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Die Kura-Araxes-Kultur (auch frĂŒhtranskaukausische Kultur oder Mtkwari-Araxes-Kultur[1]) ist eine frĂŒhbronzezeitliche Kultur im Kaukasus.
Inhaltsverzeichnis |
Sie wurde 1944 durch den russischen ArchĂ€ologen B. A. Kuftin definiert. Er datierte sie in das Ăneolithikum.
Die Kura-Araxes-Kultur findet sich im zentralen und nordöstlichen Kaukasus, in Transkaukasien mit Ausnahme der KĂŒste der Kolchis[1], dem östlichen Anatolien und dem nordwestlichen Iran[2]. Die frĂŒhesten Funde liegen in der Ararat-Ebene, von da breitete sie sich ins östliche Georgien (um 3000), in das Gebiet um Erzurum und nach Kilikien aus.[3]. Lordkipanidse sieht ihren Ursprung dagegen im sĂŒdgeorgischen Kuratal[4].
Die nördlichsten Fundorte liegen in Dagestan (Kayakent, Velikent) und Aserbaidschan, wobei Velikent auch deutliche SteppeneinflĂŒsse zeigt[5]. WĂ€hrend frĂŒhe Forscher die kulturelle Einheitlichkeit betonen, werden heute mehrere Lokalgruppen unterschieden. Manche Forscher sehen in der Kura-Araxes-Kultur einen Kulturkomplex aus mehreren eng verwandten lokalen Kulturen[6]. Dazu gehören unter anderem die Schengavit-Kultur und die Velikent-Kultur (auch als Dagestanische Variante oder Nordvariante der Kura-Araxes-Kultur bezeichnet) in der Chachmas-Kuban-Zone.
Die Khirbet-Kerak-Kultur (2800â2600) in Syrien, im Libanon und PalĂ€stina ist eng verwandt.
Wichtige Fundorte:
Die Kura-Araxes-Kultur wird zwischen 3400 und 2000 v. Chr. [7] oder 3600â1900 v. Chr. [8]datiert. Sie ist also gleichzeitig mit der Uruk-Kultur Mesopotamiens und der Maikop-Kultur nördlich des Kaukasus.
Kuschnareva und Chubinischvili haben folgende Gliederung vorgeschlagen:
| Stufe | Datierung |
|---|---|
| frĂŒh | 3000â2700/2600 |
| mittel | 2700/2600â2400/2300 |
| spĂ€t | 2400/2300â2000 |
Diese Datierungen werden inzwischen oft als zu jung angesehen. Magomedov schlÀgt folgende Gliederung vor:
| Stufe | Datierung |
|---|---|
| beginnend | 3500â2900 |
| frĂŒh | 2900â2500 |
| mittel | 2500â2200 |
| spĂ€t | 2200â1900 |
Die Kura-Araxes-Kultur folgt auf die Àneolithische Schulaweri-Schomutepe-Kultur. Es ist jedoch ein deutlicher kultureller Bruch zu beobachten[5].
Die Keramik der frĂŒhen Phase ist handgemacht, reduzierend gebrannt und hat eine helle OberflĂ€che. Sie ist organisch, mit Sand oder zerstoĂenem Obsidian gemagert[4]. Die OberflĂ€che ist meist glĂ€nzend poliert. Typisch sind Tassen mit einem oder zwei randstĂ€ndigen Henkelösen, Schalen und kleine Tassen mit leicht abgesetztem kurzen Hals und bikonische Töpfe mit zwei Henkelösen am Umbruch. Plastische Verzierung ist hĂ€ufig.
Typisch fĂŒr die Keramik der spĂ€ten Phase sind die grau-schwarze Farbe bzw. schwarz-rote Farbe der polierten Feinkeramik und geritzte und plastische Spiralverzierungen und konzentrische Kreise. Sie ist manchmal mit Abbildungen von Tieren (Hirsche, Steinböcke), besonders Vögeln (Kraniche?) verziert[1]. Keramische GefĂ€ĂstĂ€nder haben oft Hufeisenform, aber auch runde Exemplare sind bekannt. In Daghestan wurde eine polierte Scheibenware hergestellt, die mit KammeindrĂŒcken verziert ist. Hier sind auch plastische Verzierungen aus aufgelegten BĂ€ndern typisch. Die transkaukasische Ware ist ĂŒberwiegend unverziert.
Frauenfiguren aus Ton sind meist stark stilisiert, im Gesicht wird nur die Nase plastisch hervorgehoben. Auch Figuren von Schafen sind hÀufig[9].
Aus Chisanaant-Gora sind Feuerstein-Sicheln bekannt[10]. Neben Feuerstein wurde auch Obsidian verarbeitet.
Polierte SteinĂ€xte mit gebogenem LĂ€ngsprofil sind in Gebrauch, in Transkaukasien finden sie sich aber nur selten. Rillenschlegel (KĂŒltepe, Aruchlo), wurden im Bergbau eingesetzt[11]
In der ersten Phase der Kura-Araxes-Kultur ist Metall noch selten [12]. Unter den BronzegegenstĂ€nden sind SchaftlochĂ€xte, TĂŒllenmeiĂel, Kugelkopfnadeln mit durchbohrtem Schaft, Schlingenkopfnadeln, Nadeln mit sichelförmigem und T-förmigem Kopf und durchbohrtem geschwollenen Schaft sowie Armreife mit verdickten Enden und ankerförmige AnhĂ€nger typisch. Auch Bronzesicheln und Speerspitzen sind belegt. TriangulĂ€re Flachdolche mit und ohne Mittelrippe sind hĂ€ufig. SpĂ€ter kommen auch Dolche mit angegossenem Metallgriff vor. Aus Kwazchela stammen Kupferplatten mit den stilisierten Bildern von Tieren (Hirsche und Vögeln). Auch Gold, Silber und Blei wurde verarbeitet[9].
Die Siedlungen liegen meist in geschĂŒtzten Lagen entlang der FlĂŒsse, oft in relativ dichtem Abstand[13]. Die Mehrzahl der Fundorte findet sich im Flachland. Sie sind meist unbefestigt [14].
Typisch sind RundhĂ€user, entweder aus Stein (im Gebirge), aus lehmverschmierten Flechtwerk (auch durch HĂŒttenlehmfunde nachgewiesen) oder aus Stampflehm. Das flache Dach besteht aus Stampflehm und wurde von einem zentralen Pfosten gestĂŒtzt. Im Zentrum der HĂ€user liegt eine runde oder hufeisenförmige Herdstelle. In Transkaukasien haben die Herdstellen oft Lehmeinbauten. Entlang der WĂ€nde liegen TonbĂ€nke. Der FuĂboden aus Stampflehm ist manchmal mit Ocker verziert. Auch die Herdstelle wurde manchmal durch einen Streifen mit eingeritzter Verzierung hervorgehoben.
Auch GrubenhĂ€user sind bekannt. Die HĂ€user sind oft in Reihen angeordnet[13]. Im Flachland haben die Fundstellen oft eine mĂ€chtige Kulturschicht, die 4-6 m dick sein kann (zum Beispiel Velikent I-II, Kabaz-Kutan und Torpach Kale in Daghestan). KĂŒltepe II in Naxçıvan hat 14 Kulturschichten, Yanik Tepe elf[15]. Ab Phase II wurden auch rechteckige HĂ€user gebaut, welche zuerst im Westen aufkamen[3]. Sub-rechteckige HĂ€user, teilweise mit einem kurzen Vorbau sind zum Beispiel aus Kwazchela bekannt. Sie sind 30-50 m2 groĂ. Auch sie haben BĂ€nke, entweder nur an der RĂŒckwand oder auch an den seitlichen WĂ€nden[16].
In den Siedlungen finden sich glockenförmige Vorratsgruben[4]. Auch VorratgefĂ€Ăe aus Ton wurden zur Lagerung von Getreide verwendet[1].
Im spĂ€teren Georgien hatten die HĂ€user einen Mittelpfosten, der das flache Dach stĂŒtzte. Dort bestanden die rechteckigen HĂ€user aus einem Wohnraum und einem Raum fĂŒr Wirtschaftszwecke, einzelne HĂ€user hatten ovale Apsisen, denen eine kultische Bedeutung zugeschrieben wird.[1]
Typisch sind Körperbestattungen, entweder als FlachgrĂ€ber in Seitenlage oder unter GrabhĂŒgeln (Kurganen). In den HĂŒgeln liegen die Bestatteten meist auf dem RĂŒcken. Es sind aber auch seitliche Hocker belegt[17]. Aus Georgien sind auch KatakombengrĂ€ber bekannt. In der frĂŒhen Phase sind auch Siedlungsbestattungen bekannt[17].
Die Bestattungssitten sind sehr vielfĂ€ltig. KollektivgrĂ€ber sind hĂ€ufig, hier wurden die Knochen der Ă€lteren Bestattungen oft zur Seite geschoben um neuen Toten Platz zu machen. Die meisten GrĂ€ber wurden innerhalb oder direkt neben den Siedlungen angelegt. EinzelgrĂ€ber sind selten, in der FrĂŒhphase waren paarweise Bestattungen ĂŒblich[1]. Bestattung des Körpers ohne Kopf wie auch des Kopfes ohne Körper wurden nachgewiesen[1].
Grabbeigaben bestehen aus Keramik und Fleischbeigaben, Kupfer- und BronzegegenstĂ€nde werden erst allmĂ€hlich hĂ€ufiger. MĂ€nnern wurden Waffen beigelegt, den Frauen Schmuck[1]. Die Grabbeigaben lassen auf eine egalitĂ€re Gesellschaft schlieĂen[3].
Wichtige GrÀberfelder:
In der Landwirtschaft wurden weiter auch einfachere Werkzeuge aus Holz, Knochen und Steinen verwendet[1]. Es wurde Nacktweizen, Gerste und Hirse angebaut, vielleicht auch Hafer (Badaani)[10] und Roggen (Gudabertka)[18].
Aus Kwazchela und Chisanaant-Gora sind Traubenkerne bekannt[10]. Leinsamen wurden bisher nicht nachgewiesen, TextilabdrĂŒcke auf Keramik weisen jedoch darauf hin, dass Leinwand gefertigt wurde. Als Haustiere sind Schafe und KĂŒhe belegt, SiebgefĂ€Ăe werden als Hinweis auf Milchwirtschaft gedeutet[10]. Rinder wurden als Zugvieh verwendet. Der Anteil kleinen Hornviehs nahm zu, Schaf- und Ziegenherden wurden weit in die Gebirge getrieben und damit neue Gebiete erschlossen[1]. Es sind vierrĂ€digre Wagen bekannt.
WĂ€hrend man frĂŒher annahm, dass die Kenntnis der Metallverarbeitung den Kaukasus aus Mesopotamien erreicht habe, geht man inzwischen von einer autochthonen Entwicklung aus. Die Bronzewaffen gingen denen Anatoliens und des Kuban-Gebietes zeitlich voraus, die Gussformen der Beile deuten aber auf eine mesopotamische Herkunft.[1].
Kupfervorkommen sind unter anderem aus dem Gebiet des unteren Kartli (Bolnissi, Marneuli) bekannt[19]. Das oxidische Kupfer war einfach zu verarbeiten. Meist wird jedoch das charakteristische arsenhaltige kaukasische Kupfer bzw. Arsenbronze verarbeitet (bis zu 4 % Arsen), die sich zum Beispiel auch in einem Hort aus Arslantepe VI A (Raum A 113 von Haus III) findet. Weitere Beimischungen/Unreinheiten sind Gold, Antimon, Zink und Blei[9]. In Georgien wurde aus Mangel an Zinn die Bronze mit Arsen oder Antimon hergestellt. 10-22 Prozent Arsen machten die Bronze hĂ€rter und verliehen ihr einen weiĂen Glanz. Bei gröĂeren oder geschmiedeten GegenstĂ€nden betrug der Arsenanteil ein bis sieben Prozent.
Schmelzöfen sind unter anderem aus Baba-Dervish II, Aserbaidschan und Amiranis Gora bekannt, wo auch Blasebalg-DĂŒsen aus Ton und Gussformen fĂŒr Barren gefunden wurden[20]. Weitere Beispiele stammen aus Chisanaant Gora[19]. Schlackenfunde stammen aus Baba-Dervisch II, Chizanaant Gora, KĂŒl Tepe II und Garni in Armenien. Gussformen fĂŒr Beile sind aus Garni, Schengavit, KĂŒl Tepe, Kvatschelebi C1 und Baba-Dervisch II bekannt, Gussformen fĂŒr Barren aus IÄdir und Gudabertka (bei Gori), aus Kvazchela eine Gussform fĂŒr ein Flachbeil[19].
Schmelzöfen sind unter anderem aus Baba-Dervish II, Aserbaidschan und Amiranis Gora bekannt, wo auch Blasebalg-DĂŒsen aus Ton gefunden und Gussformen fĂŒr Barren gefunden wurden[20]. Schlackenfunde stammen aus Baba-Dervish II, Khizanaant Gora, KĂŒl Tepe II und Garni in Armenien. Gussformen fĂŒr Beile sind aus Garni, Shengavit, KĂŒl Tepe, Kvatskhelebi C1 und Baba-Dervish II bekannt, Gussformen fĂŒr Barren aus IÄdir und Gudabertka (bei Gori).
Aus einigen spĂ€turukzeitlichen Siedlungen sind Reste von Kura-Araxes-Keramik (Karaz-Ware) bekannt, zum Beispiel aus Tepecik 3 östlich von ElĂązıÄ, Kurban HöyĂŒk am Euphrat (Karababa Becken) nordwestlich von Urfa, Periode VI, Samsat, Jebel Aruda und Hassek HöyĂŒk 5 bei Urfa[21].
In der mittleren kaukasischen Bronzezeit (2000â1200 v. Chr.) zerfĂ€llt die Kura-Araxes-Kultur in eine Vielzahl lokaler Gruppen, wie die Ginchi-Kultur im sĂŒdöstlichen Tschetschenien und die Prisulakskaja-Kultur im östlichen Dagestan. Im östlichen Dagestan setzt sich die Kura-Araxes-Kultur bis in die mittlere Bronzezeit fort. In Georgien findet sich die Kolchis-Kultur (1700-600 v. Chr.) [22] und die Trialeti-Kultur.[1]
Die GrÀber der mittleren Bronzezeit (sogenannte Königskurgane) [23] wie Martkopi und Dedabrishvili zeigen deutliche Unterschiede im Reichtum der Ausstattung und weisen so auf die Entstehung einer hierarchischen Gesellschaft hin.
Die Ausbreitung der Kura-Araxes-Kultur wird gewöhnlich mit einer Völkerbewegung (Migration) in Verbindung gebracht. Kavtaradze [24] hĂ€lt es fĂŒr möglich, dass die Uruk-zeitlichen Handelskolonien in Anatolien und deren Reichtum die Invasoren anlockte und schreibt ihnen die Zerstörung von Arslantepe VI A (Malatya), Hassek HöyĂŒk 5, Habuba Kabira/Tell Qanas, Jebel Aruda Tepecik 3 und Godin Tepe V zu. Manche Forscher wollen die Kura-Araxes-Kultur mit der Ausbreitung der proto-armenischen Sprache in Verbindung bringen [25], andere sehen in ihr die Wurzeln der Hurriter [26]. Japaridze behauptet, dass die Kultur seit dem 3. Jahrtausend kartwelische Wurzeln aufweise[27]. O. M. Dschaparidze sieht in den TrĂ€gern eine Mischung zwischen hurritischen, urartĂ€ischen, kartwelischen und nachisch-daghestanischen StĂ€mmen. Der Linguist G. A. Matschawariani nimmt eine Mischung indoeuropĂ€ischer und kartwelischer StĂ€mme an, Gamkrelidse und Ivanov einen indoeuropĂ€ischen Ursprung[28].