|
|
Lexikon auf Ihrer Homepage |
|
Lexikon als Lesezeichen hinzufügen |
| < Jura | K r e i d e | PalĂ€ogen > vor 145,5â65,5 Millionen Jahren | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| (Durchschnitt ĂŒber Periodendauer) |
(150 % des heutigen Niveaus) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| (Durchschnitt ĂŒber Periodendauer) |
(6-faches vorindustrielles Niveau) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| |
(4 °C ĂŒber heutigem Niveau) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Die Kreide (in der populĂ€rwissenschaftlichen Literatur oft auch Kreidezeit, lat. Cretaceum) ist ein Zeitabschnitt der Erdgeschichte. Innerhalb des Mesozoikums (Erdmittelalter) ist es das jĂŒngste und mit 80 Millionen Jahren das am lĂ€ngsten dauernde chronostratigraphische System (bzw. Periode in der Geochronologie). Sie begann vor rund 145,5 Millionen Jahren mit dem Ende des Juras und endete vor etwa 65,5 Millionen Jahren mit dem Beginn des PalĂ€ogens, dem Ă€ltesten chronostratigraphischen System des KĂ€nozoikums.
Inhaltsverzeichnis |
Der Name Kreide wurde 1822 durch den belgischen Geologen Jean Baptiste Julien d'Omalius d'Halloy nach den stark Calciumcarbonat-haltigen Fossilien von Krebstieren, Korallen, Muscheln, Schnecken und Einzellern, die in den Gesteinen dieses Systems vorkommen, benannt. Kreide ist neben Kalkstein und Marmor eine der drei in der Natur vorkommenden Gesteinsformen von Calciumcarbonat. Trotzdem können Sedimentgesteine der Kreidezeit aus völlig anderen Mineralen aufgebaut sein, wie beispielsweise die ĂŒberwiegend aus Quarz bestehenden und hĂ€ufig vorkommenden Kreidesandsteine, deren Name ausschlieĂlich auf ihre Entstehungszeit hinweist.
Der exakte Beginn des Kreide-Systems und damit ein GSSP ist bisher noch nicht abschlieĂend festgelegt worden. Voraussichtlich wird die Untergrenze der Kreide (und der Unterkreide-Serie sowie der Berriasium-Stufe) durch das Erstauftreten der Ammoniten-Art Berriasella jacobi definiert werden. Das Ende der Kreide ist mit der Iridium-Anomalie der Kreide-TertiĂ€r-Grenze sowie dem Aussterben zahlreicher Wirbeltier- und Wirbellosen-Gruppen sehr gut definiert.
Das Kreide-System wird heute in zwei Serien und 12 Stufen unterteilt:
Ăbergeordnete, aber inzwischen veraltete Stufenbezeichnungen sind: Neokom (untere Unterkreide), Gault (obere Unterkreide), Emscher (jetzt Coniac und Santon) und Senonium (jetzt Santon, Campan und Maastricht).
Der Zerfall von Gondwana, der bereits im Jura begonnen hatte, setzt sich in der Kreide fort. Es kommt zur Trennung des noch zusammenhĂ€ngenden Australien/Antarktika und des zu Beginn der Kreide ebenfalls noch zusammenhĂ€ngenden Afrika/SĂŒdamerika, auch Indien spaltet sich ab. In der Unterkreide beginnt sich zunĂ€chst der sĂŒdliche SĂŒdatlantik zu öffnen. Diese Ăffnung setzt sich dann im Laufe der Unterkreide weiter nach Norden fort. Im Turonium war dann eine durchgehende Verbindung zum Nordatlantik entstanden. Im Nordatlantik schreitet die bereits im Jura begonnene Ozeanspreizung zwischen Nordafrika und der nordamerikanischen OstkĂŒste weiter nach Norden vor. Im Laufe der Unterkreide bildet sich das TeilstĂŒck zwischen der Iberischen Halbinsel und Neufundland. In der höheren Unterkreide und der tieferen Oberkreide spreizt auch die Biskaya, deren VerlĂ€ngerung in den PyrenĂ€enraum reicht. In der Oberkreide entsteht westlich von Irland ein Tripelpunkt â ein Ast mĂŒndet in ein Grabensystem zwischen Nordamerika und Grönland, der andere weitet sich in der Oberkreide und im KĂ€nozoikum zum heutigen nördlichen Nordatlantik. In den Alpen ereignen sich erste Kollisionen ("vorgosauische Gebirgsbildung").
Das Klima in der Kreide war allgemein warm und ausgeglichen. Es ermöglichte einigen Dinosauriern, zumindest in den Sommermonaten, bis in hohe sĂŒdliche und nördliche Breiten vorzudringen. Die Pole waren eisfrei und entsprechend war auch der Meeresspiegel sehr hoch, seinen Maximalwert erreichte er im Unterturon. Erst zum Ende der Kreide im Maastrichtium kam es zu einer AbkĂŒhlung und zu einer markanten Regression.
Aus der Kreidezeit kennt man in Deutschland zahlreiche FuĂspuren und Skelettreste von Dinosauriern. In MĂŒnchehagen bei Rehburg-Loccum entdeckte man unter anderem die fast 30 Meter lange FĂ€hrte einer elefantenfĂŒĂigen âDonnerechseâ (Elephantopoides muenchehagensis). Besonders hĂ€ufig sind FuĂabdrĂŒcke (BĂŒckeburg, MĂŒnchehagen) und Skelettreste (Nehden bei Brilon im Sauerland) des pflanzenfressenden Dinosauriers Iguanodon, der eine Höhe bis zu 5 Metern erreichte. Fossilien belegen auch die Existenz von Raub-Dinosauriern wie Megalosaurus sowie von Meeresreptilien - wie etwa Mosasaurus - und Krokodilen.
Im Kreidemeer lebten Riesenammoniten. Mit einem GehĂ€usedurchmesser von etwa 1,80 Meter ist ein Exemplar von Parapuzosia seppenradensis aus der WestfĂ€lischen Bucht im MĂŒnsterland der bislang gröĂte bekannte Ammonit.
JĂŒngere Funde aus dem nordostchinesischen Jiulongshan-Gebirge (Innere Mongolei, Provinz Ningcheng, Daohugou) und vor allem aus der ebenfalls in der Inneren Mongolei gelegenen Jehol-Gruppe belegen, dass die SĂ€ugetiere in der Kreidezeit nicht nur, wie bisher angenommen, aus insektenfressenden Kleinformen bestanden. Einer groĂen Vielfalt von vollentwickelten SĂ€ugern in der Kreide war schon im Jura die Aufspaltung in verschiedene Entwicklungslinien vorangegangen. Die SĂ€ugetiere des Jura und der Kreide besetzten bereits die gleichen ökologischen Nischen, die auch die heutigen SĂ€uger ausfĂŒllen, und entwickelten sehr Ă€hnliche Anpassungsformen. Es gab bereits kleinere SĂ€ugerraubtiere, die auf Reptilien spezialisiert waren und mit einem wasserdichten Pelz ausgestattete, schwimmende SĂ€uger, die die ökologische Nische der heutigen Fischotter besetzten.
In der Unterkreide waren noch BĂ€rlapppflanzen (Nathorstiana aborea), Farne (Weichselia, Hausmannia), Baumfarne, Ginkos (Baiera), Bennettitales, und NadelbĂ€ume die vorherrschenden Pflanzen. Aus dieser Zeit stammen auch die Kohleflöze der Wealdenkohle im Weser-Ems-Gebiet am Rande des Teutoburger Waldes. WĂ€hrend der Kreide entwickelten sich die ersten strauchigen BlĂŒtenpflanzen. Die erste Gattung der LaubholzgewĂ€chse war Credneria mit dreispitzigen BlĂ€ttern (Funde aus dem Harz). In der Oberkreide konkurrierten bereits viele LaubbĂ€ume wie Ahorn, Eiche oder Walnuss mit NadelbĂ€umen wie Sequoia und Geinitzia (aus den Aachener Schichten, Oberes Santonium). GrĂ€ser breiteten sich auf dem Festland aus und verĂ€nderten stark das Erosionsverhalten.
Gesteine der Kreidezeit stehen im Raum von Hannover, nördlich des Harzes, im Teutoburger Wald an den Externsteinen, in der WestfĂ€lischen Bucht und im Raum von Aachen bis LĂŒttich an. BerĂŒhmt sind die Kreidefelsen im Nationalpark Jasmund auf RĂŒgen. Weiterhin finden sich Ablagerungen aus der Kreidezeit östlich der frĂ€nkischen Alb sowie am Alpen-Nordrand, in der Umgebung von Dresden und DÄÄĂn (Elbsandsteingebirge), in groĂen Teilen der Tschechischen Republik sowie im Karpatenvorland und zwischen Kielce und Krakau.
Zu den herausragenden Ereignissen der mittleren Kreidezeit zwischen ca. 120 Millionen und 80 Millionen Jahren gehört eine gewaltige Superplume-AktivitĂ€t im Bereich des westlichen Pazifiks. Der 40 Millionen Jahre anhaltende Vulkanismus riesigen AusmaĂes auf dem pazifischen Ozeanboden hatte globale Konsequenzen.
Trotz der in der Kreide vorherrschenden vergleichsweise sehr warmen Temperaturen, gibt es Hinweise auf eine Vereisungsphase im Bereich der Pole vor etwa 91,2 Millionen Jahren.[4]
Am Ende der Kreidezeit kam es zu einem weltweiten Massenaussterben, das fast alle Tiergruppen und viele Pflanzengruppen erfasste. Zu den Ursachen gibt es verschiedene Vorstellungen; die bekannteste Theorie ist ein Meteoriteneinschlag in Yucatån (Chicxulub-Krater). Aber auch der enorme Vulkanismus bei der Entstehung der Dekkan-Plateaubasalte zum Ende der Kreidezeit könnte durchaus eine entscheidende Rolle gespielt haben.
(siehe Hauptartikel Kreide-TertiÀr-Grenze)