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Der Krieg in Afghanistan seit 2001 ist die jĂŒngste Phase des seit 1978 andauernden afghanischen Konflikts, die mit der US-gefĂŒhrten Intervention im Herbst 2001 eingeleitet wurde. Die Regierung der Vereinigten Staaten und ihre VerbĂŒndeten verfolgten dabei das Ziel, die seit 1996 herrschende Taliban-Regierung zu stĂŒrzen und die Terrororganisation al-Qaida zu bekĂ€mpfen. Letztere wurden fĂŒr die TerroranschlĂ€ge am 11. September 2001 verantwortlich gemacht. Dazu gingen die USA in Afghanistan ein BĂŒndnis mit der Anti-Taliban-Allianz der Vereinigten Front ein, deren Truppen am 7. Oktober 2001 mit US-LuftunterstĂŒtzung die Stellungen der Taliban angriffen. Diese Phase des Krieges endete mit der Eroberung der Hauptstadt Kabul und der ProvinzhauptstĂ€dte Kandahar und Kunduz im November und Dezember 2001 durch die Vereinigte Front. Es folgte die Einsetzung einer Interimsregierung unter PrĂ€sident Hamid Karzai auf der parallel stattfindenden ersten Petersberger Afghanistan-Konferenz. Zum Schutz dieser Regierung und zur UnterstĂŒtzung des Wiederaufbaus wurde durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen im Dezember 2001 eine von NATO-Staaten und mehreren PartnerlĂ€ndern gestellte Internationale SicherheitsunterstĂŒtzungstruppe (International Security Assistance Force, ISAF) mandatiert. Die afghanische Zentralregierung ist seit 2003 zunehmend Angriffen durch hĂ€ufig als âNeo-Talibanâ bezeichnete Guerilla-Gruppen ausgesetzt. Um deren Vormarsch zu bremsen, wurde das Engagement von ISAF schrittweise erheblich ausgeweitet. Mit der Zeit wurde auch klar, dass in den Aufbau afghanischer staatlicher Strukturen mehr investiert werden musste (s.a.: Geschichte Afghanistans (seit 2001)), um letztlich den Krieg beenden zu können.
Im Februar 2010 betrieben die NATO und die Afghanische Nationalarmee in Afghanistan etwa 700 MilitĂ€rstĂŒtzpunkte.[1]
Nach dem Sieg der Mudschahidin ĂŒber die Sowjetarmee folgte ein innerafghanischer Krieg mit Involvierung verschiedener RegionalmĂ€chte. Dieser war durch den RĂŒckzug der beiden SupermĂ€chte und das Desinteresse weiter Teile der internationalen Gemeinschaft an der Lage in Afghanistan geprĂ€gt. Die vakante Stelle nahmen die RegionalmĂ€chte, in besonderem MaĂe Pakistan, aber auch der Iran, Saudi-Arabien und Usbekistan, ein. Pakistans Zusammenarbeit mit dem MilizenfĂŒhrer Gulbuddin HekmatyÄr war einer der HauptgrĂŒnde fĂŒr die militĂ€rische Eskalation in der Hauptstadt Kabul im Jahr 1992.
Nach dem Ende der sowjetisch-gestĂŒtzten Regierung hatte der Peshawar Accord, auf den sich die Mudschahidin-Parteien geeinigt hatten, den Islamischen Staat Afghanistan errichtet und eine Ăbergangsregierung ernannt. In der Folge wandte sich jedoch die Miliz Hizb-i IslÄmi von Gulbuddin HekmatyÄr gegen den neu gegrĂŒndeten Staat und startete mit pakistanischer UnterstĂŒtzung eine Bombenkampagne gegen die Hauptstadt Kabul. Dies geschah, obwohl HekmatyÄr wiederholt das Amt des MinisterprĂ€sidenten angeboten worden war. HekmatyÄr wurde von Pakistan bewaffnet, finanziert und angeleitet.[2] Afghanistan-Experte und UniversitĂ€tsprofessor Amin Saikal kommt in Modern Afghanistan: A History of Struggle and Survival zu dem Schluss:
âPakistan hatte es auf einen Durchbruch in Zentralasien abgesehen. [âŠ] Islamabad wusste, dass die neu ernannten islamischen Regierungsmitglieder [in Afghanistan] [âŠ] nicht ihre eigenen nationalen Interessen denen Pakistans unterordnen wĂŒrden, damit Pakistan seine regionalen Ambitionen erfĂŒllen konnte. [âŠ] Ohne die logistische UnterstĂŒtzung und die Lieferung einer groĂen Menge an Raketen durch die ISI hĂ€tten HekmatyÄrs Truppen nicht halb Kabul in Beschuss nehmen und zerstören können.â[3]
WĂ€hrend der intensivsten Phase des Bombardements durch HekmatyÄr und der von Raschid Dostum gefĂŒhrten Miliz Junbish-i Milli starben in Kabul ĂŒber 25.000 Menschen.[4]
Die afghanische Hauptstadt wurde zum Symbol der Fragmentierung des Landes, wĂ€hrend Spannungen zwischen weiteren Milizen eskalierten, die vom Iran einerseits und Saudi Arabien andererseits unterstĂŒtzt und in gewissen Aspekten kontrolliert wurden.[3] Kabul war in verschiedene Einflusszonen aufgeteilt, auf die sich die meisten KĂ€mpfe konzentrierten. Auch Kandahar im SĂŒden des Landes und MazÄr-i Scharif im Norden erlebten blutige KĂ€mpfe. Dagegen waren die im Sowjetisch-Afghanischen Krieg verwĂŒsteten lĂ€ndlichen Regionen von KĂ€mpfen kaum betroffen, und der Wiederaufbau begann. Die Machtstrukturen in Afghanistan waren stark dezentralisiert. Der SĂŒden Afghanistans war weder unter der Kontrolle der Zentralregierung noch unter der Kontrolle von auĂen kontrollierter Milizen wie der HekmatyÄrs. Lokale Milizen- oder StammesfĂŒhrer beherrschten den SĂŒden. 1994 traten die Taliban in der sĂŒdlichen Stadt Kandahar erstmals in Erscheinung. Die Taliban-Bewegung stammte ursprĂŒnglich aus religiösen Schulen fĂŒr afghanische FlĂŒchtlinge in Pakistan, welche meist von der politischen pakistanischen Partei Jamiat Ulema-e Islam gefĂŒhrt wurden.[5] Im Laufe des Jahres 1994 ĂŒbernahmen die Taliban die Macht in verschiedenen sĂŒdlichen und westlichen Provinzen Afghanistans.
Ende 1994 gelang es dem afghanischen Verteidigungsminister Ahmad Schah Massoud die in Kabul um Vorherrschaft kĂ€mpfenden Milizen militĂ€risch in Kabul zu besiegen. Die Hauptstadt erlebte eine kurze Phase relativer Ruhe.[6][7] Massoud initiierte einen politischen Prozess mit dem Ziel nationaler Konsolidierung und demokratischer Wahlen, an der sich Vertreter aus einem GroĂteil der afghanischen Provinzen beteiligten.[8] Massoud lud die Taliban ein, sich diesem Prozess anzuschlieĂen und sich an der Schaffung von StabilitĂ€t zu beteiligen.[8] Die Taliban lehnten eine demokratische Staatsform ab.[8]
Anfang 1995 starteten die Taliban groĂangelegte Offensiven zur Bombardierung Kabuls.[9] Amnesty International schreibt dazu:
âThis is the first time in several months that Kabul civilians have become the targets of rocket attacks and shelling aimed at residential areas in the city [âŠ]â
âDies ist das erste Mal nach einigen Monaten, dass die Zivilisten Kabuls das Ziel von Bombenangriffen wurden, die sich gegen Wohnbezirke in der Stadt richteten [âŠ]â[6]
Die Taliban erlitten zunĂ€chst schwere Niederlagen gegen die Truppen Massouds, so dass manche Beobachter bereits das Ende der Taliban vermuteten.[6] Mitte 1996 hatte sie sich jedoch mit UnterstĂŒtzung Pakistans und Saudi Arabiens neu organisiert und planten eine erneute GroĂoffensive gegen Kabul. Am 26. September 1996 befahl Massoud einen strategischen RĂŒckzug seiner Truppen in den Norden Afghanistans.[10] Am 27. September 1996 marschierten die Taliban in Kabul ein und errichteten das Islamische Emirat Afghanistan, welches lediglich von Pakistan, Saudi Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten anerkannt wurde. Eine militĂ€rische und politische Opposition unter der FĂŒhrung Massouds, die Vereinte Islamische Front, behielt den Nordosten des Landes unter ihrer Kontrolle.[11] Die Vereinte Front stellte weiter die formal von den meisten Staaten sowie den Vereinten Nationen anerkannte Regierung.
Mit dem Vormarsch der Taliban ab 1994 weiteten sich wiederum Kampfhandlungen auch auf Gebiete auĂerhalb der Hauptstadt aus. Die Taliban verhĂ€ngten ĂŒber die Gebiete unter ihrer Kontrolle ihre politische und juristische Interpretation des Islam. Die HĂ€lfte der Bevölkerung, die Frauen, lebten quasi unter Hausarrest.[12] Nach einem Bericht der Vereinten Nationen begingen die Taliban systematische Massaker gegen die Zivilbevölkerung, wĂ€hrend sie versuchten, ihre Kontrolle im Westen und Norden Afghanistans zu konsolidieren.[13][14] Die Vereinten Nationen benannten 15 Massaker in den Jahren 1996 bis 2001.[13][14] Diese seien âhöchst systematisch gewesen und alle auf das Verteidigungsministerium [der Taliban] oder Mullah Omar persönlich zurĂŒckzufĂŒhren.â [13][14] Die sogenannte 055 Brigade al-Qaidas war ebenfalls an Greueltaten gegen die afghanische Zivilbevölkerung beteiligt.[15] Der Bericht der Vereinten Nationen zitiert Zeugenaussagen, welche beschreiben, dass arabische MilizionĂ€re lange Messer mit sich trugen, mit denen sie Kehlen aufschnitten und Menschen hĂ€uteten.[13][14]
Schon bald entwickelte sich aus der Vereinten Front eine nationale politische Widerstandsbewegung gegen die Taliban, der Vertreter aller afghanischen Bevölkerungsgruppen (Paschtunen, Tadschiken, Hazara, Usbeken und Turkmenen) beitraten. Die Situation der Menschenrechte hing von den jeweiligen Kommandeuren ab, die bestimmte Gebiete kontrollierten. Human Rights Watch verzeichnet keine Menschenrechtsverbrechen fĂŒr die Truppen unter der direkten Kontrolle Ahmad Schah Massouds fĂŒr den Zeitraum von Oktober 1996 bis zu Massouds Ermordung im September 2001.[16] Nach Angaben von Human Rights Watch datieren die meisten Menschenrechtsverletzungen, die von Mitgliedern der Vereinten Front begangen wurden, in dem Zeitraum von 1996 bis 1998, wĂ€hrend Raschid Dostum weite Teile des Nordens kontrollierte.[16] Im Jahr 1997 exekutierten Dostums Truppen unter dem Kommando von Abdul Malik Pahlawan 3000 Taliban-Gefangene in und um Mazar-i Sharif.[16]
Der pakistanische PrĂ€sident Pervez Musharraf â damals u. a. als Stabschef des MilitĂ€rs â entsandte zehntausende Pakistaner, um an der Seite der Taliban und al-Qaida gegen die Vereinte Front zu kĂ€mpfen.[8][17][18][19] Insgesamt gehen SchĂ€tzungen von 28.000 pakistanischen StaatsbĂŒrgern, die innerhalb Afghanistans kĂ€mpften, aus.[8] 20.000 davon waren regulĂ€re pakistanische Soldaten des sogenannten Frontier Corps oder der Armee. Weitere geschĂ€tzte 8000 waren MilizionĂ€re, die in Madrasas rekrutiert wurden, um innerhalb der Armee der Taliban zu kĂ€mpfen.[15] Die geschĂ€tzten 25000 Talibantruppen beinhalteten 8000 pakistanische StaatsbĂŒrger.[15] Ein Dokument des US-amerikanischen AuĂenministeriums aus dem Jahre 1998 bestĂ€tigt, â20 Prozent bis 40 Prozent der [regulĂ€ren] Talibansoldaten sind Pakistaner.â[17] Der Bericht des AuĂenministeriums beschreibt ebenfalls, dass die Eltern der pakistanischen StaatsbĂŒrger ânicht von der militĂ€rischen Involvierung ihrer Kinder mit den Taliban wissen, bis ihre [toten] Körper zurĂŒck nach Pakistan gebracht werden.â[17]
Weitere 3000 Soldaten der regulÀren Taliban Armee waren MilizionÀre aus arabischen LÀndern oder Zentralasien.[15] Von 1996 bis 2001 wurde die al-Qaida von Osama bin Laden und Aiman az-Zawahiri zu einem Staat innerhalb des Taliban-Staates.[20] Unter anderem errichtete al-Qaida eine Reihe von Ausbildungslagern, in denen Tausende Islamisten aus verschiedenen LÀndern eine militÀrische Schulung durchliefen. Bin Laden sandte seine Rekruten gegen die Vereinte Front.[20]
Von geschÀtzten 45000 Soldaten, die gegen die Vereinte Front innerhalb Afghanistans kÀmpften, waren nur etwa 14000 Afghanen.[8][15]
Ahmad Schah Massoud verblieb ab 1998 der einzige FĂŒhrer der Vereinten Front in Afghanistan, der seine Gebiete erfolgreich verteidigen konnte. Anfang 2001 wandte die Vereinte Front eine neue Strategie von lokalem militĂ€rischem Druck und einer globalen politischen Agenda an.[10] Ressentiments und Widerstand gegen die Taliban, ausgehend von den Wurzeln der afghanischen Gesellschaft, wurden zunehmend stĂ€rker. Dies betraf auch die paschtunischen Gebiete.[10] Insgesamt flohen schĂ€tzungsweise eine Million Menschen vor den Taliban. Hunderttausende Zivilisten flohen in die Gebiete von Ahmad Schah Massoud.[18] Der National Geographic kommt in seiner Dokumentation Inside the Taliban zu dem Schluss:
âDas einzige, was zukĂŒnftigen Massakern der Taliban im Wege steht, ist Ahmad Schah Massoud.â[18]
In den Gebieten unter seiner Kontrolle errichtete Massoud demokratische Institutionen und unterschrieb die Deklaration fĂŒr Frauenrechte.[8] Er trainierte verstĂ€rkt PolizeikrĂ€fte, die eine Wiederholung des Chaos von Kabul (1992â1994) verhindern sollten, wĂŒrde die Vereinte Front erfolgreich sein.[8][10] Im FrĂŒhling 2001 sprach Ahmad Schah Massoud vor dem EuropĂ€ischen Parlament in BrĂŒssel und bat die internationale Gemeinschaft um humanitĂ€re Hilfe fĂŒr die Menschen Afghanistans. Er erklĂ€rte, dass die Taliban und al-Qaida eine âsehr falsche Interpretation des Islamâ eingefĂŒhrt hĂ€tten und dass die Taliban, wenn sie nicht die UnterstĂŒtzung Pakistans hĂ€tten, ihre militĂ€rischen Kampagnen in dem Zeitraum eines Jahres nicht mehr aufrechterhalten könnten. Auf seinem Besuch in Europa warnte Massoud, dass nach Informationen seines Geheimdienstes ein groĂangelegter Anschlag auf amerikanischem Boden unmittelbar bevorstehe.[21]
Am 9. September 2001 zĂŒndeten zwei arabische SelbstmordattentĂ€ter, die sich fĂŒr Journalisten ausgegeben hatten, wĂ€hrend eines Interviews mit Massoud in Takhar, Afghanistan, eine Bombe, die sie in ihrer Videokamera versteckt hatten. Massoud starb wenig spĂ€ter an den erlittenen Verletzungen.[22] Obwohl die Beerdigung in dem sehr lĂ€ndlichen Panjshir-Tal stattfand, nahmen Hunderttausende trauernder Afghanen an ihr teil.[23] Viele befĂŒrchteten nach der Ermordung Massouds den endgĂŒltigen Sieg der Taliban. John P. OâNeill, ein Anti-Terrorismus-Experte und bis Mitte 2001 stellvertretender Direktor des FBI, nahm zwei Wochen vor den AnschlĂ€gen auf das World Trade Center die Position des Sicherheitschef der ZwillingstĂŒrme ein. Am 10. September erzĂ€hlte OâNeill zwei Freunden:
âWir sind fĂ€llig. Und wir sind fĂ€llig fĂŒr etwas GroĂes [âŠ] Einige Dinge sind in Afghanistan passiert [bezugnehmend auf die Ermordung Massouds]. Ich mag nicht, wie sich die Dinge in Afghanistan entwickeln. [âŠ] Ich spĂŒre eine VerĂ€nderung, und ich denke, bald wird etwas passieren. [âŠ] bald.â[24]
OâNeill kam am 11. September 2001 beim Einsturz des SĂŒdturms ums Leben.[24]
Am 11. September 2001 verĂŒbten 19 Angehörige der al-Qaida die TerroranschlĂ€ge in den Vereinigten Staaten. Die Regierung der Vereinigten Staaten forderte daraufhin von der Taliban-FĂŒhrung, die Ausbildungslager der al-Qaida zu schlieĂen und deren AnfĂŒhrer auszuliefern. Die Taliban boten zunĂ€chst an, Osama bin Laden in Afghanistan vor Gericht zu stellen. SpĂ€ter forderten sie als Bedingung fĂŒr eine Auslieferung, Beweise fĂŒr seine Verwicklung in die AnschlĂ€ge vorgelegt zu bekommen.[25][26] Die Vereinigten Staaten lehnten dies ab. PrĂ€sident Bush sagte dazu:
âThere's no need to discuss innocence or guilt. We know he's guilty.â
âEs gibt keinen Grund, ĂŒber Schuld oder Unschuld zu diskutieren. Wir wissen, dass er schuldig ist.â[27]
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen bezeichnete die AnschlĂ€ge in den USA in seiner am 12. September 2001 gefassten Resolution 1368 als âBedrohung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheitâ. Zudem wurde das ânaturgegebene Recht zur individuellen oder kollektiven Selbstverteidigung, das in der Charta der Vereinten Nationen anerkannt wirdâ betont. In diesem Zusammenhang wurden die AnschlĂ€ge des 11. September 2001 als bewaffneter Angriff im Sinne der Artikel 39 und 51 der UN-Charta eingestuft. Damit wurde den USA das Recht auf Selbstverteidigung implizit zugesprochen. Nach Auffassung der USA und anderer Regierungen, wie etwa auch der Bundesrepublik Deutschland, wurde mit dieser Formulierung und dem direkten Verweis auf das in Artikel 51 der UN-Charta festgeschriebene Recht auf Selbstverteidigung die anlaufende Operation Enduring Freedom durch den Sicherheitsrat als ein âAkt der Selbstverteidigung der USAâ gegen den von Afghanistan aus geplanten Angriff gewertet und damit völkerrechtlich legitimiert.
Auf Ersuchen der Teilnehmer der ersten Afghanistan-Konferenz 2001 genehmigte der UN-Sicherheitsrat am 20. Dezember 2001 (Resolution 1386) die Aufstellung der ISAF-Schutztruppe, einer Sicherheits- und Aufbaumission unter FĂŒhrung der NATO. Der Einsatz ist keine friedenssichernde Blauhelm-Mission, sondern ein sogenannter friedenserzwingender Einsatz unter Verantwortung der beteiligten Staaten.
Der NATO-Rat hatte am 12. September 2001[28] die VorgĂ€nge des 11. September 2001 als Angriff auf einen der NATO-Staaten erklĂ€rt, falls bestĂ€tigt werden kann, dass sie von auĂerhalb der Vereinigten Staaten aus gesteuert worden waren. Am 2. Oktober informierte Francis X. Taylor, United States Coordinator for Counterterrorism, den NATO-Rat, dass die AttentĂ€ter zu al-Qaida gehören, die von den Taliban in Afghanistan geschĂŒtzt wĂŒrden.[29] Damit war erstmals in der Geschichte der NATO der BĂŒndnisfall nach Artikel 5 NATO-Vertrag eingetreten, wonach âein bewaffneter Angriff gegen eine oder mehrere von ihnen in Europa oder Nordamerika als ein Angriff gegen sie alle angesehen wirdâ und daraufhin âin AusĂŒbung des in Artikel 51 der Satzung der Vereinten Nationen anerkannten Rechts der individuellen oder kollektiven Selbstverteidigungâ Beistand geleistet wird.
Solange die AnschlĂ€ge des 11. Septembers 2001 dem damals durch die Taliban regierten Staat Afghanistan unmittelbar oder mittelbar zugerechnet werden konnten, galt die Beteiligung von NATO-Staaten aufgrund des BĂŒndnisfalls als weniger problematisch als sie es nach dem Sturz der Taliban Ende 2001 ist. Umstritten ist auch die zeitliche Unbegrenztheit des BĂŒndnisfalls.
Die LĂ€nder, welche Truppen fĂŒr den Einsatz stellen möchten, beschlieĂen im Rahmen des UN-Mandates national das Mandat fĂŒr ihre eigenen Truppen und wie dieses ausgestaltet ist (Rules of Engagement). FĂŒr den deutschen MilitĂ€reinsatz in Afghanistan gilt, dass die deutsche Regierung fĂŒr den Einsatz bewaffneter StreitkrĂ€fte einen Parlamentsbeschluss des Bundestages[30] benötigt. Dieser muss regelmĂ€Ăig verlĂ€ngert werden. Die LegitimitĂ€t der Beteiligung deutscher Truppen an der ISAF-Mission wird aus verfassungs- und völkerrechtlicher Sicht vielfach bestritten.
PrĂ€sident Bushs Entscheidung vom 7. Februar 2002, den Taliban den Kombattantenstatus zu verweigern und damit die Geltung des Kriegsvölkerrechts einzuschrĂ€nken, wird heute ĂŒberwiegend als juristisch nicht gerechtfertigt angesehen.[31]
Der 11. September 2001 muss als ausschlaggebend fĂŒr die Intervention in Afghanistan angesehen werden. Die terroristischen AnschlĂ€ge, ausgehend von Al-Qaida, veranlassten die USA, die Vereinten Nationen zur Verabschiedung der Resolution 1368 vom 12.11.2001. Der UN-Sicherheitsrat definiert auf der Grundlage von Art. 39 UN-Charta den Terroranschlag an sich als Bedrohung fĂŒr den Weltfrieden und die internationale Sicherheit. Durch den Verweis auf Art. 51 UN-Charta ist es den USA nun möglich, in Afghanistan zu intervenieren. Dies bedarf einer nĂ€heren ErlĂ€uterung, da sich die UN grundsĂ€tzlich dazu verpflichtet, den Weltfrieden aufrecht zu erhalten (Art. 1). Besonders deutlich zeigt dies Art. 2, Abs. 4, welcher sowohl die Androhung, als auch die Anwendung militĂ€rischer Gewalt verbietet. Hier mĂŒssen allerdings zwei Ausnahmen berĂŒcksichtigt werden: Der UN-Sicherheitsrat ist laut Art. 42 ermĂ€chtigt, militĂ€rische ZwangsmaĂnahmen zu ergreifen, wenn alle vorherigen Sanktionen politischer, sowie wirtschaftlicher Art ausgeschöpft worden sind (Art. 41). AuĂerdem verweist Art. 51 auf das naturgegebene Recht auf individuelle und kollektive Selbstverteidigung, welches die USA in Anspruch genommen haben. In der Resolution 1386 vom 20.12.2001 beschlieĂt der Sicherheitsrat das erste, auf sechs Monate befristete, ISAF-Mandat, welches bis 2003 von einem oder mehreren Staaten der UNO gefĂŒhrt wurde. Ab 2003 ĂŒbernimmt die NATO die FĂŒhrung des Einsatzes auf Bitten der UNO und der afghanischen Regierung. Der Einsatz, an dem derzeit 48 Nationen beteiligt sind, wurde in mehreren Resolutionen bestĂ€tigt oder erweitert. Es handelt sich um den Einsatz friedenserzwingender MaĂnahmen durch die internationale SicherheitsunterstĂŒtzungstruppe (ISAF) und nicht um eine friedenssichernde Blauhelmmission der UNO. Die angehende Intervention mehrerer NATO-Staaten lĂ€sst sich durch Art. 5 NATO-Vertrag erlĂ€utern. Dieser besagt, âdass ein bewaffneter Angriff gegen eine oder mehrere von ihnen in Europa oder Nordamerika als ein Angriff gegen sie alle angesehen werden wirdâ. Demnach tritt die Beistandsverpflichtung als BĂŒndnispartner der USA fĂŒr die NATO-Staaten in Kraft, welche allerdings nur im Rahmen des obig erklĂ€rten Art. 51 UN-Charta festgestellt werden kann. Neben der Ebene des internationalen Rechts, bedarf der Einsatz auĂerdem eine Legitimation des jeweiligen nationalen Rechts. Im Folgenden soll die Deutsche Beteiligung stellvertretend fĂŒr alle Staaten untersucht werden. Das Grundgesetz sieht laut Art. 24, Abs. 2 ebenso das Recht zur kollektiven Selbstverteidigung vor, wenn dieses im Rahmen und nach den Regeln eines Systems gegenseitiger kollektiver Sicherheit geschieht. 1994 bestĂ€tigte das Bundesverfassungsgericht, dass es sich bei der NATO und der UNO um ein solches System handelt. Auf Grundlage dieses Rechts legitimierte der Deutsche Bundestag eine Beteiligung der Bundeswehr am ISAF-Einsatz am 22.12.2001. Seitdem muss das Mandat durch eine einfache Mehrheit im Parlament alle sechs Monate bestĂ€tigt bzw. erweitert werden.
Am 4. Oktober 2001 beschloss der Nordatlantikrat mehrere individuelle und kollektive MaĂnahmen, wie beispielsweise die intensivere Zusammenarbeit der Geheimdienste, die UnterstĂŒtzung fĂŒr verbĂŒndete und weitere Staaten, die, weil sie der NATO helfen, in gröĂere terroristische Gefahr geraten, die Vergabe von Ăberflugrechten, den Zugang zu HĂ€fen und FlughĂ€fen und verstĂ€rkte SicherheitsmaĂnahmen fĂŒr Einrichtungen der NATO-Staaten.[32]
Nach der strategischen Vorbereitung stationierten die Vereinigten Staaten die Task Force Dagger auf einem ehemaligen sowjetischen LuftwaffenstĂŒtzpunkt nahe Qarshi im SĂŒden Usbekistans. Die Taskforce setzte sich aus Mitgliedern von Spezialeinheiten zusammen und bildete die Speerspitze des US-amerikanischen Krieges in Afghanistan.
Vertreter der TF Dagger gewannen die mit den Taliban konkurrierende Vereinigte Front als VerbĂŒndete fĂŒr das kommende militĂ€rische Engagement der StreitkrĂ€fte der Vereinigten Staaten. Hierzu nahmen sie mit den militĂ€rischen FĂŒhrern der wichtigsten Gruppierungen innerhalb der Nordallianz Verbindung auf: Raschid Dostum von der Junbish-i Milli sowie Mohammed Fahim und Mohammed Daoud von der Dschamiat-i IslÄmi. Diese stimmten dem Vorschlag zu, vor Einbruch des Winters eine militĂ€rische Kampagne unter amerikanischer FĂŒhrung gegen die Taliban zu eröffnen. Um den AnfĂŒhrern politische Gleichberechtigung untereinander zu signalisieren, bemĂŒhte sich die TF Dagger, ihre EinsatzkrĂ€fte möglichst gleichmĂ€Ăig unter den Territorien der rivalisierenden Gruppierungen zu verteilen. MilitĂ€rische Angriffe verzögerten sich dadurch stellenweise um mehrere Tage.
Die offiziellen Kampfhandlungen begannen am 7. Oktober 2001. Die Vereinigten Staaten bombardierten Ziele in ganz Afghanistan mit Marschflugkörpern, Kampfflugzeugen und B-2-Langstreckenbombern. Die Angriffe dauerten 44 Stunden und stellten damit die bis dahin lÀngste Einzeloperation der amerikanischen LuftstreitkrÀfte dar.
Trotz der massiven amerikanischen LuftunterstĂŒtzung gelang es den Truppen der Vereinigten Front jedoch vorerst nicht, die Linien der Taliban zu durchbrechen. Erst nachdem die LuftschlĂ€ge Anfang November 2001 auf die Frontstellungen der Taliban konzentriert wurden, begannen deren Linien zu bröckeln. Am 9. November 2001 eroberte die Vereinigte Front mit MazÄr-i Scharif die erste gröĂere Stadt von den Taliban und erlangte damit die Kontrolle ĂŒber die Versorgungslinien ĂŒber Land zu den nördlichen NachbarlĂ€ndern, vor allem Usbekistan. Die Offensive erreichte am 13. November 2001 mit der kampflosen Besetzung von Kabul ihren Höhepunkt. Die Talibanhochburgen wurden dagegen erbittert umkĂ€mpft und erst in den folgenden Wochen eingenommen (Kunduz am 25. November 2001 und Kandahar am 7. Dezember 2001).
Die afghanische Organisation Counterterrorism Pursuit Team kĂ€mpft gegen die radikalen Muslime im Land mit UnterstĂŒtzung der Vereinigten Staaten. Ende 2010 wurde mit ihrer Hilfe die Operation Dragon Strike eingeleitet.
Nach der weitgehenden Eroberung des Landes durch die Vereinigte Front Ende 2001 begannen Einheiten der westlichen VerbĂŒndeten mit der Suche nach al-Qaida-Mitgliedern, vor allem Osama bin Laden. Etwa 200 al-Qaida-KĂ€mpfer wurden wĂ€hrend der Schlacht um Tora Bora im Dezember 2001 getötet. Im MĂ€rz 2002 folgte dann die Operation Anaconda, bei der 1700 eingeflogene US-Soldaten und 1000 afghanische MilizionĂ€re gegen 500 bis ĂŒber 1000 al-Qaida- und Taliban-KĂ€mpfer um die Kontrolle ĂŒber das in der Provinz Paktia gelegenen Shahi-Kot-Tal kĂ€mpften. Bis 2005 gab es unter dem Codenamen Alec Station eine CIA-Organisation, die sich alleine mit bin Laden befasste.
Gefangene Taliban und mutmaĂliche Angehörige der al-Qaida wurden teilweise von den US-StreitkrĂ€ften, völkerrechtlich umstritten und begleitet von Protesten durch Menschenrechtsorganisationen, auf den US-StĂŒtzpunkt Guantanamo auf Kuba geflogen. Diverse Gefangenenlager im Land â allen voran das MilitĂ€rgefĂ€ngnis Bagram â dienten dabei in vielen FĂ€llen als Durchlaufstationen. Seit im Herbst 2004 die damalige US-Regierung entschieden hat, keine weiteren HĂ€ftlinge mehr nach GuantĂĄnamo zu verlegen, wurde Bagram endgĂŒltig zu einer permanenten Einrichtung, in der sich die Anzahl der HĂ€ftlinge daraufhin vervielfacht hat.
Auch nach dem Sturz der Taliban und der Einsetzung einer Ăbergangsregierung mit der UnterstĂŒtzung der ISAF-Mission hörten gewalttĂ€tige Auseinandersetzungen im Land nicht auf. Die ZwischenfĂ€lle im ersten Jahr werden allerdings gröĂtenteils als Verzweiflungsaktionen versprengter Mitglieder der Taliban oder al-Qaidas aufgefasst, denen es nicht gelang, nach Pakistan zu flĂŒchten. Organisierte Angriffe gegen Regierungseinrichtungen setzten erst etwa im Herbst 2002 ein.[33] Diese sich im Jahr 2002 formierenden, mit abweichenden Zielen gegen den Wiederaufbau eines effektiven Staates kĂ€mpfenden Gruppen werden hĂ€ufig unter dem Begriff âNeo-Talibanâ zusammengefasst.[34] Sie legten ferngesteuerte StraĂenminen und griffen RegierungskrĂ€fte und auslĂ€ndische Truppen mit Granaten und Raketenwerfern an. Anfangs infiltrierten sie vor allem die Grenzgebiete zu Pakistan, wo sie auch ihre Trainingseinrichtungen betrieben und KĂ€mpfer rekrutierten. Daher wurden die Taliban zu Beginn der Intervention durch die ISAF zunĂ€chst als landesfremde KrĂ€fte aufgefasst und in der westlichen Ăffentlichkeit dargestellt.
In den folgenden Jahren aber wandelte sich der Charakter der Auseinandersetzung in Richtung eines immer weiter ausgedehnten BĂŒrgerkriegs: Im Jahr 2003 fĂŒhrten TalibankĂ€mpfer in zunehmend gröĂeren Gruppen mit bis zu 200 Mann ihre Angriffe durch und brachten die Provinz ZÄbul sowie den SĂŒden PaktikÄs unter ihre Kontrolle. In den lĂ€ndlichen Gebieten ZÄbuls und im Osten PaktikÄs konnten sie den Einfluss der Regierung sogar fast völlig eliminieren. Im darauf folgenden Jahr gelang es ihnen, neue Hochburgen vor allem in der Provinz UrozgÄn zu errichten. In den Jahren 2005 und 2006 rĂŒckten sie nĂ€her an die Stadt Kandahar heran und weiteten ihre Einflussgebiete auf die Provinzen Helmand, FarÄh, Ghazni und Nimruz aus. Seit 2004 gelang es den Taliban auĂerdem, in der Region um Kabul, besonders in den Provinzen Logar, Wardak und NangarhÄr FuĂ zu fassen und Operationen in Kabuler Vororten auszufĂŒhren.[33]
Laut eines im November 2007 publizierten Berichts des International Council on Security and Development haben die Neo-Taliban bis 2006 in ĂŒber der HĂ€lfte des Landes eine stĂ€ndige PrĂ€senz etabliert. Sie kontrollieren auĂerdem inzwischen Zentren von Distrikten sowie wichtige Verkehrsverbindungen, Teile der Wirtschaft und der Energieversorgung.[35] General Egon Ramms, Kommandeur des Allied Joint Force Command Brunssum der Nato und damit der ISAF-EinsĂ€tze, schilderte Ende 2007, wie der Wechsel von Bauer zu Taliban praktisch ablief:[36]: âlokale Bauern (âŠ) in dem Augenblick, wo sie beispielsweise landwirtschaftliche Aufgaben zu erfĂŒllen haben, mit der Familie beschĂ€ftigt sind oder dergleichen mehr, legen sie ihre AK 47 beiseite, um sie möglicherweise im nĂ€chsten Jahr nach der Drogensaison wieder rauszuholen und sich den Taliban erneut im Kampf anzuschlieĂen.â
Der UN-Sicherheitsrat beschloss im Oktober 2003 die Ausweitung des ISAF-Mandats auf Gebiete auĂerhalb Kabuls. Die ISAF erhöhte ihre TruppenstĂ€rke von rund 9000 Soldaten auf 18500 Soldaten und ĂŒbernahm viele Aufgaben, die zuvor von der durch die Vereinigten Staaten gefĂŒhrten Operation Enduring Freedom (OEF) erledigt wurden. Dazu gehörte die Ăbernahme von PRTs (Provincial Reconstruction Team; zu Deutsch: âRegionales Wiederaufbauteamâ) in ganz Afghanistan, die aus einem zivilen und einem militĂ€rischen Teil bestehen. Dies geschah in einem ersten Schritt nur fĂŒr den Norden Afghanistans 2003/04. Ausgehend von einem Camp bei Kunduz patrouillierten beispielsweise österreichische Soldaten und deutsche Soldaten. In einem zweiten Schritt 2005 expandierte die ISAF in den Westen, italienische Soldaten und der spanische Spanische stellten die Mehrheit der ISAF-Truppen. Im dritten Schritt 2005/06 folgte dann die Expansion in den SĂŒden, wo US-Soldaten, britische Soldaten, kanadische Soldaten, dĂ€nische Soldaten, niederlĂ€ndische Soldaten und australische Soldaten den Hauptteil der ISAF-Truppen stellten. Ab 2010 beteiligte sich auch noch Georgien mit Kampftruppen im SĂŒdwesten Afghanistans. Ende 2006 wurde im vierten Schritt noch der Osten Afghanistans unter das ISAF-Mandat gestellt, wobei hier US-Soldaten den gröĂten Teil der Truppen beitrugen. Ab 2008/2009 ĂŒbernahmen französische Soldaten und polnische Soldaten, in Kooperation mit US-Truppen, die Sicherheitsverantwortung je einer Provinz im Osten.
Afghanistan wurde in mehrere Regionalkommandos aufgeteilt, wobei die Hauptstadt Kabul ein eigenes Regionalkommando erhielt. Dort wechselte das Kommando seit 2006 zwischen der TĂŒrkei, Italien und Frankreich, um dann im August 2008 an die afghanischen SicherheitskrĂ€fte ĂŒber zu gehen. Ein Regionalkommando besteht aus einer FSB (Forward Support Base) zur logistischen UnterstĂŒtzung, mehreren PRTs und mehreren OMLTs (Operational Mentoring and Liaison Team), die innerhalb einer Provinz fĂŒr die Ausbildung der Afghanischen Nationalarmee (ANA) zustĂ€ndig sind und zwischen ANA und ISAF koordinieren. Im Regionalkommando Nord gibt es seit 2007 zusĂ€tzlich ein PAT (Provincial Advisory Team), die kleinen PRTs Ă€hneln. Im Juni 2010 wurde das Regionalkommando SĂŒd geteilt in ein neues Regionalkommando SĂŒd und ein Regionalkommando SĂŒdwest (RC SW). Das RC SW umfasst die Provinzen Helmand, Nimrus und Teile von Kandahar.[37]
Die Vereinigten Staaten sind der wichtigste Truppensteller, der wichtigste Geldgeber und entscheidend fĂŒr die Strategie im Kampf gegen die Gegner der afghanischen Regierung.
Anfang 2008 erhöhten die Vereinigten Staaten ihre TruppenstĂ€rke 26607 Soldaten auf 48250 Soldaten. Des Weiteren gab es zwischen Dezember 2008 und Juni 2009 mehr als 60000[38] fĂŒr einen MilitĂ€rdienstleister arbeitende Menschen in Afghanistan.
Im Oktober 2010 standen unter ISAF-Kommando ĂŒber 130000 Soldaten in Afghanistan, wobei die Vereinigten Staaten mit 90000 Soldaten der wichtigste Truppensteller war.[39] Die Zahl der ISAF-Truppen war deshalb angestiegen, weil die noch bis zum FrĂŒhjahr 2010 der Operation Enduring Freedom zugeordneten etwa 20000 US-Soldaten nun dem ISAF-Kommando unterstellt sind. Damit verbleiben unter OEF-Kommando nur noch die US-Spezialeinheiten und die Soldaten zur Bewachung von Gefangenen.[40]
GröĂere Operationen in den Jahren 2010 und 2011 gab es in den Provinzen Hellmand und Kandahar, mit einem deutlichen Erfolg in Kandahar.[41]. Im Osten Afghanistans, wo ein groĂer Teil der Bevölkerung lebt, ist dagegen bis 2011 noch nichts zu sehen.[42]
Auf der Afghanistan-Konferenz 2010 in London wurde die Ăbergabe der militĂ€rischen Verantwortung an die afghanische Armee sowie ein Zeitplan fĂŒr den Abzug der internationalen StreitkrĂ€fte diskutiert.
William B. Caldwell wurde im November 2009 zum Kommandeur sowohl der NATO Training Mission-Afghanistan (NTM-A) als auch der US-gefĂŒhrten multinationalen Combined Security Transition Command - Afghanistan (CSTC-A), wodurch das Training und der Ausbau der Afghanischen Armee und der Polizei profitierte. ZusĂ€tzlich wurden lokal oder regional aktive leicht bewaffnete Milizen und die sogenannte Afghan Local Police (ALP) rekrutiert.
Einer der ersten groĂen EinsĂ€tze der Afghanischen Nationalarmee war die am 13. Februar 2010 begonnene Operation Muschtarak, bei der 2.500 afghanische Soldaten und 12.500 ISAF-Soldaten nach zwei Wochen die Stadt Mardscha in der Provinz Helmand einnahmen, damit dort anschlieĂend eine staatliche Infrastruktur aufgebaut werden kann. Mardscha ist ein Zentrum des Opiumanbaus, doch wollten die US-StreitkrĂ€fte zunĂ€chst nicht gegen diesen vorgehen.[43]
Auf dem NATO-Gipfel in Lissabon im November 2010 verkĂŒndete die NATO, ab 2011 die Verantwortung ĂŒber die Sicherheit der ersten afghanischen Provinzen an die Afghanische Nationalarmee zu ĂŒbergeben. Bis 2014 sollen dann alle Provinzen ĂŒbergeben worden sein. Daher sollen bis 2014 schrittweise die Zahl der auslĂ€ndischen Soldaten so weit reduziert werden, dass dann nur noch einige 10.000 Ausbilder im Land sind. Bis zum Sommer 2012 werden 33000 US-Soldaten das Land verlassen, davon 10000 Soldaten noch im Jahr 2011. Im Juli 2011 wurden die ersten 650 US-Soldaten ausgeflogen. Es ist der erste ersatzlose Abzug von US-Truppen.[44]
Gleichzeitig hat Kanada seine etwa 3000 Soldaten abgezogen, lediglich zu Ausbildungszwecken verbleiben einige kanadische Soldaten im Land. Das Kommando der vom Abzug betroffenen Regionen wurde an die USA ĂŒbergeben.[45]
Im MĂ€rz 2011 benannte Karsai sieben Regionen, ĂŒber die afghanische SicherheitskrĂ€fte ab Juli 2011 die Verantwortung ĂŒbernehmen sollen. Das sind groĂe Teile der Provinz Kabul und die Provinzen Panjshir und Bamiyan, sowie die StĂ€dte MazÄr-i Scharif, Mehtarlam (Hauptstadt der Provinz Laghman), Lashkar Gah und den GroĂteil von Herat.[46]
Im November 2011 wurden die nĂ€chsten an die afghanischen SicherheitskrĂ€fte zu ĂŒbergebende Regionen bekannt. Es sind die Provinzen Balch, Daikondi, Kabul, Tachar, Samangan und Nimrus. Des weiteren groĂe Teile der Provinzen Herat, Parwan und Sar-i Pul. Hinzu kommen die StĂ€dte Dschalalabad, Ghazni, Maidan Schar (Provinz Wardak), Faizabad, Schaghscharan, Scheberghan und Kalai-i-Naw.[47]
Eine der frĂŒhen Strategien war der Aufbau von Provincial Reconstruction Teams, um so den Wiederaufbau der Infrastruktur in Afghanistan zu unterstĂŒtzen und zu schĂŒtzen. Der Ansatz wurde von den Truppenstellernationen unterschiedlich realisiert und er Ă€nderte sich in AbhĂ€ngigkeit von der militĂ€rischen Situation vor Ort. So unterscheiden sich beispielsweise die GröĂe der Teams und ob der Schwerpunkt mehr auf dem militĂ€rischen oder dem zivilen Teil liegt.[48]
Eine weitere Strategie heiĂt clear, hold and develop. Sie ist Teil des im Jahre 2006 neu erstellten Feldhandbuches der US-Army und wurde im Vietnamkrieg als clear and hold zum ersten Male in gröĂerem Stil ausprobiert. Dabei wurden auch SchwĂ€chen dieser Strategie bekannt, beispielsweise fordert sie eine sehr hohe Anzahl an Truppen im Feld. In Afghanistan beinhaltet sie zusĂ€tzlich den Aufbau der Afghanischen Nationalarmee und der afghanischen Polizei, damit diese, nachdem die AufstĂ€ndischen aus einem Gebiet vertrieben wurden, dort dauerhaft prĂ€sent sind. Damit die Nationalarmee schnell eingesetzt werden kann, wird sie im Einsatz von Truppen der OEF/ISAF weiter ausgebildet (partnering).[49] Doch schon jetzt Ă€uĂern sich kritische Stimmen, dass selbst die momentane TruppengröĂe der Allianz zu gering dafĂŒr sein könnte. FĂŒr die Zeit nach dem Abzug der Alliierten ist die StabilitĂ€t der aufgebauten afghanischen Institutionen ungewiss.
Zur AufstandsbekÀmpfung wurden einige neue Techniken eingesetzt. Um Truppenbewegungen des Gegners aufzuklÀren, werden verstÀrkt unbemannte Luftfahrzeuge verwendet. Zur Identifizierung des Gegners, wenn er sich unter Zivilisten versteckt, sind biometrische Datenbanken angelegt worden.[50][51]
Der Afghanistan-Krieg wird âvon seinen Strategen als âKrieg gegen den Terrorââ definiert.[52] Instrument âgezielter Tötungenâ sind sogenannte âc-k-Listen (capture or kill), die auch vom BND erstellt werden.â[53] Zivile Opfer werden dabei von den Strategen der ISAF als âKollateralschĂ€denâ in einem Collateral Damage Estimate eingeplant.[53] Gefunden werden die Zielpersonen und mutmaĂlichen Taliban-FĂŒhrer durch âanonyme Informantenâ, also âauf bloĂe Denunziation hin.â[53]
Ein wesentliches Mittel in der KampffĂŒhrung ist die Sprengfalle, um die technisch ĂŒberlegenen Truppen der OEF/ISAF anzugreifen. Des Weiteren werden Vertreter des afghanischen Staates, beispielsweise Polizisten, getötet. Es werden auch SelbstmordanschlĂ€ge verĂŒbt. Es gibt allerdings auch gröĂere Angriffe, etwa die kurzzeitige Eroberung eines Bezirks. In der Regel erreichen die Neo-Taliban allerdings nur einzelne Bezirke oder Provinzen zu dominieren und durch sogenannte Schattengouverneure, parallel zu den offiziellen Gouverneuren, ĂŒben sie dann Einfluss auf die Bevölkerung aus.
Die Neo-Taliban setzen gezielt Propaganda ein. Sie versuchen drei Gruppen anzusprechen: Die internationale Ăffentlichkeit, die arabische Welt und die afghanische Bevölkerung. Es gibt Neo-Taliban-Sprecher, die per Satellitentelefon Medienanfragen beantworten, auĂerdem werden Mundpropaganda und FlugblĂ€tter (night letters) in Afghanistan verbreitet.[54] Andere Transportmittel fĂŒr Propaganda sind Videos, Lieder und das Internet.[55]
Als Gegenstrategie zum partnering verfolgen die Taliban die Strategie, die afghanischen Sicherheitsorganisationen zu unterwandern, um nĂ€her an die Soldaten der ISAF heran zu kommen und erfolgreiche Attentate auszufĂŒhren. Des Weiteren kann so das Vertrauen zwischen den Partnern unterminiert werden.
Die Afghanische Nationalarmee kann keine Hightech-Strategie und keine asymmetrische KriegfĂŒhrung verfolgen. Ihr entscheidender Vorteil besteht darin, dass die ĂŒber 100000 Soldaten Afghanen sind. Allerdings plagen sie Defizite bei Taktik in der KampffĂŒhrung und Disziplin, da der Sold der Soldaten sehr gering ist und sie deshalb oft erfolgreich von den Neo-Taliban und AufstĂ€ndischen abgeworben werden können.
Nachdem Kanada schon 2008 mit dem Abzug der Truppen drohte, beschloss das Land schlieĂlich 2010, den Einsatz 2011 zu beenden. In der Diskussion spielte die, gemessen an der Bevölkerungszahl Kanadas, unverhĂ€ltnismĂ€Ăig hohe Anzahl von Toten, die das Land zu beklagen hat, eine entscheidende Rolle.[56] In den Niederlanden brach nach Ă€hnlichen Auseinandersetzungen die Regierung 2010 auseinander und es wurde ebenfalls der Abzug beschlossen. Die neue Regierung entschied aber ein halbes Jahr spĂ€ter, Deutschland in Kunduz bei der Ausbildung von Polizisten zu helfen.[57]
Die nationale afghanische Friedens-Dschirga im Juni 2010 Ă€nderte wenig an der Situation im Land, viele Taliban boykottierten diesen Rat. Möglicherweise wurde dort ĂŒber Verhandlungen der afghanischen Regierung mit Gulbuddin HekmatyÄr gesprochen.[58] Eine Abspaltung seiner Partei Hizb-i IslÄmi gab jedenfalls vor, seit Herbst 2009 mit Karsai verbĂŒndet zu sein und stellte den Wirtschaftsminister 2010. Diese angeblichen VerbĂŒndeten Karsais haben jedoch in öffentlichen Stellungnahmen keinen Zweifel an ihrer LoyalitĂ€t gegenĂŒber HekmatyÄr gelassen.[59][60] Der Vorsitzende des auf Anregung der Friedens-Dschirga gegrĂŒndeten Hohen Friedensrates BurhÄnuddin RabbÄni wurde am 20. September 2011 durch einen SelbstmordattentĂ€ter getötet.
Ein wichtiger Neo-Taliban-FĂŒhrer namens Mansour, mit dem man scheinbar monatelang verhandelt hatte, stellte sich als Hochstapler (Bogus-Mansour) heraus. Es sollen hohe Zahlungen an ihn erfolgt sein, damit er an Friedensverhandlungen teilnimmt. Zu einem Treffen mit Karzai im PrĂ€sidentenpalast in Kabul soll er mit einer NATO-Maschine geflogen worden sein.[61]
Im Winter 2011 kĂŒndigten die Taliban an in Katar eine âAuslandsvertretungâ einzurichten, um âin einen Dialog mit der internationalen Gemeinschaft zu tretenâ. Nach US-Angaben sollen 10 Monate lang darĂŒber zwischen den Taliban und US-Vertretern verhandelt worden sein, wobei man sich in Deutschland und Doha (Katar) etwa ein halbes Dutzend mal traf.[62]
Die regionalen MĂ€chte Pakistan, Iran, Russland, Indien und China sind zwar militĂ€risch nicht am Krieg beteiligt, aber ihr Einfluss ist teilweise sehr groĂ. Der Konflikt in Nordwest-Pakistan begann 2004, als die pakistanische Armee in Waziristan, eine pakistanische Provinz an der Grenze zu Afghanistan, nach Al-Qaida-Mitgliedern suchte. In Pakistan ist auch die Quetta Shura angesiedelt. Dies ist die in Pakistan und Afghanistan aktive FĂŒhrungsorganisation der Taliban. AngefĂŒhrt wird sie von Mohammed Omar, dem frĂŒheren De-facto-Staatschef des Islamischen Emirats Afghanistan.
Nach Angaben von Michael G. Mullen, ranghöchster Soldat der US-StreitkrÀfte und kurz vor dem Ende seiner Amtszeit, handele das Haqqani-Netzwerk als verlÀngerter Arm des pakistanischen Inter-Services Intelligence (militÀrischer Nachrichtendienst der StreitkrÀfte Pakistans) in Afghanistan.[63]
Hamid Karzai schloss am 4. Oktober 2011 mit dem indischen Premierminister Manmohan Singh eine strategische Partnerschaft, unter anderem auch mit Blick auf den Abzug der westlichen Truppen bis 2014.[64]
Bisher kamen 2.915 Koalitionssoldaten ums Leben, darunter 53 Soldaten der Bundeswehr und drei deutsche Polizisten. Die USA als gröĂte Truppensteller haben mit rund 65% der insgesamt getöteten Soldaten (1.910 Gefallene) der Koalition die höchsten Verluste zu verzeichnen. Die Anzahl gestorbener afghanischer Soldaten und AufstĂ€ndischer ist unbekannt.[65][66] Offizielle Angaben zu zivilen Opfern liegen nur unvollstĂ€ndig vor, SchĂ€tzungen sind sehr unterschiedlich:
Ein GroĂteil der zivilen Opfer sind jedoch auf AnschlĂ€ge der Taliban und der Miliz Gulbuddin HekmatyÄrs zurĂŒckzufĂŒhren. Seit 2003 fĂŒhren die Taliban Krieg gegen die demokratische Islamische Republik Afghanistan sowie die internationalen Truppen der ISAF in Afghanistan. Dabei richten sie sich in AnschlĂ€gen gezielt gegen die afghanische Zivilbevölkerung. Im Jahr 2009 waren sie laut Angaben der Vereinten Nationen fĂŒr ĂŒber 76 Prozent der Opfer unter afghanischen Zivilisten verantwortlich.[71] Die AIHRC nannte die gezielten AnschlĂ€ge der Taliban gegen die Zivilbevölkerung ein âKriegsverbrechenâ.[72] Religiöse FĂŒhrer verurteilten die AnschlĂ€ge der Taliban als VerstoĂ gegen die islamische Ethik.[72]
Internationale Beobachter sowie afghanische Experten wie der ehemalige afghanische Geheimdienstchef Amrullah Saleh befĂŒrchten fĂŒr den Fall eines vorzeitigen RĂŒckzugs der internationalen Truppen der ISAF eine Massaker-Kampagne der Neo-Taliban und HekmatyÄrs.[73]
FĂŒr 2011 berechnete die UnterstĂŒtzungsmission der Vereinten Nationen in Afghanistan (UNAMA) 3.021 zivile Opfer. 77 Prozent waren Opfer der AufstĂ€ndischen und 14 Prozent starben bei Operationen der Nato und der afghanischen Armee. Bei 8 Prozent war keine Zuordnung möglich. 967 Zivilisten kamen durch sogenannte Unkonventionelle Spreng- oder Brandvorrichtungen (USBV) ums Leben, 450 bei SelbstmordanschlĂ€gen, 187 bei Luftangriffen und 63 bei nĂ€chtlichen Angriffen.[74]
Im Vergleich zum Vorjahr kamen 8 Prozent mehr Zivilisten ums Leben. Dies ist vor allem durch einen Anstieg der SelbstmordanschlĂ€ge zu erklĂ€ren. Die Anzahl der von der ISAF getöteten ging um 18 Prozent zurĂŒck.[74]
Die Kosten fĂŒr die Vereinigten Staaten belaufen sich auf etwa 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr.[76] Da die Vereinigten Staaten etwa 70 Prozent aller Truppen stellen, kann vermutet werden, dass bei ihr auch nur 70 Prozent der anfallenden Kosten auflaufen. Damit wĂŒrde der OEF/ISAF-Einsatz pro Jahr etwa 143 Milliarden US-Dollar kosten.
Die Kosten fĂŒr die Neo-Taliban können aus ihren vermuteten Einnahmen errechnet werden. Im MĂ€rz 2010 veröffentlichte die US-DrogenbekĂ€mpfungsbehörde, dass die Neo-Taliban Hunderte von Millionen US-Dollar mit Drogen verdienen wĂŒrden.
âThe Taliban taxes opium poppy farmers, brokers, and laboratories that process opium into heroin, as well as traffickers passing through Taliban-controlled areas. They also collect donations from drug traffickers and sell drugs themselves to finance arms and munitions for their continued fight against U.S.-led forces in Afghanistan.â
âDie Taliban besteuern Opiumfarmer, OpiumhĂ€ndler und Laboratorien, in denen Opium zu Heroin verarbeitet wird, sowie HĂ€ndler, die durch von Taliban kontrollierten Gebieten reisen. AuĂerdem sammeln sie Spenden von DrogenhĂ€ndlern und verkaufen selbst Drogen, um Waffen und Munition fĂŒr ihren anhaltenden Kampf gegen die US-gefĂŒhrten Truppen in Afghanistan finanzieren zu können.â
â Anthony P. Placido: Aussage vor dem Ausschuss zur internationalen DrogenĂŒberwachung des US-Senats[77]
Da Afghanistan keine direkte Verbindung zum Meer hat, muss der Nachschub fĂŒr die ISAF- und OEF-Einheiten ĂŒber das Territorium benachbarter Staaten in das Land gebracht werden. FĂŒr MassengĂŒter ist Pakistan das wichtigste Transitland. Ausgehend von den HĂ€fen in Karatschi fĂŒhrt eine wichtige Route ĂŒber den Chaiber-Pass im Hindukusch nach Kabul, eine zweite Route verlĂ€uft ĂŒber Quetta zum Grenzort Chaman und weiter nach Kandahar. Im Norden gibt es eine weitere Route nach Afghanistan. So konnte die NATO im FrĂŒhjahr 2010 zum ersten Mal Frachtcontainer ĂŒber russisches Territorium transportieren,[78] zuvor gab es eine Ă€hnliche Vereinbarung bereits mit einzelnen NATO-LĂ€ndern.[79] Im November 2010 wurde die Vereinbarung ausgeweitet auf den Transport von nicht bewaffneten gepanzerten Fahrzeuge.[80] Mit dem Bau einer Bahnstrecke von Usbekistan nach MazÄr-i Scharif war Anfang 2010 begonnen worden, die Bauarbeiten wurden zum Jahresende 2010 abgeschlossen.[81]
FĂŒr den Lufttransport werden hĂ€ufig Basen auf der Arabischen Halbinsel benutzt. Seit Beginn des Krieges gab es Ă€hnliche Basen auch im Norden Afghanistans, etwa in der kirgisischen Stadt Bischkek am Flughafen Manas. Im usbekischen Termiz werden vom Einsatzgeschwader Mazar-e Sharif fĂŒr das deutsche und niederlĂ€ndische ISAF-Kontingent Lufttransporte abgewickelt. Mit dem Aufbau leistungsfĂ€higer FlughĂ€fen (Camp Bastion (ab 2006), Bagram Air Base, Kandahar Airport, Flughafen Kabul) werden in Afghanistan direkt Ziele von auĂerhalb des Landes angeflogen.
Die Störung der Versorgungslinien ist ein zunehmend bedeutenderes Ziel der Taliban. Ein wichtiges Mittel sind Sprengfallen.