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Kongresspolen

Królestwo Polskie (pl.)

Царство Польское (ru)
Königreich Polen

Flagge_Polens
Flagge Wappen
Amtssprache Russisch und Polnisch
Hauptstadt Warschau
Staatsform Konstitutionelle Monarchie; Protektorat des Russischen Reiches
Staatsoberhaupt Zar von Russland als König von Polen
Regierungschef Statthalter des Königreichs
Fläche 127.000 [1] km²
Einwohnerzahl 3.300.000 (1831)
Bevölkerungsdichte 25,7 Einwohner pro km²
Währung Złoty (bis 1850)
Rubel (ab 1850)
Gründung 9. Juni 1815
Karte kongresspolen.png

Kongresspolen bezeichnet das konstitutionelle Königreich Polen, das 1815 auf dem Wiener Kongress (daher der Name) als Nachfolger des von Napoleon 1807 gegründeten Herzogtums Warschau geschaffen wurde.[2] Es war durch Personalunion eng mit dem Russischen Zarenreich verbunden und wurde nach Verlust der verbliebenen Rechte ab den 1830er Jahren auch als russisches Weichselgebiet bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Vorgeschichte

Im früheren Königreich Polen bzw. in der polnisch-litauischen Adelsrepublik Rzeczpospolita (ab 1569) gab es im Gegensatz zu den meisten europäischen Monarchien kein dominierendes Herrschergeschlecht mit starker Hausmacht. Die polnischen Magnaten waren untereinander zerstritten, ab 1697 bekämpften sich jahrzehntelang die Parteien des sächsischen Kurfürsten August II. der Starke und von Stanislaus I. Leszczyński, wobei Polen Anfang des 18. Jahrhunderts bereits weitgehend unter russischer Kontrolle war. Nachdem Kurfürst August III. der Sachse ab 1733 bis zu seinem Tode 1763 auch als König von Polen und Großfürst von Litauen fungierte, saß danach mit Stanislaus II. August Poniatowski ein Günstling der russischen Zarin auf dem Thron. Er musste jedoch starken ausländischen Einfluss und ab 1772 durch die drei Teilungen Polens große Gebietsverluste an die benachbarten Mächte Preußen, Österreich und Russland hinnehmen. Bei der dritten Teilung wurde Polen endgültig von der Landkarte getilgt, das Kerngebiet um Warschau kam zum bereits 1793 entstandenen Südpreußen. Napoleon Bonaparte zog 1807 die Grenzen neu. Das vom französischen Kaiser geschaffene Herzogtum Warschau unter Herzog Friedrich August I. (Sachsen) hatte bis zu dessen Niederlage 1813 Bestand. Die Polen stellten das größte nichtfranzösische Kontingent in Napoleons Grande Armée beim Russlandfeldzug 1812.

Kongresspolen

Russische Karte der 10 polnischen Gouvernements aus dem Jahr 1910

Der Wiener Kongress restaurierte 1815 auch die ehemalige polnische (Wahl-)Monarchie, jedoch den Machtverhältnissen entsprechend unter russischer Kontrolle, denn Zar Alexander I. wurde in Personalunion auch König von Polen. Sein Bruder, der Zarewitsch Konstantin, war zwar nicht offiziell Vizekönig, hatte aber als Militärgouverneur und General der polnischen Truppen eine starke Machtstellung. Er heiratete 1820 eine polnische Gräfin und verzichtete 1825 auf den Zarenthron. Konstantins Rohheit und militärische Strenge waren nicht geeignet, die Polen für ihn und die russische Herrschaft einzunehmen.

Das zugehörige Reich bestand aus dem Großteil des früheren Herzogtums Warschau, jedoch ohne das Großherzogtum Posen (zu Preußen) und die Freie Stadt Krakau.

Abgesehen vom Staatsoberhaupt sollte der Staat wieder ein polnischer sein, mit der Verfassung von 1791. Der Sejm sollte die Gesetze erlassen, die unabhängige Armee, Währung, Staatshaushalt, Strafgesetzbuch usw. eigenständig und durch eine Zollgrenze vom eigentlichen Zarenreich getrennt sein. De facto behielten jedoch der Zar und dessen Armee die Macht, sie wurde nicht den Polen übergeben, sondern an den russischen Vizekönig und den zaristischen Geheimdienst. Die politische Entwicklung war durch eine eher gemäßigte Unterdrückung durch den Kaiser und seinen Warschauer Statthalter Nowosilzew geprägt. Die Beschlüsse des Kongresses wurden oft missachtet. 1819 wurde die Pressefreiheit abgeschafft und die Zensur eingeführt, 1821 die Freimaurerei verboten, das Parlament tagte ab 1825 nicht mehr öffentlich, ein Verwaltungsrat hatte die Kontrolle.

Damit waren viele jüngere Polen, die vom Geist der polnischen Romantik geprägt waren, nicht zufrieden. Die Nachricht von Revolutionen in Paris und in Belgien im Jahre 1830 ließ auch eine Gruppe von Warschauer Verschwörern zu den Waffen greifen. Am 28. November 1830 brach der Novemberaufstand gegen die russische Herrschaft aus. Der Zar Nikolaus I. wurde vom Parlament als König abgesetzt. Sein Bruder Konstantin wurde am 29. November 1830 durch die Aufständischen unter der Führung von Piotr Wysocki in seiner Wohnung überfallen, doch er rettete sich. Nikolaus konnte jedoch 1831 die Macht mit Hilfe der Truppen von Iwan Fjodorowitsch Paskewitsch wieder erringen. Nach dem Fall Warschaus am 7. September erhob der Zar Paskewitsch zum Fürsten von Warschau und ersetzte 1832 die bisherige Verfassung durch das Verfassungsgesetz Organisches Statut. Auch die polnische Armee, der Sejm und die kommunale Selbstverwaltung wurden aufgelöst. Damit waren die Beschlüsse des Kongresses gegenstandslos und die Autonomie des Königreichs bzw. „Kongresspolens“ somit de facto abgeschafft. Was blieb, war u. a. der Titel Vizekönig (Namestnik) für den Statthalter von Polen, Paskewitsch, der mit der Russifizierung des Landes begann.

Erst die russische Niederlage im Krimkrieg 1855 und der Amtsantritt des neuen Kaisers Alexander II. führten zu Plänen einer engen polnisch-russischen Zusammenarbeit unter dem gemäßigten Adligen Aleksander Wielopolski, der 1862 zum Chef einer nur aus Polen bestehenden Zivilregierung ernannt wurde. Die Demokraten sahen sich durch die Einigungsbestrebungen Italiens wieder zu revolutionären Taten veranlasst und begannen im Januar 1863 einen bewaffneten Aufstand, den Januaraufstand, in dem es allerdings nicht gelang, Unterstützung aus anderen europäischen Staaten zu erhalten. Die verschiedenen gesellschaftlichen Absichten der polnischen Emigration, das Fehlen einer schlagkräftigen militärischen Führung im Land und die vergeblichen Versuche, auch die Bauern zu mobilisieren, brachten auch diesen Aufstand zum Scheitern. Die Vergeltungsmaßnahmen der Russen, Enteignungen und Deportationen nach Sibirien, führten dazu, dass der Adel seine beherrschende Stellung innerhalb der polnischen Gesellschaft verlor, die Ideen der Romantik waren endgültig gescheitert.

Übergang zum Weichselland

Mit den Reformen von 1867, bei denen das Wappen und die Bezeichnung Vizekönig abgeschafft wurden, wurde das nun in 10 Gouvernements aufgeteilte Gebiet als Weichselland (russisch Привислинский Край, Priwislinski Krai; poln. Kraj Przywiślański) bezeichnet.

Könige von Kongresspolen

Zar Nikolaus wurde im Novemberaufstand von 1830 als König abgesetzt, er stellte 1831 seine Macht wieder her, verzichte jedoch auf Wiedereinsetzung als König.

Vizekönige

Der Titel Vizekönig wurde ersetzt durch Generalgouverneur von Warschau.

Siehe auch

Literatur

 Commons: Congress Poland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Manfred Alexander: Kleine Geschichte Polens. Stuttgart: Reclam 2003 (Quelle)
  • Roman Dmowski: Deutschland, Rußland und die polnische Frage (Auszüge). In: Polen und der Osten. Texte zu einem spannungsreichen Verhältnis. Hrg. Andrzej Chwalba, ISBN 3-518-41731-2 (Denken und Wissen. Eine Polnische Bibliothek. Band 7)
  • Hensel, Jürgen (Hg.): Polen, Deutsche und Juden in Lodz 1820–1939. Eine schwierige Nachbarschaft. Osnabrück: fibre Verlag 1999
  • Harold George Nicolson: The Congress of Vienna: A Study in Allied Unity, 1812–1822. Grove Press, New York 2001, ISBN 0-802-13744-X

Einzelnachweise

  1. Norman Davies: God's Playground. Band 2: 1795 to the present. Oxford University Press, 2005, ISBN 0-19-925340-4, S. 225. Vorschau bei Google Books
  2. Królestwo Polskie. Encyklopedia PWN. Abgerufen am 10. Dezember 2011.
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