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Krav Maga

Israelische Fallschirmjäger trainieren Krav Maga, 1955.

Krav Maga (hebr. קרב מגע „Kontaktkampf“) ist ein Überbegriff für verschiedene zivile Selbstverteidigungssysteme sowie für die Nahkampfsysteme der israelischen Streitkräfte. Innerhalb der israelischen Sicherheitskräfte wird der Begriff „Krav Maga“ im Sinne von Nahkampf verwendet. Er umfasst die in den jeweiligen Einheiten durchaus unterschiedlichen Varianten des militärischen oder polizeilichen Nahkampfes.

Inhaltsverzeichnis

Krav Maga in der Gegenwart

Krav-Maga-Training, US Marine Corps, 2009

Heute wird Krav Maga weltweit unterrichtet. Dabei muss zwischen drei Zielgruppen unterschieden werden:

  • Krav Maga für Privatpersonen – zur Selbstverteidigung, zur Deeskalation, zur Stressresistenz und als Zusatznutzen für die Gesundheit/Fitness[1]
  • Krav Maga für den Sicherheitsbereich bzw. die Polizei
  • Krav Maga für das Militär

Die Zielsetzung für Privatpersonen besteht darin, Menschen effektive und einfache Methoden an die Hand zu geben, um sich gegen Gewalt behaupten zu können. Für viele gibt der Spaß- und Fitnessfaktor den Ausschlag, Krav Maga zu trainieren. In den USA wird Krav Maga beispielsweise stark als „Fitnesssystem“ genutzt.

Im Sicherheitsbereich und bei der Polizei sind die Schwerpunkte der Ausbildung Deeskalation, Eigenschutz, Einsatztaktik, Personenschutz, Veranstaltungsschutz sowie Abführ- und Kontrolltechniken. Die Zielsetzung für den militärischen Einsatz ist die Ausbildung von militärischem Personal in Nahkampfmethoden.

Entstehung von Krav Maga

Nahkampfsystem der israelischen Sicherheitskräfte

Die Ursprünge des Krav Maga gehen auf den 1910 in Budapest geborenen Imrich Lichtenfeld zurück, der in Bratislava – damals Preßburg – aufwuchs. Hier lehrte er in den 1930er Jahren zum ersten Mal seine Kampfmethode, um die dort lebenden Juden gegen antisemitische Übergriffe zu unterstützen. Lichtenfeld emigrierte 1940 aus der Slowakei. Nach einer abenteuerlichen Flucht und einer Zeit bei der britischen Armee durfte er 1942 nach Palästina einreisen. Dort unterrichtete er, zuerst mit britischer Unterstützung (Palästina war seinerzeit britisches Protektorat), Nahkampf in den damals zionistischen Untergrundorganisationen Haganah und Palmach. Seinen Familiennamen änderte er in die hebräische Form Sde-Or. Nach Gründung des Staates Israel 1948 wurde Lichtenfeld Nahkampfausbilder in der israelischen Armee.

Innerhalb der israelischen Sicherheitskräfte wurde Krav Maga seitdem ständig weiterentwickelt und den jeweiligen Erfordernissen angepasst. Dies geschah vor allem durch die Einsatzleiter und Nahkampfausbilder der Sicherheitskräfte. Die je nach Einsatzzweck unterschiedlichen Erfahrungen der einzelnen Ausbilder führten dazu, dass Krav Maga auch innerhalb der Sicherheitskräfte kein fest definiertes homogenes System ist, sondern der Überbegriff für unterschiedliche Varianten des Nahkampfes.

Selbstverteidigungssystem

Nach seiner Tätigkeit als Nahkampfausbilder adaptierte Imrich Lichtenfeld das militärische Krav Maga für Polizisten und Zivilisten. Dazu wurden die Techniken der nichtmilitärischen Rechtslage angepasst (Notwehr). Nach dem Tode Sde-Ors im Januar 1998 erhoben mehrere Schüler von Imi Lichtenfeld den Anspruch auf den Titel des „Legitimen Nachfolgers“ im Bereich des zivilen Krav Maga, so z.B. Gabi Noah (Leiter IKM International Krav Maga), Heim Gidon (Leiter der Krav Maga Association), Eyal Yanilov (Leiter der Krav Maga Global), Avi Moyal (Leiter der International Krav Maga Federation) oder Yaron Lichtenshtein.

Weitere Nahkampfausbilder der israelischen Sicherheitskräfte folgten dem Beispiel Lichtenfelds und übertrugen die Krav-Maga-Variante ihrer Einheiten in den zivilen Bereich, etwa Moni Aizik (Commando Krav Maga) oder Amnon Maor (Krav Maga Maor). Wegen der Effizienz der zugrundeliegenden kompromisslosen Selbstverteidigungssysteme wird Krav Maga sowohl in den USA als auch in Europa in zunehmendem Maße auch an zivilen Ausbildungsstätten unterrichtet. Auch in Deutschland gibt es eine steigende Zahl an Krav-Maga-Instruktoren.

Krav Maga im zivilen Bereich

Krav Maga zeichnet sich durch einfache Techniken aus. Natürliche und instinktive Reaktionen werden im System berücksichtigt und sinnvoll eingebunden. Dadurch ist Krav Maga relativ schnell zu erlernen. Krav Maga ist seinem Selbstverständnis nach kein Sport, sondern ein reines Selbstverteidigungssystem. Es gibt keine Wettkämpfe. Besonders das richtige Reagieren unter Stress wird trainiert. Dabei wird der richtigen Taktik in Gefahrensituationen viel Raum eingeräumt. Es geht auch darum, Gefahren frühzeitig zu erkennen und durch geschicktes Verhalten dem Konflikt auszuweichen.

Aufgrund der historischen Entwicklung, des Kampfsport-Hintergrundes vieler Vertreter und der Orientierung nach Prinzipien und weniger nach starren Techniken sind inzwischen verschiedene Organisationen und Interpretationen des Krav Maga entstanden, die sich teilweise in der Auswahl der Techniken (vor allem bei fortgeschritteneren Programmen) und Trainingsmethoden unterscheiden. Im deutschsprachigen Raum werden mittlerweile unterschiedlichste Krav-Maga-Varianten unterrichtet.

Verschiedene Krav-Maga-Verbände aus dem Ausland bieten Seminare in Deutschland an. Ein Beispiel hierfür ist das Krav Maga von Moni Aizik (Commando Krav Maga). Im internationalen Vergleich war die International Krav Maga Federation (IKMF) die größte Krav-Maga-Organisation. Der ehemals zur IKMF gehörende amerikanische Krav-Maga-Verband nennt sich seit 2005 Krav Maga Worldwide und versucht, über die USA hinaus zu expandieren. Im Juni 2010 trennte sich Eyal Yanilov von der IKMF und gründete mit Krav Maga Global (KMG) einen neuen weltweiten Krav-Maga-Verband. Die Leitung der IKMF übernahm Avi Moyal. Dadurch ist die IKMF in ihrer Größe deutlich reduziert worden, weist aber immer noch eine internationale Verbreitung auf.

Krav Maga im deutschsprachigen Raum

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Im deutschsprachigen Raum gibt es mittlerweile eine Vielzahl unterschiedlicher Krav-Maga-Verbände. Der Schwerpunkt liegt bei den meisten Verbänden ganz klar bei der Schulung von Privatpersonen. Offizielle Ausbildung von Angehörigen der Bundeswehr und verschiedener Polizeibehörden findet jedoch durch einzelne Verbände ebenfalls statt.

Mehrere Verbände basieren auf der Entwicklung von Amnon Maor. Dazu gehören die Krav Maga Union, Krav Maga Street Defence, Krav Maga Germany und Krav Maga Defcon. Die International Krav Maga Federation (IKMF) führte 2005 ihren ersten Instruktorkurs in Deutschland durch. Von der IKMF spaltete sich die GKMF ab. Im Juni 2010 verließen viele Schulen die IKMF, um Eyal Yanilov in seine neue Organisation Krav Maga Global zu folgen. Die größten Anbieter von Krav Maga in Deutschland sind Krav Maga Defcon, Krav Maga Union,[2] European Krav Maga Organisation (EKMO), International Krav Maga Federation (IKMF),[3] Krav Maga Global, GKMF und Krav Maga Street Defence (Stand Juni 2011). Neben diesen Verbänden gibt es eine immer größere Anzahl an Einzelinstruktoren, die keinem Verband angehören.

Krav Maga bei der Bundeswehr

An der Luftlande- und Lufttransportschule der Bundeswehr lehren seit Anfang 2008 zwei IKMF-Instruktoren militärisches Krav Maga im Rahmen des Einzelkämpferlehrgangs.[4] Außerdem wird seit zwei Jahren an der Bundeswehr-Universität in Hamburg Krav Maga Survival unterrichtet.[5]

Krav-Maga-Techniken und -Methoden

Im Krav Maga werden je nach Zielgruppe unterschiedliche Techniken und Methoden trainiert.

Dazu zählen:

  • verbale Deeskalation
  • Rollenspiele
  • Bewegungslehre
  • 360-Grad-Abwehr
  • Innenabwehr
  • Fausttechniken
  • Handballentechniken
  • Hammerschläge
  • Ellbogentechniken
  • Tritttechniken
  • Knietechniken
  • Einsatz von Alltagsgegenständen zur Selbstverteidigung
  • Waffenabwehr, gezielte Entwaffnung von Gegnern
  • Stressdrills
  • Situationstraining
  • Mugging Training (Training mit einem Vollkontaktschutzanzug).

Literatur

  • Imi Sde-Or, Eyal Yanilov: Krav Maga – Abwehr bewaffneter Angriffe. Weinmann, Berlin 2003, ISBN 3-87892-074-1.

Weblinks

 Commons: Krav Maga – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Raphael Geiger: Wie ein Engländer seinen Kunden beibringt, sich gegen Randalierer auf der Straße zu wehren, Der Spiegel. 7. November 2011. , abgerufen am 22. November 2011
  2. http://www.kravmaga-union.de/index.php?option=com_content&view=category&id=6&Itemid=30
  3. http://www.ikmf-kravmaga.de/trainingsorte.html
  4. Das tut richtig weh. In: Y – Das Magazin der Bundeswehr (siehe zweite Hälfte des Artikels)
  5. KRAV MAGA SURVIVAL an der HSU Universität der Bundeswehr. In: YouTube
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