€nde hielten Teile des Landes im Auftrag von MilitĂ€r und GroĂgrundbesitzern besetzt.
Die zeitgleich an wirtschaftlicher Macht gewinnende Drogenmafia sah sich seit Anfang der neunziger Jahre durch das Eingreifen der USA in den lokalen Drogenkrieg bedroht. Nach der Zerschlagung der groĂen Netzwerke Cali-Kartell und MedellĂn-Kartell im Drogenkrieg sind es mittlerweile kleinere dezentrale Netzwerke, die das Rauschgift, dessen Konsum in Kolumbien eine untergeordnete, aber stetig wachsende Rolle spielt[24], meist in den USA vertreiben
Seit Jahrzehnten dauerte nun schon ein bewaffneter Konflikt in Kolumbien an. Nach einer weiteren Welle von Gewalt und Terror verhĂ€ngte PrĂ€sident Ălvaro Uribe VĂ©lez am 12. August 2002 fĂŒr 90 Tage den Ausnahmezustand. Die im Jahre 2003 von Uribe begonnene Demobilisierung der ParamilitĂ€rs drohte zu scheitern. Ein Grund dafĂŒr war das spurlose Verschwinden des GrĂŒnders der ParamilitĂ€rs, Carlos Castaño, ein anderer die Forderung der ParamilitĂ€rs, fĂŒr ihre Taten, einschlieĂlich des Drogenhandels, weder bestraft noch an die USA ausgeliefert zu werden. Kolumbien bleibt weltweit das Land mit den meisten EntfĂŒhrungen und politischen Morden. Ein GroĂteil der von den UN beanstandeten Menschenrechtsverletzungen geht auf das Konto der ParamilitĂ€rs. Der Demobilisierungsprozess löste eine Kontroverse ĂŒber die Straffreiheit von Personen aus, die massive Verbrechen begangen haben. Daneben wird kritisiert, dass DrogenhĂ€ndler, die eine Auslieferung an die USA umgehen wollen, sich offiziell als ehemalige ParamilitĂ€rs ausgeben und so in den Genuss der Amnestie gelangen.
Ohne Einnahmen aus dem Drogenhandel hĂ€tten sich die nichtstaatlichen bewaffneten Akteure in Kolumbien nicht finanzieren können. Der Einsatz der IndustrielĂ€nder gegen Drogenimporte schadet daher automatisch den AufstĂ€ndischen.[25] Viele Beobachter halten den Krieg gegen die Drogen fĂŒr weitgehend verloren.[26]
1989 wurde das Ăbereinkommen ĂŒber eingeborene und in StĂ€mmen lebende Völker in unabhĂ€ngigen LĂ€ndern als Teil der Verfassung verabschiedet. Zwischen 1986 und 1990 erkannte die Regierung ĂŒber 200.000 kmÂČ Regenwaldgebiet in der Amazonasregion als kollektive indigene Territorien (resguardos) an. Zudem wurde eine eigene Kommission fĂŒr Indianerangelegenheiten und eine fĂŒr Umweltangelegenheiten eingerichtet.
Seit 1986 war MartĂn von Hildebrand Vorsitzender der Indigenenbehörde und Ratgeber des PrĂ€sidenten Virgilio Barco Vargas. Er grĂŒndete ein Netzwerk von Nichtregierungsorganisationen, eine Stiftung namens FundaciĂłn Gaia Amazonas.[27] Er legte das Programm COAMA[28] auf, dass sich um neue Wege des Umweltschutzes in Zusammenarbeit mit indigenen Gruppen bemĂŒht. Die staatenĂŒbergreifende Initiative CANOA ist inzwischen in Kolumbien, Brasilien und Venezuela tĂ€tig.[29]
Kolumbien ist seit 1886 eine demokratisch verfasste Republik mit einer politisch starken Stellung des PrĂ€sidenten nach US-amerikanischem Vorbild. Die (offizielle) Charakterisierung Kolumbiens als Demokratie beruht in erster Linie auf formalen Kriterien wie regelmĂ€Ăig abgehaltenen Wahlen und einer oberflĂ€chlichen institutionellen StabilitĂ€t. In qualitativer Hinsicht weist die kolumbianische Demokratie allerdings Defizite auf.
Der PrĂ€sident wird direkt vom Volk fĂŒr eine vierjĂ€hrige Wahlperiode gewĂ€hlt und kann â seit einer kĂŒrzlich erfolgten VerfassungsĂ€nderung â einmal wiedergewĂ€hlt werden. Ein VizeprĂ€sident hilft ihm bei den AmtsgeschĂ€ften. Der PrĂ€sident kann das Parlament auflösen und Neuwahlen erzwingen.
Als PrĂ€sidialrepublik ist Kolumbien verfassungsmĂ€Ăig in die Exekutive, Legislative und Judikative aufgeteilt. Das Parlament besteht aus zwei Kammern, heiĂt Kongress und setzt sich aus dem ReprĂ€sentantenhaus (CĂĄmara de Representantes) mit 166 Sitzen und dem Senat (Senado), der Vertretung der 32 Regionen, mit 102 Sitzen zusammen. Die geltende Verfassung wurde am 5. Juli 1991 nach einem Volksentscheid verabschiedet und gilt als eine der fortschrittlichsten â und umfangreichsten â der Welt. Fast alle Ămter, vom PrĂ€sidenten bis zum Abgeordneten, werden direkt vom Volk gewĂ€hlt. Als volljĂ€hrig gilt jeder ab dem 18. Lebensjahr und nur Mitglieder der Armee und Strafgefangene dĂŒrfen nicht wĂ€hlen. Der PrĂ€sident des Senats und die Senats- und Kongressabgeordneten werden fĂŒr eine Amtszeit von vier Jahren gewĂ€hlt.
Obgleich die Exekutive in formeller Hinsicht der Kontrolle der Judikative (Corte Suprema, Corte Constitucional, Consejo de Estado, Consejo Superior de la Judicatura) der Legislative und sogar einem Ombudsman (Defensor del Pueblo) untersteht, ist in der politischen Praxis ein starkes Ăbergewicht des PrĂ€sidenten zu beobachten. Der von Klientelismus und der Durchsetzung partikularer Interessen gekennzeichnete Kongress hat in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr von seiner Kontrollfunktion eingebĂŒĂt. Aktuelle Skandale wie die so genannte parapolĂtica (etwa 30 % aller Kongressabgeordneten stehen unter dem Verdacht, die Interessen der rechtsgerichteten und illegalen ParamilitĂ€rs zu vertreten) haben das Vertrauen in den Kongress erschĂŒttert. Ăhnliches gilt fĂŒr die unterschiedlichen Gerichtshöfe, deren Kompetenzen sich mehrfach ĂŒberschneiden. Dies fĂŒhrt gegenwĂ€rtig zu einer betrĂ€chtlichen LĂ€hmung des Justizsystems, das wie alle anderen Teile der Staatsverwaltung unter Korruption und Nepotismus leidet. In Folge dessen ist die sprichwörtliche Straffreiheit (impunidad) zu einem massiven innergesellschaftlichen Problem geworden. Insbesondere das 2004 erlassene Gesetz Gerechtigkeit und Frieden (Ley de Justicia y Paz) hat den weitgehenden Straferlass von mehr als 30.000 ParamilitĂ€rs zur Folge, unter denen sich auch zahlreiche âgewöhnliche Kriminelleâ verbergen.[30]
Die verfassungsmĂ€Ăige Stellung des PrĂ€sidenten gegenĂŒber dem Parlament (veto power) ist im Vergleich zu anderen Regierungssystemen der HemisphĂ€re ungewöhnlich stark und mit der politischen Reform des Jahres 2003 noch dominanter geworden. Der ehemalige PrĂ€sident, Ălvaro Uribe VĂ©lez, verfĂŒgte ĂŒber eine komfortable Mehrheit so genannter âUribismo-Parteienâ im Parlament, darunter der Partido de la U. Dabei handelt es sich jedoch keineswegs um historisch gewachsene und straff organisierte Parteien mit einer breiten Basis, sondern um Ad-hoc-WahlbĂŒndnisse. Die AnhĂ€nger dieser Wahlplattformen setzen sich ĂŒberwiegend aus Dissidenten der beiden Traditionsparteien zusammen, die zwar in der Vergangenheit eine groĂe AnhĂ€ngerschaft mobilisieren konnten, jedoch ebenfalls nicht entlang sozialer Konfliktlinien entstanden sind. Von einem definitiven Ende der klassischen âZwei-Parteien-Herrschaftâ (bipartidismo) kann daher noch keine Rede sein.
Obwohl Ălvaro Uribe keiner Partei angehört, maĂgebliche VerfassungsĂ€nderungen vorgenommen hatte (z. B. Wiederwahl) und sich als âPrĂ€sident aller Kolumbianerâ gab, bleibt das entscheidende Charakteristikum des politischen Systems unverĂ€ndert. Noch immer bestimmen die traditionellen Eliten ĂŒber die Verteilung der GĂŒter und die AusĂŒbung politischer Macht. Die wĂ€hrend des Frente Nacional (1958â62) entstandene kartellhafte Konkordanzdemokratie hat somit nur einen oberflĂ€chlichen Wandel erfahren. Qualitative Demokratiekriterien wie Partizipation und Pluralismus sind hingegen nur eingeschrĂ€nkt verwirklicht. Die auf einer massiven Militarisierung beruhende Politik der aktuellen Regierung (seguridad democrĂĄctica), gepaart mit dem Kompetenzzuwachs der Exekutive (Estado comunitario) stehen der Entwicklung einer starken Zivilgesellschaft und eines stabilen Rechtsstaates diametral entgegen. Internationale Organisationen wie Amnesty International kritisieren deswegen vor allem die negative Menschen- und BĂŒrgerrechtsbilanz der gegenwĂ€rtigen Regierung.[31]
Kolumbien ist Mitglied in der Union SĂŒdamerikanischer Nationen, der Organisation Amerikanischer Staaten, der CELAC und der Andengemeinschaft (CAN). Im Rahmen der CAN bemĂŒht sich Kolumbien um den Abschluss eines Assoziierungsabkommens mit der EU. Kolumbien ist auĂerdem Mitglied der Weltbank, der WTO, der IDB und des IWF, der G3 und den Vereinten Nationen. Beitrittsverhandlungen zum Mercosur werden gefĂŒhrt. Kolumbien hat in den vergangenen Monaten erste Anstrengungen unternommen, um mit den zentralamerikanischen Staaten El Salvador, Guatemala und Honduras ein Freihandelsabkommen zu vereinbaren. Mit den USA hat Kolumbien einen bilateralen Freihandelsvertrag abgeschlossen, dessen Ratifizierung durch das nordamerikanische Parlament im Juni 2007 noch aussteht. Mit der OECD unterhĂ€lt Kolumbien Arbeitsbeziehungen
Die kolumbianische Nationalflagge trĂ€gt die âbolivarianischenâ Farben Gelb-Blau-Rot Das Staatswappen zeigt die Landenge von Panama, den Kondor als Wappentier sowie den Leitspruch âFreiheit und Ordnungâ. Die kolumbianische Nationalhymne mit dem Titel âO unverwelklicher Ruhmâ entstand Ende des ausgehenden 18. und des beginnenden 19. Jahrhunderts. Sie wurde von Rafael NĂșñez geschrieben und von dem Italiener Oreste Sindici vertont. Sie wurde im Jahr 1928 die offizielle Hymne des Landes. Bei offiziellen AnlĂ€ssen wird nur die erste Strophe gesungen. Als erste Hymne Kolumbiens wird allgemein ein Volkslied aus dem SĂŒden des Landes âLa Guaneñaâ angesehen.
Seit Jahrzehnten schwelt in Kolumbien ein bewaffneter Konflikt zwischen linksgerichteten Guerillatruppen, rechtsgerichteten ParamilitĂ€rs und der regulĂ€ren kolumbianischen Armee. SĂ€mtliche beteiligte Parteien machten und machen sich schwersten Menschenrechtsverletzungen schuldig. Die Opfer stammen mehrheitlich aus der Zivilbevölkerung. Besonders gefĂ€hrdet sind indigene Gemeinschaften, Afro-Kolumbianer und Kleinbauern, welche in Gebieten leben, die fĂŒr die Konfliktparteien von besonderem strategischem oder ökonomischen Interesse sind. Millionen Menschen wurden wĂ€hrend dieses Konflikts aus ihren angestammten Orten gewaltsam vertrieben. Auch Menschenrechtsverteidiger, Journalisten, Gewerkschafter, Sprecher von OpferverbĂ€nden sowie Opfer paramilitĂ€rischer Banden, die Restitution ihres Landbesitzes oder EntschĂ€digung fordern, sind besonders gefĂ€hrdet.
Im Fall von Vertreibungen wird den Opfern hÀufig vom Staat die Anerkennung als Vertreibungsopfer verweigert. Demzufolge gehen auch die offiziellen Zahlen und jene von Nichtregierungsorganisationen stark auseinander. GemÀà der Regierungsbehörde Acción Social wurden im Jahr 2009 etwas mehr als 154.000 Menschen vertrieben, wÀhrend die Nichtregierungsorganisation CODHES von mehr als 286.000 ausgeht. Insgesamt hat die Acción Social seit 1997 bis Juli 2010 3,3 Millionen Vertriebene registriert, CODHES dagegen 3,9 Millionen.
Die kolumbianische Regierung hatte 2005 ein Gesetz fĂŒr âFrieden und Gerechtigkeitâ (justicia y paz) erlassen, das den Grundstein fĂŒr den Reintegrationsprozess der Demobilisierten und die EntschĂ€digung ihrer Opfer bilden sollte. Die Erfolge sind jedoch mager.[32][33]
Der Vertreter des UN-Hochkommissariats fĂŒr Menschenrechte in Kolumbien, Christian Salazar, erklĂ€rte das Verschwindenlassen von Menschen zu einem der âschwersten Menschenrechtsverbrechenâ. In den letzten 30 Jahren seien in Kolumbien mehr als 57.200 Menschen verschwunden, von denen nur 15.600 auf offiziellen Opferlisten auftauchten, obwohl die Generalstaatsanwaltschaft wahrscheinlich sogar ĂŒber mehr als 26.500 FĂ€lle von Verschwundenen informiert worden sei.[34]
Sowohl die RevolutionĂ€ren StreitkrĂ€fte Kolumbiens (FARC) als auch die Nationale Befreiungsarmee (ELN) begingen im Jahr 2010 weiterhin mehrfach schwere VerstöĂe gegen die Zivilbevölkerung und das internationale Völkerrecht. Insbesondere die FARC sind hĂ€ufig fĂŒr Morde, Bedrohungen, gewaltsame Vertreibung die Rekrutierung von Kindersoldaten und Geiselnahmen verantwortlich zu machen. Sowohl die FARC als auch die ELN benutzen weiterhin die international geĂ€chteten Anti-Personen-Landminen, denen sowohl SicherheitskrĂ€fte als auch zahlreiche Zivilisten zum Opfer fielen.[33]
Seit 2003 sollen 30.000 Angehörige paramilitĂ€rischer Gruppen demobilisiert worden sein. Jedoch gibt es starke Hinweise dafĂŒr, dass viele von denen entweder keine ParamilitĂ€rs waren oder dem bewaffneten Kampf nicht abschwörten. Viele angeblich demobilisierten Truppen setzten ihre Aktionen unter neuer FĂŒhrung, meist aus dem ehemaligen mittleren Kommando, fort, um die Kontrolle ĂŒber zahlreiche Gebiete zu erhalten. Terror gegen Zivilisten ist dabei weit verbreitet. Laut Angaben der kolumbianischen Polizei hatten diese Organisationen im Juli 2010 rund 7350 Mitglieder. Die NGO Instituto de Estudios para el Desarrollo y la Paz (Institut fĂŒr Studien der Entwicklung und des Friedens) schĂ€tzte die Zahl der bewaffneten KĂ€mpfer jedoch auf rund 6000, die sich auf 29 der insgesamt 32 Departamentos Kolumbiens ausgebreitet hĂ€tten. Die UnterstĂŒtzung durch offizielle Sicherheitseinheiten ist ein Hauptgrund fĂŒr das Wiedererstarken der Nachfolgerorganisationen.
Ebenso wie die ehemaligen ParamilitĂ€rs sind deren Nachfolger fĂŒr Drogenhandel, aktive Rekrutierung von MitkĂ€mpfern, weit verbreiteten Missbrauch, wie Morde, Massaker, Vergewaltigungen und gewaltsame Vertreibung verantwortlich. Nach Angaben der kolumbianischen Regierung waren die Bacrim genannten Erben der ParamilitĂ€rs fĂŒr 47 Prozent der 15.400 im Jahr 2010 begangenen Morde in Kolumbien verantwortlich.[35]
Kolumbiens Oberster Gerichtshof hat in den letzten Jahren groĂe Fortschritte bei der Aufarbeitung der Verbindungen zwischen Kongressmitgliedern und ParamilitĂ€rs gemacht. Im Zuge des sogenannten âParaskandalsâ wurden Untersuchungen bei bis zu 150 Kongressmitgliedern eingeleitet, die meisten davon aus der Koalition von Ex-PrĂ€sident Ălvaro Uribe. Letztendlich wurden 20 Anklagen erhoben. Uribes Regierung hatte entsprechende Untersuchungen regelmĂ€Ăig versucht zu sabotieren, unter anderem mit öffentlichen oder persönlichen Attacken gegen Mitglieder des Obersten Gerichts. Der neue PrĂ€sident Santos versprach die Achtung der UnabhĂ€ngigkeit der Gerichte.
Ein Gesuch der kolumbianischen Koalition gegen Folter (CCCT), das Fakultativprotokoll zum Ăbereinkommen gegen Folter zu ratifizieren, wurde von der kolumbianischen Regierung abgelehnt. Die Ratifizierung wĂŒrde es unabhĂ€ngigen internationalen Organisationen ermöglichen, Inspektionen von Haftorten durchzufĂŒhren. Die Ablehnung wurde damit begrĂŒndet, dass das Protokoll in Kolumbien unnötig sei, weil verschiedene Mechanismen auf allen staatlichen Ebenen existierten, die Folterungen verhĂŒteten.[36]
In den vergangenen Jahren kam es seitens des regulĂ€ren kolumbianischen MilitĂ€rs zu einer auĂerordentlich hohen Zahl auĂergerichtlicher Tötungen von Zivilisten. Darunter befinden sich die sogenannten âFalsch Positivenâ, Zivilisten, die ermordet und in Uniformen der FARC gesteckt wurden, um ein von der Regierung ausgelobtes Kopfgeld fĂŒr jeden getöteten FARC-KĂ€mpfer zu erhalten.
Die meisten bekannten illegalen Hinrichtungen fanden zwischen 2006 und 2008 statt, als der aktuelle PrĂ€sident Juan Manuel Santos Verteidigungsminister war. Nachdem die Zahl der illegalen Hinrichtungen durch MilitĂ€rangehörige im Jahr 2009 stark abgenommen hatte, gab es im Jahr 2010 nach Angaben der kolumbianischen Nichtregierungsorganisation CINEP wieder 58 Prozent mehr FĂ€lle und 70 Prozent mehr Opfer als im Jahr 2009. Damals waren es sieben FĂ€lle mit 16 Opfern, wĂ€hrend 2010 zwölf FĂ€lle mit 23 Opfern registriert wurden. Im Unterschied zu frĂŒher wĂŒrden die Opfer nun nicht mehr als Guerilla-KĂ€mpfer prĂ€sentiert, sondern als Verbrecher.[37] Zwischen 2001 und 2010 habe es insgesamt 887 auĂergerichtliche Hinrichtungen, auĂerdem FĂ€lle von Folter, Vertreibung und anderen Straftaten durch offizielle Einheiten von Polizei oder MilitĂ€r gegeben.[38]
Seitens der MilitÀrjustiz werden entsprechende Untersuchungen hÀufig behindert, indem man sich weigert, entsprechende FÀlle an normale Zivilgerichte abzugeben.
Kolumbien gilt als eines der gefĂ€hrlichsten LĂ€nder fĂŒr Gewerkschafter. Von 1997 bis 2010 zĂ€hlte die Nichtregierungsorganisation fĂŒr Arbeiterrechte ENS 2800 Morde, zumeist ausgefĂŒhrt von paramilitĂ€rischen Gruppen. Zwar ist die Zahl in letzter Zeit gesunken, jedoch wurden auch zwischen 2007 und 2009 jĂ€hrlich zwischen 39 und 52 FĂ€lle berichtet.
Menschenrechtsverteidiger sind regelmĂ€Ăig Ziel von Bedrohungen oder körperlichen Angriffen. Allein in der ersten HĂ€lfte des Jahres 2010 wurden sieben Aktivisten getötet und 51 waren ernsthaften Bedrohungen ausgesetzt. Zwischen Juli und dem 15. Oktober 2010 wurden gemÀà kolumbianischer und internationaler NGOs 30 Menschenrechtsverteidiger und Sozialarbeiter getötet.
Im Februar 2009 deckte die meistgelesene kolumbianische Zeitschrift Semana (Woche) einen Abhörskandal auf, in den der kolumbianische Geheimdienst DAS verwickelt war. Dabei wurden jahrelang von zahlreichen gesellschaftlichen Gruppen, darunter Journalisten, Oppositionspolitiker und Richter des Obersten Gerichtshofs, TelefongesprĂ€che mitgeschnitten und E-Mails abgefangen. Ziel des Geheimdienstes, der bis in höchste Regierungskreise um das BĂŒro von Ălvaro Uribe berichtete, waren Todesdrohungen und Schmutzkampagnen.[39]
In einigen Regionen des Landes ist die Praxis des Stimmenkaufs verbreitet.[40] Die MisiĂłn de ObservaciĂłn Electoral (Mission der Wahlbeobachtung) gab an, dass bewaffnete Gruppen, die aus ehemaligen ParamilitĂ€rs entstanden sind, die Bevölkerung zur Stimmenabgabe zugunsten von Kandidaten bewegen, wobei die Praxis der erzwungenen Stimmabgabe inzwischen weitgehend einem aus Drogengeldern finanzierten Stimmenkauf gewichen ist;[41] bei den Parlamentswahlen 2010 in einem AusmaĂ und in einer Offenheit wie nie zuvor.[42] Eine Stimme kann je nach Region von 10 bis 70 Dollar kosten. Laut einer Umfrage von Gallup haben sieben Prozent der WĂ€hler irgendwann fĂŒr Geld, BegĂŒnstigungen oder Versprechen Ihre Stimme verkauft und 22% haben ein solches Angebot erhalten.[43]
In Kolumbien wird die Bildung in vier Stufen aufgeteilt, Vorschule (preescolar), Schule (educaciĂłn bĂĄsica (primaria)), Gymnasium (educaciĂłn media) und UniversitĂ€t (nivel universitario). Verantwortlich fĂŒr die Bildung ist das Ministerium de EducaciĂłn Nacional. Im Durchschnitt sind die staatlichen Bildungseinrichtungen fĂŒr die Familien gĂŒnstiger als die in privater Hand. AuĂerdem werden auch nicht staatlich anerkannte Titel, meist von privaten technischen Schulen, angeboten, die oft die SelbstĂ€ndigkeit des Auszubildenden zum Ziel haben.
Im Vorschulalter werden den Eltern, fast ausschlieĂlich aus dem privaten Sektor, KindergĂ€rten angeboten. Die letzten zwei Jahre vor der Grundschule werden Kinder (4â5 Jahre) und transiciĂłn (Ăbergang) (5â6 Jahre) genannt. Von einem Kind in der TransiciĂłn-Altersgruppe wird erwartet, dass es schon mit dem Lesen- und Schreibenlernen angefangen hat.
Die Schulzeit eines Kindes begrenzt sich auf neun Jahre, fĂŒnf davon in der Grundschule (primaria) und vier im Gymnasium (secundaria). Meist nur fĂŒr Familien, die die nötigen finanziellen Mittel haben, bieten Schulen zwei weitere Jahre der EducaciĂłn Media, auch Bachillerato (entspricht etwa dem deutschen Abitur) genannt, an. SchĂŒler, die das Bachillerato machen, haben meist zum Ziel, die UniversitĂ€t zu besuchen.
Es gibt staatliche und private UniversitĂ€ten. Technische AbschlĂŒsse werden nach drei Jahren, graduierte (vergleichbar mit Bachelor) nach vier und Diplome nach fĂŒnf Jahren vergeben. ErgĂ€nzend werden Master- und Doktortitel, Letztere nur durch staatlich anerkannte Institutionen, angeboten. Die bekannteste und angesehenste UniversitĂ€t Kolumbiens ist die Universidad Nacional de Colombia mit Hauptsitz in BogotĂĄ. Weitere fĂŒhrende UniversitĂ€ten sind Universidad de los Andes, Universidad de Antioquia und Pontificia Universidad Javeriana. Ebenso gibt es die Universidad de los Llanos. Das Studium in Kolumbien ist in Lateinamerika fĂŒr sein hohes Niveau bekannt. Es gibt vier Deutsche Schulen, in denen der Unterricht teilweise auf Deutsch gefĂŒhrt wird; in Barranquilla, BogotĂĄ, MedellĂn und Cali.
Die Alphabetisierungsrate lag 2005 bei 89,9 % (92,6 % in Ballungsgebieten).[4]
Der Altersaufbau ist charakterisiert durch einen groĂen Anteil an junger Bevölkerung. Zwischen 1985 und 1990 ist zwar der Anteil von Menschen unter 15 Jahren von 45,7 % auf 36 % gesunken, dennoch ist dieser Wert sehr hoch. FĂŒr die mĂ€nnliche Bevölkerung ist die Lebenserwartung zwischen 1965 und 1993 von 54 auf 66,5 Jahre gestiegen, bei Frauen von 59 auf 72,4 Jahre
Die medizinische Versorgung ist nicht gleichwertig ĂŒber das Staatsgebiet verteilt; KĂŒstengebiete und lĂ€ndliche Regionen sind hier benachteiligt. Ărzte, medizinische Angestellte und KrankenhĂ€user konzentrieren sich auf die Ballungsgebiete. 23.520 Ărzte, 13.815 ZahnĂ€rzte und 43.065 Krankenpfleger verrichten ihren Dienst an der Gesundheit; 1989 wurden 45.858 Krankenhausbetten gezĂ€hlt. Durch UnterernĂ€hrung und schlechte Wohnbedingungen sind Tuberkulose, Malaria, Dysenterie und Typhus in den wenig medizinisch versorgten Gebieten weit verbreitet. Um diesen Missstand zu beseitigen, hat der kolumbianische Staat Weltbankdarlehen aufgenommen und Einnahmen aus der Erdölproduktion fĂŒr den Aufbau des Gesundheitssystems verwendet. Mutterschaft und Zahnarztbehandlung werden durch die Sozialversicherung unterstĂŒtzt. Auch Arbeiter im Industriesektor sind unfallversichert und bei BerufsunfĂ€higkeit versichert, auch die Angehörigen erhalten eine UnterstĂŒtzung. Die Sozialversicherung wird durch Arbeitnehmer, Arbeitgeber und durch den Staat mit Hilfe von BeitrĂ€gen finanziert.
Die Kolumbianischen StreitkrĂ€fte gliedern sich in das Heer (Ejercito Nacional), die Marine (Armada Nacional), die Luftwaffe (Fuerza Aerea) und die Bundespolizei (Policia Nacional). In Kolumbien herrscht fĂŒr MĂ€nner eine allgemeine Wehrpflicht mit einer Dauer von 12 bis 22 Monaten. Frauen können sich freiwillig fĂŒr den Dienst an der Waffe entscheiden. In der Praxis wird die Wehrpflicht jedoch hĂ€ufig unterlaufen (es gibt gesetzliche Ausnahmen: âBachilleresâ, Studenten, Einzelkinder, usw.), weswegen sich die StreitkrĂ€fte fast ausschlieĂlich aus den unteren Schichten rekrutieren. Aufgrund dieser sozialen Ungerechtigkeit hat PrĂ€sident Ălvaro Uribe angekĂŒndigt, langfristig eine Berufsarmee einfĂŒhren zu wollen.[44]
Die StreitkrĂ€fte unterstehen direkt dem PrĂ€sidenten, der als ihr Oberbefehlshaber fungiert. Nach dem Amtsantritt von PrĂ€sident Uribe (2002) hat sich die Zahl der Soldaten um mehr als die HĂ€lfte erhöht. Arbeiteten 2001 noch ca. 190.000 Mann als Soldaten, so arbeiten in allen Bereichen der StreitkrĂ€fte gegenwĂ€rtig ca. 250.000 Soldaten. Im Rahmen der Politik der âdemokratischen Sicherheitâ soll sich diese Zahl bis zum Jahr 2010 auf ca. 270.000 Soldaten erhöhen. Hinzu kommen etwa 150.000 Polizisten, von denen jedoch ein Teil als MilitĂ€rpolizei arbeitet. FĂŒr das Jahr 2008 plant die Regierung Kolumbiens 5 % des BIP im militĂ€rischen Sektor[45] zu verwenden, womit der BIP-Anteil der MilitĂ€rausgaben der USA (4,06 %, 2005) ĂŒbertroffen wĂ€re. Mit einem Budget im Jahr 2007 von 13,9 Mrd. US $ (6,3 % des BIP) liegt Kolumbien hinter dem wesentlich gröĂeren Brasilien auf dem zweiten Platz in ganz SĂŒdamerika, die MilitĂ€rausgaben betreffend, was sich aber auch durch die fortwĂ€hrende PrĂ€senz der aggressiv agierenden Guerillabewegungen erklĂ€rt. Es wird geschĂ€tzt, dass im Jahre 2008 die MilitĂ€rausgaben 6,5 % des BIP erreichen werden, was dem Gesamtetat fĂŒr die Bereiche Gesundheit, Bildung und Umwelt gleichkommen wĂŒrde. Sollte die momentan stattfindende MilitĂ€rreform fortgesetzt werden, so wird Kolumbien ab 2009 die höchsten MilitĂ€rausgaben SĂŒd- und Mittelamerikas zu verzeichnen haben.[46][47]
Die Bevölkerung Kolumbiens wĂ€hlte am 28. Mai 2006 einen neuen PrĂ€sidenten. Zur Wahl standen unter anderem der amtierende PrĂ€sident Ălvaro Uribe, der Kandidat der Liberalen Horacio Serpa, der Mitte-Links-Kandidat Carlos Gaviria vom PDA und der ehemalige BĂŒrgermeister der Hauptstadt BogotĂĄ, Antanas Mockus Mit 62 % der Stimmen, dem höchsten Wert der letzten 80 Jahre, wurde Ălvaro Uribe in seinem Amt bestĂ€tigt. Die Wahlbeteiligung sank im Vergleich zu den letzten Wahlen. 54,89 % der Wahlberechtigten gaben keine Stimme ab, 53,53 % waren es bei der Wahl 2002 gewesen.
Die PrĂ€sidentschaftswahlen in Kolumbien 2010 fanden am 30. Mai und 20. Juni statt. Zu dieser Wahl durfte aufgrund der Ablehnung einer VerfassungsĂ€nderung durch das kolumbianische Verfassungsgericht der amtierende PrĂ€sident Ălvaro Uribe VĂ©lez nicht mehr fĂŒr eine dritte Amtszeit kandidieren. Im ersten Wahlgang am 30. Mai erhielt keiner der Kandidaten mehr als 50 % der Stimmen. Der Uribe nahestehende ehemalige Verteidigungsminister Juan Manuel Santos und der grĂŒne Politiker Antanas Mockus, ein vormaliger BĂŒrgermeister der Hauptstadt BogotĂĄ, erhielten die höchsten Stimmenanteile und stellten sich am 20. Juni einer Stichwahl. Santos gewann diese Wahl und konnte 68,9 % der Stimmen fĂŒr sich verbuchen. Bei einer Wahlbeteiligung von weniger als 45 % erreichte Mockus 27,5 %.
Zwischen 1861 und 1886 war Kolumbien eine Bundesrepublik und bestand aus den neun Bundesstaaten Antioquia, BolĂvar, BoyacĂĄ, Cauca, Cundinamarca, Magdalena, PanamĂĄ, Santander und Tolima. 1886 wurden die Bundesstaaten aufgelöst und durch 23 Departamentos ersetzt. Im frĂŒhen 20. Jahrhundert wurden weitere vier Intendencias und fĂŒnf ComisarĂas zur Verwaltung der dĂŒnnbesiedelten Urwaldgebiete am Amazonas eingerichtet.[48] 1991 wurden sĂ€mtliche Intendencias und ComisarĂas in regulĂ€re Departamentos umgewandelt.
Kolumbien ist politisch in 32 Departamentos und einen Hauptstadtdistrikt (Distrito Capital) unterteilt. Jedes Departamento hat einen Gouverneur (gobernador) und einen Departementsrat (Asamblea Departamental), die alle vier Jahre vom Volk gewĂ€hlt werden. Der Gouverneur kann nicht fĂŒr eine unmittelbar folgende Regierungszeit wiedergewĂ€hlt werden. Die Departamentos sind weiter in 1121 Gemeinden (Municipios) oder gemeindeĂ€hnliche Verwaltungseinheiten (Corregimientos Departamentales abgekĂŒrzt: C.D.) eingeteilt, die von einem volksgewĂ€hlten BĂŒrgermeister (Alcalde) und einem Gemeinderat (Consejo Municipal) regiert werden.
Zehn Gemeinden gelten wegen ihrer besonderen Stadtstruktur als Distrikte (Distritos), sie werden ebenfalls von einem BĂŒrgermeister und einem Rat des Distrikts (Consejo Distrital) geleitet:
Liste der Departamentos, deren jeweilige Hauptstadt in Klammern:
Kolumbien besitzt ein 3.304 km langes Schienennetz in 914-mm-Spur sowie ein 150 km langes Normalspurnetz zum Kohletransport von El CerrejĂłn zum Hafen BahĂa Portete. Der Personenverkehr auf der Schiene beschrĂ€nkt sich auf drei kurze touristische Strecken im Raum BogotĂĄ. Das Pazifik-Netz vom Hafen Buenaventura ĂŒber Cali nach Zarzal und Armenia wird zurzeit modernisiert. In Medellin gibt es mit der Metro de MedellĂn auĂerdem ein hochmodernes Schnellbahnsystem (mit Oberleitung).
Zusammen mit den 112.998 km StraĂennetz, von denen nur ca. 26.000 km geteert sind, besitzt Kolumbien daher eine der schlechtesten Verkehrsinfrastrukturen SĂŒd- und Mittelamerikas. Der StraĂenausbau liegt mit etwa 100 m/kmÂČ unter dem lateinamerikanischen Durchschnitt von 118 m/kmÂČ.
Eine der HauptverbindungsstraĂen ist die Panamericana, die von Alaska bis SĂŒd-Chile fĂŒhrt und Nordamerika mit SĂŒdamerika verbindet. Im Urwaldgebiet des DariĂ©n, im Grenzgebiet zwischen Panama und Kolumbien, befindet sich jedoch eine Unterbrechung, der so genannte TapĂłn del DariĂ©n (auch unter dem englischen Namen Darien Gap bekannt), die bisher noch nicht geschlossen wurde
In den letzten Jahren wurden zahlreiche GroĂprojekte in Angriff genommen, darunter ein Tunnel im Raum Armenia und IbaguĂ© unter der Zentralkordilliere hindurch, um BogotĂĄs Verbindung nach Cali und weiter zum Pazifikhafen Buenaventura zu verbessern.
Ein GroĂteil des kolumbianischen Im- und Exports Kolumbiens wird ĂŒber groĂe SeehĂ€fen abgewickelt, die ĂŒber moderne Containerterminals verfĂŒgen. Von gröĂerer Bedeutung sind die HĂ€fen von Barranquilla (Karibik), Buenaventura (Pazifischer Ozean), Cartagena (Karibik), Muelles El Bosque, Puerto Bolivar (Karibik), Santa Marta (Karibik) und Turbo (Karibik).
Der gröĂte Flughafen Kolumbiens ist der Eldorado Flughafen BogotĂĄ in der Hauptstadt. Ăber das ganze Land sind zusĂ€tzlich viele kleine RegionalflughĂ€fen verteilt, die Zahl der FlughĂ€fen wird auf 980 geschĂ€tzt.
Es sind etwa 25,89 Millionen Festnetztelefone in Betrieb. Der zweitgröĂte Telekommunikationskonzern in Kolumbien ist TELECOM, der gröĂte ist ETB (Empresa de TelĂ©fonos de BogotĂĄ), der gröĂte Anbieter von Internet- und Mobilfunkdiensten in Kolumbien. COMCEL, Movistar und Tigo und weitere zum Teil lokale Anbieter betreiben heute ein nahezu flĂ€chendeckendes Netz fĂŒr die Mobiltelefonie.
Offiziell senden 413 Mittelwellen- und 217 UKW-Radiosender. Es gibt ca. 10,5 Millionen FernseheempfÀnger.
Die Stromgewinnung aus Wasserkraft stellt etwa die HĂ€lfte der erzeugten Energie, danach folgen Kohle mit einem Viertel und Erdgas.
Seit der neuen Verfassung von 1991 sind die staatlichen Investitionen in die Infrastruktur zurĂŒckgegangen, die privaten dagegen angestiegen. Dadurch ist die Beteiligung des Privatsektors in Infrastrukturprojekte des Transportes, Strom und Wasserversorgung rasant gestiegen. Seit 1994 werden Teile des FernstraĂennetzes in Konzession an Privatunternehmer vergeben, die bis dato dadurch 10 % bis 15 % des StraĂennetzes verwalten. Diese Strecken werden ĂŒber eine Maut finanziert.
Das Busnetz ist im ganzen Land, wie auch in der Hauptstadt, in privater Hand und kann unĂŒbersichtlich erscheinen. Auch das in der Hauptstadt angesiedelte TransMilenio-System wird privat betrieben, unterliegt jedoch stĂ€rkerer staatlicher Kontrolle. Dieses ist eher mit einer U-Bahn vergleichbar, denn die Fahrbahnen werden ausschlieĂlich fĂŒr den TransMilenio-Busverkehr benutz. Zwischen den StĂ€dten und Dörfern ist die gĂ€ngigste Verkehrsart der Ăberlandbus. Verschiedene Busunternehmer bieten eine Vielzahl an Komfort- und Preisklassen an. Busbahnhöfe sind in fast jeder Stadt vorhanden. Im Stadtverkehr gibt es auĂerhalb des TransMilenio-Systems kaum Bushaltestellen. Der Bus hĂ€lt fast ĂŒberall auf Zuruf.
Das Postwesen wurde bereits wĂ€hrend der spanischen Kolonialzeit eingefĂŒhrt, ab 1859 gab es kolumbianische Briefmarken (Siehe: Kolumbianische Postgeschichte).
Das Bruttonationaleinkommen stieg im Jahr 2005 auf 109 Milliarden US-Dollar. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen betrÀgt 2.157 USD.
Kolumbien gehört zu den gröĂten Wirtschaftsnationen Lateinamerikas und ist der gröĂte Produzent zahlreicher Schnittblumenarten. Bei der Produktion von Nelken steht es weltweit an erster, bei Schnittblumen insgesamt an zweiter Stelle. Mit 3500 verschiedenen Orchideen-Arten hat Kolumbien die gröĂte Vielfalt der Welt. Ebenfalls an erster Stelle steht Kolumbien bei der Produktion von Smaragden und Guadua-Holz. Es ist auĂerdem der viertgröĂte Kaffee-Produzent der Welt und steht bei der Produktion von Bananen weltweit an dritter Stelle. Bei der Produktion von Kartoffeln ist Kolumbien in Lateinamerika fĂŒhrend
Kolumbiens Wirtschaft wĂ€chst trotz der Unruhen kontinuierlich und stellt damit in SĂŒdamerika den gröĂten Wachstumsmarkt nach Chile dar. In den vergangenen 20 Jahren wurden die KonsumgĂŒter- und die Grundstoffindustrie verstĂ€rkt ausgebaut. Heute spielen die Nahrungsmittel- und die Textilindustrie die gröĂte Rolle
Kolumbien hat mit geschĂ€tzt rund 21 Mio. Tonnen die gröĂten Kohlereserven in SĂŒdamerika, wobei geschĂ€tzt 72 Prozent der Vorkommen qualitativ hochwertige Kesselkohle sind.[50] Die Produktion wurde in den letzten Jahren ausgeweitet, wobei jedoch kaum UmweltvertrĂ€glichkeitsprĂŒfungen existieren, was unter anderem in der Umgebung zur Grundwasserverseuchung fĂŒhrte, und die Menschenrechte der Anwohner unter anderem durch Vertreibungen und Verschmutzung verletzt werden.[51] Kolumbien belegt weltweit den 11. Platz bei der Produktion von Kohle, wovon 90 Prozent exportiert wird, und ist ein bedeutender Hersteller von Nickel. Es hat auĂerdem eine sichere Erdölreserve von zwischen 1,54 bis 1,84 Milliarden Barrel.[52] Kolumbien wird im allgemeinen ein groĂes ökonomisches Potential zugeschrieben. Das liegt unter anderem an der fortgeschrittenen Industrialisierung und an der groĂen Menge an Rohstoffen.
In einem Ranking der unternehmerfreundlichsten LĂ€nder der Welt, welches von der Weltbank-Tochter International Finance Corporation erstellt wurde, besetzte Kolumbien 2009 nach St. Lucia und vor Aserbaidschan den 37. Platz (Platz 1 Singapur) und gilt demnach als ein positives Beispiel fĂŒr finanzielle StabilitĂ€t und Marktreformen.[53]
Ein groĂer Teil der kolumbianischen Wirtschaft wird direkt oder indirekt vom Anbau und der Produktion von illegalen Drogen beeinflusst. Die Hilfsorganisation Brot fĂŒr die Welt berichtete im Jahr 2009, dass rund 70 % der weltweiten Kokainproduktion auf Kolumbien entfĂ€llt.[54] So bauen Bauern insbesondere Koka, aber auch Schlafmohn an, da sie sich so ein besseres Einkommen versprechen, als bei der Produktion von Nahrungsmitteln oder Kaffee; und der Druck der Drogenkartelle ermöglicht es den Kokabauern oft auch nicht, auf legale Waren umzuschwenken.
Wichtige kolumbianische Unternehmen sind: Ecopetrol (Erdöl), Bavaria (Bier und GetrĂ€nke), ETB (Kommunikation), ISA (Energie), EXITO (SupermĂ€rkte), Compañia Nacional de Chocolates (Lebensmittel), Manuelita (Zucker), Colpatria (Bank), Alpina (Milchprodukte), Coltejer (Textilien), AcerĂas Paz del RĂo (Stahl), Argos (Zement), Corona (Keramik) und Norma (Druckerei). Auch groĂe auslĂ€ndische Unternehmen wĂ€hlten Kolumbien zum Schwerpunkt ihrer sĂŒdamerikanischen AktivitĂ€ten, so Siemens, Microsoft, Renault, Bayer, BASF, Dupont, Procter & Gamble, STEAG, Goodyear, General Motors und Hewlett-Packard.
Heute ist die kolumbianische Wirtschaft von einem Mix verschiedenster Produkte charakterisiert, bei denen Kaffee eine zwar wichtige aber mit rund 15 % der Exporterlöse nur noch untergeordnete Rolle spielt. Mit der Globalisierung der Wirtschaftswelt sind andere Produkte in den Vordergrund gerĂŒckt wie Bananen, Schnittblumen, Smaragde, exotische FrĂŒchte, Zuckerrohr und Zucker, Tabak, Reis, Industrieprodukte, Mode - und Designerartikel, Bekleidungsindustrie, Textilien, Lederwaren, Chemikalien, Lebensmittel, Erdöl, Erdgas und Erdölderivate, Steinkohle und Kohlederivate, Gold und Nickel. Wichtigste EinfuhrgĂŒter sind Kraftfahrzeuge, AusrĂŒstungen fĂŒr die Telekommunikation, chemische Produkte und Vorprodukte, Eisen- und Stahlprodukte, Papier und Karton, Polyethylen und landwirtschaftliche Produkte.
Das Land ist der zweitgröĂte Exporteur landwirtschaftlicher Produkte in die USA.
Zunehmende Bedeutung kommt in Kolumbien dem Dienstleistungssektor zu. Hierbei ist beispielsweise der Tourismus zu nennen, fĂŒr den Kolumbien landschaftlich und kulturell ideale Voraussetzungen bietet, der aber durch die Sicherheitslage im Land nach wie vor gehemmt wird.
Das Smaragdvorkommen ist ein nicht zu unterschĂ€tzender Wirtschaftsfaktor. Kolumbien exportiert die Steine zu einem ganz ĂŒberwiegenden Teil. In Kolumbien werden jĂ€hrlich Smaragde mit einem offiziellen Handelsvolumen zwischen 150 und 400 Mio. US-Dollar exportiert, wobei der gleiche Betrag fĂŒr den Schwarzhandel hinzugerechnet werden muss.
Bedeutendster Handelspartner sind die USA, die 40 % der gesamten Exporte abnehmen. Zweitwichtigster Handelspartner sind die Staaten der Andengemeinschaft, gefolgt von der EuropÀischen Union. Haupthandelspartner des Landes sind in Lateinamerika Venezuela, Mexiko, Ecuador, Brasilien, Chile und Argentinien. Allerdings wird die Volksrepublik China immer wichtiger.
Der Staatshaushalt umfasste 2009 Ausgaben von umgerechnet 74,6 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 72,55 Mrd. US-Dollar gegenĂŒber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 0,9 % des BIP.[55]
Die Staatsverschuldung betrug 2009 106,5 Mrd. US-Dollar oder 46,1 % des BIP.[55]
2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:
Die groĂe FlĂ€che des Landes, die Kolonisation durch die Spanier und die geografische Abgeschiedenheit einiger Regionen lassen nicht von nur einer kolumbianischer Kultur sprechen. AuĂerdem haben sich Teile des Landes ĂŒber die Jahrzehnte unterschiedlich schnell entwickelt und wurden durch oft gezwungene Zuwanderung aus Afrika, Europa und Arabien beeinflusst. Die katholische Religion kann aber als ein verbindendes Merkmal gewertet werden, da ĂŒber 90 % der Bevölkerung als solche getauft sind. Viele der folgenden Merkmale einzelner Subkulturen in Kolumbien sind vergleichbar mit denen anderer sĂŒd- und mittelamerikanischer Staaten.
Das Wort Paisa stammt sicherlich von dem Wort Paisano (Landmann) ab, gilt aber in Kolumbien als Beschreibung einer Subkultur derer, die aus den Departamentos Antioquia,Caldas, QuindĂo, Risaralda, dem Norden des Valle del Cauca und Nordosten des Tolimas stammen.
Der Paisa gilt als produktiv, aktiv, sparsam und unternehmerisch, was aber durchaus aus einer Vielzahl von Vorurteilen stammen könnte. Auf Grund der geografischen Lage, die sehr bergig ist, waren die Paisas wÀhrend der Konquista sehr unabhÀngig von der Kultur der Spanier und den Nachbargebieten.[57] Auch diese Subkultur ist durch einen eigenen Akzent geprÀgt, der sich durch die Eigenart des Voseo, eine unterschiedliche Art im Spanischen zu Duzen, kennzeichnet.
Als Costeño wird eine Person aus der karibischen KĂŒstenregion Kolumbiens genannt, die meistens afrikanischer Abstammung ist. Die Costeños werden als fröhliches und lautes Volk charakterisiert. Besonders ausgeprĂ€gt ist diese Subkultur in den Gebieten um die StĂ€dte Cartagena, Barranquilla und Santa Marta. Die fĂŒr diese Gegend ĂŒblichen Nahrungsmittel Bananen, Kokosnuss, Reis und Fisch sind fĂŒr die Costeños kennzeichnend. Deren Akzent wird dadurch erkannt, dass das âsâ am Ende des Wortes nicht ausgesprochen wird und unterdrĂŒckt wird, wenn ein Konsonant darauf folgt (Beispiel: cohta anstatt costa).
Die Llaneros kommen aus den tropischen Savannen um den Orinoko-Fluss. Seit der Teilung von Kolumbien und Venezuela 1830 ist die Kultur weitgehend dieselbe geblieben.
| Datum | Name | Deutscher Name | |
|---|---|---|---|
| 1. Januar | Año Nuevo | Neujahr | |
| 6. Januar * | EpifanĂa/ 3 Reyes Magos | Dreikönigstag | |
| 19. MÀrz * | San José | Sankt Josef | |
| variabel | Jueves Santo | GrĂŒndonnerstag | |
| variabel | Viernes Santo | Karfreitag | |
| 1. Mai | DĂa del Trabajo | Tag der Arbeit | |
| variabel * | Ascensión del Señor | Christi Himmelfahrt | |
| variabel * | Corpus Christi | Fronleichnam | |
| variabel * | Sagrado CorazĂłn | Herz-Jesu-Fest | |
| 17.â18. Juni * | Dia del Padre | Vatertag | |
| 20. Juli | DĂa de la Independencia | Tag der UnabhĂ€ngigkeit | |
| 7. August | Batalla de BoyacĂĄ | Tag der Befreiung | |
| 15. August | Asunción de la Virgen | MariÀ Himmelfahrt | |
| 12. Oktober * | DĂa de la Raza | Tag der Rasse (siehe auch Columbus Day) | |
| 1. November * | DĂa de Todos los Santos | Allerheiligen | |
| 11. November * | Independencia de Cartagena | UnabhÀngigkeit von Cartagena | |
| 8. Dezember * | Inmaculada Concepción | Maria EmpfÀngnis | |
| 25. Dezember | Navidad | Weihnachten | |
| Mit * sind die Feiertage versehen, die auf den darauf folgenden Montag verschoben werden. Alle hier aufgefĂŒhrten Feiertage gelten als Nationalfeiertag. | |||
Kolumbien rĂŒhmt eine lange Geschichte der KĂŒnste, die bis in die prĂ€kolumbischen Zeiten zurĂŒckgeht. Bekannt sind aus diesen Zeiten Goldfiguren, Schmuck und Tonarbeiten. In der Hauptstadt BogotĂĄ sind im Goldmuseum viele dieser StĂŒcke zu bewundern, weil es das gröĂte der Welt ist. Ein GroĂteil der KunststĂŒcke ist aber seit der Entdeckung, erst durch die Entdecker und dann durch GrabrĂ€uber, verschwunden. Die diversen Volksgruppen stellen weiterhin unterschiedlichste Arten von Kunst her, unter anderem die handgewebten Handtaschen (Mochilas) und HĂ€ngematten der Guajiros
Zu den bekanntesten kolumbianischen KĂŒnstlern des 20. Jahrhunderts zĂ€hlen Ămar Rayo, Enrique Grau, Fernando Botero und Alejandro ObregĂłn. Weitere herausragende KĂŒnstler der vergangenen Jahrzehnte sind Edgar Negret, Eduardo RamĂrez Villamizar, Rodrigo Arenas Betancourt, Doris Salcedo sowie die deutschstĂ€mmigen Guillermo Wiedeman und Leopold Richter
Bekanntester kolumbianischer Schriftsteller ist der LiteraturnobelpreistrĂ€ger Gabriel GarcĂa MĂĄrquez, der mit Werken wie Hundert Jahre Einsamkeit oder Die Liebe in den Zeiten der Cholera Weltruhm erlangt hat. Andere berĂŒhmte Schriftsteller sind Jorge Isaacs, Alvaro Mutis, TomĂĄs Carrasquilla, Fernando Vallejo und JosĂ© Eustasio Rivera. Weltbekannte Dichter sind JosĂ© AsunciĂłn Silva und Guillermo Valencia. In der Kinderliteratur vertritt das Land der Fabeldichter Rafael Pombo.
Auch die kolumbianische Architektur hat bedeutende BeitrĂ€ge geliefert. Neben den herausragenden Bauten der Kolonialzeit, die sich in StĂ€dten wie Cartagena oder Mompox erhalten haben, sind auch Bauwerke jĂŒngeren Datums zu nennen. Der Name Rogelio Salmona steht besonders fĂŒr die Bauten der Moderne, die das Gesicht vieler kolumbianischer GroĂstĂ€dte prĂ€gen
Das kolumbianische Theater gehört zur Avantgarde Lateinamerikas. Insbesondere das zweijĂ€hrlich von Fanny Mikey organisierte Festival Iberoamericano de Teatro in BogotĂĄ hat sich zum Pflichttermin lateinamerikanischer Theaterschaffender entwickelt. Barranquilla, Pasto und Riosucio sind durch ĂŒberregional bekannte Karnevalsfeiern bekannt geworden. Auch der kolumbianische Tanz gehört zum Kulturgut, der sich in vielen regionalen Arten entwickelt hat
Der kolumbianische Film ist zwar international nicht so bekannt wie die Filmindustrie Brasiliens oder Kubas, hat aber mit Vertretern wie Sergio Cabrera Anerkennung auf Filmfestivals in Europa gefunden. In diesem Zusammenhang sind auch â seichtere â kolumbianische TV-Produktionen zu nennen, wie das Telenovela-Format Yo soy Betty, la Fea, das rund um den Globus kopiert wird.
Die kolumbianische KĂŒche ist, der Geografie des Landes entsprechend, sehr vielfĂ€ltig mit starken regionale Unterschieden. Gemeinsamer Nenner ist dabei die Bedeutung von Reis, Kartoffeln, Bohnen und Kochbananen. In den KĂŒstentieflĂ€ndern dominiert der Fisch als Hauptspeise, wĂ€hrend in den HochlĂ€ndern eher deftige Speisen wie der Ajiaco-Eintopf prĂ€gend sind.
Die UNESCO erklÀrte bisher sechs PlÀtze in Kolumbien zum Weltkulturerbe
als Meisterwerke des mĂŒndlichen und immateriellen Kulturerbes sind anerkannt:
BogotĂĄ wurde von der UNESCO zur Welthauptstadt des Buches 2007 auserkoren.[58]
Die traditionelle kolumbianische Musik ist sehr vielfĂ€ltig. Die Musik der KaribikkĂŒste, wo viele Afro-Kolumbianer leben, ist stark von afrikanischen Rhythmen geprĂ€gt, wie man es in Stilen wie der Cumbia und dem verwandten, aber melodischeren Vallenato hören kann. Eine neue in dieser Region Kolumbiens entstandene Musikrichtung ist der ebenfalls stark von afrikanischen und karibischen EinflĂŒssen geprĂ€gte Champeta. Als Beispiel fĂŒr einen von den spanischen Eroberern geprĂ€gten Musik- und Tanzstil wĂ€re Joropo zu nennen, der in den Llanos, einer gemeinsamen Region Kolumbiens und Venezuelas populĂ€r ist.
Völlig anders ist dagegen die traditionelle Musik der Andenregion um BogotĂĄ, die eine Mischung spanischer und vorkolumbischer Stilelemente ist und damit der Folkloremusik des Hochlandes von Peru und Ecuador Ă€hnelt. Im Rest des Landes ist die traditionelle Musik vor allem von spanischen und italienischen EinflĂŒssen geprĂ€gt.
Salsa ist in Kolumbien, wie auch im Rest SĂŒdamerikas ebenfalls sehr beliebt. BerĂŒhmte kolumbianische Salsa-Interpreten sind die Grupo Niche, Fruko y sus Tesos und Joe Arroyo. Die bekannteste Musikerin Kolumbiens ist die SĂ€ngerin Shakira. Mittlerweile haben es auch der Pop-SĂ€nger Juanes und der Vallenato-Interpret Carlos Vives zu internationaler BerĂŒhmtheit gebracht.
In den kolumbianischen GroĂstĂ€dten gibt es seit den 1990er Jahren eine stĂ€ndig wachsende moderne Musikkultur. Im Jahr 1994 fand zum ersten Mal das Festival Rock al parque statt, das mittlerweile das gröĂte kostenlose Rockfestival Lateinamerikas ist. In den vergangenen Jahren hat auch der Hip Hop in den GroĂstĂ€dten Kolumbiens immer mehr an Anerkennung gewonnen. Die oft in ghettoĂ€hnlichen Vierteln lebenden Jugendlichen identifizieren sich mit der afroamerikanischen Subkultur, da auch sie am Rande der Gesellschaft leben. Die Sociedad FB7 aus Medellin machte 2005 eine Tour durch Deutschland.
Kolumbien besitzt auĂerdem eine lange Tradition in der Komposition klassischer Musik europĂ€ischer PrĂ€gung. Diese beginnt mit den teilweise heute im Kathedralarchiv erhaltenen geistlichen Kompositionen an der Kathedrale von BogotĂĄ aus dem 17. Jahrhundert. Auch aus dem 18. und frĂŒhen 19. Jahrhundert sind Kompositionen ĂŒberliefert
Einen Aufschwung erfuhr die âklassischeâ Musikproduktion im spĂ€ten 19. und 20. Jahrhundert, vergleichbar mit der Entwicklung in anderen sĂŒdamerikanischen Staaten nach der Erlangung der UnabhĂ€ngigkeit. Hervorzuheben ist hier insbesondere der Komponist Adolfo MejĂa, dessen Werke in Kolumbien sehr populĂ€r sind.
Kolumbien besitzt mehrere professionelle Sinfonieorchester und mehrere BerufsausbildungsstĂ€tten fĂŒr Musikberufe.
Kolumbiens Medienwelt besteht im Wesentlichen aus dem Fernsehen (fast 15 Sendern), der Presse und dem Radio. Die meistgelesenen Zeitungen sind El Tiempo und bis zur Umwandlung zur Wochenzeitung El Espectador. AuĂerdem werden El Colombiano, El Pais und Vanguardia Liberal, La Patria, El Heraldo, El Nuevo Dia und El Universal veröffentlicht. Die bekanntesten Zeitschriften sind Semana (Politik), Cambio (Politik), Portafolio (Wirtschaft), Cromos (VarietĂ©) und SoHo (VarietĂ©).
Radio ist ein sehr beliebtes Medium in Kolumbien. Es gibt eine FĂŒlle von staatlichen und privaten Radiosendern. Von den privaten Radiosendern sind viele in Cadenas (Radio-Ketten) zusammengeschlossen und so kann man viele Sender aus BogotĂĄ im ganzen Land empfangen. Eine Besonderheit sind in Kolumbien die sogenannten Geisel-Radios wie etwa Las voces del secuestro (âDie Stimmen der EntfĂŒhrungâ) des Senders Caracol. In diesen speziellen Sendungen, die meist in der Nacht ausgestrahlt werden, können die Familien der vielen von Guerilla oder ParamilitĂ€rs EntfĂŒhrten ihren Angehörigen eine Botschaft schicken.[59][60]
Einige kolumbianische Fernsehserien, darunter viele Telenovelas und Familienserien wie Yo soy Betty, la fea, sind wegen ihrer niedrigen Produktionskosten und der hohen QualitĂ€t zu einem Exportschlager geworden. Yo soy Betty, la fea wurde zur Vorlage fĂŒr einige andere Fernsehserien, so zum Beispiel in Deutschland fĂŒr Verliebt in Berlin.
In Kolumbien herrscht heutzutage weitestgehend die Pressefreiheit. Wie in vielen LĂ€ndern, sind die einzelnen Medien im Eigentum von nur wenigen Gesellschaften und werden auch zu politischen Zwecken genutzt. Die OrganizaciĂłn Ardila LĂŒlle als Beispiel ist EigentĂŒmer von Radio Cadena Nacional (RCN), einem groĂen Radiosender, seit 1995 auch des eigenen TV Senders RCNTV und auch des gröĂten Musikverlegers Sonolux. Firmen und Beteiligungen der Familie Santo Domingo und des Grupo Santo Domingo sind (Teil)Inhaber von Radio Caracol, Caracol TV, BogotĂĄ City TV und der Zeitung El Espectador.
Kolumbien ist besonders fĂŒr FuĂball und Radsport international bekannt und war mehrere Jahre lang durch Juan Pablo Montoya, der jetzt in der NASCAR Liga fĂ€hrt, in der Formel 1 vertreten.
2005 hat die Golfspielerin MarĂa Isabel Baena erstmalig einen Titel fĂŒr Kolumbien bei dem in New Jersey, USA ausgetragenen Match Play-Meisterschaft gewonnen. Mittlerweile belegt der Kolumbianer Camilo Villegas den zweiten Platz hinter dem legendĂ€ren Spieler Tiger Woods in der Ford Golf Championship 2006 in Miami. Baena, Villegas und Jesus Armando Amaya âLa Estrellitaâ sind die stĂ€rksten Vertreter des Landes in dieser auĂergewöhnlichen Disziplin fĂŒr ein lateinamerikanisches Land. Sie versprechen viel fĂŒr die LPGA und PGA in den nĂ€chsten Jahren. Bekannteste Tennisspieler sind Fabiola Zuluaga, Miguel TobĂłn und Alejandro Falla. Clara Juliana Guerrero ist die weltbeste Kegelspielerin, eine Sportart in der auch u. a. die Geschwister Paola RocĂo GĂłmez Ardila und Jaime AndrĂ©s GĂłmez Ardila das Land vertreten.
Geboxt wird in Kolumbien besonders an den KĂŒsten. Jedoch ist die Infrastruktur zur Förderung dieses Sports nicht PrioritĂ€t des Staates. So sind ein GroĂteil der spĂ€ter bekanntgewordenen Boxer mit eigenen Mitteln zu dem geworden. BerĂŒhmte Boxer sind der legendĂ€re Antonio Cervantes âKid PambelĂ©â, der vier Jahre lang Weltmeister in der Gewichtsklasse 140 Pfund Juniorgewicht der (WBA) war und Miguel âHappyâ Lora, der zwischen 1985 und 1989 den Weltmeistertitel in der Gewichtsklasse 118 Pfund Bantamgewicht der (WBC) hielt. Ein weiterer aufstrebender Boxer, der zurzeit zu den besten im Mittelgewicht gehört, ist Edison Miranda
Eine FuĂballliga wurde 1924 angedacht und durch den Beitritt 1936 zu der ConfederaciĂłn Sudamericana de FĂștbol (CONMEBOL) besiegelt. Die Nationalelf spielte zum ersten Mal 1962 in Chile bei der Weltmeisterschaft mit. Aus drei Spielen erhielt sie aber nur einen Punkt, spielte aber mit einem 4:4 gegen die UdSSR eine historische Partie. 1964 wurde die Bundesliga âFederaciĂłn de FĂștbol de Colombia (Fedebol)â mit UnterstĂŒtzung der FIFA gegrĂŒndet. Kolumbien wurde 1974 von der FIFA die Austragung der 1986 zu spielenden Weltmeisterschaft zugesprochen, die aber letztlich wegen Uneinigkeiten zwischen Privat- und Staatsfinanzierungen 1981 an Mexiko ging.
Der bisher gröĂte Erfolg der FuĂball-Nationalmannschaft ist der im Jahre 2001 errungene Titel der Copa AmĂ©rica, welcher zudem in Kolumbien ausgetragen wurde. Weitere Höhepunkte waren die jeweilige Qualifikation zu den FuĂball-Weltmeisterschaften von 1962, 1990, 1994 und 1998, sowie der historische 5:0-Sieg ĂŒber Argentinien in Buenos Aires. Dieses Spiel diente der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1994 in den USA.
Baseball wird in Kolumbien seit 1948 in der Liga Colombiana de Béisbol Profesional professionell gespielt. Die Liga besteht aus sechs Teams. Die besten Baseballtalente Kolumbiens spielen in der MLB in Nordamerika.
Der Radsport kann nach FuĂball als Volkssport der Kolumbianer gewertet werden. Das erste in Etappen gefahrene Rennen SĂŒdamerikas wurde 1951 in Kolumbien absolviert. Erster bekannter kolumbianischer Radrennfahrer bei der Tour de France war Martin Emilio Cochise RodrĂguez, der das Rennen 1977 als 27. beendete. Fabio Parra gewann 1988 drei Etappen und endete als Dritter in der Gesamtwertung. Luis âLuchoâ Alberto Herrera gewann 1985 und 1987 zwei Bergetappen und wurde dadurch zum kolumbianischen Nationalhelden.
Seit einigen Jahren zĂ€hlt Kolumbien in dieser Disziplin zu den stĂ€rksten Nationen weltweit. Die bekannteste Inline-Skaterin ist Cecilia Baena (Sportlerin des Jahres 2001 in Kolumbien), bei den Panamerikanischen Meisterschaften 2005 gewann sie neun Medaillen. 2004 wurde sie in Italien dreifache Weltmeisterin. AuĂerdem gewann sie das gröĂte Inlinerennen der Welt, den Berlin-Marathon mit 10.000 Teilnehmern. Weitere bekannte Weltmeister, sowie Weltrekordhalter sind Diego Rosero und Jorge AndrĂ©s Botero. Die Nationalmannschaft gewann die Weltmeistertitel 2000, 2002, 2004, 2005, 2006 und 2007[61].
Tejo, eine moderne Version eines Indianerspieles namens TurmequĂ©, wird schon ĂŒber 500 Jahre lang in den Departamentos Cundinamarca und BoyacĂĄ gespielt und wurde im Juni 2000 vom kolumbianischen Kongress zum Nationalsport ernannt. Die moderne Version sieht vor, eine eiserne Halbkugel, den Tejo, in einen metallischen Kreis zu werfen und so, die an den vier Himmelsrichtungen aufgelegten Schwarzpulvertaschen, die Mechas, zum lauten Knall zu zwingen. Wer dem Zentrum am nĂ€chsten liegt, gewinnt das Spiel wenn keine der Mechas getroffen wird. Wenn eine Mecha getroffen wird, so gewinnt der Einzelspieler oder das Team des Spielers, ganz egal wer der Mitte am nĂ€chsten liegt. Die Partien werden traditionell von alkoholischen GetrĂ€nken wie Bier und Aguardiente begleitet. Die Brauereien sind daher naturgemÀà die gröĂten Sponsoren.
13 sĂŒdamerikanische Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen:
Argentinien |
Bolivien |
Brasilien |
Chile |
Ecuador |
Guyana |
Kolumbien |
Paraguay |
Peru |
Suriname |
Trinidad und Tobago1 |
Uruguay |
Venezuela
AbhÀngige Gebiete
Falklandinseln |
Französisch-Guayana |
SĂŒdgeorgien und die SĂŒdlichen Sandwichinseln
1 Wird kulturgeographisch meist Nord- und Mittelamerika zugerechnet.
Antigua und Barbuda | Argentinien | Bahamas | Barbados | Belize | Bolivien | Brasilien | Chile | Costa Rica | Dominica | Dominikanische Republik | Ecuador | El Salvador | Grenada | Guatemala | Guyana | Haiti | Jamaika | Kanada | Kolumbien | Mexiko | Nicaragua | Panama | Paraguay | Peru | St. Kitts und Nevis | St. Lucia | St. Vincent und die Grenadinen | Suriname | Trinidad und Tobago | Uruguay | Venezuela | Vereinigte Staaten
3.81666666667-73.9166666667Koordinaten: 4° N, 74° W