|
|
Lexikon auf Ihrer Homepage |
|
Lexikon als Lesezeichen hinzufügen |
| |||
|---|---|---|---|
| | |||
| Staatliche Ebene | Bundesebene | ||
| Aufsichtsbehörde(n) / -organe | Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur | ||
| GrĂĽndung | 17. Oktober 1891 | ||
| Hauptsitz | Burgring, Wien 1, Ă–sterreich | ||
| Leitung | Sabine Haag | ||
| Website | www.khm.at | ||
Das Kunsthistorische Museum (abgekürzt KHM) ist ein Kunstmuseum in Wien. Es zählt zu den größten und bedeutendsten Museen der Welt. Es wurde 1891 eröffnet und 2010 von 1.194.101 Menschen besucht.[1]
Inhaltsverzeichnis |
Entstanden ist das Museum aus den Sammlungen der Habsburger, vor allem aus der Porträt- und Harnischsammlung Ferdinands von Tirol, der Sammlung Kaiser Rudolfs II. (deren größter Teil jedoch verstreut ist) und der Gemäldesammlung von Erzherzog Leopold Wilhelm.
Das Kunsthistorische Museum wurde am 17. Oktober 1891 durch Kaiser Franz Joseph I. offiziell eröffnet. Seit 22. Oktober 1891 ist das Museum der Öffentlichkeit zugänglich. Bereits zwei Jahre zuvor, am 3. November 1889, hatte die Waffensammlung, heute Hofjagd- und Rüstkammer, ihre Türen geöffnet. Am 1. Jänner 1890 nahm die Bibliothek ihren Dienstbetrieb auf. Die Zusammenführung und Aufstellung der anderen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses aus dem Unteren und Oberen Belvedere, der Hofburg und Schloss Ambras in Tirol dauert noch weitere zwei Jahre.
1891 war das Hofmuseum in sieben Sammlungen mit drei Direktionen organisiert:
Sehr bald schon war der Raum, den das Hofmuseum für die kaiserlichen Sammlungen bot, zu eng geworden. Um Aushilfe zu schaffen, wurde eine Ausstellung der antiken Fundstücke aus Ephesos im Theseus-Tempel konzipiert. Zusätzlich jedoch mussten Räume im Unteren Belvedere angemietet werden.
1914, nach der Ermordung des Thronfolgers Franz Ferdinand, ging dessen „Estensische Sammlung“ in die Verwaltung des Hofmuseums über. Diese Sammlung, hervorgegangen aus der Kunstsammlung des Hauses d´Este und der Weltreisesammlung Franz Ferdinands, war seit 1908 in der Neuen Hofburg aufgestellt. Aus diesen Beständen ging die heutige Sammlung alter Musikinstrumente sowie das Völkerkundemuseum hervor.
Der Erste Weltkrieg ging, abgesehen von der drückenden wirtschaftlichen Lage, ohne Verlust vorüber. Das Hofmuseum blieb während der fünf Kriegsjahre dem Publikum regelmäßig zugänglich.
Bis 1919 unterstand das k.k. kunsthistorische Hofmuseum dem Oberstkämmereramt und gehörte zum Familien-Fideikommiss des Hauses Habsburg-Lothringen. Die Beamten und Angestellten waren Teil des kaiserlichen Hofstaates.
Der Übergang von der Monarchie zur Republik vollzog sich im Museum in völliger Ruhe. Am 19. November 1918 wurden die beiden Hofmuseen am Maria-Theresien Platz unter den staatlichen Schutz der jungen Republik Deutschösterreich gestellt. Für die Bestände des Museum bedrohlich wurden die in den folgenden Wochen und Monaten von den „Nachfolgestaaten“ der Monarchie sowie Italien und Belgien erhobenen Ansprüche auf österreichischen Kunstbesitz. Tatsächlich kam es am 12. Februar 1919 zur gewaltsamen Entnahme von 62 Gemälden durch bewaffnete, italienische Einheiten. Dieser „Kunstraub“ hinterließ lange Zeit ein Trauma unter den Kuratoren und Kunsthistorikern. Erst der Friedensvertrag von St. Germain vom 10. September 1919 sah unter Artikel 195 und 196 eine Regelung der Ansprüche auf kulturellem Gebiet im Verhandlungswege vor. Die Ansprüche Belgiens, der Tschechoslowakei sowie neuerlich Italiens konnten auf diese Weise großteils abgewendet werden. Einzig Ungarn, das mit Abstand die größten Forderungen stellte, wurde nach mehr als zehn Jahren der Verhandlung in 147 Fällen entsprochen.
Am 3. April 1919 erfolgte die Enteignung des Hauses Habsburg-Lothringen per Gesetz und die Übernahme seines Eigentums, so auch der „Sammlungen des Erzhauses“ durch die Republik. Mit 18. Juni 1920 ging die bisher provisorische Verwaltung der ehemaligen Hofmuseen sowie der Estensischen Sammlungen und der Weltlichen und Geistlichen Schatzkammer an das Unterrichtsamt über. Wenige Tage später erfolgte die Umbenennung des Kunsthistorischen Hofmuseums in „Kunsthistorisches Staatsmuseum Wien“, 1921 in „Kunsthistorisches Museum“. Erst mit 1. Jänner 1921 gingen die Angestellten des Museums in den Personalstand der Republik über.
Durch die Übernahme der ehemals kaiserlichen Sammlungen in Staatsbesitz sah sich das Museum in einer völlig neuen Situation. Um den veränderten Gegebenheiten im Musealbereich gerecht zu werden, entwarf Hans Tietze bereits 1919 das "Wiener Museumsprogramm". Es sah eine enge Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Museen vor, um an den verschiedenen Häusern Sammlungsschwerpunkte zu setzen. So beherrschten Tausch, Verkauf und Ausgleich die Erwerbungspolitik in der Zwischenkriegszeit. Daraus ergaben sich bis heute gültige Sammlungstendenzen. Ebenfalls richtungsweisend war die Übersiedlung der Waffensammlung ab 1934 in ihre heutigen Räumlichkeiten in der Neuen Burg, wo bereits seit 1916 die Sammlung alter Musikinstrumente aufgestellt war.
Mit dem Wechsel der kaiserlichen Sammlungen in das Eigentum der Republik ging auch die Neuordnung der inneren Organisation einher. So gliederte sich das Museum ab 1919 in die
Heute ist das Museum als Bundesmuseum mit 1. Januar 1999 in die Vollrechtsfähigkeit entlassen – es war damit das erste der staatlichen Museen Österreichs, das die weitgehende Eigenfinanzierung umsetzte. Mit 1,3 Millionen Besuchern (2007) ist es das weitaus meistbesuchte Museum Österreichs.
Das Kunsthistorische Museum ist unter dem Namen Kunsthistorisches Museum mit Museum für Völkerkunde und österreichischem Theatermuseum mit der Firmenbuchnummer 182081t seit 11. Juni 1999 als Wissenschaftliche Anstalt öffentlichen Rechts des Bundes aufgrund des Bundesmuseen-Gesetz, BGBl. I/115/1998 und der Museumsordnung des Kunsthistorischen Museums mit Museum für Völkerkunde und Österreichischem Theatermuseum vom 3. Jänner 2001, BGBl II 2/2001, in Kraft seit 1. Jänner 2001, eingetragen.
Geschäftsführer mit kollektiver Zeichnungsberechtigung sind der kaufmännische Geschäftsführer Paul Frey und die wissenschaftliche Geschäftsführerin und Generaldirektorin Sabine Haag.
Prokuristen mit kollektiver Zeichnungsberechtigung sind Franz Pichorner, Christian Hölzl, André Alvarado-Dupuy und Verena Maria Hofer.
Im Aufsichtsrat sind Peter Püspök (Vorsitzender), Theodor Öhlinger (stellv. Vorsitzender), Brigitte Borchhardt-Birbaumer, Roswitha Denk, Rudolf Ertl, Josef Kirchberger, Bernhard Mazegger, Johann Pauxberger und Wolfgang Polzhuber.
Im Geschäftsjahr 2008 betrug der Umsatz 37,185 Mio. EUR und die Bilanzsumme 22,204 Mio. EUR. Durchschnittlich wurden 2008 410 Arbeitnehmer beschäftigt.
Mit dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich wurden sämtliche jüdische Kunstsammlungen wie die der Rothschilds zwangsweise „arisiert“. Sammlungen wurden entweder „geschenkt“ oder einfach von der Gestapo an die Museen verteilt. Dadurch ergab sich ein beträchtlicher Zuwachs an Beständen. Das KHM war aber nicht das einzige Museum, das von der Arisierung profitierte. Geraubter jüdischer Besitz wurde systematisch an Museen, Sammlungen oder in Pfandhäusern im gesamten Reich verkauft.[2]
Nach Ende des Krieges tat sich das Museum schwer, die „arisierten“ Kunstwerke den Besitzern beziehungsweise deren Erben rückzuerstatten. Die Rothschild-Familie zwangen sie, den wichtigsten Teil ihrer eigenen Sammlung dem Museum zu überlassen und nannten diese „Widmungen“ oder „Schenkungen“. Als Grund wurde das Ausfuhrgesetz genannt, das Besitzern nicht erlaubt, gewisse Kunstgegenstände außer Landes zu führen. Ähnliche Methoden wurden bei anderen ehemaligen Besitzern verwendet. Erst auf Grund von internationalem diplomatischen und medialen Druck, zu einem großen Teil aus den Vereinigten Staaten, entschloss sich die österreichische Bundesregierung, eine Gesetzesänderung vorzunehmen (Kunstrestitutionsgesetz von 1998, die so genannte Lex Rothschild). Die Kunstgegenstände wurden der Familie Rothschild erst in den 1990er Jahren rückerstattet.[3]
Das Kunsthistorische Museum betreibt auf Grundlage des Bundesgesetzes über die Rückgabe von Kunstgegenständen vom 4. Dezember 1998 (BGBl. I, 181/1998) umfangreich Provenienzforschung. Bereits vor diesem Erlass wurde auf Initiative des damaligen Archivdirektors Herbert Haupt hausintern Provenienzforschung durchgeführt. Dazu wurde 1998 von ihm unter Mitarbeit von Lydia Gröbl eine umfassende Sachverhaltsdarstellung über Die Veränderungen im Inventarbestand des Kunsthistorischen Museums während der Nazizeit und in den Jahren bis zum Staatsvertrag 1955 vorgelegt, eine wichtige Grundlage für die weitere Provenienzforschung.
Die beiden Historikerinnen Susanne Hehenberger und Monika Löscher sind seit dem 1. April 2009 als Provenienzforscherinnen im Kunsthistorischen Museum im Auftrag der Kommission für Provenienzforschung tätig und bearbeiten den Untersuchungszeitraum von 1933 bis in die jüngere Vergangenheit.
Das Kunsthistorische Museum gehört mit seinem Schwestergebäude, dem Naturhistorischen Museum gegenüber, zu den bedeutendsten historistischen Großgebäuden der Ringstraßenzeit. Zusammen umstehen sie den Maria-Theresien-Platz, auf dem auch das Maria-Theresien-Denkmal steht. Dieser Platz überspannt die ehemalige Glacis zwischen heutiger Ringstraße und 2er-Linie, und bildet ein Ensembledenkmal, das auch zum Weltkulturerbe Historisches Zentrum von Wien gehört.
Den Auftrag zum Bau des Museums hatte Kaiser Franz Joseph I. im Zuge der Stadterweiterung im Jahr 1858 gegeben.
Die beiden am Burgring gelegenen Museumsbauten im Stilempfinden der italienischen Renaissance wurden nach Entwürfen Gottfried Sempers und Karl Freiherr von Hasenauers in den Jahren 1872 bis 1891 erbaut. Das Beleuchtungs- und Klimatisierungskonzept mit einer doppelten Verglasung der Decken machte den Verzicht auf Kunstlicht (damals vor allem auf Gasbasis) möglich, führte aber aufgrund dieser Tageslichtabhängigkeit zu saisonal unterschiedlichen Öffnungszeiten.
Zum Kunsthistorischen Museum gehören auch die in der Neuen Burg befindlichen Sammlungen, das österreichische Theatermuseum im Palais Lobkowitz, das Museum für Völkerkunde und die Wagenburg in einem Nebengebäude von Schloss Schönbrunn. Eine Außenstelle ist auch Schloss Ambras in Innsbruck.
Zu den bedeutendsten Exponaten der Gemäldegalerie zählen unter anderem folgende:
Kunstkammer:
Ägyptisch-orientalische Sammlung:
Antikensammlung:
48.203661111116.3613777778Koordinaten: 48° 12′ 13″ N, 16° 21′ 41″ O