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| Republika e KosovĂ«s (albanisch)</small> РДпŃблОĐșа ĐĐŸŃĐŸĐČĐŸ/Republika Kosovo (serbokroatisch) Republik Kosovo | |||||
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| Amtssprache | Albanisch und Serbisch | ||||
| Hauptstadt | Prishtina/PriĆĄtina | ||||
| Regierungsform | Parlamentarische Demokratie | ||||
| Regierungschef | Premierminister Hashim Thaçi | ||||
| FlĂ€che | 10.887 kmÂČ | ||||
| Einwohnerzahl | 1.733.872[2] | ||||
| Bevölkerungsdichte | 159,3 Einwohner pro kmÂČ | ||||
| Bruttoinlandsprodukt | 5,352 Mrd. US$ (2011)[3] | ||||
| Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner | 2.750 US$ (2011)[3] | ||||
| WĂ€hrung | Euro (unilateral als FremdwĂ€hrung ĂŒbernommen, nicht an der EuropĂ€ischen WĂ€hrungsunion beteiligt) | ||||
| Nationalhymne | Evropa | ||||
| Nationalfeiertag | 17. Februar | ||||
| Zeitzone | UTC+1 MEZ UTC+2 MESZ (MĂ€rzâOktober) | ||||
| Kfz-Kennzeichen | RKS | ||||
| Telefonvorwahl | +381 (entspricht der Vorwahl von Serbien) Nutzer bestimmter Mobilfunknetze: | ||||
| 1 Die UnabhÀngigkeit Kosovos ist völkerrechtlich umstritten. Die Republik Kosovo wurde bislang von 88 UN-Mitgliedstaaten anerkannt.[4] | |||||
Kosovo (auch der Kosovo oder das Kosovo;[5] albanisch Kosova/KosovĂ«, serbokroatisch Kosovo/ĐĐŸŃĐŸĐČĐŸ) ist als stabilisiertes De-facto-Regime[6] eine Republik in SĂŒdosteuropa auf dem westlichen Teil der Balkanhalbinsel. Sie hat etwa 1,7 Millionen Einwohner; Hauptstadt ist PriĆĄtina.
Die jĂŒngere Geschichte ist durch den Kosovokrieg von 1999 und dessen Folgen geprĂ€gt. Der völkerrechtliche Status des Landes ist umstritten.[7] Am 17. Februar 2008 proklamierte das Parlament die UnabhĂ€ngigkeit des Territoriums von Serbien. 88 der 193 UN-Mitgliedstaaten erkennen die Republik Kosovo als unabhĂ€ngig an.[4]
Serbien betrachtet Kosovo unverĂ€ndert als seine Autonome Provinz Kosovo und Metochien (Autonomna pokrajina Kosovo i Metohija/ĐŃŃĐŸĐœĐŸĐŒĐœĐ° ĐżĐŸĐșŃаŃĐžĐœĐ° ĐĐŸŃĐŸĐČĐŸ Đž ĐĐ”ŃĐŸŃ ĐžŃа, kurz Kosmet/ĐĐŸŃĐŒĐ”Ń; albanisch Krahina Autonome e KosovĂ«s dhe MetohisĂ«). Kosovo wurde nach dem Kosovokrieg im Jahr 1999, bei formeller Wahrung der Zugehörigkeit zu Jugoslawien, unter die Verwaltungshoheit der Vereinten Nationen gestellt.[8] Völkerrechtliche Grundlage war hierbei die Resolution 1244 des UN-Sicherheitsrates, welche die SouverĂ€nitĂ€t und territoriale Unversehrtheit der Bundesrepublik Jugoslawien, deren Rechtsnachfolger das heutige Serbien ist, garantiert. Zudem wird die politische Entwicklung seit dem 9. Dezember 2008 durch die âEULEX Kosovoâ ĂŒberwacht. Dies gilt auch fĂŒr die Region Nordkosovo, die von der Regierung Kosovos derzeit nicht kontrolliert wird. Der Internationale Gerichtshof (IGH) gelangte am 22. Juli 2010 in einem rechtlich nicht bindenden, von der UN-Generalversammlung auf serbische Initiative angeforderten Gutachten zu dem Ergebnis, dass die UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung des Kosovo nicht gegen das Völkerrecht verstoĂe. Gleichzeitig vermied der IGH, den völkerrechtlichen Status des Kosovo zu bewerten und erkannte die GĂŒltigkeit der UN-Resolution 1244 an.[9]
Das Land ist seit Juni 2009 Mitglied im Internationalen WĂ€hrungsfonds (IWF) und in der Weltbankgruppe.[10]
Inhaltsverzeichnis |
âKosovoâ bezeichnet in der Regel das Gesamtgebiet. Auch im Serbokroatischen wird Kosovo bedeutungsgleich gebraucht. Daneben wird von nationalbewussten Serben die Bezeichnung Kosmet, eine Wortkombination aus Kosovo und Metochien, parallel verwendet.
Kos bezeichnet im Serbokroatischen die Amsel. Die Region ist nach dem Amselfeld (serbisch: Kosovo Polje, albanisch: FushĂ« KosovĂ«) bei PriĆĄtina, benannt. Das Wort kosovo ist ein besitzanzeigendes Adjektiv (âzur Amsel gehörigâ) und daher ohne zusĂ€tzliches polje (âFeldâ) eigentlich unvollstĂ€ndig. Die AbkĂŒrzung hat sich jedoch in dieser Form eingebĂŒrgert.
Die Bezeichnung âMetochienâ fĂŒr den Westen Kosovos leitet sich vom griechischen ΌΔÏÎżÏÎź (metochĂ, Klostergut) ab. Dieser Name, der eine von vielen Kirchen und Klöstern geprĂ€gte Landschaft beschreibt, wurde in Jugoslawien ab 1974 von staatlicher Seite nicht mehr verwendet. Die Kosovo-Albaner nennen diese Region Dukagjini bzw. Rrafshi i Dukagjinit.
Dardanien bzw. Dardania ist unter Albanern eine verbreitete historisierende Bezeichnung fĂŒr den Kosovo. Sie leitet sich vom antiken illyrischen Volk der Dardaner ab, die im Gebiet des heutigen Kosovos lebten.[11] Sie umfasste das heutige Territorium Kosovos und ferner einige Gebiete im SĂŒden Serbiens sowie in Mazedonien. Im Oktober 2000 prĂ€sentierte der spĂ€tere PrĂ€sident Ibrahim Rugova seinen Vorschlag fĂŒr eine zukĂŒnftige Flagge des Kosovo. Auf ihr befand sich ein Spruchband mit der Bezeichnung âDardaniaâ, die Rugova als Landesnamen eines unabhĂ€ngigen Kosovos vorschlug.
Der Kosovo liegt in Binnenlage im Zentrum der Balkanhalbinsel. Er grenzt im SĂŒdwesten an Albanien, im Nordwesten an Montenegro, im Norden und Osten an Serbien bzw. Zentralserbien und im SĂŒdosten an Mazedonien. Tektonisch sind die Einebnungen des Amselfeldes und Metochiens gĂ€nzlich von Gebirgen begrenzt. Die Gebirgsgruppen des Prokletije grenzen den Kosovo zu Montenegro und Albanien, der Kopaonik zu Serbien und die Ć ar Planina zu Mazedonien ab.
Mit 10.887 kmÂČ hat Kosovo als kleinstes Land SĂŒdosteuropas etwa die FlĂ€che Jamaikas und ist mit 195 Einwohnern pro Quadratkilometer vergleichsweise dicht besiedelt. 53 % der FlĂ€che werden landwirtschaftlich genutzt, 42 % sind Waldgebiet und 5 % bebaut bzw. Stadtgebiet.
Durch die rĂ€umliche Struktur einer von Hochgebirgen umgebenen Senke war der Kosovo zum einen schon immer eine wichtige ackerbaulich genutzte Region â bekannt ist der Amselfelder Wein â sowie Zentrum der balkanischen Fernweidewirtschaft, in dem insbesondere die Niederung Metochiens als Winterweidegebiet genutzt wurde und noch im 19. Jahrhundert von thessalischen und nordserbischen Wanderhirten aufgesucht wurde. Eine Besonderheit der Viehzucht stellt die zum Teil bis heute andauernde Nutzung von WasserbĂŒffeln dar.
Siedlungsgeographisch ist das höher gelegene Amselfeld mit der Hauptstadt PriĆĄtina, das sich zwischen dem Ibar und der JuĆŸna Morava als langgezogen Senke hinzieht, heute die ökonomisch wichtigere Region. Historisch war Metochien mit den Ă€ltesten stĂ€dtischen Zentren von Prizren, dem alten römischen Verwaltungszentrum und spĂ€teren serbischen Kaiserstadt sowie PeÄ bedeutender. Die Ebenen sind durch ein hĂŒgeliges groĂteils von lockeren EichenwĂ€ldern bewachsenes Mittelgebirgsland voneinander getrennt, was die Kommunikationswege erschwert.
Die Hochgebirgslandschaften an den Grenzen zu Albanien, Montenegro und Mazedonien erreichen durchweg 2.500 m. Höchste Berge sind Gjeravica/Äeravica (in der GroĂgemeinde PejĂ«/PeÄ) 2.656 m Bistra (Ferizaj/UroĆĄevac) 2.640 m Marjash/MarjaĆĄ (PejĂ«/PeÄ) 2.530 m Luboteni/Ljuboten (Ferizaj/UroĆĄevac) 2.496 m und Koproniku/Koprivnik (PejĂ«/PeÄ) 2.460 m. GroĂteils aus Silikatgesteinen aufgebaut, sind die Gebirge meist auch wasserreich und gut fĂŒr Viehherdenhaltung geeignet. Aus kreidezeitlichen Kalken sind Karstgebirge wie der Koprivnik sowie die zentralen Teile der Ć ar Planina mit der Bistra aufgebaut, damit auch weniger zugĂ€nglich und wasserĂ€rmer.
Durch den Westen des Landes flieĂt der WeiĂe Drin, welcher in der NĂ€he von PeÄ entspringt. Der Drin ist der wichtigste und mit etwa 113 km der lĂ€ngste Fluss im Kosovo. Einige Seen und Stauseen befinden sich im Landesinneren sowie an den Grenzen zu Serbien und Albanien. Der gröĂte von ihnen ist der Gazivodesee mit 11,9 kmÂČ, gefolgt von RadonjiÄ-See und Batlava-See.
Zahlreiche Glazialseen finden sich insbesondere in der Ć ar Planina. Im metochischen Prokletije sind drei kleine Seen um die Äeravica als Zeugnisse eiszeitlicher Vereisung der Gebirge ĂŒbriggeblieben.
Kosovo verfĂŒgt ĂŒber gemĂ€Ăigtes kontinentales Klima mit ausgeprĂ€gten, jahreszeitlich bedingten Temperaturschwankungen.
Die Temperaturen können im Sommer bis auf 40 °C steigen und im Winter auf unter â20 °C fallen, starke SchneefĂ€lle sind dabei keine Seltenheit.
| Statistische Daten (2006)[12] | |
|---|---|
| Lebenserwartung Jahre |
69 |
| Sterberate je 1000 Einwohner |
3,56 |
| Geburtenrate je 1000 Einwohner |
16,7 |
| Bevölkerungsdichte Einwohner pro kmÂČ |
166,7 |
| StĂ€dtische Bevölkerung | 35â40 % |
| Bevölkerung unter 18 Jahren |
46 % |
| Bevölkerung ĂŒber 65 Jahren |
6 % |
Zur VolkszĂ€hlung 2011 hatte die Republik Kosovo 1,733 Millionen Einwohner. Ihre Bevölkerung ist im europĂ€ischen Vergleich sehr jung: 33 % sind unter 16 Jahre alt, ĂŒber die HĂ€lfte der Bevölkerung ist jĂŒnger als 25 Jahre, nur 6 % ĂŒber 65 Jahre. Die Geburtenrate ĂŒbertrifft die Sterberate derzeit deutlich: 23 Geburten pro 1000 Einwohner standen im Jahr 2003 sieben TodesfĂ€lle pro 1000 Einwohner gegenĂŒber. Die kosovarische Bevölkerung hat sich seit 1982 verdoppelt. Die Lebenserwartung fĂŒr Frauen betrĂ€gt 71, die der MĂ€nner 67 Jahre. Der Anteil der Landbevölkerung liegt zwischen 60 und 65 %. SchĂ€tzungsweise ein Viertel der rund 1,7 Millionen Kosovaren lebt und arbeitet im Ausland, vor allem in Deutschland, den Vereinigten Staaten, Ăsterreich und der Schweiz.[13]
| Name (Albanisch) | Name (Serbisch) | Einwohner |
|---|---|---|
| Prishtina | PriĆĄtina | 198.214 |
| Prizren | Prizren | 178.112 |
| Ferizaj | UroĆĄevac | 108.690 |
| Peja | PeÄ | 95.723 |
| Gjakova | Äakovica | 94.158 |
| Gjilan | Gnjilane | 90.015 |
| Podujeva | Podujevo | 87.933 |
| Mitrovica | Kosovska Mitrovica | 71.601 |
| Vushtrria | VuÄitrn | 69.881 |
| Suhareka | Suva Reka | 59.702 |
Die Zahlen stammen aus der letzten VolkszÀhlung vom Juni 2011.[14]
Der Anteil der Kosovo-Albaner wuchs im Laufe des letzten Jahrhunderts infolge ĂŒberdurchschnittlich hoher Geburtenzahlen bestĂ€ndig an. Eine nichtserbische Bevölkerungsmehrheit wies Kosovo bereits 1912 auf, als die osmanische Herrschaft endete.[15] Wann zuletzt oder ob jemals eine serbische Mehrheit bestand, ist unter Historikern umstritten.
Kosovo wird heute in groĂer Mehrheit von Albanern bewohnt. SchĂ€tzungen der Weltbank aus dem Jahr 2000, denen das statistische Amt von Kosovo bis heute folgt, gehen von 88 % Albanern, 7 % Serben und 5 % der ĂŒbrigen ethnischen Gruppen aus. Zu letzteren gehören vor allem TĂŒrken, Bosniaken, Torbeschen, Goranen, Janjevci (Kroaten), Roma, Aschkali und Balkan-Ăgypter. Nach dem Krieg 1999 wurde ein Teil der serbischen Minderheit vertrieben.[16] Heute ist vor allem der Norden des Kosovo mehrheitlich von Serben besiedelt, die die albanisch gefĂŒhrte Regierung in Prishtina nicht anerkennen und zuletzt in einem zweitĂ€gigen Referendum mit 99,74 % jede Zusammenarbeit mit ihr verweigern.[17]
Amtssprachen sind Albanisch und Serbisch, in einigen Gemeinden auch TĂŒrkisch, Bosnisch und Romanes.[18] Unter der UNMIK-Administration hatte auch Englisch offiziellen Status.[19]
Zum muslimischen Glauben bekennen sich die meisten Albaner, Goranen, Bosniaken und die Angehörigen der tĂŒrkischen Minderheit. Die Mehrheit der albanischen Muslime sind Sunniten.[20]
Die Serben gehören der Serbisch-Orthodoxen Kirche an. Die schÀtzungsweise 60.000 römisch-katholischen Christen sind fast ausnahmslos Albaner, die wenigen gleichfalls römisch-katholischen Angehörigen der Janjevci, der kroatischen Minderheit im Kosovo, sind nach dem Kosovo-Konflikt fast alle geflohen.
Die Gruppen der Roma, Aschkali und Ăgypter enthalten AnhĂ€nger aller drei Glaubensrichtungen.
Das VerhÀltnis zwischen islamischen und römisch-katholischen Gemeinden von Kosovo gilt als gut, doch beide Gruppen haben wenige bis keine Beziehungen zur Serbisch-Orthodoxen Kirche. Kosovo-Albaner definieren ihre ethnische Zugehörigkeit durch Sprache, nicht durch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion.[21] Im Gegensatz dazu wird bei den slawischen Volksgruppen, sowohl bei den muslimischen Bosniaken als auch bei den orthodoxen Serben, die Religion als IdentitÀtsmerkmal angesehen.
Der Islam im Kosovo hat zwei Organisationsebenen: Die Islamische Gemeinde von Kosovo als offizieller Vertreter aller Muslime und die Organisationen der Derwisch-Orden und Sufi-Bruderschaften. Vor dem Kosovokrieg gab es 560 Moscheen und sechzig Tekken der Sufi-Bruderschaften, letztere vor allem in den sĂŒdlichen StĂ€dten wie PeÄ/Peja, Äakovo/Gjakova, Orahovac/Rahovec und Prizren. WĂ€hrend des Krieges wurden 218 Moscheen und fĂŒnf Tekken zerstört.
Der Sufismus im Kosovo gilt als Mischung zwischen den Glaubensrichtungen der Sunniten und Schiiten. Mitglieder des Bektaschi-Ordens, dessen Zentrum seinen Sitz in der albanischen Hauptstadt Tirana hat, waren fĂŒhrend in der albanischen Nationalbewegung des 19. Jahrhunderts. Die Mitglieder der Sufi-Bruderschaften gelten als religiöser und nationalorientierter als die Vertreter des traditionellen Islam im Kosovo.
Die Imame werden an der FakultĂ€t fĂŒr Islamische Studien in PriĆĄtina ausgebildet, dort studieren auch angehende Imame aus Albanien, Mazedonien und Montenegro. Ein vergleichsweise aktives religiöses Leben gibt es im SĂŒden und SĂŒdosten von Kosovo um die StĂ€dte Dragash/DragaĆĄ, Gjilan/Gnjilane und Prizren. In anderen Gebieten haben die Moscheen stark unter Besuchermangel zu leiden.
Der Kosovo ist ein wichtiges Zentrum der serbischen Orthodoxie und beherbergt den Erzbischöflichen Sitz des Patriarchats von PeÄ sowie die Eparchie Raszien-Prizren. Einige der bedeutendsten und Ă€ltesten Kirchen und Klöster der Serbisch-Orthodoxen Kirche, insbesondere die Klöster Visoki DeÄani und GraÄanica, befinden sich im Kosovo (siehe auch: Liste der KulturdenkmĂ€ler im Kosovo). Die autokephale serbisch-orthodoxe Kirche ist ihrem SelbstverstĂ€ndnis nach Bewahrerin einer serbischen Kultur und IdentitĂ€t. WĂ€hrend der Ăra MiloĆĄeviÄ unterstĂŒtzten anfangs weite Teile des Klerus dessen Politik. Als deren negative Folgen fĂŒr die Serben selbst immer deutlicher zutage traten, gingen sie auf Distanz. Nach Beendigung der NATO-Luftangriffe wurden 1999 nach Angaben von Vertretern von UNMIK 76 serbisch-orthodoxe Kirchen, Klöster und Kapellen zerstört. In der Zeit nach dem Einmarsch der KFOR wurden der serbisch-orthodoxe Bischof Artemije von Raszien und Prizren und der Mönch Sava vom Kloster DeÄani zunĂ€chst politische Sprecher derjenigen Kosovo-Serben, die eine Zusammenarbeit mit der UNMIK befĂŒrworteten. In den letzten Jahren hat der Klerus seine Rolle als Sprecher der Serben allerdings gröĂtenteils an kosovo-serbische Politiker abgetreten. Bei den gewalttĂ€tigen Ausschreitungen im MĂ€rz 2004 kam es erneut zu Zerstörungen von serbisch-orthodoxen Kirchen und Klöstern, woraufhin die KFOR den Schutz dieser GebĂ€ude verstĂ€rkte.
Es gibt etwa 65.000 römisch-katholische Albaner, dazu kommt noch eine kleine Gruppe römisch-katholischer Roma und Kroaten. Sie sind in 23 Pfarreien aufgeteilt, in denen 55 Priester arbeiten. Bis zum Jahr 2000 gehörten die römisch-katholischen Kosovaren zum Bistum Skopje und Prizren, dann wurde der mazedonische Teil abgetrennt und eine eigenstĂ€ndige Apostolische Administratur Prizren gebildet. Katholiken grĂŒndeten die Partia Shqiptare Demokristiane e KosovĂ«s (PSHDK, Albanische Christlich-Demokratische Partei des Kosovo), wobei unter den Mitgliedern der PSHDK auch eine hohe Anzahl von Muslimen ist; sie stellt seit 2010 keine Abgeordneten mehr im Parlament. Die meisten römisch-katholischen Priester gehören dem Orden der Franziskaner an und wurden in Bosnien-Herzegowina, Kroatien oder Slowenien ausgebildet.
Bei Frauen ist der Anteil an Analphabeten signifikant höher als bei MĂ€nnern: 13,4 % in lĂ€ndlichen Gebieten (3,8 % bei MĂ€nnern) und 10,4 % in stĂ€dtischen Siedlungen (MĂ€nner 2,3 %). Analphabetismus korreliert nicht nur mit dem Geschlecht, sondern auch mit dem Alter â in der Gruppe bis 39 Jahre liegt die Rate weit unter dem Durchschnitt, unter Frauen zwischen 55 und 59 Jahren sind knapp 20 %, unter Frauen zwischen 70 und 74 Jahren sind knapp 60 % Analphabeten.
Der Unterricht in der Grundschule wird im Land je nach Situation in der Gemeinde in einer der fĂŒnf Sprachen Albanisch, Serbisch, Bosnisch, TĂŒrkisch und Kroatisch durchgefĂŒhrt und ist fĂŒr alle Kinder obligatorisch und kostenlos. Zuletzt veröffentlichte die Regierung Kosovos PlĂ€ne, nach denen das ganze Bildungswesen reformiert werden soll. Unter anderem sehen diese vor, die Mittelschule als obligatorisch festzulegen. Die Reformen werden seitens der Regierung als PrioritĂ€t benannt, doch das Fehlen von Geldern sowie technologischen und professionellen Mitteln fĂŒr den Unterricht und auĂerdem die hohe SchĂŒlerzahl pro Klasse sind HinderungsgrĂŒnde fĂŒr eine umfassende Bildungsreform.
WĂ€hrend des Schuljahrs 2005/2006 waren insgesamt 423.220 SchĂŒler in der Vor-, Grund- und Mittelstufe registriert. 22.404 LehrkrĂ€fte unterrichteten sie. Dies entspricht pro Lehrer ca. 19 SchĂŒler.
1970 wurde die UniversitÀt Prishtina eröffnet. Im Schuljahr 2005/2006 wurden 28.707 Studenten und 980 Professoren registriert. Pro Kurs machte das durchschnittlich 29 Studierende.
Das Gebiet des spĂ€teren Kosovo war in der Antike von den Illyrern besiedelt (das römische Theranda in der NĂ€he des heutigen Prizren war ursprĂŒnglich eine illyrische Siedlung). Die Illyrer im Kosovo standen auch in direkter Nachbarschaft mit den Thrakern. Nach der Zerschlagung des von Königin Teuta regierten Illyrischen Reichs der Labeaten im ersten Illyrischen Krieg 229/228 v. Chr. kam die Region unter römische Herrschaft. Erst nach weiteren Jahrzehnten militĂ€rischer Auseinandersetzungen zwischen Römern und Illyrern wurde das Gebiet 168 v. Chr. ein Protektorat des Römischen Reiches. Seit 59 v. Chr als Illyrische Provinz bezeichnet, wurde diese erst nach den Kriegen Octavians in Illyrien 35 bis 33 v. Chr. offiziell zur Römischen Provinz. Nach weiteren Eroberungen der Römer und der Einrichtung der Provinz Moesia verblieb das spĂ€tere Metochien bei Illyricum, wĂ€hrend das Amselfeld Moesia superior zugeschlagen wurde. Neben Theranda war das bei PriĆĄtina gelegene Ulpiana die wichtigste römische Siedlung im Gebiet des Kosovo. Nach der Reichsteilung unter Theodosius I. geriet die Region schlieĂlich unter byzantinische Herrschaft.
Mit der Völkerwanderung der Awaren und der PlĂŒnderung und Einnahme der wichtigsten byzantinischen StĂ€dte in Mösien und Illyrien (siehe auch: BalkanfeldzĂŒge des Maurikios) siedelten sich im 7. Jahrhundert Slawen an. Im 9. Jahrhundert gehörte das nordwestliche Kosovo um PeÄ zum serbischen Staat der VlastimiroviÄ, das sĂŒdöstliche Kosovo mit Prizren und PriĆĄtina dagegen zum Bulgarischen Reich. Die Region wurde erst wieder unter Basileios II. 1018 von den Byzantinern zurĂŒckerobert. Im 11. Jahrhundert dehnte sich das serbische Raszien unter der Oberhoheit Dioklitiens nach SĂŒden aus, Konstantin Bodin lieĂ sich in Folge eines slawischen Aufstandes gegen Byzanz 1072 in Prizren zum Kaiser der Bulgaren ausrufen. Der Aufstand hatte allerdings keinen Erfolg, der SĂŒden Kosovos kam erneut unter byzantinische Herrschaft, wĂ€hrend der Norden bei Raszien, nun unter byzantinischer Oberhoheit, verblieb. Die byzantinische Herrschaft wurde mit der Schlacht bei Sirmium unter Manuel I. Komnenos auch gegenĂŒber Ungarn gefestigt.
Die Einbindung des raszischen GroĂĆŸupans Stefan Nemanja als byzantinischem Vasall und der von Ostrom erfolgten Missionierung und kulturellen PrĂ€gung des serbischen Hofes folgte die Bildung des serbischen Nemanjidenreiches auch auf ehemals byzantinischen Gebieten im Kosovo. Im Nemanjidenreich wurde das Kosovo aufgrund seiner BodenschĂ€tze und der Handelswege von der KĂŒste ins Balkaninnere zum politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Mittelpunkt des serbischen Staates. Diese BlĂŒte wurde mit dem Vormarsch der Osmanen beendet. Nach mehreren militĂ€rischen Auseinandersetzungen, von denen die Schlacht auf dem Amselfeld am bekanntesten ist, eroberten die Osmanen um 1454 die Region des heutigen Kosovo. Die gegen Ende des 14. Jahrhunderts begonnene Eroberung des heutigen Serbiens sowie Bosnien und Herzegowinas konnte im Jahr 1459/1461 unter Mehmet II. vollendet werden. Serbien und Bosnien wurden fĂŒr die folgenden vier Jahrhunderte zu Provinzen des Osmanischen Reiches.
Der Mythos der Kosovo-Schlacht sowie das historische Erbe im Kosovo begrĂŒndete die emotionale Bindung der Serben an die heute mehrheitlich von Albanern bewohnte Region. Die unter tĂŒrkischer Herrschaft islamisierten Albaner rĂŒckten in das, unter anderem nach dem GroĂen Exodus der Serben von 1690, fruchtbare Kosovo-Gebiet nach. Im 19. Jahrhundert war das westliche Kosovo, Metochien, schon mehrheitlich albanisch, hingegen der Osten, das âhistorischeâ Kosovo, mehrheitlich noch serbisch. Mit der UnabhĂ€ngigkeit des FĂŒrstentums Serbien 1878 kam es zu einer neuerlichen Bevölkerungsverschiebung, als viele Serben das Kosovo verlieĂen oder zur Aussiedlung genötigt, wĂ€hrend parallel ebenso Albaner das FĂŒrstentum Serbien verlieĂen oder zur Aussiedlung gezwungen wurden. In dieser Zeit bekam auch das östliche Kosovo eine albanische Mehrheit.
Nach dem Ersten Balkankrieg wurde das heutige Kosovo 1912 gröĂtenteils Serbien, die Gegend um PeÄ an Montenegro zugeschlagen. Ab 1918 war es dann Teil Jugoslawiens. WĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebiet Albanien zugeschlagen, das zu dieser Zeit ein italienischer Vasallenstaat war.
Nach dem Zweiten Weltkrieg und mit der Bildung des kommunistischen Jugoslawiens wurde 1948 das autonome Gebiet âKosovo und Metochienâ als Teil der nun Sozialistischen Republik Serbien errichtet. Mit der Autonomie erhoffte sich Jugoslawien eine Befriedigung der ethnischen Spannungen zwischen Albanern und Serben. 1963 wurde aus dem autonomen Gebiet eine autonome Provinz innerhalb Serbiens. Mit der Ănderung der jugoslawischen Verfassung 1974 wurden die zuvor schon bestehenden Autonomierechte erheblich erweitert.
In den 1980er Jahren wurden nationalistische Bestrebungen sowohl bei den Serben als auch bei den Albanern stĂ€rker. Beide Volksgruppen beklagten die Diskriminierung durch die jeweils andere Volksgruppe. Die Kosovo-Serben sahen sich durch die mehrheitlich albanische Provinzregierung und die Kosovo-Albaner wiederum durch die Republik Serbien benachteiligt. Parallel wurden Stimmen laut, die eine eigene Republik Kosovo innerhalb Jugoslawiens oder gar eine Sezession des Kosovo aus dem gesamtjugoslawischen Staatsverband forderten. Nationalistische Propaganda auf beiden Seiten heizten die Stimmung weiter an und begĂŒnstigten unter anderem die Machtergreifung von Slobodan MiloĆĄeviÄ, der grundlegende Reformen versprach.
Der Autonomiestatus des Kosovo aus dem Jahr 1974 wurde im Rahmen der sogenannten AntibĂŒrokratischen Revolution von 1989 auf Betreiben von Slobodan MiloĆĄeviÄ durch einen Beschluss des serbischen Parlaments aufgehoben und offiziell auf dem von 1963 zurĂŒck reduziert. Daraufhin riefen die wichtigsten albanischen Politiker zum Boykott aller serbischen staatlichen Einrichtungen auf, dem so genannten gewaltfreien Widerstand. Schon wĂ€hrend der Jugoslawienkriege flohen auch viele Kosovaren, obwohl es im Kosovo selbst nicht zu Kriegshandlungen gekommen war. Die Kosovo-Albaner baten in verschiedenen europĂ€ischen LĂ€ndern um Asyl und beklagten die Verletzung ihrer Menschen- und BĂŒrgerrechte durch die Regierung MiloĆĄeviÄ. Es gab seit 1989 durch den Boykott vielerorts kein albanischsprachiges Schulwesen mehr, Albaner wurden oftmals willkĂŒrlich enteignet, ihre Vereine und politischen Parteien waren verboten sofern sie der politischen Linie der Regierung MiloĆĄeviÄ nicht entsprachen. Die meisten im Staatsdienst beschĂ€ftigten Albaner sollen nach 1989 aufgrund ihrer Volkszugehörigkeit entlassen worden sein.
Nachdem die internationale Gemeinschaft eine weitgehende und funktionierende Autonomie des Kosovo aus der Friedenskonferenz von Dayton im Jahr 1995 ausgeklammert hatte, verschĂ€rften sich die Konflikte zwischen den Volksgruppen und die Forderung nach staatlicher UnabhĂ€ngigkeit weiter. Separatistische Gruppen, darunter die Demokratische Liga des Kosovo, errichteten mit der âRepublik Kosovaâ einen Schattenstaat, dessen Parallelinstitutionen unter anderem Schulbildung und medikamentöse Versorgung der Albaner sicherstellen sollten. Der lange Zeit gewaltfreie Widerstand ging ab etwa 1996 unter FĂŒhrung der UĂK in kĂ€mpferische Auseinandersetzungen zwischen albanischen FreischĂ€rlern und den serbischen StreitkrĂ€ften ĂŒber. Bis zum Jahr 1999 vervielfachten sich die Zahlen albanischer FlĂŒchtlinge aus dem jugoslawischen Staatsgebiet,[22] besonders in Richtung der NachbarlĂ€nder Albanien und Mazedonien sowie in die EuropĂ€ische Union und die Schweiz.[23]
Mit der BegrĂŒndung, eine humanitĂ€re Katastrophe abwenden zu wollen, begann die NATO nach dem Scheitern der Verhandlungen von Rambouillet am 24. MĂ€rz 1999 mit der Bombardierung strategischer Ziele in Jugoslawien. Als Ergebnis des Kosovokrieges wurde das Kosovo von den internationalen Truppen besetzt und ein UN-Protektorat errichtet. WĂ€hrend des Krieges waren die FlĂŒchtlingszahlen noch einmal sprunghaft angestiegen, anschlieĂend aber abgeebbt und viele Kosovaren kehrten in ihre Heimat zurĂŒck. Die Region wurde militĂ€risch befriedet.
Jedoch kam es im MĂ€rz 2004 zu konzertierten GewalttĂ€tigkeiten ĂŒberwiegend gegen Serben und ihre religiösen StĂ€tten, aber auch gegen Roma und Aschkali; etwa 50.000 Personen[24] nahmen an diesen GewalttĂ€tigkeiten teil, bei denen 19 Menschen getötet, mehr als 1.000 verletzt und ĂŒber 4.000 vertrieben wurden.[25][26] Die NATO verstĂ€rkte daraufhin ihre PrĂ€senz.
Weitere Ausschreitungen ereigneten sich in den Wochen nach der Ausrufung der Republik â diesmal allerdings im mehrheitlich von Serben bewohnten Norden des Landes. Die Gewalt konnte erst durch ein Eingreifen der KFOR-Truppen beendet werden.[27]
Seit Beginn der United Nations Interim Administration Mission in Kosovo (UNMIK) stand der zukĂŒnftige politische Status des Kosovo regelmĂ€Ăig auf der internationalen Tagesordnung. Auch nach dem Scheitern des Versuchs, mit Serbien zu einer einvernehmlichen Lösung zu gelangen, und der darauf folgenden einseitigen UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung des kosovarischen Parlaments, ist das Thema noch immer nicht vollstĂ€ndig geklĂ€rt.
Nach dem Ende des Kosovokrieges kam das Gebiet unter Verwaltung der Vereinten Nationen (UN). Es blieb formell Bestandteil des Nachfolgestaates Bundesrepublik Jugoslawien und spĂ€ter von Serbien und Montenegro, das bis 2006 existierte. Nachdem Montenegro sich von dieser Staatenunion fĂŒr unabhĂ€ngig erklĂ€rte, blieb Kosovo ein Teil der Republik Serbien.
Seit der UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung vom 17. Februar 2008 ist Kosovo aus Sicht seiner Institutionen ein souverĂ€ner Staat. Bis heute haben 88 von 193 UN-Mitgliedstaaten die UnabhĂ€ngigkeit des Landes anerkannt.[4] Andere Staaten halten die einseitig ausgerufene UnabhĂ€ngigkeit fĂŒr rechtswidrig und betrachten Kosovo weiterhin als einen Teil Serbiens, auch wenn die serbische Regierung keine Kontrolle mehr ĂŒber das Gebiet ausĂŒbt.[28] Anfang September 2011 zogen der Oman und Guinea-Bissau im Rahmen einer Versammlung der Blockfreien Staaten ihre Anerkennung des Kosovos wieder zurĂŒck bzw. stellten klar, dass diese nie vollzogen worden sei.[29]
Die UnabhĂ€ngigkeit sollte laut dem von Serbien abgelehnten Ahtisaari-Plan international ĂŒberwacht werden. Im Februar 2008 beschloss die EuropĂ€ische Union die Entsendung der Mission EULEX Kosovo, welche die rechtsstaatliche Entwicklung unterstĂŒtzen soll. Vorgesehen ist, dass rund 1.800 Polizisten und Juristen wesentliche Aufgaben in der bisherigen Interimsverwaltungsmission der Vereinten Nationen im Kosovo (UNMIK) ĂŒbernehmen.[30] EULEX nahm am 9. Dezember 2008 offiziell die Arbeit auf. Grundlage dafĂŒr war ein Kompromiss, dem die Vereinten Nationen, die EU und Serbien zustimmten. Demnach wird die TĂ€tigkeit von EULEX in einem statusneutralen Rahmen erfolgen[31] â was wiederum von der Regierung Kosovos nicht anerkannt wird.
Vier Monate nach der UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung trat am 15. Juni 2008 die neue Verfassung des Kosovo in Kraft.[32] Eine Woche zuvor war vom Parlament in PriĆĄtina bereits eine neue Nationalhymne und die GrĂŒndung einer eigenen 2.500 Mann starken Sicherheitsgruppe (albanisch Forca e SigurisĂ« sĂ« KosovĂ«s) verabschiedet worden. Die neue Verfassung definiert das Land als demokratisch regierten, laizistischen âStaat aller seiner BĂŒrgerâ, der die Rechte seiner Minderheiten und die internationalen Menschenrechte respektiert. In der neuen Verfassung werden die Gleichheit der Volksgruppen und die Bedeutung des Minderheitenschutzes besonders hervorgehoben. Autonomierechte werden den serbisch dominierten Regionen zugesprochen.[33]
Die politische Arbeit teilten sich bislang die UN-Verwaltung und die von ihr gegrĂŒndeten âInstitutionen der provisorischen Selbstverwaltungâ. Die Sicherheit wird von der durch ein UN-Mandat legitimierten Friedenstruppe âKosovo Forceâ (KFOR) unter FĂŒhrung der NATO garantiert. Ferner gibt es in den serbischen Enklaven, insbesondere im Nordkosovo, von Serbien finanzierte und kontrollierte Verwaltungsstrukturen (Schulen, Gerichte, Behörden). Diese werden von der UNMIK (und damit auch von EULEX) zwar toleriert, aber nicht anerkannt; umgekehrt erkennen die serbischen Verwaltungen ihrerseits die Entscheidungen der UNMIK nur zum Teil an.
Am 8. Oktober 2008 beauftragte die Generalversammlung der Vereinten Nationen den Internationalen Gerichtshof (IGH) mit der Erstellung eines Rechtsgutachtens zur GĂŒltigkeit der UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung Kosovos. Die UN-Generalversammlung folgte damit einem Antrag Serbiens.[34] Beim IGH hatten 21 Staaten, die den Kosovo anerkannt haben, und 14 Staaten, die sich gegen die UnabhĂ€ngigkeit aussprechen, Stellungnahmen eingereicht.[35] Das Gutachten des IGH wurde am 22. Juli 2010 veröffentlicht. Demnach verstieĂ die UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung nicht gegen das Völkerrecht.[36]
Seit der UnabhÀngigkeitserklÀrung im Februar 2008 verwenden die Institutionen die neue Flagge des Kosovo. Viele Kosovo-Albaner verwenden die Flagge Albaniens, wÀhrend die meisten Serben die Flagge Serbiens bevorzugen. Bei offiziellen AnlÀssen wurde bisher die Flagge der Vereinten Nationen verwendet.
Am 5. Juni 2008 gab der Vorsitzende der Verfassungskommission des kosovarischen Parlamentes Hajredin Kuqi bekannt, dass die Arbeitsgruppe zur Findung der kĂŒnftigen Nationalhymne sich auf die Komposition Evropa (âEuropaâ) von Mendi Mengjiqi geeinigt hat. Die Nationalhymne ist mit der Verabschiedung der Verfassung am 15. Juni 2008 in Kraft getreten und hat damit die bisher provisorisch verwendete Europahymne abgelöst. Sie hat keinen Text.
Die auswĂ€rtigen Beziehungen stehen bislang im Schatten des Streites um die diplomatische Anerkennung. Eine Reihe von Staaten, darunter Deutschland, Ăsterreich und die Schweiz, haben seit Februar 2008 Botschaften in PriĆĄtina eröffnet;[37] allerdings ist die Entsendung eines Botschafters zwischen kleineren Staaten auch nicht die Regel. Die NachbarlĂ€nder Albanien, Montenegro und Mazedonien haben diplomatische Beziehungen zu Kosovo aufgenommen.
Bisher haben 22 der 27 Mitgliedstaaten der EuropĂ€ischen Union den Kosovo als unabhĂ€ngigen Staat anerkannt. Spanien, Griechenland, Zypern, RumĂ€nien und die Slowakei erkennen Kosovo nicht an. Die EuropĂ€ische Kommission stuft Kosovo â unter Hinweis auf die UN-Resolution 1244, die den endgĂŒltigen völkerrechtlichen Status offen lĂ€sst â als potenziellen EU-Beitrittskandidaten ein.[38]
Ein wichtiger VerbĂŒndeter sind die Vereinigten Staaten, die im Rahmen der KFOR eine gröĂere MilitĂ€rbasis, Camp Bondsteel, unterhalten. Russland als stĂ€ndiges Mitglied des UN-Sicherheitsrates hat sich dagegen auf die Seite Serbiens gestellt, auch China verhĂ€lt sich weiterhin ablehnend. Daher bleibt Kosovo der Weg in die Vereinten Nationen und viele andere internationale Organisationen bis auf weiteres versperrt. Eine Ausnahme ist der Internationale WĂ€hrungsfonds, der Kosovo am 8. Mai 2009 eine Mitgliedschaft anbot.[39]
Am 17. Oktober 2009 ratifizierten die Parlamente Mazedoniens und des Kosovo einen Staatsvertrag zur Festlegung der gemeinsamen Staatsgrenze. Dabei wird erstmals die Grenze zwischen den beiden benachbarten Staaten international verbindlich festgeschrieben.[40]
Im MĂ€rz 2011 nahmen Vertreter Kosovos und Serbien erstmals direkte GesprĂ€che seit Februar 2008 auf, um technische und behördliche Fragen zu regeln. Die Vertreterin des Kosovo, Edita Tahiri (Stellvertretende MinisterprĂ€sidentin), und der Vertreter Serbiens, Borko StefanoviÄ (Stellvertretender AuĂenminister), trafen sich bisher sechsmal mit ihren Delegationen in BrĂŒssel. Bisher wurde nur eine Einigung im Bereich des Zivilstandsamtes erreicht. Demnach wird Serbien Kopien aus seinem Zivilregister betreffend Geburten, TodesfĂ€lle und Heiraten dem Kosovo ausstellen.
Zwischen Kosovo und Serbien bestehen seit der UnabhÀngigkeit 2008 gegenseitige Importverbote. Auch gegen Bosnien-Herzegowina hat Kosovo ein Importverbot verhÀngt.
Der StaatsprĂ€sident wird vom Parlament auf fĂŒnf Jahre gewĂ€hlt. Er garantiert das verfassungsgemĂ€Ăe Funktionieren des politischen Systems, schreibt Parlamentswahlen aus, kann Gesetze einmalig zurĂŒckweisen, wenn er sie als schĂ€dlich erachtet, verkĂŒndet die Gesetze, fĂŒhrt die AuĂenpolitik, empfĂ€ngt Diplomaten, ist Oberbefehlshaber der SicherheitskrĂ€fte, schlĂ€gt dem Parlament den Premierminister vor und kann eine Verfassungsklage fĂŒhren. Zudem kommen ihm weitere reprĂ€sentative Aufgaben und Ernennungsbefugnisse zu. Der PrĂ€sident ist politisch immun.
PrĂ€sident war vom 10. Februar 2006 bis 27. September 2010 Fatmir Sejdiu (LDK). Er trat zurĂŒck, da das Verfassungsgericht der Republik Kosovo entschied, dass der StaatsprĂ€sident nicht gleichzeitig Parteivorsitzender sein dĂŒrfe. Sejdiu hatte dieses Parteiamt nur ruhen gelassen. Ăbergangsweise ĂŒbernahm ParlamentsprĂ€sident Jakup Krasniqi (PDK) die Rechte und Pflichten des PrĂ€sidenten des Kosovo.[41] Am 22. Februar 2011 wurde der Bauunternehmer und Politiker Behgjet Pacolli von der Allianz fĂŒr ein neues Kosovo (AKR), einem Koalitionspartner der PDK von Thaçi, vom Parlament unter umstrittenen UmstĂ€nden zum neuen StaatsprĂ€sidenten gewĂ€hlt.[42] Am 28. MĂ€rz 2011 entschied das Verfassungsgericht, dass die Wahl des PrĂ€sidenten verfassungswidrig war. Das Gericht ging auf ein Frageschreiben der politischen Opposition ein. Am 7. April wurde Atifete Jahjaga als neue StaatsprĂ€sidentin vom Parlament mit 80 Stimmen von 100 möglichen gewĂ€hlt.
Das wichtigste exekutive Staatsorgan ist die Regierung. Der Premierminister wird auf Vorschlag des PrĂ€sidenten vom Parlament gewĂ€hlt, die vollstĂ€ndige Regierung muss vom Parlament bestĂ€tigt werden. Der Regierungschef kann Minister ohne Zustimmung des Parlaments entlassen. Jeweils ein Minister muss der serbischen, ein weiterer einer anderen Minderheit angehören. Falls das Kabinett aus mehr als zwölf Mitgliedern besteht, muss ein dritter Minister einer Minderheit zugerechnet werden. Seit dem 30. Januar 2008 ist Hashim Thaçi (PDK) Premierminister einer Mehrparteienkoalition, welche aber im Herbst 2010 auseinanderbrach. Am 22. Februar 2011 wurde eine neue Regierung wieder unter seiner FĂŒhrung gewĂ€hlt, der neben der PDK auch die AKR von Behgjet Pacolli und Vertreter der serbischen Minderheit angehören.[43]
Das Parlament, die Versammlung des Kosovo, hat 120 Sitze. Nach den Parlamentswahlen im Kosovo 2007 fand am 12. Dezember 2010 die erste Parlamentswahl seit der UnabhĂ€ngigkeit des Landes statt. Die zentrale kosovarische Wahlkommission registrierte zu dieser Wahl insgesamt 28 politische Einheiten.[44] Mit rund 32 Prozent der Stimmen ging die PDK als Sieger aus der vorgezogenen Parlamentswahl hervor. Westliche Wahlbeobachter hatten sich insgesamt positiv ĂŒber die Abstimmung geĂ€uĂert, jedoch warf die Opposition Thaçi in seiner Heimatregion massive FĂ€lschung vor, was spĂ€ter zu vielen Wahlwiederholungen fĂŒhrte.[45][46]
| Zusammensetzung 2011â2014 | |||
| Partei (NationalitÀt) |
Prozent | Sitze im Parlament | |
|---|---|---|---|
| PDK (alb.) | 32,11 % | 34 | |
| LDK (alb.) | 24,69 % | 27 | |
| VV (alb.) | 12,69 % | 14 | |
| AAK (alb.) | 11,04 % | 12 | |
| AKR (alb.) | 7,29 % | 8 | |
Vier Sitze entfallen auf Parteien der Minderheiten, die von der FĂŒnf-Prozent-HĂŒrde ausgenommen sind. Daneben sind zusĂ€tzlich 10 Sitze fĂŒr Vertreter der Kosovo-Serben, vier Sitze fĂŒr Roma, Aschkali und Balkan-Ăgypter, drei fĂŒr Bosniaken, zwei fĂŒr TĂŒrken und einer fĂŒr Goranen reserviert.
Die Zivilgesellschaft und die Parteienlandschaft Kosovos sind entlang ethnischer Linien aufgespalten. Das Vielparteiensystem wird von den beiden groĂen albanischen Parteien LDK und PDK dominiert. Die 1989 gegrĂŒndete âDemokratische Liga des Kosovoâ (LDK) war lange Zeit die politische Hauptkraft des Widerstandes gegen die serbische Herrschaft und stellte den spĂ€teren PrĂ€sidenten Ibrahim Rugova. Die âDemokratische Partei des Kosovoâ (PDK) ist derzeit die stĂ€rkste Partei. Sie vertritt teilweise sozialdemokratische Positionen und ist (seit 1999) die wichtigste politische Nachfolgeorganisation der paramilitĂ€rischen Organisation UĂK. Vorsitzender der PDK ist der aktuelle Regierungschef Hashim Thaçi.
Nach einer vom UNDP (United Nations Development Programme) unter den Bewohnern von Kosovo in der zweiten JahreshĂ€lfte 2005 durchgefĂŒhrten Umfrage bezeichneten die einzelnen ethnischen Gruppen als jeweils gröĂtes aktuelles Problem (Angaben in Prozent der ethnischen Gruppe):
Amnesty International warf 2007 der Regierung mangelnden Minderheitenschutz sowie die Nichtverfolgung an Serben begangener Kriegsverbrechen vor.[47] Aufgrund langdauernder Verbindungen zwischen politischem Extremismus und organisierter KriminalitĂ€t[48] bestehen enge Beziehungen zwischen Teilen des aus der UĂK hervorgegangenen politischen Establishments und kriminellen Strukturen.[49]
Kosovo ist in 30 GroĂgemeinden unterteilt, welche StĂ€dte und Dörfer mit deren Umgebungen umfassen.
| Kommunale Körperschaften im Kosovo albanischer/serbischer Name | |||
|---|---|---|---|
| Karte der Gemeinden im Kosovo |
|||
| 01. Deçan/DeÄani | 11. Leposaviq/LeposaviÄ | 21. Prizren | |
| 02. Dragash/Dragaƥ | 12. Lipjan/Lipljan | 22. Skënderaj/Srbica | |
| 03. Gjakova/Äakovica | 13. MalishevĂ«/MaliĆĄevo | 23. ShtĂ«rpca/Ć trpce | |
| 04. Gllogovc/Glogovac (Drenas) | 14. Mitrovica/Kosovska Mitrovica | 24. Shtime/Ć timlje | |
| 05. Gjilan/Gnjilane | 15. Novobërda/Novo Brdo | 25. Suhareka/Suva Reka | |
| 06. Istog/Istok | 16. Obiliq/ObiliÄ | 26. Ferizaj/UroĆĄevac | |
| 07. Kaçanik/KaÄanik | 17. Rahovec/Orahovac | 27. Viti/Vitina | |
| 08. Kamenica/Kosovska Kamenica | 18. Peja/PeÄ | 28. Vushtrri/VuÄitrn | |
| 09. Klina | 19. Podujeva/Podujevo | 29. Zubin Potok | |
| 10. FushĂ« Kosova/Kosovo Polje | 20. Prishtina/PriĆĄtina | 30. Zveçan/ZveÄan | |
| Quelle: OSCE â UNMIK-Verordnung 2000/43 | |||
Der ĂŒberwiegend von Serben bewohnte Nordkosovo entzieht sich de facto der Kontrolle der Institutionen in PriĆĄtina, da viele Einwohner die UnabhĂ€ngigkeit des Kosovo nicht anerkennen. Am 28. Juni 2008 begrĂŒndeten serbische Politiker im Kosovo ein von PriĆĄtina unabhĂ€ngiges Parlament der Gemeinschaft der Gemeinden der Autonomen Provinz Kosovo und Metochien.[50]
Als Leiter der UNMIK und Sonderbeauftragter des UN-GeneralsekretÀrs fungiert seit Juni 2008 Lamberto Zannier.
Die UNMIK bestand aus vier SĂ€ulen, die von unterschiedlichen internationalen Organisationen gebildet wurden: Polizei und Justiz (UN), Selbstverwaltung (UN), Demokratisierung und Wiederaufbau der Institutionen (OSZE) sowie Wiederaufbau und wirtschaftliche Entwicklung (EU). Die von der EU getragene âSĂ€uleâ wurde zum 30. Juni 2008 geschlossen.[51]
Wichtige Funktionen sind formal dem Leiter der UNMIK vorbehalten: Genehmigung des (von der lokalen Selbstverwaltung erstellten und verwalteten) Haushalts, Recht und Ordnung (Internationale UN-Polizei und lokale Kosovo-Polizei), Ernennung von Richtern, Schutz ethnischer Minderheiten, AuĂenbeziehungen wie der Abschluss von VertrĂ€gen mit anderen Staaten oder internationalen Organisationen, Verwaltung des Eigentums der Ăffentlichen Hand, Zoll- und Geldpolitik.
TatsĂ€chlich ĂŒbertrug UNMIK im Zuge der laufenden Rekonfiguration wichtige Funktionen an die Behörden des Kosovo, was mit der verĂ€nderten Situation im Land begrĂŒndet wurde. Abgegeben wurden insbesondere Polizeiaufgaben und die Organisation von Wahlen. Bis Ende 2008 verlieĂ zudem ein GroĂteil der UNMIK-Mitarbeiter das Land. Obwohl die Mission nominell andauert, bestehen laut dem UN-GeneralsekretĂ€r nur noch geringe Arbeitskontakte zwischen UNMIK und den Behörden Kosovos.[52] Ein UNMIK-Sprecher erklĂ€rte im Juni 2009, nach der Ăbertragung der meisten verbliebenen Funktionen an die EU-Rechtsstaatsmission (EULEX) sei UNMIK auf die politische Aufgabe konzentriert, den âDialog zwischen den Gemeinschaften herzustellenâ.[53]
Am 21. Januar 2009 wurden die SicherheitskrĂ€fte des Kosovo (Forca e SigurisĂ« sĂ« KosovĂ«s, FSK) gegrĂŒndet. Sie haben eine StĂ€rke von 2500 aktiven Soldaten und 800 Reservisten.[54] Mit der gleichzeitig erfolgten Auflösung des Kosovo-Schutzkorps erfĂŒllte die Regierung des Kosovo eine Verpflichtung aus dem Plan von UN-UnterhĂ€ndler Martti Ahtisaari, der Grundlage der Verfassung der Republik Kosovo ist.[55]
Nach Angaben des USâamerikanischen AuĂenministeriums ist der Kosovo mit den angrenzenden Regionen eine der wichtigsten europĂ€ischen Drogentransitrouten fĂŒr Heroin aus Afghanistan nach West-Europa.[56] Im Kosovo liegt dabei ein regionales Zentrum fĂŒr den Drogenschmuggel auf der Balkanhalbinsel.[57] Dabei war schon beim Aufbau der UCK in den 1990ern eine Verbindung der Finanzierung aus dem Rauschgiftmilieu vordergrĂŒndig.[58][59][60][61] Insbesondere nahm der Drogenhandel in der unkontrollierbaren Situation nach dem Kosovokrieg stark zu.[62] Bis zu 40 % des in Europa verkauften Heroins kam nach dem Krieg nach Angaben von Interpol aus dem Kosovo.[63][64] Dabei wurden die Notwendigkeit einer EindĂ€mmung der AusmaĂe des Drogenhandels im Kosovo nach dem Bericht Carla Del Pontes fĂŒr die europĂ€ische Kommission als Hauptproblemfeld in der weiteren europĂ€ischen Kosovo-Politik anerkannt,[65] die auch im Rahmen der Mission Eulex eine wichtige Rolle einnimmt.[66] Dennoch konnte die fĂŒr die Grenzkontrollen zustĂ€ndige Eulex mit den zur Zeit vorhandenen Mitteln keine wirksame ZollĂŒberwachung der administrativen Grenze durchfĂŒhren, was unter anderem auf die Rechtlosigkeit in einzelnen Landesteilen sowie die UntĂ€tigkeit der einheimischen Justiz zurĂŒckzufĂŒhren ist.[67]
Durch die SchwĂ€che der Justizbehörden ist die Verfolgung der ausgreifenden organisierten KriminalitĂ€t nicht einzudĂ€mmen.[68] Nach Angaben der UNMIK machte der Drogenhandel 2008 15â20 % der gesamten Wirtschaftsleistung des Landes aus.[69] Dabei entspricht der tatsĂ€chliche Wirtschaftsumsatz der Organisierten KriminalitĂ€t des durch enorme internationale Geldverschiebungen kĂŒnstlich hoch gehaltenen Bruttosozialprodukts deutlich ĂŒber 1/4 des gegenwĂ€rtigen Bruttosozialproduktes, was in etwa 1,5 Mio. Euro pro Tag (550 Mio. Euro pro Jahr) hinauslĂ€uft.[70] Insbesondere wurde dem Premier des Landes Ramush Haradinaj eine Verbindung zum Drogenhandel vorgeworfen,[71][72] was in der in Clans getrennten sozialen Nachkriegsgesellschaft im Kosovo und den in MachtkĂ€mpfen verfeindeten Gruppierungen, die mittlerweile teils in mafiös organisierten Strukturen einbezogen sind, zu sozialen Unsicherheit der kosovarischen Bevölkerung beitrĂ€gt.[73]
Da die bestimmenden Glieder der Regierung allgemein eine NĂ€he zur organisierten KriminalitĂ€t pflegen,[74] bilden mafiöse Strukturen die Grundlage der FĂŒhrungsbereiche in der politischen Landschaft.[75][76] Nach Erkenntnissen des Bundesnachrichtendienstes (BND)[77] betreiben die kosovarischen Spitzenpolitiker Thaci, Halili und Haradinaj eng verflochtene Netzwerke organisierter KriminalitĂ€t die Politik und Wirtschaft tief durchdringen.[78] So konnte erst auf Druck der EU ein Antikorruptionsgesetz zur BekĂ€mpfung der GeldwĂ€sche verabschiedet werden.[79] Als Ergebnis der sozialen Transformationsprozesse und der politischen Umgestaltung seit dem Kosovokrieg, sowie mit der Tolerierung der Machtstrukturen durch die internationale Gemeinschaft hat sich damit eine âGangsterbandenkulturâ, die den restlichen Teil der Gesellschaft in Geiselhaft hĂ€lt, durchsetzen können.[80]
Auf die Verbindung der Organisierten KriminalitĂ€t zu den Staatsstrukturen deuteten auch die Vorkommnisse in der sogenannten BND-AffĂ€re hin,[81] in deren Folge ein hochrangiger BND-Mitarbeiter vom Kosovo als âŠeinem Land, in dem organisierte KriminalitĂ€t die Staatsform ist⊠sprach.[82][83] Durch diese Etablierung der organisierten KriminalitĂ€t im politischen Umfeld im Kosovo die in den Bereichen Drogenschmuggel, Menschenhandel und GeldwĂ€sche fĂŒhrende Akteure der mafiösen Organisationen in Europa stellen,[84] mittlerweile stammen 80 Prozent des nach Westeuropa geschmuggelten Heroins aus dem Kosovo, ist diese Gruppierung eine ernstzunehmende Bedrohung fĂŒr die EU.[85] Eine im Auftrage des Deutschen Verteidigungsministeriums gemachte vertrauliche Studie zur Sicherheitsthematik im westlichen Balkan beim Berliner Institut fĂŒr EuropĂ€ische Politik kritisierte dabei die den europĂ€ischen BemĂŒhungen kontraproduktiv entgegengestellten Methoden der US-Amerikaner, die in EinzelfĂ€llen hochrangige Kriminelle unter Schutz stellten, sowie die ErmittlungsbemĂŒhungen europĂ€ischer Justizorgane behinderten.[86] Nach Ă€lteren Angaben der UNMIK betrieben organisierte kriminelle Albanergruppen daneben 104 Bordelle im Kosovo, in denen Zwangsprostitution, Frauenhandel, GeldwĂ€sche und Menschenschleusung Problemfelder der organisierten KriminalitĂ€t und deren Verflechtung mit den internationalen Organisationen vor Ort stellen.[87]
Innerhalb Jugoslawiens war Kosovo die Ă€rmste Region. Ursache dafĂŒr war â neben der allgemeinen RĂŒckstĂ€ndigkeit der Region â auch eine verfehlte Wirtschafts- und Strukturpolitik der Ăra Tito: im Kosovo wurde ĂŒberwiegend rohstofferzeugende und wenig weiterverarbeitende Industrie angesiedelt. Zwar wurde Kosovo von anderen jugoslawischen Republiken subventioniert, trotzdem lagen die Investitionen in den sechziger und siebziger Jahren bei etwa 50 % des jugoslawischen Durchschnitts. Die Subventionen gingen darĂŒber hinaus zu einem guten Teil in den nichtproduktiven Bereich. Das Bruttosozialprodukt pro Kopf sank so von 44 % des jugoslawischen Durchschnitts im Jahr 1952 auf 27 % im Jahr 1988.[88]
1989 lag das monatliche Durchschnittseinkommen im Kosovo bei 454 Dinar (Slowenien: 1180; Kroatien: 823; Zentralserbien: 784). In den frĂŒhen neunziger Jahren wurde die wirtschaftliche ProduktivitĂ€t des Kosovo noch einmal halbiert. GrĂŒnde waren der Zerfall des frĂŒheren Wirtschaftsraumes Jugoslawien im Gefolge der BĂŒrgerkriege, internationale Sanktionen und mangelnder Zugang zu auswĂ€rtigen MĂ€rkten und Finanzen. Durch den serbisch-albanischen Konflikt kam es 1998/99 noch einmal zu einem RĂŒckgang von 20 % â auf einem ohnehin schon sehr niedrigen Niveau.
Nach dem Kosovokrieg wurden rund 2 Milliarden Euro Hilfsgelder zur VerfĂŒgung gestellt. Wiederaufgebaut oder hergestellt wurden bisher 50.000 HĂ€user, 1.400 Kilometer StraĂen sowie KrankenhĂ€user und Schulen. Dies fĂŒhrte zu einem kurzfristigen Nachkriegsaufschwung in den Branchen Bau, Handel und Ăffentliche Verwaltung. Auf einer internationalen Geberkonferenz in BrĂŒssel im Juli 2008 sagten die beteiligten LĂ€nder bzw. Organisationen dem Kosovo weitere Hilfen von insgesamt 1,2 Milliarden Euro bis 2011 zu. Davon sollen etwa 500 Millionen Euro von der EuropĂ€ischen Union kommen, die Vereinigten Staaten wollen etwa 400 Millionen Dollar beisteuern. Die Vergabe der Mittel wurde an weitreichende Bedingungen zu deren Verwendung, so zum Beispiel auch fĂŒr die serbische Minderheit, geknĂŒpft.[89]
| Inflationsrate (Stand: 2009)[90] | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Rate | |||
| August 2009 | â3 % | |||
| 2008 | 9,4 % | |||
| 2007 | 4,3 % | |||
| 2005 | â0,5 % | |||
| 2004 | 1,5 % | |||
| 2003 | 1,1 % | |||
| 2002 | 3,6 % | |||
Die Wirtschaft stĂŒtzt sich zum einen auf kleinbĂ€uerliche Familienbetriebe sowie Privatunternehmen im Handels- und Bausektor, die meist nach dem Krieg gegrĂŒndet wurden und teilweise aus Fonds der EU gefördert werden, jedoch oft unterkapitalisiert sind. Die Finanztransfers aus dem Ausland gingen seit 2003 erheblich zurĂŒck.[91] Daneben gab es im Jahre 2005 18 Agrarkombinate, 124 staatliche Unternehmen und 150 genossenschaftliche Betriebe.[92] Diese Unternehmen befinden sich in gesellschaftlichem Eigentum (âsocially ownedâ), eine Sonderform des Eigentums im jugoslawischen Selbstverwaltungssozialismus, die nicht mit dem Staatseigentum in den anderen sozialistischen LĂ€ndern identisch ist. Diese Betriebe werden seit dem Jahr 2002 von der Kosovo-Treuhandanstalt (KTA/AKM) verwaltet, die der UNMIK untersteht.[93]
SchÀtzungen des Bruttoinlandsproduktes (BIP) schwanken zwischen 930 Euro pro Kopf (2003, Angaben der UNMIK) und 1500 Euro pro Kopf oder ca. drei Milliarden Euro insgesamt (2007).[94]
Das Wirtschaftswachstum wurde 2002 auf 2,2 %, 2003 auf 3,1 %, 2004 auf 3,2 % 2005 auf 3,5 und 2007 auf knapp 3,5â4,2 % geschĂ€tzt.
Der industrielle Sektor wird von den Bereichen Bergbau, Chemie, Elektro, Textil, Baustoffe und Holz geprÀgt. Im Bergbau werden Erz, Kohle, Blei und Zink gefördert. Insgesamt ist der industrielle Sektor eher schwach.[95] Der Industriesektor ist mit 22,6 % am BIP beteiligt.
Angebaut werden Getreide (Weizen, Mais), Sonnenblumen, Beeren, Raps, ZuckerrĂŒben und Trauben. Obwohl ein GroĂteil der Bevölkerung in diesem Sektor arbeitet, erwirtschaftet er nur 12,9 % des gesamten Bruttoinlandsprodukts.
Mit 64,5 % Anteil am Bruttoinlandsprodukt (2009) ist es der gröĂte Sektor in der Wirtschaft.[96]
Offizielle WĂ€hrung ist der Euro. Kosovo ist jedoch kein Mitglied der EuropĂ€ischen WĂ€hrungsunion. Die frĂŒher bereits als ZweitwĂ€hrung etablierte D-Mark wurde 1999 von der UNO-Verwaltung als WĂ€hrung eingefĂŒhrt und spĂ€ter vom Euro abgelöst. In serbischen Enklaven kann auch mit serbischen Dinar bezahlt werden.
2003 wurden Waren im Wert von 985,6 Millionen Euro importiert, der Export (im Wesentlichen Pilze, Bauholz und Altmetall) lag lediglich bei 36,3 Millionen Euro â im Ergebnis ein Defizit von rund 950 Millionen Euro. Dieses enorme AuĂenhandelsdefizit wuchs weiter: 2004 lag es bei rund einer Milliarde Euro, 2005 schon bei 1,13 Milliarden Euro.
Die Wirtschaft hĂ€ngt in auĂerordentlich hohem MaĂ von FinanzzuflĂŒssen von auĂen ab (Hilfsgelder, Kapitaltransfers von Emigranten). Nach Angaben des Finanzministeriums von Kosovo sind die Ăberweisungen durch Gastarbeiter aus dem Ausland höher als die im Kosovo erwirtschafteten Werte. Da die Hilfsgelder zurĂŒckgehen und der Zutritt zum EU-Arbeitsmarkt auch fĂŒr Kosovaren erschwert wird, birgt diese ohnehin ungesunde Struktur erhebliche Risiken. AuslĂ€ndische Direktinvestitionen sind angesichts ungewisser politischer Zukunft und problematischer Gesetzgebung bei der Privatisierung noch verschwindend gering.
Derzeit gibt es bei einer Million arbeitsfĂ€higer Bevölkerung lediglich etwa 325.000 ArbeitsplĂ€tze (einschlieĂlich nicht registrierter Schattenwirtschaft). JĂ€hrlich kommen weitere 36.000 junge Leute neu auf den Arbeitsmarkt.
Die Arbeitslosigkeit ist in den letzten Jahren auf hohem Niveau leicht gesunken (2001: 57,1 %, 2002: 55 %, 2003: 49,7 %). Im Jahr 2008 liegt die Arbeitslosigkeit zwischen 42 und 43 %. Die Altersgruppe zwischen 16 und 24 Jahren ist dabei zu 60 % betroffen.[94]
In der Vergangenheit wurde die Kombination zwischen chronischer UnterbeschÀftigung und sehr schnellem Bevölkerungswachstum durch Arbeitsemigration vor allem in die Schweiz und nach Deutschland gelöst.
Etwa vier Milliarden Euro hat die Staatengemeinschaft seit dem Kriegsende 1999 investiert, dennoch gibt es kaum Industrie, selbst landwirtschaftliche Produkte werden aus China importiert. Misswirtschaft, Korruption und Ăberreglementierung vonseiten der EU und den USA werden als Ursachen gesehen.[97]
Nach Angaben der Weltbank aus dem Jahr 2009 leben 34 % der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze (Einkommen unter 1,37 Euro pro Tag und Erwachsener) und 12 % sogar unterhalb der Grenze extremer Armut (Einkommen unter 0,93 Euro pro Tag und Erwachsener).
Betroffen sind vor allem Alte, Behinderte, Bewohner kleiner oder abgelegener StĂ€dte und Gemeinden sowie die Angehörigen der nicht-serbischen Minderheiten wie Roma oder slawische Moslems (Bosniaken). Die Armut im Kosovo wirkt sich auch auf andere Bereiche aus: der Sektor Erziehung ist unterfinanziert, an den Schulen wird in drei bis vier Schichten unterrichtet. Die Gesundheitsdaten der Bewohner gehören zu den schlechtesten in SĂŒdosteuropa.
Ăkonomische Zukunftschancen sehen die Experten der Weltbank vor allem in den Bereichen Energie und Bergbau. An BodenschĂ€tzen sind Braunkohle (eines der gröĂten Vorkommen Europas), Blei, Zink, Nickel, Uran, Silber, Gold, Kupfer oder Magnesit vorhanden. Innerhalb von einer Generation könnte Kosovo ein Energielieferant fĂŒr die Region sein.[98] Auch die Landwirtschaft gilt bei der Weltbank als möglicher Wachstumssektor.
Die EU-Experten empfehlen eine Strukturreform der Landwirtschaft mit deutlichen ProduktivitÀtssteigerungen und den Aufbau einer heimischen Industrie zunÀchst in den Branchen Lebensmittel, Kleidung, Möbel und einfacher Maschinenbau.
Als Haupthindernisse gelten schlechte Infrastruktur, Mangel an einschlÀgig ausgebildeten FachkrÀften, unsichere politische Gesamtlage, mangelhafte oder fehlende Wirtschaftsreformen seitens der lokalen Selbstverwaltung.
Die ElektrizitĂ€ts-Versorgung ist mangelhaft und unregelmĂ€Ăig, was ein wesentliches Hemmnis fĂŒr die wirtschaftliche Entwicklung darstellt. Ganz Kosovo wird durch die zwei Braunkohlenkraftwerke Kosova A und B in Obiliq sowie durch ein Heizkraftwerk und ein kleineres Wasserkraftwerk mit ElektrizitĂ€t versorgt. Der Bau eines neuen Kraftwerksblockes (Kosova C) und die ErschlieĂung weiterer Kohlevorkommen ist geplant.[99]
Mit Stand vom Februar 2006 teilten die ElektrizitĂ€tswerke von Kosovo (KEK) das Land in drei ZuverlĂ€ssigkeitskategorien ein, die von der Zahlungsmoral der Kunden abhĂ€ngig sind. Regionen, in denen die Zahlungsmoral der Stromkunden hoch (Kategorie A) ist, erhalten den ganzen Tag durch Strom. Regionen mit mittelmĂ€Ăiger Zahlungsmoral erhalten jeweils fĂŒr fĂŒnf Stunden Strom (Kategorie B), danach folgt eine einstĂŒndige Unterbrechung. Regionen mit der niedrigsten Zahlungsmoral (Kategorie C) erhalten keine Stromversorgungsgarantie, es wird aber angestrebt, die Versorgung aufrechtzuerhalten im Rhythmus âzwei Stunden angeschaltet, vier Stunden abgeschaltetâ. 2007 entstand der KEK durch Diebstahl und unbezahlte Stromrechnungen ein Verlust von 99 Millionen âŹ.[99]
Im sehr kalten Januar 2006 war es zu empfindlichen EngpĂ€ssen gekommen â die Nachfrage lag in der Spitze bei 1.300 Megawatt, bei einer Eigenproduktion von 580 Megawatt. Es gelang nicht, die LĂŒcke durch Importe zu schlieĂen. Daher wurde zeitweise Kategorie A im Rhythmus 4:2 (vier Stunden an-, zwei Stunden abgeschaltet), Kategorie B im Rhythmus 3:3 und Kategorie C im Rhythmus 2:4 versorgt.
Westlich von Prizren soll noch im Jahr 2011 mit dem Bau des Wasserkraftwerks Zhur begonnen werden, das das gröĂte des Landes werden, ĂŒber eine KapazitĂ€t von 305 MW verfĂŒgen und jĂ€hrlich 400 GWh Strom produzieren soll. Das Wasser hierfĂŒr wird ĂŒber Druckleitungen aus zu errichtenden Speicherbecken in der Region von Dragash zugefĂŒhrt.[100][101][102][103]
Die Geschichte der Eisenbahn im Kosovo begann mit der 1874 eröffneten mazedonischen Strecke des Osmanischen Reiches von Selanik (Thessaloniki) ĂŒber ĂskĂŒp (heute Skopje) nach FushĂ« Kosova, erbaut und betrieben von der von Baron Hirsch geleiteten Compagnie des Chemins der Fer Orientaux (CO). Das bis heute nicht wesentlich weiter ausgebaute und auch nicht elektrifizierte, der Personenbeförderung dienende Schienennetz besitzt dabei lediglich eine LĂ€nge von 333 Kilometern, die nach dem Krieg 1999 aber nicht mehr vollstĂ€ndig genutzt werden und sich sowohl was die Schienenwegeinfrastruktur als auch die Zugkompositionen angeht in einem Ă€uĂerst schlechten baulichen, technischen und technologischen Zustand befinden.[104] Von 97 Kilometer lediglich industriell nutzbarer Schienenwege ist momentan nicht bekannt, inwieweit diese bedient werden. Der Mangel an GroĂinvestitionen in das seit Jahrzehnten vernachlĂ€ssigte kosovarische Schienennetz, das auch nicht in den PaneuropĂ€ischen Korridor X integriert ist, erlaubt heute auch keine reelle Chance auf eine Belebung des Schienenverkehrs im Verkehrswegesystem des Kosovo.
Die Eisenbahngesellschaft Hekurudhat e KosovĂ«s/Kosovske Ćœeleznice (HK/KĆœ) betreibt derzeit die zwei Strecken PeÄâPriĆĄtina und Äeneral JankoviÄâFushĂ« Kosova mit einer internationalen Verbindung nach Skopje.
Im vorrangig von Serben bewohnten Nordkosovo hat Anfang MĂ€rz 2008 die serbische Eisenbahngesellschaft Ćœeleznice Srbije den Betrieb ĂŒbernommen.[105]
Bis 1993 war der Bahnhof FushĂ« Kosova Haltebahnhof des aus zwei Reisezugwagen bestehenden Zuges Akropolis-Express von MĂŒnchen nach Athen, der mit Beginn des Jugoslawienkrieges ganz eingestellt wurde.
Derzeit gibt es rund 1925 Kilometer Haupt- und LandstraĂen â eine Autobahn von Prizren nach Prishtina wurde am 12. November 2011 eröffnet. Die Hauptverkehrsachsen sind gut befahrbar. Viele Orte sind aber nur auf Feldwegen oder SchotterstraĂen zu erreichen. Die Zahl der registrierten Fahrzeuge wurde fĂŒr 2002 mit 215.504 angegeben (Pkw, Lkw, Busse, MotorrĂ€der und Traktoren). Damit kĂ€men auf ein registriertes Fahrzeug etwa acht Bewohner. Die Statistik-Behörde des Kosovos nimmt allerdings an, dass die Zahl der tatsĂ€chlich im Kosovo verkehrenden Fahrzeuge deutlich höher ist, weil ein groĂer Teil davon in anderen LĂ€ndern angemeldet ist.
Die internationale GrĂŒne Karte wird im Kosovo nicht anerkannt. AuslĂ€nder mĂŒssen daher an der Grenze eine kosovarische grĂŒne Karte erwerben. Es wird nur eine Jahreskarte fĂŒr 35 Euro angeboten.
GegenwĂ€rtig befindet sich die erste kosovarische Autobahn Route 7 (Autobahn von VĂ«rmica nach Prishtina) als Anschluss an die albanische A1 und Verbindung nach Mittelalbanien in Bau. Die ersten drei Bausegmente sollen noch im Jahr 2011 fertiggestellt werden. Den Zuschlag fĂŒr das GroĂprojekt bekam das US-Konsortium Bechtel-Enka. Auf Grund der ĂŒberhöhten Preise dieses Unternehmens, zu zahlen vom Staat Kosovo, gibt es Kritik von der Opposition, besonders der Partei VV (Vetevendosje! â âSelbstbestimmungâ).[97] AuĂerdem wurden die Planungen fĂŒr die Route 6 (Autobahnverbindung zwischen Prishtina und Skopje) abgeschlossen. Eine Ausschreibung hat aber noch nicht stattgefunden.[106]
Der einzige zivile Flughafen des Kosovo ist der Flughafen PriĆĄtina. Er fertigte 2008 insgesamt 1.200.000 Passagiere ab; zwei Jahre vorher gab es 5.777 FlĂŒge von und nach PriĆĄtina. Zahlreiche Fluggesellschaften aus ganz Europa fliegen PriĆĄtina an, darunter gibt es aus dem deutschsprachigen Raum FlĂŒge von Berlin, Hamburg, Hannover, Köln/Bonn, DĂŒsseldorf, Frankfurt, Stuttgart, MĂŒnchen, Wien und ZĂŒrich.
Am 20. Februar 2009 fragte die Republik Kosovo beim Nachbarn Albanien an, den Hafen ShĂ«ngjin an der Adria-KĂŒste nutzen zu dĂŒrfen. Inoffiziell ist dieser Hafen schon mehr als einem Jahrzehnt den Kosovaren vorbehalten worden. Es gibt auch Ideen zum Bau einer Eisenbahnlinie zwischen dem Hafen und Kosovo. Dadurch erwarten beide Nachbarstaaten einen wirtschaftlichen Aufschwung. Ferner will die kosovarische Regierung eine Zoll-Zweigstelle in diesem Hafen errichten und mit der baldigen Nutzung beginnen.[107][108]
Gesetzliche Feiertage mit festem Datum sind:
Gesetzliche Feiertage mit variablem Datum sind:
Die Pressefreiheit hat sich in den letzten Jahren laut des vom IREX ermittelten Media Sustainability Index, der derzeit einen Wert von 2,27 aufweist, verschlechtert.[110] Damit liegt Kosovo hinter seinen NachbarlĂ€ndern auĂer Albanien.
Wichtigstes Massenmedium im Kosovo ist das Fernsehen, aus dem ĂŒber 80 Prozent aller Kosovaren ihre Nachrichten beziehen.[111] Seit dem Ende des serbisch dominierten Staatsmonopols ĂŒber den Rundfunk etabliert sich zunehmend ein duales System:[111] Neben dem staatlichen RTK existieren verschiedene private Fernsehsender,[111] unter anderem RTV 21, 21 Plus (Musiksender), 21 Popullore und KTV. RTK wird von der kosovo-albanischen Bevölkerung als zuverlĂ€ssigste Nachrichtenquelle angesehen, obwohl eine Falschberichterstattung 2004 zu Unruhen mit 20 Toten fĂŒhrte.[112] Unter den ethnischen Minderheiten, insbesondere den Serben, ist das Staatsfernsehen dagegen unbeliebt.[112]
WĂ€hrend des Kosovokrieges stieg die Zahl der Tageszeitungen deutlich an, viele dieser Zeitungen stellten ihr Erscheinen jedoch in den Folgejahren aus verschiedenen GrĂŒnden ein.[113] 2004 existierten noch fĂŒnf Kosovo-weite Tageszeitungen, die eine Gesamtauflage von 24.000 aufwiesen.[111] Damit weist das Kosovo die niedrigste Pro-Kopf-Zeitungsleserschaft in ganz Europa auf.[114] Mit einer verkauften Auflage von 12.000 ist Koha Ditore (âTĂ€gliche Zeitâ) die auflagenstĂ€rkste Tageszeitung im Kosovo.[113] Die 1997 gegrĂŒndete Zeitung, die durch Nichtregierungsorganisationen und staatlich mitfinanziert wird, ist unabhĂ€ngig von den kosovarischen Parteien.[113] ZĂ«ri (âStimmeâ), die 1999 aus der gleichnamigen Wochenzeitung hervorging, erreicht eine verkaufte Auflage von 7.000 Exemplaren und wird allgemein ebenfalls als politisch unabhĂ€ngig betrachtet.[113] Die gleiche AuflagenstĂ€rke hat die 1995 in der Schweiz erstmals erschienene Bota Sot (âWelt heuteâ), die sich primĂ€r an die kosovo-albanische Diaspora richtet und auch fĂŒr die albanische Minderheit in Mazedonien publiziert; anders als ihre groĂen Konkurrenten ist sie nicht unabhĂ€ngig, sondern steht der LDK nahe.[113] Daneben existieren mit Epoka e Re und Kosova Sot zwei kleinere Tageszeitungen.[113] Es erscheinen fĂŒnf politische Wochenmagazine, von denen das 1945 erstmals als Zani i Rinisi Shqiptare herausgegebene ZĂ«ri mit einer Verkaufsauflage von 7.000 bedeutendste ist.[113] Java, das in einer Auflage von knapp ĂŒber 1.000 erscheint, ist das regierungskritischste Magazin; es wird durch das Open Society Institute unterstĂŒtzt.[113] Yeni Dönem (âNeuer Beginnâ) mit einer Verkaufsauflage von 1.400 wendet sich an die tĂŒrkische Minderheit.[113]
Der Zugang der Bevölkerung zum Internet ist immer noch auf einem niedrigen Niveau, wÀchst aber schnell.[112]
Eine eigenstĂ€ndige albanische Literatur entwickelte sich im Kosovo erst nach dem Zweiten Weltkrieg. In der 1949 gegrĂŒndeten literarischen Zeitschrift âJeta e reâ (âNeues Lebenâ) konnten die albanischen Schriftsteller Jugoslawiens erstmals publizieren. Mitte der sechziger Jahre wurde in Jugoslawien begonnen, in nennenswertem Umfang albanische und kosovo-albanische Literatur zu publizieren.
Mit der GrĂŒndung der UniversitĂ€t PriĆĄtina im November 1969 hatten die albanischen Kosovaren erstmals Zugang zur höheren Bildung in ihrer Muttersprache. In der Folge kam es in den siebziger Jahren zu einer ersten BlĂŒte der albanischen Literatur in der Region.
Anders als in Albanien konnte sich die Literatur relativ frei von ideologischen ZwÀngen entwickeln. Da viele Kosovo-Albaner stÀndig oder zeitweise im westlichen Ausland lebten, suchten sie den Anschluss an zeitgenössische Tendenzen der modernen westlichen Literatur.
Bekannte kosovo-albanische Schriftsteller sind:
Siehe: Liste der KulturdenkmÀler im Kosovo
Schon vor der UnabhĂ€ngigkeit gab es viele landesweite SportverbĂ€nde, die allerdings erst jetzt auf internationaler Ebene in Erscheinung treten, so das Olympische Komitee, der FuĂball-, Basketball-, Handball- und Tischtennisverband. Im Gegensatz zu einzelnen Vereinen dĂŒrfen die Nationalmannschaften des Kosovo bisher ĂŒberwiegend nicht an internationalen Turnieren teilnehmen.[115] VollstĂ€ndige internationale Teilnahmerechte besitzt der Kosovo auf Grund serbischer, russischer oder chinesischer Vetorechte derzeit nur im Tischtennis und Gewichtheben.[13]
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1 Liegt gröĂtenteils in Asien. 2 Hat zusĂ€tzliche Gebiete auĂerhalb Europas.
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42.551944444420.8352777778Koordinaten: 42° 33âČ N, 20° 50âČ O