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Kränzchen

Chargierte der Kränzchen in Frankfurt an der Oder 1805, links (schwarzer Frack) Schlesier, Mitte (weißer Frack) Märker, rechts (grüner Frack) Preusse

Die Kränzchen waren studentische Zusammenschlüsse, die im ausgehenden 18. Jahrhundert aufkamen. Häufig wurde synonym der Begriff Landsmannschaften verwendet. Aus den Kränzchen entwickelten sich später die Corps.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Zum ausgehenden 18. Jahrhundert war die Studentenschaft organisiert in Landsmannschaften (alten und neuen Typs, später Corps) und diversen Orden. Die Orden, deren Ideale Weltbürgertum und Humanismus waren, wurden nach der Französischen Revolution als angebliche Anhänger stärker denn je verfolgt und weitestgehend zur Jahrhundertwende ausgerottet. Die ab Mitte des 18. Jahrhunderts wieder auftretenden Landsmannschaften waren von den Universitäten nicht anerkannt und wurden wie die ab 1770 auftretenden Orden von Universitätsbehörden verfolgt. Die Anfang des 19. Jahrhunderts gebildeten Corps waren von dieser Entwicklung nicht betroffen, da sie in ihrer Organisationsform eine ständische Vertretung der studentischen Jugend erstebten und sich somit in den Ständestaat der damaligen Zeit einfügten.

Entstehung

Drei Kränzianer in Frankfurt an der Oder 1803-1804, von links nach rechts: Preuße, Schlesier, Märker
So bildeten sich vornehmlich Landsmannschaften in dieser Zeit zum Teil mit dem Namen Kränzchen oder auch Gesellschaft. Es handelte sich nunmehr zahlenmäßig kleinere Freundeskreise, es kam zum ersten Mal ein echtes Gemeinschaftsleben auf. Es wurde nicht mehr jeder „Landsmann“ aufgenommen, es handelte sich nicht mehr um die bloße Wahrnehmung der Interessen der Mitglieder, sondern um einen Zusammenschluss Gleichgesinnter zu einem „Freundschaftsbund“. Die Kränzchen übernahmen viel Positives von den Orden und verpflichteten ihre Mitglieder auch zur Ehrfurcht gegenüber der akademischen Obrigkeit, was zu ihrer zumindest teilweise Anerkennung durch diese führte. Die neueren Landsmannschaften, der Name wurde zunächst wieder angenommen, gaben sich schriftliche Konstitutionen, entwickelten ein starkes Ehrgefühl mit der Verpflichtung zur unbedingten Satisfaktion und vertraten ein scharfes Ausleseprinzip. An ihrer Spitze stand wie bei den alten Landsmannschaften ein Senior, gemeinsame Angelegenheiten mehrerer Landsmannschaften an einer Universität wurden im Senioren-Convent (SC) besprochen.

Auch burschenschaftliche Allgemeinheiten gliederten sich mitunter in Kränzchen, so zum Beispiel die Albertina in Königsberg, die 1845 in verschiedene eigenständige Burschenschaften und Landsmannschaften zerfiel, die aus den einzelnen Kränzchen hervorgingen.

Änderung des Namens in „Corps“

Zwar stießen die Corps aufgrund ihrer erwähnten Einordnung in die gesellschaftlichen Formen zum Teil auf erheblichen Widerstand in der Studentenschaft, jedoch nahmen ausgehend von Heidelberg ab 1810 viele der neueren Landsmannschaften beziehungsweise Kränzchen allmählich den Namen „Corps“ an. Dieses ist darauf zurückzuführen, dass das Regionalprinzip für die Aufnahme aufgegeben wurde. So verschwand der Name „Landsmannschaft“ für einige Zeit von den deutschen Hochschulen. Ein Beispiel ist das Kränzchen Silesia in Frankfurt an der Oder, das sich auf das studentische "Urkränzchen" in Frankfurt an der Oder von 3. Juli 1786 zurückführt und das 1811 nach Breslau zog, wo es sich Landsmannschaft Silesia nannte, später Landsmannschaft Teutonia, aus der 1819 das Corps Borussia zu Breslau hervorging.[1]

Siehe auch

Literatur

  • Rainer Assmann: Kränzchen - Landsmannschaften - Corps, zur Frühgeschichte der Corps. In: EuJ 41 (1996), S. 155-178.
  • Heiner Bonnenberg, Hermann Sternagel-Haase, Alfred Methner, Georg Lustig: Geschichte des Corps Borussia zu Breslau. Die ersten 100 Jahre 1819-1919, 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. Aachen/Köln 1984

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Günter Bäro: Festkommers zur Stiftung des Frankfurter Kränzchen vor 225 Jahren, Berliner Märker, Breslauer Preußen und Schlesier trafen sich in Frankfurt (Oder), Deutsche Corpszeitung CORPS, Ausgabe 4/2011, Seite 21
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