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Die Kriegsverbrechen der Alliierten im Zweiten Weltkrieg waren Verletzungen des Kriegsvölkerrechts von Seiten der Alliierten im Zweiten Weltkrieg, welche sich gegen die Zivilbevölkerung, oder gegen MilitÀrs der AchsenmÀchte richteten.
Inhaltsverzeichnis |
Die MilitĂ€rs der westlichen Alliierten wurden von ihren Regierungen angewiesen, die Genfer Konventionen einzuhalten. Sie gingen davon aus, einen gerechten Krieg im Sinne der Verteidigung zu fĂŒhren. Auch wenn Verletzungen der Konventionen auftraten, wurden keine schwerwiegenderen Verletzungen, wie zum Beispiel Völkermord, begangen.
Auf ihrem RĂŒckzug aus Belgien vor der rasch vorrĂŒckenden Wehrmacht 1940 töteten polnische Soldaten unter britischem Kommando den belgischen Radrennfahrer Julien Vervaecke (1899-1940). Dieser hatte sich als Besitzer einer GaststĂ€tte in Menen gegen die VerwĂŒstung derselben durch die Briten gewehrt. Am 24. Mai 1940 wurde er von den Soldaten gewaltsam verschleppt und wahrscheinlich am nĂ€chsten Tag im französischen Roncq erschossen.[1][2]
Wiederholt kam es zur ErschieĂung schiffbrĂŒchiger deutscher Marinesoldaten durch Besatzungen britischer Schlachtschiffe.[3]
Nach der Versenkung des deutschen Zerstörers Z 12 Erich Giese durch die britischen Zerstörer HMS Cossack (F03) und HMS Foxhound (H69) am 13./14. April 1940 vor Norwegen wurde auf die deutschen SchiffbrĂŒchigen geschossen.[4]
Nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Griechenland versenkte am 12. Mai 1941 das britische U-Boot Rorqual (LCdr Dewhurst) den griechischen Motorsegler Osia Paraskevi (ÎÏία ΠαÏαÏÎșÎ”Ï Îź), der sich auf dem Weg von Kastron (Limnos) nach Kavala befand. Den 7 griechischen Besatzungsmitgliedern wurde zuvor noch ermöglicht, ein Rettungsboot zu besteigen, wĂ€hrend die 4 deutschen Soldaten mit Waffengewalt daran gehindert wurden. Nach Versenkung des Schiffes wurden die vier schwimmenden Deutschen mit Maschinengewehren erschossen.[5]
Am 9. Juli 1941 versenkte das britische Unterseeboot Torbay einen deutschen Motorsegler vor Kreta. 7 deutsche Soldaten, Angehörige einer Gebirgsdivision auf Kreta, die sich in ein Schlauchboot gerettet hatten, wurden auf Befehl des U-Boot-Kommandanten LtCdr. Miers mit Maschinengewehren erschossen. Der Erste Wachoffizier und ein Seemann weigerten sich, sich an der ErschieĂung zu beteiligen. Dasselbe Unterseeboot versenkte mehrere weitere deutsche Motorsegler und hinderte die Besatzungen daran, von Bord zu gehen. Es kam nie zu einem Verfahren gegen LtCdr Miers.[6]
Laut Mithcham und von Stauffenberg töteten im Juli 1943 auf Sizilien Soldaten des The Loyal Edmonton Regiment mehrere deutsche Gefangene in Leonforte.[7]
WĂ€hrend der Operation Overlord kam es nach den neuen Forschungen von Antony Beevor zu mehreren FĂ€llen der ErschieĂung deutscher Kriegsgefangener, v.a. Angehöriger der Waffen-SS, durch kanadische Soldaten.[8]. Diese Kriegsverbrechen stehen teils in unmittelbarem Zusammenhang mit dem an Kanadiern begangenen Massaker in der Abbaye d'Ardenne, das Kurt Meyer von der 12. SS-Panzer-Division âHitlerjugendâ zu verantworten hatte. SpĂ€ter beschuldigte Meyer die kanadischen StreitkrĂ€fte der 3. Kanadischen Infanterie-Division, wĂ€hrend der Operation Overlord in Nordfrankreich 1944 die Haager Konventionen verletzt zu haben. Er behauptete, dass schon am 7. Juni Aufzeichnungen gefunden worden seien, welche angeordnet hĂ€tten, keine Gefangenen zu nehmen, sollten diese die Operationen behindern.[9] Hubert Meyer bestĂ€tigt dies. Er gibt an, dass am 8. Juni ein kanadisches Notizbuch gefunden worden sei, welches dieselben Anordnungen enthalten habe.[10] Kurt Meyer beruft sich auch auf Beweise von Bernhard Siebken's Kriegsverbrecherprozess, in dem die kanadische Infanterie beschuldigt wurde, bei mindestens einer Gelegenheit deutsche Soldaten erschossen zu haben, die wĂ€hrend des Angriffs kapituliert hatten.[9] Beevor Ă€uĂert ferner, wenn auch verklausuliert, den Verdacht, dass wĂ€hrend der Schlacht um Falaise am 8. und 9. August gefangene SS-Soldaten ebenfalls der Division "Hitlerjugend" von Angehörigen des II. kanadischen Korps getötet worden seien.[11].
C.P. Stacey, der offizielle kanadische Schlachthistoriker, berichtet, dass sich am 14. April 1945 das GerĂŒcht verbreitet hatte, wonach der kommandierende Offizier der Argyll and Sutherland Highlanders of Canada von einem zivilen ScharfschĂŒtzen getötet wurde. Daraufhin steckten die Highlander, in einem irrtĂŒmlichen Vergeltungsschlag, zivile Immobilien in Friesoythe in Brand.[12] Stacey schrieb spĂ€ter, dass die Highlander zuerst die deutschen Zivilisten von den GrundstĂŒcken entfernten und dann die HĂ€user in Brand setzten. Er kommentierte, dass er âzum GlĂŒck sagen kann, dass [er] nie von einem anderen, Ă€hnlichen Fall hörteâ.[13]
Nach den Operation Dragoon-Landungen in SĂŒdfrankreich und dem Zusammenbruch der deutschen MilitĂ€rbesatzung im August 1944, gelang es nur wenigen Deutschen, aus Frankreich zu fliehen, weshalb sich viele den Französischen StreitkrĂ€ften im Inneren stellten. Die RĂ©sistance tötete einige ihrer deutschen Kriegsgefangenen, die meisten von ihnen waren Mitglieder der Gestapo, oder der SS.[14]
Am 10. September 1944 brachten die Maquis 17 deutsche Kriegsgefangene in Saint-Julien-de-Crempse im DĂ©partement Dordogne um, von denen 14 identifiziert werden konnten. Die Morde waren Vergeltungstaten fĂŒr deutsche Morde an 17 Einwohnern des Dorfes St. Julien am 3. August 1944, welche ebenfalls aus Vergeltung wegen AktivitĂ€ten der RĂ©sistance in der Umgebung von St. Julien begangen wurden, welche die damalige Heimat einer aktiven Maquis-Zelle war.[15]
Französisch-Marokkanische Truppen der French Expeditionary Corps, auch als Goumiers bekannt, begingen massenhafte Verbrechen in Italien, wĂ€hrend der Schlacht um Monte Cassino[16], und in Deutschland. Laut europĂ€ischen Quellen wurden durch die Goumiers mehr als 12.000 Zivilisten, vor allem junge und alte Frauen sowie Kinder, entfĂŒhrt, vergewaltigt oder getötet.[17] Dieses Thema wurde auch im italienischen Film Und dennoch leben sie, mit Sophia Loren, behandelt.
Bei der Einnahme von Stuttgart und Pforzheim etwa kam es zu Massenvergewaltigungen. Im wĂŒrttembergischen Freudenstadt missbrauchten französisch-marokkanische Besatzungssoldaten Bewohnerinnen des Ortes tagelang.[18]
Die Lazarettstadt Freudenstadt wurde nicht von deutschen Truppen verteidigt und war zur offenen Stadt erklĂ€rt worden. Dennoch erlitt die Stadt einen schweren amerikanischen Bombenangriff. Französische Truppen beschossen sie am 16. und 17. MĂ€rz 1945 mit Spreng- und Brandgranaten; dann drangen Soldaten des 3. Marokkanischen Spahi-Regiments unter Major (spĂ€ter General) Christian de Castries kampflos in Freudenstadt ein. Sie und nachfolgende französische Einheiten plĂŒnderten bis zu fĂŒnf Tage. Sie legten zahlreiche BrĂ€nde (darunter auch am Rathaus), verboten das Löschen und hinderten deutsche Löschwillige mit Waffengewalt daran.[19]
Die Sowjetunion hatte die Genfer Konventionen von 1929 bezĂŒglich der Behandlung von Kriegsgefangen nicht unterzeichnet. Das wirft unter Historikern die Frage auf, ob die sowjetische Behandlung der Kriegsgefangenen schon Kriegsverbrechen darstellten. Laut Quellenangaben wurden die Kriegsgefangenen der AchsenmĂ€chte â[nicht] einmal ansatzweise der Genfer Konventionen entsprechend behandeltâ[20] und hunderttausende fielen der Gefangenschaft zum Opfer.[21] Trotzdem wurde diese Argumentation bei den NĂŒrnberger Prozessen abgelehnt, mit der BegrĂŒndung, dass die Haager Konventionen (welche die Genfer Konventionen von 1929 nicht ersetzten, aber erweiterten und, anders als die Konventionen von 1929, von der Sowjetunion ratifiziert wurden), sowie das sonstige Kriegsvölkerrecht fĂŒr alle Nationen bindend seien.[22][23][24]
Weitere FĂ€lle von Massenvergewaltigungen und anderen Kriegsverbrechen wurden wĂ€hrend der Besetzung OstpreuĂens und Danzigs,[25][26][27][28] in Teilen von Pommern und Schlesien und wĂ€hrend der Schlacht um Berlin verĂŒbt.[29]
Beim Massaker von Katyn wurden im FrĂŒhjahr 1940 mehrere tausend polnische Offiziere von sowjetischen Truppen ermordet. Das Massaker war eine Aktion, welche von Josef Stalin befohlen und vom NKWD durchgefĂŒhrt wurde. Insgesamt etwa 22.000 Polen kamen bei diesem Massaker ums Leben, vorwiegend aus der militĂ€rischen und der intellektuellen Elite des Landes.
In Jugoslawien kam es nach dem Sieg der jugoslawischen Volksbefreiungsarmee insbesondere in den Monaten Mai und Juni 1945 zu Massenhinrichtungen von Angehörigen der kroatischen Ustascha-Miliz, der kroatischen Domobrani, der slowenischen Domobranci, serbischer Tschetniks sowie deutscher VerbĂ€nde. So wurden etwa 2000 Angehörige der 7. SS-Freiwilligen-Gebirgs-Division âPrinz Eugenâ bei BreĆŸice erschossen. Tausende erschossener Slowenen, Kroaten und Serben liegen in MassengrĂ€bern, die erst in den Jahren seit dem Zerfall Jugoslawiens 1991 erforscht werden, darunter im Gottscheer Hornwald (KoÄevski Rog), in Tezno oder im Barbara-Stollen bei Huda Jama. Angehörige der Wehrmacht starben 1945 zu Tausenden in s.g. SĂŒhnemĂ€rschen.[30][31][32][33]
âIn den letzten Jahren des Krieges gegen Japan, stand die Abneigung der Japaner aufzugeben im grausamen Einklang mit dem Desinteresse der Alliierten keine Gefangenen zu nehmen.â, so John W. Dower, ein Sozialhistoriker des Pazifikkrieges.[45] Dower deutet an, dass den meisten japanischen Soldaten erzĂ€hlt wurde, sie wĂŒrden âgetötet oder gefoltertâ werden, sollten sie in die HĂ€nde der Alliierten fallen.
Deswegen kĂ€mpften bei einer sich abzeichnenden Niederlage die meisten japanischen Soldaten bis zum Tod oder begingen Selbstmord.[46] Hinzu kam die Auffassung, dass es fĂŒr einen japanischen Soldaten schĂ€ndlich und schmachvoll wĂ€re, sich zu ergeben, was die Tendenz des Kampfes bis zum Tode noch verstĂ€rkte. Selbst im Japanese Field Service Code stand, dass Aufgeben nicht zulĂ€ssig sei.[47] Es gab damals auch weitverbreitete Berichte, dass japanische Gefangene alliierte SanitĂ€ter, FeldĂ€rzte und Wachen mit versteckten Waffen töteten, nachdem sie sich ergeben hatten. Dies fĂŒhrte dazu, dass viele alliierte Soldaten das Nehmen von Gefangenen als zu riskant einstuften.[48]
Laut Rudolph Joseph Rummel gibt es wenige Informationen ĂŒber die Behandlung japanischer Kriegsgefangener durch die NRA wĂ€hrend des zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges (1937-45).[49]
Dennoch wurden neben chinesischen Zivilisten und Rekruten auch japanische Zivilisten von chinesischen Soldaten misshandelt. Die chinesischen Bauern hatten âoft nicht weniger Angst vor ihren eigenen Soldaten, als vor den Japanernâ, so Rummel.[50] So starben 90 % der NRA-Rekruten an Krankheiten, UnterernĂ€hrung oder den Folgen von Gewalt, noch bevor sie ĂŒberhaupt mit der Grundausbildung anfingen.[51]
Folgendes sind Beispiele fĂŒr von chinesischen StreitkrĂ€ften verĂŒbte Kriegsverbrechen:
Laut Mark Johnston war âdas Töten von unbewaffneten Japanern normalâ. Die australischen Befehlshaber versuchten Druck auf die Truppen auszĂŒben, damit diese Gefangene nehmen wĂŒrden, die Soldaten zeigten sich jedoch Ă€uĂert unwillig, diesen Befehl auszufĂŒhren.[53] Laut Charles Lindbergh wurden Gefangene oft aus Flugzeugen geworfen und dann gesagt, sie hĂ€tten Selbstmord begangen.[54] Johnston zufolge war die Konsequenz aus diesem Verhalten, dass âeinige japanische Soldaten zweifellos abgeschreckt waren, sich den Australiern zu ergebenâ.[54]
Im Pazifik wurden sich ergebende japanische Soldaten oft absichtlich von den Amerikanern getötet. Richard Aldrich zufolge, welcher eine Studie ĂŒber die von US und australischen Soldaten gefĂŒhrten TagebĂŒcher veröffentlichte, gab es manchmal sogar Massaker an Kriegsgefangenen.[55] Dower erklĂ€rt, dass in âvielen FĂ€llen [âŠ] Japaner, welche gefangennommen wurden, gleich auf der Stelle, oder auf dem Weg in den GefĂ€ngnishof, erschossen wurden.â[47] Laut Aldrich war es eine ĂŒbliche Praxis unter US-Truppen, keine Gefangenen zu nehmen.[55]
Diese Analyse wird vom britischen Historiker Niall Ferguson unterstĂŒtzt,[56] der ebenfalls sagt, dass im Jahr 1943 âein vertraulicher [US] Geheimdienstreport bemerkt, dass nur das Versprechen von Eiscreme und drei freien Tagen [âŠ] amerikanische Soldaten davon ĂŒberzeugen wĂŒrde, sich ergebende Japaner nicht umzubringenâ.[57]
Laut Ferguson waren solche Praktiken unter anderem der Grund fĂŒr die geringe Quote von gefangengenommenen zu getöteten Soldaten (etwa 1:100) im spĂ€ten 1944. Im gleichen Jahr bemĂŒhten sich hochrangige alliierte Kommandeure, die âkeine Gefangenen nehmenâ-Einstellungen unter ihren Soldaten zu unterbinden,[57] um japanische Soldaten zur Kapitulation zu animieren. Der Hauptgrund hierfĂŒr waren die Geheimdienstinformationen, deren Gewinnung durch die gĂ€ngigen Praktiken eingeschrĂ€nkt war. Laut Ferguson wurde durch die ergriffenen MaĂnahmen der Kommandeure die Rate von gefangenen zu getöteten japanischen Soldaten bis Mitte 1945 auf 1:7 verbessert. Jedoch war es bei der Schlacht um Okinawa von April bis Juni 1945 immer noch ĂŒbliche Praxis unter US-Truppen, keine Gefangenen zu nehmen.[58]
Ulrich Straus, ein US-amerikanischer Japanologe, deutet an, dass die US-Truppen an der Front einen intensiven Hass auf das japanische MilitĂ€rpersonal entwickelten, weshalb sie ânicht einfach zu ĂŒberzeugenâ gewesen waren, Gefangene zu nehmen oder diese zu beschĂŒtzen. Dies ist vor allem auf die damals gĂ€ngige Auffassung zurĂŒckzufĂŒhren, dass sich ergebendes, alliiertes MilitĂ€rpersonal âkeine Gnadeâ von den Japaner erfahren wĂŒrde.[59] Alliierte Soldaten glaubten, dass die japanischen Soldaten dazu neigen wĂŒrden, das Sich-ergeben vorzutĂ€uschen, um dann Ăberraschungsangriffe durchzufĂŒhren.[59] Deswegen, nach Straus, âwidersetzten sich leitende Offiziere der Anordnung, Gefangene zu nehmen, ausgehend davon, dass die amerikanischen Truppen einer unnötigen Gefahr ausgesetzt werden wĂŒrden[âŠ].â[59] Als in der Schlacht um Guadalcanal trotzdem Gefangene genommen wurden, merkte der Army-Verhörer Captain Burden an, dass viele Gefangene wĂ€hrend des Transportes erschossen wurden, weil âes zu viel Ărger war, sie wegzubringen.â[60]
Ferguson deutet an, dass âes nicht nur die Angst vor DisziplinarmaĂnahmen oder eine Frage der Ehre war was die deutschen oder japanischen Soldaten vor dem Sich-ergeben aufhielt. Viel Wichtiger war die Ansicht der meisten Soldaten, dass die Gefangenen eh von dem Gegner getötet werden wĂŒrden, so könne man auch einfach weiter kĂ€mpfen.â[61]
Der amerikanische Historiker James J. Weingartner fĂŒhrt die Ă€uĂerst geringe Anzahl von Japanern in US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft auf zwei wichtige Faktoren zurĂŒck. Diese waren zum einen die Abneigung der Japaner sich zu ergeben und zum anderen eine weit verbreitete amerikanische âAnsicht, dass die Japaner âTiereâ oder âUntermenschenâ wĂ€ren und somit eine den Kriegsgefangenen angemessene Behandlung nicht verdienten.[62] Ein letzter Grund wird von Ferguson unterstĂŒtzt, der sagt, dass âAlliierte Truppen die Japaner so sahen, wie die Deutschen die Russen sahen â als Untermenschen.â[63]
Die alliierte Praxis japanische Körperteile zu sammeln, geschah in solch âeiner GröĂenordnung, die selbst die alliierten MilitĂ€rbehörden wĂ€hrend des Konflikts besorgte und ĂŒber die ausgiebig von der amerikanischen und japanischen Kriegspresse berichtet und kommentiert wurde.â[64]
Das Sammeln von japanischen Körperteilen begann relativ frĂŒh im Krieg, woraufhin im September 1942 ein Befehl fĂŒr DisziplinarmaĂnahmen gegen das Sammeln solcher âSouvenirsâ gegeben wurde.[65] Harrison folgert, dass, seit der ersten richtigen Gelegenheit zum Sammeln solcher GegenstĂ€nde (bei der Schlacht um Guadalcanal), âdas Sammeln von Körperteile, in einer GröĂenordnung ,die selbst die MilitĂ€rbehörden besorgte, bei der ersten Begegnung mit lebenden oder toten japanischen Körpern begann.â[65]
Als japanische Ăberreste von den Marianen zurĂŒckgesandt wurden, fehlte bei rund 60 % der Leichen der Kopf.[66]
Der Judge Advocate General (JAG) der US-Armee erklĂ€rte in einem Memorandum vom 13. Juni 1944, dass âsolche grausamen und brutalen Methodenâ, zusĂ€tzlich zu ihrer WiderwĂ€rtigkeit, Verletzungen des Kriegsrechtes darstellten. Er empfahl die Verbreitung einer Direktive an alle Kommandanten, welche betonen sollte, dass âdie Misshandlung von gegnerischen Kriegstoten eine eklatante Verletzung der Genfer Konventionen von 1929 seien, welche besagte: Nach jedem Engagement soll der Kriegsteilnehmer, welcher in Besitz des Feldes bleibt, MaĂnahmen unternehmen solle, um Verwundete und Tote zu suchen und sie vor Raub und Misshandlung zu schĂŒtzen.â
Diese Praktiken waren auĂerdem eine Verletzung der ungeschriebenen, ĂŒblichen Regeln der LandkriegsfĂŒhrung und konnten zur Todesstrafe fĂŒhren.[67] Eine Woche spĂ€ter wurde dieser Punkt vom U.S. Navy JAG bestĂ€tigt, welcher auĂerdem hinzufĂŒgte, dass âdas grausame Verhalten von einigem US-Personal zu einer Vergeltung der Japaner fĂŒhren könnte, welche unter internationalem Recht verurteilt werden wĂŒrde.â[67]
1963 wurden die AtombombenabwĂŒrfe auf Hiroshima und Nagasaki im Prozess Ryuichi Shimoda et al. gegen den Staat auf ihre Verfassungsrechtlichen Vereinbarkeit geprĂŒft.[68] Das Gericht in Tokio weigerte sich, ĂŒber die LegalitĂ€t von Atomwaffen im Allgemeinen zu entscheiden, aber befand, dass âdie Attacken auf Hiroshima und Nagasaki solch schweres und wahlloses Leiden verursachten, dass sie die meisten legalen Grundprinzipien der KriegsfĂŒhrung verletzten.â[69]
In Bezug auf die âAnti-Cityâ- oder âBlitzâ-Strategie weist Francisco GĂłmez, in einem Artikel im International Review of the Red Cross, darauf hin, dass es wĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges keinerlei Vereinbarungen, VertrĂ€ge, Konventionen oder Ă€hnliche Instrumente zum Schutz der Zivilbevölkerung oder des zivilen Eigentums gab.[70]
Die Möglichkeit, dass Angriffe, wie die auf Hiroshima und Nagasaki, als Kriegsverbrechen angesehen werden könnten, ist einer der GrĂŒnde warum John R. Bolton (UntersekretĂ€r des Staates fĂŒr Waffenkontrolle und internationale Sicherheit (2001â2005) und U.S. Permanent Representative to the United Nations (2005)) die Zustimmung der USA zum Römischen Statut des Internationalen Strafgerichtshofs verweigerte.[71]
Es gab Anschuldigungen, dass einige US-Soldaten okinawanische Frauen wÀhrend der Schlacht um Okinawa (1945) vergewaltigt hÀtten.[72]
Der okinawanische Historiker (und ehemaliger Direktor der Okinawa Prefectural Historical Archives) Oshiro Masayasu schreibt, auf Basis jahrelanger Forschung:
Kurz nachdem die US-Marines landeten, fielen alle Frauen eines Dorfes auf der Motobu-Halbinsel in die HĂ€nde der amerikanischen Soldaten. Zum damaligen Zeitpunkt waren nur Frauen, Kinder und alte Menschen im Dorf, da alle jungen MĂ€nner fĂŒr den Krieg mobilisiert worden waren. Kurz nach der Landung âmischtenâ die Marines das gesamte Dorf âaufâ, fanden aber keine Anzeichen von japanischen StreitkrĂ€ften. Die Situation ausnutztend, begannen sie eine âJagd auf Frauenâ, mitten am Tag, und wer sich im Dorf, oder in benachbarten Luftschutzbunkern, versteckte, wurde eine nach der anderen herausgezogen.[73]
Trotzdem waren japanische Zivilisten âoft erstaunt ĂŒber die vergleichsweise humane Behandlung die sie vom amerikanischen Feind erhielten.â[74][75] Laut Mark Selden und Laura Hein (in Islands of Discontent: Okinawan Responses to Japanese and American Power) âverfolgten [die Amerikaner] keine Methoden wie Folter, Vergewaltigung und Mord an Zivilisten, vor denen die japanischen MilitĂ€rs gewarnt hatten.â[76]
Nachdem die Japaner die PrÀfektur Kanagawa aufgaben, gab es wÀhrend der ersten zehn Tage der Okkupation 1336 berichtete Vergewaltigungen.[72]
Der Fokus auf tatsĂ€chliche oder vermeintliche von Alliierten verĂŒbte Verbrechen wĂ€hrend des Krieges, ist auch Bestandteil in der Literatur von Holocaustleugnern, insbesondere in LĂ€ndern, in denen das Leugnen des Holocausts verboten ist.[77] Laut der Historikerin Deborah Lipstadt steht das Konzept von âvergleichbaren alliierten Fehlernâ so wie die Vertreibungen und die alliierten Kriegsverbrechen im Mittelpunkt und ist ein sich fortlaufend wiederholendes Thema von kontemporĂ€rer Holocaustleugnung; ein PhĂ€nomen welches sie â[i]mmorale Ăquivalenzâ nennt.[78]
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