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Bei einem Kriegsverbrecherprozess werden die von Angeklagten in einem Krieg begangenen Verbrechen gerichtlich festgestellt und strafrechtlich geahndet.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu mehreren von den Siegermächten angestrengten Prozessen gegen deutsche und japanische Kriegsverbrecher, die zum Teil vor einem Internationalen Militärtribunal (IMT) (Nürnberger Prozesse), vor Militärgerichten der einzelnen Siegermächte, vor Gerichten der von Deutschland besetzt gewesenen Länder und auch vor deutschen Gerichten sowohl in der Bundesrepublik als auch in der DDR stattfanden. Im von den Alliierten besetzten Japan kam es nach 1946 ebenfalls zu mehreren Prozessen gegen Kriegsverbrecher.
Unabhängig davon, dass in diesen Prozessen nur Angehörige der besiegten Nationen zur Rechenschaft gezogen wurden, können deren Urteilsbegründungen als der Beginn eines Völkerstrafrechtes angesehen werden.
Die ersten Kriegsverbrecherprozesse, die nicht mehr Verbrechen während des Zweiten Weltkriegs zum Inhalt hatten, begannen 1993 in Den Haag zur Aufarbeitung der Ereignisse während der Jugoslawienkriege. 1998 wurde auf einer Konferenz in Rom die Gründung des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) beschlossen.
Die Liste enthält eine Auswahl von Kriegsverbrecherprozessen nach dem Ende des Ersten Weltkriegs ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit.
| Jahr(e) | Bezeichnung | Ort der Verhandlungen | Inhalt |
|---|---|---|---|
| 1921–1927 | Leipziger Prozesse | Leipzig | Anklage gegen deutsche Kriegsverbrecher |
| 1945–1949 | Nürnberger Prozesse | Nürnberg | Anklage gegen Verantwortliche des Nationalsozialismus |
| 1945–1946 | Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher | Nürnberg | Anklage der Hauptverantwortlichen der Gräuel des 2. Weltkriegs |
| 1945–1948 | Dachauer Prozesse | Konzentrationslager Dachau | Anklage u. a. gegen Mannschaften verschiedener Konzentrationslager |
| 1945–1947 | Fliegerprozesse | zusammen mit den Dachauer Prozessen in Dachau | Anklagen wegen der Tötung und Misshandlung kampfunfähiger Fliegerbesatzungen. |
| 1945–1949 | Kriegsverbrecherprozesse von Guam | Kwajalein, Chichi-jima, Truk-Inseln, Guam | Anklagen wegen Kriegsverbrechen während des Pazifikkriegs |
| 1946–1949 | Kriegsverbrecherprozesse von Yokohama | Yokohama | Anklagen wegen Kriegsverbrechen während des Pazifikkriegs |
| 1946–1947/1966 | Ravensbrück-Prozesse | Hamburg und Rastatt | Prozesse gegen Verantwortliche des KZ Ravensbrück |
| 1946–1948 | Tokioter Prozesse | Tokio | Prozess gegen hohe Japanische Militärs |
| 1949 | Kriegsverbrecherprozesse von Chabarowsk | Chabarowsk | Verhandlungen gegen Mitglieder der japanischen Guandong-Armee |
| 1950 | Waldheimer Prozesse | Waldheim | Schnellprozesse gegen Kriegsverbrecher des Zweiten Weltkriegs |
| 1963–1968 | Auschwitz-Prozesse | Frankfurt am Main | Anklagen gegen die Verantwortlichen des Konzentrationslagers Auschwitz |
| seit 1993 | Internationaler Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien | Den Haag | Verfolgung schwerer Verbrechen während der Jugoslawienkriege |
| seit 1994 | Internationaler Strafgerichtshof für Ruanda | Arusha (Tansania) | Aufarbeitung der Geschehnisse während des Völkermords in Ruanda |
| seit 2002 | Sondergerichtshof für Sierra Leone | Freetown | Verfolgung der Verbrechen während des Bürgerkriegs in Sierra Leone |
| seit 2004 | Rote-Khmer-Tribunal | Phnom Penh | Verbrechen der Roten Khmer |
| seit 2010 | Internationaler Strafgerichtshof | Den Haag | Jean-Pierre Bemba |
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