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Konrat Fürchtegott Ziegler (* 12. Januar 1884 in Breslau; †8. Januar 1974 in Göttingen) war ein deutscher klassischer Philologe.
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Konrat Ziegler studierte ab 1902 an der Universität Breslau und wurde dort 1905 bei Franz Skutsch mit der Dissertation De precationum apud Graecos formis quaestiones selectae promoviert. 1907 habilitierte er sich in Breslau (unterstützt von Franz Skutsch) und wurde dort im Dezember 1909 zum Extraordinarius ernannt. Nach Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg (zuletzt als Presseattaché der deutschen Gesandtschaft in Bulgarien) wurde er 1920 persönlicher Ordinarius. 1923 wechselte Ziegler als Nachfolger von Johannes Mewaldt an die Universität Greifswald, wo er 1926/27 Dekan der Philosophischen Fakultät und 1928/29 Rektor war.
Aufgrund seines konsequenten Eintretens für die Weimarer Republik (er war seit ihrer Gründung Mitglied der DDP) wurde Ziegler bereits 1933 von den nationalsozialistischen Machthabern entlassen.[1] Er siedelte mit seiner Familie (seiner Frau Hanna und fünf Kindern) nach Berlin über und blieb weiter wissenschaftlich tätig. Als er 1938 einem jüdischen Freund bei der Flucht ins Ausland half, wurde er zu anderthalb Jahren Gefängnisstrafe verurteilt. Nach seiner Entlassung versteckte Ziegler die Tochter jüdischer Bekannter in seiner Wohnung, die 1943 ausgebombt wurde. Ziegler zog mit seiner Familie nach Osterode am Harz, wo er seinem früheren Greifswalder Kollegen Kurt Latte half, der als Jude verfolgt wurde.
Nach Ende des Krieges konnte zwar Kurt Latte auf seinen Göttinger Lehrstuhl zurückkehren, gegen eine Berufung Konrat Zieglers aber, der 1945 Landrat des Landkreises Osterode am Harz geworden war, sperrte sich die Philosophische Fakultät der Universität Göttingen, wobei insbesondere Kurt Latte nicht für seinen früheren Helfer eintrat, im Gegenteil. Ziegler erhielt daher 1946 nur einen Lehrauftrag und wurde erst 1950 zum Honorarprofessor ernannt, 1966 schließlich (mit 82 Jahren) zum ordentlichen Professor – Kurt Latte war 1964 gestorben.
In Göttingen war Ziegler kommunalpolitisch für die SPD aktiv (Ratsherr von 1948 bis 1964) und setzte sich insbesondere für die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus ein. 1969 wurde er Ehrenbürger von Göttingen und noch zu Lebzeiten mit der Benennung einer Straße geehrt. Postum erhielt er 2001 in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem die Auszeichnung als „Gerechter unter den Völkern“. Auch Zieglers wissenschaftliche Verdienste wurden im Ausland gewürdigt: Er wurde 1964 Ehrendoktor der Aristoteles-Universität Thessaloniki und erhielt den Großen Verdienstorden des Landes Niedersachsen, nachdem er das Bundesverdienstkreuz mit der Begründung abgelehnt hatte, er wolle nicht dieselbe Auszeichnung erhalten, mit der vor ihm bereits Hans Globke, ein Kommentator der Nürnberger Gesetze, ausgezeichnet worden war. 1969 wurde Ziegler Ehrenmitglied der Society for the Promotion of Hellenic Studies in London und Ehrenbürger der Stadt Göttingen.
Zieglers wissenschaftliches Werk war weit gespannt, hatte aber seit seiner Dissertation über „Gebetsformen bei den Griechen“ einen gewissen Schwerpunkt bei der antiken Religionsgeschichte; so gab er von 1923 bis 1937 das von Wilhelm Heinrich Roscher begründete Ausführliche Lexikon der griechischen und römischen Mythologie heraus, aber auch Schriften Ciceros. Vor allem beschäftigte er sich zeit seines Lebens mit Plutarch, dessen Werke er in einer kritischen Ausgabe herausgab. Eine Studie zur Klassischen Walpurgisnacht in Goethes Faust II wurde 20 Jahre später eine wichtige Quellenschrift für Thomas Mann im 7. Kapitel von Lotte in Weimar.[2]
1946 übernahm Ziegler die nach dem Tod von Karl Mittelhaus verwaiste Herausgeberschaft von Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft, für die er seit 1912 bereits Artikel verfasst hatte. Auch er erlebte wie seine Vorgänger den Abschluss des riesigen Werkes nicht mehr, konnte es aber in knapp 30 Jahren durch die Herausgabe von 21 Bänden bis kurz vor die Vollendung bringen, die dann Hans Gärtner betreute. Zusammen mit Walther Sontheimer gab Ziegler auch die fünfbändige Kurzausgabe Der Kleine Pauly heraus.
Erster Lehrstuhl: Johann Gottlob Theaenus Schneider (1811–1815) | Franz Passow (1815–1833) | Friedrich Wilhelm Ritschl (1833–1839) | Friedrich Haase (1840–1867) | August Reifferscheid (1868–1885) | Wilhelm Studemund (1885–1889) | Richard Foerster (1890–1898) | Eduard Norden (1898–1906) | Paul Wendland (1906–1909) | Alfred Gercke (1909–1922) | Ludolf Malten (1922–1945)
Zweiter Lehrstuhl: Ludwig Friedrich Heindorf (1811–1816) | Karl Ernst Christoph Schneider (1816–1856) | Johannes Vahlen (1856–1858)
Dritter Lehrstuhl: Joseph Julius Athanasius Ambrosch (1834–1856) | August Rossbach (1856–1898) | Richard Foerster (1898–1920) | Konrat Ziegler (1920–1923)
Vierter Lehrstuhl (bis 1862 Extraordinariat): Wilhelm Wagner (1845–1857) | Rudolf Westphal (1857–1862) | Martin Hertz (1862–1893) | Friedrich Marx (1893–1896) | Franz Skutsch (1896–1912) | Wilhelm Kroll (1913–1935) | Hans Drexler (1935–1940) | Wilhelm Süß (1940–1945)
Etatmäßiges Extraordinariat: Richard Foerster (1873–1875) | Arthur Ludwich (1876–1878) | Georg Kaibel (1879–1881) | Konrad Zacher (1881–1907) | Konrat Ziegler (1909–1920)
Erster Lehrstuhl: Christian Wilhelm Ahlwardt (1817–1830) | Georg Ludwig Walch (1830–1838) | Rudolf Heinrich Klausen (1838–1840) | Otto Jahn (1842–1847) | Ludwig von Urlichs (1847–1855) | Martin Hertz (1855–1862) | Hermann Usener (1863–1866) | Franz Bücheler (1866–1870) | Wilhelm Studemund (1870–1872) | Adolph Kießling (1872–1889) | Friedrich Marx (1889–1893) | Eduard Norden (1893–1899) | Wilhelm Kroll (1899–1906) | Carl Hosius (1906–1913) | Ernst Lommatzsch (1913–1922) | Günther Jachmann (1922) | Kurt Latte (1923–1926) | Franz Dornseiff (1926–1948) | Jürgen Kroymann (1954–1955) | Dietrich Ebener (1957–1967) | Martin Hose (1994–1997) | Michael Weißenberger (seit 1999)
Zweiter Lehrstuhl: Georg Friedrich Schömann (1827–1879) | Rudolf Schöll (1873–1874) | Eduard Hiller (1874–1876) | Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff (1876–1883) | Georg Kaibel (1883–1886) | Ernst Maass (1886–1895) | Alfred Gercke (1896–1909) | Hermann Schöne (1909–1916) | Johannes Mewaldt (1916–1923) | Konrat Ziegler (1923–1933) | Franz Egermann (1934–1942) | Gregor Vogt-Spira (1994–2006)
Dritter Lehrstuhl (Extraordinariat, 1863–1898 Ordinariat): Franz Susemihl (1856–1898) | Alfred Körte (1899–1903) | Ludwig Radermacher (1903–1906) | Ernst Bickel (1906–1909) | Johannes Mewaldt (1909–1914) | Georg Thiele (1914–1917) | Kurt Witte (1917–1920) | August Schmekel (1921–1927)
| Personendaten | |
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| NAME | Ziegler, Konrat |
| ALTERNATIVNAMEN | Ziegler, Konrat FĂĽrchtegott |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher klassischer Philologe |
| GEBURTSDATUM | 12. Januar 1884 |
| GEBURTSORT | Breslau |
| STERBEDATUM | 8. Januar 1974 |
| STERBEORT | Göttingen |