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Kunststoff

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen Kulturmagazin des Leipziger Plöttner Verlags siehe Kunststoff (Kulturmagazin).
StĂ€bchenmodell des Polypropylens, Kohlenstoff blau – Wasserstoff grau

Als Kunststoff (organisches Polymer) (umgangssprachlich Plastik, Plast oder Plaste) bezeichnet man einen Festkörper, dessen Grundbestandteil synthetisch oder halbsynthetisch aus monomeren organischen MolekĂŒlen hergestellt wird.

Kunststoffe können sowohl aus linearen Ketten wie aus verzweigten und vernetzten Ketten bestehen. Die KettenlĂ€nge der einzelnen polymeren MolekĂŒle variiert zwischen einigen tausend MolekĂŒleinheiten bis ĂŒber eine Million monomeren organischen MolekĂŒleinheiten. Chemiefasern, Kunstharze in Lack- und Klebstoffen sind auch synthetische Polymere aus monomeren organischen MolekĂŒlen. In der Wirtschaftsstatistik sind diese Produktgruppen jedoch getrennt ausgewiesen. Ein WerkstĂŒck aus Kunststoff besteht aus Millionen sehr langer, ineinander verschlungener MolekĂŒlketten (Polymeren), die aus sich stets wiederholenden Grundeinheiten (Monomeren) zusammengesetzt sind. Beispielsweise besteht der Kunststoff Polypropylen aus sich vielfach wiederholenden Propyleneinheiten (ErklĂ€rung im Bild rechts).

Ein herausragendes Merkmal von Kunststoffen ist, dass sich ihre technischen Eigenschaften, wie Formbarkeit, HĂ€rte, ElastizitĂ€t, Bruchfestigkeit, Temperatur-, WĂ€rmeformbestĂ€ndigkeit und chemische BestĂ€ndigkeit, durch die Wahl von Ausgangsmaterial, Herstellungsverfahren und Beimischung von Additiven in weiten Grenzen variieren lassen. Kunststoffe werden zu Formteilen, Halbzeugen, Fasern oder Folien weiterverarbeitet. Sie dienen als Verpackungsmaterialien, Textilfasern, WĂ€rmeisolierung, Rohre, BodenbelĂ€ge, Bestandteile von Lacken, Klebstoffen und Kosmetika, in der Elektrotechnik als Material fĂŒr Isolierungen, Leiterplatten, GehĂ€use, im Fahrzeugbau als Material fĂŒr Reifen, Polsterungen, Armaturenbretter, Benzintanks und vieles mehr.

Synthetische Kunststoffe werden durch Polymerisation, Polyaddition oder Polykondensation aus Monomeren oder Prepolymeren erzeugt. Rohstoff ist meist gecracktes Naphtha. Halbsynthetische Kunststoffe entstehen durch die Modifikation natĂŒrlicher Polymere (vorwiegend Zellulose zu Zelluloid) wĂ€hrend andere biobasierte Kunststoffe wie PolymilchsĂ€ure oder PolyhydroxybuttersĂ€ure durch die Fermentation von Zucker oder StĂ€rke hergestellt werden.

Zelluloid – hier ein verwitterter Filmstreifen – gilt als das erste Thermoplast

Inhaltsverzeichnis

Entwicklungsgeschichte der Kunststoffe

NatĂŒrlicher ‚Kunststoff‘ Bernstein

Vorstufe

Biopolymere und natĂŒrlich vorkommende Polymere werden von Menschen schon seit Urzeiten verwendet. Alle Tiere und Pflanzen enthalten in ihren Zellen Polymere. Holz dient dem Menschen zunĂ€chst als Brennholz und Werkzeug, etwa als Wurfholz, Speer und als Baumaterial. Der Zellverband Tierhaut oder Fell wurde durch Gerben stabilisiert, damit vor dem raschen Verwesen geschĂŒtzt und so zu haltbarem Leder. Aus Wolle, abgeschnittenen Tierhaaren, stellte man durch Verspinnen und Weben oder durch Filzen Bekleidung und Decken her.

Birken lieferten den ersten Kunststoff der Menschheitsgeschichte, das aus Birkenrinde durch Trockendestillation gewonnene Birkenpech, das sowohl Neandertalern als auch dem steinzeitlichen Homo sapiens als Klebstoff bei der Herstellung von Werkzeugen diente.

In Arabien wurden Wasserbecken und KanĂ€le mit natĂŒrlichem Asphalt abgedichtet. Ebenso wurden dort bestimmte Baumharze als Gummi Arabicum eingesetzt und nach Europa exportiert. Aus Osteuropa ist Bernstein als fossiles Harz fĂŒr die Verwendung bei Pfeilspitzen und SchmuckgegenstĂ€nden bekannt. Im Mittelalter wurde Tierhorn durch bestimmte Verfahrensschritte in einen plastisch verformbaren Stoff verwandelt. Bereits um 1530 wurde im Hause der Fugger nach einem Rezept des bayerischen Benediktinermönches Wolfgang Seidel[1] durchsichtiges Kunsthorn aus ZiegenkĂ€se gefertigt und vertrieben.

Entwicklung einer Kunststoffindustrie

FrĂŒhe Entdeckungen

Im 17. und 18. Jahrhundert brachten Naturforscher aus Malaysia und Brasilien aus milchigen BaumsĂ€ften gewonnene elastische Massen (Kautschuk) mit. FĂŒr diese wurde in Deutschland der Begriff Gummi eingefĂŒhrt. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich eine rasch wachsende Gummi-Industrie.

Der Erfinder Charles Goodyear stellte 1839 fest, dass sich Kautschuk bei Hitzeeinwirkung durch Zusatz von Schwefel in Gummi umwandelt.[2] Dieser Prozess wird Vulkanisation genannt. Charles Goodyear fertigte aus dem neuen Material zunĂ€chst Gummihandschuhe. Um 1850 entdeckte er außerdem Hartgummi, ein durch Erhitzen in Gegenwart von Schwefel erhĂ€rteter Naturkautschuk, welcher anfangs als Ebonit vermarktet wurde. Daraus wurden zum Beispiel SchmuckstĂŒcke, FĂŒllfederhalter, Klaviertasten, Tabakpfeifen und Teile von Telefonen hergestellt. Dieser erste Duroplast startete die Entwicklung der Kunststoffe als Werkstoff im Umfeld des Menschen.

Die Entwicklung des Zelluloids ist mehreren Chemikern zu verdanken. Christian Friedrich Schönbein entwickelte 1846 die Schießbaumwolle, in dem er Baumwolle mit SalpetersĂ€ure versetzte.[2] Der EnglĂ€nder Maynard löste Schießbaumwolle in einem Ethanol-/Äthergemisch und erhielt nach Verdampfung elastische HĂ€utchen (Kollodium). Der EnglĂ€nder Cuttin verknetete das Kollodium mit alkoholischer Kampferlösung zu Zelluloid. Im Jahre 1869 nutzte John Wesley Hyatt das Zelluloid als Kunststoff und entwickelte drei Jahre spĂ€ter die erste Spritzgussmaschine. SpĂ€ter wurde in England das Zellulosenitrat zur ImprĂ€gnierung von Textilien und in den USA Schellack entwickelt.

Im Jahr 1844 wurde das Linoleum von Frederic Walton erfunden. Es wurde aus Leinöl, Sikkativen und Harzen durch Lufteinblasung gewonnen. Anwendungsbereiche waren FußbodenbelĂ€ge, Wandbekleidungen, TischflĂ€chen.

Max Fremery und Johann Urban lösten mit einer ammoniakalischen Kupferhydroxidlösung Zellulose auf. Mit dieser Lösung (Cupro) konnten leicht Kupfer-Reyon-FÀden als erste Viskosefaser hergestellt werden.

Adolf von Baeyer beschrieb 1872 die Polykondensation von Phenol und Formaldehyd. Der belgische Chemiker Leo Hendrik Baekeland untersuchte die Wirkung von SĂ€ure und Alkali bei dieser Reaktion und entwickelte ein Verfahren (1907; seit 1909 technische Produktion) zur Herstellung und Weiterverarbeitung eines Phenolharzes. Dieser von ihm Bakelit getaufte Kunststoff war der erste in großen Mengen industriell hergestellte, synthetische Duroplast. Dank seiner Eignung als elektrischer Isolator wurde er unter anderem in der aufstrebenden Elektroindustrie eingesetzt.

Krischa und Spittler entwickelten 1885 das Galalith (Kunsthorn). Der Kunststoff Ă€hnelt stark dem tierischen Horn oder Elfenbein. Das Kunsthorn wird aus Kasein und Formaldehydlösung hergestellt. Man fertigte daraus zum Beispiel Knöpfe, Anstecknadeln, GehĂ€use fĂŒr Radios, Zigarettendosen, Spielzeuge, Griffe fĂŒr Regenschirme und vieles mehr in den verschiedensten Farben.

Im Jahr 1909 meldete der deutsche Chemiker Fritz Hofmann ein Patent auf den synthetischen Kautschuk Buna an. Die ersten vollsynthetischen Reifen aus Isoprenkautschuk wurden 1912 hergestellt.[2]

Der Berliner Apotheker E. Simon beschrieb im Jahr 1839[2] das Polystyrol. Das Styrol verwandelte sich zunÀchst in eine gallertartige Masse. Im Jahr 1909 untersuchte H. Stobbe die Polymerisationsreaktion von Styrol detailliert. Erst zwanzig Jahre spÀter wurde diese Entdeckung genutzt.

Im Jahr 1835 entdeckte Victor Regnault das Vinylchlorid, aus dem sich Polyvinylchlorid (PVC) herstellen ließ. Die erste Patentierung von PVC und von Polymeren aus Vinylacetat geht auf Fritz Klatte im Jahr 1912 zurĂŒck.[3] Erst 1950 wurde dieses Verfahren durch Verbesserungen von Dow Chemical abgelöst.

Schon 1901 befasste sich Otto Röhm mit der Herstellung von AcrylsĂ€ure und AcrylsĂ€ureestern. Aber erst im Jahr 1928 fand er die fĂŒr die Polymerisation besser geeigneten MethacrylsĂ€uremethylester. Das Patent fĂŒr Polymethylmethacrylat (PMMA, Handelsname „Plexiglas“) startete eine Ära.

Entwicklung der Polymerchemie

Bis Ende des 19. Jahrhunderts war wenig ĂŒber die genauen Strukturen polymerer Materialien bekannt. Man wusste lediglich aus Dampfdruck- und Osmosemessungen, dass es sich um sehr große MolekĂŒle mit hoher Molmasse handeln mĂŒsste. FĂ€lschlicherweise war man jedoch der Meinung, dass es sich um kolloidale Strukturen handelte.

Als Vater der Polymerchemie gilt der deutsche Chemiker Hermann Staudinger. Bereits 1917 Ă€ußerte er vor der Schweizerischen Chemischen Gesellschaft, dass „hochmolekulare Verbindungen“ aus kovalent gebundenen, langkettigen MolekĂŒlen bestehen. 1920 veröffentlichte er in den Berichten der Deutschen Chemischen Gesellschaft einen Artikel, der als BegrĂŒndung der modernen Polymerwissenschaften gilt.[4] Vor allem in den Jahren von 1924 bis 1928 folgten weitere wichtige Theorien ĂŒber den Aufbau von Kunststoffen, welche die Grundlage fĂŒr das heutige VerstĂ€ndnis dieser Werkstoffklasse bilden.[5][6][7] FĂŒr diese Arbeiten erhielt Staudinger 1953 den Nobelpreis.

VolksempfÀnger mit Bakelit-GehÀuse

Die Arbeiten Staudingers ermöglichten der chemischen Industrie nun, basierend auf gesicherten naturwissenschaftlichen Grundlagen, eine rasante Entwicklung auf dem Gebiet der Polymerchemie.

Der MĂŒnchner Chemiker Ernst Richard Escales gab 1910 der Werkstoffgruppe den Namen „Kunststoffe“. Die von ihm gegrĂŒndete gleichnamige Zeitschrift erschien erstmals 1911.

Bei dem Unternehmen Imperial Chemical Industries (ICI) in Großbritannien wurde unter hohem Druck (200 bar) und bei hohen Temperaturen im Jahre 1933 erstmals Polyethylen hergestellt. Erst 20 Jahre spĂ€ter entwickelte Karl Ziegler ein Verfahren, das mit Katalysatoren aus Aluminiumalkylen und Titantetrachlorid die Polymerisation von Ethen zu Polyethylen schon bei Raumtemperatur erlaubt.[8][9][10] Das Niederdruck-Polyethylen erwies sich als wĂ€rmestabiler und mechanisch belastbarer. Kurz darauf fanden Ziegler und Giulio Natta[11] einen Katalysator zur Polymerisation von Propen zu Polypropylen. 1955–1957 liefen die großtechnischen Synthesen von Polyethylen und Polypropylen an.[2] Heute sind die so hergestellten Polyethylene (PE) und Polypropylen (PP) neben Polystyrol (PS) die am hĂ€ufigsten als Verpackungsmaterialien von Lebensmitteln, Kosmetika etc. verwendeten Kunststoffe. Ziegler und Natta erhielten im Jahre 1963 fĂŒr ihre Arbeiten den Nobelpreis fĂŒr Chemie.

Kunststoffe aus Polyestern wurden schon sehr frĂŒh angedacht (Berzelius, 1847). 1901 gab es Glyptalharze (aus Glycerin und PhthalsĂ€ure). Fritz Hofmann, Wallace Hume Carothers und Paul Schlack suchten erfolglos nach synthetischen Fasern auf Basis von Polyestern. Erst den Briten Whinfield und Dickson gelang bei Calico Printers im Jahre 1941 die Herstellung von brauchbaren Polyesterfasern (Polyethylenterephthalat, PET). Wichtige Polyesterfasern wurden Dacron (Du Pont), Diolen (ENKA-Glanzstoff), Terylen (ICI), Trevira (Hoechst).[2]

In Ludwigshafen begann 1934 die Herstellung von Epoxidharzen nach einem Verfahren von Paul Schlack. 1935 wurde gleichzeitig von Henkel (Mainkur) und Ciba (Schweiz) die Entwicklung von Melamin-Formaldehydharz beschrieben.

Im Jahr 1931 meldete der US-Chemiker Wallace Hume Carothers bei Du Pont ein Patent fĂŒr ein Polyamid aus Hexamethylendiamin und AdipinsĂ€ure an. Erst sieben Jahre spĂ€ter war die neue Kunstfaser Nylon (1938) verkaufsfĂ€hig. Das von Paul Schlack 1937 hergestellte Polyamid 6 auf Basis von Caprolactam wurde Perlon getauft. Die großtechnische Herstellung begann 1939 bei den IG-Farben. Das Herstellungsverfahren von Perlon in Deutschland war preiswerter als die Nylonproduktion in den USA.[2]

Etwa zeitgleich begannen die Buna-Werke der I.G. Farben mit der Fertigung von Buna S und Buna N als synthetischem Gummi-Ersatz. 1939 entwickelte Otto Bayer das Polyurethan (PU) in Leverkusen.

Bei DuPont wurde 1938 der Kunststoff Polytetrafluorethylen (Teflon) von R. J. Plunkett entwickelt. Das Produkt zeigte hohe TemperaturbestĂ€ndigkeit und eine hohe chemische BestĂ€ndigkeit. Die Verarbeitung stieß jedoch auf Probleme. Erst 1946 ging Teflon in die Großproduktion. [2]

Silikon hatte im Jahr 1901 bereits Frederic Stanley Kipping aus Silanonen hergestellt. Erst durch die Synthese von Organosiliciumhalogeniden mit Alkylhalogeniden gelang es 1944 in den USA und Deutschland, Silikon gĂŒnstig herzustellen (Eugene G. Rochow, Richard MĂŒller)[2].

Seit Anfang der 1930er Jahre war die Polymerisation von Acrylnitril bekannt. Es war als Kunststoff jedoch so nicht brauchbar. Der Chemiker Rein konnte Polyacrylnitril in Dimethylformamid lösen und so fĂŒr die Kunststoffproduktion brauchbar machen. 1942 wurde bei den IG Farben ein Polymerisationsverfahren zu Polyacrylnitril entwickelt. 1942 entdeckte Harry Coover (USA) bei Eastman Kodak den „Sekundenkleber“ Methylcyanacrylat.

Vor allem nach 1950 nahm aufgrund der zahlreichen Erfolge auf dem Gebiet der Polymerchemie die Produktion von Kunststoffen enorm zu. Durch die Entwicklung der Thermoplaste und insbesondere von entsprechenden Verarbeitungsverfahren konnten Formteile jetzt auf unschlagbar billige Weise hergestellt werden. Kunststoff wurde von einem Ersatzstoff mit besonderer Bedeutung zu einem Werkstoff fĂŒr die industrielle Massenfertigung. In der Folge ging der Anteil der Duroplaste stetig zurĂŒck und lag im Jahre 2000 nur noch bei 15 %. Der Pro-Kopf-Verbrauch an Kunststoffen lag im Jahr 2000 bei 92 kg in Westeuropa, 13 kg in Osteuropa, 130 kg in Nordamerika, 19 kg in Lateinamerika, 86 kg in Japan, 13 kg in SĂŒdostasien und 8 kg im Mittleren Osten / Afrika.

Die Kunststoffindustrie ist bis heute eine Wachstumsbranche, wobei die HerstellungskapazitĂ€ten in Asien voraussichtlich zwischen 2006 und 2008 die fĂŒhrenden und etwa gleichstarken Regionen Europa sowie Nord- und SĂŒdamerika ĂŒberholen werden.

Einteilung

KunststofftĂŒten, ein typisches Produkt aus Polypropylen oder Polyethylen

Thermoplaste

Thermoplaste sind Kunststoffe, die aus langen linearen MolekĂŒlen bestehen. Durch Energiezufuhr werden diese Materialien beliebig oft weich und formbar (plastisch) und schmelzen schließlich. Sie können durch verschiedene Ur- und Umformverfahren in die gewĂŒnschte Form gebracht werden. Nachdem das jeweilige Teil abgekĂŒhlt ist, behĂ€lt es seine Form bei. Dieser Prozess ist somit reversibel (lat. umkehrbar). Ursache fĂŒr dieses Verhalten sind fadenförmige, lineare MakromolekĂŒle.

Die meisten der heute verwendeten Kunststoffe fallen unter diese Gruppe (Polyethylen, Polypropylen, Polystyrol, Polyester). FĂŒr einfache Konsumwaren, Verpackungen etc. werden sie ebenso hĂ€ufig eingesetzt, wie fĂŒr technische Teile in der Automobil- und Elektroindustrie oder in der Bauindustrie, insbesondere fĂŒr Dachbahnen, Fensterprofile und Rohre.

Um neue, bisher noch nicht vorhandene Eigenschaften zu erzeugen, können auch zwei oder mehrere (miteinander vertrÀgliche) Thermoplaste vermischt werden (Polyblend).

Tretboote haben typischerweise einen Duroplast-Rumpf

Duroplaste

Duroplaste sind Polymere, die in einem HĂ€rtungsprozess aus einer Schmelze oder Lösung der Komponenten durch eine Vernetzungsreaktion hervorgehen. Diese irreversible Reaktion wird meist durch Erhitzen bewirkt (daher auch der englische Fachterminus thermosets), kann aber auch durch Oxidationsmittel, energiereiche Strahlung oder Einsatz von Katalysatoren initiiert und beschleunigt werden. Eine ErwĂ€rmung von Duroplasten fĂŒhrt nicht zu einer plastischen Verformbarkeit, sondern lediglich zu deren Zersetzung. AusgehĂ€rtete Duroplaste sind meist hart und spröde sowie im weitergehenden Fertigungsprozess nur noch mechanisch bearbeitbar. Ursache fĂŒr dieses Verhalten sind die raumvernetzten MakromolekĂŒle.

Wegen ihrer mechanischen und chemischen BestĂ€ndigkeit auch bei erhöhten Temperaturen werden sie hĂ€ufig fĂŒr Elektroinstallationen verwendet. Einer der verbreitetsten und Ă€ltesten Kunststoffe dieser Klasse ist Bakelit. In diese Gruppe fallen auch Polyester, Polyurethanharze fĂŒr Lacke und OberflĂ€chenbeschichtungen und praktisch alle Kunstharze wie beispielsweise Epoxide.

Elastisches Gummiband

Elastomere

Durch Druck oder Dehnung können Elastomere ihre Form kurzzeitig verĂ€ndern, nach Beendigung von Druck oder Dehnung nimmt das Elastomer schnell wieder seine ursprĂŒngliche Form an.

Zu den Elastomeren gehören alle Arten von vernetztem Kautschuk. Die Vernetzung erfolgt beispielsweise durch Vulkanisation mit Schwefel, mittels Peroxiden, Metalloxiden oder Bestrahlung.

Die Elastomere sind weitmaschig vernetzt und daher flexibel. Sie werden beim ErwĂ€rmen nicht weich und sind in den meisten Lösemitteln nicht löslich. Daher werden sie fĂŒr Hygieneartikel oder Chemikalienhandschuhe verwendet. Die Gummimischung von Autoreifen ist ebenfalls ein Elastomer, das seine Eigenschaften durch Vulkanisation erhĂ€lt.

Elastomere sind Naturkautschuk (NR), Acrylnitril-Butadien-Kautschuk (NBR), Styrol-Butadien-Kautschuk (SBR), Chloropren-Kautschuk (CR), Butadien-Kautschuk (BR) und Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk (EPDM).

Thermoplastische Elastomere

Thermoplastische Elastomere (TPE oder auch Elastoplaste) sind Elastomere, die sich bei Raumtemperatur wie klassische Vertreter verhalten, jedoch beim Erhitzen verformbar werden. Meist sind dies Copolymere, die aus einer „weichen“ Elastomer- und einer „harten“ thermoplastischen Komponente bestehen. Die Eigenschaften der Elastoplaste liegen zwischen denen von Duroplasten und Thermoplasten.[12] Beispiele sind ab 1965 von Shell entwickelte Blockcopolymere aus Styrol und Polyolefinen.

Ein großer Vorteil dieser elastischen Kunststoffe ist die Möglichkeit, diese Schweißen zu können um damit wasserfeste Verbindungen zu erzeugen.[13]

Internationales Kurzzeichensystem

Einzelne Kunststoffe werden nach einem weltweit standardisierten Kurzzeichen-System bezeichnet, welches fĂŒr Deutschland in der DIN EN ISO 1043 Teil 1 und DIN ISO 1629 (Kautschuke) beschrieben ist.

Eigenschaften

Kunststoffe zeichnen sich, verglichen mit keramischen oder metallischen Werkstoffen, durch eine Reihe von ungewöhnlichen Eigenschaften aus:

BMW H2R mit Außenhaut aus carbonfaserverstĂ€rktem Kunststoff

Dichte und Festigkeit

Die Dichte der meisten Kunststoffe liegt zwischen 800 und 2200 kg/m3. Sie sind damit erheblich leichter als Metalle oder keramische Werkstoffe.

In Bezug auf die mechanischen Eigenschaften sind Kunststoffe anderen Werkstoffklassen hÀufig unterlegen. Ihre Festigkeit und Steifigkeit erreicht meist nicht die von Metallen oder Keramiken. Wegen der geringen Dichte kann dies jedoch teilweise mit konstruktiven Mitteln (höhere WandstÀrken) oder dem Einsatz von faserverstÀrkten Kunststoffen kompensiert werden. Ein Beispiel ist der Einsatz von Kevlar in FlugzeugtragflÀchen.

Obwohl die Festigkeiten vergleichsweise niedrig sind, brechen Kunststoffteile weniger leicht als beispielsweise Keramik oder Glas. Sie weisen zumeist eine gute ZĂ€higkeit auf. Deshalb werden GebrauchsgegenstĂ€nde fĂŒr Kinder und Spielzeug vielfach aus Kunststoff gefertigt.

Chemische BestÀndigkeit

Viele Kunststoffe sind im Gegensatz zu Metallen aufgrund ihrer organischen Natur bestĂ€ndig gegenĂŒber anorganischen Medien. Dies schließt MineralsĂ€uren, Laugen, sowie wĂ€ssrige Salzlösungen ein. Daher bevorzugt man Werkstoffe aus Kunststoff zur Herstellung von pflegeleichten Haus- und ElektrogerĂ€ten, Fahrzeugausstattungen, Spielzeugen usw.

Im Gegensatz zu Metallen reagieren sie allerdings empfindlich auf organische Lösungsmittel, wie Alkohole, Aceton, Benzin. Dennoch gelang es auch auf diesem Gebiet, bestĂ€ndige Kunststoffe zu entwickeln. Ein Beispiel ist der Kraftstofftank aus Polyethylen in modernen Personenkraftwagen. Er ist ĂŒberaus bestĂ€ndig gegenĂŒber Korrosion und trotzdem unempfindlich gegenĂŒber dem Benzin.

Niedrige Verarbeitungstemperaturen

Die gĂ€ngigen Verarbeitungstemperaturen fĂŒr Kunststoffe liegen im Bereich von 250 bis 300 Â°C. WĂ€hrend Metalle bei hohen Temperaturen aufwendig gegossen werden mĂŒssen und EinschrĂ€nkungen bezĂŒglich der Gussformen bestehen, lassen sich aus Thermoplasten auch kompliziertere Formteile mit vergleichsweise geringem Aufwand fertigen. Gleichzeitig können in einem Verarbeitungsschritt Additive, wie Farbpigmente oder Fasern, in das Material eingearbeitet werden, die sich bei den hohen Temperaturen des Metallgießens oder des Sinterns von Keramik zersetzen wĂŒrden.

Niedrige LeitfÀhigkeiten

Die WÀrmeleitfÀhigkeit von Kunststoffen liegt deutlich unter der von Metallen. Daher werden viele Kunststoffe, vor allem Schaumstoffe, als DÀmmstoffe eingesetzt.

Die elektrische LeitfĂ€higkeit von Kunststoffen ist um 15 GrĂ¶ĂŸenordnungen kleiner als die von Metallen. So werden viele Kunststoffe zur Isolation von elektrischen Leitungen und Kabeln eingesetzt.

Herstellung

Anlage zur Herstellung und Reinigung von Monomeren im Chemieunternehmen Ticona in Kelsterbach bei Frankfurt
→ Hauptartikel: Polymerisation

Kunststoffe werden generell durch schrittweises AneinanderfĂŒgen von Monomeren zu langen Ketten – den Polymeren â€“ hergestellt, wobei grundsĂ€tzlich zwischen Kettenpolymerisation (auch Kettenreaktion) und Stufenpolymerisation (auch Stufenreaktion) unterschieden wird.

Kettenpolymerisationen

Bei einer Kettenpolymerisation beginnt das Wachstum mit einem MolekĂŒl, an das sukzessive weitere Monomere addiert werden. Das die Polymerisation startende MolekĂŒl nennt man Initiator, das auf diesen aufwachsende heißt Monomer. Die Zahl der Monomere, aus denen das Polymer letztendlich besteht, ist der Polymerisationsgrad. Der Polymerisationsgrad kann durch das VerhĂ€ltnis von Monomer zu Initiator eingestellt werden. Mathematisch wird er durch die Mayo-Gleichung abgeschĂ€tzt.[14]

Radikalische Polymerisation

Bei der radikalischen Polymerisation werden die Wachstumsreaktionen durch Radikale initiiert und fortgepflanzt. Sie ist verglichen mit anderen Kettenreaktionen unempfindlich, leicht zu kontrollieren und liefert schon bei recht kleinen UmsÀtzen hohe Polymerisationsgrade. Sie wird daher vor allem bei der Herstellung von billigen Kunststoffen, wie LD-PE, PS oder PVC, eingesetzt.

Eine Gefahr bei diesem Verfahren stellt die freiwerdende PolymerisationswĂ€rme dar. Die radikalische Polymerisation ist exotherm, das heißt bei der Reaktion wird WĂ€rme freigesetzt. Diese WĂ€rme erzeugt, wenn sie nicht abgefĂŒhrt wird, weitere Radikale, so dass sich die Reaktion selbst beschleunigen kann. Im Extremfall kann eine solche „Selbstbeschleunigung“ zur Überlastung des Reaktormaterials und damit zu einer thermischen Explosion fĂŒhren.[14]

Ionische Polymerisation

Bei ionischen Polymerisationen werden die Wachstumsreaktionen durch ionische Spezies initiiert und fortgepflanzt. Die wachsenden Ketten sind langlebiger (mehrere Stunden bis Tage) als ihre radikalischen Analoga (Lebensdauer etwa 10−3s), man spricht in diesem Zusammenhang auch von sogenannten lebenden Polymeren. Daher kann man nach Abschluss einer Polymerisation auf die noch lebenden, das heißt zur Polymerisation befĂ€higten Ketten, ein weiteres Monomer aufgeben und so ein erneutes Wachstum fortfĂŒhren.[15][16]

Polymere, deren Ketten aus zwei oder mehr unterschiedlichen Monomertypen bestehen, nennt man Copolymere. Findet man in einem Copolymeren lange Blöcke des einen Monomers, gefolgt von Blöcken des anderen, spricht man von Blockcopolymeren. FĂŒr eben solche speziellen Anwendungen wird die ionische Polymerisation angewandt. Ein Beispiel sind die synthetischen Gummis Acrylnitril-Butadien-Kautschuk (NBR) und Styrol-Butadien-Kautschuk (SBR), die bei der Herstellung von Autoreifen Verwendung finden. Nachteil dieses Verfahrens ist seine hohe Empfindlichkeit gegenĂŒber Verunreinigungen, Wasser und Sauerstoff.[14] Ionische Polymerisationen sind daher aufwendiger und kostenintensiver als die radikalische Polymerisation.

Metallorganische Katalysatoren

Diese Polymerisationen finden in Gegenwart von Katalysatoren statt. Beim Katalysator handelt es sich um einen Metallkomplex (Verbindung aus Metallatomen, umgeben von weiteren Spezies), der in der Lage ist, die wachsende Kette zu binden. Die Addition weiterer Monomere geschieht durch Einschub (Insertion) des Monomers zwischen wachsende Kette und Katalysatorspezies. Resultat ist ein höherer Ordnungsgrad der entstehenden Polymere sowie ein geringerer Verzweigungsgrad. Aufgrund dieser regulÀreren Struktur erfolgt auch die Packung der einzelnen Ketten im Festkörper effizienter, der Kunststoff wird dichter. Die zurzeit industriell wichtigste Katalysatorklasse ist die der Ziegler-Natta-Katalysatoren. Eine Rolle spielen sie zum Beispiel bei der Herstellung von Polyethylen.[17]

Beim Low-Density-Polyethylen (LD-PE) handelt es sich um in der Gasphase polymerisiertes Ethen mit geringem Ordnungsgrad, vielen Seitenverzweigungen und geringer Dichte. Diesen Kunststoff findet man vor allem als transparente oder gefĂ€rbte Verpackungsfolie von GetrĂ€nkeflaschen, BĂŒchern, CDs etc.

High-Density-Polyethylen wird mit einem metallorganischen Katalysator im Ziegler-Natta-Verfahren hergestellt. Es resultiert ein Polymer mit hohem Ordnungsgrad, wenigen Verzweigungen und hoher Dichte. Dieser Kunststoff findet beispielsweise Verwendung als Material fĂŒr Autotanks, Benzinkanister etc.

Herstellung eines Nylon-6,6-Fadens im Labormaßstab.

Stufenpolymerisationen

Im Gegensatz zur Kettenpolymerisationen erfolgt in Stufenpolymerisationen die Bildung der Polymere nicht durch Initiation einer wachsenden Kette, die weiter sukzessive Monomere addiert, sondern durch direkte Reaktion der Monomere untereinander. Diese Reaktion kann unter Freisetzung eines Nebenprodukts wie Wasser als Polykondensation oder durch einfache Addition der Monomere zu einer neuen Verbindung durch Polyaddition erfolgen.

Polykondensation

Bei Polykondensationen erfolgt die Bildung der linearen Kette durch intermolekulare Reaktion bifunktioneller Polymere unter Abspaltung einer kleineren Spezies, wie beispielsweise Wasser oder Alkohole.

Eine wesentliche Bedeutung besitzt die Polykondensation fĂŒr die Polyamide.

Bildung eines Polyamids (schematische Darstellung).

CarbonsĂ€uren reagieren mit Aminen zu Amiden. Setzt man MolekĂŒle ein, die zwei CarbonsĂ€uregruppen tragen, kann eines dieser MolekĂŒle mit zwei Aminen reagieren. Es entsteht so ein Polymer aus drei Monomeren (eine CarbonsĂ€ureeinheit, zwei Amine). Tragen die eingesetzten Amine auch wieder zwei Amingruppen, kann die zuvor entstandene Spezies wiederum mit zwei CarbonsĂ€uremolekĂŒlen reagieren usw. Die so entstehenden Polymere können sich dann auch noch weiter untereinander verbinden, so dass der Polymerisationsgrad entscheidend von der Reaktionsdauer abhĂ€ngt Der Vorgang wird durch die Carothers-Gleichung beschrieben.

Durch Reaktion von DicarbonsÀuren mit Diolen (Dialkohol) werden so Polyester hergestellt. Unter den wichtigsten durch Polykondensation hergestellten Kunststoffen sind Polyethylenterephthalat (PET), ein Polyester, Nylon, ein Polyamid und Bakelit, ein Duroplast.

Polyaddition

Bei Polyadditionen erfolgt die Bildung des Polymers durch Addition der einzelnen Monomere untereinander, ohne die Bildung von Nebenprodukten. Eine große Gruppe von Polyaddukten bilden die Polyurethane.

Polyaddition von 1,6-Hexandiisocyanats mit 1,4-Butandiol. (n ≈ 40)

Isocyanate reagieren mit Alkoholen in einer Additionsreaktion zu sogenannten Urethanen. Auch hier gilt: setzt man bifunktionelle Monomere ein, erfolgt die Bildung langer linearer Ketten. Auf diese Weise hergestelltes Polyurethan wird fĂŒr Armaturenbretter, Lacke, Klebstoffe etc. verwendet. Setzt man der Polymerisationsmischung Wasser zu, reagiert dieses mit den Isocyanaten zu Aminen und Kohlenstoffdioxid. Das in der Mischung freiwerdende CO2 wird in Form von BlĂ€schen in den Kunststoff eingeschlossen, so dass man einen Schaumstoff erhĂ€lt. Polyurethanschaumstoff wird fĂŒr Matratzen, Sitzmöbel, SchwĂ€mme, etc. verwendet.

Additive

Kunststoffen werden im Verlauf des Herstellungsprozesses sogenannte Additive zugesetzt (Compoundierung). Sie dienen der genauen Einstellung der Materialeigenschaften auf die BedĂŒrfnisse der jeweiligen Anwendung und der Verbesserung der chemischen, elektrischen und mechanischen Eigenschaften. Solche mit Zuschlagsstoffen versehene Formmassen werden nach DIN EN ISO 1043 (Thermoplaste) und nach DIN 7708 (Duroplaste) gekennzeichnet.

Weichmacher

Etwa zwei Drittel der weltweit hergestellten Additive werden fĂŒr die Produktion von Polyvinylchlorid aufgewendet, fast drei FĂŒnftel der hergestellten Additive sind Weichmacher.[18] Sie verringern Sprödigkeit, HĂ€rte und Glastemperatur eines Kunststoffes und machen ihn so besser form- und verarbeitbar. Es handelt sich um Stoffe, die in der Lage sind auf molekularer Ebene in den Kunststoff einzudringen und so die Beweglichkeit der Ketten gegeneinander zu erhöhen. Qualitativ kann man sie als „molekulares Schmiermittel“ verstehen. Bis vor wenigen Jahren war Diethylhexylphthalat (DEHP) (synonym: Dioctylphtalat DOP) der am hĂ€ufigsten verwendete Weichmacher. Dieser stellte sich jedoch als umwelt- und gesundheitsschĂ€dlich heraus, weshalb die europĂ€ische Industrie inzwischen weitgehend auf seinen Einsatz verzichten will.

Extender verbessern ebenfalls die Verarbeitbarkeit, man spricht deshalb auch von sekundĂ€ren Weichmachern. Wichtige Extender sind epoxidierte Öle, hochsiedende Mineralöle und Paraffine.[19]

Stabilisatoren

Stabilisatoren dienen der Verbesserung der chemischen Eigenschaften. Sie erhöhen die Lebensdauer des Kunststoffes und schĂŒtzen ihn vor schĂ€digenden EinflĂŒssen (Oxidation, Strahlung und WĂ€rme etwa durch Feuer) in seinem Einsatzgebiet.

Durch Reaktion mit Luftsauerstoff kann sich der Kunststoff verfÀrben, und die Polymerketten können sich zersetzen oder neu vernetzen. Dies verhindert man durch Zugabe von Antioxidantien, welche die bei der Reaktion entstehenden freien Radikale abfangen (Radikalkettenabbrecher), oder gleich die Bildung der Radikale verhindern (Desaktivatoren).[19] Als Abbrecher setzt man beispielsweise Phenole oder Amine zu, als Desaktivatoren dienen Phosphane und ebenfalls Amine.

Alter Ventilator mit doppelter SchÀdigung durch UV-Licht: Versprödung des GehÀuses und Vergilbung des Scharniers

Lichtschutzmittel schĂŒtzen gegen eine SchĂ€digung durch ultraviolettes Licht. Doppelbindungen zwischen Kohlenstoffatomen sind in der Lage, Licht dieser WellenlĂ€nge zu absorbieren, daher sind vor allem Kunststoffe durch UV-Licht gefĂ€hrdet, die dieses Strukturelement aufweisen (z. B. Polyisopren). Allerdings können aufgrund von KatalysatorrĂŒckstĂ€nden, Strukturfehlern und Nebenreaktionen bei der Verarbeitung praktisch alle Polymere ein Absorptionsvermögen fĂŒr UV-Strahlung zeigen. Diese induziert die Bildung von freien Radikalen im Material, die Nebenreaktionen, wie Zerfall der Kette und Vernetzungen einleiten. Es existieren grundsĂ€tzlich drei Wege eine SchĂ€digung zu verhindern: Reflexion des Lichts, Zusatz von das Licht absorbierenden Stoffen und Zusatz von RadikalfĂ€ngern. Wichtige Lichtschutzmittel sind Ruß, der die Strahlung absorbiert, σ-Hydroxybenzophenon, das die Energie in Infrarotstrahlung umwandelt und Dialkyldithiocarbamate, die UV-Licht absorbieren und als RadikalfĂ€nger fungieren.[20]

Kunststoffe sind empfindlich gegenĂŒber WĂ€rmeeinwirkung. Oberhalb einer fĂŒr das Material charakteristischen Temperatur (Zersetzungstemperatur) setzt der Zerfall der molekularen Struktur ein. WĂ€rmestabilisatoren sollen dies verhindern. UnerlĂ€sslich sind diese fĂŒr Polyvinylchlorid, das sonst, unter Bildung von Chlorwasserstoff und u. U. gesundheitsschĂ€dlicher Zerfallprodukte, seine mechanische StabilitĂ€t einbĂŒĂŸen wĂŒrde.[21] Der Zerfallmechanismus verlĂ€uft ĂŒber die Bildung von Doppelbindungen. Organische Barium-, Zink-, Zinn-, und Cadmiumverbindungen und anorganische Bleisalze komplexieren diese und unterbrechen so den Zerfallmechanismus.[20] Vor allem die Bleiverbindungen stellen hinsichtlich der Entsorgung des Kunststoffs ein nicht unerhebliches Umweltproblem dar. Derzeit sind 80 % der WĂ€rmestabilisatoren auf der Basis von Blei.[18] Die chemische Industrie ist zurzeit allerdings bemĂŒht, diese zu ersetzen. So wurde bei Cognis, einer Tochterfirma des Henkel-Konzerns, speziell fĂŒr Fensterprofile ein Stabilisator auf der Basis von Calcium und Zink entwickelt.[18]

Bei BrĂ€nden geht von Kunststoffen eine große Gefahr aus, da sie zum einen in der Lage sind die BrĂ€nde zu unterhalten und zum anderen bei einer unkontrollierten Verbrennung giftige oder Ă€tzende Gase, wie BlausĂ€ure, Kohlenstoffmonoxid, Chlorwasserstoff und Dioxine frei werden. Flammschutzmittel verhindern entweder den Sauerstoffzutritt zum Brand oder stören die chemischen Reaktionen (Radikalkettenmechanismen) der Verbrennung.[22] Polycarbonate erfordern oft keine Flammschutzmittel, da als Löschmittel wirkendes Kohlendioxid ein Zerfallsprodukt des Polymers darstellt.

Wichtige Flammschutzmittel sind[19]

  • polybromierte Diphenylether (PBDEs): setzen Radikale frei, welche die Zwischenprodukte des Brennvorgangs abfangen
  • Aluminiumhydroxid (Al(OH)3), auch (ATH): setzt WassermolekĂŒle frei
  • Phosphorhaltige Verbindungen: bilden PhosphorsĂ€uren, die eine Wasserabspaltung katalysieren

Farbmittel

Synthetisches Ultramarinblau

Die meisten Polymere sind in reiner Form farblos, farbig werden sie erst durch Zusatz von Farbmitteln. Man unterscheidet zwischen Farbstoffen (lösen sich auf molekularer Ebene im Polymer oder adsorbieren an der OberflĂ€che) und Pigmenten (unlösliche, meist anorganische Aggregate).[20] Textilien fĂ€rbt man praktisch ausschließlich mit Farbstoffen ein.[20] Der weit ĂŒberwiegende Teil der Kunststoffe wird allerdings mit Pigmenten gefĂ€rbt, da diese lichtechter und meist auch billiger sind.[20] Wichtige Pigmente in diesem Bereich sind Rutil (weiß), Ruß (schwarz), Cobalt- oder Ultramarinblau, sowie ChromoxidgrĂŒn.[20] Inzwischen ist auch der Einsatz von Effektpigmenten möglich, so zeigen mit seltenen Erden dotierte Strontium-Aluminate ein intensives Nachtleuchten.[23] Einsatzgebiete fĂŒr derartig gefĂ€rbte Kunststoffe sind bei Dunkelheit leichter auffindbare Sicherheitsmarkierungen, Lichtschalter oder Taschenlampen. Um Metallglanz zu erreichen werden Aluminiumpigmente in BlĂ€ttchenform eingesetzt, sphĂ€rische Pigmentkörner ergeben eine GraueinfĂ€rbung.

FĂŒllstoffe

FĂŒllstoffe sind klassische Streckmittel, die so die Herstellung des Kunststoffs verbilligen. „Aktive FĂŒllstoffe“ verbessern zusĂ€tzlich die mechanischen Eigenschaften des Materials. Wichtige FĂŒllstoffe sind unter anderem: Kreide, Sand, Kieselgur, Glasfasern und -kugeln, Zinkoxid, Quarz, Holzmehl, StĂ€rke, Graphit, Ruße und Talkum. Wichtig sind FĂŒllstoffe auch um das Brandverhalten der Kunststoffe zu minimieren.

VerstÀrkungsstoffe

Unter VerstÀrkungsstoffe (reinforcement) versteht man in Kunststoffen eingesetzte anorganische oder organische Zusatzstoffe, die die Kunststoffmatrix verstÀrken. Unter VerstÀrkung ist die Verbesserung mechanischer und physikalischer Eigenschaften, wie ElastizitÀt, Biegefestigkeit, Kriechmechanik und WÀrmeformbestÀndigkeit zu verstehen. VerstÀrkungsstoffe werden gezielt zur Verbesserung dieser Werkstoffeigenschaften eingesetzt.

Einteilung der VerstÀrkungsstoffe

Erfolgt einerseits nach der chemischen Zusammensetzung, andererseits auch nach der physikalischen Gestalt des Stoffes. So gibt es flÀchige VerstÀrkungsstoffe in Form von Gewebe, Gelege, Gestricke, Gewirke.

Ausgangsstoffe fĂŒr diese flĂ€chigen VerstĂ€rkungsstoffe sind faserförmige VerstĂ€rkungsstoffe, wobei die Fasern meist aus Glas, Kohlenstoff, Aramid, Polyester oder Naturprodukte wie z. B. Flachs, Jute. gebildet sind.

Neben den faserförmigen VerstÀrkungsstoffen gibt es auch eine Vielzahl an teilchenförmigen VerstÀrkungsstoffen, wie beispielsweise Talkum, Glimmer, Graphit, Aluminiumhydroxyd.

Die Eigenschaften verstÀrkter Thermoplaste werden vor allem vom Volumenanteil des VerstÀrkungsstoffes, dessen Form (Formfaktor, LÀnge/Durchmesser-, L/D- oder AspektverhÀltnis) und der Wechselwirkung an der Grenze zur Matrix beeinflusst.

AspektverhÀltnis

Zum FĂŒllen und VerstĂ€rken von Thermoplasten werden Zusatzstoffe stark unterschiedlicher Form verwendet. Der fĂŒr die mechanischen Eigenschaften des Verbunds bedeutsame Formfaktor ist definiert als das VerhĂ€ltnis seiner LĂ€nge zu seiner Dicke (L/D-VerhĂ€ltnis).

  • Kugelförmige und kubische Partikel haben einen Formfaktor von 1. Beispiele sind Glaskugeln oder Calciumcarbonat.
  • Fasern oder andere anisotrope plĂ€ttchenförmige FĂŒllstoffe können sehr hohe Formfaktoren aufweisen und dieser liegt meist deutlich ĂŒber 100.
  • PlĂ€ttchenförmige VerstĂ€rkungsstoffe, zu denen Schichtsilikate wie Talk und Glimmer zĂ€hlen, liegen meist zwischen 5 und 50.

VerstĂ€rkungsstoffe mit hohem L/D-VerhĂ€ltnis versteifen Polymermatrices in der Regel stĂ€rker als FĂŒllstoffe mit geringerem AspektverhĂ€ltnis.

Die VerstĂ€rkungswirkung beruht darauf, dass eine angelegte mechanische Spannung von der Polymermatrix aufgenommen wird und auf den VerstĂ€rkungsstoff ĂŒbertragen wird. Je grĂ¶ĂŸer das AspektverhĂ€ltnis des VerstĂ€rkungsstoffes ist, desto besser kann die durch die Spannung verursachte Energie im Material abgefĂŒhrt werden. Eine Beschichtung der Zusatzstoffe mit Kupplungsreagenzien (sog. Koppler) kann die VertrĂ€glichkeit mit der Matrix und damit die Verarbeitbarkeit und auch die resultierenden mechanischen Eigenschaften zusĂ€tzlich deutlich verbessern. So gelingt es innovativen Compounding-Betrieben durch optimale Formulierung der Rezeptur und Einsatz von geeigneten Kopplersystemen hochqualitative Compounds herzustellen.

PlÀttchenförmige VerstÀrkungsstoffe weisen zwar meist einen geringeren E-Modul wie faserförmige VerstÀrkungsstoffe auf, erhöhen aber den E-Modul trotzdem betrÀchtlich. Ein wesentlicher Vorteil der teilchenförmigen VerstÀrkungsstoffe ist, dass die Endeigenschaften des Kunststoffbauteils durch die Teilchenform nahezu isotrop, also richtungsunabhÀngig sind. Durch das AspektverhÀltnis zwischen 5 und 50 sind plÀttchenförmige VerstÀrkungsstoffe, wie beispielsweise Talkum eine sehr gute Lösung, um Kunststoffe zu verstÀrken, gleichzeitig jedoch die RichtungsabhÀngigkeit der Eigenschaften nicht allzu sehr negativ zu beeinflussen.

Die Eigenschaftsverbesserung durch VerstÀrkungsstoffe betrifft beispielsweise:

  • die Erhöhung des E-Moduls
  • die Erhöhung der Biegefestigkeit
  • die positive Beeinflussung des Schwindungsverhaltens
  • die Verbesserung des Kriechverhaltens
  • oder die Erhöhung der WĂ€rmeformbestĂ€ndigkeit.

Einsatz findet Talkum als VerstĂ€rkungsstoff beispielsweise bei der VerstĂ€rkung von Polyolefinen, wie HDPE oder PP, fĂŒr einen vielseitigen Einsatz in der Auto- oder Bauindustrie. VerstĂ€rkte Polypropylencompounds sind seit ca. 30 Jahren auf dem Markt. Ende der 60er Jahre wurden erstmals talkum- (TV) und glasfaserverstĂ€rkte (GFV) Produkte auf Basis PP angeboten.

Kunststoffindustrie

Kunststoffnetz zum Schutz der Trauben

Die kunststofferzeugende Industrie ist ein wichtiger Zweig der chemischen Industrie. 2006 erzielten in diesem Bereich in Deutschland 3570 Unternehmen mit rund 372.900 Arbeitnehmern einen Gesamtumsatz von 79,4 Milliarden Euro.[24] TĂ€tig sind sie in den sich teilweise ĂŒberschneidenden Teilgebieten

  • Kunststofferzeugung
  • Kunststoffverarbeitung
  • Kunststoffmaschinenbau

Die Kunststofferzeugung erfolgt zu großen Teilen bei global agierenden Chemiekonzernen wie beispielsweise Basell, BASF, Bayer, Celanese/Ticona, Dow Chemical, DSM, DuPont und Solvay. Sie liefern ein begrenztes Sortiment an Kunststoffen in Mengen von teilweise mehreren 100 kt pro Jahr.

Verarbeitung

→ Hauptartikel: Kunststoffverarbeitung
Das Blasform-Verfahren zur Herstellung von Kunststoffflaschen

Die Kunststoffverarbeitung ist Gegenstand eines eigenstĂ€ndigen Industriezweiges. Dabei kommen ĂŒberwiegend Urformverfahren zum Einsatz, die im Gegensatz zu den metallischen Werkstoffen bei wesentlich geringeren Verarbeitungstemperaturen (bis 430 Â°C) ablaufen. Dadurch können die Fertigungseinrichtungen (sog. Werkzeuge) mehrfach verwendet werden und erlauben so eine kostengĂŒnstige Fertigung.

Es kommen eine Vielzahl von Verfahren zum Einsatz, die teilweise ihren Ursprung in der wesentlich Ă€lteren Metallbearbeitung haben und auf die Eigenschaften der Kunststoffe abgestimmt und weiterentwickelt wurden. So ist beispielsweise das Spritzgießen fĂŒr Kunststoffe dem Druckguss fĂŒr Metalle sehr Ă€hnlich. Andere Verfahren, wie das Extrudieren oder Blasformen sind nur fĂŒr Kunststoffe gebrĂ€uchlich.

Die SchĂ€umverfahren haben wiederum ihren Ursprung bei den Kunststoffen, werden aber, wie Metallschaum, inzwischen auch fĂŒr andere Werkstoffklassen verwendet. Sie lassen sich weiter in chemische, physikalische oder mechanische Treibverfahren untergliedern.

FĂŒr alle diese Verfahren werden spezielle Maschinen und Werkzeuge benötigt, die der Kunststoffmaschinenbau zur VerfĂŒgung stellt.

Wichtige Massenkunststoffe

→ Hauptartikel: Liste der Kunststoffe

Etwa 90 % der weltweiten Produktion (jĂ€hrlich etwa 150 Mio. t.) entfallen in der Reihenfolge ihres Anteils auf die folgenden sechs Kunststoffe:[25]

Sprudelkasten aus HD-PE

Polyethylen

Polyethylen wird hauptsĂ€chlich in drei unterschiedlichen QualitĂ€ten hergestellt: HD-PE (High-Density-PE), LLD-PE (Linear-Low-Density-PE), LD-PE (Low-Density-PE). HD-PE wird mittels Ziegler-Natta-Katalysatoren synthetisiert, seine Ketten zeigen einen sehr hohen Ordnungs- und niedrigen Verzweigungsgrad. Diese können sich daher im Festkörper effizient anordnen, so dass ein teilkristallines Material entsteht, dessen Dichte höher ist als die von LD-PE (beide weisen aber eine Dichte auf, die geringer ist als die von Wasser). Es wird zur Fertigung von Flaschen, GetrĂ€nkekĂ€sten, FĂ€ssern, BatteriegehĂ€usen, Eimern, SchĂŒsseln, etc verwendet. LD-PE wird unter hohem Druck in der Gasphase polymerisiert, in LLD-PE werden 1-Buten, 1-Hexen und 1-Octen einpolymerisiert, um so einen kontrollierten Verzweigungsgrad zu erzeugen. Beide Varianten weisen so einen geringen kristallinen Anteil und einen hohen oder mittleren Verzweigungsgrad auf. Das Material besitzt hervorragende filmbildende Eigenschaften und wird vor allem zur Herstellung von Verpackungsfolien fĂŒr ZigarettenpĂ€ckchen, CDs, BĂŒcher, PapiertaschentĂŒcher, etc, sowie Tragetaschen verwendet.

Deckel der TicTac-Packung aus PP

Polypropylen

Polypropylen wird fast ausschließlich auf metallkatalytischem Wege hergestellt, da nur das so erhaltene kristalline Material kommerziell verwertbare Eigenschaften aufweist. Es handelt sich um einen sehr harten, festen und mechanisch belastbaren Kunststoff mit der geringsten Dichte aller Massenkunststoffe. Aufgrund dieser Eigenschaften hat es teilweise bereits Metallwerkstoffe verdrĂ€ngt. Wie bei dem rechts abgebildeten Deckel zeigt es außerdem den sogenannten Filmscharniereffekt, d. h. es kann durch einen dĂŒnnen Film GehĂ€use und Deckel miteinander verbinden, ohne aufgrund der Biegebelastung zu brechen. Ein erheblicher Teil des weltweit hergestellten Polypropylens wird fĂŒr Lebensmittelverpackungen aufgewendet, weitere Anwendungsgebiete sind:

  • Automobilindustrie: als Material fĂŒr LuftfiltergehĂ€use, Spoiler, ScheinwerfergehĂ€use, SitzbezĂŒge und Gaspedale.
  • Bauwesen: Gartenmöbel, Klodeckel, Kunstrasen, Möbelscharniere, etc.
  • Sonstiges: Brillenetuis, Koffer, Schulranzen, sterilisierbare medizinische GerĂ€te.
PVC-Rohre

Polyvinylchlorid

Polyvinylchlorid galt aufgrund des ungewöhnlich hohen Chloranteils, und der damit bei der Verbrennung entstehenden Nebenprodukte, lange Zeit als umweltschĂ€dlichster Kunststoff. Zudem ist das zur Herstellung benötigte Vinylchlorid krebserregend. Inzwischen fĂŒhrt man jedoch den Chloranteil auch als positiven Aspekt an (Einsparung von Rohöl). Man unterscheidet generell zwischen Hart-Polyvinylchlorid und durch Zusatz von Weichmachern hergestelltes Weich-Polyvinylchlorid. Hart-PVC ist ein amorpher Thermoplast und besitzt eine hohe Steifigkeit und HĂ€rte. Es ist extrem schwer entflammbar, kann in der Hitze eines bestehenden Brandes allerdings Chlorwasserstoff und Dioxine freisetzen. Es zeigt eine sehr gute BestĂ€ndigkeit gegen SĂ€uren, Basen, Fette, Alkohole und Öle. Aus diesem Grund wird es auch vor allem zur Herstellung von Abwasserrohren und Fensterprofilen eingesetzt. Gravierende Nachteile sind seine sehr geringe WĂ€rmebestĂ€ndigkeit, es kann dauerhaft nur bis 65 Â°C und kurzfristig bis 75 Â°C eingesetzt werden, und seine Neigung zum "Weißbruch" beim Biegen. Weich-PVC ist ein gummielastischer, lederĂ€hnlicher Thermoplast. Wichtige Anwendungen sind die Herstellung von BodenbelĂ€gen, Dichtungen, SchlĂ€uchen, Kunstleder, Tapeten, Dachbahnen etc.

Schaumpolystyrol als Verpackungsmaterial

Polystyrol

Polystyrol wird ĂŒberwiegend als amorpher Thermoplast hergestellt, durch neuere Entwicklungen gibt es aber mittlerweile auch kristallines Polystyrol, dieses hat aber geringere Bedeutung. Beide Varianten zeichnen sich durch geringe Feuchtigkeitsaufnahme, gute Verarbeitbarkeit und sehr gute elektrische Eigenschaften aus. Sie unterscheiden sich in ihrer Schlagfestigkeit. Nachteile sind seine Neigung zur Spannungsrissbildung, die geringe WĂ€rmebestĂ€ndigkeit, Entflammbarkeit und seine Empfindlichkeit gegenĂŒber organischen Lösungsmitteln. Mittels Kohlenstoffdioxid bei der Polymerisation aufgeschĂ€umtes Polystyrol wird unter anderem als Styropor vertrieben.

Anwendungsgebiete:

  • Elektrotechnik: als Isolierung von elektrischen Kabeln, Material fĂŒr GehĂ€use, (als High Impact Polystyrene (HIPS)), Schalter, etc.
  • Bauindustrie: als DĂ€mmstoff (Schaumpolystyrol)
  • Verpackungen: Schaumpolystyrol, Verpackungsfolien, Joghurtbecher, etc.
Schwamm aus Polyurethan

Polyurethan

Die Eigenschaften von Polyurethanen können durch Wahl der Isocyanat- oder Urethan-haltigen Monomerkomponenten sehr stark in ihrer ElastizitĂ€t variiert werden. So werden sehr elastische PUR-Textil-Fasern (Elastan) aus Polyestern und Urethan-haltigen Polyestern hergestellt, ebenso dienen Urethan-haltige Polymere als Zusatz in Lacken und Materialien fĂŒr Leiterplatten (Bectron).

  • Die bekannteste Anwendung dĂŒrften Polyurethanschaumstoffe sein. Sie dienen als Matratzen, in Autositzen, Sitzmöbeln, DĂ€mmmaterial, SchwĂ€mmen, etc. Auch hier können mittels der Wahl der Einzelkomponenten die genauen Materialeigenschaften eingestellt werden.
  • Die wichtigste Anwendung ist wohl fĂŒr den Rostschutz der Auto-Karosserien verantwortlich. Auf den blanken Eisenkarossen werden Hydroxygruppen-haltige und Urethangruppen-haltige Einzelpolymere abgeschieden. Bei 120–160 Â°C werden diese dann untereinander vernetzt, es bildet sich eine ĂŒberall gleichdicke rostverhindernde Polymerschicht auf dem Eisen.
Flasche aus PET

Polyethylenterephthalat

Polyethylenterephthalat ist ein Polyester aus TerephthalsĂ€ure und Ethylenglycol. Es kristallisiert sehr langsam, so dass man auch hier je nach Anwendungsbereich amorphes und teil-kristallines (C-PET) Material herstellen kann. C-PET besitzt hohe Steifigkeit, HĂ€rte, Abriebfestigkeit und ist bestĂ€ndig gegen verdĂŒnnte SĂ€uren, Öle, Fette und Alkohole. Es ist jedoch empfindlich gegenĂŒber heißem Wasserdampf.

Anwendungsbeispiele:

  • Elektrotechnik: Teile fĂŒr Haushalts- und KĂŒchengerĂ€te, Computer, etc.
  • Maschinenbau: ZahnrĂ€der, Lager, Schrauben, Federn.
  • Fahrzeugtechnik: Sicherheitsgurte, LKW-Abdeckplanen
  • Medizin: Implantate wie beispielsweise GefĂ€ĂŸprothesen

Amorphes PET zeigt eine geringere Steifigkeit und HĂ€rte als C-PET, aber bessere SchlagzĂ€higkeit. Da es transparent, aber leichter als Glas ist, wird es als Material fĂŒr GetrĂ€nkeflaschen und Verpackungen fĂŒr Lebensmittel und Kosmetika verwendet. In der Elektrotechnik finden PET-Folien als TrĂ€germaterial fĂŒr MagnetbĂ€nder Verwendung.

Hochleistungspolymere

Neben den Kunststoffen, die in großen Mengen fĂŒr Massenartikel hergestellt werden, wurden in der Vergangenheit auch Polymere fĂŒr Spezialanwendungen entwickelt. Als einige Beispiele sind zu nennen:

FlĂŒssigkristalline Polymere

Zwei Polyamidketten des Kevlar in paralleler Orientierung

Als FlĂŒssigkristalline Polymere (engl. Liquid Crystalline Polymers (LCP)) bezeichnet man Polymere, deren Ketten in der Schmelze sogenannte FlĂŒssigkristalline Phasen bilden. In Kristallen liegt generell eine feste Ordnung vor, wĂ€hrend in FlĂŒssigkeiten/Schmelzen die Verteilung der MolekĂŒle oder Atome in der Regel weitgehend zufĂ€llig ist. Insofern stellt der Ausdruck "flĂŒssigkristallin" eigentlich einen Widerspruch dar. In LCPs orientieren sich die Polymerketten jedoch aufgrund intramolekularer Wechselwirkungen parallel zu BĂŒndeln an. So bilden beispielsweise aromatische Polyamide in SchwefelsĂ€ure in Verbindung mit Calcium- oder Lithiumchlorid derartige Phasen.[26] Presst man eine derartige Lösung aus einer SpinndĂŒse durch einen Zwischenraum mit Luft in ein FĂ€llbad (Dry-Jet-Wet-Spinnverfahren), erhĂ€lt man Fasern, in denen die Ketten in Richtung der LĂ€ngsachse orientiert sind.[27] Derartige Fasern sind in der Lage, eine fĂŒr Kunststoffe ungewöhnlich hohe Zugbelastung auszuhalten, die vergleichbar mit Metallen oder Kohlenstofffasern ist. Aufgrund ihrer geringen Dichte setzt man sie, eingebettet in Kunstharze (Composites) im Flugzeug- und Fahrzeugbau ein. Weitere Anwendungen sind schusssichere Westen, Schutzhelme, SchutzanzĂŒge, Surfbretter, Segelbootbau, etc. Wichtige Marken sind: Kevlar, Nomex und Faser B.

Elektrisch leitende Polymere

→ Hauptartikel: Polytronik

Kunststoffe gelten im Allgemeinen als hervorragende Isolatoren. Das liegt daran, dass Polymeren die Grundvoraussetzung fĂŒr elektrische LeitfĂ€higkeit, quasi freie Elektronen, völlig fehlt. Durch Zugabe von Substanzen (Dotierung), die entweder der Kette Elektronen zufĂŒhren (Reduktion) oder durch Entfernung (Oxidation) freie Stellen fĂŒr die Elektronenbewegung schaffen, ist es möglich elektrisch leitfĂ€hige Polymere zu erzeugen. So werden beispielsweise Polyacetylen und Poly(p-phenylen) elektrisch leitend, wenn man sie mit Brom, Iod oder PerchlorsĂ€ure dotiert. Weitere wichtige elektrisch leitende Polymere sind Polyanilin, dotiert mit SalzsĂ€ure und Polypyrrol aus anodischer Oxidation. Anwendungen sind Materialien fĂŒr Elektroden und Batterieelemente, sowie antistatische Beschichtungen. Durch geeignete Dotierung können den bisher genannten Polymeren auch halbleitende Eigenschaften verliehen werden. Aus solchen Materialien bestehen beispielsweise Polymer-Leuchtdioden. FĂŒr die Entwicklung leitfĂ€higer Polymere wurde den Wissenschaftlern Alan J. Heeger, Alan G. MacDiarmid und Hideki Shirakawa im Jahre 2000 der Nobelpreis fĂŒr Chemie verliehen.

Kunststoffe in der Medizin

Einweg-Kunststoffspritze mit KanĂŒle

Kunststoffe erfĂŒllen in der Medizin vielfĂ€ltige Aufgaben: Sie dienen als BehĂ€lter fĂŒr Infusionslösungen, Bauteile von medizinischen GerĂ€ten, Wegwerfartikel (Spritzen, Pflaster, Katheter, SchlĂ€uche etc) und Implantate (Herzklappen, Knochenersatz, Gelenkpfannen, resorbierbare Knochenschrauben etc). FĂŒr Materialien, die auf direkte oder indirekte Weise im Kontakt mit lebendem Gewebe stehen, gelten naturgemĂ€ĂŸ besondere Auflagen: Zum einen darf der Kunststoff den Organismus nicht schĂ€digen, zum anderen darf umgekehrt das biologische Milieu die Materialeigenschaften des Kunststoffs nicht beeintrĂ€chtigen. Sind diese Bedingungen erfĂŒllt, spricht man von BiokompatibilitĂ€t. Wichtigstes Argument fĂŒr den Einsatz von Kunststoffen in der Medizin war und ist die Hygiene, so konnten medizinische Instrumente aus Glas oder Metall durch Wegwerfartikel aus Kunststoff ersetzt werden.[28] Ein bemerkenswertes Beispiel ist PolymilchsĂ€ure (auch: Polylactid), ein Polyester der natĂŒrlich vorkommenden MilchsĂ€ure. Er wird zu Fasern gesponnen, die als resorbierbare chirurgische NĂ€hfĂ€den Verwendung finden.[25] Nach dem Einsatz der FĂ€den werden diese enzymatisch abgebaut.[25] Die Dauer der Degradation kann dabei ĂŒber die Stereochemie (Wahl der Ketten aus rechts- oder linksdrehender MilchsĂ€ure) des Polymers eingestellt werden.

Kunststoffe fĂŒr Hochtemperaturanwendungen

Polyimide sind heterocyclische Polymere, die bis 550 Â°C stabil sind. Polyimide sind sehr gut chemikalienbestĂ€ndig und eignen sich als WerkstĂŒcke im Maschinenbau (Ventile, Lager) und in der Elektrotechnik fĂŒr Spulenkörper und als Kabelisolierung und Substrat fĂŒr Leiterplatten.[29]

Eine andere Klasse, die Polyetherimide, hat einen niedrigeren Erweichungspunkt (ca. 360 Â°C) und lĂ€sst sich mit Standardprozessen der Kunststoffindustrie (Spritzguß) verarbeiten.

Polybenzimidazole (PBI) lassen sich fĂŒr SchutzanzĂŒge, fĂŒr feuerfeste Gewebe in Flugzeugen nutzen.[29]

Aromatische Polyamide auf Basis von Poly-m-phenylenisophthalamid (PMI) eignen sich zum Verspinnen aus der Lösung. Diese Faser besitzt eine sehr hohe Reißfestigkeit und eine gute TemperaturstabilitĂ€t. Erst bei ca. 400 Â°C verformt sich die Faser und verkohlt dann. Polyaramid-Fasern werden als Schutzkleidung gegen Hitze oder als Innenraumauskleidung in Flugzeugen verwendet.[29]

Carbonisierte und graphitisierte Polymere erhĂ€lt man durch programmiertes Erhitzen von zwei- oder dreidimensionalen Polymeren in einem Temperaturbereich von 1000 bis 2000 Â°C in einer StickstoffatmosphĂ€re. Hierbei erhĂ€lt man Materialien mit einem graphitartigen Aufbau, z.B. KohlenstofffĂ€den, Kohlenstoffvließ, Kohlenstoffglas und Kohlenstoffschaum.

Aus Polyacrynitril lassen sich graphitĂ€hnliche KohlenstofffĂ€den herstellen. Sie sind bis 3000 Â°C (Inertgas) bestĂ€ndig und können den elektrischen Strom leiten.

Durch Beimischung von Phenol-Formaldehydharzen zu Polyacrylnitril bei einem entsprechend gewĂ€hlten Aufheizprogramm kann ein glasartiges Material (Kohlenstoff-Glas) hergestellt werden. Es ist bis 1000 Â°C temperaturstabil, besitzt eine sehr hohe HĂ€rte, ist sehr gut bestĂ€ndig gegen Chemikalien und ist undurchlĂ€ssig fĂŒr Gase.

Aus der Kombination von KohlenstofffĂ€den mit Kohlenstoffglas erhĂ€lt man kohlenstofffaserverstĂ€rkten Kohlenstoff (CFC). CFC wird bei Heißgasleitungen, bei Ofenzylindern, bei Schrauben, bei Bremsscheiben von Flugzeugen eingesetzt.[29]

Kohlenstoffschaum erhĂ€lt man durch Erhitzen eines Duroplasten, z.B. eines Phenol/Formaldehyd-Hartschaums, auf 1000 bis 1500 Â°C. Hierbei lĂ€sst sich ein offenporiger Kohlenstoffschaum mit einer TemperaturbestĂ€ndigkeit in Luft bis zu 350 Â°C und in Stickstoff bis zu 4000 Â°C herstellen. Die Dichte betrĂ€gt weniger als 0,1 g/cm3. Dieser Schaum wird insbesondere zur WĂ€rmeisolation im Ofenbau verwendet.

Siehe auch TemperaturbestÀndige Polymere

Kunststoffseile als Ersatz fĂŒr Stahlseile

Seile aus Hochleistungskunststoffen können in manchen Bereichen Stahlseile ersetzen, etwa bei geforderter höherer Zugfestigkeit, geringerem Gewicht, Korrosionsfreiheit, ChemikalienbestÀndigkeit, geringere DehnungsfÀhigkeit, nicht stromleitend oder magnetisierbar. Beispiele wÀren

  • HMPE - High Modulous Polyethelene: Spectra, Plasma, Dyneema
  • LCP - Liquid Crystal Polymer: Vectran
  • Aramid - Kevlar, Twaron, Technora
  • PBO -phenylene benzobisoxazole - Zylon
  • Polyester - PET, PEN
  • Polyamide - Nylon

Polymermembranen

Durch Extrudieren von sehr dĂŒnnen Polymerschichten ist es möglich, sehr dĂŒnne Schichten (10 Mikrometer) herzustellen. Durch nachfolgendes Aufbringen von chemisch anders gestalteten Polymeren und Wiederholung des Prozesses können verschiedene alternierende Polymerschichten erzeugt werden. Durch bestimmte Verfahren lassen sich nun sehr kleine Mikrorisse in die Polymerschicht einbringen, so dass die Schicht beispielsweise fĂŒr Bakterien unpassierbar wird.[30] Solche Polymere können fĂŒr Membranen zur Mikrofiltration verwendet werden.

Andere Polyermembranen können den Durchtritt einiger Gase oder organischen Stoffe gestatten, sind jedoch unpassierbar fĂŒr Wasser und wĂ€ssrige Lösungen. Derartige Polymere werden beispielsweise in wasserabweisender Regenkleidung, bei medizinischen GerĂ€ten oder bei applizierten Arzneimitteln verwendet.[30]

Statt Mikrorissen in Polymerschichten können jedoch auch ionische Gruppen in einem Polymer die Passierbarkeit von Ionen durch die Membran verhindern. Derartige Membranen werden beispielsweise in der Elektrodialyse eingesetzt.

Andere Membranen sind nur fĂŒr Wasser und bestimmte Gase durchlĂ€ssig. Solche Membranen können in der Meerwasserentsalzung oder zur Abtrennung des Sauerstoffs aus der Luft (Gastrennung) eingesetzt werden.[30]

Umweltproblematik

durch KunststoffabfÀlle strangulierte Basstölpel auf Helgoland
Abfallbeutel aus biologisch abbaubarem PLA-Blend Bio-Flex

Da aus Kunststoffen auch Wegwerfartikel gefertigt werden, ergibt sich zwangslĂ€ufig das Problem der Entsorgung. Die polymeren Bestandteile der Kunststoffe sind zum einen nicht wasserlöslich und zum anderen nicht in der Lage, die Zellmembranen von Mikroorganismen zu passieren; das heißt, eine Wechselwirkung mit lebenden Organismen ist außer bei den biologisch abbaubaren Kunststoffen weitgehend ausgeschlossen. Dies hat zwar den Vorteil, dass Polymere als gesundheitlich unbedenklich eingestuft werden können, aber eine Umwandlung in der belebten Natur ebenso ausgeschlossen werden kann. Kunststoffe verrotten also nur sehr langsam. Sie sind meist wenig UV-stabil (Sonnenlicht) und vergilben und/oder verspröden, ihre ElastizitĂ€t geht verloren. Mikroorganismen können Kunststoffe im Grunde nur durch extrazellulĂ€re Enzyme verarbeiten, die das Material in kleinere Bestandteile zerlegen, die dann von der Zelle aufgenommen werden können.[31] Allerdings sind die Enzyme zu groß, um effektiv in das verrottende Material einzudringen, so dass dieser Prozess nur als OberflĂ€chenerosion ablaufen kann.[31] Toxische Zwischenstufen der biochemischen Prozesse können sich auch, wenn sie nicht weiter umgesetzt werden können, in der Natur anreichern.[31][32] Gefahr geht auch von den Additiven der Kunststoffe, wie Weichmachern, Farbstoffen oder Flammschutzmitteln aus. Man verfolgt daher verschiedene Strategien, der Abfallberge Herr zu werden.

Gelangen biologisch nicht abbaubare Kunststoffe in die Umwelt, werden sie zu einer Gefahr. So treiben mehrere Millionen Tonnen KunststoffmĂŒll in einem so genannten MĂŒllstrudel im Pazifik. Jedes Jahr tötet dieser MĂŒll mehrere hunderttausend höhere Meerestiere. Nach einer Studie der UNEP befinden sich in diesem Strudel bis zu 18.000 Kunststoffteile auf jedem Quadratkilometer MeeresflĂ€che. Auf ein Kilogramm Plankton kommen hier sechs Kilogramm Kunststoff. Die GrĂ¶ĂŸe des MĂŒllstrudels entspricht etwa der GrĂ¶ĂŸe von Texas.[33]

Die von Kunststoffen verursachten Umweltprobleme werden u.a. in den Dokumentarfilmen Plastic Planet des österreichischen Regisseurs Werner Boote sowie "Plastik ĂŒber alles" (OV: "Addicted to plastic") des Regisseurs Ian Connacher gezeigt.[34]

Kunststoffrecycling

GrundsĂ€tzlich lassen sich drei Möglichkeiten der Weiterverwertung erschließen:

Werkstoffliche Verwertung

LKW mit recyclebaren KunststoffabfÀllen in China

Thermoplaste lassen sich, einmal zu einem WerkstĂŒck geformt, wieder einschmelzen und zu einem neuen Produkt formen. Die Abfolge von WĂ€rmebehandlungen fĂŒhrt allerdings zu einem fortschreitenden QualitĂ€tsverlust des Materials (Downcycling).[35] GrĂ¶ĂŸtes Problem bei einer erneuten werkstofflichen Verwertung ist allerdings die Trennung der einzelnen Kunststoffe. Mischt man verschiedene Polymere in einem Material, fĂŒhrt dies in der Regel zu einem starken QualitĂ€tsverlust und wesentlich schlechteren mechanischen Eigenschaften. Um die Trennung zu erleichtern, fĂŒhrte man 1988 den Recycling-Code ein. Die Wiederverwertung nicht sortenreiner AbfĂ€lle, wie beispielsweise HausmĂŒll gestaltet sich aber dennoch sehr schwierig. Die gĂ€ngigen Trennverfahren sind sehr personalintensiv und erfordern einen hohen Einsatz an Wasser und Energie, so dass hier sowohl eine Kosten-Nutzen-Rechnung, als auch die Ökobilanz negativ ausfallen.

Die werkstoffliche Verwertung wird daher zurzeit fast ausschließlich dort eingesetzt, wo große Mengen eines sortenreinen Materials zur VerfĂŒgung stehen. Beispielsweise werden in Deutschland Schaumpolystyrolverpackungen gesammelt, die eine erneute Verwertung als Bodenverbesserer in der Landwirtschaft oder bei der Herstellung von Schaumpolystyrol-Beton oder Ziegelsteinen finden. Die Recyclingquote fĂŒr Schaumpolystyrol betrug im Jahre 2000 etwa 70 Prozent.[35] FĂŒr PVC existiert ebenfalls ein RĂŒcknahmesystem, gesammelt werden vor allem FußbodenbelĂ€ge, Dachbahnen, Fensterprofile und PVC-Rohre. Weitere Anwendungsbereiche fĂŒr die werkstoffliche Wiederverwertung sind zum Beispiel in der Wiederverwertung von Fahrzeugen oder GetrĂ€nkeflaschen, oder in LĂ€ndern der zweiten oder dritten Welt, wo das Sammeln sortenreiner KunststoffabfĂ€lle zum Einkommen beitrĂ€gt. So entstehen aus den SekundĂ€rrohstoffen erneut Verpackungen oder Produkte wie Fensterprofile, Rohre, Blumen- und GetrĂ€nkekĂ€sten, neue Folien, Fensterrahmen oder Gießkannen.

Rohstoffliche Verwertung

Durch Pyrolyse lassen sich Kunststoffe wieder in die jeweiligen Monomere oder weitere petrochemisch verwertbare Stoffe, wie Methanol oder Synthesegas spalten. FĂŒr die Gewinnung der Monomere ist aber ebenfalls die VerfĂŒgbarkeit sortenreinen Materials Voraussetzung. Beispiele sind das Hamburger Verfahren,[36] das zurzeit von der BP betrieben wird und sowohl zur Gewinnung von Monomeren, als auch petrochemischer Rohstoffe dient und das von Walter Michaeli und anderen entwickelte Verfahren der degradativen Extrusion,[37] das in der Lage ist, vermischte KunststoffabfĂ€lle in rohstofflich verwertbare Gase, Wachse und Öle umzuwandeln. Diese Verfahren werden naturgemĂ€ĂŸ vor allem fĂŒr die Verwertung von Mischkunststoffen genutzt, die sich nur unter großem Aufwand trennen lassen wĂŒrden.

Energetische Verwertung

Bei der energetischen Verwertung werden die Kunststoffe zur Energiegewinnung genutzt. Dies geschieht fast ausschließlich durch Verbrennung. Einsatzgebiete sind vor allem Hochöfen, Zementwerke, Kraftwerke etc. Die dort vorherrschenden hohen Temperaturen sorgen fĂŒr eine vollstĂ€ndige und schadstoffarme Verbrennung. Der Heizwert von Kunststoffen entspricht ungefĂ€hr dem von Steinkohle.

Biologisch abbaubare Kunststoffe

→ Hauptartikel: Bioabbaubarer Kunststoff und Biokunststoff
Mulchfolie aus bioabbaubarem PLA-Blend Bio-Flex
Biologisch abbauende Mulchfolie aus PLA-Blend Bio-Flex

Seit etwa 1990 forscht man intensiv an durch Kompostierung entsorgbaren Kunststoffen. Definiert wird die PrĂŒfung der Kompostierbarkeit von Kunststoffen seit 1998 unter der DIN-Norm V 54900. Damit ein Kunststoff biologisch abbaubar wird, muss er Angriffsstellen fĂŒr die Enzyme der Mikroorganismen bieten, die ihn fĂŒr ihren eigenen Stoffwechsel nutzen wollen. Diese Enzyme verwandeln die langen Polymerketten in handlichere wasserlösliche BruchstĂŒcke. Dazu kann man bereits natĂŒrlich vorkommende Polymere (Biopolymere) nutzen, oder in synthetisch hergestellte Ketten Einheiten wie Zucker, BernsteinsĂ€ure oder MilchsĂ€ure integrieren. Entscheidend ist die Anwesenheit von Heteroatomen wie Stickstoff oder Sauerstoff im Kunststoff.[31] So sind die meisten der bisher etwa 30 bekannten, vermarktungsfĂ€higen, biologisch abbaubaren Kunststoffe Polyester, Polyamide, Polyesterurethane und Polysaccharide.[31] Bei synthetisch hergestellten Polyestern und -amiden besteht das Problem, dass gerade die Eigenschaften, die die Schlag- und Zugfestigkeit der Materialien ausmachen (intramolekulare H-BrĂŒcken in Amiden, aromatische Komponenten in Polyestern), einer Verwertung durch die Natur entgegenstehen.[31] Eine Verbesserung der biologischen Abbaubarkeit bedeutet so auch fast immer eine Verschlechterung der Werkstoffeigenschaften. Die Weltproduktion an biologisch abbaubaren Kunststoffen betrug im Jahr 2007 300.000 Tonnen (im Vergleich zu 240 Mio. Tonnen Standardkunststoff).[38]

Polysaccharide

Polysaccharide (StĂ€rke, Cellulose) dienen der Natur als Energiespeicher und GerĂŒstsubstanzen. UnzĂ€hlige Einfachzucker (wie Glukose oder Fruktose) bilden lange Ketten und stellen somit natĂŒrlich vorkommende Polymere dar, die als solche auch von der Natur abgebaut werden können. Sie sind billig und in großen Mengen verfĂŒgbar, zeigen allerdings einen gravierenden Nachteil: Sie können nicht durch Aufschmelzen zu Folien, Formteilen oder Fasern verarbeitet werden, d. h. sie sind nicht thermoplastisch formbar.[31] Die thermoplastische Formbarkeit ist jedoch gerade einer der großen VorzĂŒge von Kunststoffen. Eine Veresterung der freien OH-Gruppen der Zucker verbessert zwar die Materialeigenschaften, setzt aber auch ihre FĂ€higkeit zur biologischen Abbaubarkeit herab.[31] Will man also Polysaccharide als Werkstoff einsetzen, muss man einen Kompromiss zwischen Werkstoffeigenschaften und biologischer Abbaubarkeit finden.

PolyhydroxybuttersÀure (PHB)

PolyhydroxybuttersĂ€ure ist ein ebenfalls natĂŒrlich vorkommendes Polymer,[39] das von bestimmten Mikroorganismen zur Energiespeicherung gebildet wird. Durch Fermentation können diese dazu angeregt werden, das Polymer bis zu 90 % ihrer eigenen Masse anzureichern.[31] Es ist als Biopolymer biologisch abbaubar und zeigt Materialeigenschaften, die denen von Polyestern Ă€hneln.[31] GegenwĂ€rtig forscht man daran, PHB auch in gentechnisch verĂ€nderten Pflanzen produzieren zu können („Plastikkartoffeln“).[31]

Mögliche Anwendungsgebiete
  • Agrarwirtschaft: verrottende Mulchfolien, Pflanzentöpfe
  • Abfallentsorgung: Entsorgung von besonders verdrecktem, nur schlecht recyclebarem MĂŒll, wie Lebensmittelverpackungen, Windeln, etc
  • Landschaftspflege: Verringerung des Littering
  • Fischerei: verlorene Fischernetze stellen eine latente Gefahr fĂŒr grĂ¶ĂŸere Meereslebewesen dar
  • KunstdĂŒnger: als HĂŒllsubstanzen fĂŒr DĂŒnger, so dass dieser langsamer und dosierter wirken kann (Controlled release).[31]

Produktionsstatistik von Kunststoffen in Deutschland und der Welt

Produktion von Kunststoffen in Deutschland 2007

Substanzklasse Jahresproduktion in Tonnen Umsatz in Mio. Euro mittlerer Grundpreis in Euro je Tonne
Polyethylen (d>0,94) 1.786.268 1.275 713,78
Ethylen-Polyvinylacetat 31.424 43,5 1384,29
Expandierbares Polystyrol 475.606 515 1082,83
Anderes Polystyrol 426.272 145,5 341,33
Einheitliches Polyvinylchlorid 1.564.029 1.101 703,95
Weichgemachtes Polyvinylchlorid 113.212 148,4 1310,82
Vinylchlorid-Vinylacetat-Copolymere 437.527 356,5 814,81
Polyacetale 140.244 333 2374,43
Polyetheralkohole 566.463 562,7 993,36
Epoxidharze (Formmassen) 99.320 55,2 555,78
Epoxidharze (Klebstoffe) 22.406 40,3 1798,63
Epoxidharze (andere) 179.426 343,2 1912,77
Polycarbonate 326.279
Alkydharze 255.622 208,4 815,27
Polyethylenterephthalat 534.093 615,1 1151,67
Andere Polyester 489.338 583 1191,41
Polypropylen 1.928.257 1.429 741,08
Polypropylen-Copolymere 493.962 298 603,29
Vinylacetat-Copolymere, wÀssrig (Klebstoffe) 227.115 132,2 582,08
Acrylpolymere 201.325 562,7 2794,98
Acrylpolymere (Formmassen) 600.940 801,9 1334,41
Andere Acrylpolymere 952.756 650,5 682,76
Polyamide (Formmassen) 587.024 1.296 2207,75
Anderes Polyamid 610.896 732,6 1199,22
Harnstoffharze 1.013.900 358 353,09
Melaminharze 355.616 338,9 952,99
Andere Aminoharze, Polyurethane 493.962 298 603,29
Andere Phenolharze 256.604 296,5 1155,48
Andere Polyurethane 1.065.888 1.666 1563,02
Andere Silikone 427.141 1.570 3675,60
Celluloseether und Derivate 188.348 544 2888,27
Synthetischer Kautschuk, Latex 728.442 562,1 771,65

[40]

Jahr Weltproduktion (jato)
1930 10.000
1949 1.000.000
1965 15.000.000
1976 50.000.000
2003 200.000.000
2008 280.000.000

Gesundheitsgefahren

Die Polymerstrukturen der Kunststoffe selbst gelten, da die Zellen lebender Organismen nicht in der Lage sind sie aufzunehmen, als biologisch inaktiv und somit vollkommen unbedenklich. Gefahr kann allerdings von den zugesetzten Additiven ausgehen. Diese können an der OberflĂ€che des Materials austreten (Ausschwitzen). Aus diesem Grunde gelten fĂŒr Lebensmittelverpackungen, Kunststoffe in der Medizin und Ă€hnliche Anwendungen besonders strenge Auflagen hinsichtlich der Verwendung von Additiven. Die in solchen Bereichen eingesetzten Kunststoffe bedĂŒrfen einer Zulassung, beispielsweise durch die FDA.

In diesem Zusammenhang ist in der Vergangenheit vor allem Weich-PVC in die Kritik geraten, da diesem Kunststoff besonders große Mengen an Weichmachern zugesetzt werden. Es ist daher schon seit langem nicht mehr als Verpackung fĂŒr Lebensmittel zugelassen. Ebenso ist in der EuropĂ€ischen Union Herstellung und Vertrieb von Spielzeug fĂŒr Kinder bis drei Jahre aus Material untersagt, welches Phthalat-Weichmacher enthĂ€lt. Allerdings werden bis heute vor allem in Fernost produzierte Spielzeuge aus Weich-PVC verkauft.

Siehe auch

Quellen

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Literatur

BĂŒcher

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  • HANDBUCH DER EXPERIMENTELLEN CHEMIE SEKUNDARBEREICH II. Band 12, Kunststoffe, Chemie des Alltags. Aulis Verlag Deubner & Co., Köln, ISBN 3-7614-1888-4.
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Zeitschriften u. AufsÀtze

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  • Harald Cherdron: Moderne Aspekte der Kunststoffe, Chemie in unserer Zeit, 9. Jahrg. 1975, S. 25-32, ISSN 0009-2851
  • Hans Priess: Zur Umbenennung der Kunststoffe in „Polyplaste“. Chemiker-Zeitung 74(21), S. 265 ff. (1950), ISSN 0009-2894
  • Klaus Möbius: Kunststoffe in aller Welt. Chemiker-Zeitung – Chemische Apparatur 83(20), S. 693–699 (1959), ISSN 0009-2894
  • Karlheinz Hillermeier und Albrecht Hille: PolyesterfaserverstĂ€rkung von duroplastischen Formmassen, BMFT Forschungsbericht, T83-155 (1983), ISSN 0340-7608
  • Klaus G. Kohlepp: Wachstum im Wandel der Zeiten – Entwicklungsgeschichte der Kunststoffe. Kunststoffe 5/2005, S. 22–32 (2005), ISSN 0023-5563
  • H.P. Schlumpf: OMYA-Kontakt No. 172, Vortragsskript 1994, PlĂŒss Staufer AG
  • H.P. Schlumpf: Kunststoffe, 77, S. 1092–1099 (1987)

Institute

Weblinks

 Commons: Kunststoff â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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