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| Nordkurdisch (Kurmandschi) | ||
|---|---|---|
|
Gesprochen in |
Türkei, Syrien, Irak, Iran, Armenien | |
| Sprecher | ± 9.320.240[1] | |
| Linguistische Klassifikation |
Indogermanisch
| |
| Offizieller Status | ||
| Amtssprache von | - | |
| Anerkannte Minderheitensprache in: | | |
| Sprachcodes | ||
| ISO 639-1: |
sdh | |
Kurmandschi (kurdisch Kurmancî oder Kirmancî) oder Nördliches Kurdisch ist eine der drei kurdischen Sprachen.
Etwa 65 % aller Kurden sprechen Kurmandschi. Es wird vorwiegend in der Türkei und in Syrien aber auch im Irak, Iran, Libanon, Armenien und in einigen anderen ehemaligen Sowjetrepubliken gesprochen. Auch in Europa verbreitet sich Kurmandschi vor allem durch Zuwanderung stark. Unter den Kurdologen ist für Kurmandschi auch die Bezeichnung Nordkurdisch geläufig.
Kurmandschi bildet mit Sorani (Zentralkurdisch) und Südkurdisch die Gruppe der kurdischen Sprachen. Zwischen diesen Sprachen bestehen Unterschiede in Aussprache, Wortschatz und Grammatik. Zudem wird das Sorani-Kurdisch im Gegensatz zum Kurmandschi gewöhnlich mit persischer Schrift geschrieben.
Inhaltsverzeichnis |
Das Kurmandschi war in den jeweiligen Status-quo-Staaten jahrzehntelang Restriktionen und Verboten ausgesetzt. So war das Publizieren, das Ausstrahlen von TV- oder Radiosendungen, das Singen, das Unterrichten der Sprache und von den 1980er bis in die 1990er Jahre sogar das Sprechen der Sprache in der Türkei verboten. Obwohl sich die Situation inzwischen verbessert hat, ist es nach wie vor verboten, in staatlichen Schulen diese Sprache zu unterrichten. Seit Januar 2009 gibt es in der Türkei mit TRT 6 einen kurdischsprachigen staatlichen Sender. An der Mardin Artuklu Üniversitesi in Mardin wurden jüngst am Institut für lebende Sprachen Lehrstühle für Kurdische und Süryanische Sprache und Literatur eingerichtet.[2] Die Universität Tunceli bietet seit 2010 ebenfalls neben Zazaki auch Kurmandschi als Wahlfach an.[3]
Die Situation in der Sowjetunion war aufgrund deren Minderheitenpolitik besser. So gab es schon in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts kurdische Veröffentlichungen und sogar kurdische Institute in Petersburg und in der Armenischen SSR.
In Nordirak ergab sich in Folge der kurdischen nationalen Bewegung eine ähnliche Situation wie in der Sowjetunion.
Kurmandschi ist die am weitesten verbreitete kurdische Sprache. Sie wird im Nordwestirak fast ausschließlich, in der Südosttürkei deutlich überwiegend und teilweise im Nordirak und im Westen Irans benutzt. Kurmandschi wird seit den 1930er Jahren mit lateinischen Buchstaben geschrieben.
(Siehe Hauptartikel Kurdische Schriftsysteme)
Das Nordkurdisch wird vorwiegend im kurdisch-lateinischem Alphabet geschrieben. Von den 31 Buchstaben, deren Aussprache weitgehend mit der Schreibung übereinstimmt, sind acht Vokale (a e ê i î o u û) und 23 Konsonanten (b c ç d f g h j k l m n p q r s ş t v w x y z).
Kleinbuchstaben: a b c ç d e ê f g h i î j k l m n o p q r s ş t u û v w x y z
Großbuchstaben: A B C Ç D E Ê F G H I Î J K L M N O P Q R S Ş T U Û V W X Y Z
Daneben gibt es im Nordkurdischen noch den Digraph Xw.
| Buchstabe | Lautwert | Beschreibung |
|---|---|---|
| a | [a] | wie dt. a in "Rasen" |
| b | [b] | wie dt. b |
| c | [dʒ] | wie dsch in "Dschungel" |
| ç | [tʃ] | wie tsch |
| d | [d] | wie dt. d |
| e | [ɛ] | kurzes offenes e, wie dt. "ä" in "hätte" |
| ê | [e] | langes geschlossenes e wie in "Sehne" |
| f | [f] | wie dt. f |
| g | [g] | wie dt. g |
| h | [h] | wie dt. h |
| i | [ə] | kurzer Schwa-Laut, wie das e in dt. "Pause" |
| î | [i] | wie in dt. Liebe |
| j | [ʒ] | wie in das j in "Journal" |
| k | [k] | wie dt. k |
| l | [l] | wie dt. l |
| m | [m] | wie dt. m |
| n | [n] | wie dt. n |
| o | [ɔ] | wie in dt. "offen" |
| p | [p] | wie dt. p |
| q | [q] | weit hinten im Rachen gebildetes k, im dt. ohne Entsprechung |
| r | [r] | gerolltes Zungenspitzen-r |
| s | [s] | immer stimmlos, wie in "Ast" |
| ş | [ʃ] | wie dt. sch |
| t | [t] | wie dt. t |
| u | [ʊ] | wie engl. u in "kurd" |
| û | [u] | langes deutliches u, wie in dt. "Uhr" |
| v | [v] | wie dt. w |
| w | [w] | wie engl. w in "week" |
| x | [χ] | wie dt. ch in "Bach" |
| y | [j] | wie dt. j in "Jacke" |
| z | [z] | stimmhaftes s wie in "Sonne" |
Das Nomen (Substantiv, Adjektiv, Pronomen) des Nordkurdischen besitzt folgende Kategorien:
| Nr | Kategorie | Realisierungen |
|---|---|---|
| 1 | Genus | Maskulinum (m) / Femininum (f) |
| 2 | Numerus | Singular (sg) / Plural (pl) |
| 3 | Kasus | primär: Rectus / Obliquus; sekundäre Kasus vom Obliquus abgeleitet |
| 4 | Definitheit | bestimmt (unmarkiert) / unbestimmt (markiert) |
| 5 | Attributierung | siehe Morpheme |
Das Nordkurdisch unterscheidet nur zwei Fälle, nämlich den Subjektfall (Casus rectus) und den Objektfall (Casus obliquus) und verfügt damit über eine Zweikasusflexion. Der Casus rectus entspricht dem deutschen Nominativ, während der Casus obliquus Funktionen übernimmt, die in anderen Sprachen üblicherweise mit dem Genitiv, dem Dativ, dem Akkusativ und dem Lokativ ausgedrückt werden. Neben diesen beiden Formen gibt es auch einen Vokativ.
Casus rectus der Personalpronomen:
| Nordkurdisch | Deutsch |
|---|---|
| Ez | ich |
| Tu | du |
| Ew | er/Sie/Es |
| Em | wir |
| Hûn | ihr/Sie |
| Ew | sie |
Casus obliquus der Personalpronomen:
| Nordkurdisch | Deutsch¹ |
|---|---|
| Min | ich, meiner, mir, mich |
| Te | du, deiner, dir, dich |
| Vî (hier),Wî (dort)² | er, seiner, ihm, ihn |
| vê (hier), Wê (dort)² | sie, ihrer, ihr, sie |
| Me | wir, unser, uns, uns |
| We | ihr, euer, euch, euch |
| Van (hier) Wan (dort)³ | sie, ihrer, ihnen, sie |
¹Da der Casus obliquus wegen der Ergativität bei transitiven Verben benutzt wird, können die Pronomina für den Nominativ stehen.
²Die 3. Person Singular ist im Casus Obliquus sowohl geschlechtspezifisch als auch lokativ und würde übersetzt Er hier oder Er dort drüben bedeuten.
³Die 3. Person Plural im Casus Obliquus ist nur lokativ.
Wenn ein Substantiv näher bestimmt werden soll, verschmilzt das Substantiv mit dem jeweiligen Morphem. Es gibt verschiedene Morpheme, unten sind nur Beispiele für geschlechtbildende Morpheme.
Morpheme im Casus rectus
| Männlich Singular | Weiblich Singular | Plural |
|---|---|---|
| ê | a | ên |
Beispiele:
Morpheme im Casus rectus
Morpheme im Casus obliquus
| Männlich Singular | Weiblich Singular | Plural |
|---|---|---|
| î | ê | an |
Beispiele:
Das Präsens wird im Kurdischen durch das Anhängen eines Präfixes di- und der Personalendung gebildet.
Bsp.: kirin- machen
| Deutsch | Kurmanci |
|---|---|
| Ich mache | Ez dikim |
| Du machst | Tu dikî |
| Er/Sie/Es macht | Ew dike |
| Wir machen | Em dikin |
| Ihr macht | Hûn dikin |
| Sie machen | Ew dikin |
Bei manchen Verben wird das Präfix an den Stamm assimiliert. Als Beispiel ein anderes Wort für Gehen herin. Anstatt des Ez diherim wird die Kurzform Ez darim oder Ez terim benutzt.
Bsp.: çûn- gehen
| Deutsch | Kurmanci |
|---|---|
| Ich gehe | Ez diçim |
| Du gehst | Tu diçî |
| Er/Sie/Es geht | Ew diçe |
| Wir gehen | Em diçin |
| Ihr geht | Hûn diçin |
| Sie gehen | Ew diçin |
Ein anderes Beispiel für ein unregelmäßiges Verb ist wissen mit dem Infinitiv zanîn, wo das Präfix di in einigen wenigen Mundarten weggelassen wird. Dies ist jedoch wenigverbreitet.
| Deutsch | Normalform | Kurzform |
|---|---|---|
| Ich weiß | Ez dizanim | Ez zanim |
| Du weißt | Tu dizanî | Tu zanî |
| Er/Sie/Es weiß | Ew dizane | Ew zane |
| Wir wissen | Em dizanin | Em zanin |
| Ihr wissen | Hûn dizanin | Hûn zanin |
| Sie wissen | Ew dizanin | Ew zanin |
Verlaufsformen wie im Englischen werden gebildet, in dem man ein "e" an die Präsensform anhängt. Allerdings kommt bei der dritten Person Singular die Y-Regel zur Geltung, da am Ende schon ein "e" ist. Da es Verlaufsformen im Deutschen nicht gibt, ist folgendes Beispiel auf Englisch.
| Englisch | Kurmanci |
|---|---|
| I am going | Ez diçime |
| You are going | Tu diçîyî |
| He/She/It is going | Ew diçiye |
| We are going | Em diçine |
| You are going | Hûn diçine |
| They are going | Ew diçine |
Für das Futur wird anstatt di- das Präfix bi- benutzt. Darüber hinaus wird dem Substantiv eine Endung "ê" angehängt, die aber unbetont ist, die getrennt- oder zusammengeschrieben werden kann.
Jedoch gibt es viele irreguläre Verben. Aus morphologischen Grunden heisst es nicht Ezê "biherim" sondern:
Das Nordkurdische besitzt wie auch andere neuiranische Sprachen eine präteritale Splitergativität. So steht bei transitiven Verben in der Vergangenheitsform der Agens nicht im Rectus, sondern im Obliquus, und das direkte Objekt im Rectus (und nicht Obliquus). Diese Konstruktion lässt sich leicht aus der Entstehung der Vergangenheitsformen aus einem Verbaladjektiv erklären, das bei transitiven Verben eine passive, bei intransitiven Verben eine aktive Bedeutung hatte: statt "ich habe dich gesehen" heißt es eigentlich wörtlich "du [Rectus] (wurdest) durch mich [Obliquus] gesehen". Dieser Konstruktionstyp kommt schon im Altpersischen und in fast allen mitteliranischen Sprachen vor, die neuiranischen haben ihn zum Teil beibehalten.
Perfekt:
Beispiel:
Aber:
Hier steht das Agens im Casus rectus, weil „gehen“ ein intransitives Verb ist.
Ohne Gewähr: