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Kulturhauptstadt Europas

Kulturstadt Berlin,
Briefmarke 1988

Die Kulturhauptstadt Europas (von 1985 bis 1999 Kulturstadt Europas) ist eine Kulturinitiative der EuropĂ€ischen Union. JĂ€hrlich wird der Titel Kulturhauptstadt Europas an mindestens zwei StĂ€dte (seit 2004) der EU vergeben. ZusĂ€tzlich können weiterhin Nicht-Mitgliedstaaten KulturhauptstĂ€dte stellen. Die Benennung soll dazu beitragen, den Reichtum, die Vielfalt und die Gemeinsamkeiten des kulturellen Erbes in Europa herauszustellen und ein besseres VerstĂ€ndnis der BĂŒrger Europas fĂŒreinander zu ermöglichen.

Die im Rat der EuropĂ€ischen Gemeinschaft vereinigten fĂŒr Kulturfragen zustĂ€ndigen Minister verabschiedeten auf Vorschlag der damaligen griechischen Kulturministerin Melina Mercouri am 13. Juni 1985 eine Entschließung fĂŒr die alljĂ€hrliche Benennung einer „Kulturstadt Europas“.[1] Durch diese Veranstaltung, fĂŒr die von der Gemeinschaft Fördermittel zur VerfĂŒgung gestellt wurden, sollten der europĂ€ischen Öffentlichkeit besondere kulturelle Aspekte der Stadt, der Region oder des betreffenden Landes zugĂ€nglich gemacht werden.

Durch den Beschluss 1419/1999/EG des EuropĂ€ischen Parlaments und des Rates vom 25. Mai 1999 wurde eine Gemeinschaftsaktion "Kulturhauptstadt Europas" eingerichtet und ein Rotationsprinzip festgelegt. Seit 1985 wird der Titel kontinuierlich jeweils fĂŒr ein Jahr verliehen.

In dem entsprechenden Jahr finden in den „KulturhauptstĂ€dten“ zahlreiche kulturelle Veranstaltungen statt. Die StĂ€dte erhoffen sich vom Tragen dieses Titels fĂŒr ein Jahr eine erhöhte Aufmerksamkeit und zahlreiche Besucher.

Inhaltsverzeichnis

Vergabeverfahren

Durch den Rechtsakt 649/2005/EG hat das EuropĂ€ische Parlament und der Rat eine Liste mit der Reihenfolge der Mitgliedstaaten festgelegt. Ab 2009 wird eine Stadt aus jedem der jeweils in der Liste aufgefĂŒhrten Mitgliedstaaten ausgewĂ€hlt. Jeder Mitgliedstaat teilt dem EuropĂ€ischen Parlament, dem Rat, der EuropĂ€ische Kommission und dem Ausschuss der Regionen die Benennung einer oder mehrerer StĂ€dte mit. Diese Mitteilung erfolgt spĂ€testens vier Jahre vor Beginn der Veranstaltung, gegebenenfalls mit einer Empfehlung des betreffenden Mitgliedstaats.

Die Kommission setzt jedes Jahr eine Jury ein, die ĂŒber die vorgelegte Benennung einen Bericht ausarbeitet. Diese Jury setzt sich aus sieben hochrangigen, unabhĂ€ngigen Persönlichkeiten zusammen, die Experten im Kulturbereich sind. Zwei Jurymitglieder werden vom EuropĂ€ischen Parlament, zwei vom Rat, zwei von der Kommission und eins vom Ausschuss der Regionen ernannt.

Der Rat erklĂ€rt auf Empfehlung der Kommission, die unter BerĂŒcksichtigung der Stellungnahme des EuropĂ€ischen Parlaments und des Berichts der Jury erstellt wird, offiziell die betreffende Stadt fĂŒr das Jahr, fĂŒr das sie benannt wurde, zur Kulturhauptstadt Europas.

Um die bei der EU-Erweiterung 2004 und 2007 hinzugekommenen neuen EU-Mitglieder möglichst schnell in die Aktion mit einzubinden, werden ab 2009 zwei KulturhauptstĂ€dte ernannt, davon eine aus den alten Mitgliedstaaten und eine aus den neuen. Ab 2019 soll es jĂ€hrlich wieder nur eine EuropĂ€ische Kulturhauptstadt geben. Die Regelung ist noch nicht abschließend, weil das EuropĂ€ische Parlament darauf dringt, das Vergabeverfahren zu modifizieren. Insbesondere soll es kĂŒnftig nicht mehr möglich sein, statt mehrerer nur eine Stadt zu nominieren (so Griechenland im Falle von Patras fĂŒr das Jahr 2006). Nach dem Votum des Parlaments sollen von 2009 an jeweils mindestens zwei StĂ€dte vom Staat benannt werden, um der europĂ€ischen Jury Wahlmöglichkeiten zu eröffnen.

Evaluierungskriterien der EuropÀischen Kommission

Die EU hat elf Evaluierungskriterien zur Beurteilung der Bewerbungen fĂŒr kĂŒnftige KulturhauptstĂ€dte Europas festgelegt. Alle BewerberstĂ€dte zu einer Kulturhauptstadt Europas mĂŒssen ihre Bewerbungen an diesen Kriterien ausrichten. Eine vollstĂ€ndige Auflistung aller EU-Evaluierungskriterien ist im Informationsportal Kultur 2010 veröffentlicht.[2]

Liste der EuropÀischen KulturhauptstÀdte

Jahr Stadt Land Website
Kulturstadt Europas
1985 Athen GriechenlandGriechenland Griechenland
1986 Florenz ItalienItalien Italien
1987 Amsterdam NiederlandeNiederlande Niederlande
1988 West-Berlin DeutschlandDeutschland Deutschland
1989 Paris FrankreichFrankreich Frankreich
1990 Glasgow Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich
1991 Dublin IrlandIrland Irland
1992 Madrid SpanienSpanien Spanien
1993 Antwerpen BelgienBelgien Belgien
1994 Lissabon PortugalPortugal Portugal
1995 Luxemburg LuxemburgLuxemburg Luxemburg
1996 Kopenhagen DanemarkDĂ€nemark DĂ€nemark
1997 Thessaloniki GriechenlandGriechenland Griechenland
1998 Stockholm SchwedenSchweden Schweden
Kulturhauptstadt Europas
1999 Weimar DeutschlandDeutschland Deutschland
2000 Avignon FrankreichFrankreich Frankreich
Bergen2 NorwegenNorwegen Norwegen
Bologna ItalienItalien Italien
BrĂŒssel BelgienBelgien Belgien
Helsinki („Wissen, Technik und Zukunft“) FinnlandFinnland Finnland
Krakau PolenPolen Polen
Prag („Kulturelles Erbe“) TschechienTschechien Tschechien
ReykjavĂ­k2 („Kultur und Natur“) IslandIsland Island
Santiago de Compostela („Europa und die Welt“) SpanienSpanien Spanien
2001 Porto PortugalPortugal Portugal
Rotterdam NiederlandeNiederlande Niederlande
2002 Salamanca SpanienSpanien Spanien
BrĂŒgge („BrĂŒgge Plus“) BelgienBelgien Belgien
2003 Graz („Graz 2003“) OsterreichÖsterreich Ă–sterreich graz03.at
2004 Lille FrankreichFrankreich Frankreich
Genua ItalienItalien Italien
2005 Cork IrlandIrland Irland cork2005.ie
2006 Patras GriechenlandGriechenland Griechenland
2007 Luxemburg1 LuxemburgLuxemburg Luxemburg
Sibiu RumĂ€nienRumĂ€nien RumĂ€nien sibiu2007.ro
2008 Liverpool Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich liverpool08.com
Stavanger2 NorwegenNorwegen Norwegen stavanger2008.no
2009 Linz („Linz09“) OsterreichÖsterreich Ă–sterreich linz09.at
Vilnius LitauenLitauen Litauen culturelive.vilnius.lt
2010 Essen3 („RUHR.2010“) DeutschlandDeutschland Deutschland essen-fuer-das-ruhrgebiet.ruhr2010.de
PĂ©cs („PĂ©cs2010“) UngarnUngarn Ungarn en.pecs2010.hu
Istanbul2 TurkeiTĂŒrkei TĂŒrkei en.istanbul2010.org
2011 Turku FinnlandFinnland Finnland turku2011.fi
Tallinn EstlandEstland Estland tallinn2011.ee
2012 GuimarĂŁes PortugalPortugal Portugal guimaraes2012.pt
Maribor SlowenienSlowenien Slowenien maribor2012.info
2013 Marseille FrankreichFrankreich Frankreich marseille-provence2013.fr
KoĆĄice SlowakeiSlowakei Slowakei kosice2013.sk
2014 UmeĂ„ SchwedenSchweden Schweden umea2014.se
Riga LettlandLettland Lettland kultrix.lv/
2015 Mons (Bergen) BelgienBelgien Belgien mons2015.eu
Plzeƈ TschechienTschechien Tschechien plzen2015.net
2016 Donostia-San SebastiĂĄn SpanienSpanien Spanien sansebastian2016.eu
Breslau PolenPolen Polen wro2016.pl
2017 4 DanemarkDĂ€nemark DĂ€nemark
4 Zypern RepublikRepublik Zypern Zypern
2018 4 NiederlandeNiederlande Niederlande5
4 MaltaMalta Malta
2019 4 ItalienItalien Italien
4 BulgarienBulgarien Bulgarien
2020 4 SerbienSerbien Serbien
4 RumĂ€nienRumĂ€nien RumĂ€nien
4 DeutschlandDeutschland Deutschland
4 DeutschlandDeutschland Deutschland
1 Zusammen mit der Großregion Saar-Lor-Lux
2 Vertreter eines Nicht-EU-Landes
3 Zusammen mit dem Ruhrgebiet
4 Stadt bisher noch unbekannt
5 Geplante Bewerbung der niederlĂ€ndischen Stadt Maastricht mit der deutschen Stadt Aachen unter Beteiligung der belgischen Stadt LĂŒttich

Literatur

  • Zur Idee der Kulturhauptstadt
    • Mittag, JĂŒrgen (Hrsg.): Die Idee der Kulturhauptstadt Europas. AnfĂ€nge, Ausgestaltung und Auswirkungen EuropĂ€ischer Kulturpolitik. Essen 2008.
    • Habit, Daniel: Die Inszenierung Europas? KulturhauptstĂ€dte zwischen EU-EuropĂ€isierung, Cultural Governance und lokalen Eigenlogiken. MĂŒnster 2011.
  • Zur Kulturhauptstadt Berlin 1988
    • Drucksache des Abgeordnetenhauses von Berlin Nr. 10/1473 vom 2. April 1987 ĂŒber: Konzeptionelle Leitlinien und Programmplanung fĂŒr Berlin als Kulturstadt Europas 1988.
    • Drucksache des Abgeordnetenhauses von Berlin Nr. 10/1670 vom 29. August 1987 ĂŒber: Programm fĂŒr Berlin als Kulturstadt Europas 1988.
    • Berlin – Kulturstadt Europas 1988. Herausgegeben im Auftrag des Senators fĂŒr Kulturelle Angelegenheiten von Lorenz Tomerius, Berlin 1988 (ISBN 3-548-34483-6).
    • Berlin – Kulturstadt Europas 1988. Dokumentation. Herausgegeben im Auftrag des Senators fĂŒr Kulturelle Angelegenheiten von Lorenz Tomerius, Berlin 1989 (ISBN 3-548-34635-9).
  • Zur Kulturhauptstadt des Ruhrgebiets 2010
    • Betz, Gregor: Von der Idee zum TiteltrĂ€ger. Regionale Kooperationsprozesse des Ruhrgebiets bei der Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas 2010. In: Mittag, JĂŒrgen (Hrsg.): Die Idee der Kulturhauptstadt Europas. AnfĂ€nge, Ausgestaltung und Auswirkungen EuropĂ€ischer Kulturpolitik. Essen 2008. S. 191–213.
    • Christina Pachaly: Kulturhauptstadt Europas Ruhr 2010 – Ein Festival als Instrument der Stadtentwicklung. ISR Graue Reihe 12, Institut fĂŒr Stadt- und Regionalplanung, TU Berlin 2008 (ISBN 978-3-7983-2088-8) (Volltext als pdf).

Einzelnachweise

  1. ↑ Entschließung der im Rat vereinigten fĂŒr Kulturfragen zustĂ€ndigen Minister vom 13. Juni 1985 im Wortlaut
  2. ↑ Informationsportal zur Kulturhauptstadt Europas 2010

Weblinks

 Commons: Kulturhauptstadt Europas â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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