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Unter Kriegswirtschaft bzw. Kriegsökonomie wird eine auf die Notwendigkeiten des Krieges ausgerichtete Wirtschaftsordnung einer Konfliktpartei verstanden, mit deren Hilfe diese versucht, die Volkswirtschaft der von ihr beherrschten Gebiete so einzurichten oder umzugestalten, dass sie den Anforderungen der Kriegslage gerecht wird.
Typisch ist entweder ein die Marktwirtschaft regulierender Interventionismus, der jedoch nicht den Markt oder das Privateigentum an Produktionsmitteln oder die Freizügigkeit der Arbeitnehmer vollständig aufhebt, oder eine zentralverwaltungswirtschaftliche Steuerung zu Zwecken des Krieges. Dabei darf indes, was dem Krieg eigentümlich ist, nicht mit der Zentralverwaltungswirtschaft schlechthin verwechselt werden.[1]
Ziel der wirtschaftlichen Mobilmachung ist die Bereitstellung von Gütern wie u. a. Waffen, Munition, Ausrüstung und auch von Lebensmitteln zur Deckung des Armeebedarfs. Die daraus resultierende Rüstungsproduktion wird einerseits durch die Rohstoffbasis, die Verfügbarkeit von Arbeitskräften und die Kriegsfinanzierung begrenzt, und andererseits schränkt sie gleichzeitig die Versorgung der Bevölkerung und der zivilen Wirtschaft ein. Die Kriegswirtschaft bewegt sich daher im Spannungsfeld zwischen dem Verbrauch des zivilen und militärischen Bereichs. Die Regulierung des Verbrauchs obliegt unterdessen einem bürokratischen Verteilungssystem, dessen Effizienz letztlich über die materiellen Rahmenbedingungen der Kriegsführung im industriellen Zeitalter entscheidet.
Besondere Bedeutung erlangte die Kriegswirtschaftspolitik im Zweiten Weltkrieg. Aufgrund der Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg und dem Scheitern einer zu Anfang des Zweiten Weltkriegs in einzelnen Ländern versuchten liberalen Kriegswirtschaft, griffen alle beteiligten Staaten zu dirigistischen Kriegswirtschaftsmaßnahmen.[2]
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In marktwirtschaftlich organisierten Gesellschaften unterstützen die Eigentümer industrieller Produktions- und Forschungskapazitäten die Kriegsanstrengungen ihres Landes normalerweise freiwillig, weil sie im Falle eines verloren Krieges den Verlust ihrer Vermögenswerte fürchten müssen. Deshalb kam es in der Vergangenheit eher selten zu Beschlagnahme von Fabriken oder Produktionsmitteln. Das Vorgehen großer Industriestaaten war daher meist auf eine Zusammenarbeit von Staat und Unternehmern, mit dem Ziel der Umstellung der Industriekapazitäten auf die Produktion kriegswichtiger Güter, gerichtet. Der Aus- oder Aufbau solcher Industrieanlagen wird dabei oft mit zusätzlichen staatlichen Anreizen, wie Preisgarantien, Beteiligung an den Baukosten, Bereitstellung von preiswerten Arbeitskräften (wie z. B. Kriegsgefangenen) und anderen Maßnahmen gefördert. Anders als bei rein staatlich geführten Unternehmen in einer Planwirtschaft werden so die Erfahrungen und die größere Innovationskraft der Privatunternehmer für die Kriegswirtschaft erhalten, was zu einer Effizienzsteigerungen führt. Die von Kriegsministerien oder den Anführern militärischer Organisationen geforderten Produktionsmengen können so in der Regel mit geringerem Rohstoffverbrauch und Personalbedarf erreicht werden.
Enge Zusammenarbeit zwischen produzierender Industrie und Staat führt auch zur weitgehenden Ausschaltung des Zwischenhandels (Stichwort Kriegsgewinnler). Das senkt die Einkaufspreise für den kriegführenden Staat und garantiert eine bessere Qualität der produzierten Güter.
In planwirtschaftlich organisierten Gesellschaften werden dagegen lediglich die Produktionsprioritäten verschoben und ein Teil der bisherigen Produktion für zivile Güter wird auf militärische Güter umgestellt.
Bei kriegerischen Auseinandersetzungen treten durch den gestiegenen Bedarf des eigenen Militärs und durch die teilweise Unterbrechung der Rohstoffzuflüsse von außen in der Regel schnell Verknappungen ein. Besonders betroffen sind dabei Rohstoffe, die der kriegführende Staat nicht selbst fördern oder produzieren kann. Folglich müssen im Rahmen der Kriegswirtschaft schnell Vorkehrungen für eine gesicherte Versorgung des Militärs und der Zivilbevölkerung getroffen werden.
Dazu stehen der Verwaltung eines funktionierenden Staates verschiedene Mittel zur Verfügung:
Die Finanzierung des vergrößerten Militärs und des Ausbaus von Produktions- und Förderanlagen der Industrie erhöht von Kriegsbeginn an die Ausgaben im Staatshaushalt sprunghaft. Zur Deckung dieses Mehrbedarfs an Geld, können Staaten und andere Kriegsteilnehmer wiederum verschiedene Wege gehen. Als Folge der enormen Summen, die insbesondere in den beiden Weltkriegen von den beteiligten Staaten aufzubringen waren, beschränken sich die Möglichkeiten im Wesentlichen auf folgende Maßnahmen:
Neben den beschriebenen klassischen Wegen, einen Krieg zu bezahlen, sind auch andere Finanzierungsmöglichkeiten gang und gäbe, wenn sie auch weit weniger ertragreich sind:
Die Herkunft von Geldern, die, insbesondere von Nichtdemokratischen Staaten oder Gruppen, im Krieg ausgegeben werden, ist jedoch meist nicht transparent.
Die Organisation der Kriegswirtschaft erfolgt in den Industriestaaten heute und in der Vergangenheit zunächst auf Basis der von Verteidigungs- oder Kriegsministerien geschätzten Bedarfsmengen des Militärs. Die Aufgabe der Finanzierung obliegt in der Regel den jeweiligen Notenbanken.
Die Notenbanken sind dabei keine rein weisungsgebundenen Behörden der Kriegsministerien, sondern können auch steuernd eingreifen, Verhandlungen mit der Industrie führen oder sogar Projekte verhindern. Beispielsweise weigerte sich die Deutsche Reichsbank im Ersten Weltkrieg erfolgreich, trotz kaiserlicher Weisung, einen Schlachtschiffneubau als Ersatz für den versenkten Kreuzer Blücher zu finanzieren und das Projekt wurde gestrichen.
Für verschiedene einzelne Problemstellungen (wie z. B. eine Holz- oder Eisen- Knappheit) können kleine Arbeitsgruppen aus Behördenvertretern und kompetenten Industriellen des entsprechenden Bereichs gebildet werden, die dann Vorschläge für Einsparungen, neue Produktions- und Beschaffungsmöglichkeiten erarbeiten. Je nach Versorgungslage können die Auswirkungen dieser Vorschläge bis tief in den privaten Lebensbereich der Zivilbevölkerung reichen.
Insbesondere die Produktion von Lebensmitteln für die Zivilbevölkerung leidet in der Regel bei langen Kriegen unter den Maßnahmen der Kriegswirtschaft. Das liegt zum Einen am Entzug von Arbeitskräften für den Kriegsdienst, als auch an der Verknappung von Rohstoffen, die die Landwirtschaft benötigt. Dazu gehören in erster Linie Stickstoffverbindungen (z. B. Salpeter), die das Militär für Sprengstoff benötigt und die Landwirtschaft für Kunstdünger. Gleichzeitig werden landwirtschaftliche Anbauflächen oft im Zuge von Kriegshandlungen zerstört oder unbrauchbar gemacht (z. B. durch Landminen) und die Zufuhr von Lebensmitteln aus dem Ausland wird unterbrochen. Die Zivilbevölkerung leidet besonders bei ungünstigem Kriegsverlauf deshalb oft unter Hungersnöten.
In der modernen Kriegswirtschaft kann die Nahrungsmittelversorgung zusätzlich durch Maßnahmen, wie die erzwungene Verwendung von Anbauflächen für Pflanzen zur Drogen- oder synthetischen Treibstoff- Gewinnung, verschlechtert werden.
Der umfassende Einsatz der Bevölkerung im Krieg, auch als Kindersoldaten oder Zwangsprostituierte, hat langfristige Auswirkung auf nahezu alle Bereiche des Lebens und kann zu einer erheblichen Schwächung eines Landes oder einer ganzen Region für lange Zeit führen. Die hohe Priorität von Rohstoff- sowie Industrieproduktion geht oft zu Lasten der Umwelt und kann schwerste Umweltzerstörungen mit sich bringen, die sich zum Teil erst lange nach dem Ende des eigentlichen Krieges zeigen. (siehe z. B. TNT-Produktion in Deutschland im Zweiten Weltkrieg)
Auch unbeteiligte Drittländer können den Auswirkungen der Kriegsökonomie unterworfen werden, beispielsweise weil sie von den Konfliktparteien komplett umgeben sind. Als Beispiel ist hier die Schweiz während des Zweiten Weltkriegs zu nennen.